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Mein Kind will nicht teilen - wie Kinder es lernen


Vollkommen unbeachtet liegt eine Schaufel im Sandkasten. Marie sieht sie, nimmt sie und beginnt hingebungsvoll zu buddeln. "MEINE!!! Das ist MEINE Schaufel!" schallt es plötzlich theatralisch über den Spielplatz - Leo reißt panisch sein Spielzeug an sich, Tränen schießen ihm in die Augen. Hilfe suchend wendet er sich an seine Mutter. Er will die Schippe nicht hergegeben - auf gar keinen Fall, schließlich gehört sie ihm! Maries Vater eilt herbei - fest entschlossen, den ungehörigen Egoismus verbal zu strafen, wendet er sich an sein Kind: "Waaas? Du darfst die nicht haben? Da hat wohl jemand noch nicht teilen gelernt! Komm - mit solchen Kindern möchte doch keiner spielen. Wir gehen - da hinten die Kinder teilen sicher gerne".

Kinder streiten sich im Sandkasten um eine Schippe 
Früher oder später erlebt jedes Elternteil eine solche Situation - und ist zunächst oft erst einmal überrascht von der heftigen Vehemenz des eigenen Kindes. Was wäre denn jetzt die richtige erzieherische Reaktion? Das Kind jedenfalls scheint zu absolut keiner Kooperation bereit - aber auch wenn jede Intervention zum Scheitern verurteilt sein wird, muss man doch irgend etwas tun!? Keinesfalls soll doch das eigene Kind als unsozial oder gar die Mutter als inkompetent gelten - also kommt vielleicht ganz zaghaft "Ach komm, Leo, Du kannst doch Dein Spielzeug auch mal teilen! Du bekommst es doch zurück". Gelegentlich (um dann doch noch etwas Souveränität zu demonstrieren) wird dem Kind das Spielzeug entrissen und demonstrativ dem anderen Kind gegeben oder - auch häufig - bei anhaltender Teilverweigerung als "logische Konsequenz" für das Fehlverhalten Kind und Spielzeug geschnappt und sich schämend der Spielplatz verlassen. 

Warum Kinder nicht teilen wollen 

Die Wahrheit ist auf den ersten Blick simpel und wenig schmeichelhaft: Kinder sind von Natur aus kleine Egoisten. Uns Erwachsenen ist ein solches Verhalten äußerst unangenehm - den meisten Eltern ist bei ihrer Erziehung wichtig, dass ihre Kinder sich sozial, empathisch und großzügig verhalten. Doch die Natur hat es anders vorgesehen - evolutionär ist der kleinkindliche Egoismus sinnvoll für das eigene Überleben.

Um das zu verstehen, müssen wir einen Blick zurück in die Menschheitsgeschichte werfen: Während die Kindersterblichkeit heute in Deutschland bei etwa 0,4% liegt, erreichten vor 500-1500 Jahren nicht mal 50% aller Kinder das 14. Lebensjahr - über die Hälfte aller zu dieser Zeit Geborenen starb. Selbst vor 150 Jahren lag die Kindersterblichkeit noch bei 25%. Zwar ist die Sterblichkeit in den letzten Jahren rapide gesunken - doch in den 99,99% der übrigen Menschheitsgeschichte zuvor waren Kinder permanent gezwungen, bitter um ihr Überleben zu kämpfen.

Dafür hat die Evolution raffinierte Strategien ausgearbeitet - Babys wollen sich nicht ablegen lassen und wachen alle Nase lang auf, damit sie von der wandernden Horde nicht vergessen werden, sie wollen nicht alleine schlafen, um nicht schutzlos vom Säbelzahntiger gefressen zu werden und sie wollen nicht teilen. Denn wer von möglichst allem möglichst viel hat, der hat viel größere Chancen zu überleben. Kinder wuchsen in Großfamilien mit 5-10 Geschwistern auf - sie sind darauf programmiert, Ressourcen zu horten - Essen, Werkzeug, mütterliche Aufmerksamkeit. Dies ist auch die Hauptursache für geschwisterliche Rivalitäten. Wer Vorräte anlegen konnte, wer am lautesten Dinge einforderte und wer seinen Besitz am besten verteidigte, hatte die besten Chancen, ein Alter zu erreichen, in dem die eigenen Gene weitergegeben werden können. Unsere Kinder sind also (rein verhaltensbiologisch) noch auf dem Niveau von Steinzeitmenschlein. 


Jeder teilt ungern! 


Für uns ist auf den ersten Blick unverständlich, warum sich die Kinder beim Teilen so "anstellen". Schließlich handelt es sich in der Regel um robustes, wenig wertvolles Spielzeug - wir wissen, dass es nach kurzer Zeit zurück gegeben wird, es kann nicht kaputt gehen und ein Verlust ist unwahrscheinlich - wo also liegt das Problem für unser Kind? Für uns selbst jedenfalls wäre es natürlich selbstverständlich unter diesen Voraussetzungen unproblematisch, auch mal einen Buddeleimer zu teilen. Schließlich wissen wir, dass Teilen etwas Gutes ist, etwas das uns soziale Anerkennung verschafft, etwas das anderen Freude macht. Wir haben teilen "gelernt" - wir teilen oft und meistens gerne...

Tatsächlich?

Wie gerne und wie oft teilst Du eigentlich ;-)? Wie sieht es denn beispielsweise so bei den Steuern aus? Du teilst Dein Einkommen zum Gemeinwohl - aber zahlst Du die Steuern wirklich bereitwillig und gerne? Würde ein Steuersystem auf freiwilliger Basis funktionieren, in dem jeder so viel abgibt, wie er zu teilen bereit ist? Und die Sozialabgaben? Natürlich ist einem bewusst, dass ein soziales System nur so funktioniert - aber was empfindet man, wenn das eigene Geld mit Menschen geteilt wird, die sich am System vorsätzlich nur als Nehmer beteiligen wollen? So richtig gerne teilt man also offenbar auch nicht.  

Kind hält etwas in der Hand, das es nicht teilen willStell Dir folgende Situation vor: Du sitzt beim Arzt im Warteraum - es dauert mal wieder ewig. Plötzlich kommt ein völlig Fremder zu Dir, greift nach Deiner Tasche und setzt sich damit wortlos wieder auf seinen Platz, um dann in aller Ruhe den Inhalt interessiert zu inspizieren. Auf deine (verständliche) Empörung reagiert er ganz gelassen mit "Nun stellen sie sich nicht so an, sie kriegen das doch wieder. Ich suche nur ein Telefon, ich muss mal schnell daheim anrufen. Man muss doch auch mal teilen lernen!"

