"Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn" - Hayers und Achterwinter


Neulich schlenderte ich durch Rossmann und im Bestseller-Regal fiel mir das Buch ins Auge "Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn" mit dem Untertitel "100 nicht ganz legale Erziehungstipps". Der Titel allein ließ zwar schon ahnen, in welche Richtung es gehen wird - aber um das Buch nicht vorschnell zu verurteilen, bat ich den rororo-Verlag um ein Rezensionsexemplar, welches mir dieser freundlicherweise zur Verfügung stellte (vermutlich bekommen ich nach dieser Rezension nie wieder eins ;-) - ich bedanke mich dennoch sehr herzlich dafür! 

Das Buch


Der Inhalt ist relativ schnell erklärt - insgesamt 100 Erziehungstricks werden vorgestellt. Dabei wird zunächst eine Ausgangssituation beschrieben und dann erklärt, wie man das Problem (vermeintlich) effektiv löst. Die Tipps sind in insgesamt fünf Themengebiete unterteilt:

  • Gesund und munter
  • Saubär hingekriegt
  • Erwachsen werden, wozu?
  • Zusammen leben und lernen
  • Reden ist Gold, Ruhe auch

Im ersten Teil geht es rund um die Gesundheit - vom Kampf wegen der Kleidung über Süßigkeiten hin zum gesunden Essen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Konflikten rund um Sauberkeit und Hygiene, beim dritten und vierten habe ich keinen wirklichen Zusammenhang erkannt - es sind auf jeden Fall recht viele Pubertier-Themen dabei. Im letzten Teil geht es abschließend im weitesten Sinne um Kommunikation (auch im Sinne von Türen schmeißen).

Beim Verfassen der Situationsbeschreibungen lag der Hauptfokus darauf, es irgendwie lustig zu machen - manchmal kann man tatsächlich schmunzeln, meist wirkt der Humor jedoch sehr erzwungen und plakativ. Mich persönlich strengt so etwas ziemlich an, zudem die vermeintliche Lustigkeit oft gar nicht zur eigentlichen Dramatik der Situation passt. 

Meine Meinung zum Buch


Als ich das Buch las, wurde ich von Minute zu Minute trauriger und ärgerlicher. Und das aus verschiedenen Gründen. Zunächst einmal wollte mir nicht aus dem Kopf gehen, dass ich das Buch im Sachbuch-Bestseller-Regal gesehen hatte. Das heißt: Es ist aktuell eines der zehn Bücher, die am häufigsten in Deutschland verkauft werden (das treibt mir  - im wahrsten Sinne des Wortes Tränen in die Augen).

Das Buch hat außerdem die recht gute Bewertung von 4 Sternen bei Amazon. Nur mal zum Vergleich - die Neuauflage von Frau Kast-Zahns Trotzbuch (das ich kürzlich sehr ausführlich hier rezensierte) hat berechtigterweise die niedrigmöglichste Bewertung von einem Stern. Ganz offenbar lesen also die Leute "Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn" und finden es tatsächlich lustig und - noch viel schlimmer - hilfreich und - noch viel, viel schlimmer - empfehlen es weiter, so dass es sich zum Bestseller entwickelt hat.

Da komme ich ganz ehrlich schrecklich ins Grübeln. Das also ist die "normale" Einstellung gegenüber Kindern? Dass man allerlei List und Tücke aufwendet, um sie zu manipulieren?  Alle, wirklich alle im Buch vorgestellten Tipps basieren nur auf genau vier Methoden: Lügen, Drohungen, Erpressung und Bloßstellung. Oft auch aus einer Kombination dieser. Gut - der Untertitel "100 nicht ganz legale Erziehungstricks" ließ das schon vermuten, aber mit welcher Kaltblütigkeit und Hartherzigkeit da gegen (manchmal völlig altersgerechtes) kindliches Verhalten vorgegangen werden soll, macht mich sprachlos!

