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Warum man Babys nicht allein schreien lassen sollte


Baby schreitWird ein Baby geboren, ist es über alle Maßen schutz- und hilflos. Es benötigt Personen, die es füttern, kleiden, lieben, wärmen, also alle seine Grundbedürfnisse erfüllen. Um dies verlässlich einfordern zu können, hat das Kind nur eine einzige, aber mächtige Möglichkeit: sein Schreien. Sobald irgendwo auf der Welt ein Baby schreit, kann man beobachten, wie nahezu alle Menschen in der Umgebung darauf reagieren. Hört das Schreien nicht innerhalb kürzester Zeit auf, beginnen fast alle, die Köpfe zu recken, das Baby zu suchen, zu schauen, ob es versorgt wird oder ob man eingreifen muss. Das ist ein tief in uns verwurzelter Instinkt, mit dem die Natur das Überleben der menschlichen Rasse sinnvoll absichert. Jede Mutter kennt das zerreißende Gefühl in den ersten Tagen und Wochen, wenn ihr erstes Neugeborenes aus tiefstem Herzen schreit - die eigenen Reaktionen  darauf reichen von Nervösität, über Herzrasen bis hin zu Schweißausbrüchen - man fühlt versucht instinktiv sofort alles, um die Ursachen für das durchdringende Weinen zu beseitigen und fühlt sich von der Umgebung genau beobachtet. 

Babys schreien nur in höchster Not 


Zu Schreien bedeutet für das Baby einen unglaublichen Kraft- und Energieaufwand - daher versucht es zunächst, durch vielfältige andere Signale darauf aufmerksam zu machen, dass es ein Bedürfnis hat. Bei Hunger wird es schmatzen, das Fäustchen in den Mund stecken und den Kopf suchend bewegen, ist es müde, reibt es die Ohren oder gähnt. Im Schnitt kündigt das Baby seine Bedürfnisse erst einmal 31 Minuten lang mit zunehmender Intensität an (Gill 1984). Werden all diese Signale missachtet, muss der Forderung nach Erfüllung des Bedürfnisses Nachdruck verliehen werden, es wird - in der Regel sofort in beeindruckender Lautstärke - geschrieen. Ein Baby schreit erst dann, wenn es in höchster Not ist - wenn es sein Leben durch Hunger oder Alleinsein bedroht sieht. Daher wird es auch nicht eher damit aufhören, bis entweder das Bedürfnis befriedigt wird oder es vollkommen erschöpft ist. Babys schreien niemals ohne Grund - auch, weil das Schreien die Gefahr erhöht, dass Jäger auf potentielle Beute aufmerksam werden. Zwar leben wir in vollkommen anderen Umständen, als noch vor ein paar hundert Jahren, dieser Lebenswandel ist bei der evolutionären Prägung unserer Kinder jedoch noch nicht angekommen - sie sind verhaltenstechnisch noch für ein Leben in Wanderherden in der Steppe mit Fressfeinden ausgerüstet. Daher ist der Körper noch immer mit einem Schutzmechanismus, dem Totstellreflex, ausgestattet, dieser lässt ein Baby, auf dessen Schreien nicht reagiert wird, in eine Starre/in den Schlaf verfallen - leise in der Ecke liegend ist ein Baby sicherer, als laut nach Menschen schreiend, die nicht reagieren. 

Was passiert im Körper des Babys? Welche Auswirkungen hat es? 


Schreien ist also das letzte Mittel der Wahl um sich verständlich zu machen - so dass man davon ausgehen kann, dass sich ein schreiender Säugling in höchsten Nöten befindet und gerade massivstem Stress ausgesetzt ist. Das Gehirn schüttet dabei Adrenalin und Cortisol aus und überflutet den Körper damit - diese Hormone können in größeren Mengen toxisch (=giftig) wirken und bestimmte Regionen im Gehirn dauerhaft schädigen. Ein Baby kann sich noch schwer bis gar nicht selbst beruhigen - es ist dafür zwangläufig auf Erwachsene angewiesen. Erst das Beruhigen, das in den Arm Nehmen, das Streicheln und Trösten sorgen dafür, dass Oxytocin ausgeschüttet wird, das den Körper beim Abbau der Stresshormone unterstützt. Wird das Kind nicht beruhigt und ist der Cortisolspiegel oft und lange erhöht, kann dies vielfältige und vor allem dauerhafte Auswirkungen haben - beispielsweise wird das Wachstum des Hippocampus stark eingeschränkt - er ist für die Angstregulation verantwortlich. Erfahrungen und Gefühle im Babyalter speichern sich im Amygdala (Mandelkern) im Gehirn ab - Angst, Frustration und Enttäuschung sind tief verankert.

Zusätzlich wird das Immunsystem geschwächt, Wachstum und Lernfähigkeit können beeinträchtig sein. Auch das Nervensystem wird nachhaltig beeinflusst - die Stressschaltkreise werden auf "überempfindlich" programmiert. Die Synapsenbildung im Gehirn wird nachhaltig beeinflusst - ein Vorgang, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. In späteren Jahren reagiert das Gehirn dann auf Stresssituationen entweder mit einer Überproduktion an Hormonen (Depressionen, Angststörungen) oder mit einer Unterversorgung (Gefühlskälte, Aggression). Wissenschaftler gehen davon aus, dass der derzeitige Anstieg an Depressionen und Angststörungen auch auf das seit etwa 80 Jahren regelmäßig empfohlene und praktizierte Schreien lassen aus Erziehungszwecken zurück zu führen ist.

Verzweifeltes Schreien aktiviert außerdem die Schmerzrezeptoren im Gehirn - das Kind empfindet tatsächlich körperlichen Schmerz. Auch der psychische Einfluss ist massiv: Wird vorsätzlich nicht reagiert, signalisiert das dem Kind: "Ich kümmere mich nicht um Dich, Du bist mir nicht wichtig, Du musst allein zurecht kommen". Das hat Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl - die Kinder versuchen verzweifelt, ihre Ängste allein zu regulieren. Gezieltes Schreien lassen führt letztendlich zu physischer Erschöpfung - wird dauerhaft nicht auf die Bedürfnisse reagiert, kann der Säugling die kumulativ aufgebauten Angstgefühle nicht mehr bewältigen und resigniert. Das Schreien wird wegen mangelnder Erfolgsaussicht eingestellt. 

Der Druck der Gesellschaft 


Die in unserem Blog meistgelesenen Artikel sind vor allem die über das Schlafen - auch in vielen Foren sieht man, dass das ein Thema ist, das ganz viele Eltern bewegt. Offenbar sind die Annahmen darüber, was betreffs des Schlafs von Babys normal ist, grundverschieden davon, wie Babys tatsächlich schlafen. In jedem Ratgeber werden Wege beschrieben, wie man es schafft, dass Kinder möglichst schnell allein ein- und durchschlafen. Dass dies gar nicht ihrem grundlegenden Bedürfnis entspricht, wird dabei ignoriert - Babys wollen nicht alleine einschlafen und meist am allerliebsten nur in Mamas oder Papas Arm.
 
