Das Baby ist 9 Monate alt - der Entwicklungsschub in der 37. Woche

Der Entwicklungssprung in der 37. Lebenswoche - das Kind ist 9 Monate alt - der 37-Wochen-Schub ist da!



Herr Ningel und Herr Nörgel hängen an einem BeinUm die 37. Woche herum (ca. 9 Monate +/- eine Woche) verstand ich plötzlich, warum es heißt, dass Kinder einem "am Rockzipfel hängen". Buchstäblich krallten sich meine Töchter an meinen Hosenbeinen fest und versuchten, sich an mir hochzuziehen. Das war zunächst ganz niedlich, wurde aber mit der Zeit echt anstrengend, vor allem dann, wenn ich nur eine Schlafanzughose anhatte, die unweigerlich nach unten rutschte, sobald eine meiner Töchter daran hing, so dass sie hinfiel und ich unten ohne da stand.

Wenn man also das Gefühl hat, nirgendwo mehr hingehen zu können, ohne dass ein 8-Monats-Brocken einem am Bein hängt, ist plötzlich sonnenklar: Herr Ningel und Herr Nörgel sind zurück!

Dass mit dem achten Lebensmonat unserer Kinder das Fremdeln (die "Achtmonatsangst") beginnt hatten wir an anderer Stelle schon ausführlich erklärt. Mir fiel in dieser Zeit auch zum ersten Mal auf, dass meine Töchter im Schlaf eine Art "Albtraum" hatten - sie fingen an, nachts aufzuschreien und sich schlecht beruhigen zu lassen, manchmal wälzten sie sich unruhig wimmernd hin und her. Auch das Einschlafen gestaltete sich schwieriger als sonst - eine unserer Töchter weinte sich regelmäßig in den Schlaf. Nicht, weil wir sie allein ließen, sondern wirklich in unserem Arm im Familienbett. Ich vermute, dass sie sich den Stress von der Seele redete.  

Das An- und Ausziehen glich in dieser Phase eher einem Nahkampf. Bei wirklich allem weinten meine Kinder. Wurden sie angezogen, war es ihnen nicht recht, wurden sie ausgezogen protestierten sie. Die Jacke anziehen zu müssen wurde als unzumutbare Einschränkung der Selbstbestimmung angesehen und jegliche Mützen, die nicht festgebunden werden konnten, wurden umgehend wieder vom Kopf befördert....

Wie lange dauert der Sprung? 


Zwischen der 33. Woche und der 38. Woche kann dieser Sprung auftreten. Normalerweise dauert er vier Wochen, es können aber auch deutlich weniger oder ein paar mehr Wochen sein, je nach Kind. (vgl. van de Rijt, 2005: 24) Bei uns dauerte er ganz genau vier Wochen.

Welchen Reifeprozess macht das Baby durch? 


Nach van de Rijt springen unsere Kinder nun in die Welt der "Kategorien". (vgl. ebd, 2005: 204ff). Im 26-Wochen-Schub lernten sie, "Zusammenhänge" herzustellen zwischen Dingen oder Personen. Das Kind merkt, dass es zu Mama und Papa dazugehört, weil es so aussieht, wie sie und sie imitieren kann. Nun kommt die Fähigkeit dazu, dieses Wissen in bestimmte "Schubladen" einzuordnen, d. h. mit dem Sprung in die Welt der Kategorien ordnet das Kind seine Umwelt. Es ordnet zum Beispiel in "Dinge, die ich mag" und "Dinge, die nicht mag". Es ordnet in "Menschen", "Tiere", "Gegenstände". Es ordnet alle Bälle in die Kategorie "Ball", egal, wie groß oder klein, bunt oder einfarbig sie sind. Es ist dabei auch unerheblich, ob der Ball nur in einem Buch zu sehen ist oder in Natura.

