Wie man es schafft, dass Kinder mehr kooperieren


Teil 2: Wie wir die Kooperationsbereitschaft (wieder) erhöhen können


Kinder wollen kooperieren. Dieser Satz, so nonchalant von Familientherapeut Jesper Juul in fast jedem seiner Interviews dahingeworfen, bringt uns Eltern nicht selten an den Rand der Verzweiflung. Denn ausgerechnet unsere Kinder scheinen eben nicht kooperieren zu wollen, ja, sie scheinen es sich sogar in den Kopf gesetzt haben, genau das Gegenteil vom dem zu tun, was wir uns wünschen. Da werden Teller vom Tisch gefegt, Spielzeuge gefährlich in der Wohnung umhergeworfen, im dichten Straßenverkehr weggelaufen und sich morgens partout nicht allein angezogen.

Im Teil 1 der Artikelserie habe ich ausführlich dargestellt, welche fünf Punkte dazu führen (können), dass Kinder nicht kooperieren. Im heutigen zweiten Teil möchte ich nun der Frage nachgehen, wie wir es schaffen, den Kooperationswillen unserer Kinder wieder aufleben zu lassen.
Wenn euer Kind noch ein Baby ist, dann ist das leicht - ihr gewöhnt ihm, wie im ersten Artikel beschrieben, die Kooperation einfach nicht ab. Sind eure Kinder, wie meine Töchter, schon größer (meine sind gerade 5 geworden), dann bedarf es etwas mehr Engagement eurerseits.

Kooperationsbemühungen sehen und rückmelden 


Zu diesem Punkt habe ich im ersten Artikel schon viel geschrieben - auch bei älteren Kindern ist sehr wichtig, jede noch so kleine Kooperation zu sehen und kurz zu bestätigen - die Wertschätzung ihrer Bemühungen motiviert sie und macht sie glücklich.

Ihr werdet feststellen, dass es nicht so leicht ist, Kinder quasi beim "Gut-Sein" zu "erwischen", weil unser Gehirn nicht darauf trainiert ist, scheinbar Normales zu registrieren. Nur Abweichungen vom Normalen (also die Situationen, in denen die Kinder sich weigern zu kooperieren) werden gesehen, weil sie für das Gehirn unerwartet und störend sind. Zusätzlich ist es für uns dann schwierig, spontan eine positive, aber nicht lobend-wertende Rückmeldung zu geben.

Eine sehr geschätzte Referendarin von mir holte mich einmal zur Hilfe in ihren Unterricht. Sie hatte einen Schüler, dessen Aufmerksamkeitsspanne nur sehr kurz war und welcher jede Stunde massiv störte. Sie wollte gern das "Catch them at being good" ausprobieren und bat mich, ihr dabei zuzuschauen.

Sie gab dem Jungen ein Arbeitsblatt, über das er sich sofort beugte und mit der ersten Aufgabe begann. Nach etwa einer Minute wurde er unruhig und schaute zu ersten Mal hoch und in der Klasse umher. Dann schaute er wieder auf das Blatt und begann die zweite Aufgabe. Sein Körper wurde immer unruhiger. Während der Arbeit hob sich schon der Po vom Stuhl, trotzdem schrieb er noch. Nach einer weiteren Minute war es dann vorbei: Er sprang auf und hüpfte durch die Klasse zu seinem Freund. In diesem Moment sagte die unglückliche Referendarin zu ihm: "Ich würde dir so gern ein Lob in dein Hausaufgabenheft einschreiben, guck ich habe den Stempel schon hier liegen. Aber dafür musst du an deinem Platz bleiben."

Natürlich ging der Junge nicht zurück an seinen Platz - im Gegenteil, er wurde lauter und streckte ihr die Zunge heraus und war für den Rest der Stunde kaum noch dazu zu bewegen, sich in irgendeiner Weise mit dem Unterrichtsstoff zu beschäftigen. Er hatte also nur knapp 5 Minuten gut gearbeitet und den Rest der Zeit zunehmend massiv gestört. Kein Wunder, dass die junge Lehrerin genervt war.

Kind schreibt in ein HeftIm anschließenden Auswertungsgespräch war die Referendarin sehr frustriert und meinte entschieden, dass das "Catch them at being good" bei ihrem Schüler ja offensichtlich versagt hatte. Ich antwortete: "Frau X, Sie haben es gar nicht angewandt." - "Aber ich habe ihm doch vor der Stunde gesagt, dass er einen Stempel bekommt, wenn er ruhig sitzen bleibt! Und in der Stunde habe ich in noch einmal daran erinnert. Ich wollte ihn wirklich, wirklich gern loben, aber es ging ja gar nicht!"

Euch als aufmerksamen Lesern wird sicherlich aufgefallen sein, dass es sehr wohl angemessene Reaktionen seitens des Schülers gab, die sie hätte dringend rückmelden sollen:
1. Er hatte sofort mit dem Arbeiten begonnen, als sie ihm das Arbeitsblatt gab: Rückmeldung: Kopfnicken in Richtung Schüler und ein freundliches "Du hast sofort begonnen, zu arbeiten." (Beim Kind kommt an: Ich sehe, dass du anstrengungsbereit bist und dich mit der Aufgabe beschäftigst.).
2. Nach einer Minute schaute er auf: Rückmeldung: In seine Blickrichtung stellen und ihm aufmunternd  lächelnd zunicken. (Beim Kind kommt an: Ich sehe, dass du konzentriert arbeitest. Ich freue mich mit dir über deinen Erfolg.)
3. Er schrieb weiter, Po schon angehoben: Rückmeldung: Hand leicht auf die Schulter des Kindes legen: "Ich sehe, dass du weiterarbeitest, obwohl du gern aufstehen möchtest. Du hast jetzt schon zwei Aufgaben geschafft. Reicht deine Kraft noch für Aufgabe 3?" (Beim Kind kommt an: Ich sehe, wie schwer es dir jetzt fällt und dass du bis an deine Grenzen gehst, um zu kooperieren. Entscheide, ob du eine kurze Pause brauchst.)
4. Er sprang auf  und lief in Richtung Freund: Hier kann man im Prinzip keine positive Rückmeldung geben, aber man kann seine Handlung verbalisieren, umlenken und ihn an seinen Erfolg erinnern: "Du scheinst eine Pause zu brauchen? Du hast jetzt 5 Minuten sehr konzentriert gearbeitet und zwei Aufgaben geschafft. Du kannst dich im Nebenraum kurz erholen. Ich bin sicher, danach schaffst du noch zwei Aufgaben!" (Beim Kind kommt an: Ich habe gesehen, wie hart du gearbeitet hast. Ich verstehe, dass du eine Pause brauchst und habe nichts dagegen. Ich glaube an deine Kraft, heute noch mehr Aufgaben zu schaffen, weil ich gesehen habe, mit wie viel gutem Willen du bisher dabei warst.)
Die Referendarin aber war auf diese vielen Kooperationsbemühungen nicht eingegangen, weil sie sie übersehen hatte und reagierte erst beim ersten Fehlverhalten des Kindes. Ihr Satz: "Ich würde dir so gern ein Lob geben, aber..." kam beim Kind natürlich nicht als positive Rückmeldung an, sondern klang nach: "Ich bin so eine liebe Lehrerin und würde dich wirklich gern loben, aber schon wieder schaffst du es nicht, dich soweit zusammenzureißen, dass ich dir den Stempel geben kann." Dass er nach einem solchen Satz nicht gewillt war, weiter zu kooperieren, ist, glaube ich, jedem klar. Er war kein Lob, sondern eine indirekte Rüge.

Natürlich ist das ein Extrembeispiel. Kein normal entwickeltes Kind braucht durchgängig drei positive Rückmeldungen in fünf Minuten. Dieser Junge ist jedoch nicht umsonst an einer Schule für sozial-emotionale Entwicklung - er hat zehn Jahre seines Lebens rückgemeldet bekommen, dass er sich nicht konzentrieren kann, er ein "Störer" ist und war deshalb von zwei Grundschulen geflogen.

Aber auch unsere Kinder profitieren davon, wenn man ihre Anstrengungsbereitschaft und ihren Kooperationswillen bemerkt und ihnen das zeigt. Das "funktioniert" auch gut bei erwachsenen Mitmenschen, wie Kollegen oder der Frau hinterm Postschalter. Versucht es mal - sobald ihr (ohne zu loben) einem anderen Menschen rückmeldet, dass ihr seine kleine freundliche Geste oder sein Entgegenkommen gesehen habt und ihr euch darüber freut, bringt ihr ein Lächeln in den grauen Alltag der Stadt.

Kooperation vorleben 


Eltern vergessen das gern, aber Kooperation bedeutet nicht nur, dass die Kinder daran mitarbeiten, die Ziele im Alltag gemeinsam und ohne Streit zu erreichen, sondern es eben auch von der Seite der Großen Zugeständnisse geben muss. Wenn ich es morgens eilig habe und alle meine drei Kinder ziehen sich in Windeseile an und wir kommen pünktlich los, dann haben sie ganz wunderbar kooperiert. Wir alle haben dann gemeinsam so zusammengearbeitet, dass mein Bedürfnis nach Pünktlichkeit erfüllt wird.

Habe ich es nicht eilig, dann ist es an mir, mich so zurückzunehmen, dass ihre Bedürfnisse am Morgen berücksichtigt werden. Das heißt, ich wecke sie so, dass sie zwar ausgeschlafen sind, aber noch ein wenig Zeit zum Spielen und Chillen haben. Ich richte mich dann nach ihnen, ob sie zuerst Hilfe beim Anziehen und dann beim Zähneputzen benötigen oder anders herum. Mir ist auch ziemlich egal, wo  und wann ich ihre Haare kämme - ob das noch im Bett ist, während sie einem Aufwach-Hörspiel lauschen oder ob das auf dem Kinderzimmerfußboden ist, während sie ein Duplo-Gebäude aufbauen, macht für mich keinen Unterschied. Für sie aber schon. Für sie ist es angenehmer, während des Haarekämmens spielen zu können, als im Bad auf dem Hocker zu sitzen und zum Nichtstun verdonnert zu sein, weil Mama unbedingt dort die Haare bürsten will. Zu unseren Kooperationsbemühungen am Morgen werde ich im Teil 3 der Serie mehr schreiben. Ich werde euch vier exemplarische Morgen bei uns in der Familie tagebuchartig aufschreiben, um aufzuzeigen, wie viel ich kooperiere und wie viel meine Kinder kooperieren.

Ich plane am Morgen auch mindestens zehn Minuten für das Hinunterlaufen der Treppen ein, da ich weiß, dass mein Sohn diese allein laufen will - in dieser Zeit haben die Mädchen die Möglichkeit, unten im Hinterhof mit Kreide zu malen, Blumen zu gießen oder mit Pfeil und Bogen auf eine Zielscheibe zu schießen.

Kind putzt Toilette
Ich lasse ihn im Kindergarten, während ich seine Schwestern in der Garderobe beim Umziehen begleite, im Bad stehen und mit der Klobürste die Toiletten saubermachen - weil er das spannend findet und ich keinen triftigen Grund habe, ihn davon abzuhalten. Wäre mir wichtig, dass er an einem bestimmten Tag sauber und trocken bleibt, würde ich  in Bezug auf das Toilettenspiel nicht kooperieren, aber an 9 von 10 Tagen ist dem nicht so.

Ich stehe auch, nachdem wir seine großen Schwestern im Kindergarten abgegeben haben, noch eine halbe Stunde vor dem Gebäude, weil es dort viele Steinchen gibt, die natürlich Tag für Tag sortiert werden müssen, obwohl ich eigentlich gern schnellstens in mein Lieblingscafé möchte, um mit dem Bloggen zu beginnen. Aber ich kooperiere, denn unsere Kinder lernen durch das Vorleben von Werten am allerbesten. Die Kooperationsbereitschaft wird maßgeblich erhöht, wenn Kinder die Erfahrung machen, dass andere (z.B. ihre Eltern) ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen gegenüber aufgeschlossen sind und diese, solange dabei nicht die Grenzen anderer Familienmitglieder verletzt werden, erfüllt werden.

Kurzer Einschub: Das heißt natürlich nicht, dass man möglichst jeden Wunsch des Kindes erfüllen sollte, damit es kooperiert. Ein Kind, das absolut jeden seiner Wünsche sofort erfüllt bekommt, wird sich für den Mittelpunkt des Universums halten und das Prinzip des Kooperierens nicht verstehen, weil es nie die Wünsche eines anderen berücksichtigen musste. Es ist schädlich für ein Kind, immer alle seine Wünsche erfüllt zu bekommen!

Ebenso schwierig wird es allerdings, wenn die Wünsche und Bedürfnisse eines Kindes kaum eine Rolle im Familienalltag spielen. Bestimmen Mama und Papa fast ausschließlich über die kindlichen Belange, erzeugt das vor allem Frustration. Kinder, die sich machtlos fühlen, sind kaum geneigt, in einer Situation, die Kooperation braucht, von ihren Wünschen Abstand zu nehmen und Kompromisse zu suchen, weil das für sie sonst auch niemand tut.

Der beste Weg, kontinuierlich die Bestrebungen zu Kooperation zu fördern besteht darin, so oft wie möglich "Ja!" zu sagen. Das Kind will Nudeln aus dem Glas statt vom Teller essen? Warum nicht? Das Kind will Winterstiefel im Hochsommer anziehen? Warum nicht? Es will heute auf dem Boden statt im Bett schlafen? Warum nicht! Fräulein Chaos hatte sich einmal ein "Bett" aus Kappla-Steinen gebaut und hat sage und schreibe drei Nächte hintereinander darauf geschlafen. Es sah nicht bequem aus, aber es war ihr Wunsch und es gab keinen Grund, sie davon abzuhalten.

Eine Freundin von mir fragte mich einmal verzweifelt, ob es okay wäre, dass sie ihre dreijährige Tochter beim Abendbrot unterm Tisch sitzen lasse, weil diese das so wolle. Ich fragte sie: "Ja, warum denn nicht?" Meine Freundin sagte, sie hätte Angst, dass sich das einbürgere und das Kind von da ab immer und überall unter dem Tisch essen wolle.

Ich konnte diese Angst natürlich verstehen. Dennoch: Unsere Kinder sehen doch, dass niemand von uns, von ihrer Familie, unter dem Tisch sitzt. Sie mögen ein momentanes Bedürfnis oder den Wunsch haben, unter dem Tisch zu essen (bzw. meine Töchter wollten eine Zeit lang am Tisch stehend essen, nicht auf dem Stuhl sitzen), aber ultimatives Ziel eines jeden Kindes ist, in seine soziale Umgebung zu passen. Der Wunsch nach Individualität kommt erst viel später (in der Pubertät), das heißt, wir können ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass solche Wünsche, wie unter dem Tisch zu sitzen beim Essen, nur eine Phase sind. Ein Ausprobieren von Möglichkeiten. Wir sollten uns diesem Experimentieren nicht aus Angst entgegenstellen, denn es verschwindet von ganz allein und hat keinen negativen Effekt.

