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Mein Kind will keine Medikamente nehmen


Bunte Pillen und TablettenWenn unsere Kinder Medizin nehmen sollen, aber an diesem Punkt die Kooperation verweigern, ist das für uns Eltern besonders schlimm, denn wir sorgen uns natürlich sehr um die Gesundheit unserer Kleinen. Gerade bei wichtigen Antibiotika überlegen nicht wenige Eltern, ob sie sich nicht über die Totalverweigerung der Kinder hinwegsetzen und einfach die Medizin "reinzwingen" sollten. Leider klappt dieses Zwingen meist überhaupt nicht. Die Kinder wehren sich, als würden sie gerade zum Schafott geführt. Ich kenne Familien, in denen es schon vorgekommen ist, dass ein verzweifeltes Elternteil Hände und Füße des Kindes festhielt, während der andere dem sich heftig windenden Kind die wichtige Medizin in den Mund zu tröpfeln versuchte. Oft genug spucken die Kinder das gleich wieder aus oder müssen sich sogar erbrechen. Wer hier an Foltermethoden aus dem Krieg denken muss, liegt nicht so falsch - genauso fühlt es sich für alle Beteiligten an.
 

Gründe für das Verhalten


Die Gründe für die Medizinverweigerung unserer Kinder sind leicht nachzuvollziehen. Evolutionsbiologisch ist es in uns quasi eingraviert, keine Dinge zu essen, die seltsam schmecken und die auch nicht von den anderen Familienmitgliedern gegessen werden. Seien wir mal ehrlich - egal, was die Werbung uns verspricht, Medizin schmeckt einfach scheußlich. Da mag in noch so großen Lettern angepriesen sein, dass es lecker nach "Orange" schmeckt, es schmeckt nicht lecker nach Orange. Es schmeckt bitter oder beißend, im besten Fall schmeckt es nur komisch, und nebenbei ist da eine leichte Note eines Geschmacks erkennbar, der vielleicht in einer anderen Situation als Orangengeschmack durchgehen könnte.

Und nun steht da unser krankes Kind, das nicht einmal gekochte Möhren verspeist (die ja nun wirklich lecker sind!) und bei dem man streng darauf achten muss, dass in der Tomatensauce für die Nudeln absolut kein Fitzelchen Gemüse erkennbar ist, weil sie sonst nicht angerührt wird. Dieses Kind soll nun gegen seinen Instinkt gehen und kooperativ Medizin einnehmen? Eher nicht.

Auch das einfache Nasenspray, oder auch die Nutzung des Pariboys bei Erkältungen fällt in die Kategorie der Verweigerung aus evolutionären Gründen. Das Nasenspray wirkt erst nach ein paar Minuten - für ein Kind es schwer nachvollziehbar, dass so ein unangenehmes Gefühl für die Nase (das Sprühen) ein wenig später helfen soll. Denn die freie Nase wird von unserem Kleinen dann nicht mehr als etwas Besonderes registriert (hier ist wieder unser Gehirn schuld - wie ich im ersten Artikel erklärte, werden "normale" Dinge schlicht übersehen und eine freie Nase gehört dazu). Für kleine Kinder ergibt sich hier also kein Ursache-Wirkungs-Lernen! Sie übersehen die Wirkung und verweigern deshalb die Ursache (das Sprühen in die Nase).

Das laute Brummen des Pariboys und der Dampf, der aus ihm heraus kommt, macht Kindern einfach Angst. Es geht gegen unseren Instinkt, etwas an den Mund und die Nase zu halten, das uns unbekannte Gase verströmt. Auch hier ist die positive Wirkung für Kinder nicht sofort erkennbar, deshalb ist es aus ihrer Sicht nicht sinnvoll, sich dieser potentiellen Gefahr auszusetzen. Wenn die Eltern feinfühlig reagieren, kann man ihre Angst gegen den Pariboy durchaus abbauen. Wird das Inhalieren in ein schönes Ritual eingebaut, z. B. vorlesen, lernen viele Kinder den Pariboy sogar lieben.

Selbst wir Erwachsenen nehmen doch nur Medikamente etc., weil wir wissen, wie wichtig das für unseren Körper ist. Und dieser Punkt, an dem die Vernunft über den Instinkt siegt, ist auch der Punkt, an dem es leichter wird, die Kinder dazu zu überreden, das Antibiotikum zu schlucken, das Nasenspray über sich ergehen zu lassen oder den Pariboy zu benutzen. Frühestens dürfte das mit 3 Jahren der Fall sein, eher jedoch dauert es bis zum 4. Geburtstag (oder manchmal noch länger, je nach Charakter des Kindes). Bis dahin müsst ihr euch einiges an Tipps und Tricks einfallen lassen, damit die Medizin doch noch im Kind landet...
 

Lösungen für das Problem


1. Medikament wirklich nötig?


Die allererste Frage, die ihr euch stellen solltet ist, ob das Medikament wirklich, wirklich nötig ist. Ihr sollt natürlich nicht die Kompetenz eurer Kinderärztin in Frage stellen, aber ab und zu wird die Vergabe gerade von Antibiotika recht locker gesehen. Fragt am besten nach Alternativen oder Großmutters Tipps und Tricks. So ein Zwiebelsäckchen auf dem Ohr kann auch Wunder bewirken.

 

2. Medikament wechseln

 
Mein kleiner Sohn hatte im Alter von 6 Monaten engen Sabber-Kontakt mit einem anderen Baby, das, wie sich kurz darauf herausstellte, Keuchhusten hatte. Leider hatte er krankheitsbedingt noch keine Impfung dagegen intus, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als präventiv mit Kanonen auf die Krankheit zu schießen, bevor sie auch bei ihm ausbrach. Er musste also Antibiotika nehmen. Mehrere Wochen lang.
 
Da er mir vertraute, waren die erste 2-3 Portionen kein Problem. Dann wusste er allerdings, was kommt, wenn ich den Deckel der Medikamentenflasche öffnete und presste den Mund vehement zu, der kleine Schlaumeier. Ich konsultierte meine Kinderärztin, sie verschrieb ein anderes Antibiotikum, das ihm vielleicht besser schmecken würde. Das ging ein paar Tage gut, dann erbrach er sich davon - eine Nebenwirkung. Deshalb wechselten wir erneut. Diese Medizin schmeckte ihm zwar nicht wirklich, aber er konnte sie mit viel Geduld meinerseits soweit ertragen, dass wir sie jeden Tag in ihn hinein bekamen.
 
Mein erster Tipp ist also: Guckt, welches der Medikamente für eure Kinder am wenigsten eklig ist. Wie auch bei Brokkoli und Co sind Geschmäcker verschieden. Manch einer mag es, wenn der Geschmack der Medizin von Aroma übertüncht ist, ein anderer will das Ganze lieber möglichst geschmacklich neutral hinter sich bringen.
 
Selbst bei Nasentropfen gibt es eine Alternative. Eine meiner Töchter z. B. hasst Nasentropfen, findet aber Nasenspray total okay, während ich Nasenspray abartig finde und mit Tropfen gut klar komme.
 
Auch die Darreichungsform kann man variieren. Es gibt Zäpfchen, oder Saft, Tabletten oder Spritzen - wenn euer Kind ein Medikament verweigert, fragt eure Kinderärztin, was es als Alternative auf dem Markt gibt und probiert, ob es damit einfacher geht.
 
Selbstverständlich gilt beim Wechsel der Medikamente, dass es nur in Absprache mit der Kinderärztin geschehen sollte.
 

3. Spritze statt Löffel nutzen


Einwegspritze aus Kunststoff
Diesen Tipp kennt ihr sicherlich schon, aber mir hat er vor 5 Jahren, als die Mädchen noch Babys waren, wirklich sehr geholfen. Statt den Löffel zu nutzen, der meist bei den Medikamenten beiliegt, lasst euch in der Apotheke oder von der Kinderärztin eine Einmalspritze geben. Wichtig ist, dass sie sich leichtgängig schieben lässt, aber nicht zu leichtgängig. Lässt sie sich nämlich zu schwer zusammenpressen, dann drückt man und drückt und drückt, bis plötzlich mit einem Schwall alle Medizin in den Mund spritzt. Bei einer zu leichtgängigen Spritze habe ich auch Schwierigkeiten, das Medikament langsam und dosiert ins Kind zu träufeln, weil mein Daumen automatisch weiterdrückt. Es gibt ja aber unendlich viele Einwegspritzen - probiert einfach ein paar aus und findet die für euch passende. Die, die ihr dann zu viel gekauft habt, könnt ihr auswaschen und in den Arztkoffer eurer Kinder packen.
 
Dass selbstverständlich vorn keine Nadel auf der Spritze sitzen sollte, muss ich nicht erwähnen, richtig?
 
Wenn ihr nun die richtige Spritze habt, dann kommt der nächste Schritt: Nehmt euer Kind in den Arm, so, dass es ein wenig geneigt, aber noch fast aufrecht sitzt. Setzt (wenn das Kind euch lässt) die Spritze im Mundwinkel an und drückt langsam und mit Pausen die Medizin in die vordere Wangentasche des Kindes. In die Wangentasche deshalb, weil dort auch die Spucke sitzt, welche ja von uns Menschen fast unbemerkt automatisch geschluckt wird, am Tag viele hundert Male. Ist die Medizin nicht zu kalt, wirkt sie so für das Kind weniger als "Fremdkörper", als wenn sie direkt in die Mundhöhle gespritzt wird. Dass es langsam und mit Pausen vonstatten geht ist wichtig, damit das Kind nicht das Gefühl hat, zu ertrinken. Es muss selbst den Schluckvorgang steuern dürfen. Spritzt ihr zu weit nach hinten in die Wangentasche, wird zwar ein automatischer Schluckreflex ausgelöst (was ja an sich ganz nett ist, weil die Medizin dann auf jeden Fall runter geht), aber auch hier hat das Kind eher das Gefühl, die Menge des Trinkens nicht unter Kontrolle zu haben - es fühlt sich auch hier, als würde es ertrinken.
 