Nun mag man möglicherweise einwenden, dass der Vergleich hinkt - doch ist dem denn so? Meinen Besitz möchte ich nicht mit anderen Menschen teilen - zumindest nicht überrumpelt und ungefragt. Von meinem Kind jedoch erwarte ich, dass es seine Besitztümer großzügig anderen zur Verfügung stellt - schließlich ist es "nur" Spielzeug. Dabei wird jedoch vergessen, dass das, was für uns "nur" Spielzeug ist, für das Kind einen ganz anderen Stellenwert hat - es ist schließlich sein Spielzeug. Sein Besitz. Und der ist für das Kind genauso wertvoll, wie für uns ein elektronisches Spielzeug, ein Schmuckstück oder andere persönliche Gegenstände. Kinder zwischen ein und drei Jahren definieren sich außerordentlich stark über ihren Besitz - sie empfinden es nahezu als körperliche Beeinträchtigung, wenn man ihnen Dinge einfach weg nimmt.

Vermutlich hättest Du kein Problem damit gehabt, wenn der Fremde zu Dir gekommen wäre und höflich gefragt hätte, ob Du ihm Dein Handy kurz leihen könntest, weil er dringend zu Hause anrufen müsste. Denn Du hättest gewusst: Ich bekomme es unbeschadet wieder. Für unsere Kinder sind die ersten Situationen, in denen von ihnen erwartet wird zu teilen, jedoch in der Regel eher so, wie die vorher beschriebene - jemand (oft Unbekanntes) kommt, greift sich einfach etwas und spielt damit los. Dem Kind ist zunächst gar nicht bewusst, dass es die Dinge auch wieder zurück bekommen wird - es fürchtet den kompletten Verlust. Meist sind die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten auch noch begrenzt, so dass primäres Ziel ist, den Besitz erstmal einfach nur lautstark zu verteidigen - weswegen logische Argumente sie meist gar nicht interessieren.

Experimente zum Teilen (Fehr 2008) haben ergeben:

  • 3-4-Jährige teilen ihre Süßigkeiten praktisch nie freiwillig mit anderen, 
  • bei den 5-6-Jährigen teilen immerhin 20% der Kinder freiwillig Süßes und 
  • ab dem Schulalter wird von den meisten sogar bereitwillig mit anonymen Gruppen geteilt.

Andere Experimente zeigten: Vor die Wahl gestellt, freiwillig Münzen/Sticker aufzuteilen, entschieden sich 7-8-Jährige für eine Aufteilung im Verhältnis 50%/50%. 

Bei den Erwachsenen war das Verhältnis übrigens 30% zu 70% - die Erwachsenen behielten das Meiste für sich. 


Wie lernen Kinder teilen? 


Ich empfehle, die Kinder einfach erst mal machen zu lassen. Je häufiger wir einschreiten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir immer und immer wieder als Richter fungieren müssen. In den allermeisten Fällen regeln das Kinder tatsächlich ohne Hilfe unter sich (vor allem, wenn sie etwas gleichaltrig sind). Selbst Lösungen zu finden und Einigungen zu erzielen stärkt außerdem enorm das Selbstvertrauen.

Wir haben das grundsätzliche Bedürfnis, unsere Kinder zu schützen - daher versuchen wir alles zu vermeiden, das sie in einem schlechten Licht da stehen lassen könnte. Wir fürchten, die anderen Kinder könnten dann nicht mehr mit ihm spielen wollen, wenn es sich so vermeintlich unsozial benimmt. Doch betrachtet man die Situation mal aus Kindersicht, wird deutlich, dass die anderen Kinder das Verhalten als vollkommen normal betrachten - schließlich wollen sie ja (evolutionär bedingt) auch nicht wirklich teilen.

Zwar gibt es Kinder, die schon als Kleinkind unaufgefordert teilen - eine wirklich altruistische Motivation steckt in der Regel jedoch nicht dahinter. Meist ist das das Resultat, von beharrlicher elterlicher Aufforderung in der Vergangenheit - die Kinder wissen, dass man es von ihnen erwartet - sie handeln also vornehmlich, um ihren Eltern zu gefallen (was auch tief in ihnen verhaltensbiologisch verankert ist). Ohne weiteres abgegeben wird auch häufig Spielzeug, das Kindern nicht wichtig ist - das Lieblingsauto hingegen würde niemals geteilt werden.

Die anderen Kinder finden also das Benehmen unseres Kindes wahrscheinlich weder außergewöhnlich noch befremdlich. Würde man also zu ihnen sagen "Tut mir leid, Leo will dieses Spielzeug gerade nicht abgeben", wäre das für das Kind aller Wahrscheinlichkeit nach vollkommen in Ordnung. 

Kind teilt mit einem anderen 

Warum aber sehen wir uns eigentlich dennoch gezwungen, in solchen Situationen einzugreifen und das Kind vom Teilen zu überzeugen? Weil "Teilen können" im Allgemeinen als Erziehungsziel betrachtet wird - etwas, das dem Kind aktiv "beigebracht" werden muss. Verweigert das Kind das Teilen, haben wir das Gefühl, dass das ein schlechtes Licht auf uns wirft - erweckt es doch den Eindruck, wir würden "nicht genug" erziehen.

Dabei ist die Fähigkeit zu Teilen ein Entwicklungsschritt und nichts, was unsere Kinder lernen müssen. Und vor allem: auch bis zu einem gewissen Alter gar nicht können! Kognitiv sind sie erst zwischen 3 und 4 Jahren in der Lage, aus eigenem Antrieb zu teilen. Erst wenn sie in der Lage sind Empathie zu empfinden, realisiert das Kind, dass das andere Kind nur daran interessiert ist, das Spielzeug für eine kurze Zeit zu borgen - es will es nicht kaputt machen, nicht behalten und wird damit nicht weg laufen. Es besteht also keine Notwendigkeit, das Eigentum zu verteidigen.

Auch die Erkenntnis, dass das andere Kind traurig oder enttäuscht sein könnte, wenn es so brüsk abgewiesen wird, erfordert empathische Fähigkeiten. Ohne sie ist dem Kind überhaupt nicht klar, wie der Abgewiesene sich fühlt - entsprechend wird das Kind erst dann aus eigenem Antrieb handeln, wenn es die Traurigkeit nachempfinden kann. Dazu muss das Kind auch erst einmal selbst die Erfahrung machen, was man empfindet, wenn man Interesse an den Spielsachen anderer hat und dabei auf Widerstand trifft.

Ob das Kind bereits über die Fähigkeit verfügt, sich in andere hinein zu versetzen, kann man mit dem Sally-und-Anne-Test (der hier beschrieben ist) testen. Bis zur Entwicklung einer gewissen Empathiefähigkeit ist es sinnvoll, das Kind bei der Verteidigung seiner Besitztümer zu unterstützen. Es sollte stets das Gefühl von Rückhalt haben - je sicherer es ist, dass man seine Bedürfnisse achtet, desto leichter wird es ihm fallen, auch mal loszulassen. In Gesellschaft anderer Kinder begreifen Kinder ohnehin sehr schnell, dass Teilen auch Vorteile hat - hat das Kind viel Kontakt zu Gleichaltrigen, entfaltet sich die Fähigkeit quasi von allein. Selbst sehr kleine Kinder entwickeln schon von ganz allein sinnvolle Strategien wie das Anbieten von Tauschobjekten.