Die meisten Tricks basieren darauf, Kinder einfach schamlos anzulügen. Das Kind will sich nicht anschnallen? Erzähl ihm, dass deswegen ein Einhorn sterben wird und es für seinen Tod verantwortlich wäre. Bin ich die einzige, die das komplett unlustig - ja sogar grausam findet? Ich sehe die Autoren des Buches schon kopfschüttelnd vor mir: "Wieder so eine überempfindliche Übermutti! Diese Helikoptereltern sind echt total humorlos und überbehütend - furchtbar!" Nee - ich bin weder das Eine, noch das Andere. Ich frage mich einfach, wie lustig es ein Mann finden würde, wenn er von seiner Frau hören würde: "Los, bring endlich den Müll raus, sonst stirbt dein bester Freund Martin!"  

Kinder zum Funktionieren zu bringen, in dem man ihnen (die erlogene) Verantwortung für den Tod eines Fabelwesens überträgt ist, nicht nur "nicht ganz legal", sondern einfach nur dumm und verachtend.

Und es gibt zahlreiche andere Beispiele für "Lüg einfach, dann läuft es so, wie du es dir erwünschst":
Die Kinder mögen kein Reis? Lüg sie an und behaupte, das seien Mininudeln.

Dein pubertierender Sohn ist zu dick? Lege ihm ein Foto mit einem hübschen Mädchen vor und behaupte, das sei das Au-Pair, das im Sommer zu euch kommt - dann wird es schon abnehmen!


Lässt Dein Kind immer das Wasser laufen, deponiere Badezusatz im Hahn, damit dreckiges Wasser heraus kommt und behaupte, das Läge daran, dass das Kind nie den Hahn ordentlich schließt. 

Das Buch ist außerdem reich an Vorschlägen, das Kind mit Demütigungen gefügig zu machen:
Dein Kind schmeißt sich vor den Süßigkeiten an der Kasse auf den Boden und hat einen Wutanfall? Tue es ihm nach - es wird sich so schämen, dass es das nie wieder tut!

Schmeißt das Kind ständig Essen auf den Boden: tue so, als müsste es ab jetzt immer unter dem Tisch essen
.
 

Auch beliebt: subtile Drohungen/Erpressungen:
Die Kinder sind im Bus trotz Ermahnung nicht leise? Hab immer eine Süßigkeitentüte dabei, die du dann als Entschuldigung an die anderen Fahrgäste verteilst. Nur wenn sich die Kinder benehmen kommen sie selbst in den Genuss der Süßigkeiten.

Aber auch andere Fiesheiten werden vorgeschlagen: 
Überschreitet das Kind die Surfzeit am PC, dann schütte ihm immer wieder Juckpulver in den Nacken (zur pawlowschen Konditionierung.

Kommt Dein Kind betrunken heim, male ihm mit einem wasserunlöslichen Edding (!) ins Gesicht, so dass es glaubt, im Rausch beim Tätowierer gewesen zu sein.

Wenn dein Kind erklärt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, dann serviere Hühnerfilet und Leberkäse als Saitan und Tofu.

Zum Abstillen kann man ruhig mal Senf auf die Brustwarze geben - das wird dem Kind die Milch schon verleiden.

Wäscht sich dein Teenager nicht die Haare: Streu Glitzerpulver rein, das wird ihn schon dazu bringen.

Wenn der Wunschzettel der Kinder überquillt: schenke "Gutscheine" für Sachen und sag, Du kaufst sie im Februar. Die meisten Kinder haben den Wunsch bis dahin dann eh vergessen.
Der Gedanke daran, wie viele Eltern nun diese tollen Tricks ausprobieren werden, macht mich wirklich traurig. Und natürlich werden die meisten funktionieren - und zwar deshalb, weil Kinder ihren Eltern vertrauen und ihnen gefallen wollen. Das kindliche Vertrauen ist ein so kostbares Gut - hier wird empfohlen, es mit den Füßen zu treten, um die eigenen Interessen mit Macht durchzusetzen. Kinder haben die Kompetenz, mit uns gemeinsam Probleme zu lösen. Miteinander reden, einander zuhören, sich mit Respekt zu begegnen, ernst genommen zu werden und mit einander in Beziehung zu stehen machen Drohungen, Lügen und Erpressung vollkommen überflüssig!