Es ist spannend, diese Einordnung bei Kindern nachvollziehen zu können, die in diesem Alter bereits mit den ersten Worten beginnen. Viele Mütter wundern sich, dass ihre Babys nicht nur sie, sondern alle anderen Frauen als "Mama" betiteln. Bei uns waren lange Zeit alle vierbeinigen Tiere "Wauwau". Diese Verallgemeinerung liegt nicht daran, dass unsere Kinder irgendwie "doof" sind - das Gegenteil ist der Fall. Sie zeigen uns, dass sie verstanden haben, dass alle Menschen, die aussehen wie Mama, in die Kategorie "Frau" fallen. Da sie meist das Wort "Frau" nicht kennen oder aussprechen können, betiteln sie ihre Kategorie schlicht mit der Bezeichnung "Mama". Meine Töchter wiederum benannten alle Frauen tatsächlich mit der Gebärde "Frau", da diese einfacher war, als unsere persönliche Gebärde für "Mama".

Bitte behaltet immer im Blick, dass unsere Kinder zwar nach diesem Sprung kognitiv in der Lage sind, in Kategorien einzuteilen, dies sich aber durchaus erst in ein paar Wochen oder gar Monaten äußern kann! Die Gebärde für "Frau" kam bei meinen Töchtern zum Beispiel erst mit 11 Monaten und auch das Wort "Mama" kommt nur sehr wenigen (sprachbegabten) Babys mit 8 Monaten über die Lippen!

Berliner FernsehturmEs ist selbstverständlich, dass ein Baby nicht von heute auf morgen seine Umwelt kategorisieren kann. Es braucht dafür Zeit und vor allem die Möglichkeit, alles in Ruhe zu untersuchen. Es muss Menschen, Tiere und Gegenstände im Detail kennenlernen dürfen. Nur, wenn es durch Anfassen und Angucken das Objekt in alle seinen Facetten erfassen darf, kann es für sich selbst Kategorien erschaffen, in das es passt. Ist es weich? Schwer? Groß? Kalt? (vgl. ebd., 2005: 204f) Für ein Baby hat z. B. der Berliner Fernsehturm und ein Ball mehr gemeinsam, als wir uns denken können, wie meine Tochter mir mit 11 Monaten bewies. Sie gebärdete aufgeregt "Ball! Ball!", als wir zusammen am Fernstehturm vorbeiliefen und sie in der Manduca sitzend nach oben schaute und die Kugel des Turms erblickte. Sie hatte also den oberen Teil des Turms in die Kategorie "Ball" gesteckt und lag damit gar nicht so weit daneben. Das bedeutet aber für uns Eltern, dass wir unseren Kindern möglichst viel zugänglich machen sollten. Alles, was nicht lebensgefährlich ist oder kaputt gehen kann, sollten unsere Kinder anfassen dürfen, um unsere Welt im wahrsten Sinne des Wortes "erfassen" zu können.

Beliebte Spiele im Alter von 9 Monaten 


Da ich ein großer Bücherfan bin, habe ich nach dem Entwicklungssprung der 37. Woche bei meinen Kindern damit angefangen, ihnen Bücher näher zu bringen. Da es für ein Kind zunächst nicht leicht ist, die 2D Zeichnung im Buch als Abbild eines Gegenstandes in der Realität wiederzuerkennen, habe ich eine Buch-Kiste zusammengestellt. Zunächst suchte ich mir ein Babybuch, in denen Alltagsgegenstände dargestellt warenNuckel, Puppe, Lätzchen, Schuhe, Strümpfe...sowas in der Art war in unserem Buch abgebildet. Dann suchte ich die echten Gegenstände in der Wohnung zusammen und packte sie zusammen mit dem Buch in eine Kiste. 

Zunächst guckten wir uns zusammen das Buch an und jeden Gegenstand, der im Buch zu sehen war, zog ich als Realia aus der Kiste heraus und gab ihn meinen Kindern in die Hände. Wir legten den Gegenstand gemeinsam auf die entsprechende Seite im Buch und ich erklärte ihnen, dass das das Gleiche sei. Später variierten wir das Spiel - ich schlug eine Seite im Buch auf und meine Kinder kramten in der Kiste nach dem Gegenstand oder ich holte einen Gegenstand aus der Kiste und sie blätterten solange im Buch, bis sie die entsprechende Seite gefunden hatten. Sobald dann der echte Gegenstand auf die Seite gelegt wurde, war der nächste Gegenstand dran. Dieses Spiel rettete mir übrigens so manchen Morgen im Familienbett. Bücher, in denen auf jeder Seite nur ein Gegenstand abgebildet ist, gibt es von Ravensburger oder von Duden.