Zwischendurch (also in den Spritzpausen) ist es sinnvoll, dem Kind "leckeres" Trinken zum Nachspülen anzubieten. Bei Babys Muttermilch, bei größeren Kindern darf es durchaus ausnahmsweise auch Apfelschorle sein. Wenn Kinder älter sind, kann man viele von ihnen damit locken, dass sie die Spritze selbst bedienen dürfen. Wenn man sie nur für Medikamente heraus holt, bleiben sie besonders lange interessant.
 

4. Tabletten mit einem Bissen Essen runterschlucken

 
Ihr kennt das sicherlich von euch selbst: Soll man eine Tablette unzerkaut hinunterschlucken, kommt einem das vor, als wäre sie riesig. Selbst mit einem Schluck Wasser bleibt sie oft irgendwo hängen. Das ist irgendwie seltsam, wenn man mal bedenkt, wie klein so eine Tablette im Gegensatz zu einem Bissen Stulle oder Schnitzel ist, welchen wir ohne Probleme schlucken können. Der Trick ist, dieses komfortable Schlucken auch für die Tablette zu nutzen: Nehmt einen Haps Keks oder Kuchen oder was sonst gut schmeckt und kaut dieses Stück ganz normal im Mund. Wenn ihr das Gefühl habt, jetzt schlucken zu wollen, nehmt die Tablette mit der Zunge aus der Wangentasche, schiebt sie zum Essen und schluckt alles gleichzeitig herunter. Et Voliá.
 
Ich denke nicht, dass dieser Trick schon bei kleineren Kindern funktioniert, aber ihr könnt es bei 4-Jährigen sicher schon mal probieren.
 

5. Im Schlaf Ohrentropfen, Augentropfen und Nasentropfen verabreichen

 
Augen-, Ohren- und Nasentropfen lassen sich gut in einer Tiefschlafphase verabreichen. Sie sollten nicht zu kalt sein, damit der Temperaturunterschied das Kind nicht im Schlaf stört. Die Augentropfen könnt ihr, wenn das Kind auf dem Rücken liegt, in den zur Nase zeigenden Augenwinkel tropfen und dann kurz das untere Lid nach unten ziehen, damit der Tropfen sich im Auge verteilt. Liegen meine Kinder auf der Seite, dann ziehe ich das untere Lid nach unten und tropfe schnell direkt dort hinein. Dazu brauche ich aber eine Stirnlampe, weil das zackig und präzise vonstatten gehen muss.
 
Auch Nasen- und Ohrentropfen lassen sich im (Tief)-Schlaf verabreichen. Meine Kinder räkeln sich zwar meist etwas danach oder protestieren im Traum kurz, wachen aber nie auf. Es ist aber wichtig, keine REM-Phase zu erwischen, da so eine Manipulation am Ohr, Lid oder der Nase dazu führen kann, dass sie dann aufwachen.
 
Kurzer Exkurs: Bei Fräulein Chaos habe ich lange auch Finger- und Fußnägel im Schlaf geschnitten, weil sie sich im wachen Zustand so massiv dagegen gewehrt hat.

6. Vormachen


Wie ich oben schon andeutete: Evolutionsbiologisch ist in uns angelegt, unsere Stammesmitglieder zu imitieren. Wenn diese ein bestimmtes Lebensmittel essen, dass probiert das Kind normalerweise wenigstens einmal davon. Isst aber niemand anderes davon und es wird dem Kind aber immer wieder unter die Nase gehalten, dann wird es misstrauisch. Was ist daran faul?

Wenn ihr wollt, dass eure Kinder die Medikamente unvoreingenommen probieren, dann macht ihnen das Einnehmen vor. Bei Nasentropfen (nehmt Salzwasser!) und Pariboy ist das problemlos möglich, bei Antibiotikum nicht so. Da müsst ihr dann ein wenig in die Trickkiste greifen. Meine Töchter sollten, als sie klein waren, roten Fiebersaft nehmen. Ich mixte mir heimlich eine Erdbeer-Kaltschale und zog sie in eine große Einwegspritze auf. Vor den Augen meiner Töchter nahm ich dann wieder und wieder die Medizin, bis sie sich trauten, ihre eigenen Einwegspritzen in den Mund zu nehmen. Da dieser Fiebersaft gar nicht sooo schlecht schmeckte, war damit der erste positive Schritt geschafft.

Bei andersfarbigen Medikamenten wird es vielleicht schwieriger, ein geeignetes Placebo zu finden. Bei farblosen Antibiotika könnte das vielleicht Aga Aga sein. Ich hab das noch nicht ausprobiert - vielleicht könnt ihr mir in den Kommentaren hinterlassen, was bei euch gut funktioniert hat.

Auch beim Pariboy ist Vormachen das A und O. Alle meine Kinder hatten anfänglich Angst vor dem Ding, deshalb war die ersten Monate (!) erst einmal immer nur ich diejenige, die inhalierte, während ich ein (Erwachsenen)-Buch las. Die Kinder beobachteten mich argwöhnisch aus sicherer Entfernung. Irgendwann machte ihnen das laute Geräusch keine Angst mehr. Sie fingen an, am An/Aus-Knopf zu spielen und beobachteten den Dampf, der aus dem Mundstück kam. Ab und zu hielten sie das Mundstück ans Gesicht ihrer Puppe. Der nächste Schritt war, sie auf dem Schoß sitzen zu haben, das Gerät anzuschalten und den Dampf in etwa in ihre Richtung zu halten, während ich ein schönes Buch vorlas. Das genossen sie so sehr, dass es bald kein Problem mehr war, ihnen den Pariboy während des Vorlesens über Mund und Nase zu stülpen.

7. Arzt spielen


Mit etwa einem Jahr fangen unsere Kinder an, die Dinge, die sie um sich herum bei Erwachsenen und Kindern sehen, zu imitieren. In diesem Alter fangen sie auch an, gern mit der Kinderküche zu spielen, mit einem Besen oder aber mit einem Arztkoffer. Wenn ihr also wollt, dass eure Kinder sich daran gewöhnen, dass Medizineinnahme manchmal sein muss und "zum Leben" dazu gehört, dann schenkt ihnen doch einen kleinen Arztkoffer (mit diesem haben wir die besten Erfahrungen gemacht).

Dort könnt ihr dann Einwegspritzen oder leere Nasen- oder Augentropfflaschen hineinmachen, mit denen ihr dann im Spiel die Medikamenteneinnahme simuliert. Auch dem kleinen Pieks einer Impfung habe ich mit meinen Töchtern im Rollenspiel so den Schrecken genommen. Sie durften ihren Kuscheltieren und mir Impfungen, Ohrentropfen, Nasentropfen und Augentropfen geben und immer wieder wurde mir per Spritze "Zin!" in den Mund geträufelt.

Es ist nicht so, dass diese Methode Wunder wirkt, aber zumindest baut sie ein paar Ängste ab. Meine Kinder haben hinterher immer noch gemosert, wenn sie Ohrentropfen oder Antibiotika nehmen sollten, aber immerhin hatten wir im Spiel schon so oft über die Wichtigkeit der Medizin gesprochen, dass ich teilweise schon mit 3 Jahren an ihre Vernunft und Kooperation appellieren konnte.

8. Zum Arzt spielen gehen, um Angst abzubauen


Eng verwandt mit Trick Nummer 6 (Arztkoffer) ist dieser hier: Ich bin mit meinen Kindern öfter mal einfach so zum Arzt gegangen und habe sie dort mit Zustimmung der Ärztinnen im Wartezimmer spielen lassen. Das geht natürlich nur in den erkältungsarmen Monaten, denn meine Kinder sollen sich selbstverständlich nicht im Wartezimmer anstecken. Ich rufe oft vorher an, wann es günstig ist, vorbeizukommen. Unsere Ärztinnen habe spezielle Zeiten für die U-Untersuchungen, da sitzen dann immer nur gesunde Kinder im Wartezimmer.

Zum Spielen zu kommen war übrigens ein Vorschlag meiner Kinderärztinnen. Sie sagen, es hilft ihnen mehr, wenn sie ein Kind auch mal in netten Situationen sehen und nicht immer nur, wenn es dem Kind schlecht geht. Denn dann vertraut es ihnen mehr, wenn sie es später wirklich untersuchen müssen und weint nicht die ganze Zeit. So dürfen wir, wenn es leer ist, auch ab und zu ins Behandlungszimmer und unseren Arztkoffer zeigen oder die Ärztin "untersucht" den kranken Teddy - und baut gleichzeitig eine tragfähige Bindung zum Kind auf. Und wenn diese tolle Frau dann sagt, das Kind müsse eine bestimmte Medizin nehmen, um wieder gesund zu werden, dann "wiegt" ihre Meinung oft mehr, als die der Eltern und das Kind überwindet sich vielleicht, das bittere Antibiotikum doch zu schlucken.