Bei meiner Rezension zum Buch von Anette-Kast Zahn wurde in den Kommentaren kritisch angemerkt, dass meine sachliche Rezension durch den letzten Teil zu einer aufgeregte Kritik geworden sei. Ich fürchte, auch dieses Mal befinde ich mich meilenweit von einer sachlichen Buchbesprechung entfernt - aber da das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, kann ich abschließend in aller Klarheit resümieren:

Dieses Buch ist einfach nur unglaublich schlecht und menschenverachtend!


Nachtrag

Auf Facebook wurde ich darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Buch doch eindeutig um Satire handeln würde. Das hat mich etwas überrascht - denn unter Satire verstehe ich Texte, die durch eine gewisse Überzeichnung Personen, Ereignisse oder Zustände verspotten oder anprangern. Mir ist nicht so richtig klar, inwiefern das hier zutreffen sollte. 

Selbst wenn das Buch tatsächlich nur rein humoristisch mit unterhaltendem Charakter hätte sein sollen, finde ich das dahinter stehende Kindernbild schrecklich. Und ich möchte meinen, dass nicht wenige Eltern die vorgeschlagenen Gemeinheiten tatsächlich ausprobieren. So heißt es in den Amazonrezensionen bspw.:
"Mit diesem Werk hält man einen zwar unkonventionellen aber waschechten Erziehungsratgeber in den Händen."

"Bei allem Unterhaltungswert dieses Ratgebers kann man doch wirklich auch einiges mitnehmen, da einem durch die wirklich allen Eltern bekannten Situationen ein Spiegel der eigenen Reaktionen (und der manchmal nicht zu verhindernden Genervtheit) vorgehalten wird. Hier zukünftig besonnener und zum sicherlichen Erstaunen der Kids wesentlich cooler zu reagieren, kann dieser Ratgeber durchaus möglich machen."

"
Und ein paar Ideen bekommt man selber die man in der eigenen Erziehung verwenden kann."

Kommentare:

  1. Danke für deine Rezension! Mir ist das Buch bislang noch nicht unter gekommen, aber den Textauszügen zu Folge kann ich dir nur beipflichten.
    Lg Sternie

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  2. Das ist kurz vor unverschämt. Kinder so als Trottel, die man einfach anlügen kann und danach drüber lacht, wie sie es geglaubt haben, zu behandeln, ist unter alle Sau.800 PULS!!
    Danke, dass du darauf aufmerksam machst!

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  3. Ich bin sprachlos! Wie furchtbar! Wahrscheinlich wurde das Buch nur wegen seines vermeintlich lustigen Titels so häufig gekauft -- die Leute wollen sehen, was dahinter steckt. Wie es im Anschluss an die Lektüre zu guten Amazon-Rezensionen kommen kann, ist mir allerdings schleierhaft.

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  4. Aber das Buch war jetzt nicht als reiner Scherz gemeint - die Autoren meinten die Tipps wirkich ernst??? OMG! Ich würde mein Kind niemals anlügen.
    Eines kann ich aber nicht nachvollziehen:
    "Dein Kind schmeißt sich vor den Süßigkeiten an der Kasse auf den Boden und hat einen Wutanfall? Tue es ihm nach - es wird sich so schämen, dass es das nie wieder tut! "
    ein dreijähriger kennt das Gefühl Scham doch noch gar nicht. Wenn man es ihm nachmacht, spiegelt man ihn in seinem Verhalten, begiebt sich auf die gleiche Ebene, und das finde ich ist prinzipiell eine gute Sache. Es kann eine Verblüffung erzeugen (Musterunterbrechung), so dass das Kind dadurch vielleicht wirklich aufhört. Die Leute um einen rum sollten Kind wie Eltern dabei herzlich egal sein.
    Leider konnte ich nicht testen obs funktioniert, mein Großer hat sich beim Einkaufen noch nie auf den Boden geworfen er verhandelt mit seinen jetzt fast 4 lieber geschickt :-)

