opt-out-Cookie für Google Analytics setzten Das gewünschteste Wunschkind: August 2013

Baby-led weaning (BLW) - Beikost breifrei anbieten


Kind isst halbes BrötchenNeben der motorischen Entwicklung sind die Essgewohnheiten unserer Kleinen in Krabbelgruppen beliebtestes Austausch- und vor allem Vergleichsthema. In meiner Gruppe wurde sich gegenseitig übertroffen mit Berichten über die verfütterten Breimengen und die Anzahl der schon ersetzten Mahlzeiten. Ich habe immer sehr staunend zugehört - da wurden Mengen genannt, die mich schwindeln ließen. Das schmalste Baby verdrückte mittags ein komplettes 190-g-Glas und ein halbes Obstglas zum Nachtisch. Mein Sohn hingegen hat in den ersten drei Beikost-Monaten widerwillig etwa 40 g Brei pro Mahlzeit gegessen und sich danach auf gigantische 50 g (was ein Viertelglas ist) gesteigert. Im Grunde hat er Brei nie gemocht - interessant wurden für ihn erst die festeren Stücken. Ob man will oder nicht - so ein Verhalten abseits der vermeintlichen Beikostnorm verunsichert einen. In allen Babyforen sind Beiträge wie "Die Beikosteinführung klappt gar nicht", "Mein Baby will nur Milch" und "Hilfe, mein Kind isst viel zu wenig Brei" häufig vertreten. Mag das Kind keinen Brei, lohnt es sich, über Baby-led weaning nachzudenken; diese Methode eignet aber auch grundsätzlich von Anfang für die Beikosteinführung.  

Was ist Baby-led weaning? 


Baby-led weaning (BLW) kann man mit "babygesteuertem Abstillen" übersetzen. Bei dieser Methode der Beikosteinführung wird auf den üblichen Babybrei verzichtet und stattdessen verschiedene Lebensmittel angeboten, die in handgerechte Stücke geschnitten und z. T. weich gedünstet werden (Fingerfood). Im Vordergrund steht dabei der Spaß und die Neugier. Ziel ist nicht, das Kind möglichst schnell an feste Kost zu gewöhnen, sondern es zwanglos an die verschiedenen Lebensmittel heran zu führen und die Freude am Essen zu wecken.

Das Baby entscheidet dabei allein, was es isst und wieviel davon. Hauptnahrungsquelle bleibt - so lange es das Baby möchte ("babygesteuert") - Milch. Beim BLW wird die natürliche Entdeckungsfreude und die kindliche Neugier unterstützt und dadurch in der Regel ein gesundes Verhältnis zur Ernährung unterstützt. Eine Untersuchung der University of Nottingham ergab beispielsweise, dass Kinder durch BLW tatsächlich eine gesündere Ernährungsweise entwickeln, weniger zu Süßem greifen und seltener Übergewicht entwickeln.

Im Juni 2014 gab es übrigens neue Empfehlungen der Deutschen Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin für die Ernährung von Säuglingen. Das Baby-led weaning wurde dort kritisch betrachtet - auf welch seltsamen Zusammenhängen und dilettantischen Interpretationen diese Kritik basiert, kann man bei uns hier im Blog nachlesen. 

Die Angst vor dem Verschlucken 


Die Sorge, dass sich das Kind an festerer Nahrung verschlucken kann, hält viele Eltern von Versuchen mit Fingerfood ab. Unsere Vorfahren hatten in den letzten 100.000 Jahren keine Pürierstäbe, weswegen Babys im Grunde darauf ausgelegt sind, auch mit stückigerer Kost zurecht zu kommen. Sie verfügen diesbezüglich über Selbstschutzmechanismen: ein Kind ist nicht in der Lage, willentlich Essen nach hinten in den Rachen zu befördern, bevor es nicht über die Fähigkeit verfügt zu kauen. Kauen lernen Kinder erst, wenn sie in der Lage sind, Gegenstände in die Hand zu nehmen - also bewusst zu Greifen. Ganz kleine Dinge kann ein Baby erst greifen, wenn es den Pinzettengriff beherrscht - bis dahin ist es vor dem Verschlucken geschützt. Wenn also dünnflüssiger Brei vom Löffel nach hinten in den Rachen gesaugt wird, ist es viel wahrscheinlicher, dass das Kind sich daran verschluckt (weil es noch nicht beikostreif genug ist), als wenn es selbst ein Stück gedünstetes Gemüse abbeißt.

Ergänzung (danke Ori): Gerade beim BLW kann es vorkommen, dass Babys anfangs häufiger würgen. Der Würgereflex wird bei Babys weiter vorne im Mund ausgelöst, als bei Erwachsenen. Dies dient auch dazu zu lernen, wie viel Essen in den Mund passt, ohne dass man sich verschluckt. Das ist normal und sollte nicht als Scheitern des BLW betrachtet werden.

Wichtig ist beim BLW, dass das Kind aufrecht sitzt und weder liegt noch halbaufrecht in einer Wippe sitzt. Das Kind wird Nahrung, die es nicht zerkleinern kann, ausspucken, das ist jedoch ausschließlich im Sitzen möglich. Es ist dabei nicht erforderlich, dass das Kind alleine sitzen kann - ein abgestütztes Sitzen auf dem Schoß ist ausreichend. In den Hochstuhl sollte man das Kind nicht setzen, wenn es noch nicht sitzen kann. Es versteht sich von selbst, dass ein Baby niemals beim Essen allein gelassen werden sollte! 

Wie fängt man mit Baby-led weaning an? 


Den richtigen Zeitpunkt für den Start der Beikost gibt das Baby vor. Zwar interessieren sich einige Kinder durchaus schon ab etwa 4 Monaten für den Prozess des Essens - in der Regel ist dies jedoch erst mit etwa 6 Monaten der Fall. Für das Baby ist es am schönsten und interessantesten, wenn es mit der restlichen Familie gemeinsam isst und ideal ist es, wenn die anderen auch etwas ähnliches Essen. Beim Baby-led weaning isst das Kind ausschließlich das, was es schafft, sich selbst in den Mund zu stecken - die Eltern bleiben dabei (fast) unbeteiligt.

Gemüse auf dem MarktIm Grunde ist der Start ganz unkompliziert - man sollte sich dabei vor Augen führen, wie die Kinder in den letzten Jahrtausensenden ernährt wurden. Kinder aßen das, was die Natur gerade hergab - in der Regel das Gleiche, wie ihre Eltern. Lange püriert oder schonend schrittweise neue Lebensmittel eingeführt wurde ganz sicher nicht. Damals ging es um das nackte Überleben - Kinder sind evolutionär darauf ausgelegt, mit Baby-led weaning ernährt zu werden. Etwaige Nährstoffmangel kann immer durch Muttermilch (die parallel gegeben wird) ausgeglichen werden.

Daher kann man ohne weiteres mit einer Vielfalt an Lebensmitteln beginnen - ein paar weich gekochte Nudeln, etwas Brot, weiches Obst (Banane, Birne, Pfirsich ohne Haut, Apfel gedünstet) und ein paar verschiedene frische gedünstete Gemüse - vorzugsweise in Bio-Qualität - all das kann angeboten werden. Idealerweise bekommt das Baby je Mahlzeit eine Auswahl an verschiedenen Nahrungsmitteln, damit es frei wählen kann. Am Anfang sind ein bis zwei Stücken vollkommen ausreichend - alles andere verleitet nur zum runter werfen. Aus dem gleichen Grund ist ein Teller zunächst vollkommen entbehrlich.