P.S. Es kann sein, dass euer Kinderarzt nicht mitspielt. Das ist zwar schade, aber nicht zu ändern. Die meisten Ärzte sind auch ohne "Spielkinder" schon sehr überlastet. Aber fragen könnt ihr ja mal. Unsere Kinderärztinnen laufen übrigens manchmal über den naheliegenden Spielplatz und begrüßen ihre kleinen Patienten dort, um auch außerhalb der Praxis für die Kinder präsent zu sein. Ich liebe die beiden sehr.

9. Mit Bestechung arbeiten


Wann, wenn nicht an dieser Stelle, ist es sinnvoll, mit Bestechung zu arbeiten? Lässt das Kind sich überreden, die bittere Medizin zu nehmen oder die Nasentropfen auszuhalten, darf es hinterher ein Gummibärchen essen oder süßen Saft trinken. Das funktioniert nicht bei allen Kindern, aber wenn es klappt, sehe ich keinen Grund, es nicht zu tun. Vielleicht sollte man das Ganze nicht mit "Wenn - Dann" ankündigen, sondern einfach sagen: "Ich weiß, das Medikament schmeckt dir nicht. Ich gebe dir hinterher einen leckeren Bonbon, um den Geschmack wieder loszuwerden".
 

10. Medikamente unterschummeln

 
Es gibt Ärzte, die durchaus empfehlen, im Notfall Medikamente unter geliebtes Essen unterzumischen, so dass es wenigstens ansatzweise dort ankommt, wo es hin soll, nämlich ins Kind. Das geht natürlich nur, wenn das Medikament den Geschmack des Essens nicht zu sehr verfälscht, es nicht in Wechselwirkung mit dem Essen tritt und das Kind an sich genug isst, um auch genug von der Medizin einzunehmen. Ein sehr schwieriges Unterfangen also. Wenn Kinder gerne Obstmus aus Quetschtüten essen, dann kann man einen Teil des Inhaltes herausquetschen und mit einer Einwegspritze dann die Medizin einfüllen. Mit einem Holzstäbchen kurz umgerührt stehen die Chancen gut, dass das Kind die gewünschte Menge zu sich nimmt.

Die Ärztin, die uns in allen medizinischen Belangen in diesem Blog unterstützt, meint, ein kleines Glas Aprikosensaft eigene sich sehr gut zum Unterschummeln, da der Saft einen starken Eigengeschmack hat. Sie hat auch schon Schokopudding genutzt. Es stimmt, dass es einige Antibiotika gibt, die nicht zusammen mit Milch verabreicht werden sollten (also auch keinen Pudding, Joghurt etc.) - bei diesen kann man den Trick also nicht anwenden. Es sind aber nicht alle Arten von Antibiotika davon betroffen.
 

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation

 
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
 
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:
 
© Snowqueen

Mein Kind trödelt und bummelt ständig und ist oft langsam


Kind spielt auf einem Baumstamm mit Autos
Es gibt Kinder - und gar nicht mal so wenige! - die können nicht gut damit umgehen, wenn eine Aktivität endet und eine neue beginnen soll. Diese Kinder ziehen sich zum Beispiel total ungern an, weil das bedeutet, dass sie aus ihrem schönen warmen Schlafanzug in kalte Tagessachen schlüpfen müssen. Sie gehen auch ungern aus dem Haus, weil sie sich dann von ihren Spielzeugen loseisen müssen, um Schuhe und Jacke anzuziehen. Sind sie erst einmal angezogen und draußen, ist alles prima und sie haben totalen Spaß, aber bis die Eltern sie erst einmal dort hin bugsiert haben, leisten sie meist inaktiven Widerstand. Sie brauchen für alles gefühlt ewig und machen die Erwachsenen mit ihrer scheinbaren Antriebslosigkeit und ihrem Bummeln kirre. Dabei sind sie gar nicht per se antriebslos - sie können, wenn sie erst einmal in der neuen Situation angekommen sind, wunderbar spielen, sind fröhlich, kreativ und anstrengungsbereit. Nur bei den Übergängen zwischen den Situationen stockt es massiv.

Gründe für das Verhalten


Um das gleich klar zu stellen: dieses Verhalten ist total normal und bis ins Grundschulalter hinein auch altersgerecht. Je jünger die Kinder sind, desto schwieriger fallen ihnen meist die Situationswechsel und um so mehr bummeln sie.

Das liegt daran, dass das Gehirn in jüngerem Alter noch nicht sehr flexibel auf spontane Wechsel reagieren kann. Im Kopf der Kinder spulen sich kleine Programme ab und wenn diese nicht Schritt für Schritt abgearbeitet werden, gerät das Gehirn in die Krise. Meine Tochter Fräulein Ordnung kann zum Beispiel wirklich schlecht damit umgehen, wenn sie die Treppe hinunterlaufen soll, bevor sie den Reißverschluss ihrer Jacke zugezogen hat. Es gehört für sie einfach fest zum Programm, dass sie sich noch oben vollständig anzieht, bevor wir losgehen. Wenn wir es morgens eilig haben und ich mir wünsche, dass sie einfach die Jacke überwirft und dann z. B. an einer roten Ampel schließt, damit wir ein wenig Zeit sparen, dann bringt sie das jedes mal völlig aus dem Konzept.

Das kann auch anders herum passieren - wenn das Kind z. B. denkt, dass ein bestimmtes Programm gestartet wurde, das dann aber gar nicht abläuft: Es kann zum Beispiel sein, dass ein Erwachsener zuhause einen wärmeren Pullover anzieht, weil ihm kalt ist. Das Kind sieht das und erwartet nun, dass sie gleich raus auf den Spielplatz gehen, weil Papa diesen Pullover immer dann anzieht, wenn es raus geht. Der Erwachsene hat aber gar nicht die Absicht, rauszugehen. Das Kind erwartet aber, dass er nun auch die Schuhe anzieht und dem Kind die Jacke reicht. Passiert das nicht, obwohl diese Schritte im kindlichen Kopf vorgegeben sind (das Programm "Auf den Spielplatz gehen" wurde gestartet), kann es sein, dass das Kind aus für den Vater heiterem Himmel einen Wutanfall bekommt, weil das Gehirn nicht flexibel auf den Programmwechsel (geht doch nicht auf den Spielplatz) reagieren kann. Das ist allerdings nur bei sehr kleinen Kindern der Fall, also etwa vom ersten bis zweiten Lebensjahr. Ältere Kinder müssten schon in der Lage sein, dieser Art von Missverständnis mit Ruhe zu begegnen.

Ein spontanes Reagieren auf Gegebenheiten ist eine kognitive Leistung, die erst nach und nach erlernt wird - das sollten wir Großen immer im Hinterkopf behalten.

Ein weiterer Grund, gerade bei etwas älteren Kindern (ab ca. 4 Jahren) ist ein Phänomen, das sich Schwellenangst nennt. Damit ist nicht die Phobie gemeint, über Türschwellen zu treten. Kinder, die Schwellenangst haben, verweigern oft erst einmal neue Dinge/Situationen/Aufgaben, selbst, wenn diese schön sind. Sie möchten "die Schwelle" zur neuen Aufgabe nicht überschreiten und schieben diese lange vor sich her bzw. suchen sich Taktiken, diese ganz vermeiden zu können - zum Beispiel indem sie Bummeln. Einige dieser Kinder schaffen es sogar, krank zu werden, also beispielsweise echtes Fieber zu bekommen! Oft sind das sehr korrekte Kinder mit einem hohen Grad an Perfektionismus, oder aber Kinder, die schon oft in ihrem kurzem Leben gescheitert sind. Auch Erwachsene leiden noch an Schwellenangst, bei ihnen wird es aber gern Prokrastination genannt (was nicht ganz korrekt ist, denn das Aufschieben ist ja das Ergebnis der Angst).  Es erfordert ein großen Maß an Feinfühligkeit, Kindern über ihre Schwellenangst hinwegzuhelfen, aber es geht. Je mehr positive Erlebnisse sie dabei haben, desto einfacher wird es.

Lösungen für das Verhalten


1. Übergänge regelmäßig ankündigen


Im Alltag kommt es sehr, sehr häufig zu Phasenwechseln. Nehmen wir zum Beispiel die Zeit, nachdem ihr euer Kind aus dem Kindergarten abgeholt habt. Der erste Phasenwechseln dabei ist schon mal das Abholen. Die Kinder spielen gerade so schön im Garten, ihr kommt an und wollt sie holen, sie ziehen einen Flunsch oder rennen sogar weg, weil sie noch nicht mitkommen wollen. Habt ihr es geschafft, geht es sicherlich noch auf den Spielplatz. Oft maulen die Kinder dort erst einmal ein Weilchen, bis sie ins Spiel gefunden haben - der zweite Phasenwechsel (zwischen Abholphase und Spielplatz). Wollt ihr dann nach einer Stunde endlich nach Hause, maulen die Kinder schon wieder - sie wollen noch weiter spielen und trödeln. Denn auch hier gibt es einen Phasenwechsel - der vom Spielplatz zur Nachhause-Geh-Situation. So geht das unendlich weiter, bis die Kinder endlich im Bett sind. Ihr seht, das Leben besteht aus einem Strom an Situationswechseln. Habt ihr ein Kind, das mit diesen schlecht umgehen kann, dann kann das schon sehr belastend für die gesamte Familie sein, vor allem, wenn alle anderen Mitglieder aus einem anderen Holz geschnitzt sind.