Wer den Entwicklungsprozess zusätzlich aktiv unterstützen möchte, sollte dies nicht tun, indem er das Kind in geeigneten Situationen immer wieder zum Teilen anhält. Sinnvoller ist es, das Teilen aktiv vorzuleben und dabei Gefühle zu spiegeln. So können erste Spiele gespielt werden, bei denen sich abgewechselt wird - Kinder merken so: gemeinsam haben wir mehr Spaß, als wenn ich nur allein spiele. Auch kann das Teilen von Lebensmitteln aktiv kommentiert werden: "Hier - ich teile mit Dir eine Banane. Ich mag es, wenn du dich darüber freust". Selbst 1-Jährige haben Freude daran, Mama und Papa gelegentlich abbeißen zu lassen - ein strahlendes "Dankeschön" vermittelt, dass Teilen etwas Schönes ist.

Es gibt sehr schöne Kinderbücher zum Thema: Piepvögelchen und der Mariechenkäfer: haben Geburtstag (ab 12 Monaten), Leo Lausemaus will nicht teilen (ab 2 Jahren), Beste Freunde teilen alles, Buddy Bär, Camille will ihr Spielzeug nicht teilen und Teilen macht Spaß (alle ab 3 Jahren) oder Fabian teilt mit Marie - Geschichten vom Behalten und Abgeben (ab 4 Jahren).
  

Geschwister und das Teilen


Das Teilen ist ein häufiger Gegenstand geschwisterlicher Rivalitäten - vor allem, wenn das größere Kind seine Bedürfnisse noch nicht im regen Kontakt mit anderen Kindern durchsetzen musste.

Um Streitereien um Spielzeug einzugrenzen, versuche ich seit der Geburt des Geschwisterchens strategisch das "persönliche Eigentum" an Dingen bei uns auszugleichen und einzuschränken. Um zunächst eine faire Ausgangsbasis zu schaffen, habe ich das Babyspielzeug, für das unsere Tochter zu alt geworden war, konsequent weg geräumt. Als ich es nach der Geburt des Bruders wieder hervor geholt hatte, hatte sie natürlich vergessen, dass es eigentlich "ihr Spielzeug" war, wodurch zunächst erst einmal persönlicher Besitz für den Bruder geschaffen wurde. Babyspielzeug kann für größere Kinder plötzlich wieder sehr attraktiv werden - vor allem, wenn es lange nicht verfügbar war und es für sie daher quasi neu ist. So hatte der kleine Bruder eine ganze Masse Tauschobjekte, wenn er an (babytauglichen) Spielzeugen der Großen interessiert war.

Wenn meine Tochter mit dem Spielzeug ihres Bruders spielen wollte, habe ich sie gebeten, ihn zu fragen, ob sie das darf. Ich habe dann als "Übersetzer" fungiert und seine Regungen dann als "Ja" (ganz selten auch als "nein - will er selber haben") übersetzt. So hat sie zunächst erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, dass man nicht einfach zugreifen kann (sie fragte dann auch auf dem Spielplatz). Außerdem verstand sie so auch, dass man ablehnende Entscheidungen treffen darf und diese respektiert werden. Wenn der kleine Bruder nach einem ihrer Spielzeuge griff, habe ich stellvertretend für ihn gefragt und ihre Entscheidung respektiert. Je sicherer sie wurde, dass sie weder überredet werden würde noch zum Teilen gezwungen, desto generöser wurde sie bei der Herausgabe ihrer Sachen. Wenn sie das Spielzeug nicht abgeben wollte, bat ich sie darum, eine Alternative anzubieten - das hat in 98% der Fälle (bis zu einem gewissen Alter) funktioniert.

Kind lachend in einem KaufmannsladenSachen, die im Laufe der Zeit angeschafft wurden, habe ich immer explizit als "für euch beide" bezeichnet. Weihnachten war mein Sohn gerade 2 Wochen alt - Oma und Opa wollten meiner knapp 3-Jährigen einen Kaufmannsladen schenken. Ich bat sie, ihn ausdrücklich beiden Kindern zu schenken - zum einen, weil es komisch gewirkt hätte, wenn die Große so ein riesiges Geschenk bekommen hätte und der Kleine nur eine Kleinigkeit (im Grunde hat man ja alles) - zum anderen war sie alt genug, um das Geschenkte dauerhaft als "meins" zu betrachten. Natürlich konnte zuerst nur meine Tochter das Geschenk wirklich benutzen - doch nach und nach entwickelte auch ihr Bruder Interesse. Dadurch, dass es von Anfang an explizit beiden gehörte, hat es nie irgendeinen Streit darum gegeben.

Ich räume noch immer Spielzeug, aus dem das größere Kind herausgewachsen ist weg und hole es etwa 2 Jahre später hervor - "für beide". Auch Bekannten und Verwandten, die den Kindern etwas mitbringen, bitte ich, Geschenke nicht zuzuordnen. Natürlich wählen sie Dinge jeweils für ein bestimmtes Kind aus, das dann auch am meisten damit spielt, weil es seinem Interesse entspricht, aber es ist vollkommen unschädlich und für die Kinder auch unproblematisch, wenn es in ihr Gemeinschaftseigentum übergeht. Anders ist das natürlich mit Geburtstagsgeschenken - die sollen und dürfen die Kinder als ihr Eigentum betrachten und auch entsprechend darüber verwalten dürfen.

Bei uns haben sich folgende Regeln im Alltag bewährt: Gehört jemandem etwas persönlich (was ja auf nicht allzu viele Dinge zutrifft), dann darf derjenige auch darüber bestimmen. Für Gemeinschaftsbesitz gilt: Wer es zuerst hatte, der darf damit spielen. Sobald das Spielzeug abgelegt und etwas anderes bespielt wird, kann man sich nicht mehr auf "Aber ich hatte das zuerst!" berufen. Das funktioniert bei uns absolut reibungslos.

Noch ein Tipp: Geschwister reagieren generell empfindlich auf (vermeintliche) Ungerechtigkeit bei der Teilung von nichtzählbaren Dingen, die von den Eltern zugeteilt werden. "Sein Stück ist aber größer, als meins!" Um das zu vermeiden, kann man die Regel: "Einer teilt, einer sucht aus" einführen. Ein Kind bekommt die Aufgabe, das begehrte Gut zu teilen - das andere hat das Recht, sich ein Stück auszusuchen. So ist das teilende Kind möglichst darauf bedacht, alles exakt zu teilen (und kann sich hinterher nicht beschweren - schließlich hat es ja selbst geteilt) und das andere sucht sich das "bessere" Stück aus und beschwert sich entsprechend auch nicht. 