Der unbestreitbare Nachteil des BLW ist, dass das Verhältnis zwischen gegessenen und in den Abfall gewanderten Lebensmitteln anfangs vergleichsweise sehr schlecht ist. Man bekommt jedoch sehr schnell ein Gefühl dafür, welche Mengen das Kind isst. Übrig Gebliebenes bei BLW-Mahlzeiten ist übrigens auch für Mama und Papa eine gesunde Nahrungsergänzung ;-).

Es ist nicht erforderlich, die angebotenen Lebensmittel häufig zu variieren - es können (beispielsweise aus einkaufslogistischen Gründen) getrost mehrere Tage lang die selben Nahrungsmittel angeboten werden - müssen aber nicht. 

Worauf sollte man beim Baby-led weaning achten? 


BrokkoliWichtig ist, dass Nahrungsmittel nie in runder Form angeboten werden sollten. Insbesondere kleine Weintrauben, Blaubeeren, Johannisbeeren, oder auch Erbsen oder Nüsse können in die Luftröhre gelangen, wegen ihrer glatten Oberfläche nicht abgehustet werden und dadurch zum ersticken führen. In der ersten Zeit sollte man also darauf achten, dass die Oberfläche kantig ist, indem man die Lebensmittel halbiert oder etwas platt drückt. Nüsse sind für Kinder grundsätzlich in den ersten 6 Lebensjahren nicht geeignet. 
Das Gemüse wird klein geschnitten und gedünstet. Die Stücke sollten gut zu greifen sein, daher sollen sie nicht zu klein geschnitten werden. Wichtigstes Maß ist die Faust des Babys - dort sollten die Stücken hineinpassen und noch genug  Fläche zum Abbeißen bieten. Daher eignet sich besonders die Form von Schnitzen. Brokkoliröschen können bspw. ganz gelassen werden - das Kind hält den Stiel und beißt vom Röschen ab.

Bitte beachte: Das Kind ist u. U. motorisch noch nicht in der Lage, das Gemüsestück in der Faust zu bewegen, daher wird es keine kompletten Stücken nacheinander aufessen, sondern - wenn es die aus der Faust ragenden Stücke abgenagt hat - diese fallen lassen und sich wieder ein neues großes Stück nehmen. Es kann durchaus vorkommen, dass das Kind dann mit einem Stück in der Hand da sitzt und meckert und man gar nicht weiß, warum überhaupt. Das Öffnen der Faust muss auch erst erlernt werden - daher kann es sein, dass das Kind anfangs dabei noch Unterstützung benötigt. 

DampfgarerMan kann zum Dünsten auf einen Dampfgarer zurückgreifen. Wir hatten beispielsweise den AEG DG 5552 Dampfgarer (siehe Bild) der für ca. 33 EUR treue Dienste geleistet hat. Wem wichtig ist, ein BPA-freies Gerät zu haben, dem sei der Philips Avent SCF870/20 Dampfgarer und Mixer oder der Chicco Easy Meal empfohlen - diese Geräte sind speziell fürs Breikochen konzipiert. Am günstigsten und garantiert BPA-frei sind Einsätze für herkömmliche Kochtöpfe, wie bspw. dieser von Fackelmann.

Die Garzeit hängt von der Sorte ab - folgende Gemüsesorten sind für den Anfang geeignet:



Eine Zugabe von Zucker, Salz und Gewürzen erfolgt nicht. Ziel ist es, dass das Kind den unverfälschten Geschmack der Lebensmittel kennenlernt. Erst wenn das Kind vom Familientisch mitisst, kann das Essen leicht gesalzen oder gewürzt werden.

Die Beigabe von Fett in Form von Öl oder Butter ist nicht erforderlich aber möglich - beim BLW steigert das Kind die Nahrungsmengen im eigenen Tempo - das in der Regel sehr langsam ist. Daher trinkt es deutlich mehr Milch, als bei der üblichen B(r)eikost und deckt seinen Fettbedarf hauptsächlich über die Milch. Zur besseren Aufnahme der fettlöslichen Vitamine ist es sinnvoll, eine BLW-Mahlzeit mit Stillen zu beenden.

Grundsätzlich ist eine vegetarische Ernährung von Babys unproblematisch. Es ist nicht erforderlich, Fleisch anzubieten - dieses ist ernährungsphysiologisch allenfalls interessant in Bezug auf das Eisen und das Vitamin B12.

Leider kursiert noch immer hartnäckig die Annahme durch das Internet und sogar Arztpraxen, dass Stillkinder unter Eisenmangel leiden und daher spätestens nach 6 Monaten unbedingt fleischhaltige Kost gegeben werden sollte. Im verlinkten Artikel kannst Du nachlesen, wie es zu dieser Aussage kam und warum es keinen Grund gibt, Fleisch füttern zu müssen. Der Eisenbedarf kann auch über pflanzliche Nahrung (sehr eisenhaltig sind bspw. Hirse und Haferflocken) gedeckt werden. Das Vitamin B12 kann man durch andere tierische Produkte (Käse, Butter, Eier) und die Flaschen- oder Muttermilch in ausreichendem Maß zuführen. Zwar ist auch immer vom "wichtigen Eiweiß" die Rede, aber mit Eiweiß sind Kinder in der Regel hierzulande leider überernährt, so dass dies kein wirkliches Argument für Fleisch ist. 

Für die Zerkleinerung von festerem Fleisch benötigt ein Kind üblicherweise die Backenzähne. Auch deswegen kann man im Grunde davon ausgehen, dass es bis zum wachsen selbiger evolutionär gar nicht vorgesehen war, Fleisch zu verfüttern. Wenn man ungeachtet dessen trotzdem Fleisch geben möchte, sollte es in große Stücke geschnitten werden, auf denen das Kind kauen kann - allein durch das Herumsaugen am Fleisch werden die Nährstoffe aufgenommen. 

Isst mein Kind beim Baby-led weaning"genug"?

 
Am Anfang wird das Kind begeistert mit den angebotenen Lebensmitteln spielen und matschen - das ist vollkommen normal. Wenn das Kind die physikalischen Eigenschaften ausreichend erforscht hat, wird es Interesse für den Geschmack entwickeln. Möglicherweise landet bei den ersten Mahlzeiten gar nichts im Mund - über kurz oder lang wird jedoch das eine oder andere Stück seinen Weg in den Magen finden. Dennoch wird der Esstisch anfangs eher einem Schlachtfeld gleichen - bereite Dich mental darauf vor, sei entspannt und überrascht, wie schnell das Kind "ordentlich" essen lernt.

Kind ist Spaghetti mit der HandMan sollte immer im Hinterkopf behalten: Baby-led Weaning dient nicht dazu, das Kind zu sättigen - es soll ein Übergang von reiner Milchnahrung zur Familienkost bilden - ohne Stress und Druck. Es ist erstaunlich, wie langsam Babys diesen Weg gehen, wenn man ihnen die Zeit dazu lässt. Dennoch sind BLW-Babys in der Regel genauso schnell familientischreif, wie die breigefütterten Babys.