Wenn meine Kinder wieder einmal um 5.30 Uhr wach waren, stellte ich die Buch-Kiste auf das Bett und konnte im Halbschlaf mit ihnen spielen. Einen kuriosen Nebeneffekt hatte die Bücherkiste übrigens - lange Zeit, nachdem die Kisten schon abgeschafft waren, legten meine Kinder noch Lego-Duplo-Tiere oder andere reale Dinge auf diverse Buchseiten und mit 12 Monaten fingen sie an, Lege-Lotto zu spielen. Eigentlich ist das nicht so überraschend, denn im Prinzip ist dieses Spiel ja nichts anderes, als eine 2D- Version der Buchkiste. Mit anderen Büchern machte ich es eigentlich genauso. Fuhren wir in den Zoo oder gingen auf den Kinder-Bauernhof, war immer ein Tierbuch mit uns mit, so dass ich jedem Tier, dass sie anfassen und riechen konnten ein gemaltes Tier im Buch in Verbindung brachten. Ob das jetzt notwendig war, weiß ich nicht, aber zumindest sind meine Kinder echte Leseratten geworden. 

Ein anderes Spiel, das ich ihnen in diesem Alter anbot, waren unsere Farbkisten. Ich hatte in einem Billigladen etwa A4 große Kisten in den Farben Rot, Grün, Blau, Gelb gekauft und einfach ins Kinderzimmer gestellt. Am Anfang war ich es, die, immer, wenn sie einen Gegenstand in einer der Farben gefunden hatte, diese in die entsprechende Kiste sortiert habe. Ein roter Ball kam in die rote Kiste, einer grüner Duplo-Stein in die grüne Kiste, das blaue Dreieckstuch in die blaue Kiste usw. Lange Zeit spielte ich das Spiel quasi allein, meine Kinder guckten nur verwundert zu. Nach ein paar Monaten (!) aber konnten sie - zögerlich zunächst - farbige Bausteine sortieren. Als nächstes kamen Wäscheklammern dazu und irgendwann hatten sie es dann wirklich verstanden und das halbe Kinderzimmer wurde in den Kisten versteckt. Vor allem wurden die Kisten übrigens dafür verwendet, selbst ein- und auszusteigen. Also achtet darauf, dass ihr standfeste Kisten bekommt.

FormensortierboxEin weiteres Spiel, das in diesem Alter durchaus schon angeboten werden kann (es passt in die Welt der Kategorien) sind Formen-Sortier-Boxen. Meine Kinder konnten die Steine da übrigens noch lange nicht reinsortieren, aber anbieten kann man es seinem Kind zu diesem Zeitpunkt durchaus. Manche Kinder finden vielleicht das viel spannender als z. B. unsere Farbkisten. Aber nicht verzweifeln, wenn dein Kind die Steine der Formen-Sortier-Box nur anlutscht - erstens ist das dann seine Art, die Formen der Steine zu erfassen (mit dem Mund) und zweitens finden die meisten Kinder daran frühestens ab 12 Monaten Gefallen. 

Baby spielt mit StapelturmZwei weitere Spielzeuge waren bei meinem Töchtern nach diesem Entwicklungssprung beliebt (mit 9 und 10 Monaten). Zum einen war das eine Stapelpyramide, zum anderen Roll-A-Rounds von Fisher Price. Die Stapelpyramide war zu meiner Überraschung ein Spielzeug, mit dem sich meine Töchter (beim selbständigen Sitzen) lange und intensiv beschäftigen konnten. Ich dachte ja, in diesem Alter sei es nur spannend, dieses Spielzeug auseinander zu nehmen und anzulutschen, doch meine Töchter begannen schon bald, zu versuchen, die Ringe auf die Pyramide wieder raufzustecken. Die Kategorie, die hinter diesem Spiel steht ist übrigens "Weniger / Mehr". (vgl. ebd, 2005: 211) Nehme ich einen Ring herunter, wird der Ringstapel kleiner, es sind weniger Ringe drauf. Stecke ich die Ringe auf die Pyramide drauf, werden es wieder mehr Ringe. Ganz unproblematisch kann man die gleiche Kategorie übrigens mit einem Stapel Zeitschriften erfassen. Setzt euer Kind einfach vor einen wohlgeordneten Stapel von Hochglanzmagazinen und ihr werdet sehen, mit welchem Eifer es eine Zeitschrift nach der anderen abbaut. Nur das wieder Aufbauen eines Zeitschriftenstapels ist natürlich noch zu schwer. Hinweis: Eure Kinder müssen in diesem Alter noch nicht selbständig sitzen können! Nur eine meiner Töchter tat das, die andere lag noch mit 11 Monaten fröhlich auf dem Bauch herum.