Baby schläft im Arm
Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt, wenn ihr Kind nicht alleine einschläft oder noch lange nachts wach wird - auch wegen der vielen Nachfragen aus dem Umfeld. Aus unerfindlichen Gründen ist "Und - schläft Dein Kind schon durch?" eine der meistgestellten Fragen im Leben von Eltern. Und eine der Fragen, bei der am häufigsten geflunkert wird - offenbar empfinden es viele als erzieherisches Versagen, wenn ihr Kind nicht den Erwartungen entspricht. Dass ihre Kinder sich vollkommen normal verhalten, überrascht viele - die Vorstellung, dass Kinder alleine einschlafen müssen, ist eine Erfindung der letzten Jahrzehnte. In den paar Tausend Jahren davor kam niemand auf die Idee, Kinder abseits von der Familie in gesonderten Zimmern zu betten - seit Urzeiten war es vollkommen normal, dass Kinder und Eltern zusammen schliefen. Kinderzimmer sind eine Erfindung der Neuzeit - leider sind unsere Babys verhaltenstechnisch dort noch nicht angekommen.

Die "Neuzeit" führte auch dazu, dass die altbewährten Zusammenlebensmuster zerfielen - aus Rudeln, in denen sich jeder um jeden kümmerte wurden kleine Familien, die sich nun fast ausschließlich alleine ihre Kinder aufziehen. Dies ist aufwändig und stressig, so dass Eltern ein grundlegendes Bedürfnis nach abendlicher Ruhe haben. Kinder jedoch haben das Bedürfnis, ganz besonders abends nicht allein zu sein, so dass hier ein Interessenskonflikt besteht.

Dazu kommt ein noch gravierenderer Sachverhalt: Die zwei Generation vor der unsrigen hat eine Erziehung genossen, deren Wurzeln im Dritten Reich liegen (siehe dazu auch unser Artikel Die Erziehung unserer Großeltern und Eltern) - das damalige Standardwerk "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" gab es bis in die 80er Jahre als nur leicht abgewandeltes "Die Mutter und ihr erstes Kind" - die dort beschriebenen Erziehungsmethoden basieren vor allem auf dem Grundsatz, dass Kinder zu funktionieren haben - notfalls durch das Brechen ihres Willens.

Wenn Omi uns nun vorhält "Du musst Dein Kind mal schreien lassen, das stärkt die Lungen", dann ist das eine in ihrer Generation weit verbreitete Annahme, deren Wahrheitsgehalt mangels zugänglicher Informationen nicht hinterfragt wurde. Tief wurzelt in unseren Eltern und Großeltern ist die Angst, Kinder könnten durch ein Übermaß an Zuneigung verzogen werden - das ist das, was ihnen Jahrzehntelang gepredigt wurde. Sicher jeder hat schon mal die Warnung gehört "Du ziehst Dir einen Tyrannen heran, wenn Du bei jeder Kleinigkeit sofort reagierst" - das ist absoluter Unfug. Babys im ersten Lebensjahr sind überhaupt nicht in der Lage, das Schreien gezielt zur Manipulation einzusetzen. Das würde planvolles Handeln erfordern, wozu Babys kognitiv gar nicht in der Lage sind - dies belegen wissenschaftliche Arbeiten eindeutig.

Mütter und Väter sind also in einem Konflikt - einerseits spüren sie ganz instinktiv, dass sie sich dem kleinen Wesen unbedingt immer sofort liebevoll zuwenden sollten. Andererseits fehlt ihnen durch die unterstützenden Hände Kraft und Zeit, sich um die eigenen Belange zu kümmern und zusätzlich unken Bekannte, Verwandte und sogar manche Hebamme oder mancher Kinderarzt, dass ein Kind ab einem gewissen Alter allein einschlafen müsse, weil es sonst in Gefahr liefe, tyrannisches Verhalten zu entwickeln: "Es tanzt Euch doch schon auf der Nase herum" oder "Es schläft mit 18 Jahren noch in Eurem Bett!". Das führt dazu, dass Schlafprogramme wie "Jedes Kind kann schlafen lernen" oder die "Freiberger Sanduhr" angewendet werden. Diese Programme basieren auf gezieltem Schreien lassen. Damit das Kind alleine einschläft wird nach einem festen Zeitmuster das Schreien reaktionslos abgewartet und dann halbherzig getröstet (ohne das Kind aus dem Bett zu nehmen). Nach einer bestimmten Zeit wird der Raum wieder verlassen und der Zeitraum des Abwartens ausgedehnt. Das Kind erlebt also immer und immer wieder, verlassen zu werden und vor allem: Dass ihm vorsätzlich Zuwendung und Trost dauerhaft entzogen werden. Dabei ist es unbedingt erforderlich, sich einem schreienden Kind sofort zuzuwenden und es zu trösten.

Auch während der abendlichen Schreiphasen bzw. der sogenannten Dreimonatskoliken bei Neugeborenen, die sich über Stunden hinweg ziehen können, sollte man das Kind niemals alleine lassen - auch wenn man das Gefühl hat, dem Kind so oder nicht helfen zu können; sollte die Zuwendung aufrecht erhalten werden. Falls man jedoch so nervlich angespannt ist, dass die Gefahr besteht, das Kind zu schütteln oder andere Aggressionsformen entstehen, dann MUSS man das Kind kurz weg legen - oft reichen wenige Minuten aus, um sich wieder in den Griff zu bekommen. Strategien für die Wutbewältigung findest Du in einem gesonderten Artikel in unserem Blog. Es gibt außerdem einen ausführlichen Artikel zum abendlichen Schreien (Dreimonatskoliken) und über Schreibabys, die ganz viele Tipps und Methoden enthalten, mit denen man schreiende Kinder beruhigen kann.

Die Schlafprogramme sind meist erfolgreich - die Frage ist: Um welchen Preis? Der Säugling wird das Schreien bei dauerhaftem Ignorieren irgendwann einstellen - er tut dies jedoch aus Resignation, nicht etwa, weil er "schlafen gelernt" hat. Tatsächlich wachen Kinder nach wie vor genauso oft auf, wie bisher, sie wissen jedoch, dass es sinnlos ist, nach Mama zu rufen, weil sie nicht kommen wird. Das Urvertrauen ist zerstört - das Baby hat gelernt: Egal wie sehr ich rufe, wie sehr ich mich quäle, niemand reagiert verlässlich auf mich, immer und immer wieder werde ich verlassen. Diese fehlende Feinfühligkeit wirkt sich massiv nachteilig auf die Bindung aus. 

Mutter mit Kind

Fazit 


Ein Baby sollte niemals vorsätzlich und auf gar keinen Fall allein schreien gelassen werden. Kein Baby wird dauerhaft schaden nehmen, weil die Bezugsperson mal auf die Toilette muss oder sich gerade dringend um das Geschwisterchen kümmert. Babys haben durchaus feine Antennen dafür, ob ihre Eltern gerade nicht "können" oder nicht "wollen" - und können kurze Zeiträume des Schreiens durchaus tolerieren.

Man sollte aber grundsätzlich im Interesse des Kindes versuchen, die Momente, in denen es schreien muss, zu begrenzen, so gut man das kann. Zumindest sollte das Ziel sein, dass das Kind nicht alleine weinen muss. Das ist in den ersten Lebensmonaten aufwändig und manchmal nervenaufreibend - aber hier wird dauerhaft der Grundstein für die Bindung zwischen Eltern und Kind und für die psychische Gesundheit im weiteren Leben gelegt.

Ein Kind, das man über längere Zeit schreien lässt, trägt Schäden davon - das ist nachgewiesen. Eltern, die ihre Kinder geferbert haben, sagen: "Ich habe doch trotzdem ein gesundes, fröhliches Kind" - die Auswirkungen werden sich jedoch wahrscheinlich erst im Jugend-/Erwachsenenalter zeigen. Natürlich kann es auch Kinder geben, auf die das Schreien lassen keine Auswirkungen hat - ebenso, wie Helmut Schmidt ohne Lungenkrebs ganz lange geraucht hat... Warum also unnötig ein Risiko eingehen?