Beikost heißt deswegen BeiKost, weil es sie nebenbei zur Milch geben soll, sonst hieße sie Anstattkost. Milch sollte im ersten Lebensjahr die Hauptnahrungsquelle für Kinder sein - das wird leider wegen der großen bunten Palette an Gläschen, Milchbreien und Babykeksen schnell vergessen. Die Einführung fester Nahrung sollte nach keinem starren Schema erfolgen - Babys wissen im Grunde ganz ausgezeichnet, was und wie viel davon sie brauchen. Das beweisen sie ganz faszinierend beim Baby-led weaning. Schon im Artikel über Beikost habe ich über ein Experiment geschrieben, bei dem 15 vollgestillten Waisenkindern im Alter von sechs bis elf Monaten ein Sortiment aus 34 verschiedenen, mundgerecht zubereiteten Speisen angeboten wurde. Die Kinder stellten ihre Mahlzeiten ausschließlich selbst zusammen. Zu jeder Mahlzeit gab es eine Auswahl von 10 Komponenten wie z. B. Äpfel, Ananas, gekochter Weizen, Hafer, Roggen, Mais, Tomaten, Kartoffeln, Hirn, Knochenmark, Nierchen, gehäckselter Fisch, Eier, Wasser, Orangensaft, Milch usw. Die Kinder zeigten auf die gewünschten Lebensmittel und bekamen diese dann gereicht. Die Essgewohnheiten der Kinder waren unterschiedlich und z. T. sehr außergewöhnlich. Aber: Alle Kinder gediehen, waren gesund (alle Blutwerte lagen im Normbereich) und es traten keine Mangelerscheinungen auf. Kein Kind war dick, keines dünn. Ärzte bescheinigten den Kindern einen überdurchschnittlich guten Gesundheitszustand.

In Bezug auf die Essgewohnheiten habe ich zwei grundverschiedene Kinder - meine Tochter hat schon immer so gut wie alles gegessen und das in beeindruckenden Mengen. Mein Sohn würde sich gerade aktuell mit 20 Monaten am liebsten noch den ganzen Tag von Muttermilch ernähren. Mir ist vollkommen unbegreiflich, wie er es bisher geschafft hat, zuzunehmen und zu wachsen - die Mengen, die er isst sind homöopathisch. Gestern beispielsweise bestand sein Frühstück aus 20 Brombeeren und 10 Johannisbeeren. Zum Mittag hat er 20 Quadratzentimer Brot mit Frischkäse gegessen, zum Abendbrot ein paar winzige Löffel Kartoffelsalat, etwas Bratwurst und 5 Scheiben Gurke. Ein paar Apfel-Schnitze und ein Eis (aus Direktsaft) gab es zwischendurch und damit war er dann zufrieden. Er hat schon immer extrem wenig gegessen - ganz offensichtlich scheint es einfach Kinder zu geben, die tatsächlich nicht viel benötigen. So lange das Kind noch gestillt wird, muss man sich ganz offenbar keine Gedanken machen. Ich bin zuversichtlich, dass er langfristig so viel essen wird, wie er benötigt. dieser Erkenntnisprozess war nicht einfach für mich.


© Danielle 

Quellen 


http://saeugetier.blogsport.de/images/guidelinesblw.pdf

Iburg, Anne: Die besten Breie für Ihr Baby, Trias Verlag

Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen, Kösel Verlag

Das Baby ist 15 Monate alt - der Entwicklungsschub in der 64. Woche


Der Entwicklungssprung in der 64. Lebenswoche - das Kind ist 15 Monate alt - der 64-Wochen-Schub ist da!


Fräulein von Motz und trotz zieht einen KofferUm die 64. Woche (knapp 15 Monate) werden unsere Kinder wieder anhänglich und rennen uns überall hinterher. Am liebsten würden sie direkt auf unserem Schoß spielen, aber wenn das nicht geht, nehmen sie ihr Spielzeug mit und spielen direkt hinter oder vor uns und sitzen uns im Prinzip permanent im Weg. Setzen wir sie weg oder bitten sie, sich ein wenig weniger gefährlich zu platzieren, initiiert Fräulein von Motz und Trotz große Wutanfälle und unsere Kinder wälzen sich verärgert kreischend auf dem Boden. Puh!

Kinder, die bis jetzt schon gut allein gespielt haben und sich selbständig beschäftigen konnten, verlangen nun plötzlich wieder aktives Mitspielen ihrer Eltern. Sie akzeptieren zwar grummelnd auch, wenn die Eltern nur daneben sitzen, aber wehe, diese wollen sich nebenbei mit Handy oder Buch beschäftigen! Dann werden unsere Kinder wieder wütend! Oh nein - Mama und Papa sollen bitteschön zugucken, wie Kind spielt. Erfahrene Eltern nicken nun wissend mit dem Kopf - es ist wieder soweit, Herr Ningel, Herr Nörgel und Fräulein von Motz und Trotz ziehen erneut bei uns ein.... 

Wie lange dauert der Sprung? 


Nach van de Rijt kann der Sprung bis zu 5 Wochen dauern, wobei es zwischen der 61. und 62. Woche am schlimmsten ist (vgl. van de Rijt, 2005: 24). Ab der 65. Woche sollten langsam aber sicher wieder bessere Zeiten anbrechen. Ich selbst habe diesen Sprung bei meinen Kindern als nicht allzu problematisch erlebt, bis auf die Ausbrüche von Fräulein von Motz und Trotz , die immer sehr überraschend und vehement zutage traten. 

Welchen Reifeprozess macht das Kind durch? 


Es ist ein bisschen schwierig, diesen Reifeprozess zu erklären. Unsere Kinder springen nun laut van de Rijt von der Welt der "Programme" in die Welt der "Prinzipien". Ein Programm war ja eine Abfolge von Ereignissen, die zu einem Ziel führen. Wenn das Kind also gerne nach draußen auf den Spielplatz wollte, dann krabbelte oder lief es zu seinen Schuhen und startete damit das Programm "Anziehen und Losgehen". In der Welt der Prinzipien ist das Kind nun in der Lage, zunächst über das geforderte Programm nachzudenken und es gegebenenfalls zu variieren.

Wir Erwachsenen zum Beispiel gucken, wenn wir das Programm "Anziehen und Losgehen" starten, zunächst einmal aus dem Fenster oder auf unsere Wetter-App, um herauszufinden, welche Art von Kleidung angemessen ist. Wir überlegen auch im Vorhinein, wie lange wir vermutlich wegbleiben werden und ob wir für später am Tag noch eine wärmende Jacke mehr brauchen. Wir denken voraus und planen - und genau das lernen unsere Kinder nun. Natürlich ist das mit 15 Monaten noch nicht so komplex, wie bei uns Großen, aber die neuronalen Verbindungen dazu werden nun angelegt (vgl. ebd., 2005: 316).

Ihr werdet vielleicht feststellen, dass eure Kinder nun scheinbar versuchen, euch gegeneinander "auszuspielen". Wenn Papa das erwünschte Eis nicht herausrückt, geht das Kind zu Mama und fragt dort noch einmal. Das ist kein "ungezogenes Verhalten", sondern das Austesten verschiedener Möglichkeiten im Sinne der Prinzipien. Nach dem nächsten Sprung Systeme mit 17 Monaten wird das Kind sich dann vorher überlegen, bei wem die bessere Chance auf ein Eis besteht und diesen Menschen zuerst fragen. Auch das Wie beim Fragen nach dem Eis will untersucht werden: Das Kind kann sich entscheiden, lieb zu gucken und so den Eisgeber mit seinem Charme einzuwickeln, mit der "Bitte, Bitte" Gebärde nachzufragen oder einen Wutanfall zu bekommen. Je nachdem, welche Strategie funktioniert, wird sie als erfolgreich oder nicht erfolgreich abgespeichert und bei den nächsten Versuchen wiederverwendet.