Fazit 


Teilen muss man nicht lernen - es ist ein Entwicklungsschritt, der die Fähigkeit der Empathie voraussetzt. Unter gleichaltrigen Kindern entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit - ohne dass ein Eingreifen erforderlich wäre - eine eigene Tausch- und Teilkultur. Daher sollte man als Erwachsener möglichst wenig regulierend eingreifen - allenfalls das Kind bei der Verteidigung seines Eigentums sanft unterstützen. Teilen wird darüber hinaus durch Vorleben aktiv gefördert. 

© Danielle  


Quellen


González, Carlos: In Liebe wachsen
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Kommentare:

  1. Wow!!!! Genial, toll und...das hätte ich mal eher wissen sollen... tessa

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  2. Wenn unsere Kleine irgendwo was auszuhandeln hat oder jemand was von ihr will, lassen wir sie auch immer machen. Die Regeln das schon unser sich. Das einzige was immer nervt sind andere Eltern, die einen dann nerven, weil man nicht einschreitet oder das tut, was man allgemein gerne von einem sehen würde.

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  3. Toller Artikel. ..sehe nun einiges mit anderen Augen und werde mich in Zukunft sicher neu daran erinnern! Freu mich, das ich die Idee mit Geschenken für beide dieses Jahr Weihnachten auch schon hatte. Jeder hatte sein eigenes Geschenk und ein gemeinsames.

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  4. Guter Artikel. Einiges kommt mir sehr bekannt vor, aus dem sehr wertvollen Buch "In Liebe wachsen"

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  5. Danke für den Artikel. Ihr seid mein bestes Lexikon in Sachen Kinder(nicht)erziehung!
    Erst heute habe ich wieder erlebt, wie ein 1jähriger Junge konsequent von seinem Vater zum Teilen ermahnt wurde. Er sollte sogar fragen, bevor er meiner Tochter etwas wegnimmt - konnte aber noch gar nicht sprechen. Im Anschluss hat meine Tochter ihm ein Spielzeug weggenommen und ich habe innerlich den erhobenen Zeigefinger des Vaters gespürt, weil ich nicht reagiert habe :(

    Was sollte ich eigentlich tun, wenn meine Tochter mir das Spielzeug zur Aufbewahrung gibt und ein anderes Kind genau dieses Spielzeug haben möchte? Einerseits will ich ihr Vertrauen in mich nicht enttäuschen und andererseits kann ich dem anderen Kind ja nicht sagen: "Ätschibätsch, das Spielzeug kriegst du nicht..."

    Beste Grüße - Hoffe, ihr seid bei diesem Sturm sicher im Warmen!
    TaoTao

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    1. Liebe Tao Tao,

      vielen Dank!

      Ich würde in einer solchen Situation einfach mein Kind noch mal fragen, ob es sein Spielzeug abgeben würde. Wenn es nein sagt, hört das andere Kind das ja dann. Das kann man dann kommentieren: "Ich verstehe, dass du das Spielzeug gerne haben möchtest, aber meine Tochter möchte ihr Spielzeug nicht abgeben".

      In der anderen Situation hätte ich stellvertretend für mein Kind gefragt, wenn es das Spielzeug einfach nimmt. "Ist es in Ordnung, dass mein Kind damit spielt?" Idealerweise das Kind (das es zwar nicht versteht, aber der Vater wird sich ja dennoch gemüßigt sehen, zu antworten. So lebst Du Deiner Tochter vor, welches Verhalten gesellschaftlich erwartet wird. Unkommentiert etwas nehmen, ist es ja eher nicht ;-).

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Vielen Dank für deine Antwort! Dass ich darauf nicht selbst gekommen bin...
      Ich bin so froh, dass es diesen Blog gibt, sonst wäre meine sehr willensstarke Tochter heute wohl weitaus unzufriedener!!

      Liebe Grüße
      TaoTao

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  6. Hallo Danielle,

    ich liebe diesen Blog absolut und hab mir schon soviel daraus mitgenommen. Aber eine Frage brennt mir nun doch in der Seele: Meine Tochter ist 1,5 und noch ein Einzelkind. Dementsprechend gehört das ganze Spielzeug ihr. Wenn wir nun Besuch bekommen ist für den natürlich kein Spielzeug da. Sie ist (noch) sehr großzügig und hat im Normalfall auch kein Problem damit, wenn ihr einfach was aus der Hand genommen wird. Und ich schau ja auch nicht immer zu, wenn zwei Kinder spielen. Wie ist es nun, wenn ihr ihre 2jährige Freundin ein Spielzeug aus der Hand reisst, sie bricht in Tränen aus und läuft zu mir. Die zwei sind doch noch zu klein, um ihnen oben Genanntes zu erklären, oder? Oder wie reagier ich, wenn die 2jährige das Spielzeug einfach nicht hergibt. Es ist ja nun Besitz meiner Tochter und sie möchte ihn zurück, was ja ihr gutes Recht ist. Es ist aber nun auch nicht richtig, ihrer Freundin nun umgekehrt das Spielzeug wieder zu entreissen. Was würdest du vorschlagen?

    Liebe Grüße

    Julia

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    1. Liebe Julia,

      ja, mit 1,5 und 2 Jahren sind sie definitiv noch zu klein. Auch wenn es seltsam anmutet - ich würde meine Freundin bitten, einfach ein paar Spielzeuge mitzubringen, damit beide Kinder in der selben Verhandlungsposition sind. Denn das Verständnis "Wenn ich dir was abgebe, kriege ich vielleicht etwas von dir" kann sich sonst ja nur schwer entwickeln. Zudem sind mitgebrachte Spielzeuge oft viel interessanter, als das eigene Spielzeug.

      Was man auch machen kann, ist eine "Gästekiste" - einfach ein paar wenige Spielzeuge zur Seite legen, die nur bei Spielbesuch heraus gegeben werden - das empfindet Dein Kind dann nicht als sein Eigentum. Wenn Dein Kind also etwas nicht teilen möchte, könnte man daraus etwas anbieten.

      Ich würde mit der anderen Mutter auch ganz offen über das Thema sprechen und ihr vielleicht diesen Artikel zeigen - wenn sie versteht, worum es Dir geht, findet ihr sicher einen guten Weg.

      Ganz liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Hallo,Danielle!Ich bin so froh dass ich euren Blog entdeckt habe. Genau das gleiche Problem hatte ich auch. Habe mir den Kopf zerbrochen zwischen das was erwartet wird ubd das, was gut für meines Kind ist. Diese Tipps sind echt super. Hätte mich nicht getraut die andere Mama zu bitten,eigene Spielzeug mitzubringen. Aber in der Sotuation ist das wirklich sehr gute Idee. Grüsse
      Katja

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  7. Liebe Danielle,

    vielen Dank für den Artikel - überhaupt für den ganzen Blog. Bin schon seit Anfang an (also seit Geburt meiner Tochter) dabei.