Eltern, die selbst sehr zackig unterwegs sind und tausend Sachen auf einmal schaffen, werden kirre mit einem so scheinbar phlegmatischen Kind. Diese Zuschreibung ist aber sehr unfair dem Kind gegenüber, denn es kann ja nichts dafür, dass sein Gehirn so aufgebaut ist, wie es aufgebaut ist. Es wäre schade, ihm ein verqueres Selbstbild einzureden. Denn hätte es Eltern, die ebenfalls gemütlicher unterwegs sind und Situationswechsel auch nicht so mögen, dann würde es die Rückmeldung bekommen, gut so zu sein, wie es ist.

Wie könnt ihr euren Kindern nun also helfen? Indem ihr die Phasenwechsel regelmäßig ankündigt und einen Ausblick auf Kommendes gebt. Ich bin sicher, das macht ihr schon - dieser Tipp ist nicht neu.

Bewährt hat sich die 5-3-1-Regelung. Man kündigt dabei dem Kind an: "In 5 Minuten gehen wir los zur Kita". "In drei Minuten gehen wir los zur Kita". "In einer Minute gehen wir los zur Kita". Das allein reicht bei "leichteren Fällen" schon, den Übergang zu erleichtern. Wichtig ist übrigens, tatsächlich die korrekte Zeit einzuhalten, also nicht "5 Minuten" anzukündigen und dann erst in 10 oder 15 Minuten loszugehen. Denn sonst bekommen unsere Kinder unterschwellig eine falsche Vorstellung von Zeit. Für Kleinkinder kann man auch die "Ein (zwei/drei) Mal noch und dann fertig"-Regel anwenden. Diese ist leichter zu verstehen, als die Minutenangabe. Also: "Drei Mal Rutschen noch, dann gehen wir los." Ihr kennt und nutzt das sicher schon.

Wichtig ist auch, den Phasenübergang verbal aufzuschlüsseln. Wenn ihr also sagt: "In 3 Minuten gehen wir los", dann müsstet ihr danach kurz sagen, was ihr von dem Kind dann erwartet: "Du sollst dann bitte deine Schuhe und Jacke anziehen". So weiß das Kind nicht nur, wann der Situationswechsel passieren wird, sondern auch, was es dann genau machen soll. Es ist immer wichtig, Erwartungshaltungen klar zu verbalisieren und nicht einfach anzunehmen, der andere wüsste schon, was man von ihm will. Das gilt für Kinder genauso wie für Partner und Kollegen.

2. Einen Wecker stellen


Es gibt Kinder, die brauchen ein akustisches Signal einer "zeitlichen Autorität", um in die Puschen zu kommen. Für diese eignen sich Zeitwächter-Uhren. Ein normaler Wecker reicht natürlich auch, den muss man dann aber immer wieder neu einstellen.

Ich habe gute Erfahrungen mit dem ultra-teuren Time-Timer gemacht (sowohl zuhause, als auch an der Schule), weil dort die Kinder gut ablesen können, wie weit die Zeit schon verflossen ist. Ich liebe den echt und wenn ihr das Geld zufällig übrig habt, dann kauft den! (Wenn nicht, kann man es auch mit einem günstigeres Modell versuchen - nach den Bewertungen zu urteilen mit leichten Qualitätseinbußen).

Es gibt aber von Jako-O auch eine Morgenmuffel-Uhr, bei der man verschiedene Uhrzeiten einstellen kann, so dass sie morgens die verschiedenen Phasen einläutet (Aufstehen, Frühstück, Losgehen). Das gleiche kann man auch beim Handy einstellen - meins hat eine Weile 7 Uhr, 7.15 Uhr, 7.30 Uhr und 8 Uhr geklingelt zum Aufstehen, Anziehen und Zähneputzen, Frühstücken und Losgehen.

Auch hilfreich, allerdings ohne Ton, sind einfache Sanduhren. Wir haben ein Set (gibt es ganz groß und eher klein), die verschiedene Zeiten angeben: 1 Minute, 3 Minuten, 5 Minuten und 10 Minuten. Meine Kinder mögen es gern, diese umzudrehen und der Zeit beim herunterrieseln zuzugucken. Allerdings fehlt das akustische Signal oft. Wenn man durch Spielen abgelenkt ist, dann kann es sein, dass man den Zeitpunkt verpasst, an dem die Sanduhr durchgelaufen ist. Probiert es einfach aus - vielleicht hilft ja dieser Tipp bei euren Kindern.

3. Ein Fotobuch basteln


Dies ist der beste Tipp, den ich euch geben kann. Für immer wiederkehrende Rituale, z. B. die Zeit vor dem Schlafengehen, eignen sich selbst gebastelte Fotobücher am allerbesten. Ihr fotografiert euer Kind dabei in allen Situationen, die es jeden Abend durchläuft.

Bei uns waren das: Abendbrot, Hände und Mund waschen, spielen, ausziehen, duschen/baden, neue Windel, Zähne putzen, Schlafanzug anziehen, Schlafsack anziehen, ins Bett gehen, Buch vorgelesen bekommen, stillen, einschlafen. Zu jedem dieser Punkte gab es eine Seite mit entsprechendem Foto. So konnten sich meine Töchter schon sehr früh (ab etwa 11 Monaten) zeitlich orientieren, was als nächster Schritt kommen wird und das Abendritual verlief plötzlich viel stressfreier.

Zunächst guckten wir uns das selbstgebastelte Buch jeden Tag gemeinsam an, wie andere Bücher auch. Dann fing ich an, vor jedem Schritt, der gemacht werden sollte, das Buch zu "befragen". Was kommt als nächstes? Schauen wir mal nach? Ach ja, Zähne putzen! Beim Abendritual wurde das Buch als von Station zu Station mitgenommen und immer eine Seite umgeblättert. Weil es den Kindern eine Menge Verhaltenssicherheit gab, schon im Voraus zu wissen, was als nächstes von ihnen verlangt wird, hatten sie dieses Buch wirklich gern. Nach einiger Zeit fingen sie an, stolz anzukündigen, was auf der nächsten Seite zu sehen sein wird, d. h. die Abfolge der Schritte hatte sich so gut eingeprägt, dass sie das Buch eigentlich nicht mehr benötigt hätten. Es blieb trotzdem eine lange Zeit unser treuer Begleiter und schlummert nun als Erinnerung in ihrer Lebenskiste.

Foto von spielendem KindFoto von sich waschendem KindFoto: Kind wird Schlafanzug angezogen

Auf die Idee mit dem Fotobuch bin ich übrigens gekommen, als ich bei Jako-O im Katalog kleine Schildchen entdeckte. Auf dem einen abgebildet war die Reihenfolge, in der ein Kind eine Toilette benutzen soll: Pipi machen, spülen, mit der Klobürste säubern, Toilettendeckel zumachen, Händewaschen. Auf dem anderen war zu sehen, was ein Kind tun soll, wenn es nach Hause kommt: Jacke ausziehen und aufhängen, Schuhe ausziehen und wegstellen, Hausschuhe anziehen. Um Abläufe zu ritualisieren und Situationswechsel zu erleichtern eignen sich diese beiden Schildchen gut. Allerdings glaube ich, dass sie nur bei etwa 1- bis höchstens 3-Jährigen Kindern wirklich funktionieren. Alle, die älter sind, verstehen die Bildchen zwar, werden sich aber vermutlich nicht so akribisch daran halten, wie die Kleinsten.
Für ältere bummelnde Kinder (ab 3), die gerne strukturelle Hilfen in Anspruch nehmen, könntet ihr Ritualpläne aufhängen. Bitte nicht mit Verstärkerplänen verwechseln! Auf den Ritualplänen sind die einzelnen Schritte des Abendprogrammes (oder auch Morgen - egal, was) aufgemalt und das Kind kann jeden schon erreichten Schritt abkreuzen. Es erhält keine Belohnung dafür, dass es die Punkte abarbeitet. Es geht wirklich nur darum, das Ritual für größere Kinder visuell aufzuschlüsseln und damit Verhaltenssicherheit und Hilfe für die Phasenübergänge bereit zu stellen: Was habe ich schon geschafft? Was liegt noch vor mir? Was ist der nächste Schritt? Dieser Tipp eignet sich nicht für alle Kinder (das Fotobuch schon), sondern wirklich nur für solche, die gern visuell alles im Überblick behalten. Ein bisschen wie Erwachsene, die gern Listen schreiben und dann ein befriedigendes Gefühl haben, wenn sie darauf etwas durchstreichen können.

4. Tschüss sagen


Vor allem sehr kleine Kinder können sich bei Situationswechseln nur schwer damit abfinden, bestimmte Dinge oder Personen zurückzulassen. Das hängt wieder mit den "Programmen" im Kopf zusammen, die eben für das Kind noch nicht vollständig abgearbeitet wurden. Deshalb ist dieses Phänomen eigentlich eher bei Kleinkindern (bis maximal 3,5 Jahre) zu finden. Neben dem "Zeit geben", das ich schon im zweiten Teil dieser Serie über die Erhöhung der Kooperationsbereitschaft beschrieben habe, ist es in einer solchen Situation hilfreich, dem Gegenstand "Tschüss" zu sagen. "Tschüss, großes Müllauto, morgen sehen wir uns wieder!", "Tschüss, Kindergarten. Morgen kommen wir wieder!", "Tschüss, Dreirad! Du wartest hier im Fahrradraum auf uns". Mit diesem definitiven Abschluss endet auch das Programm im Kopf eindeutig und es fällt den Kindern leichter, zu gehen. Ich nehme an, unter anderem deshalb mögen Kleinkinder auch die Bobo-Siebenschläfer-Geschichten so gern. Der Kleine schläft ja am Ende jeder Geschichte ein - wenn das kein eindeutig definiertes Ende ist, dann weiß ich auch nicht...