Eltern sagen viel zu häufig "Nein" - zwar immer in guter Absicht, aber häufig vom Kind einfach nicht verstanden. Dabei ist es für alle insgesamt viel leichter, die Wünsche unserer Kinder nicht sofort abzulehnen, weil sie uns unsinnig erscheinen, sondern immer erst einmal zu fragen "Warum nicht?" Fallen uns wirklich wichtige Gründe ein, warum bestimmte Dinge nun gerade wirklich nicht gehen, dann ist ein "Nein!" auch vollkommen in Ordnung.

Aber in den aller-, allermeisten Fällen entspringt unsere Ablehnung aus Pauschalurteilen ("Das macht man doch nicht!") oder unserer eigenen Bequemlichkeit.

Mein Sohn möchte zum Beispiel morgens oft gern den Regenschirm mitnehmen. Wir brauchen ihn natürlich nicht - es scheint momentan die Sonne. Aber er liebt den Schirm und ich denke: "Warum nicht!?" Natürlich macht es mir mehr Arbeit - irgendwann muss ich den Schirm nämlich immer tragen. Ich könnte also aus Bequemlichkeit "Nein" sagen, weil es für mich eine Einschränkung bedeutet. Manchmal tue ich das auch, meist dann, wenn ich selbst viel Zeug mitnehmen muss. Aber oft nehmen wir den Schirm einfach mit und er ist glücklich. Wenn wir die Wünsche unserer Kinder aktiv abwägen, lernen sie von uns. Sie schauen sich unsere Grundhaltung des "Warum denn eigentlich nicht?" ab und übernehmen sie häufig.

Zwang vermeiden 


Kooperation fußt immer auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Ein Kind (oder Partner), der nur durch Druck dazu gebracht wird, mitzuarbeiten, kooperiert nicht, sondern gehorcht. Zwang hat, meines Erachtens, in einer guten Beziehung nichts zu suchen. Weder in einer Beziehung zu Kindern, noch in einer Beziehung zum Partner, noch in anderen Beziehungen.
Ich beobachte ab und zu Eltern, die ihre Kleinkinder auf dem Spielplatz sehr gut verbal darauf vorbereiten, dass die Spielzeit gleich vorbei ist und dann ein paar Minuten später ihr Kind hochheben und wegtragen, weil sie losgehen wollen. Selbstverständlich fangen diese Kinder dann (meist) höllisch an zu schreien und zu strampeln. Sie winden sich in den Armen oder werden ganz schlapp und gleiten aalgleich aus den elterlichen Händen. Den ganzen langen Weg hört man das Kind dann meist noch kreischen und zurück zum Spielplatz streben. Obwohl die Erwachsenen das Gehen angekündigt hatten, kooperieren die Kinder kein Stück. Was ist da los?

Ganz klar - die Eltern haben nicht abgewartet und deshalb Zwang ausgeübt. Sie haben das Gehen verbal angekündigt - gut so. Wenn die 5 Minuten dann aber um sind, sollten sie nicht einfach das Baby oder Kleinkind hochheben! Es ist wichtig, den Kindern Gelegenheit zu geben, freiwillig zu kooperieren. Ich stelle mich meist vor mein Kind und sage: "Sohn, ich möchte jetzt losgehen" und strecke ihm meine Arme entgegen. Oft genug reicht das schon und er steht auf und wirft sich in meine Arme.

Kind buddelt im BuddelkastenManchmal ist er aber noch nicht fertig. Vielleicht will er noch einen weiteren Stein in den Eimer legen oder eine Schippe Sand kosten - egal was, er ist noch nicht bereit. Dann wendet er sich ab, und spielt weiter. Ich warte dann kurz, wiederhole nach einer Minute noch einmal, dass ich los möchte. Ich übe aber keinen Druck aus, schon gar nicht sage ich: "Wenn du jetzt nicht kommst, gehe ich allein". Ich warte. Wenn er dann nämlich aufsteht und sich mir zuwendet (und ich habe noch nie länger als 5 Minuten darauf warten müssen), dann gibt es kein Geschrei oder Zappeln in meinen Armen. Er kämpft nicht den ganzen Nachhauseweg mit mir, denn ich habe sein Mitkommen nicht erzwungen.

Dass es manchmal Situationen gibt, in denen es nicht anders geht, als ein Kind grenzüberschreitend hochzunehmen und einfach wegzutragen, ist klar. Ich war einmal im Bus und merkte erst, als die Türen schon auf waren, dass ich eigentlich aussteigen musste. Also schnappte ich mir meinen Sohn, der gerade verträumt am Busfenster stand und rannte nach draußen. Er fand das natürlich nicht so prickelnd und war sauer - klar.

Ich würde ihn auch jederzeit von einer Gefahrenquelle wegreißen, um ihn zu schützen - körperliche Unversehrtheit geht natürlich vor. Jederzeit. Aber ich denke, ihr versteht, was ich meine: Ein Kind mag kein kleiner Erwachsener sein, aber es ist eine eigenständige Persönlichkeit und hat als solche das grundlegende Recht, selbst zu entscheiden, ob es kooperieren möchte oder nicht.
Mal abgesehen von "beschützender Machtausübung" (Ich verbiete dem Kind, Nüsse und Nutella zu essen, weil es eine Nussallergie hat. Ich entscheide, dass das Kind den Kindergarten wechselt, weil das für seine Zukunft wichtig ist. Ich lasse das Kind nicht entscheiden, ob es auf die Straße rennen möchte, oder nicht.) sollten wir versuchen, unser Kind nicht zu Kooperation zu zwingen. Denn je öfter ein Kind kooperieren muss (also eigentlich gehorchen muss), desto stärker wird sein natürlicher Kooperationswillen durch Unwillen überlagert und es werden im Gehirn die "falschen" Nervenbahnen verstärkt.

Zwang vermeiden - aber ist es okay, wenn Kinder dann einfach nicht mitmachen? 


Mir ist bewusst, dass dies der schwierigste Punkt ist - er wirft die Frage auf, ob es ok ist, wenn Kinder einfach nicht mitmachen. Ich muss zugeben, dass es genau diese Frage ist, die mich in Bezug auf meine Töchter gerade am meisten verunsichert. Denn ihnen habe ich die frühkindliche Kooperation leider aus Unwissenheit abgewöhnt. Sie durften nicht immer, wenn sie wollten, im Haushalt mithelfen, einfach auch, weil das für mich Mehrarbeit bedeutete. Nun habe ich den Salat. Sie räumen nicht gern auf und wenn sie in ihrem Zimmer basteln und malen, liegt hinterher alles breit gestreut in der Gegend rum. Oder wenn sie Bonbons essen, werfen sie das Papier manchmal achtlos auf den Boden, statt gleich in den Mülleimer. Argh!!! Das treibt mich in den Wahnsinn!

Was mache ich nun mit ihnen? - Erst einmal nichts. Das hier ist mein Problem, und gar nicht mal so sehr ihres. Ich finde es unschön, wenn ihr Zimmer chaotisch aussieht, sie selbst kommen damit gut zurecht. Sie stört es nicht. Ich erinnere mich, dass mein Zimmer als Kind ebenso unaufgeräumt aussah und das mich das ebenfalls nicht störte. Trotzdem ist aus mir ein halbwegs ordentlicher Mensch geworden. Allerdings räume ich wirklich ungern auf - es macht mir keinen Spaß. Daher bin ich sicher auch nicht das beste Beispiel für meine Kinder.... Ich mische mich also nicht versuche also, mich nicht in das Chaos ihres Zimmers einzumischen (und ja, das fällt mir manchmal schwer). Der Rest der Wohnung liegt in der Verantwortung von uns Erwachsenen. Sollte dort irgendwo ein Bonbonpapier auf dem Boden liegen, bitte ich das entsprechende Kind,  es aufzuheben und wegzuwerfen. Wenn das nicht sofort passiert (was öfter vorkommt), warte ich ab und wiederhole meine Bitte nochmal eine Minute später. Bisher bin ich mit dieser Taktik gut gefahren. Danielle wiederum löst das bei ihren Kindern so, dass sie klar die Aufgabe benennt (Papier aufheben), aber die Kinder entscheiden und sagen lässt, bis wann sie sie erledigt haben wollen (z.B. bis zum Abendbrot). Das klappt wunderbar - eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Zum Thema Aufräumen mit Kindern gibt es übrigens einen gesonderten Artikel bei uns.
Und während ich das schreibe, fallen mir zwei Situationen ein, in denen meine Töchter ihr Zimmer von ganz allein aufräumten. Die eine Situation war kurz vor Weihnachten, die Töchter waren 4,5 Jahre alt und wir hatten den Weihnachtsbaum gerade aufgestellt, aber bis auf die Lichterketten noch nicht geschmückt, weil ich einfach zu kaputt vom Tag war.

geschmückter Weihnachtsbaum
An diesem Abend entschieden sich meine Mädchen kichernd, dass sie nicht im Familienbett einschlafen wollen, sondern allein in ihrem Zimmer (sprich: sie wollten noch spielen). Ich hörte sie bis 23 Uhr rumoren (ohje!), dann ging das Licht aus, und es wurde still. Etwas später ging ich zu ihnen, um sie zu küssen und vielleicht noch einmal zuzudecken. Da sah ich, dass ihr gesamtes Zimmer tiptop aufgeräumt war und sie den Weihnachtsbaum mit selbst gebasteltem Schmuck zuckersüß geschmückt hatten!  Sie hatten sich Stühle zurechtgerückt, um auch an die oberen Äste heranzukommen. Daher kam das Rumoren, das ich gehört hatte. Ich schmolz innerlich dahin, das könnt ihr euch sicher vorstellen.

Die andere Situation war gerade erst vor ein paar Tagen. Auch hier räumten sie ihr Zimmer abends wieder "heimlich" auf, unter dem Vorwand, noch spielen zu wollen, während wir Eltern schon mal duschten und Zähne putzten. Das Zimmer vorher war wirklich ein heilloses Durcheinander und ich war dementsprechend echt überrascht, wie gründlich sie es in der kurzen Zeit aufgeräumt hatten.

Zwang vermeiden - schön und gut, aber das Leben ist nun einmal kein Ponyhof 


Ihr werdet vielleicht einwenden, dass es doch aber wichtig ist, dass ein Kind lernt, sich auch mal zu überwinden, wenn es keine Lust hat. Schließlich ist das Leben kein Ponyhof und in der Schule oder später bei der Arbeit kann es sich auch nicht nur die Sachen rauspicken, die es gern macht.

Meine Antwort darauf ist - stimmt, das Leben ist kein Ponyhof und oft werden sich unsere Kinder in ihrem Leben zu Dingen motivieren müssen, die sie eigentlich doof finden. Die Frage ist - wie bringen wir ihnen das am besten bei? Dass es wichtig ist, sich manchmal zu überwinden, weil es sich ultimativ lohnt?
Es gibt zwei Arten, das Kindern beizubringen. Die erste ist, darauf zu pochen, dass sie mithelfen, auch wenn sie keine Lust haben. Man kann das Ganze verschönern, indem man mithilft und Musik anmacht und ein Aufräumlied singt und das kann tatsächlich auch irgendwie ganz schön sein und manchmal macht das sogar so großen Spaß, dass die Kinder für einen Moment Lust am Aufräumen haben. Das ist dann perfekt.

Aber in der Quintessenz bleibt der Fakt, dass bei dieser Art in 90% der Fälle die innere Motivation fehlt und das Aufräumen so zu einem mehr oder minder unschönen Akt wird, der wieder und wieder durchgeführt werden muss. Dadurch mag ein Kind lernen, dass das Leben kein Ponyhof ist und man im Leben Aufgaben bekommt, die einem keinen Spaß machen und die man trotzdem machen muss. Aber das Ziel, ihm beizubringen, dass es sich lohnt, sich zu überwinden, um etwas Anstrengendes zu meistern, wird nicht erreicht. Eher pflanzt man so eine lebenslange Abneigung gegen Aufräumen.

Die zweite Möglichkeit ist, Zwang zu vermeiden und gutes Vorbild zu sein. Einfach selbst aufzuräumen, die Kinder bitten mitzuhelfen, aber nicht enttäuscht sein, wenn sie es nicht tun (ganz wichtig - eure innere Erwartungshaltung sollte tatsächlich neutral sein). Die Zeit spielt da in eure Hände, denn die Kinder werden immer älter und verständiger. Während meine Kinder mit 3,5 oder 4 Jahren noch meist auf dem Bett lagen und mir beim Aufräumen zuschauten (und ja, ich fand das doof), fassen sie jetzt, mit 5, ganz selbstverständlich mit an und helfen mir freiwillig. Weil sie verstanden haben, dass mir das Aufräumen Mühe bereitet und es schneller geht, wenn sie mithelfen. Weil sie verstanden haben, dass es mir Freude bereitet, wenn sie mithelfen. Weil sie verstanden haben, dass es sich schöner spielt in einem Zimmer, das aufgeräumt ist. Dieses Verstehen war aber ein langer Lernprozess, der eigentlich erst richtig einsetzen konnte, als sie meine Perspektive einnehmen konnten.

Wenn sich unsere Kinder dann überwinden und mithelfen, ist es aus innerer Motivation heraus und es baut sich keine innere Gegenwehr auf. Dann wird das "Sich-Überwinden" und das "Etwas tun, auch wenn man keine Lust hat" verknüpft mit der Freude darüber, dem anderen geholfen zu haben, Teil der Gemeinschaft zu sein und den "Lohn der Arbeit" (das aufgeräumte Zimmer) zu sehen. Langfristig gesehen halte ich das für den lohnenderen Weg, denn dann fällt es ihnen auch in der Schule oder auf der Arbeit leichter, sich für dröges Vokabelpauken zu motivieren - einfach, weil es in ihrem Gehirn positive Verknüpfungen mit dem Sich-Überwinden gibt.

Dieses Warten darauf,  dass bei unseren Kindern der Verstehensprozess einsetzt, ist ein schwerer Weg, weil einem immer wieder von außen eingeredet wird, dass man sich so Kinder heranzieht, die immer den leichteren Weg wählen werden und daher im Leben nicht bestehen können. Es ist schwer, hier seine eigenen Zweifel abzulegen und zu vertrauen. Denn es gibt sie natürlich, die egoistischen Kinder - ich denke, wir haben alle schon welche von dieser Sorte getroffen.

mehrere gebaute SandburgenLetztens saß ich beispielsweise auf dem Spielpatz neben einer Mutter mit ihrem etwa achtjährigen Kind. Der Sohn stand die ganze Zeit neben der Mutter und gab (herrische!) Anweisungen, wie sie seine Sandburg bauen solle. Und die Mutter baute. Eifrig. War dem Jungen etwas nicht genehm, wurde es sogleich wieder eingerissen und neu gebaut. Ich traute meinen Augen nicht, aber es war tatsächlich so. Die erwachsene Frau kniete im Sand und buddelte, während das Kind untätig daneben stand. Da ich nur diese eine Situation zwischen beiden beobachten konnte, weiß ich natürlich nicht, ob der Sohn tatsächlich immer so agiert. Vielleicht war es eine Art Spiel zwischen ihnen. Ich fand es nur wirklich schade, dass hier eine tolle Möglichkeit für Kooperation vergeben wurde : Hätten sie beide gemeinsam gebuddelt und gegenseitig Anweisungen gegeben, was wohin gebaut werden soll, hätte es dem Jungen vermutlich mehr genützt, als sein tatenloses Anweisen. 

