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Kinderschuhe - was sollte man beim Kauf beachten?


Ich habe eine E-Mail von Sandra bekommen, in der sie sich das Thema Kauf von Kinderschuhen bei uns im Blog wünscht. Sie möchte insbesondere wissen, ob  man wirklich 50 EUR aufwärts pro Paar ausgeben muss und ob gebrauchte Kinderschuhe in Ordnung sind oder man in jedem Falle neue kaufen sollte.

Warum gut passende Kinderschuhe wichtig sind 


Kinderfüße sind noch sehr viel weicher und biegsamer, als Erwachsenenfüße. Außerdem sind die Nerven darin noch nicht vollständig entwickelt. Deswegen merken Kinder häufig nicht, wenn ein Schuh eigentlich schon zu klein ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass fast ein Drittel aller Kinder zu kleine Schuhe trägt. Das kann gravierende Folgen haben! Neben Muskel- und Gelenkschmerzen drohen bleibende Schäden an den Füßen, den Knien und der Hüfte. Es kann darüber hinaus zu Haltungsschäden kommen. Etwa 96 Prozent der Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt, die Quote bei Erwachsenen beträgt nur noch 38 %. Das beweist, wie wichtig wirklich passende Schuhe für Kinder (und natürlich auch Erwachsene) sind. 

Ab wann braucht mein Kind Schuhe?


nackter KinderfußKinder benötigen erst dann festes Schuhwerk, wenn sie wirklich anfangen frei zu laufen. Damit sind nicht die ersten zögerlichen Laufversuche gemeint - die finden idealerweise ganz barfuß statt. Barfußlaufen ist für kleine Kinder absolut ideal - denn so trainieren sie am besten Gleichgewichtssinn und Koordination. Alle Sehnen und Muskeln werden beansprucht und trainiert. Das ist eine wichtige Voraussetzung für auf Dauer gesunde Kinderfüße. Erst etwa vier Wochen nach den ersten Schritten laufen Kinder nennenswerte Strecken selbst - der eine etwas früher, der andere etwas später. Bis dahin können die Füße mit gefütterten BabyschuhenBabystiefelchen oder einfach Socken warm gehalten werden. 

Wenn das Kind etwa 20 Schritte am Stück läuft oder draußen selbst laufen möchte, ist es Zeit für Schuhe. Zu früh Schuhe kaufen oder gar auf Vorrat, ist wenig sinnvoll, da Kinderfüße extrem schnell wachsen. Meine Tochter brauchte zum Laufenlernen Größe 18 - mein Sohn begann erst mit Größe 22.

AntirutschsockeLasst Euch nicht von den Vorgenerationen reinreden - Kinder brauchen beim Laufenlernen keine Schuhe - zumindest nicht im Haus. Hausschuhe sollten wirklich nur dann getragen werden, wenn es wegen der Temperaturen erforderlich ist. Viel besser sind dicke Socken mit gummierter Anti-Rutsch-Sohle (ich habe gute Erfahrungen mit denen von Sterntaler gemacht) geeignet. Sie halten Füße warm und lassen ihnen freien Bewegungsspielraum.

Sind wirklich feste Hausschuhe notwendig (bei uns wird das von der Kita vorgegeben) sollte besonderes Augenmerk auf die Qualität der Hausschuhe gelegt werden. Ich habe immer wieder beobachtet, dass die Kinder tolle, teure Draußenschuhe haben, mit denen sie teilweise ja auch zwei bis drei Stunden draußen sind - aber den Rest des Tages stecken sie in teilweise ungeeigneten Hausschuhen - dabei verbringen sie meist deutlich mehr Zeit in den Hausschuhen. Da Hausschuhe von den "guten Marken" oft nur ein Bruchteil im Vergleich zu ihren Draußen-Artgenossen kosten, würde ich hier nie sparen. Uneingeschränkt empfehlenswerte Marken sind bspw. Superfit, Rohde oder Giesswein.

Wie findet man die richtige Größe?


Kinderfüße vermessen lassen


WMS MessgerätElementar für das Finden des passenden Schuhs ist nicht nur die Größe, sondern auch die richtige Breite. Zwar haben die meisten Kinder normalbreite Füße, aber es gibt auch sehr schmalfüßige und sehr breitfüßige. Die Breite eines Fußes ermitteln sogenannte WMS-Messgeräte, die ich persönlich von Deichmann kenne. Dort kann nicht nur die Fußlänge (und damit die richtige Größe) abgemessen werden, sondern auch die Breite. Es gibt mittlerweile viele Hersteller, die ihre Schuhe auch in weiten und schmalen Versionen anbieten. Auch Reno bietet eine Vermessung von Kinderfüßen - hier wird elektronisch gemessen und ebenfalls die Breite angegeben.

Das Problem ist nur: an den Größenangaben kann man sich leider in der Regel nicht orientieren - bei einer Untersuchung der Universität Wien hatten gerade mal 3 % (!) der Schuhe tatsächlich die angegebene Größe. Insgesamt 45,8 % waren eine Größe zu kurz, weitere 36,9 % zwei Größen zu kurz. Drei Größen zu klein waren sogar noch 10 % der Schuhe. Ein Paar wich sogar 6 Größen von der angegebenen ab.

Das liegt daran, dass sich die Größe üblicherweise aus dem Leistenmaß ableitet, mit dem die Schuhe gefertigt werden. Dieses wird aber - je nach Schuh und Material sehr unterschiedlich gemessen. Nach der Herstellung schrumpfen die Schuhe auch noch häufig, so dass es wenig Sinn hat, sich auf Größen zu verlassen. Allenfalls bei den selben Schuhen (oder Marken) sind die Größen eine Orientierung. Reno wirkt dem entgegen, in dem dort "Echtgrößen" angegeben werden - nach meiner Erfahrung stimmt das auch einigermaßen.

Selbst die richtige Größe für Kinderschuhe herausfinden 


Da man sich auf die Größen also so gut wie gar nicht verlassen kann, muss man nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorgehen. Zwischen dem längstem Zeh (das muss nicht immer der große sein!) und dem Schuh sollte ein Freiraum von mindestens 1,2 cm und maximal 1,7 cm sein.

Es ist nicht sinnvoll, dies vorne an der Schuhspitze mit dem Daumen zu prüfen, da einige Kinder die Zehen anziehen. Wenn man diese Methode anwendet, sollte man die andere Hand über den Fußrücken legen um zu fühlen, ob die Zehen eingezogen werden. Auch der Test mit dem Finger zwischen Ferse und Schuh, bei dem noch ein fingerbreit Platz sein sollte, ist unzuverlässig, weil die Kinder die Zehen einziehen um Platz zu schaffen. Auch sehr ungenau ist es, den Fuß an die Außenseite der Sohle zu halten - bei den meisten Schuhen ist nicht erkennbar, wie viel Platz tatsächlich im Innenraum ist.

Kinder zu fragen, ob der Schuh passt, ist wenig hilfreich - sie können nicht verlässlich darüber Auskunft geben, ob die Schuhe zu klein sind. Und falls sie das dann doch tun - dann ist es vermutlich allerhöchste Eisenbahn, weil die Schuhe schon viel, viel zu klein sind. In der oben genannten Untersuchung der Universität Wien wurde festgestellt, dass Kinder vollkommen klaglos in Schuhen laufen, die bis zu 5 (!) Größen zu klein sind. Das Nervensystem meldet die Beeinträchtigung der Füße einfach nicht. Dadurch trugen nur ganze 22,7 % der Kinder passende Schuhe in der richtigen Größe - über zwei Drittel hatten zu kleine Schuhe. Bei den Hausschuhen war es noch verheerender - da passten gerade mal 9,5 % aller Schuhe richtig - hier trugen 88,4 % der Kinder zu kleine Schuhe.

