Der 1. Internationale Online-Bildungskonkress für freies Lernen und selbstbestimmte Bildung

 Gastartikel 

Diesen Freitag (18. März 2016) startet der erste Online-Kongress zum Thema Bildung und ihr solltet unbedingt dabei sein, denn dieses Projekt ist ebenso einzigartig wie interessant. Die Teilnahme ist kostenlos und Euch erwarten viele interessante Experten zum Thema Bildung, u. A. Herbert Renz-Polster, Lienhard Valentin, Katia Saalfrank und außerdem verschiedene Unschooling-Familien. Worum es genau geht und wer alles mit dabei ist - das erklärt Euch Lena, die Initiatorin des Kongresses und Autorin des Freilern-Blogs in diesem Artikel. 


Von der Bindung zur Bildung - selbstbestimmt lernen - leben - arbeiten - Wieviel kann ein Kind „von selbst“ ?


Im bindungs- und beziehungsorientierten Umgang mit unseren Kindern bemühen wir uns, achtsam auf ihre Signale zu schauen. Geht es ihnen gut? Was brauchen sie gerade? Irgendwann entwickeln wir ein gewisses Vertrauen, dass wir das mit unserem Baby oder vielleicht auch Kleinkind ganz gut raushaben und gut aufeinander eingespielt sind, dass es uns zeigt, was es braucht und wir das auch verstehen.

Und dann kommt das Alter, in dem Kinder häufig in den Kindergarten, in die Schule oder vielleicht auch einfach schon in die KiTa gehen. Und auf einmal geistert da noch ein anderer Begriff herum: Bildung. Begonnen mit der frühkindlichen Bildung bzw. Förderung. Und oft ist es dann hin, unser Vertrauen oder es hat gewisse Kratzer bekommen.

Dabei ist der Zusammenhang zwischen Bindung und Bildung in der Theorie gut erforscht und belegt. Wir brauchen eine sichere Bindung zu unseren Bezugspersonen, um wirklich gut lernen zu können, denn wir benötigen das Gefühl von Sicherheit dazu, uns aufmerksam der Welt zuzuwenden. Je jünger ein Kind ist, umso mehr (oder eine Störung darin zieht sich bis ins Erwachsenenalter). Klar – niemand kann sich gut auf etwas konzentrieren oder entspannen und kreativ sein, wenn er/sie gefühlt ständig „auf der Hut“ ist.

Am besten lernen wir von Personen, an die wir ebenfalls gebunden sind. Ob das nun Mentoren, Lehrer, Erzieher oder andere sind. Auch hier spielen Sicherheit und Vertrauen eine große Rolle; aber auch einfach Begleitung: dass da einer ist, der mit mir forscht und Erfahrungen mit mir macht, sich interessiert mir zuwendet.

Immer sind Beziehungen das Wesentliche, das worum es geht. Mit diesem Gefühl der Grundsicherheit kann sich das Kind der Welt zuwenden. Außerdem möchte das Kind „ganz viel Welt“ erfahren – möglichst die echte. Sich selbst weiterentwickeln und damit die Welt anders machen. Sich als selbstwirksam erfahren. Einen Unterschied machen. Das ist letztlich tief drinnen das Bedürfnis, vom kleinen Kind bis zum Erwachsenen. 

Und doch werden Eltern und insgesamt oft Erwachsene oft unsicher in ihrem Vertrauen, je älter ein Kind wird. Umso schwerer fällt es, das Vertrauen komplett aufrechtzuerhalten. Da ist immer noch ganz viel Belehrendes, ganz viel „ich weiß es immer besser“, oft ganz klare Vorstellungen davon, was als „Bildung“ oder „Lernen“ zu verstehen ist, wie das geht und was dabei in einem bestimmten Alter das Ergebnis sein soll. Was das Kind letztendlich tun soll. Das wiederum macht ganz viel kaputt an natürlicher Neugier und Wissensdurst, denn das Kind möchte ja in Beziehung treten, es möchte gefallen, es passt sich an. Schließlich spürt es die an es gestellten Erwartungen – und vergisst dabei ein Stück weit, es selbst zu sein.  



Denn eigentlich ist Leben Lernen und Lernen Leben. Der Mensch lernt, was gerade für ihn „dran“ ist, was ihn begeistert und interessiert. So einfach? So einfach. Es ist ohnehin eine Illusion zu glauben, wir könnten auf eine Zukunft vorbereiten, deren Anforderungen wir nicht kennen, deren Anforderungen es vielleicht heute noch nicht mal gibt. Die Wege dorthin sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Was wir und auch unsere Kinder immer mehr brauchen werden, ist die Fähigkeit, in neuen Gegebenheiten das zu lernen, was gerade „dran“ ist. Und das Vertrauen dahinein, dass unser Kind von Anfang an ein kompetenter Mensch ist und das wunderbar kann – wenn wir es lassen.