Und hier ist der Punkt, an dem der Weg, Zwang zu vermeiden und ein gutes Vorbild zu sein, total schief laufen kann. Aus falsch verstandener Liebe nämlich. Wenn man, weil man Zwang vermeiden möchte, seine eigenen Grenzen nicht mehr klar kommuniziert, sondern diese immer wieder von anderen überschreiten lässt, weil man denkt, das wäre bedingungslose Liebe, dann zieht man in der Tat egoistische, unkooperative Tyrannen heran. Es ist unabdingbar, immer die eigenen Grenzen klar zu kommunizieren und sich nicht aus Angst, die Liebe des eigenen Kindes zu verlieren, immer seinem Willen zu beugen. Sollte eure Grenze also beim Aufräumen liegen, dann solltet ihr in diesem Punkt einen anderen Weg wählen, als ich.  Zu dem wichtigen Unterpunkt "Klar sein" schreibe ich übrigens weiter unten noch mehr.

Zwang vermeiden - vor allem bei persönlichen Bereichen des Kindes 


Ich versuche also weiterhin, Zwang zu vermeiden, vor allem bei Dingen, die ihren eigenen Bereich/ihren eigenen Körper betreffen. Wollen sie keine Jacke anziehen, ziehen sie keine Jacke an. - Ich nehme aber eine mit, falls sie sich umentscheiden. Ich habe sie niemals dazu angehalten, auf Toilette zu gehen, z. B. vorm Losgehen oder in der ersten windelfreien Zeit. - Ich mache sie aber darauf aufmerksam, wenn wir eine lange Zeit mit der Bahn fahren und dort keine Toilette sein wird. Ich mache keine Vorschriften, wie viel ein Kind zu essen hat. - Ich achte aber darauf, dass das Essen, welches ich anbiete, gesund ist.

Es ist nicht so, dass es mir leicht fiel, ihnen von Anfang an diese Autonomie zu geben. Ich hatte im letzten Herbst etliche Kämpfe mit Fräulein Chaos, weil sie unbedingt weiterhin nur in Sandalen und Flatterkleidchen herumlaufen wollte, obwohl es schon empfindlich kalt wurde (hier habe ich ausführlicher darüber geschrieben). Ich hatte irgendwie immer im Hinterkopf, dass ich doch die Mutter sei, die entscheiden müsse, was gut für die Kinder ist.

Mich schlauchten diese Kämpfe aber so - sie störten unser Miteinander und verpesteten jeden Tag die Luft. Bis es endlich bei mir Klick machte. Ich kann gar nicht für sie entscheiden - Mutter hin oder her - weil es nicht mein Körper ist. Ich mag von außen sehen können, dass ihnen kalt ist, ich mag am Grad der schlechten Laune erkennen, dass sie hungrig sind oder an der Blase, dass die Schuhe drücken. Ich mag ihnen ansehen, dass sie pullern müssen. Aber  es ist ihr Körper und sie müssen lernen, all diese Zeichen selbst zu deuten. Sie müssen Eigenverantwortung übernehmen und ich muss ihnen vertrauen. Denn es ist wichtig, dass ein Kind auch mal in die Hose macht, um selbst zu merken, wie viel Fassungsvermögen seine Blase hat und zu erkennen, wann es "zu spät" ist, um es noch auf die Toilette zu schaffen. Es ist wichtig, dass es lernt, dass Schuhe nicht unbedingt die Eiskönigin aufgedruckt haben müssen, sondern zu aller erst einmal gut passen müssen.

Und erst, wenn ihre Entscheidung wirklich frei ist, also auch ohne heimlichen Druck  (z. B. wenn ich sie ohne Jacke gehen lasse, weil ich denke, sie ziehen sie bei der Kälte sowieso bald an und dann aber innerlich sauer werde, wenn sie es nicht tun), ist der Weg frei für die echte Kooperation. Druck - auch heimlicher- verursacht immer Gegendruck. Ich habe das im letzten Jahr am eigenen Kind erfahren. Es ist wirklich immens wichtig, dass ihr, wenn ihr euren Kindern die Wahl lasst, wirklich keine heimliche Agenda im Hinterkopf habt. Gerne lassen Eltern ihre Kinder zum Beispiel im Schlafanzug in den Kindergarten gehen, weil sie hoffen, dass sie dort von den anderen ausgelacht werden. Das ist wirklich ein absolutes No-Go! Man kann aber sein Kind darin unterstützen, im Schlafi in den Kindergarten zu gehen, wenn das der ehrliche Wunsch des Kindes ist. Dann muss man aber hinter der Entscheidung des Kindes stehen und es darin bestärken, seinen Weg zu gehen, auch wenn andere den seltsam finden.

Kind mit Schirm und Gummistiefeln in PfützeIch weiß, was ihr jetzt sagen wollt. ich weiß es, weil ich das vor einem Jahr ebenfalls im Kopf hatte. Ihr möchtet mir entgegnen, dass es ja nicht nur das Kind betrifft, wenn es im Herbst oder Winter keine Jacke anzieht. Denn wenn es dadurch krank wird, dann müsst ihr ja zuhause bleiben und es pflegen. Es ist euer (möglicher) Verdienstausfall und es sind eure Nerven, während das Kind relativ glücklich im Bett liegt, Hustenbonbons lutscht und Heidi guckt. Ja, das stimmt. Daran gibt es nichts zu rütteln - es betrifft auch euch, wenn euer Kind krank wird und deshalb wäre es besser, wenn es sich dem Wetter entsprechend kleiden würde.

Nun kommen meine "Aber" zu diesem Punkt: Erstens ist bei uns noch nie der Fall eingetreten, dass sie krank wurden, weil sie sich falsch kleideten. Ich muss ehrlich zugeben, dass der Instinkt meiner Kinder, was das Wetter angeht, besser ist als mein Aus-dem-Fenster-und-auf-die Wetter-App-Gucken. Denn ich war schon etliche Male zu kalt oder zu warm angezogen (meist zu warm), aber meine Töchter nie. Selbst, wenn es nach Regen aussah und ich in Regenjacke losstiefelte, brach nach spätestens zehn Minuten die Sonne durch und meine Töchter in ihren Kleidchen waren perfekt angezogen, während ich fluchend meine Jacke tragen musste.

Zweitens können Kinder nicht richtig lernen, wie der Zusammenhang zwischen Kleidung, Wetter und Krankheit ist, wenn wir ihnen andauernd vorgeben, was sie anzuziehen haben. Wenn ihnen nie zu kalt ist - wie sollen sie dann die Notwendigkeit einer Jacke erkennen? Erst, wenn sie selbst verstanden haben, dass eine Jacke vor Kälte und ultimativ vor Krankheit schützt, werden sie sie freiwillig und ohne Zwang anziehen - und ihr müsst nicht mehr wegen kranker Kinder zuhause bleiben. Das bedeutet aber, dass sie das Ganze erst einmal mindestens einmal durchmachen müssen. Sie diesen Zusammenhang lernen zu lassen ist jedoch meines Erachtens einfacher, als jeden Tag darum zu kämpfen, dass sie sich ordentlich anziehen.

Kindern Zeit lassen 


Ich konnte einmal beobachten, wie ein (mir bekannter) viereinhalbjähriger Junge seinem Freund aus Quatsch auf dem Spielplatz den Spielbagger wegnahm und damit herausfordernd herumrannte. Der Freund reagierte wie gewünscht: Er rannte jammernd hinterher und wollte den Bagger wieder haben. Als das nichts half, wandte er sich an die Mutter des Wegnehmers. Diese reagierte ziemlich cool, wie ich fand: Sie rief ihrem Sohn zu, er solle im Gesicht seines Freundes nachforschen, ob er dort Freude an dem Spiel erkennen könne.

Der Wegnehmer guckte tatsächlich zu seinem Freund, hörte aber zunächst nicht mit dem Herumrennen auf, er gab den Bagger auch nicht prompt zurück, sondern versuchte noch ein paar Minuten lang, seinen Freund zu diesem "lustigen" Spiel zu überreden. Nach etwa fünf Minuten (die  mir allerdings vorkamen, wie eine Ewigkeit), ging ein kleiner Ruck durch den wegnehmenden Jungen. Er hielt an, guckte zu seinem Freund und fing gerade an, die Hand mit dem Bagger zu heben. Er wollte ihn tatsächlich freiwillig zurückgeben.

Ich sah es, seine Mutter sah es und die Mama des Baggerbesitzers sah es auch. Leider nicht eine Nachbarin, die die Szene beobachtet hatte. Sie stürzte, als er anhielt, auf den Jungen zu und entriss ihm den Bagger gerade in dem Moment, als er ihn zurückgeben wollte, mit den Worten: "Hast du nicht gehört? Du sollst den Bagger zurückgeben!"

Das war natürlich gut gemeint von ihr. Trotzdem hatte sie ihm durch ihre (körperliche) Einmischung die Chance genommen aus dem Grund heraus freiwillig zu kooperieren, weil er erkannt hatte, dass er damit einem anderen Kind Unbehagen beschert hatte. Seine Empathie, seine Fähigkeit, Gefühle bei anderen zu erkennen, sein moralisches Verständnis, sein Selbstbildnis als Kind, das sich für "das Richtige" entscheidet - all das hätte in diesem Moment wachsen können, wenn sie ihm noch eine halbe Minute mehr Zeit eingeräumt hätte.

Deshalb ist mein Appell an euch: Wenn ihr von euren Kindern Kooperation erwartet, dann gebt ihnen ein bisschen Zeit, sich für das Richtige zu entscheiden. Steht kein Druck hinter eurer Bitte nach Mitarbeit, sondern echte Freiwilligkeit, werden sie oft (nicht immer) nach einem kurzen Moment des "Gesicht-Wahrens" doch mitarbeiten.

Das "Gesicht-Wahren", also diese kurze Zeit des Zögerns, ist ihnen aber wichtig, weil sie damit zeigen, dass sie ein eigenständiger Mensch mit eigenen Gedanken sind. Ihr könnt das sicher nachvollziehen - auch wir Erwachsenen kooperieren nicht immer sofort. Werden wir zum Beispiel gebeten, den Müll weg zu bringen oder den Abwasch zu machen, dann stürzen wir uns nicht sofort auf diese Aufgabe, sondern beenden erst einmal das, was wir gerade tun. Manchmal bringen wir den Müll erst eine halbe Stunde später hinaus, weil wir dann sowieso losgehen und uns das zeitlich besser passt.

Sicher, bei "akuten" Situationen greifen wir sofort zu, z. B. wenn wir eine Mutter mit Kinderwagen sehen, die an einer Treppe steht und Hilfe braucht. Aber das ist eben ein Lernprozess, den wir damals, als wir Kinder waren, auch erst einmal durchlaufen mussten. Genauso geht es unseren Kindern. Geben wir ihnen also die Zeit.

Vertrauen in Kinder haben 


Das Vertrauen, von dem ich hier spreche, hat viel mit der Macht der inneren Erwartungshaltung zu tun, die ich im ersten Teil der Kooperations-Serie beschrieb. Wir müssen lernen, unseren Kindern ganz selbstverständlich zu vertrauen. Wir müssen darauf vertrauen, dass sie sehen können, wie sich die Menschen in ihrem sozialen Umfeld verhalten und das sie dieses Verhalten annehmen werden, früher oder später, einfach, weil sie eine angeborene Tendenz dazu haben, sich sozial zu verhalten.

Dementsprechend wird es in vielen Fällen ganz und gar unnötig, zu erziehen. Es reicht, den Kindern soziales Verhalten vorzuleben. Wenn ihr selbst höflich Bitte und Danke sagt, alten Menschen in der Bahn euren Platz anbietet, einer Mutter helft, den Kinderwagen die Treppe hochzutragen oder jemandem die Tür aufzuhalten, der gerade etwas schweres trägt.

zwei Schippen im SandIch hatte zu dem Punkt einmal ein sehr erhellendes Erlebnis mit meinen Töchtern. Sie waren damals noch klein, etwa 14 Monate alt. Sie hatten die Angewohnheit, Dinge nicht zu übergeben, sondern dem anderen Menschen einfach zuzuwerfen. Wenn sie also der Oma einen Baustein bringen sollten, liefen sie auf sie zu und warfen den Stein dann aus etwa einem Meter Entfernung in ihre Hände. Ihr könnt euch vorstellen, dass das völlig inakzeptabel war. Ich war ziemlich verzweifelt, da nichts, was ich probierte, sie wirklich davon abhielt. Ich übte mit ihnen immer wieder das Übergeben und immer, wenn sie wieder geworfen hatten, wiederholte ich gebetsmühlenartig, aber freundlich: "Bitte übergib es vorsichtig!"

Irgendwann saß ich mit ihnen im Buddelkasten, es war ein schöner Nachmittag und ich hatte einen leckeren Kaffee neben mir stehen. Etwa drei Meter von mir entfernt buddelten die Töchter. Neben mir lag eine Schippe, die Fräulein Ordnung gerne haben wollte. Sie streckte ihre Hand danach aus und bedeutete mir, ich solle sie ihr bringen. Da ich ziemlich geschafft war, wollte ich nicht aufstehen, also nahm ich die Schippe und warf sie vorsichtig in den Sand vor ihr, damit sie sie sich selbst nehmen konnte. Als die Schippe ordnungsgemäß dort landete, wo ich sie haben wollte, hatte ich plötzlich die Lösung für unser "Wurf-Problem". Ich war die Ursache dafür, dass sie immer alles werfend übergaben!

Plötzlich schossen mir hunderte kleine Begebenheiten in den Kopf, in denen ich meinen Kindern vorsichtig etwas vor die Füße geworfen hatte, weil ich gerade zu faul war, aufzustehen. Da ich 20 Jahre Handball gespielt habe, ist mein Werfen so präzise, wie es nur sein kann, d. h. ich hatte die Gegenstände immer sanft vor sie hingeworfen und natürlich auch nur aus nächster Nähe. Aber ich hatte geworfen - nicht übergeben. Meine Töchter verhielten sich gar nicht anti-sozial. Sie hatten mich nur kopiert und ich hatte es nicht kapiert!