Am einfachsten ist der Schuhkauf, wenn die Sohlen herausnehmbar sind, weil man dann den Fuß direkt darauf stellen und sehen kann, wie viel Platz tatsächlich noch vorhanden ist. Bitte stellt das Kind tatsächlich dabei hin - wenn man die Sohle nur im Sitzen an den Fuß hält, kann das das Ergebnis verfälschen, weil die Schwerkraft die Füße verbreitert. Einige Unternehmen (z. B. Vertbaudet) haben Sohlen, bei denen spezielle Markierungen zeigen, ob die Schuhe wirklich passen (wie das genau funktioniert könnt ihr in diesem Video sehen).

Eine weitere Möglichkeit ist, den nackten Fuß (enge Socken können den Fuß verkleinern!) auf ein Stück Pappe zu stellen und zu umranden (und ggf. 1,2 - 1,7 cm vorne dazu malen). Wird die Fußschablone ausgeschnitten, kann man sie in verschiedenen Schuhen ausprobieren.

Sinnvoll ist es, das Kind im Geschäft eine Weile mit den Schuhe herum laufen zu lassen. Man sieht so recht gut, ob sie ausreichend Halt bieten. Der Fuß sollte nicht im Schuh umher rutschen und natürlich keinesfalls herausrutschen. Was für erwachsene Füße zutrifft, ist auch bei Kinderfüßen so - sie werden im Laufe des Tages größer - idealer Zeitpunkt für den Kauf ist daher der Nachmittag. Zu bedenken ist außerdem, dass der Schuhkauf meist dann erfolgt, wenn das aktuelle Paar schon recht klein ist. Es kann sein, dass Kinder die Füße daher im Schuh leicht einrollen. Misst man den Fuß sofort nach dem Ausziehen des Schuhs aus, kann es sein, dass er noch angespannt ist und damit kleiner wirkt, als er ist. Ein paar Minuten im Schuhgeschäft nur in Socken laufen sorgt dafür, dass die Größe ideal ausgemessen werden kann.

Schuhe und Füße selbst vermessen 


Plus 12 MessgerätEine weitere Möglichkeit, die Grüße des Kinderfußes zu ermitteln und mit den Schuhen zu vergleichen, sind Schuhmessgeräte. Ein relativ einfaches Modell ist das plus 12. Dabei handelt es sich um ein biegsames Maßband, mit dem Füße von Größe 18 bis 45 vermessen werden können. Der Abstand (also die plus 12 mm) der zwischen Zeh und Schuh sein soll, wird dabei schon automatisch berücksichtigt (das ist die rote Spitze auf dem Bild). Der Preis ist mit 12,90 EUR günstig - schließlich verwendet man das Fußmessgerät ein paar Jahre lang. Es ist schon etwas fummelig, aber wenn ich mal ausnahmsweise ohne Kind Schuhe kaufe, ist es für mich sehr hilfreich. Etwas komfortabler und mit rund 40 EUR auch teurer ist das Messgerät Clevermess. Damit hat man die Möglichkeit, auch die Breite der Füße zu vermessen. Die Nutzererfahrungen sind sehr unterschiedlich.

Worauf sollte man beim Kauf von Kinderschuhen achten?


Die Sohle sollte möglichst flexibel sein 


In der Kinderabteilung im Schuhgeschäft kann man immer wieder beobachten, wie Eltern emsig Schuhe in die Hand nehmen und die Sohlen biegen. Man sollte beim Kauf der ersten Schuhe unbedingt mal ausprobieren, wie unterschiedlich biegsam die Sohlen sind. Während bei den Lauflernschuhen die Sohlen eigentlich bei fast allen Modellen sehr flexibel sind, gibt es bei den größeren Größen wirklich ganz eklatante Unterschiede! Eine flexible Sohle ermöglicht eine hohe Beweglichkeit und ein gutes Abrollen, was für die Entwicklung des Fußes von großer Wichtigkeit ist. Die Flexibilität der Sohle ist eines der wichtigsten Kriterien beim Schuhkauf! Außerdem sollte die Sohle natürlich rutschhemmend sein - gerade für Laufanfänger ist das immens wichtig.

Das ideale Obermaterial 


Das Obermaterial sollte allem atmungsaktiv sein und vor Nässe schützen. Dies bietet vor allem Leder, aber auch sogenannte "Tex-Materialen". Mittlerweile gibt es auch wirklich gute synthetische Materialen, die ausgezeichnetenTragekomfort bieten. Wichtig ist vor allem, dass das Material weich und geschmeidig ist und möglichst viel Bewegungsfreiheit für den Fuß bietet.

Der Verschluss des Kinderschuhs 


Schnürsenkel sind für Lauflernschuhe denkbar ungeeignet, da sie eine Stolperfalle sind. Sinnvoller sind Reißverschlüsse oder Verschlüsse mit Klett. Da die Kinder die Schuhe meist noch nicht selber öffnen, ist die einfache Handhabung bei den allerersten Schuhen noch nicht so vordergründig wichtig. Klett neigt jedoch zur Ermüdung - gerade bei günstigen Schuhen besteht die Gefahr, dass die Verschlüsse nach einer Weile nicht mehr richtig halten. Allerdings werden Kinderschuhe in der Regel nur so kurz getragen, dass das bei uns in der Praxis noch nie zu Problemen geführt hat.

Was in Bezug auf den Innenraum bei Kinderschuhen wichtig ist 


Man sollte mit den Fingern den Innenraum abtasten - leider gibt es immer wieder Schuhe, die störende Nähte haben, die dann drücken können. Der Schuhinnenraum sollte keine spürbaren Erhebungen haben. Er sollte auch auch nicht spitz zulaufen - es muss genügend Bewegungsfreiheit für die Zehen bleiben, so dass sie nicht zusammengedrückt werden. Aber auch die Höhe des Schuhs im Zehenbereich spielt eine Rolle - einige Schuhe bieten vorne leider nicht genügend Platz.

Ideal ist es, wenn der Fersenbereich verstärkt ist, damit Kinder genügend Halt haben. Auch den Spann sollte Beachtung finden - einige Kinder haben einen sehr hohen Fußrücken. Entsprechend großzügig sollten ihre Schuhe dann auch geschnitten sein. Dass Schuhe ggf. zu eng sind, erkannt man daran, dass sich beim Tragen Abdrücke auf dem Spann bilden. Beim nächsten Paar sollte daher besonders auf den Schnitt des Schuhs geachtet werden. 

Welches sind die besten Schuhe für Laufanfänger?Kinderschuh 


Diejenigen, die gut passen und die obigen Kriterien erfüllen. Und davon gibt es wirklich jede Menge. Ich persönlich habe in den ersten Monaten zu Schuhen von Elefanten und Naturino gegriffen. Aber auch Modelle von RicostaRichter und Superfit sind allesamt empfehlenswert. Wichtig ist aber nicht Marke und Preis, sondern wirklich Passgenauigkeit und Flexibilität.

Wie schnell wachsen Kinderfüße? 


Das ist natürlich sehr individuell. Im Kleinkindalter wachsen Füße am schnellsten - bis zu 20 mm pro Jahr sind möglich. Danach sind es etwa ein Millimeter pro Monat. Das ist aber wirklich nur ein Durchschnittswert. Da Füße auch gerne mal schubweise wachsen, kann es sein, dass auch mal ein Jahr lang die gleiche Größe getragen wird und man dann sprungartig in wenigen Monaten drei Größen durchläuft. In den ersten drei Lebensjahren sollte man daher etwa alle zwei Monate die Schuhe überprüfen. Zwischen drei und vier Jahren sollte das alle vier Monate geschehen. Mit etwa 6 Jahren wachsen die Füße dann langsamer - es reicht dann aus, alle sechs Monate zu schauen, ob der Schuh noch passt.