Ein Baby ist nur kurz ein Baby - daher sollte man in dieser Zeit alle Bedürfnisse kompromisslos erfüllen - man hat danach noch jahrelang Zeit, das Kind zu erziehen. Im ersten Lebensjahr ist ein Verziehen schlicht unmöglich.


Erkältungen, Husten, Schnupfen bei Kindern behandeln


Hausmittel gegen Husten und Schnupfen

Das Immunsystem von Babys ist zunächst noch sehr anfällig - etwa zehn bis zwölf Mal im Jahr leiden Babys und Kleinkinder unter Infekten - der erste tritt meist zwischen dem 3. und 6. Monat auf. Die Infekte sind sehr wichtig, um die Abwehrkräfte zu stärken und das Immunsystem reifen zu lassen. Am anfälligsten sind die Atemwege, da die Nebenhöhlen und Rachengänge noch sehr eng sind, behindern auch kleinere Schwellungen schnell die Atmung. Wenn die Kinder dann hauptsächlich durch den Mund atmen, trocknet dieser schnell aus und die Rhinoviren lassen sich dort nieder. Sie lieben das feucht-warme Klima von 33°C der oberen Atemwege, so dass sich eine Infektion schnell ausbreitet. Das Baby schnieft, hustet und ist unleidlich - oft beginnt eine Woche mit wenig Schlaf und viel Gejammer.

Verstopfte Nase durch Schnupfen 


Die verstopfte Nase stört Babys oft am meisten, da sie reine Nasenatmer sind. Weit verbreitet ist die Empfehlung, dem Baby Muttermilch in die Nase zu träufeln - diese wird jedoch auch kritisch diskutiert. Zwar enthält Muttermilch Antikörper, die zur Besserung der Symptome beitragen, durch den hohen Gehalt an Laktose, einem Zweifachzucker, kann es jedoch auch dazu kommen, dass die feinen Flimmerhärchen der Nase verkleben und den Schleim nicht mehr ausreichend abtransportieren können. Daher sollte eher eine isotonische Kochsalzlösung das Mittel erster Wahl sein. Diese befeuchtet die Schleimhäute, löst den Schleim und unterstützt die Funktion der Flimmerhärchen. Man kann die Kochsalzlösung fertig kaufen, es ist aber relativ unkompliziert, selbst eine solche Lösung herzustellen: auf einen Liter abgekochtes Wasser kommen 9 g Salz. In der Apotheke gibt es Pipettenflaschen - man kann aber auch ältere, ausgespülte Nasentropfenflaschen verwenden. Die Lösung hält sich ca. 48 Stunden im Kühlschrank und sollte dann neu hergestellt werden. Ist die Nase stark verstopft, können Babys sehr schlecht trinken - in diesem Falle helfen meist nur noch abschwellende Nasentropfen. Es gibt Präparate für Babys (0-1 Jahr), Kinder (2-6 Jahre) und Schulkinder und Erwachsene (ab 7 Jahren).

Olaf NasensaugerBei Babys haben sich Nasenspülungen bewährt - dazu wird eine Kochsaltzösung mittels Pipette in die Nase gegeben und kurze Zeit später abgesaugt. Dazu eignen sich verschiedene elektrische Systeme wie OLAF ("der elefantastische Nasensauger" - siehe Bild) oder ein der AngelVac-Nasensauger, der an einen Staubsauger angeschlossen wird und mit verminderter Saugleistung den Schnodder aus der Nase saugt. Das Ganze kann man auch mit dem eigenen Mund machen - z. B. mit dem Nosefrida. Mechanische Saug-Systeme mit Ballon zum drücken haben bei uns komplett versagt - wenn jemand gute Erfahrungen mit anderen Methoden hat, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

Oft wird auch Majoranbutter für die Nase empfohlen - einen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit gibt es jedoch nicht. Engelwurzbalsam auf die Nase geschmiert zeigt bei vielen Kindern gute Erfolge.

Hausmittel gegen Husten 


Das bekannteste Hausmittel gegen Husten sind Zwiebeln - sie werden aufgeschnitten und in die Nähe des Babys gelegt. Stinkt bestialisch, hilft aber enorm. Ältere Kinder  (ab einem Jahr) bekommen einen Hustenzwiebelsaft: Zwiebel klein schneiden, ein bis zwei Essöffel Zucker darüber streuen und abdecken - die Zwiebel gibt ihren Saft ab. Dieser kann löffelweise über den Tag verteilt gegeben werden. Viele Kinder mögen die Süße des Zwiebelsaftes, einige verabscheuen ihn trotzdem zutiefst. Bei uns half immer: Saft mit einer Spritze verabreichen - da wird er an den meisten Geschmacksnerven vorbei schon ein gutes Stück in Richtung Ziel transportiert (bitte in die hintere Wangentasche, nicht in den Rachen spritzen!).Auch aus schwarzem Rettich lässt sich ein guter Hustensaft für Kinder ab einem Jahr gewinnen: Den Rettich aushöhlen und ein paar Esslöffel Zucker oder Honig einfülllen und etwa 2 Stunden ziehen lassen. Sowohl Zwiebel- als auch Rettichsaft halten sich etwas 48 Stunden im Kühlschrank.

Wasserdampf öffnet die Atemwege und verbessert das Abhusten. Wegen der Verbrühungsgefahr sind Dampfbäder für Babys noch nicht geeignet. Man kann sich jedoch mit dem Kind ins Bad stellen und dort die längere Zeit Dusche heiß aufdrehen (Fenster und Türen sind geschlossen) - so steigt die Luftfeuchtigkeit im Raum schnell an. Zwar nicht ganz so umweltfreundlich, aber so kann das Kind bis zu 15 Minuten ungefährdet "inhalieren".

PariboyLeidet das Baby öfter unter Husten, dann kann die Anschaffung eines Inhaliergerätes erwogen werden. Kinderärzte verschreiben bei entsprechender Indikation (bspw. mehrfache Bronchitis) in der Regel einen PariBoy (siehe Bild - Version PariCompact). Dieser ist auch im freien Handel erhältlich. Durch eine Babymaske ist es zwar schwierig, aber nicht unmöglich, auch mit kleinen Kindern regelmäßig zu inhalieren. Übrigens - so unpädagogisch es ist, so wirksam ist es auch: selbst mit den kleinsten Babys schafft man es am besten, vor dem laufenden Fernseher zu inhalieren. Das Gerät vernebelt ohne Wärmeentwicklung eine Natriumchloridlösung so fein, dass sie bis in die Bronchien gelangt. Bei eine Bronchitis können vom Arzt verordnete Medikamente beigemischt werden.

Eine weitere Möglichkeit, dem Kind Linderung zu verschaffen, sind Brustwickel. Ein Mulltuch wird gefüllt mit Magerquark, gehackten Zwiebeln oder klein gequetschten Pellkartoffeln (alles im Ofen/der Mikrowelle anwärmen - bitte Temperatur prüfen!) gefüllt und auf die Brust gelegt. Darüber kommt ein großes Frotteehandtuch. Der Wickel kann so lange angewendet werden, bis er ausgekühlt ist.

Honig wirkt entzündungshemmend, darf aber KEINESFALLS Kindern unter 12 Monaten gegeben werden (Vergiftungsgefahr durch Säuglingsbotulismus).