Leider ist das im Falle des Wutanfalls nicht ganz so einfach, wie das hier klingt. Auch wenn Eltern nicht auf einen Wutanfall eingehen, um diese Strategie nicht erfolgreich werden zu lassen, wird das Kind (und seine Eltern) trotzdem noch etliche und abertausende Wutanfälle durchstehen müssen. Das liegt daran, dass im Alter von 15 Monaten wirklich die wenigsten Wutausbrüche ein vehementes Einfordern von bestimmten Dingen zur Grundlage (also das, was klassischerweise als "Trotz" bezeichnet wird) haben. Fräulein von Motz und Trotz besucht uns viel, viel öfter, weil unsere Kinder anderweitig frustriert sind: nicht richtig von den Erwachsenen verstanden zu werden, oder zu denken, die Erwachsenen machen etwas mit Absicht falsch oder auch, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie unsere Kinder das gerne hätten. 

Das beste Beispiel ist dabei immer die zerbrochene Banane - viele hunderte Kinder lagen schon weinend am Boden, weil ihnen eine Banane oder ein Keks beim Auspacken zerbrochen ist! Sie können dann erst einmal auch nicht über diese Lappalie hinwegkommen, denn sie sind noch nicht flexibel in ihren Prinzipien (vgl. ebd., 2005: 319). Sie waren darauf eingestellt eine unzerbrochene Banane zu essen. Dass sich die Voraussetzungen nun so plötzlich geändert haben und sie zwei Bananenhälften in der Hand halten, die nicht wieder zusammenzufügen sind, überfordert sie schlichtweg. Sie sind gefangen in ihrer Strategie, die für die unzerbrochene Banane galt und können nicht einfach umschalten.

Als Elternteil kann man zwei Dinge in diesen Momenten tun: einfach eine neue Banane geben und darauf achten, dass diese nicht auch noch kaputt geht, oder die Trauer über die zerbrochene Banane gemeinsam mit dem Kind aushalten und verbalisieren, was das Kind gerade fühlt: "Oh, das ist so ärgerlich! Ärgerlich! Du wolltest eine ganze Banane! Aber jetzt ist sie kaputt. Du bist traurig darüber. Wirklich traurig." Nach einer (ganzen) Weile kann sich das Kind dann beruhigen und auf die neue Situation einstellen - es wird die zerbrochene Banane essen. Nicht hilfreich für das Kind ist dagegen, die Situation kleinzureden: "Ach, das ist doch nicht schlimm. Hab dich mal nicht so - du kannst die Banane doch jetzt immer noch essen." mag für uns Erwachsene logisch klingen, unseren Kindern hilft das Bagatellisieren nicht weiter. Sie fühlen sich dadurch in ihrem (realen) Schmerz über die für sie vertrackte Situation nicht ernstgenommen. Im Ausmaß vergleichbar mit dem Bananendesaster wäre für eine Frau vielleicht dieses Szenario.

Stellt euch vor, ihr plant seit einem Jahr eure Traumhochzeit im August. Ihr habt viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt, alles sieht perfekt aus und lief nach Plan und dann fahrt ihr los zur Kirche und plötzlich verdunkelt sich der Himmel und es fängt wie aus Eimern an zu schütten. Die ganze Feier fällt ins Wasser. Natürlich werdet ihr deswegen keinen Wutanfall bekommen, da ihr schon erwachsen seid und eure Gefühle unter Kontrolle habt. Ihr werdet trotzdem feiern und es wird auch so der schönste Tag in eurem Leben, aber ihr werdet nichtsdestotrotz der Sonne nachtrauern und dem gemütlichen Beisammensein im Garten unter den Kirschbäumen, die ihr euch eigentlich erträumt habt. Ihr meint, die zerbrochene Banane ist eine ganz andere Nummer? Nicht für unsere Kinder. Die ganze Banane ist in diesem Moment der größte Wunsch unserer Kinder, ohne Wenn und Aber. Also lasst sie trauern, haltet ihren Schmerz aus und zeigt ihnen, dass ihr ihn versteht.

Die Welt der "Prinzipien" erschließen bedeutet für unsere Kinder auch, z.B. physikalische oder chemische Vorgänge genauestens zu untersuchen (vgl. ebd., 2005: 318). Schiefe Ebenen faszinieren Kinder in diesem Alter nicht umsonst: sie versuchen, vorwärts und rückwärts hoch- und herunter zu laufen, sie auf allen Vieren zu erklimmen und Bälle oder Autos runterfahren zu lassen (oder klappt auch hoch?). Auch enge Zwischenräume, kleine Kisten etc. werden gern genutzt, um den eigenen Körper experimentell auszumessen. Eine meiner Töchter, die zu diesem Zeitpunkt bereits laufen konnte (ihre Schwester noch nicht), machte sich ihren Vorteil zu nutze, indem sie Spielzeug, mit dem sie exklusiv spielen wollte, auf einem hohen Regal ablegte, an das die Schwester noch nicht heranreichte. Eine schlaue Strategie, die sie sich da ausgedacht hatte - und genau passend zur Welt der "Prinzipien"! 

 

Wird unseren Kindern die Möglichkeit gegeben, matschen sie gern und freuen sich, wenn aus dem roten Mus und dem weißen Joghurt ein rosa Fruchtjoghurt wird. Auch mithilfe von Fingermalfarben kann man diese Experimente gut ausprobieren.

Auch moralische Prinzipien wie "höflich sein", "teilen", "kooperationsbereit sein", "respektvoll agieren" etc. kommen jetzt in den kleinen Köpfen unserer Kinder an. Manches können sie vielleicht noch nicht ausführen oder aushalten, aber das Verständnis dafür, wie man sich in unserer Gesellschaft angemessen bewegt, wächst ab diesem Alter Stück für Stück, wenn die Eltern das richtig vorleben. Diese "Prinzipien" unserer Welt haben wir uns Erwachsene schon lange erschlossen, für unsere Kinder aber sind sie noch neu und faszinierend und sollten ausgelebt werden können. Bis ein Kind das ganze Spektrum an Prinzipien erarbeitet hat, vergehen übrigens Jahre (vgl. ebd., 2005: 323). 

Achtung! Erhöhte Aufmerksamkeit gefragt! 


In der Welt der Prinzipien beschäftigen sich unsere Kinder mit allen Arten von sozialem Verhalten. Dazu gehört auch aggressives Verhalten. Unsere Kinder probieren aus, wie die Umwelt reagiert, wenn sie hauen, beißen, schlagen, spucken oder etwas mit Absicht kaputt machen (vgl. ebd., 2005: 340). Für uns Eltern beginnt hier eine Gratwanderung. Einerseits sollten wir dem Kind rückmelden, dass das Verhalten ist, welches gesellschaftlich nicht wohlwollend akzeptiert wird, andererseits sollten wir zu viel Bohei darum vermeiden, damit das Kind nicht lernt, es später als Provokationsmittel einzusetzen. Am besten ist es, als Elternteil ruhig zu sagen "Ich mag das nicht." und ein besonders trauriges Gesicht zu machen. Laute, entsetzte Reaktionen sind für das Kind eher spannend - es wird, um diese interessante Reaktion von Mama zu reproduzieren, wieder auf das unerwünschte Verhalten zurückgreifen. Ausführlich beschrieben haben wir das im Artikel über das Hauen, Beißen und Spucken. 