Was ist mit Billigschuhen? 


Was ist mit Schuhen für 10 EUR beim Discounter oder günstigen von großen Schuhketten? Meine persönliche Erfahrung ist: Wenn ich viel Geld ausgebe, dann kriege ich in der Regel auch vernünftige Schuhe. Das heißt aber nicht, dass die Billigschuhe automatisch nichts taugen. Zwar findet man selten wirklich gute, aber es ist mir tatsächlich schon bei LIDL oder Deichmann gelungen, günstige Schuhe zu finden, die mich absolut überzeugt haben - und meine Kinder auch. Die Winterstiefel von Cortina z. B. sind super bequem (tolle flexible Sohle), wasserfest und warm - und kosten gerade mal um die 13 EUR pro Paar. Die gibt es bei uns jedes Jahr als Zweitpaar für den Winter. Für das Hauptpaar greife ich etwas tiefer in die Tasche und kaufe Marken-Stiefel von Superfit oder diese wirklich tollen von Richter.

Sind gebrauchte Kinderschuhe schädlich? 


Omas und Eltern werden es nie müde, auf die Gefahren gebrauchter Schuhe hinzuweisen. Das Fußbett sei schon verformt, so dass es zu Fehlstellungen kommen wird. Auch wenn man es immer und immer wieder hört - nein - gebrauchte Schuhe sind nicht schädlich, wenn sie in einem guten Zustand sind, das sagen Spezialisten für Kinderfüße ganz klar. Damit ist weniger das Äußere gemeint, als die Sohle und das Fußbett. Entscheidend ist, dass die Schuhe nicht einseitig abgetreten sind - die Sohlen sollten sich in Bezug auf die Abnutzung also nicht unterscheiden. Wenn man ganz sicher gehen will, kann man neue Einlegesohlen kaufen.

Außerdem ist der Kauf gebrauchter Schuhe ökonomisch und ökologisch wirklich sinnvoll. Gute Schuhe bekannter Marken, die nur ein paar Monate getragen wurden, halten ganz sicher noch einen Nachfolger aus.

© Danielle

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Vor - und Nachteile verschiedener Schuhe für Traglinge und Laufanfänger im Winter

Quellen 


https://www.kinderfuesse.com/pdf/vortrag_wieland.pdf

http://www.rabeneltern.org/index.php/wissenswertes/gesundheit-wissenswertes/1326-gebrauchte-schuhe-tragen-ueber-kinderfuesse-und-Kinderschuhe 

http://derstandard.at/1256744727084/Orthopaedische-Forschung-Gebrauchte-Kinderschuhe-unbedenklich

Mein Kind hat Angst - was tun bei kindlichen Ängsten


Eltern haben eine Grundsehnsucht danach, ihren Kindern negative Gefühle zu ersparen. Sie möchten, dass ihre Kinder glücklich, zufrieden und angstfrei aufwachsen. Doch das ist leider unrealistisch, denn Angst zu empfinden ist fester Bestandteil der kindlichen Entwicklung. Wir fühlen uns oft überfordert, wenn wir erleben, wie unsere Kinder Angst haben und sind unsicher, wie wir ihnen bei der Bewältigung helfen können. Logik spielt bei der Angstbewältigung oft nur eine untergeordnete Rolle, weswegen sie bei der Problemlösung häufig versagt. Aber unsere Kinder sind gut gerüstet - sie entwickeln oftmals viel Fantasie, Humor, Mut und Magie verschiedene Strategien dafür. 

Das Gefühl "Angst" und seine Funktion 


In den ersten Lebensjahren durchleben Kinder viele verschiedene Ängste. Ein Teil davon ist entwicklungsbedingt, ein anderer erziehungsbedingt. Ängste sind auch vom Temperament des Kindes, seiner genetischer Anlage und dem Familienklima beeinflusst.

Das Angstgefühl hat evolutionsbiologisch gesehen eine wichtige Funktion. Es gewährleistet unser Überleben, da es uns davor schützt, dass wir uns in unnötige Gefahr begeben. Angst lässt uns Risiken abwägen und verschiedene Vorgehensweisen kritisch überdenken. Wer Angst empfindet, wird vorsichtiger und analysiert Gefahren genauer. Würden wir keine Angst empfinden, wäre die Menschheit schon ausgestorben.

Wir sollten uns bewusst machen, dass das Angstgefühl zu unserem Schutz ist und uns davon lösen, es als etwas Negatives anzusehen, das bekämpft werden muss. Unsere Aufgabe ist es nicht, unsere Kinder vor Ängsten zu bewahren - wichtig ist vielmehr, sie zu begleiten und ihnen Sicherheit und Rückhalt zu geben. So lernen sie mit der Angst umzugehen, sie zu bewältigen und gehen gestärkt aus der Konfrontation mit ihr hervor. Es ist illusorisch anzunehmen, dass wir eine Welt ohne Ängste für unsere Kinder schaffen können. Selbst wenn uns das gelänge, wäre das alles andere, als gesund für sie, da sie so nicht lernen, Gefahren einzuschätzen.

Versteckte Ängste


Ängste sind nicht immer sofort offensichtlich erkennbar - manchmal verstecken sie sich hinter bestimmten Verhaltensweisen:

Regression


Dabei scheinen sich Kinder zurück zu entwickeln und benehmen sich nicht altersangemessen. Sie nässen ein, reden in Babysprache, wollen wieder gewickelt, gefüttert oder getragen werden. Dieses Verhalten wird häufig bei der Geburt von Geschwistern beobachtet und ist ein deutlicher Ausdruck von Trennungsangst

Rückzug


Angst kann sich auch durch ein deutliches Zurückziehen der Kinder - meist verbunden mit einem mangelnden Selbstbewusstsein - äußern. Sie trauen sich kaum etwas zu, suchen keinen Kontakt zu anderen und sind sehr still und passiv.

Überangepasstheit


Auch das Bemühen, sehr angepasst und unauffällig zu sein, kann durch Ängste verursacht werden. Die Kinder sind dabei übermäßig brav, wollen nicht auffallen, sind leise und bewegen sich teilweise sogar in gebückter Haltung

Aggression


Aggressives Verhalten kann auch der Angstkompensation dienen. Auch Ungeduld, Hektik und übermäßige Albernheit treten dabei auf.

Distanzlosigkeit


Distanzlosigkeit wird oft von schlecht gebundenen Kinder gezeigt. Sie gehen ohne Vorbehalte auf jede Person zu und suchen aktiv körperliche Nähe durch Küsse und Umarmungen und wirken dabei vollkommen vertrauensselig und angstfrei. Dabei suchen sie Nähe und Schutz, weil sie unter Trennungsängsten leiden.

All diese Verhaltensweisen können auf Angst als Ursache hinweisen - müssen es aber nicht. Oft stecken auch andere Ursachen dahinter. 

Entwicklungsbedingte Ängste 


Kinder durchleben in den ersten fünf Lebensjahren die folgenden Angstformen: 
  • die Körperkontaktverlust-Angst,
  • die Achtmonatsangst,
  • die Trennungsangst,
  • Vernichtungsangst und
  • die Todesangst.
Entwicklungsbedingte Ängste reifen in der Regel aus, sie verschwinden irgendwann ganz alleine, wenn das Kind eine bestimmte Reife erreicht hat - kaum ein Dreijähriger wird noch massiv unter Körperkontaktverlust-Ängsten leiden oder fremdeln. 