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  5. Genau das mit der Satire habe ich auch gedacht. Ohne das Buch zu kennen, habe ich zunächst gedacht: Was? Das schlagen die ernsthaft vor???!!!???
    An der Stelle "Kommt Dein Kind betrunken heim, male ihm mit einem wasserunlöslichen Edding (!) ins Gesicht, so dass es glaubt, im Rausch beim Tätowierer gewesen zu sein." hab ich aber gedacht: Ok, das ist ja Satire, schwarzer Humor. Den mag ja nicht unbedingt jeder und den kann natürlich auch nicht jeder (womit ich nicht dich meine, sondern mögliche Amazon-Rezensenten, die hier angesprochen wurden). Da ich weder Buch noch Autor kenne, sondern meine Meinung nur auf Basis dieser Rezension gebildet habe, kann ich natürlich auch falsch liegen. Andererseits ist es für mich schwer vorstellbar, dass das Buch ernst gemeint sein könnte. Nach deiner Rezi denke ich, es geht darum, Eltern zu verspotten, ihre immer wieder auftretende Hilflosigkeit im Umgang ihren Kindern und den dann stets leichten Weg zu den Lügen, Beschämungen und Drohungen zu entblößen. So verstehe ich das Buch. Satire kann sehr kränkend und verletzend sein, insbesondere wenn man sie ernst nimmt. Nach dem Lesen deiner Rezi möchte ich dir irgendwie gerne sagen: Hab mehr Vertrauen in die Menschen. Die meisten versuchen nur ihren Weg zu finden, um glücklich zu sein. Den einen gelingt das besser, den anderen schlechter, die einen bemühen sich mehr, die anderen weniger. Das Leben ist nicht immer einfach und so ein Familienleben ist mitunter hektisch und chaotisch und überfordernd. Ich glaube, genau darum geht es in dem Buch, dass doch jeder manchmal denkt: "Du kleine Kröte, mach doch einfach mal das, worum ich dich bitte." Wir haben nicht immer Lust auf Auseinandersetzungen und wollen manchmal einfach nur friedlich einkaufen gehen ... und klar darf man sich nicht wundern, wenn das Kind vor der Kasse einen Aufstand macht, wenn man es fünf Minuten vor Schließung aus dem KiGa abholt, selbst total angespannt ist und dann noch einen Großeinkauf fürs Wochenende veranstaltet. Doch in dem Moment, der vielleicht nicht anders zu organisieren war, weil ..., also in dem Moment, möchte man sich vielleicht doch neben das Kind auf den Boden werfen und auf genau dieselbe Art Psychohygiene betreiben oder dem Kind einfach mal zeigen, wie kacke sich das grad anfühlt. Natürlich tun wir dies nicht, weil wir eben erwachsen sind und unsere Impulskontrolle um einiges weiter entwickelt ist. Aber es geht um diesen dunklen Fleck in uns, der wird in dem Buch vorgeführt (und mMn nicht die Kinder), aus dem es manchmal eben einfach nur schreit und trommelt: ICH WILL ABER ... Und darum kann ich mich gut identifizieren mit dem Buch, weil ich nämlich diesen dunklen Fleck auch habe, ihn immer mal wieder wahrnehme, mich zwar dann anders verhalte, aber eben nicht perfekt bin, weil das auch ok ist. Und genau darum kann ich über die Idee mit dem schwarzen Edding lachen ... weil wir manchmal hilflos sind, weil Humor dann hilft, weil schwarzer Humor besonders gut hilft ... zumindest bei mir. Das Buch kaufen, würde ich mir aber trotzdem nicht. Ich habe genügend eigenen schwarzen Humor in mir drin ...

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    1. Liebe Petra,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar!

      Das Buch ist (angeblich) eine Sammlung von Tricks von Bekannten und Freunden, die - so schreiben die Autoren - tatsächlich angewandt wurden und ("funktioniert haben"). Sie stellen zwar lapidar fest, dass sie nun wirklich nicht pädagogisch wertvoll seien, aber eben wirksam.

      Ich frag mich immer, wie weit bestimmte Erziehungsformen verbreitet sind. Leider fürchte ich, dass der liebevolle und bedürfnisorientierte es leider noch nicht allzu weit ist. In meinem Umfeld wird viel mehr mit Strafen, Belohnungen und Drohungen erzogen. Deswegen gehe ich leider davon aus, dass ganz, ganz viele tatsächlich die Tipps für bare Münze nehmen und ausprobieren.