Auch wichtig: Auf keinen Fall in Kindernähe rauchen und viel frische Luft!
Ein kurzes Wort zu Hustensäften: Sie werden zwar gerne verschrieben, um den Eltern das Gefühl der Hilflosigkeit zu nehmen - fragt man jedoch mal explizit nach, sind viele Ärzte jedoch der Meinung, dass der Nutzen eher zweifelhaft ist. Keine einzige Studie zu dem Thema konnte den Nachweis erbringen, dass irgendein (schleimlösender) Hustensaft wirksam war. Hier ein Artikel aus der Welt, der sich mit dem Thema beschäftigt und der interessanten Zusammenfassung: 
"Bis heute sei unklar, ob die konventionellen Hustenmittel irgendeinen Nutzen hätten. Die Empfehlung: "Einen Husten im Zusammenhang mit einer Infektion der oberen Atemwege kann man unbehandelt lassen." Mikrobiologe Kekulé sieht das ähnlich. Der Erkältungshusten gehöre zu den Bagatellerkrankungen – und für die "ist es immer noch am besten, auf Medikamente ganz zu verzichten."

Fieber bei Babys und Kleinkindern 


Erkältungen gehen oft auch mit Fieber einher. Dazu gibt es einen separaten Artikel in unserem Blog: Fieber - Warum Fieber wichtig ist und wann man es wie senken sollte.

Unterstützende Hausmittel bei Erkältungen 


Bei Erkältungen sollte man das Kind viel trinken lassen - das verflüssigt den Schleim. Erkältungslindernd wirkt beispielsweise ein Holunderblütentee - einen Teelöffel der Blüten mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und auf Trinktemperatur abkühlen lassen.
elektrischer VerneblerDie Räume, in denen sich das erkältete Kind aufhält, sollten oft gelüftet werden. Ideal ist eine Luftfeuchtigkeit von 40-70% - das Raumklima kann man mit günstigen Hygrometern (ca. 10-20 EUR) überprüfen. Bei einigen Babyphonen ist diese Funktion sogar eingebaut (z. B. beim AVENT SCD535). Die Luftfeuchtigkeit lässt sich durch verschiedene Maßnahmen effektiv erhöhen: feuchte Tücher aufhängen, elektrische Vernebler (siehe Bild) oder Schüsseln auf der Heizung. Es lohnt sich auf jeden Fall, grundsätzlich ein ideales Klima im Schlafbereich des Babys zu schaffen, da die Feuchtigkeit der Luftwege einen großen Einfluss auf die Infektanfälligkeit hat. 

Bei Erkältungen schlafen Babys am besten leicht angeschrägt, da dies das Ablaufen der Sekrete erleichtert. Am besten funktioniert das Anschrägen des Oberkörpers mit einem Keilkissen (siehe Bild), das unter die Matratze oder das Laken gelegt wird. Man kann auch mit Handtüchern unter der Matratze experimientieren - das ist billiger, aber aufwändiger. Bei uns funktionierte das leider nur mittelmäßig, da meine Kinder dazu neigten, dann quer unten ans Fußende zu kullern und dann doch wieder eben lagen.
Ist die Haut um die Nase gerötet, lindert übrigens Vaseline die Beschwerden.

Wer homöopathisch unterstützen will, kann das mit Ferrum Phosphoricum. Ab 2 Jahren kann man toxi-loges® probieren. Auch Öle können die Heilung gut unterstützen - auf dieser Seite findet man eine Übersicht zu den Anwendungsmöglichkeiten.

Wann sollte man mit Erkältungen zum Arzt gehen? 


Grundsätzlich gilt: Je jünger, desto schneller. Kinder, die jünger als 3 Monate sind und eine Erkältung haben, sollten immer eine Arzt vorgestellt werden. Danach kann man es von der Schwere der Symptome und dem Allgemeinbefinden abhängig machen - leider holt man sich in Kinderarztpraxen mit einer eigentlich harmlosen Erkältung dann oft noch einen gemeinen Magen-Darm-Infekt oder andere unangenehme Krankheiten.

Trinkt das Kind schlecht oder gar nicht, schreit es vermehrt oder wirkt es schlapp, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Ebenso, wenn es schnell atmet, das Atmen Geräusche verursacht oder der Husten einen bellenden, harten Ton hat. Bei Atemnot (blaue Lippen, pfeifendes Einatmen, graue Haut) muss sofort eine Rettungsstelle aufgesucht werden.

Bei Fieber gibt es altersabhängige Empfehlungen: Für Kinder, die jünger als 3 Monate sind, ist Fieber bereits ab 37,7°C bedenklich, zwischen 3 und 6 Monaten sollte ab 38,2 °C ein Arzt aufgesucht werden, ab 6 Monaten ab 39,2 °C. Hat das Baby "nur" eine Erkältung, sollte diese nach spätestens 10 Tage abgeklungen sein - ist dies nicht der Fall, sollte ebenfalls eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Wenn sich das Baby vermehrt die Ohren reibt (das ist üblicherweise auch ein Anzeichen für Müdigkeit), kann eine Mittelohrentzündung vorliegen - dies sollte ebenso abgeklärt werden wie länger anhaltender Husten und wenn der ausgehustete Schleim grün, gelb oder braun gefärbt ist - dies ist ein Anzeichen für eine zusätzliche bakterielle Infektion, diese muss ggf. antibiotisch behandelt werden.

Vorsicht - ätherische Öle! 


Ätherische Öle können schwere Reaktionen - von der Verkrampfung des Kehlkopfes bis hin zur Atemnot auslösen - das Bundesinstitut für Risikoforschung warnt daher vor ihrer Verwendung bei kleinen Kindern - sowohl am Körper als auch in der Raumluft. Für Kinder unter 3 Jahren sind insbesondere Kampfer, Eukalyptus, Thymian und Pfefferminz (=Menthol) problematisch. Daher sind streng genommen weder Babix noch Wick Babybalsam (enthalten beide Eukalyptus) für Babys geeignet. Beim Thymian kommt es auf die Sorte an - in speziellen Säuglingsprodukten wie Engelwurzbalsam oder Transpulmin Babybalsam sind unbedenkliche Öle enthalten. Grundsätzlich sollten für Baby alle Erkältungssalben und -bäder, die ätherische Öle enthalten, tabu sein. Auch Duft- und Lampenöle können übrigens solche Öle enthalten.

© Danielle

Mein Kind ist krank - Ansprüche auf Freistellung von der Arbeit


Statistisch gesehen erkranken Kita-Kinder bis zu zehn Mal im Jahr - in der Regel für mehrere Tage, an denen der Arbeitgeber dann das Gehalt kürzt. Im Folgenden möchte ich eine kurze Übersicht der derzeitigen Rechtslage bezüglich der Freistellung für die Betreuung erkrankter Kinder  und ihrer Bezahlung geben.

Kind-krank-Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch 


Es besteht grundsätzlich für jeden Arbeitnehmer ein Anspruch auf eine vorübergehende Freistellung, die sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ergibt:
§ 616 Vorübergehende Verhinderung 
Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er muss sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt.
Stetoskop und StiftDie Rechtssprechung hat definiert, wie lang die "verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" sein darf, nämlich pro Jahr bis zu 5 Tage. Das heißt also: Jedem - unabhängig davon, ob das Kind privat oder gesetzlich versichert ist - stehen nach dem BGB pro Jahr 5 vollbezahlte Tage zu, an denen er seine kranken Kinder betreuen kann.

Dieses Recht kann durch einen Tarifvertrag oder eine individuelle Regelung im Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden - das sollte man also überprüfen. Für Beamte gibt es in den meisten Ländern Sonderurlaubsverordnungen, die die Freistellung regeln.