Die Körperkontaktverlust-Angst 


Körperkontaktverlust-Angst empfinden Babys ab der Geburt. Sie sind bestrebt, den Körperkontakt dauerhaft aufrecht zu erhalten und reagieren auf Ablegen häufig mit Weinen. Das ist ein biologisch sinnvolles Verhalten, weil durch dauerhaften Körperkontakt das Überleben sicher gestellt wird. Wird dem geäußerten Bedürfnis nach körperlicher Nähe nicht verlässlich nachgekommen und das Baby schreien gelassen, kann das Auswirkungen auf das Urvertrauen haben. Wenn dieses erschüttert ist, wird sich das auch auf die weiteren Ängste auswirken. Im Babyalter können wir durch viel Nähe und Körperkontakt schon ein stabiles Fundament für die Fähigkeit der Angstbewältigung legen. 

Die Achtmonatsangst 


Ab dem achten Lebensmonat beginnt das Kind zu fremdeln - es unterscheidet zwischen "bekannt" und "unbekannt" und will nun häufig nicht mehr auf andere Arme. Es handelt sich um eine natürliche Schutzreaktion, die zeitlich mit dem Zeitpunkt der ersten motorischen Fortbewegungsversuche zusammenfällt. Die Angst sorgt dafür, dass das Baby nicht zu weit weg krabbelt oder gar außerhalb der Sichtweite der Mutter einfach ungehört von Fremden weg- und mitgenommen wird.

Die kindliche Neugier ist jedoch nach wie vor vorhanden, so dass das Kind ständig mit sich ringt - einerseits ist es ängstlich, andererseits sehr an Neuem interessiert. Gibt man Kindern genug Zeit und die Gewissheit, dass sie jederzeit zurück in den schützenden Raum (den elterlichen Arm/Schoß) können, werden Babys ihre ersten Ängste bald ganz allein bewältigen. Es ist wichtig, dabei auf das Naturell des Kindes Rücksicht zu nehmen - einige nehmen recht schnell mit unbekannten Menschen Kontakt auf, andere brauchen viel mehr Zeit.

Man sollte Kinder in dieser sensiblen Phase nicht drängen. Problematisch ist es vor allem immer dann, wenn das Kind eigentlich bekannte Menschen anfremdelt - wie beispielsweise die Oma. Letze Woche hat es noch juchzend auf ihrem Arm gesessen, plötzlich empfindet es große Furcht. Leider verstehen die meisten Großeltern nicht, warum das Kind plötzlich so zurückhaltend ist und reagieren deswegen wenig verständnisvoll. Mit "Hab dich nicht so!", "Nun komme schon her!" oder "Hast du die Omi etwa nicht lieb?" setzen sie die Kinder unter emotionalen Druck. Es ist wirklich wichtig, in dieser Phase möglichst gelassen zu erklären, warum Kinder gerade solche Ängste aufbauen und auch, dass diese Phase schnell vorbei geht - in der Regel umso schneller, je weniger man das Kind bedrängt. Bei uns findest Du einen Artikel über die Fremdelphase, der Dir dabei hilft, das Verhalten Deines Kindes zu erklären. 

Trennungsängste 


Sobald Kinder motorisch dazu in der Lage sind, ihre Eltern zu verlassen, entstehen auch erste Trennungsängste, die sie viele Jahre lang begleiten. Es fällt Kinder sehr schwer, von ihren primären Bezugspersonen getrennt zu sein. Vor allem im Dunkeln und wenn sie allein sind, sind Trennungsängste oft sehr ausgeprägt.

Die Trennungsangst hat eine biologische Funktion - Kinder die furchtlos losstürmten, liefen in Gefahr, verloren zu gehen. Heutzutage käme zwar kaum ein Kind abhanden, aber in den tausenden Jahren zuvor wäre das ein ernsthaftes Problem gewesen. Daher hat die Natur es eingerichtet, dass Kinder sich stets der Nähe ihrer Eltern versichern. Sicher gebundene Kinder haben in der Regel weniger mit Trennungsängsten zu kämpfen, als unsicher gebundene (das heißt natürlich nicht, dass Trennungsängste ein Zeichen für ein unsicher gebundenes Kind sind - auch sicher gebundene Kinder leiden darunter, nur eben meist nicht so ausgeprägt).

Wichtig zu wissen ist, dass auch "anstrengendes" Verhalten ein Ausdruck von Trennungsangst sein kann. Jan-Uwe Rogge schreibt dazu: 
"Andere Kinder erzwingen Nähe, erpressen ihre Eltern mit Quengeln, trotziger Weinerlichkeit und tränennasser Traurigkeit. [...] Oder sie verwickeln ihre Mütter und Väter in Machtkämpfe, provozieren darüber Aufmerksamkeit und erhalten Nähe. Solche Machtkämpfe sind für Eltern schwierig und nur dann zu beenden, wenn sie deren Ursache erkennen. Und vor allem: Den Kindern, die Bindung mittels Machtkämpfen erzwingen, fallen ständig andere Unarten ein, ihre Eltern an sich zu ketten. Konsequentes Verhalten der Eltern wird mit dem Hinweis der Kindes wie "Du hast mich wohl nicht mehr lieb!", "Dann mag ich dich nicht mehr!" oder "Nie hast du Zeit für mich!" unterlaufen. Kinder lassen sich vor allem nicht auf ein Nachher vertrösten, sie wollen sofortige Befriedigung ihres Bindungsbedürfnisses, sie feilschen um jede Minute Nähe und Zuwendung."
Auch abendliches Theater um das Ins-Bett-Gehen und Ein- oder Durchschlafprobleme sind oftmals von Trennungsängsten beeinflusst. Hilfreich (aber keine Patentlösung) sind feste, ruhige abendliche Rituale. Teil dieses Rituals sollte es sein, über den vergangenen Tag zu sprechen - so kann das Kind schon die bewegendsten Eindrücke in geschütztem Rahmen verarbeiten und über das sprechen, was es belastet.

Auch die Zuverlässigkeit der Bezugspersonen spielt eine enorme Rolle - Kinder, die sich immer auf ihre Eltern verlassen können, werden weniger Sorgen haben, ob Mama oder Papa auch wirklich wieder kommen. Daher ist es von großer Bedeutung, Trennungen immer anzukündigen und nie einfach das Kind zu verlassen, in der Hoffnung, dass es so nicht weint. 

Vernichtungsängste 


Um den dritten Geburtstag herum bilden sich Vernichtungsängste aus - Kinder haben plötzlich vor vielen Dingen Angst - Dunkelheit, Feuer, Gewitter, Lärm, Monster, Tiere, Hexen... In diesem Alter sind die meisten Kinder in der magischen Phase und spielen sehr viel mit den Ängsten.
 
Bei der Angst vor Monstern, Hexen oder anderen Gestalten sollten wir als Eltern (zunächst) keine fertigen Lösungen anbieten, sondern das Kind auffordern, selbst Ideen zu entwickeln.  Ängste sind so vielschichtig, dass es wahrscheinlicher ist, dass das Kind eine Idee entwickelt, mit ihnen umzugehen. Mit Logik ist solchen Ängsten ohnehin kaum beizukommen.

Wenn das Kind jedoch völlig hilflos ist, kann man zu etwas Magie greifen und sich den Umstand zunutze machen kann, dass unsere Kinder uns (noch) für allmächtig und unbesiegbar halten.  Eine mit Wasser gefüllte Sprühflasche kann bemalt/beklebt werden und zu einem Monstervernichtungsmittel oder Schutzelixier erklärt werden. Vielen Kindern hat es schon geholfen, wenn man sie oder die Monsterverstecke vor dem Schlafen eingesprüht hat. Ein Tropfen Duftöl macht das Wasser noch "magischer". Auch der Geheimtippp singen kann hier helfen - das Kind soll einfach mal ausprobieren, ob die Angst dabei verfliegt. 