      Ich kann Deine Überlegung zum dunklen Fleck gut verstehen. Den hat garantiert jeder von uns - ich kenne niemanden, der mit seiner Erziehung komplett zufrieden ist. Ich hadere selbst oft genug damit. Darüber zu schreiben, wie man es gerne machen würde und es dann auch umzusetzen, sind leider oft verschiedene Dinge...

      Es gibt ein Buch von Nina Massek "Eine Mama am Rande des Nervenzusammenbruchs", das genau das und auch kleinere Flunkereien thematisiert - das finde ich sehr unterhaltsam und lustig, weil es einen absolut positiven Blick auf die Kinder hat und dennoch realistisch ist in Bezug auf die Schwierigkeiten des Zusammenlebens. Das war wirklich leicht und lustig zu lesen - dieses Buch hier empfand ich einfach nur als eine geballte Ansammlung fieser Gemeinheiten. Und lustig fand ich es auch nicht - und mein Humor ist durchaus sehr ironisch mit Hang zum Sarkastischen...

      Vertrauen? Das fällt mir sehr schwer, wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe. Ich kann mir leider sehr gut vorstellen, dass viele, die ich kenne, diese Tipps als wirklich praktische Lösungen betrachten. Und dadurch noch mehr das Gefühl bekommen, dass Drohungen und Erpressungen völlig legitime Erziehungsmittel sind *seufz*.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Hey Danielle, ich glaube, ich hab das missverständlich geschrieben. Es stimmt natürlich was du sagst, dass das Buch keinen positiven Blick auf Kinder hat, denn letztlich lacht man ja über die Kinder darin, auf ihre Kosten gehen ja die "Scherze". Für mich ist es trotzdem Galgenhumor, der eben einsetzt, wenn man sich als Eltern total hilflos fühlt (und der darum Eltern vorführt) und darum nicht ernstzunehmen ist. Letztlich bleibt so ein bisschen die Frage: Darf man sich über Kinder lustig machen? Darf man sich über Minderheiten etc. lustig machen? Tucholsky (glaub ich) sagte ja: Satire darf alles! Aber da kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Letztlich ist es gut, dass du und ihr euch so für die Rechte der Kinder auf wertschätzenden Umgang und Gleichwertigkeit gegenüber Erwachsenen einsetzt. Also: Weiter so! Auf das Vertrauen komme ich bestimmt in dem einen oder anderen Kommentar noch mal zurück, wenn ich darf. Das ist nämlich mein Thema ;-): Die Haltung, die wir gegenüber unseren Kindern versuchen einzunehmen, sollten wir meiner Meinung nach auch gegenüber dem Rest der Menschen einnehmen (siehe auch Attributionsfehler https://de.wikipedia.org/wiki/Attributionsfehler)

      Liebe Grüße
      Petra

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  6. haha ;) also klar, beim lesen musst ich schon schmunzeln, ein bisschen klingst du nach humorloser übermutti. aber weißt du was? ich würde eher aus den hohen verkaufszahlen etwas positives ablesen: die Eltern von heute suchen nach antworten! es gibt kein rigorosen autoritären Stil von früher mehr, da hat man dem aufmüpfigen Kind eine runtergehauen und es hatte zu gehorchen. Die Eltern WOLLEN ja liebevoll mit ihren Kindern umgehen, und manchmal hilft da eben nur Humor. Und trotzdem bleiben ganz ganz viele Frage offen, und alle Eltern fragen sich in den gleichen Situationen, was sie tun sollen! Das Ist doch großartig. Dann kommt ihr ins Spiel: ihr gebt soviele tolle Antworten auf solche Fragen! Bitte macht also weiter so, werdet noch bekannter, schreibt endlich euer Buch!!!!! und macht weiter wie bisher. Ihr seid toll. Gebt den Eltern Antworten. Und: pickt euch aus dem Buch mal die 10 blödesten Antwort und schreibt mal EURE Ideen dazu! Wär das was? Nehmt es mal als Herausforderung" IHR SEID SPITZE.