    Unsere Situation ist momentan folgende: Unsere Tochter ist gerade 18 Monate alt und wir gehen seit Monaten auf den Spielplatz - seit ca. zwei Wochen hat Greta aber die Angewohnheit, anderen Kindern ihr Spielzeug wegzunehmen. Auch dann, wenn sie gar nicht damit spielen will. Sobald das andere Kind dann ein anderes Spielzeug in die Hand nimmt, kommt Greta angestümt und reißt es ihr wieder aus der Hand. Ich kann sie dann nicht und auf keinen Fall davon überzeugen, dass sie es wieder zurückgibt. Ich merke natürlich, wie die Eltern reagieren - die sind teilweise fast schon geschockt (von wegen unerzogenes Kind) und mir ist das Ganze dann megapeinlich. Schlussendlich läuft es dann meistens darauf hinaus, dass ich meiner Tochter das Spielzeug aus der Hand nehme, worauf sie dann weint, ich etwas anderes suche, womit Greta spielen kann, aber das interessiert sie meistens nicht. Heute z. Bsp. hat sie mit einem zweijährigen Kind gespielt und dieses ist so brav, weint nicht, wenn man ihr was wegnimmt etc. Greta ist ein ganz fröhliches, aufgewecktes, mutiges Mädl, kennt keine Gefahren und das gefällt mir auch so, dass sie so zu Menschen und Sachen hingeht, ohne Angst und vieles ausprobiert. Ich bin in der Beziehung auch nicht ängstlich, lass sie viel probieren, auch wenn sie mal runterfällt (aber nichts Gefährliches), lass sie viel alleine machen. Einzig die Spielplatzsituation, wo sie sich eben nicht "konform" verhält und nicht "brav" ist, sprich, den anderen Kindern Sachen wegnimmt, denk ich mir: Hmm, ich sollt sie echt mal erziehen, aber wie, wie wie?

    LG,
    Antonia

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    1. Liebe Antonia

      ich kann nachvollziehen, dass Dir das Verhalten unangenehm ist. Wobei es ja nicht das Verhalten ist (das ist ganz normal), sondern die nicht erfüllte Erwartungshaltung der anderen ;-).

      Ich kann nur schreiben, was ich machen würde: Wenn Greta etwas haben möchte, dann würde ich an ihrer Stelle das Kind (nicht die Mutter) fragen, ob sie das haben kann. Wenn das Kind nein sagt. dann würde ich das respektieren und Greta weg tragen. Dann können die Eltern ja auch nicht wirklich sauer sein, denn Du erfüllst ja die Konventionen.

      Ich kann verstehen, dass es Dich berührt, wenn Greta darüber traurig ist - aber das ist etwas, womit Kinder lernen müssen, umzugehen. Ich würde sie trösten und sagen "Du bist sehr traurig, du wolltest gerne damit spielen. Aber das Kind möchte nicht, dass du damit spielst. Jeder darf selbst entscheiden, ob er teilt". Ihren Kummer musst Du aushalten - sei einfach da und lass sie trauern. Wut und Traurigkeit sind okay - Gefühle sollen ausgelebt werden.

      Und kümmer Dich nicht um die anderen - Du gehst Deinen Weg und hast gründlich darüber nachgedacht, wie der aussehen soll. Und für mich klingt er gut. Von einem 18-monatigem Kind kann man gar kein anderes Verhalten erwarten, wenn man sich dessen bewusst ist, ist es vielleicht leichter, das Verhalten zu unterstützen.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  8. Liebe Danielle,

    zu aller erst natürlich ein riesen Lob für eure Seite! Was ihr hier leistet, ist einfach unbezahlbar! Seit meiner Schwangerschaft (nach ICSI, Kryo, ICSI) bin ich stille Mitleserin. Jetzt ist mein "Kleiner" schon 13 Monate und ich habe einige Fragen und hoffe, du kannst mir helfen. Thematisch passt es sowohl hier zu dem Post, als auch zum Thema "Enttrohnung des Erstgeborenen oder auch "Auszeit". Bitte entschuldige schon mal, für meine lange Ausführung :)

    Zur Frage bzw. Situation:
    Letzte Woche war ich mit meinem Kleinen bei einer Freundin, deren jüngere Tochter auch gerade 1 Jahr geworden ist. Die Große wird 5. Wir treffen uns seit ein paar Monaten beinah wöchentlich; oft nachmittags, wenn die Große aus der KiTa daheim ist. Das war bis jetzt nie ein "Problem"; ich vermute, da die beiden Kleinen einfach noch "Babys" waren. Jetzt sind sie (in den Augen der Großen) auch langsam kleine Persönlichkeiten mit Wünschen und einem Willen (oder bekommen eigene Sachen geschenkt und stehen z. B. beim Geburtstag im Mittelpunkt)... So erkläre ich mir das Verhalten der Großen. Vielleicht kannst du mich eines besseren belehren?
    Und zwar haben wir sie letzte Woche zusammen aus der KiTa abgeholt. Sie hat hinten im Auto zwischen den beiden Kleinen gesessen und ein Buch geschaut. Mein Kleiner war auch daran interessiert und hat versucht, nach dem Buch zu greifen. Die Große hat sich sofort lautstark gewährt. Unsere Möglichkeiten waren beim Fahren natürlich beschränkt und ich konnte meinen Kleinen nicht vom Greifen abhalten. Da hat die Große ihn gehauen. Zuhause bei ihnen ist das dann noch zwei mal passiert: Einmal war mein Sohn auf ihr Bobby Car gestiegen. Sie hat sich wieder vehement beschwert (ihr gutes Recht!) und ich habe ihn sofort runter genommen. Trotzdem hat sie ihn (auf meinem Arm) noch gehauen. Daraufhin hat meine Freundin sie "gezwungen" sich zu entschuldigen, damit sie auch ein Stück von dem - von mir mitgebrachten Kuchen - bekam. Sie hat sich entschuldigt, den Kuchen aber nur komplett mit der Gabel zermatscht, ohne was zu essen.
    Das zweite Mal waren wir im Zimmer der kleinen Schwester und mein Sohn war mit deren Spielzeug am spielen. Auf einmal schreit die Große wieder rum, das dürfte er nicht und er solle da weg. Da sie schon "gefährlich nah" an ihm war, hab ich ihn sofort weg genommen und trotzdem kam sie mir hinterher und hat ihn (wieder auf meinem Arm) nochmal gehauen. Hier hat meine Freundin sie zur "Auszeit" in ihr Zimmer gesperrt, wo man sie lange hat weinen und schreien hören. Später am Abend, nachdem wir weg waren, hat sie zu ihrer Mutter gesagt, ihre Schwester dürfte keine Freunde haben, nur sie selbst. (Meine Freundin nennt meinen Sohn immer den Freund der kleinen Schwester. Ich habe jetzt schon überlegt, ihn als gemeinsamen Freund der beiden zu titulieren?)