Bedingt durch Vernichtungsängste treten phasenweise Albträume auf - meist hängen sie mit Entwicklungsschritten zusammen. Kinder verarbeiten nachts ihre Ängste - Albträume wirken reinigend für die Seele. Sie treten häufig erst im letzten Drittel der Nacht auf und sind bis zu einem gewissen Grad vollkommen normal. Hilfreich ist es, wenn das Kind die Möglichkeit bekommt, am Abend die Geschehnisse des Tages aufzuarbeiten. Dazu kann man im Abendritual bspw. eine feste Zeitspanne einplanen. Was war schön am Tag? Was hat dem Kind gar nicht gefallen? Wichtig ist es auch, Träume nachzubereiten - das Kind soll erzählen können, was es geträumt hat - möglichst ohne den Hinweis "Na war ja nur ein Traum - jetzt ist alles wieder gut". Wenn Kinder sich ernst und angenommen fühlen und auch jederzeit ohne Verstimmung ins elterliche Bett schlüpfen können, sollten Albträume nur gelegentlich auftreten. Wenn jedoch Ein- und Durchschlafstörungen dazu kommen oder das Kind massiv unter schlechten Träumen leidet, sollte man sich ärztliche Hilfe suchen. 

Neben normalen Albträumen gibt es auch den weniger häufigen Nachtschreck. Das Kind schreckt plötzlich innerhalb der ersten Tiefschlafphase (ca. 15 - 60 Minuten nach dem Einschlafen) aus dem Schlaf hoch und fängt an, angstvoll zu schreien. Es ist dabei nicht wirklich wach, sondern "gefangen" in der Übergangsphase zwischen Schlafen und Wachen. Da das Kind dabei nicht wach wird, kann man es leider auch nicht wirklich beruhigen. Man sollte den Nachtschreck begleiten und dafür sorgen, dass das Kind sich nicht verletzt. Nach etwa zwei bis  vierzig Minuten ist der Anfall vorbei und das Kind schläft meist ruhig weiter (oder erwacht richtig). Am nächsten Morgen kann es sich meist an nichts erinnern. Bis zu sechs Prozent aller Kinder sind vom Nachtschreck betroffen, am häufigsten tritt er zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr auf. 

Todesängste 


Das Verständnis dieses Begriffes "Tod" ist in den ersten Lebensjahren stark eingeschränkt. Kinder bis zu drei Jahren sind nicht in der Lage, den Tod auch nur annähernd zu begreifen, sie haben in der Regel auch wenig Interesse daran. Im Alter zwischen drei und fünf Jahren beginnen sie, sich damit intensiver auseinander zu setzen und nehmen ihn mit in ihr Spiel auf ("Ich schieß dich tot!"). Allerdings ist ihnen die Endgültigkeit des Zustand des Todes nicht bewusst - er erscheint für sie vorübergehend. Außerdem gehen sie davon aus, dass er nur andere (böse) Menschen trifft. Erst mit etwa sechs Jahren wird ihnen klar, dass auch ihre Eltern und sie sterblich sind - nun entwickeln sich die entsprechenden Ängste, die je nach Temperament stärker oder schwächer ausgebildet sind. 

Bei Todesängsten ist eine Visualisierung von Zeitspannen hilfreich. Ich habe mit meinem Kind eine 85 cm langen Zeitstrahl aufgemalt, der die durchschnittliche Lebenserwartung darstellt. Dann habe ich eingezeichnet, wie viel Zeit des Lebens schon bei den Kindern, bei den Eltern und bei den Großeltern verstrichen ist. Kinder haben oft das Gefühl, schon ewig auf der Welt zu sein - nachdem meine Tochter sah, wie viel Zeit ihres Lebens erst vorbei ist und wie viel Zeit entsprechend noch wie Eltern haben werden, hat ihr das sehr geholfen. 

Erziehungsbedingte Ängste 


Neben den entwicklungsbedingten Ängsten bilden sich auch durch die Erziehung bedingte Ängste aus. Kindern, die ständig "Vorsicht!", "Achtung!" und "Pass auf!" hören, fällt es irgendwann schwer, unbedarft und unängstlich an Situationen heranzugehen. Zudem solche Zurufe sie nicht davor bewahren, sich weh zu tun - meistens passieren die Malheure ohnehin in Situationen, in denen man nicht damit gerechnet hat.

Leider neigen Eltern dazu, Ängste der Kinder zu Erziehungszwecken zu nutzen. Besonders hervor sticht der Satz "Wenn du jetzt nicht kommst, dann gehe ich ohne dich!" Und es funktioniert ja auch bei den meisten Kindern verlässlich. Weil sie eben wirklich denken, dass man ohne sie geht. Mit wenig Aufwand kann man so das Urvertrauen seines Kindes in Bezug darauf, dass man es niemals allein lassen würde, zerstören.

Es ist nachvollziehbar, dass solche Sätze die kindlichen Trennungsängste verstärken. Hört man im Umfeld mal genauer hin, entdeckt man so manch merkwürdige elterliche Drohung, die auf dem Ausnutzen von Ängsten basiert. Auch wenn es bequem ist, weil es die Kinder dazu bringt, zu tun, was man möchte, so wird eine solche Erziehung langfristig ziemlich sicher negative Auswirkungen haben und Trennungsängste verstärken. 

Krankhafte Ängste 


Manchmal sind oder werden Ängste von Kindern behandlungsbedürftig. Wie erkennt man aber, was noch normal ist und ab wann man sich Hilfe suchen sollte? Die entwicklungsbedingten Ängste macht jedes Kind mehr oder weniger intensiv mit. Sie sollten sich jedoch altersgerecht entwickeln (d. h. ändern). Bleiben Ängste über lange Zeit konstant, helfen keinerlei Bewältigungsstrategien und leidet das Kind erkennbar, sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. 

Strategien für die Angstbewältigung 


Es gibt leider keine universellen Patentrezepte für den Umgang mit Angst. Dafür sind sowohl die Ängste als auch die Kinder viel zu unterschiedlich. Es gibt jedoch ein paar grundlegende Dinge, die jedem Kind dabei helfen, seine Ängste zu bewältigen. Was angeblich immer helfen soll: singen! Neurobiologen sagen, dass das Hirn beim freien Singen nicht in der Lage ist, Angstgefühle zu mobilisieren.

Wichtig ist, dass Kinder ausreichend Gelegenheit haben, sich Ängsten zu stellen. Dabei ist das richtige Maß entscheidend - zu viele Ängste können traumatisieren, Überbehütung dazu führen, dass die Fähigkeit der Angstbewältigung erst gar nicht ausreichend ausgebildet wird.

Kinder, die sich sicher und geborgen fühlen und sicher gebunden sind, leiden in der Regel weniger an Ängsten, als Kinder, bei denen das nicht der Fall ist. Sie entwickeln ein höheres Selbstvertrauen und sind bei der Angstbewältigung meist sehr kreativ und erfolgreich. 

Was nicht gegen kindliche Ängste hilft 


Ängste kleinreden


In unserer Kultur werden Ängste traditionell klein geredet. Auch das ist noch das Erbe der Erziehung unserer Großeltern und Eltern. Wer Angst hat, ist vermeintlich schwach. Und schwache Menschen wurden im dritten Reich nicht gebraucht - furchtlose Mannsbilder waren gefragt. Ängste wurden damals generell bagatellisiert und lächerlich gemacht - übrig geblieben sind bis heute "Stell dich nicht so an" und "Du musst doch keine Angst haben!" Ohne Angst erkennen Kinder jedoch ihre Grenzen nicht. Soldaten, die furchtlos in den Krieg marschieren, sind für das Heer erstrebenswert - Kinder, die zu hoch auf einen Baum klettern und sich das Genick brechen, weil sie keine Ängste kennen (oder empfinden sollen), sind es für uns jedoch nicht. Wir sollten daher unbedingt darauf achten, solche Sätze zu vermeiden und die Angst anzunehmen. 