5. Etwas aus der Situation mitnehmen


Eng verwandt mit dem "Tschüss sagen" ist das Mitnehmen. Wenn es bei meinem kleinen Sohn nicht ausreicht, dem Spielzeugmüllauto im Hof "Tschüss" zu sagen, dann schlage ich meist vor, dass er die beiden Mülltonnen mitnehmen kann, damit er sich nicht endgültig trennen muss. Diesen Trick habe ich schon bei den Mädchen damals angewendet. Bei ihnen ging es morgens meist darum, dass sie nicht in den Kindergarten wollten, weil sie gerade so schön mit ihren Püppchen spielten. Also durften sie die Puppen mitnehmen und sie auf dem Weg im Arm halten. Im Kindergarten angekommen, waren dann aber immer andere Dinge wichtiger, so dass die Püppchen von mir problemlos wieder mitgenommen werden konnte (und selbst, wenn nicht, dann warteten sie in der Garderobe, auch kein Problem).

Meine Töchter sind nun 5 und sie nehmen morgens trotzdem oft gern noch etwas mit, wenn es in Richtung Kita geht. Ich meine nicht das Spielzeug, dass sie dort benutzen wollen, sondern alltägliche Sachen, wie einen Stift oder ein Stück Garn. Ich kann mich erinnern, dass ich das selbst als Kind auch gemacht habe. Eine meiner ersten Erinnerungen ist, wie ich fertig angezogen an der Wohnungstür stehe und schnell noch eine Puppentasse in meine Jackentasche packe. Meine Mutter sagt: "Aber heute wolltest du doch nichts mitnehmen?" und ich antworte: "Oh, stimmt" und packe die Tasse wieder aus. Witzigerweise habe ich genau diese Tasse noch heute, in meiner Lebenskiste. Sie ist überhaupt nichts besonderes und damals hatte ich auch keinerlei emotionale Verbindung damit. Es war einfach nur ein Gegenstand aus meinem heimischen Umfeld, das mir über den Tag helfen sollte. Eine kleine Nabelschnur sozusagen.

6. Für Kinder mit Schwellenangst: Große Aufgaben kleinschrittig gestalten


In der Schule hilft man Kindern mit Schwellenangst, indem man ihnen ihre Aufgaben möglichst kleinschrittig darbietet. Ein ganzes Blatt mit Matheaufgaben würde von ihnen sofort von sich geschoben werden und niemals bearbeitet werden. Knickt man das Blatt aber so, dass nur die erste Aufgabe zu sehen ist und gibt man ein wenig Anschwung, indem man das Kind z. B. fragt: "Hier steht, du sollst 2+3 rechnen, weißt du, wie das geht?" (man überschreitet die Schwelle also gemeinsam mit dem Kind), dann fangen sie doch mit der Aufgabe an und schaffen diese normalerweise Stück für Stück problemlos.
Kind macht Schulaufgaben

Genauso kann man das im Alltag gestalten. Es nützt keinem, wenn ihr eurem Kind (selbst, wenn es schon 5 ist) morgens sagt: "Zieh dir den Schlafanzug aus und leg ihn aufs Bett, such deine neuen Sachen raus und zieh dich bitte an. Ich warte in der Küche auf dich". Das wird nie und nimmer klappen, wenn ihr ein Kind mit Schwellenangst habt und nur zu Frust auf beiden Seiten führen, weil das Kind lieber bummelt, weil die Aufgabe viel zu groß erscheint. Daher wird es nicht damit beginnen, sondern sich lieber hinsetzen und mit der Brio-Bahn spielen. Das Kind kann das alles zwar allein und vom Alter her könnte man als Eltern darauf pochen, dass es sie auch allein macht, aber es würde unglaublich viel Druck ausgeübt werden müssen, bis das Kind tatsächlich anfängt. Der Druck der Eltern (meckern, nörgeln, erinnern...) müsste nämlich zunächst den inneren Druck der Schwellenangst überschreiben. Das geht. Aber: Es macht das Miteinander sehr unfreundlich, bringt Stress und schlechte Laune bei allen Beteiligten und hilft auf lange Sicht gesehen nicht, die Schwellenangst zu besiegen.

Gliedert deshalb diese große Aufgabe (selbst, wenn sie euch klein erscheint), in kleine Schritte auf:

1. "Zieh deinen Schlafanzug aus",
2. "Leg deinen Schlafanzug aufs Bett",
3. "Such dir Sachen aus dem Schrank"
4. "Zieh dich an"(für sehr schwere Fälle könnte man auch das Anziehen nochmal unterteilen...),
5. "Komm zum Frühstück in die Küche".

Ihr seht, das ist nichts anderes, als das Blatt mit den Matheaufgaben günstig zu falten.

Nun kommt noch ein weiterer Schritt hinzu - der Hilfe zur Überschreitung der Schwelle. Bei jedem dieser 5 Schritte müsstet ihr am Anfang dabei sein. Nicht, um das Kind zu überwachen, sondern, um dem Kind notfalls den Rücken zu stärken. Ihr könnt zum Beispiel helfen, das Schlafanzugoberteil über den Kopf zu ziehen. Oder ihr drückt den Kindern den Schlafanzug in die Hand, damit sie ihn aufs Bett bringen können. Ihr geht mit dem Kind gemeinsam zum Schrank und öffnet diesen... Dann müsste eigentlich jeweils die Schwelle überschritten sein und euer Kind von selbst in die Gänge kommen. Dann wiederum ist es wichtig, euch aus dem Geschehen zurückzuziehen und es selbst machen zu lassen, sonst wird es mit der Zeit unselbständig, weil es sich darauf verlässt, dass Mama das schon macht. Es geht wirklich nur darum, die neuen Situationen für das Kind ins Rollen zu bringen, nicht, ihm die gesamte Arbeit abzunehmen.

Ich sehe Michael Winterhoff bei diesen Zeilen förmlich mit den Augen rollen und mich eine Helikoptermutter in Symbiose mit meinen Kindern nennen, deshalb möchte ich noch erwähnen, dass es Kinder mit echter Schwellenangst eher selten gibt. An meiner Schule habe ich natürlich mehrere solcher Kinder, einfach, weil diese überdurchschnittlich oft im Leben scheitern, aber im "Leben da draußen" fällt mir eigentlich nur ein Junge einer anderen Blog-Mutter ein, der vermutlich daran leidet.

Es ist für diese Kinder kein Spaß, Schwellenangst zu haben, denn es blockiert ja eine Menge Lebensenergie und nimmt ihnen oft die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren (und Selbstbewusstsein zu entwickeln). Außerdem wird ihnen immer wieder vorgeworfen, zu langsam zu sein oder zu viel zu trödeln. Deshalb halte ich es für wichtig, sensibel mit der Problematik umzugehen. Am besten ist es, diese kleine Eigenheit einfach anzunehmen, nicht anzusprechen und als Teil des Kindes zu akzeptieren. Wenn euer Kind schlecht sieht, bekommt es automatisch eine Brille und keiner guckt schief deswegen. Ist euer Kind so perfektionistisch, dass es lieber gar nicht neue Aufgaben ausprobiert, dann sollte es selbstverständlich sein, dass ihm - wie mit der Brille - ein Hilfsmittel zur Verfügung gestellt wird! Denn je öfter ein Kind mit Schwellenangst erfolgreich neue Aufgaben meistert, desto schneller verliert sich diese Blockade. Sie kann völlig verschwinden. Deshalb ist es eben auch so wichtig, ihm nicht die gesamte Aufgabe abzunehmen, sondern nur für den kurzen Moment des Phasenwechsels Hilfe anzubieten, denn erfolgreich bedeutet eigentlich "allein gemeistert". Je öfter ihr ohne großes Trara über die Schwelle helft, desto leichter wird es eurem Kind fallen, es ein anderes Mal ohne Druck allein zu versuchen.

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation 


Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:
© Snowqueen

In eigener Sache: Werbung, Anfragen und Unterstützung

Liebe Leserinnen und liebe Leser,


heute möchten wir uns mal ganz persönlich an Euch wenden. Euch ist sicher in den letzten Wochen aufgefallen, dass nun auch gelegentlich werbliche Artikel bei uns erscheinen. Wir wollen heute kurz erklären, warum das so ist.

Außerdem wird uns immer wieder die Frage gestellt, wie man unsere Arbeit unterstützen kann. Das ist auf ganz vielen Wegen möglich - wir wollen Euch diese heute kurz vorstellen.  
 
 

Warum wir uns entschieden haben, auch Werbung zu veröffentlichen

 
Seit etwa 3 Jahren gibt es Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten - wir schreiben hier über die Dinge, die uns sehr am Herzen liegen. Unser Ziel war es von Anfang an, die Welt für Kinder ein klitzekleines bisschen besser zu machen, indem es uns gelingt, Eltern davon zu überzeugen, dass sie ihre Babys nicht verwöhnen, wenn sie sie viel tragen, mit ihnen gemeinsam schlafen oder liebevoll auf ihre Bedürfnisse eingehen.  Durch Eure zahlreichen Kommentare und Nachrichten wissen wir, dass wir mittlerweile ganz, ganz viele Eltern erreichen und bewegen. Darüber freuen wir uns riesig und es macht uns sehr dankbar und außerordentlich zufrieden. Unsere Arbeit macht uns wirklich großen Spaß - aber es ist auch wirklich Arbeit.