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    1. Das habe ich mir schon gedacht, aber da ich es wirklich komplett unlustig fand, nehme ich das an der Stelle gerne in Kauf *lach*. Ich war ernsthaft ärgerlich über so viel geballten Unsinn.

      Der Aspekt ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen, dass das auch eine Suche nach Antworten ist. Im Moment schreiben wir noch sehr fleißig an unserem Buch - allerdings wird es noch bis Oktober dauern, bis es erscheint.

      Die Idee, die 10 blödesten Situationen anders zu bewerten ist wirklich super - die behalte ich auf jeden Fall im Hinterkopf :-).

      Viele Grüße
      Danielle

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  7. Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos, mein Kollege hatte das Buch auch mal mit und mir ist nie etwas anderes in den Sinn gekommen, als das es einfach nur ein Scherzbuch ist. Ob einem der Humor gefällt oder nicht sei mal dahin gestellt, aber... die ganze Sache ist doch so überzogen, dass niemand auf die Idee kommt das wirklich zu tun.

    (Falls doch hoffe ich, dass ich bei dem auf dem Boden strampelnden Erwachsenen dabei bin und etwas mitlachen kann) :D

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    1. Wenn ausnahmslos alle Beispiele wirklich so völlig übertrieben und überzogen wären, dass man sie tatsächlich nicht ansatzweise ernst nehmen könnte, dann bestünde die Gefahr vermutlich weniger.

      Aber eben dadurch, dass zwischendurch auch viele harmlosere "Tricks" aufgeführt werden, verliert sich dieser Eindruck und man könnte tatsächlich denken, es sei ein ernstgemeinter Ratgeber :-(.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Nunja, wenn ich noch eine dumme Rechtfertigung brauche mein Kind menschenunwürdig zu behandeln, greife ich vielleicht auch darauf zurück und sage dann "Aber die haben das in dem Einhorn-Buch empfohlen!"

      Ganz davon abgesehen ist glaube ich alles, was kein Roman im weitesten Sinne ist unter der Rubrik "Sachbuch" eingeordnet.

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  8. Ich hoffe doch sehr, dass das nicht ernst gemeint ist. Es bleibt jedenfalls das Problem, dass Leute es erst nehmen KÖNNTEN - und das ist ja schon gefährlich genug.
    Wie dem auch sei: Wenn ich meiner Tochter (27 Monate) sagen würde, tu dies oder das, sonst stirbt ein Einhorn - sie würde antworten: "Warum?" (vorausgesetzt, sie wüsste, was ein Einhorn und sterben ist, aber die Drohung ist ja beliebig austauschbar). Die Antwort darauf fehlt wohl in dem Buch?! :D

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  9. Hallo,
    tolle Rezension, und ich bin schockiert wie dieses Buch scheinbar witzige Ratschläge erteilt, und damit die Kindeswürde mit Füßen tritt. Sowas müsste man mit einer Warnung versehen!
    Was mich aber sehr wundert ist, dass du freiwillig dieses Buch mit einem Affiliate Link versiehst, und damit zum Verkauf, wenn auch nur minimal, beiträgst. Das finde ich wirklich Schade.
    Viele Grüße von einer treuen Leserin
    Maike

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    1. Liebe Maike,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine kritische Anmerkung. Natürlich ist es nicht meine Absicht, den Verkauf des Buches zu fördern. Tatsächlich ist nach dieser negativen Rezension auch (wie erwartet) nicht ein einziges Exemplar verkauft worden. Aber es haben sich sehr viele die Rezensionen bei Amazon angeschaut, was ich durch den Link unkompliziert ermöglichen wollte.