Ängsten zu viel Bedeutung beizumessen 

 

Ängste sollten ernst genommen werden - allerdings ist die Grenze zur Übertreibung manchmal schmal. Bei meiner Tochter habe ich bspw. offenbar etwas übertrieben zugewandt reagiert - die Angst wurde für sie ein Mittel, mit dem sie Aufmerksamkeit einforderte. Nachdem sie mir mit drei Jahren erklärte, sie habe vor dem Laternenmast (an dem sie jeden Tag mehrfach vorbei ging) plötzlich große Angst, musste ich mir eingestehen, dass ich vielleicht etwas übertrieb mit meiner Reaktion auf ihre Ängste. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit ist natürlich wichtig und sollte erfüllt werden, nur die Verknüpfung mit dem Thema Angst macht den Umgang damit eher schwieriger.  

Ängste vermeiden 


Unsere Kinder beschützen zu wollen, das ist fest im biologischen Elternprogramm hinterlegt. Sie aber durch Überbehütung konsequent vor nahezu jeder Angst oder Bedrohung zu schützen, führt dazu, dass sie keine Bewältigungsstrategien entwickeln können. 

Was man bei kindlichen Ängsten tun kann 


Ängste ernst nehmen 


Wir helfen unseren Kindern am besten, wenn wir ihre Ängste ernst nehmen und ihnen zuhören. Über etwas zu reden, nimmt ganz häufig schon den größten Schrecken. Zurückhaltend sollten wir mit dem Anbieten von Lösungen sein.
"Du musst doch keine Angst haben" sollten wir komplett aus unserem Repertoire werfen - das ist wenig hilfreich. Ein "Ich verstehe, dass du ängstlich bist - lass uns überlegen, wie wir der Angst begegnen können" zeigt Mitgefühl und gibt Sicherheit. Reden ist ohnehin eine der wirksamsten Waffen gegen Angst - übrigens ebenso wie das Malen. 

Kinder auf Trennungen vorbereiten und sich verabschieden 


Trennungsängste lassen sich einfacher verarbeiten, wenn für das Kind überschaubar ist, wie lange die Trennung dauert. Es sollte darauf vorbereitet werden, also rechtzeitig Bescheid wissen, auch wenn man versucht ist, es dem Kind erst spät zu sagen, damit man den Kummer nicht so lange ertragen muss. Dabei kann man eine Menge der Angst schon "abarbeiten" - mit dem Kind zusammen. Wenn der Zeitpunkt der Trennung gekommen ist, hat sich das Kind schon damit auseinander gesetzt und es ist nicht ganz so überfordert.

Ich hatte oben schon geschrieben: es ist immens wichtig, dass man Kinder niemals ohne Ankündigung verlässt. Gerade bei Babys ist man anfangs geneigt, einfach zu gehen, wenn es gerade hingebungsvoll mit der Oma spielt, weil es ganz sicher weinen wird, wenn es sieht, dass Mama geht. Das ist für uns zwar bequemer, wir nehmen damit aber unserem Kind die Gewissheit, dass wir zuverlässig sind. Außerdem muss auch die Bewältigung von Trennungsängsten geübt werden und das geht nun mal nicht ohne Tränen. Je früher wir unser Kind immer wieder kleineren Trennungen aussetzen, desto mehr wächst es daran. Darauf basiert auch das Berliner Modell bei der Kita-Eingewöhnung. 

Schnullern 


Die Natur hat unseren Kindern eine Angstbewältigungsstrategie in die Wiege gelegt - das Saugen. Neugeborene bauen damit Stress und Spannungen ab - auch in den nächsten Lebensjahren hilft Schnullern bei der Stressbewältigung. Daher sollte man gut überlegen, wie dringend es ist, Kindern gegen ihren Willen den Schnuller abzugewöhnen. Das Nuckeln ist keine "schlechte Gewohnheit", sondern etwas, das unseren Kindern extrem gut hilft, negative Gefühle zu verarbeiten. Jeder Zahnarzt wird immer empfehlen, wegen etwaiger Zahnfehlstellungen den Nuckel spätestens im vierten Lebensjahr abzuschaffen - allerdings sind für ihn ausschließlich die Zähne interessant. Aber der Nuckel hat auch eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Psyche, so dass ich mittlerweile eher geneigt bin, eine kieferorthopädische Behandlung in Kauf zu nehmen, als den Schnuller um jeden Preis abzuschaffen. 

Kinder Risiken eingehen lassen 


Um an Ängsten zu wachsen, müssen diese bewusst erlebt und überstanden werden. Wir Eltern müssen unseren Kindern den Freiraum geben, sich ihren Ängsten zu stellen. Dazu gehört es, loszulassen. Sie einen Baum hinauf klettern zu lassen. Sie allein (altersgerecht) zum Bäcker gehen zu lassen, sie bei Freunden übernachten lassen. Sie werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch mal weh tun oder vor ihrer eigenen Courage kapitulieren. Aber das macht nichts - denn das gehört dazu und markiert die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Es ist wenig sinnvoll, dann mit "Ich habe es dir doch gesagt! Warum bist du nur so hoch geklettert!" zu reagieren- wenn etwas schief geht, sollten wir Trost spenden und nicht triumphieren, dass wir es ja besser gewusst haben. Es ist sehr plakativ, aber tatsächlich so - dass es weh tut, wird ein Kind erst wirklich begreifen, wenn es sich die Hand am Herd verbrannt hat. Das heißt natürlich nicht, dass wir unsere Kinder sehenden Auges in Gefahren laufen lassen - aber ständige Ermahnungen und Warnungen vor kleineren Gefahren sind ebenso anstrengend, wie sinnlos..

Man darf sich nicht davor fürchten, das Kind zu verhätscheln, wenn man ihm immer wieder einen sicheren Hafen bietet - seine Angst ist elementar und sollte unbedingt ernst genommen werden, ohne sie übertrieben zu thematisieren. Die Natur hat es nicht so eingerichtet, dass sich Kinder monatelang ängstlich an Mama klammern - wenn sie sich durch bedingungslosen Schutz und Rückhalt wirklich sicher fühlen, wird ihr Erkundungsdrang immer größer und sie fahren nach und nach mutiger fort, die Welt zu entdecken. 

Gelassenheit und Zeit 


Wie bei allem gilt: jedes Kind hat ein individuelles Tempo. Auch bei der Angstbewältigung sollten wir unsere Kinder geduldig unterstützen, auch wenn wir selbst möglicherweise eine gewisse Ungeduld empfinden. Auch hier gilt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Nicht zu vergessen ist, dass der Umgang mit Ängsten auch typbedingt ist. Es gibt Babys, die lassen sich überall hinlegen und sind ruhig und zufrieden - andere Zeitgenossen lassen sich kaum ablegen und wachen ständig auf um zu prüfen, ob sie sicher sind. Ein bisschen ist uns schon in die Wiege gelegt, ob wir eher furchtlos oder etwas ängstlicher sind. Wir sollten unsere Kinder annehmen, wie sie sind und darauf vertrauen, dass sie ihren Weg finden werden. 