    ... Sorry, muss 2 Kommentare schreiben, zu lang:( ...

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  9. ... und weiter geht's:

    Hier meine Fragen:
    - Wie sollte ich reagieren, wenn mein Sohn von der Großen gehauen wird? Es war natürlich nicht fest und ihn hat es nicht gestört. Aber sie sind immerhin fast 4 Jahre auseinander! Er versteht ja noch garnicht, dass das jetzt nicht sein Bobby Car war etc. Oder muss ich mich ganz raushalten, wenn ihre Mutter dabei ist?
    - Soll ich ihn wegnehmen, wie ich es getan habe, oder wäre es besser, ihn sitzen zu lassen, dass er selber merkt, was die Große von ihm will? Ich habe das Gefühl, der Altersunterschied sei zu stark, zum "untereinander ausmachen".
    - Wie könnte meine Freundin vielleicht anders / besser (?) reagieren, als eine (in dem Moment sowieso nicht ernst gemeinte) Entschuldigung einzufordern und sie sogar wegzusperren?
    - Ist das Verhalten der Großen nur auf das "nicht teilen wollen" zurückzuführen oder kommt auch hinzu, dass ihre (jetzt nicht mehr so kleine) Schwester eigenen Besuch hat und sie nicht und sie sich irgendwie ausgeschlossen o. Ä. fühlt?
    - Bisher hat sie z. B. im Sandkasten den Kleinen nur alles aus der Hand gerissen mit dem Kommentar "ich hatte das zuerst". So "extrem" wir letzte Woche war es noch nie. Kann das am zunehmenden Alter der "Babys" liegen?
    - Wie können wir der Großen helfen, damit sie sich besser fühlt, wenn die zwei Kleinen sich "treffen"?

    Puuh, das ist jetzt noch länger geworden, als ich befürchtet hatte. Danke für's Lesen :)

    Ganz ganz liebe Grüße und vielen Dank für eure tolle Arbeit, macht weiter so!
    Simone

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    Antworten
    1. Liebe Simone,

      erst mal danke für Deine netten Worte zu unserer Seite - sie haben uns sehr gefreut!

      Ich sehe es wie Du - der Altersunterschied ist zu groß, als dass sie das unter sich regeln können und Dein Sohn ist auch noch viel zu klein - er kann ja seine Interessen noch nicht angemessen vertreten.

      Zunächst einmal möchte ich positiv anmerken, dass die Tochter Deiner Freundin zumindest schon über so viel Selbstbeherrschung verfügt, dass sie ihm nicht ernsthaft weh tut. Zwar kann sie ihre Impulse noch nicht ausreichend steuern, aber zumindest schon etwas lenken.

      Wichtig ist, ihr zu signalisieren, dass ihr Eigentum anerkannt wird. Also wenn der Kleine danach greift, ruhig sagen: "Lass das - das ist das Buch von X." Versteht er natürlich noch nicht so richtig, aber ihr wird signalisiert, dass man das Problem erkennt und auf ihrer Seite ist. Ich würde ihr erklären, dass Babys einfach noch nicht so gut verstehen, was man ihnen erklärt. Du könntest stellvertretend für Deinen Sohn fragen, ob er dieses oder jenes haben kann - nach zwanzig mal "Nein" wird sie sicher auch irgendwann ja sagen - wenn sie denn erkennt, dass man ihr zuverlässig zugesteht, dass sie nicht muss.

      Auszeiten und entschuldigen müssen sind leider völlig kontraproduktiv - es schürt den Ärger und verschärft die Situation. Ich würde einfach immer schauen, dass ich proaktiv einschreite und es tatsächlich wegnehmen. Das ist ja auch für die Entwicklung der Empathie bei Deinem Kind förderlich - es spürt, wie es sich anfühlt, wenn man etwas nicht haben kann - so wird ggf. seine Teilbereitschaft gefördert ;-). Dein Sohn ist ja noch so klein, dass er sich leicht ablenken lässt und mit etwas anderem Interessanten schnell aufhört zu meckern, wenn er etwas nicht bekommt.

      Wegen des Hauens: Ich würde die Mutter machen lassen (sie macht doch was?). Wenn nicht, würde ich ihr einfach nur sagen: "Ich möchte nicht, dass du X. haust!"

      Das Verhalten würde ich eher auf das Nichtteilenwollen zurückführen - durch den zunehmenden Bewegungsradius fühlen sich die älteren Geschwister zunehmend bedrängt. Hilfreich ist oft, wenn man höher liegende Zonen einrichtet, an die das Geschwisterchen nicht heran kommt.

      Gibt es denn ein besonderes Spielzeug? Vielleicht hilft es, wenn man die Verwendung auf die Spielbesucher begrenzt? Letztendlich gilt wie immer: Es ist nur eine Phase - in der Regel geht sie bald vorbei.

      Viele Grüße!
      Danielle

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  10. Hallo liebe Danielle,
    wie auch alle anderen Mamis hier bin ich totaler Fan von eurer Arbeit. Es macht Spaß, alle echten Erfahrungen zu lesen und bei jedem Thema selbst einen Aha-Effekt zu erleben. Bei uns ist es momentan so, dass meine Nichte 1,5 und mein Sohn 11 Monate sich grundsätzlich sehr lieb haben. Die kleine frägt stündlich nach ihm und da wir direkt nebeneinander wohnen und auch die Oma hier wohnt sehen sie sich täglich. Erstmal große Freude, nach Minuten aber darf unser Sohn überhaupt kein Spielzeug mehr haben. Es ist ihr egal ob es ihres ist oder ob es seines ist oder ob es gemeinsames bei Oma ist. Sie wartet bis er sich etwas aussucht und will dann genau dieses haben. Das geht dann ewig so weiter, legt er es weg und holt sich etwas anderes dann interessiert sie das gerade eingeforderte nicht mehr sondern das neue. Ich habe mich bisher rausgehalten da es ihm noch völlig egal ist mit was er spielt. Aber mittlerweile ist es nun auch beim schaukeln oder mit Oma so. Oma möchte ihn hochnehmen dann rennt sie zu Oma und er darf nicht mehr. Oma löst das eigentlich ganz toll und mit viel Geduld. Meistens geben wir nach denn wie gesagt, noch ist ihm egal in welcher schaukel er ist oder ob er statt bei oma nun von opa genommen wird. Nur ist es jetzt schon öfter passiert das die kleine, sicher nicht mit der bösen Absicht ihm wehzutun, ihn schubst oder Dinge wirft die sie ihm weggenommen hat, nach der Bitte es zu teilen. Ich weiß nicht wie ich hier einschreiten soll bzw. darf denn es ist ja nicht meine Tochter. Zudem möchte ich ja auch ein Gutes Gefühl vermitteln wenn sie zusammen sind. Aber weiter zuschauen bis sie ihm mal richtig wehtut möchte ich auch nicht. Wie können wir, also meine Schwägerin, die Oma und ich gemeinsam mit dieser Situation umgehen. Habe mich schon ertappt das ich ihn immer öfter einpacke und gehe, was mit Sicherheit nicht das richtige ist oder?
    Vielen Dank schon mal fürs lesen.
    Liebe Grüße Stephanie