      Ich habe deswegen einen Affiliate-Link verwendet, weil Amazon auch für alle anderen Produkte aus ihrem Programm, die innerhalb von 24 h nach dem Anklicken des Links gekauft werden, eine Provision ausschüttet. Das heißt: Klickt ein(e) Leser|in abends auf den Link und kauft am nächsten Morgen ein Kinderbuch oder eine Wärmflasche, dann erhalten wir auch dafür eine anteilige Vergütung. Für den Leser ist weder relevant noch auf den ersten Blick erkennbar, ob es sich um einen "normalen" Link oder einen Affiliate-Link handelt. Da der Rezension eindeutig zu entnehmen war, dass ich keine Kaufempfehlung für dieses Buch ausspreche, habe ich mich nach Abwägung der Interessen [Vorteil für uns/nachteil für den Leser] dafür entschieden, hier einen Affiliate-Link zu verwenden.

      Ich kann nachvollziehen, dass man das kritisch sieht, aber bei der Betrachtung von Aufwand uns Nutzen unserer Arbeit ist das eine Maßnahme, die ich in Würdigung aller Umstände gut vertreten kann und für die ich um Verständnis bitte.

      Ganz herzliche Grüße und vielen Dank für Deine Treue!
      Danielle

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    2. Hallo Danielle,

      ich freue mich dass du dazu Stellung nimmst, und kann in der Theorie auch sehr gut verstehen was du meinst.
      Es gab nur einen komischen Beigeschmack, wenn man, nach deiner eigentlich klaren Ablehnung gegen das Buch, beim Runterscrollen dann den Hinweis findet, dass es ein Affiliate Link ist.
      Es ist sehr deutlich dass keinerlei Kaufempfehlung, sondern absolut das Gegenteil der Fall ist, und daher ist es natürlich auch vertretbar hier so zu handeln. Ist mir nur etwas aufgestoßen.
      Werde euch trotzdem immer wieder gerne zu Rate ziehen, ihr habt mir hier schon oft das Leben sehr viel leichter gemacht.

      Vielen Dank dafür und bitte weiter so!
      Maike

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  10. Ich hätte das Buch jetzt auch unter "Satire" eingeordnet...

    "Die Kinder mögen kein Reis? Lüg sie an und behaupte, das seien Mininudeln."

    Ich habe meinem Sohn auch schonmal gesagt, Couscous seien Kugelnudeln. Und letztens habe ich ihm Backfisch als Riesenfischstäbchen und die Kartoffeltaschen mit Frischkäsefüllung als Riesenpommes verkauft. Ich empfinde das aber nicht als Lüge (was es streng genommen aber ist), sondern eher als eine großzügig interpretierte Tatsache.
    Bei uns kommt auch der Osterhase und das Christkind. Und am Wochenende war die Schnullerfee da. Da wird das Kind doch aus angelogen. Seht Ihr das genauso kritisch?
    (Wobei ich die restlichen "Tricks" auch sehr daneben fände, sollten sie tatsächlich ernst gemeint sein.)

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    1. Liebe Saromy,

      die Mininudeln sind wirklich eine vergleichsweise harmlose "Lüge" - allerdings eine, die mit dem Vorsatz ausgesprochen wird, das Kind dazu zu bewegen, den Reis zu essen, obwohl bekannt ist, dass es Reis hasst.

      Kugelnudeln für Couscous ist ja nicht mal sooo falsch (beides ist aus Weizengries) und der Backfisch nichts anderes, als ein unförmiges paniertes Stück Fisch - genau wie das klasische Stäbchen. Diese Erklärungen verwendest Du ja nur, um Deinem Kind klar zu machen, worum es sich handelt, nicht in der Absicht, es unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen zu Dingen zu bewegen, die es nicht machen möchte.

      Ich sehe Lügen nicht pauschal kritisch - es gibt Situationen, in denen sie einfach das Leben erleichtern. Dennoch würde ich immer so viel Aufrichtigkeit wie möglich empfehlen. Christkind, Osterhase, Schnullerfee und Zahnfee sind für mich persönlich "Lügen", die ich bedenkenlos verwende (wobei das mit der Schnullerfee so gar nicht klappt) - das hat auch etwas mit Magie zu tun...

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Ich bin beruhigt :-), danke!

      Eigentlich wollte ich das Kind schon zu etwas bewegen... wenn ich gesagt hätte, es sind Kartoffeltaschen, hätte er gesagt "mag ich nicht". Kohlrabi wollte er auch nie essen (gleiche Begründung), erst als ich sie in Pommesform kredenzte und sagte, es seien Kohlrabi-Pommes, hat er sie mit Begeisterung gegessen.