Beliebte Spiele mit 15 Monaten 


Da die Welt der Prinzipien und die Welt der Programme eng miteinander verwoben sind, sind auch die beliebtesten Spiele recht ähnlich. Immer noch Spitzenreiter sind Spielzeuge, mit denen man Programme nachspielen kann. Diese sind im Artikel über den 55-Wochen-Schub ausführlich beschrieben.

Ganz oben auf der Liste der beliebtesten Spielsachen ist die Rutsche! Eine eigene kleine schiefe Ebene zuhause im Wohnzimmer oder im Garten stehen zu haben ist für unsere 15-Monats-Kinder einfach wunderbar. Wir hatten die IKEA-Rutsche zuhause, aber es gibt natürlich noch viele andere gute Alternativen, wie zum Beispiel diese von Big oder diese von Little Tikes.

Meine Kinder haben die Rutsche zunächst dazu genutzt, ihren eigenen Körper auszuprobieren. Die Treppe zu erklimmen, die Rutschbahn von unten heraufzuklettern und von oben auf dem Bauch oder auf dem Po herunterzurutschen. Nach und nach wurden aber andere Experimente spannender. Die Matchboxautos durften herunterfahren, die Bälle, Murmeln, gesammelten Kastanien. Auch Puppen und Kuscheltiere wurden heruntergeschickt, genauso wie Bücher, Schuhe und der (leere) Mülleimer. Es war spannend, meine Kinder dabei zu beobachten, wie systematisch sie vorgingen und wie überraschend manche Erkenntnis für sie war, z. B. wenn manches einfach nicht rutschen wollte, weil es zu leicht war oder das Material das Rutschen verhinderte.

Auch einfache Kisten, in die die Kinder hineinsteigen können, liegen nun hoch im Kurs. Entweder man hat noch ein paar Pappkartons vom letzten Umzug im Haus, die man dem Kind zur Verfügung stellen kann, oder man kauft bei Ikea unterschiedliche große Plastikkisten. Eure Kinder werden zunächst ihre Körpermaße mit den Kisten austesten ("Passe ich hinein?"), dann aber auch anderweitig kreativ damit werden. Lasst euch überraschen!

Wie oben schon angedeutet, passen Fingermalfarben prima in diesen Sprung. Nicht nur, dass unsere Kinder das Matscherlebnis mit den Farben an den Händen schön finden (nicht alle - manche Kinder können diesen taktilen Reiz noch nicht aushalten), besonders das Vermischen der Farben fasziniert sie. Wenn man als Elternteil das Chaos aushält, kann man auch Wasser mit Lebensmittelfarbe mischen und dem Kind in durchsichtigen Gefäßen anbieten und gucken, wie es diese miteinander vermischt. Damit konnten sich meine Töchter überraschend lange und ausführlich beschäftigen! Wer es nicht ganz so aufwändig mag - es geht natürlich viel Wasser dabei daneben und muss aufgewischt werden - kann probieren, ob sein Kind in der Badewanne mit Tinti-Farbe spielen möchte (immer unter Aufsicht natürlich!).

In der Welt der Prinzipien lernen unsere Kinder nun, zu entscheiden, ob sie den elterlichen Wünschen folgen, oder nicht. Daraus kann man gut ein Spiel machen, indem man dem Kind kleine Aufträge gibt: "Steck das in den Mülleimer.", "Bring mir meine Hausschuhe.", "Sag mal Papa, dass das Essen fertig ist." Meist machen unsere Kinder das gern und voller Stolz, weil sie so zeigen können, was sie schon alles verstehen. Und wenn sie es mal nicht machen - auch nicht schlimm. Dann lernen sie gerade, ihre Prinzipien auszuloten.

© Snowqueen 

Das Buch 


Cover Buch Oje ich wachseWer mehr über diesen und weitere Entwicklungssprünge wissen möchte, dem sei das Buch "Oje ich wachse" von Hetty von de Rijt, Frans X. Plooij und Regine Brams aus dem Goldmann-Verlag ans Herz gelegt.

Dieser Blog-Artikel beruht ausschließlich auf dem obigen Buch von Hetty von de Rijt, Frans X. Plooij und Regine Brams, alle von mir referierten Inhalte sind darin wiederzufinden. 

Weitere Entwicklungssprünge 


Die anderen Entwicklungssprünge findest Du hier:

Reicht meine Milch - nimmt mein Baby genug zu?


In den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt machen sich viele Mütter Gedanken um die Entwicklung ihres Babys. Tief in uns verwurzelt ist die Angst, dass ein Baby hungern oder nicht genug zunehmen könne. Die regelmäßigen Gewichtskontrollen bei den U-Untersuchungen führen gelegentlich zu Besorgnis - insbesondere stillende Mütter wissen nie, wie viel das Kind wirklich trinkt und fragen sich daher: 

Habe ich genug Milch? 


Wahrscheinlich hat sich jede Stillmutter schon mal gefragt, ob sie vielleicht zu wenig Milch hat. Eigentlich müsste es die Natur ja so eingerichtet haben, dass Nahrung in jedem Falle ausreichend zur Verfügung stehen müsste. Tatsächlich gibt es nur sehr, sehr wenige Fälle, in denen Frauen aus körperlichen Gründen zu wenig oder keine Milch haben. Wie kommt es dennoch dazu, dass man immer wieder hört: "Ich musste zufüttern, weil ich nicht genug Milch hatte".  

Es gibt verschiedene Situationen, in denen man zu der Vermutung kommen könnte, dass das Kind nicht satt wird.

Psychische Belastung


Die Milchproduktion ist bei einigen Frauen sehr stark abhängig von der psychischen Belastung. Es kann tatsächlich passieren, dass der Wunsch zu stillen so sehr stresst, dass die Milch nicht mehr zum Sattwerden ausreicht. Leo schreibt uns dazu in den Kommentaren:
"Ich hatte nie genug Milch. Trotz dauerstillen, zusätzlich bis zu 20x abpumpen (und ja, MSR wurde ausgelöst), Einnahme sämtlicher legaler und halblegaler Mittel zur Milchmengensteigerung, der Bescheinigung von zwei Ärzten, dass die körperlichen Voraussetzungen fürs Stillen gegeben seien, und persönlicher Beratung durch zwei Stillberaterinnen (ja, teuer …). Nach zehnwöchigem Kampf musste ich den Traum vom Vollstillen aufgeben. Eine sehr erfahrene Stillberaterin sagte mir, dass ich zu gestresst sei und der Versuch, die Milchproduktion zu steigern, weiteren Stress bedeute und daher nicht fruchten könne. Ich glaubte ihr nur halb, konnte aber eh nichts anderes tun als aufhören (alle 10 Minuten abpumpen verträgt sich nicht mit leben, und ich hatte alle Methoden, die ich oder die Stillberaterinnen finden konnten, durch).

Als mein Sohn acht Monate alt war, hatte ich ein Erlebnis, das mir die Augen öffnete: Mein Mann nahm ihn für ein paar Nächte, so dass ich, statt nachts stündlich zu stillen, wie von Geburt an, nur alle vier Stunden stillen musste. Das Ausgeschlafensein hob meine Stimmung beträchtlich – und plötzlich floss die Milch. Zuerst konnte ich es kaum glauben, aber es ging die ganzen vier Tage so. Ich wagte zu hoffen, dass es vielleicht doch mit dem Vollstillen klappen könnte, doch sobald ich wieder die nächtliche Verantwortung hatte, ging die Milch zurück (Mann, hab ich geweint …)."
 