In dem Moment, in dem ich aufhörte, ihnen Sachen zuzuwerfen, fingen sie dann übrigens an, Dinge sanft zu übergeben, so dass die Oma und andere Freunde nicht mehr mit einem Loch im Kopf rechnen mussten. Sollten eure Kinder also (noch) nicht Bitte und Danke sagen oder andere gesellschaftliche Regeln verinnerlicht haben, guckt, wie es mit diesen Punkten bei euch (und anderen wichtigen Erwachsenen) steht. Könnt ihr reinen Gewissens sagen, dass ihr immer vorbildlich agiert, dann liegt das (noch) anti-soziale Verhalten vielleicht am Alter eurer Kinder oder an ihrer Schüchternheit oder Verträumtheit. Dann gebt ihnen Zeit, macht ihnen vor, wie es richtig geht und vertraut darauf, dass sie es übernehmen werden.
Ich weiß, dass dieser Punkt derjenige ist, an dem es zu vehementen Diskussionen mit Anhängern eines Michael Winterhoff oder Bernhard Bueb kommt. Die beiden Autoren behaupten ja weiterhin standhaft, dass unsere Kinder nur durch von Eltern konsequent anerzogenen Tugenden wie Disziplin und Gehorsam zu glücklichen Menschen werden. Gerade Bueb wird nicht müde, allen, die es hören wollen, zu erklären, dass der Mensch eine "gefallene Natur" ist, und gut und böse in sich vereint. Deshalb muss ihm aus Buebs Sicht geholfen werden, das Gute in sich zu stärken und das Böse in Zaum zu halten.
Ich möchte diese Diskussion an dieser Stelle hier nicht aufgreifen oder ausweiten, Ihr wisst, dass es mein Standpunkt ist, dass Kinder von Natur aus gut sind und ihr gesellschaftlich inadäquates Verhalten immer einen Grund hat. Trotzdem stimme ich den beiden insoweit zu, als dass ein Erwachsener, wenn er in einer Beziehung mit Kindern lebt (als Elternteil, Kindergarten-Erzieherin, Lehrerin etc.) deutlich seine persönlichen Grenzen aufzeigen muss, damit ein Kind verstehen lernt, dass die Freiheit des einen da aufhört, wo die Freiheit des anderen anfängt und eine Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn sich jeder aus Rücksicht ein Stück zurück nimmt. Diese wichtige Lehre lernt ein Kind zwar durchaus auch über Disziplin und Gehorsam, aber eben nicht exklusiv. Ich werde das im nächsten Unterpunkt ausführlich aufzeigen.

Klar sein 


Die Ureinwohner Yequana, über die ich im ersten Teil der Kooperations-Serie schon schrieb, sind absolut klar in ihrer Erwartungshaltung Kindern gegenüber. Es liegt ihnen absolut fern, irgendjemand zu etwas zu zwingen oder auch nur überreden zu wollen, dennoch gehen sie mit vollster Überzeugung davon aus, dass ein Kind, das eine Anweisung erhält, etwas für die Gemeinschaft zu tun bzw. etwas zu unterlassen, dies sofort ausführen wird - ohne, dass dafür eine drohende Strafe im Hintergrund stehen muss.
Diese volle Überzeugung, das Vertrauen, ist uns leider abhanden gekommen und wir strahlen keine Klarheit mehr aus, wenn wir von unseren Kindern etwas verlangen. Ein gutes Beispiel ist vielleicht das Weglaufen. Es ist in unserer Gesellschaft nicht unüblich, dass kleine Kinder vor ihren Eltern wegrennen. Meist kichern sie dabei, nicht selten rennen sie kopflos auf die Straße. Und obwohl ich mir sehr sicher bin, dass die Eltern 100% nicht wollen, dass ihre Kinder weglaufen und auf die Straße rennen, scheinen sie es nicht klar auszustrahlen. Die innere Unsicherheit darüber, ob das Kind gehorcht, wirkt im Unbewussten auf das Kind.
 "Eines der seltsamsten Ergebnisse des verlorenen Glaubens an das Kontinuum ist die Fähigkeit von Erwachsenen, Kinder dazu zu bringen, dass sie vor ihnen weglaufen. Nichts könnte dem Kontinuumherzen eines Babys näherliegen, als der Wunsch, in unvertrautem Gebiet nahe bei seiner Mutter zu bleiben. Bei allen mit uns verwandten Säugetieren sowie auch Vögeln, Reptilien und Fischen folgen die Jungen, und solches Verhalten liegt eindeutig in ihrem Interesse. Ein Kleinkind der Yequana würde es sich nicht im Traum einfallen lassen, sich auf einem Waldweg von seiner Mutter zu entfernen, denn sie blickt nicht um sich, um festzustellen, ob es wohl folgt, sie gibt ihm nicht zu verstehen, dass es eine mögliche Wahl gebe oder dass es ihre Aufgabe sei, sie zusammenzuhalten; sie verlangsamt lediglich ihren Schritt so weit, dass es mithalten kann. [...] Ihr Verhalten zeigt ihm [...], wann immer sie auf es warten muss, weil es gefallen ist,[...] dass sie weiß: das Kind wird nicht länger brauchen, als ohne Druck notwendig ist, bis sie gemeinsam ihren Weg fortsetzen können. Ihre Annahme über seinen angeborenen Sozialtrieb wirkt zusammen mit seinem Bestreben, zu tun, was es als ihre Erwartung erkennt. [...] Und doch: trotz unserer millionenjährigen Vorgeschichte und des beständigen Beispiels unserer Tiergefährten sowie immer noch einiger unserer Mitmenschen haben wir es fertig gebracht, unsere Kleinkinder zum Weglaufen zu bewegen. [...] Ein einfacher Vorschlag wie "Geh nicht hin, wo ich dich nicht sehen kann" mit einem Beiklang von Besorgnis (Erwartung) geäußert, verursacht viel Verkehr in Sammelstellen für verlorengegangene Kinder, und, wenn noch ein Versprechen beigemischt wird wie "Pass auf, du wirst dir weh tun!", auch noch eine ganze Reihe von Ertrinkungsunfällen, ernsten Stürzen und Verkehrsunfällen dazu" [Liedloff, J., 1998: 115ff].
Dieses "klar sein" ist ein wenig schwammig in seiner Bedeutung, oder? Ich werde versuchen, es mal mit einem Beispiel zu erklären.

Denkt einmal zurück an den Tag, als euer Kind euch das erste Mal darum bat, an eurem Kaffee, eurer Cola oder eurem Bier nippen zu dürfen oder an eurer Zigarette zu ziehen. Das "Nein", das ihr damals ausgesprochen habt, war ganz bestimmt so klar, dass euer Kind das nicht in Frage stellte und nie wieder nachhakte. Es war einfach definitiv keine Option offen - und das habt ihr ausgestrahlt.

Bei anderen Dingen dagegen, bei denen ihr euch nicht sooo sicher wart (Darf das Baby ein Stück vom Kuchen? Kann das Kleinkind die Sahne vom Kaffee schlecken? Kann das Kind eine zweite Kugel Eis essen?) klang euer "Nein" nicht definitiv genug und prompt fragten eure Kinder immer wieder nach. Denn sie spüren, dass es da noch Verhandlungsspielraum gibt, sie spüren, dass ihr nicht klar seid. Wenn ihr also innerlich sicher darüber seid, was genau ihr wollt, dann wirkt das mächtiger auf eure Kinder, als alles Reden dieser Welt.

Das gilt eben auch für das Weglaufen - ihr mögt euch sicher sein, dass ihr nicht wollt, dass euer Kind weg- oder auf die Straße läuft. Aber ihr strahlt keine Sicherheit darüber aus, dass ihr definitiv wisst, dass es das nicht tun wird.

Das ist kein Vorwurf meinerseits, bitte versteht mich nicht falsch. Ich führe euch nur das Dilemma vor Augen, in dem die heutige Elterngeneration steckt. Wir müssen die innere Gewissheit (wieder)erlangen, dass wir  einerseits als Erwachsene in der Beziehung zu unseren Kindern die Verantwortung und den Weitblick haben und andererseits unsere Führung ohne Strafen und Konsequenzen von unseren Kindern anerkannt werden wird. Da uns das in der Kindheit niemand vorgelebt hat (unsere Eltern agierten ja vornehmlich mit drohenden Strafen), fällt uns dieser Glaube so verdammt schwer, während die Yequana die Frage "Und was tust du, wenn deine Kinder nicht das machen, was du sagt?" vermutlich nicht einmal verstehen würden.

Kind läuft auf der StraßeWir müssen also lernen, klar zu sein, innerlich wie äußerlich. Damit geben wir unseren Kindern die Verhaltenssicherheit, die andere Erziehungsratgeber über die "logischen Konsequenzen" erreichen. Es ist ein "Ich erwarte, dass du das tust, was ich von dir möchte, weil ich dir sonst ein Privileg entziehe und ich weiß, dass du das nicht magst." versus "Ich gehe 100% davon aus, dass du das tust, was ich von dir möchte, weil ich weiß, dass du von Natur aus kooperieren willst".

Es ist das Vertrauen darin, dass unsere Kinder mit naturgegebenen Tendenzen, sich sozial zu verhalten, geboren werden und man diese nicht anerziehen muss. Es ist auch die Sicherheit, dass es normal und altersgemäß ist, wenn Kinder mal nicht gesellschaftstauglich agieren. Nur, wenn ihr euch dieser Punkte sicher seid, werdet ihr dieses Vertrauen auch  ausstrahlen. Und diese Ausstrahlung wirkt dann auf eure Kinder. Sie spüren das Vertrauen  und eure Sicherheit. Ihr werdet für sie "klar lesbar". Zweifelt ihr an euren Erziehungskompetenzen oder zweifelt ihr an, dass Kinder tatsächlich kooperieren wollen, werden auch eure Kinder unsicher und verlaufen sich.

Ich weiß, es ist leichter gesagt, als getan, weil wir selbst nicht so aufgewachsen sind, aber meine Bitte ist: Vertraut euren Kindern. Sie kennen ihren Weg.

Miteinander reden 


Jeden Tag, seit eure Kinder geboren wurden, strengt ihr euch als Eltern unglaublich an, um die Erziehung, die ihr selbst genossen habt und die eurer Bauchgefühl bestimmt, zu überwinden. Jeden Tag wachst ihr über euch selbst hinaus. Jeden Tag kostet das euch eine Menge Kraft und nicht selten verzweifelt ihr, wenn ihr in euren Augen mal wieder "doof" reagiert habt. Jeden Tag beginnt ihr neu - für eure Kinder.

Leider würdigen das eure Kinder oft nicht, oder? Sie reagieren trotzdem ungehalten, sie schreien, sie meckern, sie weinen, sie motzen. Sie kooperieren nicht. Manchmal verweigern sie ihre Mitarbeit aus purem Trotz. Sie sehen eure Anstrengung gar nicht, es anders zu machen, als eure Eltern. Sie sind kein bisschen dankbar, dass es bei euch in der Familie anders läuft, als in vielen anderen Familien. Ist das nicht voll fies?

Nein, ist es nicht. Denn eure Kinder wissen gar nicht, wie sehr ihr euch anstrengt. Sie wissen nicht, wie es in anderen Familien läuft oder wie Oma und Opa damals erzogen haben. Sie wissen nicht, wie es wäre, wenn ihr nicht jeden Tag neu den Kraftakt angehen würdet, bedürfnis- und beziehungsorientiert zu erziehen.

Mutter kuschelt mit KindSie nehmen einfach das, was jeden Tag bei euch in der Familie passiert, als wahre Liebe an. Weil sie keine anderen Alternativen dazu kennen. Jedes Kind wird mit dem Bewusstsein geboren, dass seine Eltern es bedingungslos lieben werden - das ist in unserem menschlichen Organismus so eingraviert. Wenn diese bedingungslose Liebe Schläge beinhaltet, dann nehmen Babys und Kleinkinder diese als gegeben hin. Es muss wohl so sein, wenn es von den Eltern kommt. Genauso nehmen sie eure Güte und Selbstlosigkeit einfach als gegeben hin - das muss wohl so sein, wenn es von den Eltern kommt. Euer Verhalten in den ersten drei Jahren definiert ihre Ansicht von Liebe, und damit auch ihre späteren außerfamiliären Beziehungen. Aber euer Verhalten wird für eure Kinder niemals ungewöhnlich sein, und daher auch nicht bemerkens- oder dankenswert. Ihnen ist schlicht und ergreifend nicht klar, wie viel Glück sie mit euch haben.

Deshalb ist es wichtig, mit ihnen darüber zu reden. Nicht als Drohung ("Sei froh, dass du mich hast! In anderen Familien hättest du schon längst den Hintern versohlt bekommen, wenn du so frech bist!"), sondern einfach als Verbalisierung einer Situation. Wenn ihr euch also die Zeit nehmt, euer Kind Steinchen aufsammeln zu lassen, obwohl ihr eigentlich lieber weitergehen möchtet, dann sagt das so: "Du möchtest hier so gern noch sammeln und ich möchte gern weitergehen. Na gut, ein bisschen Zeit haben wir ja noch. Dann warte ich hier, bis du fertig bist."  Wenn ihr seht, dass euer Kind es nicht schafft, allein aufzuräumen, dann könntet ihr sagen: "Das Aufräumen fällt dir schwer. Na, komm, dann helfe ich dir. Zu zweit ist es einfacher und geht schneller." So macht ihr eure Kinder aufmerksam auf eure Kooperationsbemühungen, welche sie sonst vermutlich übersehen hätten. So helft ihr ihnen auch, ihren Blick zu schärfen und legt einen guten Grundstein dafür, dass sie später bei ihren eignen Kindern das "Catch them at being good" nicht erst mühevoll erlernen müssen.

Das miteinander Reden beinhaltet bei etwas älteren Kindern auch die gewaltfrei kommunizierte Bitte nach Kooperation. Es ist nämlich keine Schande, zuzugeben, wenn man als Erwachsener in einer Situation in der Sackgasse ist, weil das Kind sich absolut weigert, mitzuarbeiten: "Okay, ich merke, dass du das jetzt wirklich nicht willst. Mir ist aber wichtig, dass heute aufgeräumt wird. Ich kann und möchte dich nicht zwingen, aufzuräumen, weil ich Zwingen nicht für richtig halte. Im Kindergarten darfst du das nächste Mal nicht mitspielen, wenn du das Aufräumen verweigerst. Ich finde diese Lösung für uns zuhause nicht gut.  Aber damit das ohne Zwingen klappen kann, brauche ich deine Kooperation. Wir müssen einen Kompromiss finden, der für uns beide okay ist. Du kommst mir entgegen und ich komme dir entgegen. Wie, meinst du, kann das Aufräumen klappen?"

Es ist immer wieder überraschend, wie kreativ Kinder dabei sein können, Kompromisse zu finden und wie einfach diese Lösungen dann manchmal sind. Ist es nicht möglich, sofort einen Konsens zu erzielen, werden die gesammelten Möglichkeiten gemeinsam bewertet und zusammen eine Entscheidung getroffen. Gerade wenn es sich eher schwierig gestaltet, einen Kompromiss zu erzielen, kann es sich anbieten, vorläufige Ergebnisse zu akzeptieren. Die Alterative mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner wird umgesetzt und nach einem bestimmten Zeitablauf bewertet. Das geht natürlich noch nicht mit einem Zweijährigen. Aber etwa um den Zeitpunkt herum, an dem ein Kind lernt, die Perspektive eines anderen einzunehmen, kann man damit durchaus beginnen. Dieser Meilenstein wird mit etwa 4 Jahren erreicht, einige Kinder können es auch schon mit 3,5 Jahren.

Oft mache ich meine Kinder auch auf Situationen aufmerksam, in denen Fremde gerade kooperieren oder Kompromisse finden. Ich sitze gern auf dem Spielplatz auf der Bank, manchmal gesellt sich dann eine meiner Töchter zu mir. Früher haben wir bei solchen Bank-Gesprächen über die Emotionen in den Gesichtern der anderen gesprochen, heute beobachten wir eben soziale Situationen. Dabei ist mir auch aufgefallen, wie wichtig das Spielen in einer altersgemischten Kindergruppe für das Erlernen von Kooperation ist.