Steht im Arbeitsvertrag nichts zum § 616 BGB, dann gilt diese Regelung und man kann jährlich 5 Tage daheim bleiben, ohne dass Lohn oder Gehalt gekürzt werden.

Krankengeld für gesetzlich versicherte Kinder 


Sind die Kinder und das betreuende Elternteil gesetzlich versichert, gilt § 45 des Sozialgesetzbuches V (SGB V). Danach erhalten die Eltern Kinderkrankengeld, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:

  • Das Kind hat das 12. Lebensjahr noch nicht beendet.
  • Der Arzt bescheinigt die Notwendigkeit der Betreuung (blauer Kinderkrankenschein).
  • Eine andere im Haushalt lebende Person kann das Kind nicht betreuen.

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld besteht für jedes Kind für maximal 10 Tage im Kalenderjahr, ist aber auf 25 Tage insgesamt begrenzt (4 Kinder bedeuten also nicht 40 Tage). Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 Tage je Kind - maximal jedoch 50 Tage pro Jahr. "Im Kalenderjahr" bedeutet, dass auch bei Arbeitsverträgen, die beispielsweise am 1. Dezember beginnen, der Anspruch noch in voller Höhe geltend gemacht werden kann und nicht nur anteilig gewährt wird.

Der Anspruch nach § 616 BGB geht übrigens vor - das wissen und praktizieren viele Personalabteilungen nicht. Das heißt konkret: Von den 10 Krankentagen pro Kind sind die ersten 5 Tage grundsätzlich vollbezahlt - für die übrigen 5 Tage besteht dann Anspruch auf Krankengeld. Ist die BGB-Regelung vertraglich ausgeschlossen, dann erhält man für 10 Tage Krankengeld.

Der Arbeitgeber erhält eine Kopie des blauen Kinderkrankenscheines (formal "Ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes"), das Original wird zur Krankenkasse geschickt. Diese holt sich dann die notwendigen Informationen zur Berechnung des Kinderkrankengeldes vom Arbeitgeber und überweist das Geld auf das auf der Bescheinigung angegebene Konto. 

Eine Übertragung der Tage von einem Elternteil zum anderen ist dann möglich, wenn beide Eltern einen Anspruch auf Kinderkrankengeld haben (ist der Vater bspw. privat versichert, hat er keinen Anspruch - es kann also nichts übertragen werden). Dafür ist die Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich, auf dessen Arbeitnehmer die Tage übertragen werden sollen (und ggf. eine Bescheinigung, ob und wie viele Tage bereits verbraucht wurden).

Medikamente und Geld

Die Höhe des Kinderkrankengeldes wurde zum 01.01.2015 angepasst und beträgt nun 90 % des Netto-Gehaltes. Wurde in den letzten 12 Monaten eine Prämie gezahlt, dann sogar 100 %.

Privat versicherte Kinder 


Eltern von privat versicherten Kindern haben normalerweise keine Ansprüche gegenüber ihrer privaten Krankenversicherung - sie können sich also allenfalls für die 5 Tage pro Jahr (nicht pro Kind) nach § 616 BGB freistellen lassen.

Einzelne Versicherer bieten jedoch bereits ein Kinderkrankengeld analog zu den Regeln der gesetzlichen Versicherung an (z. B. Signal Iduna). Voraussetzung ist in der Regel, dass sowohl Kind als auch Elternteil dort versichert sind.

Für Arbeitnehmer, die dem TVÖD oder BAT unterliegen, gilt: Die Freistellung ist auf vier Tage pro Jahr begrenzt - allerdings gibt es auch Tage für erkrankte Partner (einen) oder wenn der Partner krank ist und man das Kind deshalb betreuen muss (vier). Insgesamt ist die Zahl all dieser Tage auf fünf insgesamt begrenzt.

Freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige 


Die Selbständigen, die sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert haben, haben zwar einen Anspruch auf Kinderkrankengeld - in der Regel jedoch erst am 43. Tag der Krankheit (wie bei eigener Erkrankung auch). Die Regelung für den Versicherten ist also maßgeblich dafür, wann für ein erkranktes Kind Krankengeld bezahlt wird. Einige Krankenkassen bieten auch Krankengeld ab dem 1. Krankheitstag - diese Information findet man in den Satzungen der Kassen.

Was passiert, wenn die Freistellungs-Tage aufgebraucht sind? 


Wenn das Kind länger oder öfter erkrankt sein sollte, bleibt einem nur noch eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Diese ist auf Berufung auf
§ 275 Ausschluss der Leistungspflicht
...
(3) Der Schuldner kann die Leistung ferner verweigern, wenn er die Leistung persönlich zu erbringen hat und sie ihm unter Abwägung des seiner Leistung entgegenstehenden Hindernisses mit dem Leistungsinteresse des Gläubigers nicht zugemutet werden kann.
möglich. Ist die Erkrankung lebensbedrohlich, ist der Bezugszeitraum für das Kinderkrankengeld im Übrigen unbegrenzt.

Wenn den Eltern durch den längeren Arbeitsausfall nachweislich der Verlust des Arbeitsplatzes droht, besteht die Möglichkeit, sich an das Jugendamt zu wenden und eine Betreuungshilfe für die sogenannte „Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen“ zu beantragen.

Übrigens: Falls das Kind im Urlaub erkrankt, ist es nicht möglich, sich den Urlaub "gutschreiben" zu lassen.

© Danielle

Das Baby ist 9 Monate alt - der Entwicklungsschub in der 37. Woche

Der Entwicklungssprung in der 37. Lebenswoche - das Kind ist 9 Monate alt - der 37-Wochen-Schub ist da!



Herr Ningel und Herr Nörgel hängen an einem BeinUm die 37. Woche herum (ca. 9 Monate +/- eine Woche) verstand ich plötzlich, warum es heißt, dass Kinder einem "am Rockzipfel hängen". Buchstäblich krallten sich meine Töchter an meinen Hosenbeinen fest und versuchten, sich an mir hochzuziehen. Das war zunächst ganz niedlich, wurde aber mit der Zeit echt anstrengend, vor allem dann, wenn ich nur eine Schlafanzughose anhatte, die unweigerlich nach unten rutschte, sobald eine meiner Töchter daran hing, so dass sie hinfiel und ich unten ohne da stand.

Wenn man also das Gefühl hat, nirgendwo mehr hingehen zu können, ohne dass ein 8-Monats-Brocken einem am Bein hängt, ist plötzlich sonnenklar: Herr Ningel und Herr Nörgel sind zurück!

Dass mit dem achten Lebensmonat unserer Kinder das Fremdeln (die "Achtmonatsangst") beginnt hatten wir an anderer Stelle schon ausführlich erklärt. Mir fiel in dieser Zeit auch zum ersten Mal auf, dass meine Töchter im Schlaf eine Art "Albtraum" hatten - sie fingen an, nachts aufzuschreien und sich schlecht beruhigen zu lassen, manchmal wälzten sie sich unruhig wimmernd hin und her. Auch das Einschlafen gestaltete sich schwieriger als sonst - eine unserer Töchter weinte sich regelmäßig in den Schlaf. Nicht, weil wir sie allein ließen, sondern wirklich in unserem Arm im Familienbett. Ich vermute, dass sie sich den Stress von der Seele redete.  

Das An- und Ausziehen glich in dieser Phase eher einem Nahkampf. Bei wirklich allem weinten meine Kinder. Wurden sie angezogen, war es ihnen nicht recht, wurden sie ausgezogen protestierten sie. Die Jacke anziehen zu müssen wurde als unzumutbare Einschränkung der Selbstbestimmung angesehen und jegliche Mützen, die nicht festgebunden werden konnten, wurden umgehend wieder vom Kopf befördert....