Die Lösung für das Problem klingt sehr viel einfacher, als es die Umsetzung ist: Entspannung. Das Thema Zufüttern ist relativ schwierig, weil es zum schnellen Abstillen oder zu einer Saugverwirrung führen kann - aber wenn die Alternative der Umstieg auf Flaschennahrung wäre, ist es definitiv einen Versuch wert, zunächst auf Teilstillen umzusteigen. Allein das nimmt schon den Druck, genug produzieren "zu müssen". 

Schreien 


Bei meinem ersten Kind hatte ich schon im Vorfeld sowohl von meiner Mutter als auch aus dem übrigen Umfeld ständig gehört: "Also ich hatte ja nie genug Milch, ich musste ja die Flasche geben, das war viel besser". Irgendwie schienen alle den Gedanken an ein vollgestilltes Kind befremdlich zu finden - was mich schon verunsicherte und die Angst davor schürte, dass auch meine Milch nicht ausreichen könne. In diesem Artikel über das mütterliche Bauchgefühl hatte ich schon erzählt, wie meine Tochter nach der Geburt ununterbrochen wegen Hunger schrie, trotzdem sie stundenlang an der Brust lag und saugte. Nach dem Milcheinschuss erledigte sich das Problem des Schreienes vorübergehend - leider nur, bis sie etwa 2 Wochen alt war. Ab diesem Zeitpunkt tritt bei vielen Kindern das unspezifische abendliche Schreien auf. Ich hatte davon noch nie etwas gehört und stand ratlos mit einem schreienden Kind im Arm da. Es war gestillt worden, es hatte eine frische Windel um, es wurde liebevoll im Arm gehalten - warum also schrie es? Dass Kinder wegen Müdigkeit oder Reizüberflutung schreien könnten - auf die Idee kam ich gar nicht - schließlich müsste das Kind ja dann einfach nur schlafen.

Nach dem Ausschlussverfahren kam ich zum vermeintlich einzig möglichen Schluss: Das Kind muss Hunger leiden. Warum sonst schreit es? Also habe ich begonnen zwischendurch, wie wild Milch abzupumpen (um ja keine Flaschen-Nahrung geben zu müssen) und hektisch zu verfüttern. Ich dachte wirklich, meine Milch reicht nicht. Weil ich so unerfahren war, gab ich ihr dann doch tatsächlich auch Pre-Milch - glücklicherweise trank sie die auch nicht, so dass ich die Ursachenforschung vertiefen musste und letztendlich dem tatsächlichen Grund für das Schreien auf die Spur kam. Ein in den ersten 3 Monaten schreiendes Baby lässt in der Regel also keinen Rückschluss zu, dass die Milch nicht ausreicht. Vor allem dann nicht, wenn die Schreiperioden vor allem in den späten Nachmittag oder Abend fallen. 

Clusterfeeding 


Gelegentlich glauben Mütter, dass ihre Milch nicht ausreicht, wenn die Babys wenige Tage nach der Geburt besonders in den Abendstunden zum Teil ununterbrochen für 2 bis 3 Stunden an der Brust trinken. Sie scheinen dann nicht wirklich satt und zufrieden zu sein, schlummern ständig ein und wachen dann wegen Hungers wieder auf. Dieses Trinkverhalten ist normal - man nennt es "Clusterfeeding". Das Clusterfeeding tritt vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt und während der Wachstums- bzw. Entwicklungssprünge auf.

Anfangs ist der Magen des Baby noch sehr klein - sein Energieverbrauch enorm hoch und das Saugen sehr anstrengend - daher ist das Stillen von vielen kleinen Pausen begleitet in denen sich das Kind ausruht. Häufiges An- und Abdocken fördert die Ausschüttung des Hormones Prolaktin, das die Milchproduktion anregt. Das Prolaktin wird nach 5 Minuten Stillen bereits ausgeschüttet, die höchsten Werte werden jedoch erst nach 20 bis 30 Minuten erreicht, daher ist es sinnvoll, wenn das Kind mindestens so lange saugt. Die volle Wirkung entfaltet sich erst 8 bis 16 Stunden später - mit den abendlichen Stillmarathons regt das Baby also die Langzeitproduktion der Milch an und sorgt für reichlich Nachschub am nächsten Tag. Daher sollte dieser komplexe Vorgang nicht durch Zufüttern gestört werden - Clusterfeeding ist notwendig, um die Produktionsmenge der Milch zu regulieren - es heißt nicht, dass das Baby zu wenig Milch bekommt.

Das lange Saugen beim Clusterfeeding verursacht beim Kind die Ausschüttung von Cholezystokinin - ein Hormon, das ein Sättigungsgefühl auslöst, auch wenn die Milchmenge im Magen dazu eigentlich nicht ausreicht. Nach 10 bis 20 Minuten fällt der Hormonspiegel wieder - das Kind realisiert, dass es eigentlich noch gar nicht satt war und trinkt wieder weiter. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis der Magen ausreichend gefüllt ist und das Baby in eine längere Schlafperiode fallen kann. Wird dem Baby - weil man der Meinung ist, es könne gar keinen Hunger mehr haben - dann beim Clusterfeeding ein Schnuller angeboten, kann es passieren, dass das Saugen dadurch ein Sättigungsgefühl auslöst und das Kind weniger zunimmt.

In Clusterfeeding-Zeiten sollte man sich möglichst zurück lehnen und versuchen, die innige Zeit zu genießen - bald schon wird sich das Baby in 5 bis 10 Minuten satt trinken und die ausgedehnten Stillperioden werden deutlich kürzer. Wenn einem die Zeit zu lang wird, spricht auch nichts dagegen, sich in dieser Zeit einem guten Buch zu widmen. Man sollte einfach darauf vertrauen, dass das, was gerade geschieht wichtig und notwendig ist und keinesfalls bedeutet, dass die Milch nicht ausreicht. Selbst wenn die Milch vorübergehend zu wenig sein sollte - das häufige Saugen des Babys wird die Produktion anregen. 

Entwicklungssprünge/Wachstumsschübe 


Häufig haben Mütter zu Zeiten der Entwicklungs- oder Wachstumsschübe (im ersten halben Jahr um die 5., 8., 12., 19. und 26. Woche), die Befürchtung, dass ihre Milch nicht ausreicht. Die Entwicklung des Kindes erfordert vorübergehend mehr Energie und entsprechend mehr Nahrung. Um dem Körper zu signalisieren, dass mehr Milch produziert werden muss, ist es erforderlich, dass das Kind häufiger saugt um die Prolaktinausschüttung zu erhöhen. Grundsätzlich ist Stillen ein Vorgang, bei der sich das Angebot durch die Nachfrage reguliert - je häufiger und mehr ein Kind trinkt, umso mehr Milch wird produziert. Das häufige Trinken ist also eine Maßnahme des Babys, die Milchmenge zu erhöhen - kein Zeichen für Milchmangel. Auch hier: Füttert man zu, dann wird der Kreislauf "höhere Nachfrage -> höheres Angebot" gestört und die Milch kann tatsächlich (dann aber auch nur vorübergehend) nicht ausreichen. 