In Kindergruppen frei spielen 


Altersgemischte Kindergruppen sind ein wahrer Nährboden für Kooperation und es ist äußerst schade, dass heute kaum noch solche Gruppen frei durch das Wohngebiet streifen. Wenn ich beobachte, wie einander fremde Kinder zusammenarbeiten, um auf dem Wasserspielplatz einen großen Damm oder Kanal zu bauen ("Du musst da graben. Und ich baue hier die Wand." - "Hey, ich brauche hier mehr Matsch, bring den mal her!" - "Noch nicht das Wasser fließen lassen - wir sind hier noch nicht fertig." - "Es bricht durch, wir brauchen mehr Matsch, schnell!"), dann muss ich neidlos anerkennen, dass Kinder im Spiel anderen Kindern viel, viel mehr über Kooperation beibringen können, als jeder Erwachsene.

Selbst, wenn sie einfach nur zusammen wippen wollen, kann das eine Kind sich nicht einfach auf die Wippe setzen, weil dann das andere Kind nicht auf seinen Platz kommt. Nein, das erste Kind muss sich erst einmal halb auf seinen Sitz setzen, so dass die Wippe in etwa waagerecht steht und das andere Kind hinaufgelangen kann. Dann müssen sie gemeinsam einen Rhythmus finden, damit das Wippen Spaß macht. Sie müssen gegenseitig herausfinden, wie doll sie wippen können, ohne, dass der eine Angst bekommt oder dem anderen langweilig wird. Und auch beim Absteigen ist wieder Kooperation gefragt, denn wenn einer einfach abspringt, tut der andere sich weh. 

Es gibt auch wunderbare kooperative Spiele, die Kinder miteinander spielen können, wenn es draußen regnet . Das bekannteste ist vermutlich Obstgärtchen* von HABA. Hier spielen die Mitspieler gegen einen Raben, der die Kirschen vom Baum stehlen möchte. Es ist eine enge Zusammenarbeit erforderlich, um ihn davon abzuhalten. Im Laufe des Spiels werden Karten umgedreht - die Motive müssen sich alle Beteiligten merken, um am Ende Erfolg zu haben - Vorsagen ist natürlich erwünscht. Auch hier sehen Kinder: nur gemeinsam schaffen wir es, unser Ziel zu erreichen.

Ausblick

In Teil 3 der Artikelserie werde ich tagebuchbloggen und zeigen, wie die Morgen im Hause Snowqueen so ablaufen. Dabei geht es nicht darum, ob ich es "gut" oder "schlecht" mache, sondern einzig und allein darum, euch zu zeigen, wie viel ich kooperiere und wie viel meine Kinder kooperieren. Der Text ist also zu verstehen als Ergänzung zum Unterpunkt "Kooperation vorleben" hier aus Teil 2 der Artikelreihe. Anschließend werde ich euch dann bewährte Tipps und Tricks für typische Probleme (nicht Anziehen wollen, die Treppe nicht allein laufen wollen, Dinge vom Tisch werfen, Weglaufen etc.) aufzeigen, mit deren Hilfe die Kooperationsbereitschaft ein wenig erhöht werden kann.

© Snowqueen

Literatur




Kommentare:

  1. Wunderbare neue Serie in meinem Lieblingsblog. Als Mutter einer fast 2 - jährigen Tochter freue ich mich schon auf die Zeit, wo ich sie selbst nach Alternativen fragen kann. Im Moment gestaltet sich das bei Themen wie "Wie wollen wir verhindern, dass dir noch tausend Sachen einfallen bevor du schlafen kannst" oder "Wie kann ich dir behutsam begreiflich machen, dass du einfach nicht vorn sitzen kannst im Auto" oder ähnlichen Situationen noch etwas schwierig. Habt ihr da im nächsten Teil vielleicht auch für die ganz Kleinen ein paar erste Anregungen, als Vorstufe sozusagen?
    Liebe Grüße
    Jenny

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    1. Liebe Jenny, ist gut, ich überlege mir was für dein Problem. Wird dann in Teil 4 erscheinen.

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    2. Ihr seid so fantastisch, dieser Blog ist im Vergleich zu vielen anderen so fair und familiär... das kann man gar nicht oft genug gutheißen

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  2. Hallo, unser Sohn ist nun 1,75 Jahre alt und ein aufgewecktes fiffiges Kerlchen. In einem Punkt treibt er uns aber regelmäßig zur Weißglut. Am Tisch sitzend wirft er regelmäßig Besteck und alle Art von Speisen auf den Boden. In einem anderen Artikel haben wir zur Geburt unseres Sohnes gelesen, das es völlig normal ist. Test zur Schwerkraft, und welches Geräusch macht welcher Gegenstand wenn er zu Boden fällt etc. alles Verstanden und akzepiert. Aber so langsam könnte der Dauertest mal enden und alles was auf dem Tisch liegt auch auf der Ebene bleiben oder im Mund landen. Es handelt sich dabei aber nicht nur um Dinge die er nicht haben möchte (die Schnitte, weil er schon satt ist) sondern auch sein Nuckel, welches er runter wirftund dann traurig ist und weint weil er es gerade nicht hat. Das wird dann von uns aufghoben und ihm gegeben. Wie sollten wir uns verhalten um dem Problem langfristig abhilfe zu schaffen und er in dem Punkt kooperiert? Viele Grüße, Marlene

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    1. Liebe Marlene, das Problem hatte ich bei meiner ersten Tochter aus. In Teil 4 werde ich ausführlich erklären, wie ich es gelöst habe. Hier nur kurz: Es klappt mit dem 'Catch them at being good'. Denn IMMER wirft er ja nicht, manchmal bleibem Teller, Besteck und Nuckel ja auch oben. Da könnt ihr dann ansetzen.
      LG, snowqueen

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  3. Irgendwie grübel ich jetzt seit eurem Artikel über die tägliche Zubettgehsituation nach. Bei vielen Dingen kamen mir nach eurem Artikel mal wieder andere Ideen - zum Beispiel möchte unsere fast 2-jährige früh sehr viel lieber spielen statt sich anzuziehen. Ich habe sie jetzt schon ein paar Mal bereits in Hemd und Strumpfhose für den nächsten Tag schlafen lassen. So muss ich ihr früh "nur noch" die Hose schmackhaft machen. Funktioniert ☺ aber das mit dem Zubettgehen ist das klassische Problem: "Trinken!","AA" (kommt dann auch erstaunlich oft nochmal ☺, "Mama streicheln" ... wir haben das Gefühl wir gehen auf all das ein, aber anscheinend ist ihr das Zubettgehen selbst nach wie vor so unangenehm dass sie alles tut um es heraus zu zögern. Hättet ihr aus eurer Sicht andere Anregungen? Sie schlief auch sehr lange mit bei uns im Bett, allerdings dort irgendwann so unruhig, dass sie seitdem wieder direkt neben uns in ihrem Bett schläft. Ich denke das Problem kennen viele Eltern und wären über eure Meinung dazu sehr dankbar ��

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    1. Die Idee mit dem Schlafen lassen in den Klamotten für den nächsten Tag finde ich sehr gut! (Habe ich auch schon gemacht.)

      Über euer Zubettgeh-Problem muss ich länger nachdenken. Da wir einschlafbegleiten, haben wir dieses Problem nicht. Aber das gibt es ja häufiger. Über dieses Hinauszögern klagen ja viele Eltern.
      LG, snowqueen

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  4. Danke für eure tollen Artikel zur Kooperation. Ich habe erst gestern morgen wieder erfahren, dass mein Kind gerne kooperiert. Sie (20 Monate) hat sich in der Küche schon den Schlafbody ausgezogen, während sie den Küchenschrank ausräumte (den von mir ausdrücklich erlaubten mit den Tupperdosen, ein Heidenspaß für sie). Ich sagte "du kannst gerne in der Windel herum rennen wenn du das magst, aber bringst du den Body dann bitte in dein Zimmer?". Sie machte weiter mit Schrankausräumen als hätte sie mich nicht gehört. Als sie dann nach ca. 3 Minuten die Tupperdosen in eine für sie logische Reihenfolge gebracht hatte, nickte sie merklich und machte ein Geräusch das klang wie "so, fertig" und brachte dann den Body weg. Sie legte ihn sogar über ihr Bettgitter!
    Mein Mann saß während der Zeit am Tisch und frühstückte. Ich hätte von ihm ja auch nicht erwartet, sofort aufzustehen und seine Klamotten wegzuräumen, sondern hätte ihn gefragt, ob er es nach dem Frühstück machen kann.
    Ich bin froh dass ich euren Blog gefunden habe während mein Baby gerade kam, sonst hätte ich mich vielleicht auch dem "Disziplin-Diktat" strenger unterworfen.

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  5. Vielen Dank! Bin schon auf die nächsten Teile gespannt.
    Mein Sohn ist zwar echt noch klein (6 Monate), aber er kann schon super kooperieren! Vor dem Artikel ist mir das zwar aufgefallen, hab dem ganzen aber gar nicht diese Bedeutung beigemessen.
    Heute durfte ich ihm die Fingernägel schneiden. Wach! In meinem Schoss sitzend. Erst drei Finger der rechten Hand, er hat ganz still gehalten. Dann brauchte er ne Pause. Dann wieder einen. Und so haben wir alle 10 FInger geschafft :-)
    Wickeln und Anziehen findet er grad ganz blöd. Sitzen aber ist toll. Also mache ich alles, was geht im sitzen. So klappts meistens ganz gut auc wenn es ein bisschen länger dauert.
    Für all das hab ich jetzt mehr ein Auge.

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  6. Was für eine gute Erinnerung und Inspiration! Danke. Ich werde mir wieder mehr Zeit und Geduld nehmen.

    Ich habe allerdings eine Frage: Meine Tochter ist 16 Monate und HASST Zähne putzen. Bzw sie hasst eigentlich nur, dass wir ihre Zähne putzen. Sie fand gefüttert werden mit dem Löffel auch immer uncool, so dass wir einfach Fingerfood gemacht haben und sie durfte zusätzlich selber löffeln üben. Mittlerweile übt sie sogar mit richtiger Gabel und einem (ziemlich stumpfen) Messer.

    Auch die Zahnbürste wird eifrig in den Mund gesteckt und darauf rumgekaut. Alle Versuche aber, ihr zu zeigen, wie man die Zähne auch tatsächlich putzt, werden wütend abgewehrt. Ein paar Mal haben wir sie schon einfach zwischen die Beine geklemmt und unter größtem Protest und wütenden Tränen die Zähne geputzt. Ansonsten haben wir natürlich schon alles probiert: Gegenseitig putzen angeboten, andere Zahnbürsten (wir haben 8!!!), elektrische Zahnbürste, vor dem Fernseher (hat 4x funktioniert), eine Handpuppe, vor dem Spiegel...etc etc... Sobald ihr jemand im Mund fuhrwerkt, hört bei ihr der Spaß auf.

    Ich würde das gerne respektieren, schließlich ist es ihr Mund. Aber die Zähne müssen geputzt werden. Ist es besser, sie nach wie vor kauen zu lassen und darauf zu hoffen, dass mit der Zeit einfach mehr Skills dazukommen? Und darauf zu hoffen, dass der Karies einfach nicht sooo schnell kommt? Oder schnappen und zwangsputzen und riskieren, dass sie Zähne putzen für immer megadoof findet?

    DANKE!

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    1. Liebe Snowqueen,

      vielen Dank für diese Reihe. Gerade im 2. Teil habe ich wieder viel dazugelernt! Ich bin sehr froh, dass es euch gibt!

      Zum Zähneputzen: Wir hatten auch eine notorische Zahnputzverweigerin. Bis vor wenigen Wochen haben wir mehr schlecht als recht ihre Zähne NACH dem Einschlafen mit einem Baumwolltuch geputzt. Seitdem ich ihr aber das mit dem Karies erklärt habe (sie ist jetzt 22 Monate alt), ihr viele "Beweisfotos" gezeigt habe und von Beispielen aus ihrer Umgebung berichtet habe, klappt es sehr gut. Jetzt will sie sich jeden Abend Kariesfotos anschauen, wir reden viel darüber und putzen nebenbei die Zähne.

      Ach ja, wir achten natürlich darauf, dass sie nur wenig Süßes trinkt (also auch Obstsaft). Da bei der Zahngesundheit auch Vererbung eine Rolle spielt (meinte meine Zahnärztin), hat uns das etwas beruhigt und wir haben sie nie gezwungen.

      Liebe Grüße
      TaoTao

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    2. Liebe Suky, an dem gleichen Punkt bin ich gerade mit meinem 1,5 Jahre alten Sohn. Wobei, nein, er lässt sie sich oft freiwillig putzen, aber manchmal eben auch gar nicht. Das ist natürlich ein Problem, denn Zähneputzen muss sein. Meine Töchter habe ich damals noch ein paar Mal gezwungen, aber sie werten sich derart massiv, dass ich mir vorkam, als würde ich sie vergewaltigen. Ja, so krass war das. Nie wieder werde ich ein Kind zum Zähneputzen festhalten.

      Mein Zahnarzt sagt, ein Mal putzen in 24h ist das Minimum, alles, was mehr geputzt wird, ist natürlich besser. Also rücke ich 3x am Tag mit der Zahnbürste an und je nach seiner Verfassung darf ich gründlich, kurz oder gar nicht putzen. Das akzeptiere ich so. Wenn ein neuer Zahn kommt, darf ich oft nicht putzen, dann lasse ich ihn nur auf der Bürste kauen, aber meist kommen wir auf 1x gründlich putzen in 24h. Richtig gut funktioniert es, wenn ich ihm unbekannte Lieder vorsinge, weil er sich dann darauf konzentriert.

      Bei meinen Töchtern wurde es ab 2 besser, da haben wir während des Putzens Pixi-Bücher vorgelesen.

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    3. Hi,

      wir hatten das Problem auch. Es begann bei uns auch ungefähr in dem Alter. Wir haben dann beschlossen, sie nicht zum Zähne putzen zu zwingen, da sie schon beim Gang ins Bad in panisches Geschrei ausgebrochen ist. Mir ist das Zähne putzen einfach zu wichtig, als dass ich möchte, dass sie Panik davor hat. Nach unseren Zwangsputzungen (die übrigens nur mit zwei Erwachsenen zu bewältigen waren) hat sie dann eine Weile gar nicht geputzt. Dann hat sie auf den Bürsten rumgekaut, immer früh und abends. Bei der Tagesmutter wurden dann auch mittags die Zähne geputzt. Und mit knapp drei Jahren kam sie dann von selbst an und wollte, dass wir ihr die Zähne putzen. Ihre Zähne sind bis jetzt auch noch Karies frei, und wir dürfen jetzt schon seit 9 Monaten nachputzen...

      Das war jetzt mal nur ein Erfahrungsbericht, vielleicht hilft er ja ein bisschen...