Wie lange dauert der Sprung? 


Zwischen der 33. Woche und der 38. Woche kann dieser Sprung auftreten. Normalerweise dauert er vier Wochen, es können aber auch deutlich weniger oder ein paar mehr Wochen sein, je nach Kind. (vgl. van de Rijt, 2005: 24) Bei uns dauerte er ganz genau vier Wochen.

Welchen Reifeprozess macht das Baby durch? 


Nach van de Rijt springen unsere Kinder nun in die Welt der "Kategorien". (vgl. ebd, 2005: 204ff). Im 26-Wochen-Schub lernten sie, "Zusammenhänge" herzustellen zwischen Dingen oder Personen. Das Kind merkt, dass es zu Mama und Papa dazugehört, weil es so aussieht, wie sie und sie imitieren kann. Nun kommt die Fähigkeit dazu, dieses Wissen in bestimmte "Schubladen" einzuordnen, d. h. mit dem Sprung in die Welt der Kategorien ordnet das Kind seine Umwelt. Es ordnet zum Beispiel in "Dinge, die ich mag" und "Dinge, die nicht mag". Es ordnet in "Menschen", "Tiere", "Gegenstände". Es ordnet alle Bälle in die Kategorie "Ball", egal, wie groß oder klein, bunt oder einfarbig sie sind. Es ist dabei auch unerheblich, ob der Ball nur in einem Buch zu sehen ist oder in Natura.

Es ist spannend, diese Einordnung bei Kindern nachvollziehen zu können, die in diesem Alter bereits mit den ersten Worten beginnen. Viele Mütter wundern sich, dass ihre Babys nicht nur sie, sondern alle anderen Frauen als "Mama" betiteln. Bei uns waren lange Zeit alle vierbeinigen Tiere "Wauwau". Diese Verallgemeinerung liegt nicht daran, dass unsere Kinder irgendwie "doof" sind - das Gegenteil ist der Fall. Sie zeigen uns, dass sie verstanden haben, dass alle Menschen, die aussehen wie Mama, in die Kategorie "Frau" fallen. Da sie meist das Wort "Frau" nicht kennen oder aussprechen können, betiteln sie ihre Kategorie schlicht mit der Bezeichnung "Mama". Meine Töchter wiederum benannten alle Frauen tatsächlich mit der Gebärde "Frau", da diese einfacher war, als unsere persönliche Gebärde für "Mama".

Bitte behaltet immer im Blick, dass unsere Kinder zwar nach diesem Sprung kognitiv in der Lage sind, in Kategorien einzuteilen, dies sich aber durchaus erst in ein paar Wochen oder gar Monaten äußern kann! Die Gebärde für "Frau" kam bei meinen Töchtern zum Beispiel erst mit 11 Monaten und auch das Wort "Mama" kommt nur sehr wenigen (sprachbegabten) Babys mit 8 Monaten über die Lippen!

Berliner FernsehturmEs ist selbstverständlich, dass ein Baby nicht von heute auf morgen seine Umwelt kategorisieren kann. Es braucht dafür Zeit und vor allem die Möglichkeit, alles in Ruhe zu untersuchen. Es muss Menschen, Tiere und Gegenstände im Detail kennenlernen dürfen. Nur, wenn es durch Anfassen und Angucken das Objekt in alle seinen Facetten erfassen darf, kann es für sich selbst Kategorien erschaffen, in das es passt. Ist es weich? Schwer? Groß? Kalt? (vgl. ebd., 2005: 204f) Für ein Baby hat z. B. der Berliner Fernsehturm und ein Ball mehr gemeinsam, als wir uns denken können, wie meine Tochter mir mit 11 Monaten bewies. Sie gebärdete aufgeregt "Ball! Ball!", als wir zusammen am Fernstehturm vorbeiliefen und sie in der Manduca sitzend nach oben schaute und die Kugel des Turms erblickte. Sie hatte also den oberen Teil des Turms in die Kategorie "Ball" gesteckt und lag damit gar nicht so weit daneben. Das bedeutet aber für uns Eltern, dass wir unseren Kindern möglichst viel zugänglich machen sollten. Alles, was nicht lebensgefährlich ist oder kaputt gehen kann, sollten unsere Kinder anfassen dürfen, um unsere Welt im wahrsten Sinne des Wortes "erfassen" zu können.

Beliebte Spiele im Alter von 9 Monaten 


Da ich ein großer Bücherfan bin, habe ich nach dem Entwicklungssprung der 37. Woche bei meinen Kindern damit angefangen, ihnen Bücher näher zu bringen. Da es für ein Kind zunächst nicht leicht ist, die 2D Zeichnung im Buch als Abbild eines Gegenstandes in der Realität wiederzuerkennen, habe ich eine Buch-Kiste zusammengestellt. Zunächst suchte ich mir ein Babybuch, in denen Alltagsgegenstände dargestellt warenNuckel, Puppe, Lätzchen, Schuhe, Strümpfe...sowas in der Art war in unserem Buch abgebildet. Dann suchte ich die echten Gegenstände in der Wohnung zusammen und packte sie zusammen mit dem Buch in eine Kiste. 

Zunächst guckten wir uns zusammen das Buch an und jeden Gegenstand, der im Buch zu sehen war, zog ich als Realia aus der Kiste heraus und gab ihn meinen Kindern in die Hände. Wir legten den Gegenstand gemeinsam auf die entsprechende Seite im Buch und ich erklärte ihnen, dass das das Gleiche sei. Später variierten wir das Spiel - ich schlug eine Seite im Buch auf und meine Kinder kramten in der Kiste nach dem Gegenstand oder ich holte einen Gegenstand aus der Kiste und sie blätterten solange im Buch, bis sie die entsprechende Seite gefunden hatten. Sobald dann der echte Gegenstand auf die Seite gelegt wurde, war der nächste Gegenstand dran. Dieses Spiel rettete mir übrigens so manchen Morgen im Familienbett. Bücher, in denen auf jeder Seite nur ein Gegenstand abgebildet ist, gibt es von Ravensburger oder von Duden.


Wenn meine Kinder wieder einmal um 5.30 Uhr wach waren, stellte ich die Buch-Kiste auf das Bett und konnte im Halbschlaf mit ihnen spielen. Einen kuriosen Nebeneffekt hatte die Bücherkiste übrigens - lange Zeit, nachdem die Kisten schon abgeschafft waren, legten meine Kinder noch Lego-Duplo-Tiere oder andere reale Dinge auf diverse Buchseiten und mit 12 Monaten fingen sie an, Lege-Lotto zu spielen. Eigentlich ist das nicht so überraschend, denn im Prinzip ist dieses Spiel ja nichts anderes, als eine 2D- Version der Buchkiste. Mit anderen Büchern machte ich es eigentlich genauso. Fuhren wir in den Zoo oder gingen auf den Kinder-Bauernhof, war immer ein Tierbuch mit uns mit, so dass ich jedem Tier, dass sie anfassen und riechen konnten ein gemaltes Tier im Buch in Verbindung brachten. Ob das jetzt notwendig war, weiß ich nicht, aber zumindest sind meine Kinder echte Leseratten geworden. 