Die Roll-A-Rounds (es gehen auch normale Holzkugeln einer entsprechenden Größe oder auch die Entdeckerkugeln oder Rollino 
von Haba) wurden von meinen Töchtern vielfältig verwendet. Sie haben eine unterschiedliche Oberflächenstruktur sowie unterschiedliche Innenleben, so dass man sie gut sortieren kann nach "Fühlen", "Hören" und "Sehen". Trotzdem entsprechen sie gleichzeitig alle der Kategorie "Ball" oder "Kugel". Sie rollen alle weg, wenn man sie runterwirft. Einige klingeln dabei (die Hörkugeln), einige glitzern dabei im Licht (die Sehkugeln), einige rollen irgendwie schlechter, weil ihre Oberfläche nicht glatt ist (die Tastkugeln). Gerne zogen sich meine Töchter an einer kleinen Kiste hoch, legten die Kugeln einzeln auf den Deckel und schauten begeistert hinterher, wenn sie von der Kiste runter rollte, laut auf dem Boden aufschlug und dann weiter unter den Schrank rollte. Dann krabbelten meine Töchter verzückt hinterher, guckten lange unter den Schrank, angelten mit ihren Armen nach der Kugel und freuten sich wie ein Keks, wenn sie die Kugel wiedererobert hatten. Und dann ging es von Neuem los: an der Kiste hochgezogen, Kugel auf die Kiste gelegt und ....

© Snowqueen

Das Buch 


Cover Oje ich wachseWer mehr über diesen und weitere Entwicklungssprünge wissen möchte, dem sei das Buch "Oje ich wachse" von Hetty von de Rijt, Frans X. Plooij und Regine Brams aus dem Goldmann-Verlag ans Herz gelegt. 

Hinweis: Dieser Blog-Artikel beruht ausschließlich auf dem obigen Buch von Hetty von de Rijt, Frans X. Plooij und Regine Brams, alle von mir referierten Inhalte sind darin wiederzufinden.

Weitere Entwicklungssprünge 


Die anderen Entwicklungssprünge findest Du hier:

Kommentare:

  1. Tolle Spielideen, Danke!
    Ivonne

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  2. Ich finde die Spielideen auch super!!!! Meine ist gerade in diesem Sprung und mir fällt es ehrlich manchmal schwer damit umzugehen. Immer unzufrieden, nie alleine sein, NICHT schlafen wollen usw. ... dank deiner Worte weiß ich dass es bald vorüber ist...bis der nächste Sprung sich ankündigt..

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  3. Übrigens, wo bekomme ich denn schöne Bücher mit realistischen Alltagsgegenständen bzw. Tieren her? Kannst du da noch weitere empfehlen? Lg

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    1. Liebe Anja, ich schreibe gerade an einem ausführlichen Artikel über schöne Kinderbücher (nach Alter geordnet). Da wirst du dann sicher fündig. Ganz allgemein kann ich die Ravensburger Ministeps Bücher empfehlen. Davon hatten wir eine Menge, z.B. Meine allerersten Sachen, Mein erstes Tierbuch, Meine allerersten Tiere, Kleine Fingerlinge: Allererste Sachen, Kleine Fingerlinge: Meine Spielsachen, Kleine Fingerlinge: Meine Tiere, Alle meine Tiere Fotobuch etc.

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  4. Echt tolle spiel- und lernideen! Danke!

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  5. Passt zu diesem Schub auch,dass das Essen verweigert wird? Unser Sohn ist heute 8 Monate und isst seit Tagen kaum noch und trinkt auch sehr schlecht. Oft lässt er die Mahlzeiten komplett aus.

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    1. Die Antwort auf diese Frage würde mich auch interessieren: uns geht es ganz genauso. Der Breistart war mit sieben Monaten schon schwierig und nachdem jetzt einigermaßen der Mittags-und der Abendbrei gingen, wird seit gestern total verseigert und die Brust nur mit Protest genommen..

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