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    4. Ich möchte auch noch kurz etwas dazu sagen: Mein Sohn fand Zähneputzen auch immer recht schrecklich. Irgendwann habe ich mir gesagt: Es sind "nur" Milchzähne - wenn er die zweiten Zähne bekommt, wird er sicher sehr viel vernünftiger sein.

      Bei uns den wirklich endgültigen Durchbruch brachten tatsächlich auch die Bilder von hochkariösen Zähnen - die müssen ihn wirklich geschockt haben! Seitdem wird gründlich geputzt und ich werde sogar zum Nachputzen aufgefordert. Das kam zwar erst mit 3,5 Jahren - aber die Zähne sind trotz 2 Jahre (nächtliches Stillen) und eher mäßiger Zahnputzfrequenz sehr gut.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    5. Da bin ich aber froh, dass wir nicht als einzige das Problem haben -.- Meine Tochter ist 10 Monate und da führt irgendwie kaum ein Weg rein. Nicht mit Fingerlingen, nicht mit Bürste, nicht mit Zahnpasta, nicht mit Singen (obwohl...da zumindest für gefühlt 2sek). Ächz :( Ich putze auch immer vor ihr, aber hab das Gefühl, dass sie noch nicht ganz begreift, dass eine brummende Elektrozahnbürste und ihre manuelle Kinderzahnbürste das gleiche ist. Seufz.

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    6. Für alle Eltern mit Zahnputzverweigerern wollte ich als Alternative mal Xylit zB in Form von Bonbons in den Raum werfen. Ein paar Studien zu karieshemmenden Wirkung von Xylit finden sich im Link unten. Wem die Zusammenstellung der Studien im Link möglicherweise nicht objektiv genug ist, kann sich ja noch weitergehend informieren. Eine Möglichkeit sind bspw Xylitbonbons die man kaufen oder selber machen kann. Ich persönlich würde Xylit nicht als Zuckerersatz einsetzen, glaube aber an die kariesreduzierende Wirkung und nutze es dementsprechend. Wir haben kein zahnputzverweigerndes Kind und putzen darum mit Xylit-Zahncreme die Zähne. Hätte ich ein sich sträubendes Kind, würde ich lieber auf Bonbons als auf Gewalt zurückgreifen.

      http://www.xylit-xylitol.de/quellen-und-links.html

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    7. Wir hatten das Problem auch mit dem Zähne putzen. Wir haben es auch zuerst mit gut Zureden, dann mit Gewalt probiert. Abgesehen dass Gewalt uns widerstrebt und uns auch das Gefühl gab, sie zu vergewaltigen, hat es nicht zum Ziel geführt. Was am Schluss geholfen hat, war folgendes: Wir haben ihr jeweils beim Zähne putzen erzählt, was wir gerade wegputzen. Die Tomaten vom Nachtessen oder die Schokolade des Desserts. Seit wir ihr so im Spiel erklären, wozu das Zähne putzen gut ist, kooperiert sie fast immer. Btw: sie war damals knapp zwei Jahre alt.

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  7. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich dachte eigendlich das ich mein Kind bedürfniss orientiert erziehe. Mir ist aber völlig entgangen das mein Kind wirklich mitmachen will. Morgens sind wir zuhause nie ohne streit losgekommen. Auf dem rückweg das gleiche. Seit 2 Tagen gebe ich ihm jetzt einfach die zeit, und siehe da er macht mit!

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  8. Hallo,

    erst einmal vielen Dank für die Mühe die ihr euch mit eurem Blog macht. Ich empfehle ihn schon seit der Anfangszeit gern und oft weiter, inzwischen bin ich dabei auch schon auf Mütter gestoßen, die euch schon kannten. Ihr sprecht mir aus der Seele und bestätigt mich das Richtige zu tun auch wenn die Umwelt das manchmal anders sieht. Dank eurer schlagkräftigen Argumente konnte ich auch schon viele zum Nachdenken anregen.
    Mein Sohn ist knapp 2.5 Jahre alt und wirklich lieb und kooperativ. Viele Probleme die ich bei Freundinnen sehe haben wir nicht, einfach auch weil wir anders mit ihm umgehen. Ab und zu gibt es aber doch das Problem des Weglaufens, natürlich rennt er nicht wirklich weg aber er reagiert sowohl mit Laufrad als auch zu Fuß nicht auf STOP. Dieses Wort wird bei uns nicht inflationär gebraucht sondern nur in wirklich wichtigen Situationen und ist auch nicht verhandelbar. Mal klappt es lange Zeit gut dann garnicht. Ich würde mich sehr freuen wenn ihr hier in Teil 4 noch mal auf die Problematik eingehen würdet. Ich kann mich doch nicht umdrehen und ihn laufen lassen, er ist dabei schon auf die Straße gerannt. Wie gesagt bei uns ein seltenes aber regelmäßig vorkommendes Problem mit dem ich sicher nicht allein dastehe.
    Ich freu mich schon auf die Fortsetzung und bin froh dass es euch gibt.
    Liebe Grüße Lotta20

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    1. Hallo,

      zum Thema Weglaufen möchte ich kurz anmerken, dass unsere Kinder uns manchmal auch gar nicht hören können. Wenn die Kids weglaufen/wegfahren und wir von hinten rufen, dann kommt der Schall von der falschen Seite an die Ohren und ist so viel leiser. Außerdem kommen dann noch Straßengeräusche und/oder die Geräusche des Laufrades dazu. Der Helm schirmt auch noch mal ab. Und die Kids sind auf andere Sachen konzentriert als auf unser Rufen.
      Überlegt mal, wenn ihr von hinten gerufen werdet, wie lange ihr braucht, bis ihr das bemerkt...

      Bei uns ist die Lösung, dass wir vor dem Loslaufen/Fahren eine Markierung ausmachen (Verkehrsschild, parkendes Auto, vor der nächsten Straße...), wo dann zu halten/warten ist. Mit positiver Bestärkung nach Kooperation klappt das so gut, dass ich meinen 4,5jähren problem- und sorglos mit den Rad vorfahren lasse (gut, er wechselt manchmal haarscharf vor Fußgängern die Wegseite, weil das Schild halt auf der anderen Seite ist, aber daran arbeiten wir noch ;o))

      Alles Liebe,
      Nadine

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    2. Danke für deinen klugen Kommentar. Deine Lösung für das (immeshrsten Sinne des Wortes) Problem mit dem 'Hören' finde ich sehr gut. LG, snowqueen

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    3. Ich weiß, dass ich meinem Kind trauen soll (so weit ahbe ich den Artikel verstanden). Oder besser darauf vertrauen soll, dass das Kind tut was ich sage. Mein Zwerg 19 Moante alt, steht immer sehr knapp an der Kante der Treppe während ich die Tür absperre. Wohl ist mir dabei nicht, wenn er von oben die 20 Stufen runterpurzelt kann er sich so richtig weh tun. Er ist schon mal die halbe Treppe runtergekullert, als er sie hoch gelaufen ist während ich mich nach meiner Tasche gebückt habe. Seitdem hängt mein Vertrauen in der Hinsicht. Was tue ich da am besten? Als er damals runter gekullert ist, war ich mir sicher, dass er nicht ohne mich lostiegert, es ging bis dahin auch gut, aber ihc weiß jetzt, dass er alleine runterfallen kann und ich weiß dass er nicht zwingend auf mich wartet, das mach es schwer "fest" zu sein.

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  9. Wieder einmal ein toller Artikel. Lediglich der Vergleich mit den Yequana hinkt etwas finde ich. Im Wald, fernab der Zivilsation, ist man denke ich auch in Deutschland nicht ganz so achtsam ob das Kind nun vom Wege abkommt oder nicht, weil schlichtweg nicht viel passieren kann. Wie ihr bereits in einem anderen Artikel geschrieben habt, können Kinder super mit Natur umgehen und die Gefahr von einem Wolf gerissen zu werden ist verhältnismäßig gering. Auch im Dschungel ist die Anzahl der Raubtiere verhältnismäßig gering und solange diese nicht komplett ausgehungert sind, werden Menschen auch gemieden.

    Was nicht ganz so super ist, sind die vielen Autos in der Stadt, die man auch als Erwachsener falsch einschätzen kann. Wie oft ich mittlerweile schon beinah umgekachelt worden wäre, nur weil Menschen denken "Ah grüner Pfeil, da kann ich drüber fahren" oder "Hach, ich hab grün, dann brause ich mal um die Ecke weil da haben die Fußgänger ja rot" -.- Gerade mit Kind guckt man dann nochmal 2 mal mehr und ist selber schon verunsichert ob man gehen kann oder nicht.

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    1. Das mit dem Wald vs Strasse hab ich auch gedacht :).

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    2. DANKE für die Antworten! Ich hatte auch das Gefühl, ich würde sie mit dem Zwangsputzen regelrecht mouth-rapen. Urgh. Wir lassen sie jetzt erleichtert kauen, probieren es in ein paar Wochen noch mal mit dem Fernseher und ansonsten setzen wir auf die Routine im Kindergarten (der leider bei uns erst in einem Jahr startet) und DANN kommt die Keule mit den Karies-Bildern :). Herzlichen Dank euch, ich fühle mich gleich besser!

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    3. Spannend - ich stelle mir einen Dschungel offenbar viel gefährlicher vor, als ihr. Ich habe da Schlangen und Skorpione und reißende Bäche vor Augen, aber es kann natürlich sein, dass meine Vorstellung da völlig daneben liegt. Trotz alledem sollte ein Yequana Kind möglichst nicht so bummeln, dass es den Anschluss an die Erwachsenengruppe verliert, oder nicht in eine völlig andere Richtung gehen (es sei denn, es ist alt genug, den Rückweg selbst zu finden).

      In jedem Fall: Ja, Autos sind saugefährlich und leider nicht im kindlichen Gehirn verankert als gefährlich. Daher müssen wir Eltern sehr wachsam sein. Mir ist auch schon mehr als einmal passiert, dass ein Auto noch schnell über die Kreuzung bretterte, obwohl wir Fußgänger schon Grün hatten.

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  10. Danke für diesen tollen 2. Teil.

    Eine Frage hab ich dann auch noch zum Thema Klogang vor Ausflügen: Wie machst du das dann, wenn dein Kind doch in der Bahn muss? Wir haben hier ein ähnliches Thema, dass mein Sohn (4,5 Jahre) ungern vor einem Ausflug auf's Klo will (kann ich ja auch verstehen, wenn er nicht muss), aber dann halt auf dem Spielplatz muss und das zur Zeit voll toll findet mit dem Draußen pinkeln. Nur ich halt nicht, zumal er auch wirklich schon lange anhalten kann. Ich erklär ihm auch, was mich daran stört. Er hat auch schon fertig gebracht, sich beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt an den nächsten Baum zu stellen...
    Wie soll ich da jetzt weitermachen? Hoffen, dass er irgendwann einsichtig wird? Zum Anhalten zwingen und zur Not einpullern lassen (also immer Wechselwäsche mitschleppen)?

    Liebe Grüße,
    Nadine

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    1. Liebe Nadine, also in der Bahn halten sie das Pipi dann wirklich so lange an, bis wir aussteigen. Als sie kleiner waren, hatte ich immer eine Not-Windel dabei. Ein einziges Mal musste ich sie auch rausrücken, da ich unbedingt in der Tram bleiben musste und eine der Töchter aber sonst in die Hose gemacht hätte. Draußen lasse ich sie übrigens pinkeln (im Gebüsch), das sehe ich nicht so eng. Was genau stört dich daran? (Also bei erwachsenen Männern finde ich an den Baum pinkeln doof, bei Kindern finde ich es normal.) Auf dem Wochenmarkt, oh weh. Nee, da hätte ich wohl auf einen Baum weiter weg verwiesen. Einpullern würde ich deinen Sohn nicht lassen, das fände ich gemein. Ich glaube, dieser Punkt ist für dich, was für mich das Aufräumen von meinen Töchtern ist: Die Chance, zu entspannen und ihm zu vertrauen, dass er sehen kann, dass es gesellschaftlich gewünscht ist, wenn man das Klo nutzt und nicht den Baum. Er wird das lernen - wenn du keinen Druck aufbaust.

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    2. Hallo,

      danke für die Antwort. Genau das ist der Knackpunkt: Ich finde es doof, wenn Männer und auch ältere Kinder draußen rum pinkeln und frag mich halt, wann man da die Grenze zieht. Zumal ich weiß, dass mein Sohn echt lange aushalten kann (der geht ca. 3x am Tag auf's Klo) und ich weiß, dass er es voll cool findet, draußen zu pinkeln *augenroll* ;o) Zumal wir von unserem Spielplatz keine 3 Minuten nach Hause brauchen und er das schaffen würde. Aber frag nicht, was da für ein Theater losgeht, wenn ich diesen Vorschlag mache (inkl. dem Angebot, wieder zurück zu kommen)...
      Ich werde mich jetzt in Zurückhaltung üben, aber trotzdem drauf hinweisen, dass ich (und andere Menschen) es nicht so schön finden, wenn wild in der Gegend rumgepinkelt wird...

      Alles Liebe,
      Nadine

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  11. Eigentlich schöner Aktikel. Nur der Abschnitt mit der Klarheit kekst mich etwas an. "Ihr schafft es, dass eure Kinder vor euch davonlaufen " das ist gemein und falsch interpretiert. Meine Tochter läuft nicht davon weil ich nicht klar genug von ihr erwarte, dass sie mir folgt. Sie sieht etwas und will HIN um es näher zu untersuchen weil sie neugierig ist. Sie erwartet, dass ich sie beschütze. An einer Hauptverkehrsstraße laufe ich nicht mit 100% sicherheit, das meine 18 Monate alte Tochter mir schon folgen wird los. Die nätürlichen Konsequenzen im Urwald fallen da auch nur eventuell etwas milder aus.
    Es ist auch ein Bedürfniss von Kindern Beschützt zu werden. Kinder möchten uns Erwachsene auch mal wütent und traurig sehen, damit sie einen Umgang mit ihren " negativen" Emotionen vorgelebt bekommen.
    Das kann auch ein Grund sein warum Kinder nicht kooperativ sind.
    Negative Emotionen sind nicht böse.
    "Weil esmich nervt" ist eine legitime Antwort auf " Warum nicht?"

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    1. Ich kann verstehen, dass dich das Zitat 'ankekst', es ist in der Tat sehr provokativ formuliert. Meine Ergänzung dazu war ja, dass das kein Vorwurf meinerseits ist, sondern das Dilemma der heutigen Elterngeneration. Wir können schlichtweg in einigen Dingen nicht klar sein, weil wir nicht vorgelebt bekommen haben, darauf zu vertrauen, dass Kinder von Natur aus das machen werden, was wir ihnen sagen.

      Ich sage auch nicht, dass ICH besonders klar bin. Auch meine Kinder tun Dinge, die ich nicht möchte und die ich eigentlich anders formuliert habe. Ziemlich viele sogar.

      Ich schreibe nirgendwo, dass negative Emotionen böse sind. Wenn du öfter in unserem Blog liest, wirst du gesehen haben, dass wir in unseren Artikeln betonen, dass es wichtig ist, dass Kinder alle Arten von Emotionen durchleben dürfen.