Und die ist deutlich zeitintensiver, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Für unsere meist sehr umfangreiche Recherche, das Schreiben, die Bildersuche, die Verlinkung und das Korrekturlesen verschlingt ein Artikel - je nach Umfang und Thema - zwischen 5 und 50 Arbeitsstunden. Das ist Zeit, die wir uns sehr gerne nehmen, die uns aber auch an anderen Stellen einfach fehlt, denn auch unsere Tage haben leider nur 24 Stunden.
Weil man im Leben aber immer möglichst viel von dem tun soll, was einem wirklich Spaß macht, haben wir unsere persönlichen Prioritäten neu sortiert - ein Stück weg von unserer "klassischen Arbeit" hin zu unserem heißgeliebten Wunschkind.

Diese Freiheit will jedoch auch finanziert werden - aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, nun auch werbliche Inhalte zu veröffentlichen.


Werbung auf unserer Seite bedeutet für uns: Mehr Zeit zum Schreiben.

 
Zeit ist ein kostbares Gut, das zunehmend knapper wird - denn offline gibt es fünf wunderbare Kinder und ein spannendes und herausforderndes Familienleben. Wir müssen daher abwägen, wie wir unsere Zeit sinnvoll nutzen.

Wir schreiben ausschließlich über die Dinge, die uns wirklich überzeugt haben - ihr könnt Euch also darauf verlassen, dass wir nur Produkte und Dienstleistungen vorstellen, die uns auch wirklich überzeugen. Das Produkt erhalten wir üblicherweise kostenlos zum Testen, manchmal bekommen wir auch eine zusätzliche Vergütung. Damit alles absolut transparent bleibt, versehen wir solche Produktvorstellungen mit dem Zusatz "Werbung".

 

Die Beantwortung von Fragen und Kommentaren

 

Unsere stetig zunehmende Reichweite freut uns natürlich sehr - sie führt jedoch auch dazu, dass der nicht sichtbare Aufwand um eine Webseite herum ebenso stetig steigt. Zum Einen erfordert höherer Traffic eine bessere (und damit leider teurere) technische Infrastruktur, zum anderen fließt immer mehr der Zeit in die Beantwortung von Fragen, Kommentaren und anderen Anfragen.

Wir freuen uns über jeden einzelnen Kommentar unter unseren Artikeln! Wir lesen auch jeden einzelnen und bemühen uns sehr, alle Fragen zu beantworten. Bitte seht uns nach, wenn wir das nicht immer schaffen. In den letzten Monaten haben auch zunehmend mehr unserer Leser/innen die Möglichkeit genutzt, uns eine E-Mail zu schreiben. Neben ganz viel Lob für unsere Arbeit gab es viele, viele, viele Fragen. Auch hier haben wir uns stets bemüht, diese Fragen möglichst ausführlich zu beantworten und uns sehr darüber gefreut, dass wir so vielen Eltern weiter helfen können.

Mittlerweile müssen wir uns jedoch zutiefst bedauernd eingestehen: Wir schaffen das nicht mehr. Das tut uns von Herzen leid, aber es ist mittlerweile unmöglich, weiterhin qualitativ hochwertige Artikel zu schreiben und zusätzlich alle Fragen so ausführlich zu beantworten, wie sie es verdient hätten. Wir wollen Euch für Fragen jeder Art unser wirklich großartiges Forum empfehlen, in dem ihr ganz viele Eltern treffen könnt, denen eine bedürfnis- und beziehungsorientierte Erziehung wichtig ist - sie haben in allen Lebenslagen ein offenes Ohr und einen klugen Rat. Wenn ihr Euer Problem in unserem Forum kurz beschreibt, erhaltet Ihr ganz sicher fundierte Antworten aus verschiedenen Perspektiven.


Aufgrund unseres Zeitmangels wird es uns zwar leider in Zukunft auch nicht mehr möglich sein, im Forum regelmäßig Fragen zu beantworten. Wir werden daher leider den Bereich "Fragen an Danielle und Snowqueen" schließen - aber ihr seid dort bei den anderen Mädels wirklich sehr, sehr gut aufgehoben! Und wann immer wir dazu kommen, werden wir natürlich auch vorbei schauen und uns beteiligen.

Wenn Ihr dennoch ganz unbedingt von uns persönlich beraten werden wollt, bieten wir diese Möglichkeit grundsätzlich an, können dies jedoch nicht mehr unentgeltlich tun. Wenn ihr ein kleineres Problem habt, das sich vergleichsweise unaufwändig beantworten lässt, berechnen wir dafür zukünftig 20 EUR. Bei komplexeren Fragestellungen, die eine sehr ausführliche Antwort erfordern, stellen wir 50 EUR in Rechnung. Wenn ihr davon Gebrauch machen möchtet, schickt uns eine E-Mail an squeennow@gmail.com. Gerne schätzen wir vorab den Aufwand für die Beantwortung ab.
 
 

Wie Ihr uns außerdem unterstützen könnt


Wir werden immer und immer wieder gefragt, wie man unsere Seite unterstützen kann - das geht auf ganz verschiedenen Wegen:


1.) Amazon-Affiliate-Links


Wenn ihr treue Amazon-Kunden seid: im rechten Randbereich unserer Seite gibt es ein kleines Amazon-Logo, das Euch direkt zur Amazon-Homepage führt. Wenn ihr vor Euren Einkäufen dort kurz drauf klickt, dann bekommen wir eine kleine Provision für alle Produkte, die ihr dann kauft.  Das gilt auch für die Links zu Produkten bei Amazon in unseren Texten. Das ist für Euch selbstverständlich nicht mit Mehrkosten verbunden.
 

2.) Wunschzettel


Für unsere Arbeit verwenden wir viele verschiedene Bücher als Quellen - mittlerweile ist unsere Bücher-über-Kinder-Bibliothek auf über 100 Bücher angewachsen. Es gibt noch soo viele interessante Bücher, die wir gerne lesen würden - wenn Du uns eins spendieren möchtest, dann schau doch mal auf unseren Amazon-Wunschzettel :-). Vielen Dank an Beatrice, Petra und TaoTao, die uns bereits bedacht haben!


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Unter unseren Artikeln findet Ihr ein Banner, das direkt zu Paypal führt. Wenn ihr möchtet, könnt ihr dort einen kleinen Betrag Eurer Wahl spenden. Wir bedanken uns wirklich von Herzen bei allen bisherigen Spendern - wir sind überwältigt von der Wertschätzung unserer Arbeit!



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An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich für Eure bisherige Unterstützung bedanken! Ihr macht uns erfolgreich, indem ihr ihr unsere Artikel aufmerksam lest, weiter empfehlt, uns auf Facebook und Twitter liked, favt und teilt oder uns Kommentare schreibt.
 
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Vielen Dank!
Snowqueen und Danielle

Mein Kind kommt abends ständig wieder aus seinem Zimmer heraus


Kind reibt sich das AugeViele Eltern kennen das: Man hat den Nachmittag und Abend mit den Kinder verbracht, gespielt, vorgelesen, wieder gespielt, nochmal vorgelesen, Abendbrot gemacht und gegessen, beim Abendprogramm geholfen, ein letztes Mal vorgelesen und nun soll das Kind endlich einschlafen, denn die Eltern-Zeit ist angebrochen. Leider denkt das Kind nicht ans Einschlafen. Stattdessen tappert es gefühlt hundert Mal aus seinem Zimmer raus ins Wohnzimmer und verlangt noch ein Glas Wasser oder es muss zur Toilette oder da ist ein Monster unterm Bett oder es ist zu heiß oder zu kalt oder das Kuscheltier ist plötzlich weg oder es muss unbedingt noch eine Geschichte aus dem Kindergarten erzählt werden.
 
Zunächst ist man als Elternteil noch geduldig und bringt das Wasser oder sucht das Kuscheltier, aber nach einer Weile wird man echt sauer, denn erholsam ist so ein unterbrochener Erwachsenenabend nun nicht gerade. Erst, wenn die Eltern richtig laut werden und schimpfen, scheint das Kind ein Einsehen zu haben, bleibt endlich liegen und schläft dann doch recht schnell rein. Warum geht das nicht mit mehr Kooperation? Warum müssen die Eltern scheinbar erst laut werden, damit das Kind nicht wieder aus seinem Zimmer kommt?

Gründe für das Verhalten


Um den (guten!) Grund für das Verhalten unserer Kinder zu sehen, müssen wir einen kleinen Abstecher in die Bindungstheorie machen. Wie ihr wisst, sind unsere Kinder schon gleich nach der Geburt auf der Suche nach einem verlässlichen Bindungspartner und finden diesen normalerweise bei Mama und Papa (bzw. Co-Mama). Im ersten Lebensjahr vertieft sich diese Bindung sehr stark. Die Eltern werden zum sicheren Hafen. Nach und nach kommen neue Bindungspersonen dazu - die Erzieherin im Kindergarten, Oma und Opa, Onkel und Tante, Pateneltern, Babysitter. An der Spitze der Bindungspyramide bleiben jedoch normalerweise die Eltern, d. h. bei ihnen fühlen sich die Kinder am sichersten und am wohlsten. Mit ihnen  wollen sie (je nach Alter natürlich) am liebsten 24 Stunden zusammen sein. Je älter ein Kind wird, desto stärker löst es sich von den Eltern, aber zumindest in den ersten drei Jahren hätten unsere Kinder nichts dagegen, uns immerzu zur Verfügung zu haben. Wenn das nicht geht, weichen sie problemlos auf andere Bindungspersonen aus, aber ihre Vorliebe gilt weiterhin uns.
 