Ein anderes Spiel, das ich ihnen in diesem Alter anbot, waren unsere Farbkisten. Ich hatte in einem Billigladen etwa A4 große Kisten in den Farben Rot, Grün, Blau, Gelb gekauft und einfach ins Kinderzimmer gestellt. Am Anfang war ich es, die, immer, wenn sie einen Gegenstand in einer der Farben gefunden hatte, diese in die entsprechende Kiste sortiert habe. Ein roter Ball kam in die rote Kiste, einer grüner Duplo-Stein in die grüne Kiste, das blaue Dreieckstuch in die blaue Kiste usw. Lange Zeit spielte ich das Spiel quasi allein, meine Kinder guckten nur verwundert zu. Nach ein paar Monaten (!) aber konnten sie - zögerlich zunächst - farbige Bausteine sortieren. Als nächstes kamen Wäscheklammern dazu und irgendwann hatten sie es dann wirklich verstanden und das halbe Kinderzimmer wurde in den Kisten versteckt. Vor allem wurden die Kisten übrigens dafür verwendet, selbst ein- und auszusteigen. Also achtet darauf, dass ihr standfeste Kisten bekommt.

FormensortierboxEin weiteres Spiel, das in diesem Alter durchaus schon angeboten werden kann (es passt in die Welt der Kategorien) sind Formen-Sortier-Boxen. Meine Kinder konnten die Steine da übrigens noch lange nicht reinsortieren, aber anbieten kann man es seinem Kind zu diesem Zeitpunkt durchaus. Manche Kinder finden vielleicht das viel spannender als z. B. unsere Farbkisten. Aber nicht verzweifeln, wenn dein Kind die Steine der Formen-Sortier-Box nur anlutscht - erstens ist das dann seine Art, die Formen der Steine zu erfassen (mit dem Mund) und zweitens finden die meisten Kinder daran frühestens ab 12 Monaten Gefallen. 

Baby spielt mit StapelturmZwei weitere Spielzeuge waren bei meinem Töchtern nach diesem Entwicklungssprung beliebt (mit 9 und 10 Monaten). Zum einen war das eine Stapelpyramide, zum anderen Roll-A-Rounds von Fisher Price. Die Stapelpyramide war zu meiner Überraschung ein Spielzeug, mit dem sich meine Töchter (beim selbständigen Sitzen) lange und intensiv beschäftigen konnten. Ich dachte ja, in diesem Alter sei es nur spannend, dieses Spielzeug auseinander zu nehmen und anzulutschen, doch meine Töchter begannen schon bald, zu versuchen, die Ringe auf die Pyramide wieder raufzustecken. Die Kategorie, die hinter diesem Spiel steht ist übrigens "Weniger / Mehr". (vgl. ebd, 2005: 211) Nehme ich einen Ring herunter, wird der Ringstapel kleiner, es sind weniger Ringe drauf. Stecke ich die Ringe auf die Pyramide drauf, werden es wieder mehr Ringe. Ganz unproblematisch kann man die gleiche Kategorie übrigens mit einem Stapel Zeitschriften erfassen. Setzt euer Kind einfach vor einen wohlgeordneten Stapel von Hochglanzmagazinen und ihr werdet sehen, mit welchem Eifer es eine Zeitschrift nach der anderen abbaut. Nur das wieder Aufbauen eines Zeitschriftenstapels ist natürlich noch zu schwer. Hinweis: Eure Kinder müssen in diesem Alter noch nicht selbständig sitzen können! Nur eine meiner Töchter tat das, die andere lag noch mit 11 Monaten fröhlich auf dem Bauch herum.

Die Roll-A-Rounds (es gehen auch normale Holzkugeln einer entsprechenden Größe oder auch die Entdeckerkugeln oder Rollino 
von Haba) wurden von meinen Töchtern vielfältig verwendet. Sie haben eine unterschiedliche Oberflächenstruktur sowie unterschiedliche Innenleben, so dass man sie gut sortieren kann nach "Fühlen", "Hören" und "Sehen". Trotzdem entsprechen sie gleichzeitig alle der Kategorie "Ball" oder "Kugel". Sie rollen alle weg, wenn man sie runterwirft. Einige klingeln dabei (die Hörkugeln), einige glitzern dabei im Licht (die Sehkugeln), einige rollen irgendwie schlechter, weil ihre Oberfläche nicht glatt ist (die Tastkugeln). Gerne zogen sich meine Töchter an einer kleinen Kiste hoch, legten die Kugeln einzeln auf den Deckel und schauten begeistert hinterher, wenn sie von der Kiste runter rollte, laut auf dem Boden aufschlug und dann weiter unter den Schrank rollte. Dann krabbelten meine Töchter verzückt hinterher, guckten lange unter den Schrank, angelten mit ihren Armen nach der Kugel und freuten sich wie ein Keks, wenn sie die Kugel wiedererobert hatten. Und dann ging es von Neuem los: an der Kiste hochgezogen, Kugel auf die Kiste gelegt und ....

© Snowqueen

Das Buch 


Cover Oje ich wachseWer mehr über diesen und weitere Entwicklungssprünge wissen möchte, dem sei das Buch "Oje ich wachse" von Hetty von de Rijt, Frans X. Plooij und Regine Brams aus dem Goldmann-Verlag ans Herz gelegt. 

Hinweis: Dieser Blog-Artikel beruht ausschließlich auf dem obigen Buch von Hetty von de Rijt, Frans X. Plooij und Regine Brams, alle von mir referierten Inhalte sind darin wiederzufinden.

Weitere Entwicklungssprünge 


Die anderen Entwicklungssprünge findest Du hier:

Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern behandeln


Vorab der Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Wir wollen an dieser Stelle lediglich in einigen Beiträgen eine kurze Übersicht über erste Hilfe bei Babys und Kleinkindern geben - am sinnvollsten ist in jedem Falle der Besuch eines entsprechenden Kurses - beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz (Kurssuche).

Verbrennungen und Verbrühungen sind neben Vergiftungen die häufigste Unfallursache in den ersten Lebensjahren. Oft ist es schwierig, das Ausmaß der Verletzung zu bestimmen, schon mittelgroße Verbrennungen und Verbrühungen können lebensgefährlich sein.

Einschätzung des Ausmaßes der Verbrennung - wann ist welche ärztliche Hilfe erforderlich? 


Lebensgefahr für Kinder besteht, wenn mehr als 8% der Körperfläche schwere Verbrennungen aufweisen. Die Abschätzung erfolgt am einfachsten, wenn man die die Oberfläche der Kinderhand als Maßstab nimmt - sie entspricht ungefähr einem Prozent der Hautoberfläche. Für die anderen Körperteile gelten folgende Anteile:

  • Kopf und Hals 16%
  • je Arm 9%
  • Rumpf: Vorder- und Rückseite je 16%
  • je Bein 17%.

Allein die Verbrennung eines Armes kann also schon tödliche Folgen haben. Mit einer einzigen Tasse heißem Tee kann man allein bis zu 30% der Hautoberfläche eines kleinen Kindes verbrühen - dabei reicht eine Temperatur von 52°C schon aus. Verbrennungen sind deshalb gefährlich, weil der Körper über die verbrannte Fläche sehr viel Flüssigkeit verliert. Ab einer Gesamtfläche von 5% verbrannter Haut besteht akute Schockgefahr.

Man unterscheidet drei Schweregrade bei Verbrennungen. Das tatsächliche Ausmaß ist meist nicht sofort zu erkennen und entwickelt sich oft erst über eine gewisse Zeit.

Verbrennungen ersten Grades 


Die Haut ist rot, heiß und geschwollen, das Kind empfindet brennende, ziehende Schmerzen - bspw. ein Sonnenbrand. Die Haut sollte nicht abgedeckt werden und heilt ohne Eingreifen innerhalb von 5 bis 10 Tagen vollständig. 