      Ja, eine legitime Antwort auf 'Warum nicht?' wäre 'Weil es mich nervt.' 'Warum darf mein Kind nicht 100x den Knopf der Singenden Elsa-Puppe drücken? - Weil es mich nervt!' Klarer Fall von persönlicher Grenze. Allerdings darf diese Antwort nicht zu oft gegeben werden, denn dann bist du ganz schnell bei viel zu vielen Neins. Warum darf es nicht unterm Tisch beim Essen sitzen? - Weil es mich nervt. Warum darf es nicht 10 Minuten Steine sortieren, obwohl ich losgehen will? - Weil es mich nervt. Warum darf es nicht die Gummistiefel statt der Sandalen anziehen? - Weil es mich nervt. Das wäre dann keine besonders bedürfnisorientierte Erziehung. Aber so meintest du es sicher auch nicht. Liebe Grüße, snowqueen

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    2. Ich bin eine sehr treue leserin und empfehle den Blog sogar regelmäßig weiter. Ja Kinder dürfen alle Arten von Emotionen durchleben doch wie sieht es deiner Meinung nach mit Erwachsenen aus?
      Ich darf auch sauer und wütent werden. Ich werde auch sehr wütend wenn meine Tochter mit Essen rumwirft. Das zeige ich ihr dann auch und lasse sie das Essen wieder aufheben. Hat für mich. Etwas mit autentisch sein zu tun. Wenn Kinder verstehen können, dass sie etwas nicht tun sollen und es trotzdem tun dann erwartensie auch eine entsprechende Reaktion. Klar kann man verständnisvoll sein wenn es einfach gerade viel durchmacht oder besonders Kooperativ war. Doch man muss nicht immer Verständnisvoll sein.
      Ich finde autentische Reaktion sehr wichtig.
      Alles kein Vorwurf an dich/ euch ich finde den Blog echt toll und lese ihn sehr gerne. War wärend meiner Dauerstillsesions eine sehr gute Lektüre.
      Ich schreibe leider nicht so gut.

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  12. Danke für die Reihe zu diesem Thema! Ich hatte in der Nacht vor Artikel 1 noch mit meinem Bruder über unsere unterschiedlichen Erziehungsstile diskutiert. Tags darauf kam Artikel 1 und ich konnte ihn tatsächlich damit erreichen! Leider sind sie dennoch Vertreter der Erziehung zum Gehorsam. Und immer diese Konsequenz!
    Aber eigentlich wollte ich etwas fragen: Ich finde dieses Beispiel interessant, wo dem Kind die Chance gegeben wird, die Gefühle des anderen Kindes zu erkennen und entsprechend zu handeln. Aber wie verhält man sich in solch einer Situation als Eltern von jüngeren Kindern, vor dem Meilenstein der Empathie?

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    1. Bevor das Kind die Perspektive eines anderen einnehmen kann, würde es ja einen Gegenstand nicht wegnehmen, um explizit den anderen zu ärgern. Denn das geht ja nur, wenn es versteht, dass das Wegnehmen für den andere blöd ist, d.h. wenn es aus dem Blickwinkel des anderen auf die Situation sehen kann. In einem jüngeren Alter nehmen Kinder eher weg, weil sie den Gegenstand unbedingt haben wollen (ohne den Hintergrund des Ärgerns). Ich bin da eine große Verfechterin des "Selber-regeln-lassens" unter Kindern und ich würde mich mit der anderen Mutter kurzschließen, ob es okay ist, wenn wir erst einmal gucken, ob die Kids es alleine geregelt bekommen. Wenn die andere Mutter das nicht will, würde ich meinem Kind sagen, dass der Gegenstand dem anderen Kind gehört und es ihn gern zurückhaben möchte. Dann würde ich abwarten. Oft zieht sich das Warten ellenlang, weil unsere Kinder in dem Dilemma gefangen sind, den Gegenstand nicht hergeben zu wollen, aber unserem Wunsch Folge leisten zu wollen. So kommt es zu einem "Einfrieren". Nichts geht mehr, sie stehen starr dar. Toll wäre, wenn die Kinder dann Zeit bekämen, das innere Dilemma selbst zu lösen. Oft muss man aber wegen Drucks von außen dann doch eingreifen. Schön finde ich das nicht, aber so ist es nun einmal.

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    2. Und wie sieht es da aus bei Kindern von 0-3 Jahren die andere Kinder beißen, kratzen und Hauen. Mein Sohn ist regelmäßig Opfer solcher Angegriffe und die Mutter hat wirklich keine Strategie oder Idee damit umzugehen. Empathie ist noch nicht vorhanden und es wirkt oft wie ein innerer Zwang die Kinder zu Verletzten. Die Grenzen der Mutter und meines Kindes sind definitiv überschritten aber ein Nein wirkt wie Schall und Rauch.
      Lg Kenny

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  13. Ich bin froh, dass es viele Mütter gibt, die so denken wie ich:
    https://tigersabenteuer.wordpress.com/2015/05/10/warum-nicht/
    In meiner Umgebung werde ich dafür immer wieder belächelt, doch für uns (und offensichtlich auch für einige andere Familien) ist diese Form der bedürfnisorientierten Erziehung der absolut richtige Weg!
    Vielen Dank für diese tolle Artikelreihe (und für den ganzen Blog) - sehr spannend und informativ!

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  14. Hallihallo, wann wird es Teil 3 geben? Oder find ich den schon irgendwo?

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    1. Ich schreibe gerade daran. Er ist so gut wie fertig und geht vermutlich nächste Woche online. Liebe Grüße, snowqueen

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  15. Hallo Snowqueen und Danielle,
    ich verfolge euren Blog regelmäßig und finde ihn super! Ich hätte eine Frage, wie schafft man es, dass Kindern bei Medikamenten kooperieren? Ich möchte meine Kleine zu nichts zwingen aber hier geht es einfach nicht anders. Und ich kann einem 16-monatigen Kleinkind ja auch noch nicht wirklich etwas erklären. Finde das sehr schwierig da man oft trotzdem Zwang anwenden muss. Genauso wie beim zähneputzen und Haarewaschen. Habt ihr hier Tipps wie man damit am besten umgeht?
    Liebe Grüße
    Christine

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  16. Danke danke für Eure Tipps. Es läuft schon einiges entspannter ab, seit ICH kooperiere und die Kooperation meines 13 Monate alten Sohnes erkenne.
    Seit er sich umdrehen konnte, wurde Wickeln zu einer Tortur. Als er sich dann hochziehen und anhalten konnte sind wir dazu übergegangen ihn auszuziehen und den Po abzuduschen. Er leibt Wasser. Was uns zu dem Problem führte, dass er nicht mehr aus der Badewanne raus wollte. Dank eures Tipps mit dem Sandkasten, frage ich ihn ob er raus kommt und halte das Handtuch hin. Er spielt weiter, aber steht kurze Zeit später auf und bedeutet mir ihn rausholen zu können! Wunderbar!
    jetzt müsste nur noch das abtrocknen und anziehen besser funktionieren, da renne ich mmeistens zu jeder station im bad, wo er kurz halt macht und er kooperiert zumindest soweit, dass er mit den armen durch die Ärmel fährt!
    interessieren würde mich aber noch folgendes: Dauernd Schnupfen und Kind lässt sich um nichts in der Welt nasentropfen oder -sprays geben. Und die Kinderärztin beharrt seit er 3 Monate alt ist darauf dass ich ihm dann ständig kochsalzspülungen verabreiche. Mein armes Kind! Finde ja sogar ich grauslich!! Seit diesen Spülungen lässt er gar nix mehr an seine Nase ran. Wie kann ich ihm helfen? Zwiebel, Baby Luff einreiben, und frische Luft sind sowieso Usus, aber mit Spray könnte er nachts zumindest besser atmen!

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    1. Hallo,es gibt eine Creme die "Engelwurzbalsam" heißt und übers Internet bei der Bahnhofs-Apotheke im Allgäu bestellbar ist. Meine Tochter lässt auch nur diese bei verschnupfter Nase zu...

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  17. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  18. Nachdem meine Schwiegermutter heute mal wieder meinte, dass ich meiner Tochter beim geringsten Meckern alles recht machen würde (sie wollte nicht im Kinderwagen fahren, sondern getragen werden), frage ich mich einmal mehr, wo die Grenze ist zwischen "in 90 % der Fälle ja sagen" und "nicht alle Wünsche erfüllen". Muss man da unterscheiden zwischen Wunsch und Bedürfnis? Oder die eigenen Grenzen zeigen? Sie hatte jetzt Schnupfen und wollte sich absolut nicht die Nase abputzen lassen. Ich hab ihr angeboten, dass sie es selbst macht, wollte sie auch nicht. Dann hab ich mich eben durchgesetzt, weil ich das eklig finde, wenn das so runterläuft. Wäre schön, wenn ihr dazu nochmal was schreiben könntet. Ich weiß, ihr denkt, die Gefahr die Kinder überzubehüten besteht nicht so sehr in der Gesellschaft, aber mich würde trotzdem interessieren, wo das beginnt.
    LG Ananasakzent

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    1. Liebe Ananasakzent, das ist eine wirklich spannende Frage und ja, dazu ist ein Artikel geplant. Ich werde darin darauf eingehen, was Wunsch und was Bedürfnis ist und wie unsere Kinder wirklich zu Tyrannen werden, also was neurobiologisch passieren muss, damit sie rücksichtlos, egozentrisch und unempathisch werden. Ich muss nur eben noch unser Buch zu Ende schreiben, dann mache ich mich sofort an diesen Artikel, ja? In meinem Kopf ist er schon.
      Ich weiß nicht, wie alt dein Kind ist, aber Nase nicht putzen lassen ist kein Bedürfnis an sich. Möglicherweise will sie selbst über ihren Körper bestimmen, das wäre ein Bedürfnis. Dann dürftest nicht DU ihr die Nase putzen, aber sie müsste es selbst tun, um deine Ekelgrenze zu beachten. Möglichweise ist sie aber noch zu klein, um das zu verstehen. Insgesamt ist es ok (in meinen Augen), ihr die Nase trotz Prostet zu putzen - dein Bedürfnis wiegt in dem Falle (meines Erachtens) schwerer.
      LG, snowqueen

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  19. Liebe snowqueen,
    Kindern Zeit lassen, Zwang vermeiden... das ist alles sehr gut und richtig, und erspart tatsächlich oft Konflikte, aber: ich habe im Alltag einfach immer wieder Situationen, in denen ich mir einfach nicht anders zu helfen weiß. Nehmen wir das Beispiel mit dem Heimgehen vom Spielplatz: ja, es stimmt, das Abwarten hilft meistens - aber es gab schon Tage, an denen mein Sohn einfach GAR NICHT MEHR gehen wollte: wie lange soll ich denn dann noch abwarten? Er schaltet dann einfach komplett auf Durchzug und kann unglaublich hartnäckig sein - da könnte ich auch noch eine Stunde warten: würdest Du das dann tun oder wie bekämst Du ihn in der Stimmung da weg? Als er kleiner war, blieb mir dann nichts anderes übrig, als das schreiende und strampelnde Kind heimzutragen; jetzt, wo er fast 6 ist, hilft im Extremfall eben nur, dass ich so tue, als ob ich allein losginge - und doch, ich habe das auch einmal durchgezogen (wir wohnen gleich um die Ecke und er war schon 5)! Er kam dann nach etwa einer halben Stunde an, grinsend, als sei nichts gewesen. Meistens kommt er aber dann mit, wenn ich Anstalten mache zu gehen, und es ist eben wirklich das einzige Mittel.
    Oder heute: er wollte nicht mehr aus der Sparkasse raus, wo wir immer am Spielcomputer spielen. Ich hatte schon seinem Wunsch nachgegeben: noch Memory, Mama! / O.k., einmal./ Nein, alles (=5 Spiele)! / Na gut, alles. - Und danach? Jetzt noch "Fehlersuche"!! - Empfinde das nur ich so, oder war es da nun wirklich genug? (Wir mussten noch einkaufen und danach zu einer Einladung, was er auch wusste). Was hättest Du jetzt da gemacht? Ich habe ruhig, aber energisch "nein, wir gehen jetzt" gesagt. Mein Sohn war nicht bereit, zu gehen. Also ging ich ohne ihn los. Als ich an der Tür war, lief er mir nach, haute mir eine rein "weil du so gemein bist" und kehrte zurück zum Computer. Mir fiel nichts Besseres ein als "So, kein Fernsehen heute!" und das war bestimmt nicht gut, aber ich war so sauer! (Das wäre auch mal eine Frage an Euch: wie in aller Welt schafft Ihr es, immer so geduldig und gelassen zu sein? Fahrt Ihr nie aus der Haut, nerven Euch Eure Kinder nie so gewaltig, dass Ihr unüberlegt unpädagogisch reagiert?)
    Jedenfalls, Sohnemann kehrte daraufhin zurück zum Computer und Mama stand ratlos draussen vor der Sparkasse - er spielte drinnen offenbar in aller Ruhe die "Fehlersuche" fertig (fast 10 Minuten!), kam dann raus, sah Mama, grinste, und versuchte über das Fernsehverbot zu verhandeln (Ich blieb dabei.) Nun könnte man ja sagen, anstatt draussen zu warten hätte ich auch drinnen bei ihm warten können, von der Zeit her wäre es ja im Endeffekt egal gewesen. Aber das hätte aus meiner Sicht bedeutet, seiner Lust und Laune grenzenlos nachzugeben, und das kann es ja auch nicht sein; das lehnt ja auch Ihr als schädlich ab. Nur eben: was, wenn das Kind nicht kooperiert, wenn es sollte? Du nennst ja das Beispiel mit dem Zimmeraufräumen: o.k., da kann man ja "ewig" abwarten, aber eben nicht in den hier geschilderten Fällen, oder? Und was dann?
    Ich würde mich über Eure Antwort freuen! Und macht bitte weiter so!!
    Viele Grüße, Hanni

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    1. Liebe Hanni, doch, ich reagiere auch ungehalten und unpädagogisch und ja, meine Kinder haben auch schon nach mir gehauen. Wenn ein Kind wirklich überhaupt nicht vom Spielplatz weg will, würde ich vermuten, dass da ein anderes Bedürfnis dahinter steckt und versuchen, das rauszufinden. Ganz oft ist es bei uns der Fall, wenn eins meiner Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizit hat. Ich würde dann das Gespräch suchen: "Ich merke, du willst hier nicht weg, weil du.... Ich möchte aber nach Hause, weil ich.... Wie können wir das lösen? Hast du eine Idee, wie wir beide das bekommen, was wir brauchen? Finden wir einen Kompromiss?" Wenn das Kind darauf nicht eingeht (das ist hier noch nicht passiert, aber ich weiß, dass es das manchmal gibt), würde ich mein Problem wiederum verbalisieren: "Puh. Also ich habe dir jetzt ganz viele Alternativen aufgezählt, aber du bist auf keins meiner Angebote eingestiegen. Ich möchte dich nicht zwingen - aber dann bin ich darauf angewiesen, dass du mir etwas entgegenkommst. Wenn du das nicht machst, muss ich für dich entscheiden oder dich zwingen, denn ich bin die Erwachsene. Ich kann dich hier nicht allein spielen lassen, weil ich Angst habe, dass du irgendwo runter fällst. Ich kann aber auch nicht mehr hier bleiben, denn ich muss zuhause noch..." Unsere Kinder merken ja ab einem gewissen Alter, dass es bei uns anders läuft mit der Erziehung, als z.B. in der Kita. Also dass wir nicht mit Druck, Zwang oder Konsequenzen arbeiten wollen. Sie müssen dann aber auch wissen, dass wir darauf angewiesen sind, dass sie uns zumindest ein bisschen entgegenkommen, weil sonst diese Art des gleichwürdigen Zusammenlebens nicht funktioniert. Normalerweise lassen sich die Kinder dann darauf ein.