Bücher 


Es gibt sehr schöne Bücher, die sich hervorragend für die Begleitung von Ängsten eignen - diese hier sind sehr gut geeignet:


© Danielle 

Quellen 


Rogge, Jan-Uwe, Ängste machen Kinder stark


Sind Schnuller schädlich? Alles über künstliche Sauger


Saugen ist ein Grundbedürfnis


Alle Babys werden mit einem Saugreflex geboren. Das Saugen dient vor allem der Nahrungsaufnahme, wird von Babys aber auch gerne zur Beruhigung oder Entspannung praktiziert. Viele Kinder haben ein recht hohes Saugbedürfnis, das sie gerne für längere Zeit an der Brust stillen wollen. Allerdings ist es für die meisten Mütter recht schwierig, diesem Bedürfnis ausreichend nachzukommen - wunde Brustwarzen und verständnislose Blicke in der Öffentlichkeit führen dazu, dass hierzulande gerne zu einem Ersatz gegriffen wird - dem Schnuller.

Die Vorteile von Schnullern


Schnuller sind für viele Kinder das ultimative Beruhigungsmittel. Das Saugen hat eine entspannende und beruhigende Wirkung und ist damit eine effektive Methode, die Selbstregulation zu unterstützen. Studien haben auch Hinweise darauf gegeben, dass Schnuller in Bezug auf SIDS eine präventive Wirkung haben können - dies ist jedoch umstritten.

Bei Kindern mit einem extrem hohen Saugbedürfnis, dem die Mutter mit ihrer Brust nicht nachkommen kann oder will, ist ein künstlicher Sauger eine große Entlastung.

Schnuller sind eine Alternative zum Daumenlutschen, das eine wesentlich höhrer Gefahr für eine Kieferdeformierung birgt. Es ist außerdem schwerer abzugewöhnen, weswegen in der Regel länger am Daumen, als an Nuckeln gelutscht wird.

Die Nachteile von Schnullern


Saugverwirrung


Stillende Mütter sollten in den ersten Wochen auf einen Schnuller verzichten, da dieser eine Saugverwirrung auslösen kann. Das Baby hat dabei Schwierigkeiten, zwischen den verschiedenen Saugtechniken an der Brust und am künstlichen Sauger zu wechseln. Deutlich wird eine solche Saugverwirrung meist, wenn Babys beim Trinken unruhig werden und immer wieder die Brustwarze loslassen, sie beißen und schimpfen. Bei Müttern führt dieses Trinkverhalten oft zu Schmerzen, bei den Kindern zu einer schlechten Gewichtszunahme. 

Schnuller und die Stilldauer


Es gibt Untersuchungen, die ergeben haben, dass der Gerbrauch von Schnullern mit einer kürzeren Stilldauer einhergeht. Allerdings ist fraglich, ob der Gebrauch des Schnullers dafür ursächlich ist oder mit einer ohnehin geringen Stillmotivation zusammenhängt. Denn bei Kindern, die von ihren Müttern engagiert und aus Überzeugung gestillt werden, konnte ein solcher Zusammenhang nicht hergestellt werden. 

Schnuller und Milchmenge


Wenn Babys ihr Saugbedürfnis an einem Nuckel befriedigen, kann das einen negativen Einfluss auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage bei der Milchbildung haben. Fehlt die Stimulierung der Brust, kann es zur Verringerung der Milchmenge kommen - diese Gefahr besteht vor allem bei den Entwicklungssprüngen in der 5. und in der 12. Woche. Daher sollte in diesen Zeiträumen verstärkt auf andere Beruhigungsmethoden zurück gegriffen werden. 

Schnuller als Ersatz für emotionale Zuwendung


Der größte Vorteil der Schnuller ist zugleich ein großer Nachteil. Wenn ein Kind aufgewühlt und unruhig ist, dann hilft der Schnuller zwar zunächst bei der Beruhigung, beseitigt aber die Ursache des Unwohlseins nicht. Dadurch dass das Kind aber erst mal ruhiger wird, greifen Eltern im Laufe der Zeit immer schneller auf den Tröster zurück. Ganz unbemerkt übernimmt der Schnuller die Funktion von beruhigenden Worten, liebevollen Zärtlichkeiten und aufmerksamer Zuwendung. Die Eltern-Kind-Kommunikation wird beeinflusst, denn das Kind "lernt": Immer wenn ich weine, kriege ich einen Nuckel - wozu soll ich versuchen, mich differenziert auszudrücken, wenn ich ja doch immer nur den Schnuller bekomme? 

Kommunikationsfähigkeit


Durch den Nuckel im Mund wird die Kommunikation mit Kindern stark eingeschränkt - schließlich haben die meisten Probleme damit, zu verstehen, was das Kind sagt. Daher sollte frühzeitig darauf geachtet werden, dass der Schnuller beim Sprechen heraus genommen wird. Kommunikation besteht jedoch nicht nur aus Worten, sondern auch aus Mimik und Gestik sind essentiell. Sie verleihen Gefühlen Ausdruck und sind während des Schnullerns nicht umfassend erkennbar. Aber schon im Säuglingsalter wird das Spiel mit der Sprache durch einen Nuckel beeinflusst. 

Explorationsverhalten


Der Mund dient in den ersten Lebensjahren als eins der wichtigsten Sinnesorgane - kleine Kinder nehmen pausenlos Dinge in den Mund und erkunden deren Beschaffenheit mit dem Mund. Wichtige neuronale Verbindungen werden bei übermäßigem Schnullern nicht geknüpft. Vielleicht erklärt das, warum es Studien gibt, die einen negativen Zusammenhang zwischen Schnullernutzung und IQ vermuten lassen. 

Gesundheit


In den ersten Wochen werden Schnuller normalerweise noch peinlich genau gesäubert und sterilisiert. Nach und nach wird die Schnullerpflege jedoch immer mehr vernachlässigt - daher finden sich darauf häufig Bakterien oder Pilzkulturen. Dadurch, dass weniger "gemundelt" wird, finden zwar auch weniger Krankheitserreger ihren Weg in den Mund, das ist für das Immunsystem jedoch nachteilig, weil es so u. U. nicht ausreichend trainiert wird und die Infektanfälligkeit steigt. Kinder mit Nuckeln scheinen grundsätzlich anfälliger für Atemwegserkrankungen, Magen-Darm-Infekte und Mittelohrentzündungen zu sein. Es besteht außerdem die Gefahr von Zahnfehlstellungen, die kieferorthopädisch korrigiert werden müssen. 

Symmetrisch/asymmetrisch - welche Schnullerform ist die beste?


Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Saugerformen: asymmetrische und symmetrische Sauger. 
Asymmetrischer Sauger

Die symmetrischen Sauger gibt es in drei verschiedenen Varianten:
 
             abgeflacht (Tropfenform)                rund (Kirschform)              oval (Brustwarzenform)                            

Asymmetrische Sauger sollen durch ihre Form "kiefergerechter" sein, als symmetrische. Sie bilden angeblich die Form nach, die die mütterliche Brustwarze beim Stillen annimmt. Diese Annahme basiert angeblich jedoch nur auf einer einzigen Ultraschallaufnahme. Auf Basis dieses einen Bildes entwickelte die Firma NUK ihre asymmetrische Saugerform (unten flach und oben gewölbt) und verkauft sie als besonders kiefergerecht - andere Hersteller haben das übernommen. Dabei war das Stillkind auf dem Bild nach Aussage von Stillexperten jedoch falsch angelegt - üblicherweise wird die Brustwarze beim Stillen nämlich nicht deformiert.

In diesem Zusammenhang fand ich dieses Video sehr interessant:


Hier sieht man recht deutlich, dass die Brustwarze immer wieder "bearbeitet" wird und nicht ruhig/gepresst im Mund liegt. Daher ist die Anpassung an die Brustwarze für mich für die asymmetrische Form kein überzeugendes Argument. Zudem auch ein symmetrischer Schnuller so flexibel ist, dass er in eine andere Form gesaugt werden kann.

Ein Nachteil der asymmetrischen Sauger ist außerdem, dass sie unbedingt richtigherum im Mund stecken müssen, bei den symmetrischen Saugern muss man sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Letztere haben den Nachteil, dass sie der Zunge relativ wenig Spielraum im Mund lassen und der Schaft recht breit ist.