Dabei können Bildungsangebote, auch institutionelle, am Rand stehen und genutzt werden, wenn das Kind sie braucht. Wie ein bunter Strauß an Möglichkeiten am Wegesrand, aus denen das Passende ausgewählt werden kann, aber nicht muss, wenn gerade nichts dabei ist oder es nicht der richtige Zeitpunkt ist. 

Und wenn wir beginnen, uns zurückzuziehen in eine begleitende Rolle, unsere Kinder achtsam beobachten und ihre Zeichen wahrnehmen, ihnen den Rahmen zu geben, den sie sich von uns wünschen, sie in sich hinein spüren lassen, was ihnen gut tut und ihre Grenzen achten; aufhören, sie nach unseren Vorstellungen zu (er)ziehen und in unsere gedanklichen Strukturen hineinzupressen, wenn wir offen sind für das, was auch wir von ihnen lernen können, dann werden wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln und dann können auch aus unseren Kindern Menschen werden, die ihrerseits die Grenzen anderer erspüren und damit achten können. 

Wir als Eltern mit ihnen auf dieser Reise, offen für das, was ist und kommen wird, im erwartungsfreien Raum, lernen und wachsen dabei mit. Das geht gar nicht anders, denn lernen ist Leben und Leben ist lernen.
 

Unser Leben mit Kindern und wie es zu der Idee dieses Kongresses kam


Mein Mann und ich haben selbst drei Kinder (2, 5 und 8 Jahre) und wir haben festgestellt, dass viele der alten Vorstellungen nicht mehr passen für uns. Daher haben wir uns auf die spannende (innere und äußere) Bildungs- und Entwicklungsreise begeben – mit unseren Kindern, aber auch für uns selbst. Unser Traum war es, die wunderbaren Menschen, die wir dabei über die Jahre kennengelernt haben und mit denen ich teilweise zusammenarbeiten darf, mit ihrem Wissen zusammenzubringen. Nun ist die Vision groß, aber diese Menschen sind teilweise über die ganze Welt verteilt. Zudem kennen wir es selbst von Seminaren, Kongressen, Fortbildungen: schon die Anreise ist manchmal mit kleinen Kindern, die z. B. nicht gern Auto oder Zug fahren, nicht möglich oder schwierig, von der Teilnahme an Veranstaltungen ganz zu schweigen. Oft habe ich die Hälfte verpasst. Die flexible Lösung: ein Online-Kongress !

Wir haben ungefähr 50 Experten aus der ganzen Welt und im Alter zwischen 18 und 73 Jahren online versammelt. Das gab es in dieser Form und zu diesem sensiblen Thema noch nie, viele von ihnen treten zum ersten Mal online auf. Darunter sind beispielsweise Susanne Mierau, Julia Dibbern, Nicola Schmidt, Lini Lindmayer, Katia Saalfrank, Herbert Renz-Polster, Lienhard Valentin oder Andreas Reinke, außerdem Wissenschaftler wie Prof. Peter Gray, junge Menschen, die ohne Schule aufgewachsen sind (in Deutschland oder anderswo/Freilerner/Unschooler), Reisefamilien, Ausgewanderte, Filmemacher, die Betreiberin einer internationalen wöchentlichen Show, Verbandsvorstände und Aktive für das Lernen in Freien Schulen oder ganz ohne Schule, Lehrer, Berater, Autoren, Coaches, Menschen, die sich ihre Bildung nach der Schule selbst zusammengestellt haben, Initiatoren und Aktive freier Lernorte im In- und Ausland, ein Mitglied von Methodos, die „Schule“ einfach umgekehrt haben und ihre Lehrer selbst einstellen und bestimmen, was sie lernen, Blogger, Online-Unternehmer, Digitale Nomaden und andere ortsunabhängig Arbeitende. Mit ihnen haben wir das neue Format Online-Kongress umgesetzt.



Nach knapp einem Jahr Vorbereitungszeit ist es nun soweit: der 1. Internationale Online-Bildungskongress für freies Lernen und selbstbestimmte Bildung findet vom 18. bis 27. März statt. Eine Teilnahme ist wirklich für jeden möglich – denn sie kann vom häuslichen Sofa aus zu jeder Tages- und Nachtzeit erfolgen und der Kongress ist kostenlos. (Es besteht jedoch die Möglichkeit, wenn man die Interviews dauerhaft haben möchte oder unsere Arbeit unterstützen möchte, das Kongresspaket zu erwerben). 

Die Anmeldung erfolgt einfach über die E-mail-Adresse unter www.bildungskongress.com.

Sei dabei und melde Dich jetzt an! 

© Lena Busch

1 Kommentar:

  1. Ich bin angemeldet und gespannt was micj erwartet :)
    Habe es auch an befreundeter Erzieherinnen und Mütter geschickt.

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