      Zu dem Computerspiel in der Sparkasse: das ist schwierig, weil Spiele ja das Gehirn ein bisschen abhängig machen. Einfach so aufzuhören fällt dann den Kindern wirklich schwer. Deshalb musst du in diesen Momenten, um mal mit Jesper Juul zu sprechen, ein "Leitwolf" sein und ihn da freundlich an die Hand nehmen und wegziehen, wenn er eins der Spiele gerade beendet hat. Also daneben stehen, wenn er spielt, ankündigen, dass ihr geht, wenn es vorbei ist und sobald es vorbei ist, wegziehen. Ich würde da gar keine Wahl lassen, sondern das Ausmaß selbst festlegen.

      LG, snowqueen

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    2. Liebe snowqueen,
      herzlichen Dank für die ausführliche Antwort!
      Allerdings habe ich, die ich ja meinen Sohn kenne, hier Zweifel an Deinen Lösungsansätzen: mit ihm zu reden funktioniert gerade in der Extremsituation, in der er auf stur schaltet, überhaupt nicht. Er ist dann nicht bereit, zuzuhören und würde gerade auf dem Spielplatz einfach wegrennen. Man kann sonst sehr gut mit ihm reden, aber nicht in solchen Momenten. Manchmal macht er dann sogar ganz laut "AAAAAaaaah", um zu übertönen, was ich sage.
      Dass ein Bedürfnis dahinter steckt, nun ja, welches? Ich denke, es gefällt ihm einfach gerade so gut auf dem Spielplatz, dass er halt weiterspielen will. Kann man ja irgendwo verstehen. Ich glaube nicht, dass er in der Situation ein Aufmerksamkeitsdefizit hat oder dass er das überhaupt hat; er will ja dann nicht, dass ich mich mit ihm beschäftige, sondern einfach weiter klettern usw.
      Und das mit dem Wegziehen - keine Chance! Er lässt sich nicht einfach wegziehen, er würde sich auf den Boden werfen, sich losreißen etc.! Als er kleiner war, hab ich ihn dann eben weggetragen, aber das geht ja jetzt schon körperlich nicht mehr.
      Es ist nun ja zum Glück nicht so, dass wir ständig solche Situationen hätten; meistens klappt es schon problemlos mit Ankündigen und Abwarten, und es wird auch immer seltener so krass wie beschrieben, aber früher passierte das schon häufig. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich erst vor kürzerer Zeit auf Euren Weg gestoßen bin. Trotzdem würde ich mal behaupten, dass mein Sohn schon einen sehr ausgeprägten Willen hat (das haben auch andere schon festgestellt) - wobei das auch sein Gutes hat.. so war er wohl auch ziemlich resilient gegenüber meinen früheren Zwang- und Druckversuchen, glaube ich.
      Zu den Computerspielen: das sind eigentlich "normale" Spiele (Memory u.ä.), nur eben am Bildschirm. Und wir machen das eben auch nur in der Sparkasse (maximal einmal pro Woche für ca.10 Min.), niemals zu Hause, da haben wir dergleichen gar nicht, weil ich überzeugt bin, dass man Kinder davon fernhalten sollte, solange es nur geht. Über das Thema hattet Ihr ja auch mal einen Artikel vor, wäre sehr interessant!
      Liebe Grüße, Hanni

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  20. Aber noch ein positives Echo: eine schöne Erfahrung war neulich, als ich meinen Sohn, der noch nicht vom Garten rein wollte, mal fragte, wie lange er denn noch ungefähr brauche, um das zu erledigen, was er noch machen wollte. Seine Antwort: "5 Minuten!" Nun kann er (bald 6 Jahre) ja noch nicht die Uhr lesen, kennt aber diesen Zeitraum "gefühlsmäßig" von meinen Vorankündigungen ("wir gehen in 5 Minuten"). Ich bin dann einfach einstweilen ins Haus und habe mal abgewartet, was passiert. Nach 5 Minuten habe ich einen Blick hinaus riskiert, und was sah ich da? Er zog sich tatsächlich gerade die Schuhe aus! Es hat absolut funktioniert, er fühlte sich wohl ernst genommen mit seiner "Gartenarbeit" und einbezogen. Hätte ich Druck ausgeübt, hätte er wohl absichtlich das Reinkommen hinausgezögert.
    Nochmal viele Grüße, Hanni

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  21. Verehrte Snowqueen!
    15 Jahre nach meiner Frühpensionierung als Lehrerin, arbeite ich wieder an einer Grundschule, um Migrantenkinder mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. Während es mir kaum Probleme macht, mit Kindern der 2. bis 4. Klasse umzugehen, verursachten
    mir Kinder der 1. Klasse, unter denen sich auch Kindergartenkinder Bauch- und Kopfschmerzen. In Ihrem Blogg habe ich den Schlüsselbund gefunden, der mir die Türen zu diesen kleinen Kindern aufschließt. >Catch them at being good< haben Sie plastisch am
    Fallbeispiel dargestellt. Und es ist wunderbar, wie mir jetzt die Lichter aufgehen.
    Die beste Prävention von Streitereien und Spannungen unter Kindern ist tatsächlich,
    wie Sie schreiben, die Kinder kooperieren zu lassen, sie dabei zu beobachten und zu verstärken. DANKE, Ihr Blogg hat mir jetzt in meiner Alltagspraxis effektiv geholfen.
    Ich habe mir gestern die Essenz Ihres Bloggs auf 2 DIN a 4 herausgeschrieben, eingeprägt,
    und konnte das sofort in der Schule positiv umsetzen. Morgen werde ich Ihre Erkenntnisse in einer zweiten Gruppe des 1. Schuljahres umsetzen. Mal sehen,...ob das noch mal so
    gut funktioniert.
    Danke. Wenn Sie Ihren Blogg weiterschreiben, schaffen Sie sich die Grundlage für ein Buch.
    Vielleicht könnte ich die humorvollen Zeichnungen dazu leisten.
    Herzliche Grüße, Anne Rossipaul www.mamu-kunst.de

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    1. Liebe Frau Rossipaul, was für eine wunderschöne Rückmeldung! Das "catch them at being good" hilft mir bei meinen Schülern auch sehr und kann es nur jedem empfehlen. Ein Buch haben wir auf der Grundlage dieses Blogs schon geschrieben - es wird im Oktober beim Beltz-Verlag erscheinen. Allerdings zum Thema "Trotzphase". Herzlich, snowqueen

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  22. Ich habe ein ähnliches Problem wie Hanni, nämlich dass unsere Tochter (3 Jahre alt) manchmal auch einfach nicht mitkommt, wenn sie mit etwas aufhören soll, weil sie z.B. ins Bett soll. Wir kündigen an, erlauben oft noch 5 Minuten länger, versuchen, einen Kompromiss zu finden. Aber irgendwann ist Schluss, wir wollen uns ja auch nicht ausnutzen oder auf der Nase herumtanzen lassen. Außerdem muss sie auch irgendwann ins Bett. Am Ende bleibt oft nur die Möglichkeit, sie wegzutragen, aber dann ist das Geschrei groß. Die nächste Diskussion gibt es dann beim Händewaschen oder Zähneputzen. Häufig kommen dann die Aussagen: "Ich will aber!" (z.B. spielen) oder "Ich will aber nicht!" (Hände waschen). Und mir stellt sich dann die Frage: Gibt es nicht Dinge, die Kinder einfach müssen, weil sie sonst krank werden können (wenn sie z.B. nach der Toilette keine Hände waschen) oder weil ein Erwachsener gerade nicht bei ihnen bleiben kann und sie deshalb ins Haus müssen? Natürlich möchten wir keinen Willen brechen, aber wir können uns doch auch nicht zum Hampelmann machen lassen und alles mitmachen. Außerdem ist es zermürbend und frustrierend. Bei vielen Dingen sage ich inzwischen auch "Warum nicht?" oder "Auch egal.", aber manche Sachen müssen doch einfach sein. Oder doch nicht? Brauchen wir einfach nur die Geduld, dass irgendwann die Einsicht kommt und viele Probleme sich in Luft auflösen?

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    1. Liebe Anonym,
      vielleicht tröstet Dich meine Erfahrung: ja, es wird definitiv besser mit zunehmendem Alter! Mein Sturkopf gibt inzwischen auch mal nach und mit 6 Jahren kann man einfach schon öfter mal auf Einsicht hoffen! Meiner Erfahrung nach hilft es wirklich, generell öfter mal nachzugeben, also die Zahl der "neins" zu beschränken. Es stimmt, was hier auf der Seite gesagt wird, dass Kinder besser kooperieren, wenn man es selbst auch tut! Was aber sein muss, muss sein. Beim Händewaschen könntest Du es vielleicht irgendwie spielerisch probieren? Meinem Sohn war und ist mit Quatschmachen meist gut beizukommen, ganz schlecht dagegen mit autoritären Anweisungen. Ich muss leider zugeben, dass ich ihn früher auch mit Körperkraft zum Händewaschen gezwungen habe; das würde ich jetzt nicht mehr tun. Manchmal hilft auch das Abwarten schon, einfach in 10 Minuten nochmal probieren. Vielleicht kannst Du zur Not die Hände schnell mit einem Waschlappen oder Feuchttuch abwischen, wenn sie grad so bockig ist?
      Halt durch, es wird besser!
      Liebe Grüße, Hanni

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    2. Liebe Anonym, doch, es gibt auf jeden Fall Dinge, die Kinder auch "mal machen müssen". Welche das sind, bestimmst allein du, denn es ist deine Familie.

      Ich kann dir ein Beispiel zum Zähneputzen geben. Eine Freundin von mir hat einen Sohn, der das immer als lästig empfand, weil das Zähneputzen ihn temporär vom Spiel abhielt. Also hat sie ihm wo auch immer die Zähne geputzt. Selten im Bad. Meist, wenn er im Kinderzimmer mit seinen Autos gespielt hat oder im Wohnzimmer, wenn er das Sandmännchen geguckt hat. Er ist so alt wie meine Töchter und ich dachte damals: "Nee, also das ist nichts für mich. Zähneputzen muss schon im Bad sein.". Das war bei meinen Töchtern auch nie ein Problem. Ab und zu haben wir morgens erst in der Kita im Bad geputzt, weil wir vorher zu lange im Bett geknuddelt hatten, aber insgesamt war das Zähneputzen immer auf ein Badezimmer beschränkt. Nun, mein kleiner Sohn ist jetzt 2, und er findet Zähneputzen echt lästig. Ich kann ihn eigentlich jeden Tag dazu bringen, mich doch putzen zu lassen, aber es ist schon immer so, dass er mich deswegen anmault und es kommt öfter vor, dass er nicht im Bad bleibt, sondern, weil er müde ist, gleich ins Bett geht. Deshalb habe ich angefangen, ihm die Zähne im Bett zu putzen. Mittlerweile denke ich: "Ach, warum nicht?" Ich breche mir dabei keinen Zacken aus der Krone und er muss nicht beim Putzen weinen, weil wir einen Kompromiss gefunden haben. Ich mache mir wirklich überhaupt keine Sorgen, dass sich das irgendwie negativ auswirken wird - er sieht ja, dass der Rest seiner Familie sich die Zähne im Bad putzt und er wird da auch wieder hin zurückkommen. Bei meiner Freundin hat das übrigens problemlos geklappt. Ihr Sohn ist jetzt fast 6 und kommt morgens und abends ganz normal ins Bad.
      Also, wie du siehst: Die Grenzen sind von Familie zu Familie fließend, was die Regeln und das "Müssen" angeht. Ihr seid die Eltern und entscheidet das, notfalls eben auch unter Protest. Aber behaltet im Hinterkopf, dass je mehr Kompromisse ihr eingeht, desto mehr Kompromisse wird eure Tochter eingehen.

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  23. Vielen Dank für eure wertvollen Tipps und den lieben Zuspruch! Ich bin oft einfach verunsichert, weil ich sie nicht zwingen möchte, aber z.B. auch an die Schule denke, wo die Kinder manches einfach müssen und es nicht ausführlich vom Lehrer erklärt bekommen, warum sie es nun müssen. Auf der anderen Seite habe ich auch festgestellt, dass es mit Kompromissen besser klappt und putze inzwischen dort die Zähne, wo es gerade passt (und suche jeden Abend und Morgen das Zahnputzzeug und die Haarbürste ;-) ). "Ach, warum nicht?" kommt auch immer öfter vor.

    Ich glaube, dass Hauptproblem ist oft die eigene Verunsicherung. Gut, und manchmal auch einfach der Frust darüber, das man alles tausendmal sagen muss und trotzdem (oder genau darum?) nicht gehört wird. Puh. Der Schlüssel ist wahrscheinlich die eigene Gelassenheit und das Wissen, dass es anderen genauso geht und einfach normal ist.

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  24. Ein großes Lob an dich ! Ich lese deinen Blog seit mein sohn(15monate) auf der Welt ist und habe dadurch immer wieder gute Impulse bekommen. Auch ich habe eine Frage : meib Kind kooperiert im Alltag eigentlich auch immer nur wenn es darum angeschnallt im buggy oder auto zu sitzen, brüllt er. Im Auto lässt er sich manchmal noch ablenken. ..aber ich kann ihn nicht mehr tragen er ist so schwer ! Was kann dafür tun das er in seinem buggy sitzt ?!

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    1. Kannst du ihn im Buggy unangeschnallt lassen? Das hat bei meinem Sohn geholfen. Er mochte es nicht, immer in der gleichen Position verharren zu müssen. Unangeschnallt konnte er sich besser bewegen. Rausgefallen ist er nie. Als er laufen konnte, ist er aber immer mal zwischendurch ausgestiegen und neben dem Buggy gelaufen. Bevor er laufen konnte, habe ich ihn oft noch in der Manduca auf den Rücken genommen.
      LG, snowqueen

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  25. Ein großes Lob! Ich selber bin in Afrika mit den "Khoi San" ("Buschmänner") aufgewachsen. "Das gewuenschtestes Wunschkind" ist mit das Beste was ich je gelesen habe. Es ist nicht einfach in Deutschland zu leben und Kinder großzuziehen wenn man so frei und zwangslos aufgewachsen ist. Gerade wenn die Kinder schon im Schulalter sind, ist es kaum auszuhalten. Ich habe schon fast alle Mut verloren und leide unter der Druck unserer Gesellschaft! Aber Sie inspirieren mich weiter zu machen und den Mut nicht zu verlieren! Vielen Dank!

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