Verbrennungen zweiten Grades 


Die Haut ist rot, heiß und stark geschwollen, das Kind empfindet brennende, starke Schmerzen und es bilden sich zusätzlich Blasen. Man unterscheidet in

2a (oberflächlich): Die Wunde nässt und heilt ohne operativen Eingriff
2b (tief): Die Wunde ist trocken und verfärbt sich weißlich/grau - sie muss operiert werden und hinterlässt Narben

Verbrennungen dritten Grades 


Mehrere Hautschichten sind zerstört - bis hin zur Verkohlung (schwarz) - Schmerz wird oft durch die Schädigung der Nerven nicht empfunden. Es kommt häufig zu Atem- oder Kreislaufstörungen. Die Wunde muss operiert werden, es bleiben Narben.
Sofort (not-)ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn

  • Gesicht oder Genitalien verbrannt sind
  • bei Verbrennungen 3. Grades
  • wenn bei Verbrennungen 2. Grades mehr als 5% der Haut betroffen sind.

Das Kind sollte nicht selbst in eine Klinik gefahren werden, sondern der Rettungsdienst verständigt werden - dieser weiß, welche Klinik für die Behandlung eher in Frage kommt und bringt das Kind - je nach Schwere der Verletzung - in ein entsprechend spezialisiertes Krankenhaus.

Eine zügige aber nicht sofortige ärztliche Behandlung ist erforderlich, wenn die verbrannte Hautfläche größer als 1% der Hautoberfläche (also "eine Hand") ist.

Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen 


Bei einem Brand gilt: Kind aus der Gefahrenzone bringen, brennende Kleidung löschen (auf dem Boden wälzen oder mit einer Decke ersticken - Feuerlöscherinhalte wegen der Erstickungsgefahr unbedingt vom Kopf fern halten) und den Brand - soweit möglich - löschen (Fettbrände nie mit Wasser löschen, immer ersticken!). Ist dies nicht möglich muss die Feuerwehr alarmiert werden.

Dann sollten die Vitalfunktionen geprüft werden - ist das Kind bei Bewusstsein? Atmet es? Ist dies nicht der Fall, sind lebensrettende Sofortmaßnahmen erforderlich (coming soon). Ist das Kind bewusstlos und atmet, muss es in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Die Kleidung sollte schnellstmöglich entfernt werden, wenn dies möglich ist - dabei mit der Haut verklebte Teile (bei Verbrennungen leider häufig) nicht abreißen sondern ggf. vom Rest der Kleidung abschneiden.

Sind mehr als 10% Körperfläche betroffen, muss sofort der Notarzt (112) alarmiert werden. In solchen Fällen darf nicht gekühlt werden, vielmehr muss die Körperwärme erhalten werden. Dazu eignen sich wärmeerhaltende Rettungsdecke (Verwendung der Decke: außen silber, innen gold). 

Sind weniger als 10% der Haut verbrannt, sollte sofort gekühlt werden, da dies tiefer gehende Hautschäden verhindert. Dabei lösen sich dann  auch u. U. festgebrannte Kleidungsstücke. Es darf immer nur der betroffene Bereich gekühlt werden und das Wasser darf dabei nicht zu kalt sein - eher lau (15-20 °C), da es sonst zu Unterkühlungen kommen kann. Das Kühlen sollte bei größeren Flächen über 1% nicht länger als  fünf bis zehn Minuten dauern - bei Kleinkindern unter 3 Jahren eher nur 2 bis 3 Minuten). Wenn das Kind fröstelt oder es die Kühlung als unangenehm empfindet, sollte sie sofort beendet und das Kind zugedeckt werden.

Kleinere Verbrennungen (bis zur Größe der Oberfläche eines Fingers) können länger - etwa bist zu 20 Minuten lang - gekühlt werden. Kein Eis nehmen - das lindert zwar den Schmerz zunächst effektiver, führt jedoch zu einer stärkeren Durchblutung, so dass noch stärkere Schmerzen die Folge sind.
Also Faustregel gilt also: Je mehr (verbrannt), desto weniger (kürzer Kühlen)!
Es sollten keinerlei fremde Substanzen (Hausmittel oder ähnliches) auf die Wunde aufgebracht werden. Keinesfalls dürfen Brandblasen geöffnet werden - es besteht sonst eine hohe Infektionsgefahr.
Offene Wunden (nicht im Gesicht) können mit einem sterilen Verband (der in der Hausapotheke vorrätig sein sollte) oder idealerweise einem Metallinetuch (verklebt nicht mit der Wunde) abgedeckt werden - im Notfall können auch nicht fusselnde, saubere, gebügelte Taschen- oder Geschirrtücher verwendet werden.

Bei kleinflächigen Verbrennungen 1. Grades, die nicht ärztlich behandelt werden müssen, kann Bepanthen-Salbe®, Fenistil-Gel® oder von Weleda die Combudoron-Salbe® verwendet werden.

Verbrennungen vorbeugen 


Die meisten Verbrennungs-/Verbrühungsunfälle sind vermeidbar - folgende Maßnahmen reduzieren das Risiko enorm:

  • Streichhölzer und Feuerzeuge konsequent außer Reichweite räumen,
  • das Kind nie allein an offenem Feuer (Kerze) oder am Grill lassen,
  • niemals Spiritus oder andere Brandbeschleuniger beim Grillen verwenden, es sind Verpuffungen möglich,
  • keine herunter hängenden Tischdecken verwenden,
  • Bügeleisen (auch zum Abkühlen) immer außer Reichweite stellen,
  • nichts heißes Essen, während das Kind auf dem Schoß sitzt,
  • Flaschen und Brei aus der Mikrowelle vorher immer umrühren und die Temperatur prüfen,
  • beim Baden niemals erstmal nur heißes Wasser einfüllen - entweder gleich die richtige Temperatur suchen oder mit kaltem Wasser beginnen, das heiß aufgefüllt wird,
  • Wasserhähne nicht auf der Position "heiß" lassen - Verbrühungen können schon ab 52°C entstehen - mit Thermostat am besten auf 50°C begrenzen,
  • in Wärmeflaschen Wasser mit max. 50°C einfüllen - besser Körnerkissen verwenden (Achtung - Kirschkerne entfalten ihr Temperatur zeitverzögert),
  • nicht mit Kindern über heißem Wasser inhalieren - besser technische geräte verwenden,
  • möglichst mit den hinteren Herdplatten/-feldern kochen und den Herd mit einem Herdgitter sichern,
  • Griffe von Töpfen und Pfannen so drehen, dass ein Herunterreißen erschwert wird,
  • bei Wasserkochern und Tauchsiedern darauf achten, dass nicht am Kabel gezogen werden kann,
  • keine Heizdecken in Kinderbetten verwenden,
  • Heizkörper und Öfen sichern - Kontaktverbrennungen sind ab 50°C möglich und 
  • keine Wunderkerzen verwenden - die Funken können Kleidung in Brand stecken.

Am wichtigsten ist Aufklärung - dem Kind sollten die Gefahren bewusst gemacht werden. Im Falle eines Feuers soll es laut "FEUER!" rufen - Kinder neigen zu stillen Fluchtreaktionen (Verstecken im Gefahrenbereich) oder unüberlegten Handlungen (Kuscheltier retten). Fluchtwege sollte gezeigt werden und unbedinbt geübt werden, wie man kriechend den Brandort verlassen kann (am Boden atmet es sich leichter).

Und nicht vergessen: Rauchmelder retten Leben.

© Danielle 

Literaturtipps und DVDs zur ersten Hilfe