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  11. Liebe Danielle,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel und für alle andere in diesem Blog! Ich lese hier regelmäßig und habe schon viel gutes und hilfreiches gelernt! Nun, zum Thema Teilen habe ich ein Paar Fragen: da ich 1,5-jährige Zwillingssöhne habe, habe ich zu Hause andere Probleme mit Teilen zwischen ein anderen. Es kommt öfter vor, dass wenn ein mein Sohn ein Spielzeug (es kann auch ein Buch oder ein Karton Box sein) in der Hand hat ist sofort für den anderen interessant. Der andere Sohn kommt dann und nimmt dieses Spielzeug weg und läuft glücklich weiter und spielt damit. Der erster weint, weil von ihm das Spielzeug weggenommen würde und läuft hinter seine Brüder. Ich versuche mich in solche Situationen nicht reinmischen, ich sage nur, dass dieses Spielzeug hat erst sein Brüder genommen und es ist falsch einfach so weg zu nehmen. Aber in solche Alter finde ich es ist schwierig für das Kind zu verstehen, dass er falsch gemacht hat und sein Brüder ist jetzt traurig (zur Thema Empathie ). Wie soll ich in diese Situation richtig benehmen, wie soll ich Kinder beibringen, dass es nicht richtig ist einfach so Spielzeug weg zu nehmen? Niedliche Weise haben meine Kinder schon früher gelernt ein anderen eine Alternative anzubieten, wenn keine Lust zum Teilen gab, nur diese Alternative wird sehr selten akzeptiert, der erste Objekt ist immer noch interessanter. Nun kommt es auch öfter zum Schubsen und Beißen wegen Spielzeug, dann komme ich und trenne ein anderen. Aber was soll ich mit diesem Spielzeug machen, wer kriegt ihn dann? Soll ich mich überhaupt reinmischen? Das gebissene Kind kommt weinend zu mir für Trost, der andere läuft glücklich mit neu erobernden Spielzeug. Wir haben einige Spielzeuge doppelt oder ähnlich, aber nicht alles, sehe ich auch nicht ein alles doppelt zu haben. Das Streitobjekt kann einfach ein Kugelschreiber oder ein Plastik oder Karton Box sein, was wir definitiv nicht doppelt haben. Hättest Du ein Rat für mich?
    Danke im Voraus, Svetlana

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    1. Liebe Svetlana,

      ich finde Deinen Ansatz vollkommen richtig: Wer ein Spielzeug zuerst hatte, darf damit spielen - vollkommen unabhängig davon, ob es ihm gehört oder nicht.

      Dass sie ihre Wut durch Beißen und Hauen ausdrücken ist leider ganz normal in dem Alter - wir können ihnen nur Alternativen aufzeigen (ein Kissen, das man hauen darf, mit dem Fuß auftreten oder schreien). Das ist noch ein recht langer Prozess, bis sie ihre Impulse so weit kontrollieren können, dass sie ihre Konflikte mit Worten austragen. Ja, das ist und wird anstrengend, aber es ist einfach Teil der Entwicklung.

      Ich habe demjenigen, der das begehrte Spielzeug hat, gebeten, dass wir vielleicht abwechseln könnten. Dazu habe ich angeboten, einen Kurzzeitwecker zu stellen (wir haben einen, wo man sieht, wie die Zeit vergeht und wie viel noch übrig ist) und alle 5 Minuten zu wechseln. Das klappt ganz gut, sollte aber immer freiwillig sein.

      Mit dem Kind, das nicht spielen kann, habe ich mich dann beschäftigt - elterliche Zuwendung ist immer eine ganz akzeptable Ersatzlösung gewesen. Wenn sie älter sind, kannst Du sie auffordern, die Konflikte durch Verhandlung zu lösen - aber dazu braucht es noch etwa zwei Jahre.

      Ganz liebe Grüße
      Danielle

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    2. Liebe Danielle,
      herzlichen Dank für Deine schnelle Antwort. Die Idee mit Wecker finde ich gut, werde ich bei Gelegenheit ausprobieren.
      Danke noch mal für den tollen Blog!
      Liebe Grüße, Svetlana

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  12. Hallo Danielle,
    vielen Dank für euren tollen Blog. Ich habe schon soviel daraus ziehen können. Wahnsinn.
    Jetzt habe ich aber doch eine Frage zum Thema. Meine Tochter ist 13 Monate alt. Wenn wir ihre, ebenfalls, 1 Jährige Freundin treffen, und beide miteinander spielen, kommt es seit 2/3 Wochen immer dazu, dass sie irgendwann anfangen sich um etwas zu "streiten". Jede zieht an einem Ende eines Buches/ Henkel der Sortierbox oder irgendwas anderem. Das geht dann hin und her. Meine Kleine fängt irgendwann an richtig zu weinen. Wir haben sie bisher immer alleine machen lassen, bis meine Kleine dann furchtbar weint. Ihre Freundin knöttert eher, aber weint nicht so "wütend" wie meine. Wir bieten dann der einen oder der anderen eine Spielalternative an, was auch oft klappt. Meine Kleine tröste ich dann noch. Ich bin mir unsicher, ob ich ihr genügend Rückhalt gebe und würde mich über Tipps freuen, wie wir die Situation gut und sicher für beide lösen können.

    Viele liebe Grüße
    Claudia

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    1. Liebe Claudia, ich finde, ihr löst das vorbildlich: Sie erst selbst versuchen lassen, dann trösten, dann Alternativen anbieten. So würde ich es auch machen.
      LG, snowqueen