In der Literatur wird die Bindung zwischen den Eltern und dem Kind häufig mit einem Gummiband verglichen. Dieses wird in verschiedenen Situationen probehalber "gedehnt". Ein gut gebundenes Baby zum Beispiel würde im Krabbel-Kurs von der Mutter wegkrabbeln und seine Umgebung untersuchen, dann aber nach ein paar Minuten wieder zu ihrem Schoß zurückkommen, um dort über Körperkontakt wieder Kraft zu sammeln. Das Signal, nun aber wieder zurückzukrabbeln, erhält das Kind aus seinem Inneren heraus. Es "fühlt" eine akute Sehnsucht nach den Eltern, welche schnell gestillt werden soll. Man sagt, das Bindungsband war in "gespanntem Zustand" und wie ein Gummiband, das nicht ewig gedehnt sein möchte, wird das Kind durch das Bindungsband zurückgeführt. Der folgende Körperkontakt mit den Bindungspersonen verringert den inneren Stress des Abenteuers, welches es gerade erlebt hat (das muss kein schlechter Stress sein!), weil nun das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird.
 
Im Gehirn passieren dabei zweierlei Dinge: Das Kind wird durch den Hormonwirbel einerseits für seinen Mut belohnt, ein fremdes Gebiet erobert zu haben und erlebt sich als selbstwirksam,  andererseits fühlt es bei seinen Bindungspersonen eine wohlige Wärme durch seinen Körper strömen und eine enge Verbundenheit mit den Seinen, die beruhigend wirkt. Da haben wir also die Wurzeln und Flügel, die wir unseren Kindern geben sollen: Verbundenheit einerseits und Selbstwirksamkeit andererseits.
 
Nun ist das allein Einschlafen im eigenen Bett keine so andere Situation, wie das Herumkrabbeln im Kurs-Raum. Es ist ein Wagnis. Denn unser noch immer urzeitliches Gehirn verbindet Einschlafen noch immer mit Gefahr. Unser Stammhirn weiß nicht, dass es in unserem Kinderzimmer keine Säbelzahntiger und Höhlenlöwen gibt. Sobald das Licht aus ist, reagiert das Gehirn so, wie es vor tausenden von Jahren reagiert hat - mit Stress. Und wie reagiert ein gestresster kindlicher Körper? Genau, das Bindungsband wird aktiviert - das Gummiband schnellt zurück zum sicheren Hafen.  Das Kind wird von seinen eigenen Impulsen geradezu aus dem Bett gerissen, hinein zu uns ins Wohnzimmer. Dass es, um den inneren Stress loszuwerden eine Ausschüttung von Oxytocin braucht, weiß das Kind natürlich nicht. Es weiß nicht, warum es immer wieder aufsteht, um zu uns zu laufen. Es fühlt nur, dass es muss. Es weiß aber auch, dass wir das nicht mögen. Dass wir gerade unsere Ruhe haben wollen und Störungen ohne guten Grund missbilligen. Deshalb merkt es sich Ausreden, auf die wir in der Vergangenheit nicht ganz so genervt reagiert haben. Okay, Durst? Das kann ja wirklich sein - also geben wir dem Kind Wasser. Auf Toilette? Na gut, dass es ins Bett pullert, wollen wir auch nicht, also okay, geh aufs Klo! Hunger? Man, aber es gab doch Abendbrot. Na gut, dann kriegt es noch eine Stulle. Wie - Monster? Puh... okay - kindliche Ängste soll man unbedingt ernst nehmen, ich hole also das Monsterspray....

Kleines Mädchen ist sehr müde

Es ist keine absichtliche Schikane vom Kind - es wird getrieben von seiner Bindung zu uns. Rein kognitiv ist den Kindern bewusst, dass ihr im Nebenzimmer seid und ihnen nichts passiert, doch diese Bindungssehnsucht sucht sich ihren Weg trotzdem. Aber es merkt natürlich, dass es immer unwillkommener wird. Spätestens, nachdem wir richtig sauer geworden sind und es angeranzt haben, es soll nun endlich schlafen, fängt es an, das gespannte Band in seinem Inneren zu ignorieren. Das geht - Kinder sind Meister im verbiegen, um ihren Eltern zu gefallen. Aber schön ist so ein Einschlafen nicht.

Die Bindungshierarchie erklärt übrigens auch, warum unsere Kinder in der Nacht bei so oft bei uns im Bett landen, statt weiter in ihrem eigenen Bett zu schlafen. Sie sind dann eben aufgewacht (was normal ist), haben das gespannte Band in ihrem Inneren gespürt und sind zu ihrem sicheren Hafen getappst, um durch Körperkontakt dieses unangenehme Ziehen loszuwerden. Die Theorie lässt uns auch verstehen, warum unsere Kinder bei Babysittern oder Oma und Opa so viel schneller und problemloser einschlafen, als bei uns. Da diese Personen eine etwas tiefere Position in der Bindungspyramide haben, sind sie logischerweise nicht der sichere Hafen, der angesteuert wird. Das Bindungsband schnellt nicht automatisch in ihre Richtung zurück, das Kind fühlt sich von ihnen nicht so stark angezogen, wie von Nummer 1 und Nummer 2. Sind die Eltern nicht zugegen, dann ist das Kind also sowieso auf "Sparprogramm", d. h. es reißt sich (trotz liebevoller Umsorgung!) zusammen, bis Mama und Papa wieder da sind. Wenn also keine schnelle Oxytocin-Ausschüttung zu erwarten ist von demjenigen, der da im Wohnzimmer sitzt und aufpasst (je tiefer die Position in der Bindungspyramide, desto länger dauert das Trösten), braucht der Körper auch keine Impulse aktivieren, dorthin zu kommen. Da ist es für Körper und Geist energieeffizienter, einfach liegen zu bleiben und schnell einzuschlafen. Das bedeutet nicht, dass wir als Eltern darauf verzichten sollten, abends wegzugehen, nein. Ein Kind kann solche Abende problemlos aushalten. Oft sind es ja sowieso nur wenige Abende, an denen ein Babysitter da ist. Und selbst wenn nicht - bringt die Oma oder der Babysitter das Kind regelmäßig jeden Abend ins Bett, dann bildet sich zu ihm ja automatisch eine sehr enge Bindung und er/sie wird zum sicheren Hafen.

Lösungen für das Verhalten


Ich möchte gleich vorweg schreiben, dass meine Lösungen für das Verhalten euch und eurer Familie vielleicht nicht helfen werden. Vielleicht seid ihr auch enttäuscht, wenn ihr sie lest, weil ihr von mir großartige Neuerungen erwartet habt. Das Ding ist - Generationen von Eltern haben dieses Problem schon gehabt und es befassen sich unzählige schlaue Ratgeber mit seiner Lösung. Hätte ich sie gefunden, käme das dem Finden des Heiligen Graals gleich. Ich würde nicht nur reich, sondern sehr berühmt werden: Snowqueen - Retterin der Abende aller Eltern. Ich kann euch nur über unseren Weg berichten - der am Ende dazu führt, dass sich alle wohl fühlen.

1. Einschlafbegleitung


Die denkbar einfachste Lösung für das Problem ist die Einschlafbegleitung. Liegt ihr neben eurem Kind, muss es nicht zu euch heraus kommen und den Erwachsenenabend stören, denn sein Bindungsband ist ja nicht gedehnt. Es ist ganz nah bei euch, sein Gehirn braucht keine Angst vor Höhlenlöwen zu haben und kann sich zur Ruhe begeben. Für euer Kind ist dies normalerweise die kuschligste und schönste Möglichkeit, einzuschlafen.

Nun begleite ich seit mehr als 5 Jahren Kinder in den Schlaf und kann ehrlich sagen, dass es für Erwachsene durchaus schönere Möglichkeiten gibt, den Abend zu verbringen. Es gab auch Abende - und nicht wenige - da war ich super genervt davon, in diesem Bett neben diesen Kindern quasi "gefangen" zu sein. Das merkten sie natürlich und kamen noch weniger zur Ruhe. Je wichtiger es mir war, raus zu kommen, weil ich beispielsweise noch einen Blogpost zuende schreiben wollte oder Freunde im Wohnzimmer saßen, um mit mir zu quatschen, desto länger dauerte es, bis die Kinder schliefen.

Geholfen haben mir zwei Dinge. Erstens: Mein Smartphone. Das Telefon ist meine Verbindung zur Außenwelt. Ich kann twittern, Kommentare im Blog beantworten oder mit Freunden via Threema oder Signal quatschen. Danielle hat einen Kobo Glo - einen E-Book-Reader mit Hintergundbeleuchtung - der hat zusätzlich den Vorteil, dass er so eintönig und unbunt ist, dass die Kinder keinerlei Interesse daran zeigen. So nutzt sie die Einschlafbegleitung als feste Lesezeit und ist oft so versunken im Buch, dass sie noch lange weiter liest, obwohl das Kind längst schläft.

Zweitens: Der Gedanke, dass diese Zeit der Einschlafbegleitung endlich ist. Unsere Kinder sind nicht ewig klein, sie wollen nicht ewig unter unseren Fittichen liegen. Wie viel Zeit bleibt einem als Elternteil? Als Baby schliefen sie vielleicht drei Monate lang auf meiner Brust - ZACK, war das vorbei. Und wie ich es vermisse! Dieses kleine, warme, schlafschwere Kindchen auf mir, der winzige haarbekranzte Kopf kurz unter meiner Nase, der Geruch meines Babys direkt bei mir. Hach. Auch die anderen Phasen gehen rasend schnell vorbei, wenn man das im Rückblick betrachtet. Plötzlich sind sie 6 Jahre alt und viel zu cool, um noch eine Einschlafbegleitung zu wollen. Und dann sitzen wir Eltern im Wohnzimmer und überlegen: Haben wir die Zeit, so ewig lang sie uns währenddessen vorkam, wirklich gut ausgenutzt? Haben wir die Gelegenheiten genug ausgeschöpft, unseren Kindern richtig nah zu sein?