Einfluss der Umwelt


Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus der Einfluss der Umwelt. In Teil 2 der Artikelreihe "Die Erziehung unserer Großeltern" haben wir ausführlich darüber geschrieben, warum das Stillen bei unseren Eltern und Großeltern so problembehaftet war. Das führt leider dazu, dass sie uns insbesondere beim Stillen mit Bedenken und Vorschlägen überhäufen und immer wieder die Befürchtung äußern, das Baby könne von der Muttermilch nicht ausreichend satt sein. Jede Unmutsregung seiten des Kindes wird gerne als "Der hat doch Hunger!" interpretiert. Davon sollte man sich - so schwer das insbesondere bei der eigenen Mutter fällt - nicht beirren lassen! Muttermilch ist und bleibt das Beste für das Kind und die Natur hat es so eingerichtet, dass Babys allein durch Muttermilch viele Monate ausreichend ernährt werden können! Aussagen wie "Mein Arzt hat unbedingt mindestens vier Monate Vollstillen ohne Wasser und Möhrensaft empfohlen" bringt wenigstens ein paar der Skeptiker zur Ruhe.  

Zustand der Brust


Auch dass die Brust nicht mehr so prall und gespannt ist, wie in den ersten Wochen oder beim Stillen aus der Brustwarze, an der das Baby nicht liegt, keine Milch mehr tropft, sind keine Zeichen von zu wenig Milch - anfangs produziert die Brust Milch im Überfluss und passt sich allmählich dem Bedarf an. Idealerweise tut sie es, in dem sie zunächst ein Zuviel herstellt und sich dann langsam herunter reguliert - es ist vollkommen normal, dass sich ihr dabei Zustand ändert. 

Saugverhalten


Ebenso ist es unbedenklich, wenn die Kinder allmählich kürzer an der Brust saugen - mit der Zeit wird der Vorgang immer effektiver, so dass sie schneller mehr Milch zu sich nehmen. Ein Kind, das nach 5 Minuten fertig ist, saugt in der Regel viel kräftiger, als in den ersten Tagen und Wochen - das heißt aber nicht, dass die Milch nach der Zeit "alle" ist. Dies ist im Grunde auch nicht möglich - der größte Teil der Milch wird erst beim Stillen produziert - so lange das Kind saugt, so lange wird produziert. 

Abpumpmenge 


Handmilchpumpe von AventHäufig verzweifeln Mütter beim Gebrauch von Milchpumpen - gelegentlich liest man in Foren "Meine Milch ist zurück gegangen - ich konnte gerade mal 20 ml abpumpen und dann kam nichts mehr!". Ursache dafür ist meist jedoch kein Milchmangel, sondern dass die Pumpe es nicht geschafft hat, den Milchspendereflex auszulösen - ohne fließt die Milch nur tröpfchenweise. Dazu kommt: Das Baby ist effektiver, als jede Pumpe - aus vermeintlich leer gepumpten Brüsten saugen Babys noch jede Menge Milch. 

Wird mein Kind von der Muttermilch satt? 


Relativ sicher davon ausgehen, dass ein Neugeborenes ausreichend Nahrung bekommt, kann man, wenn Folgendes zutrifft:

  • ab dem 3. Lebenstag bis zur 4. bis 6. Lebenswoche hat das Kind mehrmals täglich (mindestens dreimal) Stuhlgang,
  • ab dem 3. Lebenstag hat das Kind täglich etwa 4 - 6 nasse Windeln - nass meint dabei, dass sie ca. 50 - 75 ml Urin enthalten, also insgesamt ca. 300 ml am Tag (wenn man unsicher ist, kann man die volle Windel nachwiegen und mit dem Gewicht einer leeren vergleichen )
  • spätestens am 14. Tag nach der Geburt ist das Geburtsgewicht wieder erreicht.

Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass ein Baby hungert, wenn es weniger oft Stuhlgang hat oder seltener nasse Windeln.  In den ersten 48 Stunden nach der Geburt wird das Kind kaum nasse Windeln haben - es besteht kein Grund zur Sorge!

Dass sich das Baby weiterhin gut entwickelt erkennt man daran, dass

  • sich das Kind entlang seiner Perzentilkurve entwickelt,
  • das Kind 4 bis 6 nasse Windeln am Tag hat, 
  • seine Haut rosig ist, 
  • es zufrieden wirkt und die Umgebung aufmerksam betrachtet und 
  • es nach dem Stillen Sättigungszeichen wie Loslassen der Brust, körperliche Entspannung und zufriedenes Einschlafen zeigt.

Zeichen, dass die Nahrung nicht ausreichend sein könnte sind

  • das Kind nimmt wenig, unregelmäßig oder gar nicht zu, 
  • die Augen sind eingesunken, 
  • die Schleimhäute sind trocken, 
  • Hautfalten bleiben stehen 
  • das Baby ballt die Fäuste
  • es ist dauerhaft unzufrieden,
  • es schläft sehr viel,
  • es wirkt apathisch, bewegt sich wenig, 
  • seltener Stuhlgang, 
  • der Haut fehlt Spannung, sie ist blass und 
  • der Urin ist nicht blass oder leicht gelb sondern dunkelgelb bis orange und riecht stark.

Alle diese Zeichen können darauf hindeuten, dass das Kind nicht satt wird - jedes einzelne kann jedoch auch harmlos sein (seltener Stuhlgang ist bspw. bei Stillkindern häufig). ´

Man geht üblicherweise eigentlich zurecht davon aus, dass sich ein hungriges Kind bemerkbar macht - die Natur hat es so eingerichtet, dass hungrige Kinder ihr Bedüfnis lautstark kund tun. Im Hinterkopf sollte man jedoch behalten, dass nicht alle Kinder derart vehement Nahrung einfordern. Einige schalten bei nicht ausreichender Nahrungszufuhr in den Energiesparmodus, sie schlafen dann viel und sind sehr, sehr ruhig. Ein ruhiges, viel schlafendes nicht schreiendes Kind kann also durchaus hungern! Bei diesen Kinder sollte man die Gewichtszunahme im Auge behalten - liegt die im Rahmen, hat man offenbar einfach ein besonders pflegeleichtes Kind bekommen. 


Die normale Gewichtsentwicklung von Stillkindern 


In den ersten drei Tagen nach der Geburt verlieren fast alle Kinder zunächst an Gewicht, da der sich Stoffwechsel und Wasserhaushalt von der Nabelschnurernährung auf die orale Ernährung umstellen, die Nahrungszufuhr zunächst begrenzt ist (Kolostrum) und das Kindspech ausgeschieden wird. Mehr als 7% des Geburtsgewichtes sollte dieser Gewichtsverlust jedoch nicht betragen - bei einer Abnahme von über 10% und Anzeichen einer Dehydrierung oder von Krankheitssymptomen ist das Zufüttern von zusätzlicher Muttermilch oder Säuglingsmilch erforderlich.

Ab dem vierten Tag sollte das Kind wieder zunehmen. Das Geburtsgewicht ist üblicherweise nach 7 Tagen erreicht, auch eine Dauer von bis zu 14 Tagen ist noch normal. Kritisch wird es, wenn das Geburtsgewicht nach 3 Wochen noch immer nicht erreicht ist - dies erfordert ärztliche Begleitung.
  
Ein vollgestilltes, normalgewichtiges, gesundes Baby sollte pro Woche mindestens zunehmen:

  • 0-3 Monate                         140 g (das entspricht 20 g pro Tag)
  • 3-6 Monate                           70 g
  • 6-12 Monate                         40 g.