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  13. vielen lieben herzlichen Dank für deinen ganzen Blog - es half mir schon oft enorm!
    Ich habe zum Thema Teilen einige Fragen: Meine Freundin hat 2 Kidis (ein Mädchen, das in 2 Monaten 3 Jahre alt wird und einen jungen von 13 Monaten). Meine Tochter ist fast 21 Monate alt, liegt also altersmäßig irgendwo dazwischen. In letzter Zeit treffen wir uns alle 5 sehr oft, fast schon täglich (mal bei uns, mal bei ihnen zu Hause oder draußen) und in der Regel verbringen wir auch alle eine schöne Zeit miteinander. Nur beim Teilen klappt es natürlich nicht immer ganz so gut. Meine Freundin und ich halten uns meistens da raus solange niemand handgreiflich wird (was bisher noch nie vorgekommen ist), trösten aber natürlich wenn einer von der Bande doll traurig wird. Manchmal kommentieren wir auch die Situation (so z.B. nach dem Motto: "Du spielst ja mit dem Sandspielzeug von xxx, dann könntest du sie doch auch mit deiner Schaufel spielen lassen.") Beide Mädels teilen zwischendurch ihr Spielzeug gerne miteinander, beide kommen auch zwischendurch ins Meins-Modus. Der Kleine ist zwar auch schon gut dabei sich Sachen zu schnappen und zu verteidigen, die er haben will, aber hauptsächlich streiten sich die beiden Mädels zwischendurch um etwas. Wenn einem Kind (für uns merklich) etwas sehr wichtig ist (z.B. für die Älteste ihr Lieblingskuscheltier oder für meine Tochter auf ihrem Platz zu Hause (heißbegehrter Hochstuhl!) beim gemeinsamen Essen zu sitzen, dann mischen wir uns regulierend ein - meistens hilft langes Einreden. Machmal bekommen wir auch Zwiefel, ob wir uns da richtig verhalten, dass wir uns da doch meistens raushalten ("Klärt das bitte unter euch"). Und das tun sie wohl schon oft, dann wir wenden uns unseren Gesprächen zu und nach einer kurzen Weile ist nichts mehr vom Streit zu hören. Ist das ein gutes Zeichen? Die Zweifel kommen bei mir persönlich auf in Situationen wie folgende: Die Älteste schnappt sich die Trinkflasche meiner Tochter aus den Händen in dem Moment, wenn sie selbst trinken möchte und saugt intensiv daran. Meine Tochter schreit unzufrieden auf. Auf meine Bitte die Flasche zurück zu geben, reagiert sie nicht. Erst nach dem langen Einreden meiner Freundin und nachdem die Flasche praktisch leer ist, gibt sie die Flasche zurück. Obwohl meine Tochter sich schon mal genauso verhält (die gleiche Situation nur spiegelverkehrt) frage ich mich, ob ich ihr trotzdem hätte da mehr Rückhalt geben sollen. Und wenn ja, dann wie? Denn das ältere Mädchen ist kräftiger und kann sich ihre Sachen relativ schnell zurück holen. Meine Tochter ist kräftemäßig unterlegen. Und die Trinkflasche sollte ja eigentlich etwas sehr Individuelles sein, oder? Andererseits nimmt meine Tochter (wahrscheinlich öfter als mir auffällt) dem Kleinsten auch was weg, was er sich nicht zurückholen kann. Nur beschwert er sich weniger darüber..

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    1. Hallo,

      grundsätzlich halte ich es für einen guten Weg, sich so wenig wie möglich einzumischen. Tatsächlich schaffen es Kinder in ganz vielen Fällen schon in sehr jungem Alter, die Dinge unter sich auszumachen.

      Wenn das mal nicht klappt, würde ich nicht zu viel "Überreden" - für solche logischen Argumente sind sie in dem Alter einfach noch nicht weit genug. Letztendlich sollte jedem seins gehören dürfen. Da bietet sich immer an, wenn der Besuch auch ein paar interessante Spielzeuge mitbringt, damit er sich nicht ständig "Meins!" anhören muss. Man kann auch ein paar tolle Spielzeuge als Gemeinschaftsspielgut deklarieren, für das gilt: Wer es zuerst hat, darf damit spielen.

      Im Fall der Flasche wäre ich eingeschritten und hätte sie weg genommen (und eine Alternative angeboten).

      Und Dein Kleiner wird seine Bedürfnisse relativ sicher bald lautstarker durchsetzen :-).

      Viele Grüße
      Danielle

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  14. Super Artikel. Vielen Dank.

    Eine Frage hätte ich:

    Mein Sohn (12 monate) nimmt in Gruppen manchmal anderen kindern im ungefähr selben Alter Spielsachen weg mit denen sie gerade spielen . Ich hab das bis jetzt immer zugelassen und bin nicht dazwischen gegangen. Bis jetzt war es für das andere Kind noch kein Problem. Jetzt habe ich gesehen wie andere Eltern bei ihren Kindern dann dazwischen gehen und dies verhindern und dabei erklären das man einem anderem Kind das Spielzeug nicht wegnimmt.
    Ich hatte immer im Hinterkopf das die Kinder das unter sich ausmachen oder sollte ich auch einschreiten?

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  15. Hallo,

    ich stimme bei fast allem mit dem Artikel ünerein, aber: die Kinder das selber regeln lassen, finde ich schwierig. Es fördert aggressives Verhlten und der stärkere gewinnt immer. Die Kindern können das besser lernen, wenn sie etwss älter sind - bei ein- bis zweijährigen ist das bei uns und bei Freunden absolut in die Hose gegangen.

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  16. Hallo!

    Vielen Dank für den Artikel! Ich finde ihn toll geschrieben und bin immer dankbar für die vielen hilfreichen Tipps.

    Mein dreijähriger kommt mit seinen älteren Spielgefährten immer wieder in die Situation, dass er ausgeschlossen wird. Ich bin mir da nicht sicher, wie ich da richtig reagieren soll. Erst neulich hat er mit seinem vierjährigen Freund und dessen Baufahrzeugen gespielt. Das hat auch prima funktioniert. Der eine hatte den Bagger der andere den Kipper. Als jedoch ein weiterer Freund des vierjährigen dazugekommen ist, wurde meinen Sohn der Bagger entrissen und er durfte nicht mehr mitspielen. Das hat ihn so frustiert, das er nach mehrmaligen fragen und bitten man möge ihn wieder mitspielen lassen, die alle mit "Nein", "Du darfst nicht", "Wir sind gemein zu dir" usw. beantwortet wurden, begonnen hat die zwei Jungs mit Erde zu bewerfen. Das geht selbstverständlich auch nicht. Die drei Jungs konnten sich auf nichts einigen und so wurde das Spielzeug von einem Papa weggenommen. Das entspannte die Situation allerdings nur temporär. Mein Sohn durfte weiterhin nicht mitspielen. Ich habe ihn dann zur Seite genommen und bin mit im Baumklettern gegangen. Auf seine Fragen warum er nicht mitspielen darf, habe ich ihm geantwortet, dass es nicht an ihm liegt, sondern das Problem der anderen ist, wenn sie nicht mit ihm spielen wollen. Jetzt bin ich mit allerdings unsicher, ob das so richtig war. Wie reagiert ihr in so einer Situation? Ich erkläre meinen Sohn, dass Ausschlüsse doof sind und er das nicht machen soll und wenn er selbst ausgeschlossen wird, steh ich da und weiß nicht weiter... andererseits versuch ich ihm auch zu erklären, dass er selbst entscheidet mit wem er spielt und mit wem nicht...
    Wie macht ihr das?

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