Schlafendes KindDenn ab hier streben sie immer weiter von uns weg. Sie bleiben mit uns verbunden, klar, aber ihr Weg führt nach den ersten 6 Jahren unaufhörlich von uns fort. Es fängt mit der ersten Übernachtung bei der Kindergartenfreundin an und endet mit dem Auszug in die erste eigene Wohnung. Sagen wir also, es bleiben uns etwa 60 Jahre, die wir gemeinsam mit unseren Kindern auf der Erde sind. - Haben wir die ersten 6 (vielleicht 10, wenn wir Glück haben), in denen sie uns nah sein wollen, weil wir ihre uneingeschränkten Helden sind, wirklich nachhaltig genossen?

Wisst ihr, bei meinen ersten beiden Töchtern hetzte ich im Babyjahr von Meilenstein zu Meilenstein. Ich wartete immerzu auf das, was sie bald können würden und verpasste so viele wunderbare Momente im Jetzt und Hier. Deshalb war es so ein Geschenk, dass wir doch noch ein drittes Kind bekamen. Beim Babybub wusste ich endlich, dass es total schnuppe ist, wann er sich zum ersten Mal dreht oder ob er mit 12 Monaten schon läuft. Wichtig war, es zu genießen. Ich habe jeden einzelnen Moment seines ersten Jahres ganz bewusst wahrgenommen und in meinem Herzen abgespeichert. Ich wollte nicht schon wieder so viel übersehen. Und deshalb liege ich auch heute noch fast jeden Abend neben meinen Kindern und begleite sie beim Einschlafen, lausche ihren Atemzügen und halte ihre kleinen Händchen. Damit ich mir nicht später selbst vorwerfen muss, es verpasst zu haben.

 

 2. Selbstbestimmtes Zubettgehen


Ich habe es schon öfter in diesem Blog erwähnt - meine Töchter können wählen zwischen Einschlafbegleitung und selbstbestimmtem Zubettgehen. Bei letzterem dürfen sie in ihrem Zimmer so lange (leise) spielen, wie sie wollen. Erst, wenn sie sich wirklich müde fühlen, gehen sie dann selbständig ins Bett und machen das Licht aus. Normalerweise schlafen sie dann auch tatsächlich innerhalb einer Minute ein. Dieses Arrangement klappt erstaunlich gut und gibt mir die Möglichkeit, abends die Küche etwas gründlicher aufzuräumen oder wichtige Papiere zu bearbeiten. Was man halt als Erwachsener so tun muss.

Meine Töchter versinken in dieser Zeit in ihrem Spiel und kommen deshalb nicht aus ihrem Zimmer. Sie sind wirklich fokussiert aufs Spielen. Es mag sein, dass sie Glück haben, weil sie zu zweit sind und deshalb gemeinsam spielen können. Aber auch Danielles Tochter spielt abends allein im Zimmer, seit sie 3 Jahre alt ist (und gerät dabei fast immer in den Flow). Meine Töchter entscheiden sich auch oft unterschiedlich: Eine bleibt auf und malt und bastelt noch eifrig, während die andere in einem anderen Zimmer schon neben mir liegt und versucht, einzuschlafen. Auch das klappt gut. Es gibt natürlich auch Abende, an denen sie doch zu mir in die Küche kommen oder sich auch streiten - dann ist es klar, dass ich doch eine Einschlafbegleitung machen soll, weil sie sich "falsch" entschieden haben. Dann legen wir uns eben gemeinsam ins Bett und machen das Licht aus.

Ich werde oft gefragt, ob meine Kinder nicht am nächsten Tag müde sind, wenn sie allein ins Bett gehen. Doch, das kommt vor, aber es ist nicht die Regel. Sie können sich sehr gut einschätzen und da sie nicht durch einen Fernseher oder ein Smartphone wach gehalten werden (wie wir Erwachsenen), hören sie die Signale ihres Körpers ziemlich gut. Selbst unser Eineinhalbjähriger kann schon sehr genau benennen, wann er schlafen gehen möchte und ist dann sehr kooperativ, wenn ich vorher noch schnell die Windel wechseln und die Zähne putzen möchte.

Natürlich muss man Kindern erst einmal eine "Eingewöhnungszeit" zugestehen, wenn man das Konzept des selbstbestimmten Schlafengehens einführt. Sicherlich werden fast alle Kinder erst einmal so lange aufbleiben wollen, wie sie schaffen, aber das reguliert sich nach ein paar Tagen von ganz allein. Auch für die Schule stellt dieses Konzept normalerweise kein Problem dar, solange das Kind nicht fernsieht oder Playstation spielt. Die Schulkinder, die in meinem Bekanntenkreis selbstbestimmt ins Bett gehen, tun das früh genug, weil sie von der Arbeit in der Schule so geschafft sind, dass sie gern einschlafen.

3. Geschwisterbett


Ich bin ein großer Fan von Geschwisterbetten, weil sie einerseits die Loslösung von den Eltern begünstigen, andererseits aber eben immer noch eine Bindungsperson im Bett ist, mit dem in der Nacht gekuschelt werden kann (nämlich das Geschwisterkind). Meine Töchter haben ein Geschwister-Bett von 140x200 Metern und schlafend darin gut ein, ohne, dass sie besonders oft zu uns Eltern rauskommen würden - weder beim Einschlafprozess, noch in der Nacht.

Ein Problem eines Geschwisterbettes ist das Toben kurz vorm Einschlafen. Ich will euch nicht verheimlichen, dass das durchaus vorkommt, wenn zwei kleine Kinder zusammen schlafen. Ich habe aber festgesellt, dass das Toben ein natürlicher Prozess ist, der kurz vorm ultimativen Einschlafen auftaucht und Letzteres sogar begünstigt, wenn man der Natur den freien Lauf lässt. Ein Abend sieht dann so aus: Kinder spielen im Kinderzimmer, das Licht ist an. Sie spielen ruhig und vertieft. Sie werden müde, wollen aber noch nicht schlafen. Das Konzentrieren auf das ruhige Spiel gelingt nicht mehr. Sie machen Quatsch miteinander und ringen im Bett oder hüpfen. Das dauert etwa 5-10 Minuten, dabei werden sie alle Energie los, die sich vorher durch das ruhige, konzentrierte Spiel aufgestaut hat. Das Toben flaut von allein ab. Manchmal weint eins der Kinder, dann muss ich trösten kommen. Oft genug aber machen sie dann einfach das Licht aus und legen sich hin. Ein wenig reden sie manchmal noch, aber eigentlich nicht viel. Nach spätestens 5 Minuten schlafen sie.
 
Zwei Geschwister in einem Bett

Ich habe am Anfang versucht, das Toben zu unterbinden, was nur mit Schimpfen klappte und das nicht einmal effektiv. Es war eine wirklich unangenehme Zeit, bis ich endlich so genervt war, dass ich sie habe "einfach machen lassen". Ich resignierte. Und da entdeckte ich endlich, dass das Toben gar nichts ist, gegen das man  als Erwachsener kämpfen muss. Die aufgestaute Energie hält die Kinder nur vom Schlafen ab, sie macht Hummeln im Hintern. Ist die Energie abgebaut, schlafen sie entspannt ein.

Zur Beachtung: Geschwisterkinder müssen ausreichend alt sein, um beieinander schlafen zu dürfen. Ein Baby hat nichts im Geschwisterbett verloren. Erst, wenn es alt genug ist, sich notfalls wegzurollen, die Decke wegzuziehen und bescheid zu geben, dass es zu eng ist, sollte das kleinere Geschwisterkind beim großen schlafen.

4. Immer wieder selbst hereinkommen


Da ihr nun wisst, dass eure Kinder immer wieder aus ihrem Zimmer kommen, weil eine Bindungssehnsucht sie überfällt, könnt ihr dem Herauskommen natürlich zuvorkommen, indem ihr regelmäßig zu ihnen hinein geht. Wenn ihr es schafft, die Abstände eures Nach-ihnen-Guckens so zu gestalten, dass ihr Bindungsband nicht zu weit gedehnt ist, dann werden sie im Bett liegen bleiben und einschlafen, ohne euch im Wohnzimmer zu stören.
 
Ich habe diese Lösung in Zeiten genutzt, in denen ich zu genervt für Einschlafbegleitung war (ja- das kommt vor). Sie waren zu diesem Zeitpunkt älter als drei Jahre und verstanden rein kognitiv, dass ich gern noch etwas arbeiten würde und die Zeit nicht im Bett verbringen wollte. Also wurschtelte ich draußen im Rest der Wohnung herum, räumte auf, tippte auf dem Rechner etc., so dass meine Töchter mich immer hören und manchmal auch sehen konnten. Zwischendurch ging ich immer wieder zu ihnen hinein und kurz vorm echten Einschlafen blieb ich meist bei ihnen auf der Bettkante sitzen. Richtig gut passt diese Lösung jedoch nicht zu uns, deshalb kommt sie nicht oft zum Einsatz. Aber vielleicht wäre sie etwas für eure Familie?
 

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation

 
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
 
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:
 
© Snowqueen