Die tatsächliche durchschnittliche Zunahme pro Woche liegt meist höher:

  • bis 2 Monate             170 - 330 g
  • bis 4 Monate             110 - 330 g
  • bis 6 Monate               70 - 140 g
  • bis 12 Monate             40 - 110 g.

Als grobe Richtlinie gilt: Das Geburtsgewicht verdoppelt sich mit etwa 6 Monaten, nach 12 Monaten ist es verdreifacht und mit 2 Jahren vervierfacht.

Man muss dabei immer bedenken: Kinder nehmen nicht gleichmäßig zu - das kann durchaus sprunghaft passieren. Daher sollte man das Gewicht längerfristig beobachten, ohne dabei die Waage überzustrapazieren. Kein Kind wird ernsthaft Schaden nehmen, wenn es mal drei Wochen nicht zugenommen hat, wenn es sonst keine Anzeichen von Unzufriedenheit oder Austrocknung zeigt.

Beim Wiegen ist darauf zu achten, dass die Wiegesituation möglichst immer gleich ist, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Das Wiegen sollte entweder nackt oder mit ähnlicher Bekleidung (allein diese kann das Ergebnis ordentlich verfälschen) und immer ohne oder mit (alter) Windel erfolgen - auch hier ergeben sich sonst erhebliche Differenzen. Das Wiegen birgt die Gefahr, Sorgen zu potenzieren, daher sollte man es auf ein Mindestmaß (sinnvoll: ein- bis zweimal die Woche) begrenzen. Denke immer daran: Windel-, Magen-, Darm- und Blaseninhalt können zu nicht unerheblichen Differenzen führen. Daher ist es empfehlenswert, keine Einzelwerte zu vergleichen (womöglich noch tagesbezogen) sondern Tendenzen zu beobachten. 

Ab wann spricht man von einer Gedeihstörung? 


Als Gedeihstörung bezeichnet man das Abknicken von der ursprünglichen Perzentile (oft verbunden mit auch geringerem Längen- und Kopfumfangswachstum), insbesondere bei Unterschreitung der 3er-Perzentile. Aber auch das Verlassen der Perzentile kann normal sein. Mein Sohn war so ein Fall - er wurde mit propperen 4370 g geboren und in den ersten Lebensmonaten voll gestillt. Er nahm innerhalb einer Woche nach der Geburt 570 Gramm zu und ich fragte mich, ob das denn normal sein könne. Gesorgt, dass er unterversorgt sein konnte, habe ich mich natürlich nicht. Als das nächste Mal 11 Wochen später gewogen wurde, war das Ergebnis, dass er bis dahin gerade mal 87 g pro Woche zugenommen hat. Die Zunahme bleib danach auch weiter über lange Zeit so - er war dabei aber nie unzufrieden.

Bis heute ist er ein absoluter Wenigesser. Er war also schlicht ein Langsamzunehmer. Für mich beunruhigend war, dass er in den ersten 4 Monaten durch die Perzentilkurven wanderte - in den ersten zwei Wochen auf der 90er-Perzentile rutschte er nach und nach auf die 40-er Perzentile - wo er allerdings seitdem dauerhaft blieb. Zurückblickend kann ich also bestätigen, dass auch solche Entwicklungen offenbar vollkommen normal sein können - doch dies ist eher ungewöhnlich. Ein Verlassen der Perzentilen sollte immer kritisch betrachtet werden.

Neben dem Durchwandern der Perzentilen ist der Zustand Unterernährung ein Anhaltspunkt für eine Gedeihstörung. Ob eine Unterernährung vorliegt, kann mit folgender Berechnung ermittelt werden.

                                                                         Körpergewicht x 100
Längensollgewicht (in %) =  ----------------------------------------------------------------------------
                                                 Gewichtsmedian (50er-Perzentile) für die Körpergröße

Das Längesollgewicht sollte bei einem Wert zwischen 90 und 110% liegen - ein Wert von unter 90 % lässt auf eine Unterernährung schließen.

Die Perzentilkurven in den U-Heften sind übrigens auf Basis von flaschenernährten Kindern erstellt - bei Stillkindern ist es häufig so, dass diese anfangs sehr schnell zunehmen und die Zunahme danach im Verlauf des ersten Lebensjahres abflacht. Die aktuellen WHO-Kurven, die auf Stillen basieren findest Du hier:



                                 Mädchen                                          Jungen

                  




 


Wie schon ausgeführt, ist die Gewichtsentwicklung zwar ein wichtiger Indikator, sollte jedoch nicht als alleinigen Faktor für die gesunde Entwicklung eines Kindes betrachtet werden. Maßgeblich sind viel mehr das Erscheinungsbild und das Verhalten des Kindes. Ist die Haut rosig, die Windeln gefüllt und das Kind zufrieden und aktiv, besteht trotz geringer Zunahme kein Grund zur Sorge.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, ob das Kind zu wenig Milch bekommt - beispielsweise wegen einer allgemeine Saugschwäche (z. B. durch Frühgeburtlichkeit) oder wirklich eingeschränkter mütterlicher Milchproduktion - oder ob die Milch schlecht verwertet wird oder der Grundenergieumsatz wegen einer Erkrankung zu hoch ist. Wie viel das Kind trinkt, kann durch eine Stillprobe festgestellt werden - dabei wird das Kind unter gleichen Bedingungen (mit Windel) vor und nach dem Stillen gewogen. Die Differenz gibt Auskunft über die Trinkmenge (Gewicht in Gramm entspricht dabei Milliliter Milch).

Folgende Einschränkungen bzw. Erkrankungen führen u. A. zu Gedeihstörungen:
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit wie Laktoseintoleranz bei Stillkindern, Kuhmilch bei Flaschenkindern oder Zöliakie (gehen oft einher mit Trinkverweigerung, Bauchschmerzen, Blähungen, abnormen Stühlen oder Ekzemen)
  • Refluxösophagitis - Entzündung der Speiserühre am Magenausgang (die Kinder spucken in der Regel - aber nicht immer! - vermehrt und überstrecken sich häufig beim Trinken, schreien schon beim Trinken, haben blutige Fäden im Erbrochenen)
  • Stoffwechselerkrankungen,
  • Herzerkrankungen,
  • Nieren- oder Lebererkrankung oder
  • angeborene Syndrome (wie z. B. Williams-Beuren-Syndrom oder Silver-Russel-Syndrom).

Während Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Reflux häufiger auftreten, sind die übrigen genannten Fälle sind jedoch nur sehr selten und bleiben nicht lange unentdeckt, da sie sich mit zahlreichen weiteren Symptomen bemerkbar machen. 

Zusammenfassung 


Ein vollgestilltes Kind bekommt in der Regel genügend Muttermilch. Die Trinkmengen nehmen phasenweise oder dauerhaft zu, weswegen es notwendig ist, dass das Kind entsprechend durch häufiges Saugen einen höheren Bedarf signalisiert, den die Brust dann mit ein bis zwei Tagen Verzögerung erfüllt. Dies ist kein Zeichen, dass ein Milchmangel vorliegt. So lange sich das Gewicht normal entwickelt und das Kind meist zufrieden ist, besteht kein Grund zu Sorge.

Werden Auffälligkeiten wie Erbrechen, Blähungen, Überstrecken oder merkwürdiger Stuhl beobachtet oder ist das Kind häufig unzufrieden, sehr schläfrig, blass usw. (siehe oben) sollte durch eine Stillprobe geprüft werden, ob es genügend Nahrung zu sich nimmt.

© Danielle