Die Breite des Schaftes - also die Stelle zwischen dem Schild und dem Saugteil - trägt maßgeblich zu Kieferfehlstellungen bei - hier gilt: je schmaler, desto besser. Es gibt mittlerweile sowohl symmetrische als auch asymmetrische Sauger mit sehr dünnem Schaft, z. B. Dentistar oder Mam Perfect.

Letztendlich gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema, welche Saugerform die geeignetere ist - man stolpert allenfalls immer wieder über eine Untersuchung, die ergeben haben will, dass Nuk-Schnuller etwa 5 mal häufiger zu einem frontal offenen Bisses führen, als Dentistar-Schnuller. Die Studie wurde allerdings von der Novatex GmbH unterstützt - dem Hersteller von Dentistar. Das Ergebnis ist also wenig überraschend, wenn auch möglicherweise tatsächlich zutreffend.

Viele Kinder sind ohnehin sehr wählerisch, was sie Saugerform betrifft. Gerade Stillkinder bevorzugen oft symmetrische Sauger. Einige nehmen nur kirschförmige oder ovale Sauger. 

Schnullergrößen - wann soll oder muss man wechseln?


Die meisten Hersteller bieten drei verschiedene Größen:

  • 0 bis 6 Monate
  • 6 bis 18 Monate
  • ab 18 Monate.

Ein Wechsel der Größe ist nicht sinnvoll, da auch das "Original" - also die Brustwarze - im Laufe der Zeit auch nicht wächst. Allerdings nehmen die Kinder im Laufe der Zeit mehr davon in den Mund. Dennoch unterscheidet sich die Schnullerdauer erheblich - während älteren Babys die Brustwarze nur noch selten zur Saugbefriedigung überlassen wird, ist man bezüglich des Schnullers deutlich großzügiger. Dass die Schnuller irgendwann zu klein sind, um sie richtig im Mund zu halten führt bei vielen Kinder dazu, dass sie von selbst darauf verzichten und nicht sehr lange Schnullern.

Je größer ein Nuckel ist, desto mehr Platz nimmt er im Kiefer ein und desto mehr Druck wird damit auf den Zahnbereich ausgeübt. Auch der Schaft wird mit zunehmender Größe breiter und höher, so dass die Gefahr für einen lutschoffenen Biss steigt und sich dieser auch ausgeprägter entwickeln kann. Daher ist es sinnvoll, einen immer möglichst kleinen Nuckel zu verwenden.

Wenn es das Kind jedoch schafft, den Nuckel vollständig in den Mund zu nehmen, sollte man aber durchaus erwägen, die nächstgrößere Größe zu erwerben. 

Sind Schnuller aus Latex/Naturkautschuk oder aus Silikon besser? 


Schnuller sind in zwei verschiedenen Materialien erhältlich: Silikon und Latex (Naturkautschuk). Wichtig ist, dass kein hormonell wirksames Bisphenol A enthalten ist - das sollte deutlich auf der Packung stehen und ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale.

Silikon ist ein synthetisches, vergleichsweise hartes Material und sehr pflegeleicht, es lädt sich jedoch statisch auf und zieht damit Schmutz an. Es ist geruchs- und geschmacksneutral. Problematisch ist, dass es grundsätzlich von Babyzähnen durchgebissen werden kann, weswegen allgemein empfohlen wird, sie Kindern mit Zähnen nicht mehr zu geben. Allerdings mögen Kinder, die zuerst Silikonschnuller hatten die Modelle aus Latex meist nicht sonderlich.

Latex, bzw. Kautschuk ist ein reines Naturprodukt und weniger hitzebeständig. Kocht man es mehrfach aus, wird es im Laufe der Zeit klebrig und porös, weswegen Latex anfälliger für Pilzbefall ist. Es kann allerdings nicht durchgebissen werden und ist weicher. Der Vorteil an Kautschuk ist, dass man daraus komplette Schnuller fertigen kann (z. B. von Goldi oder Hevea), so dass das Kind keinen Kunststoff am/im Mund hat. Latex kann jedoch auch Allergien auslösen. 

Fazit


Es spricht grundsätzlich nichts gegen den maßvollen Gebrauch eines Nuckels - notwendig ist er jedoch nicht unbedingt. Stillende Mütter sollten etwa vier bis sechs Wochen  warten, bis sich die Stillbeziehung stabilisiert hat, um eine Saugverwirrung zu vermeiden. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Nuckel nur zeitlich begrenzt benutzt wird und nicht als "Ruhigsteller" dient.

Wenn man einen Nuckel verwenden möchte, dann sollte man sich für ein Modell mit möglichst dünnem Schaft entscheiden. Aktuell wird dazu geraten, Kinder im Alter von zwei Jahren vom Schnuller zu entwöhnen. Bei dieser Empfehlung steht jedoch allein die Gefahr einer Kieferverformung im Vordergrund. Oft hat sich der Nuckel jedoch als geliebtes Stressbewältigungsinstrument etabliert, so dass nach meiner (ausschließlich) persönlichen Meinung es ohne weiteres vertretbar ist, auch ältere Kinder noch Schnullern zu lassen, wenn keine Auswirkungen auf die Zahnstellung erkennbar sind.

Es gibt auch Stimmen (bspw. vom bekannten Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge), die sagen, dass eine Zahnfehlstellung - im Vergleich zu einem Trauma durch das Entreißen eines heißgeliebten Seelentrösters - das kleinere Übel sei. Für die meisten Kinder ist die Entwöhnung zwar überraschend einfach - einigen wenigen (wie meinem Sohn) würde es jedoch ernsthaftes Herzleid verursachen und für ihn der Verlust eine wichtigen Selbstberuhigungsinstrumentes bedeuten.

Letztendlich gilt wie bei allem: Die Dosis macht das Gift - Zahnfehlstellungen werden vor allem durch "übermäßiges" Schnullern verursacht. Ab dem ersten Geburtstag sollte das Schnullern auf besondere Orte beschränkt werden (Kinderwagen, Bett, Auto). Die meisten Kinder akzeptieren es, wenn man den Schnuller nach dem Einschlafen heraus zieht. Damit sie sie nachts allein wieder finden, kann man zu fluoriszierenden Modellen (z. B. Mam Ulti Night) greifen.
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© Danielle
Über die Schnullerentwöhnung haben wir übrigens einen gesonderten Artikel geschrieben: 

Der Schnuller muss weg? Nur wie? Und wann? Tipps und Tricks zur Nuckelentwöhnung - See more at: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/02/schnullerentwoehnung-wie-man-nuckel-schnuller-abgewoehnen-kann.html#sthash.AD1nXKS8.dpuf
Der Schnuller muss weg? Nur wie? Und wann? Tipps und Tricks zur Nuckelentwöhnung
Der Schnuller muss weg? Nur wie? Und wann? Tipps und Tricks zur Nuckelentwöhnung - See more at: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/02/schnullerentwoehnung-wie-man-nuckel-schnuller-abgewoehnen-kann.html#sthash.AD1nXKS8.dpuf
Der Schnuller muss weg? Nur wie? Und wann? Tipps und Tricks zur Nuckelentwöhnung - See more at: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/02/schnullerentwoehnung-wie-man-nuckel-schnuller-abgewoehnen-kann.html#sthash.AD1nXKS8.dpuf
Der Schnuller muss weg? Nur wie? Und wann? Tipps und Tricks zur Nuckelentwöhnung - See more at: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2014/02/schnullerentwoehnung-wie-man-nuckel-schnuller-abgewoehnen-kann.html#sthash.AD1nXKS8.dpuf

Quellen