      Die Schnullerfee kam indirekt. Der Verkäufer bei Karstadt hat seine Schnuller, mit denen er den Jeep bezahlt hat, an die Schnullerfee weitergegeben. Die erste Nacht war hart, aber Nächte 2 und 3 wider Erwarten gut. Ich hoffe, es bleibt so. Als Motivation habe ich noch eine kleine Aufmerksamkeit der Schnullerfee versprochen :-)

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    3. Ich würde auch die Kartoffeltasche und den Kohlrabi unter "Auslegung" subsumieren. Das ist ja eher eine tendenziell beschönigende Beschreibung als eine Lüge :-).

      Ich lesen ganz oft, dass es mit der Schnullerfee gut funktioniert - mein Sohn ist diesbezüglich leider gar nicht kompromissbereit. Also so gar nicht, gar nicht. Man könnte ihn mit nichts auf der Welt locken. Ich setze resigniert auf Selbstbestimmung und hoffe mal, dass er ihn irgendwann selbst abgibt.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  11. Ich finde es fast schon gefährlich, das Buch mit den Worten:„Das ist doch nur Satire" abzutun. Selbst wenn es sich "nur" um Satire handelt, handelt es sich um Satire die ein Bild von Kindern und dem Umgang mit ihnen zeichnet, das ich erschreckend finde. Satire bewegt und regt zum Denken an - gute Satire kann Welten bewegen.
    Ich halte es übrigens nicht für Satire.

    Für alle die die Massen an positiven Bewertungen genauso erschreckend finden wie ich der Hinweis: Man kann bei Amazon bewerten ohne zu kaufen. Gestalten wir diese Rezensionen doch etwas bunter.

    Yumyoko

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    1. Eine sehr schöne Idee! Offenbar haben das einige in letzter Zeit getan, so dass das Buch nur noch 4 Sterne hat und die letzten Bewertungen alle als erstes aufgeführt werden :-).

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  12. Ich habe mir das Buch im letzten Jahr tatsächlich gekauft, weil es "witzig ist".
    Hier und da kann man schmunzeln, zum Durchlesen hat es dann aber auch nicht mehr gereicht und dann landete es letztlich zum Papierkram für den Ofen. Hoppla!!

    Ich bin vor kurzem auf eure Seite gestoßen, habe mich überall durchgeklickt und gelesen und bin einfach nur dankbar!
    Doof nur, dass man ein RIESEN Bedürfnis hat mit einem von euch zu sprechen und ganz konkret um Rat zu fragen!
    Beim Lesen eurer Beiträge habe ich immer wieder meine Tochter vor meinem geistigen Auge gesehen und am liebsten würde ich du Zeit zurück drehen!! 8 Jahre jung, Bindungsstörung, sozial-emotionaler Förderbedarf und abgestempelt. Ich bin maßlos enttäuscht aufgrund mangelnder Kompetenz von Psychologen und Pädagogen sowie mein blindes Vertrauen in deren Hexenwerk! :(

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    1. Liebe "Unknown",

      ich habe einmal ein Schild gesehen, auf dem stand: "Es ist nie zu spät für eine schöne Kindheit". Wenn Du möchtest, kannst Du uns gerne eine E-Mail-Schreiben - Du findest die Adresse im Menü oben unter "Kontakt".

      Ganz herzliche Grüße
      Danielle

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  13. Das Einhorn-Buch habe ich geschenkt bekommen „als Nicht-Ratgeber für Ratgeber-Hasser wie mich“. Und ich habe es auch nie als Ratgeber empfunden (sonst hätte ich es mir gar nicht angeschafft, da ich Ratgebern im Allgemeinen kritisch gegenüber stehe). Ich habe es als bitterböse Alltagsanekdoten gesehen. Manche fand ich witzig (allerdings nicht weniger fies – der Witz lag in meinen Augen in einer raffinierten Phantasie der Eltern, nicht in den Folgen für die Kinder und schon gar nicht in gekonnter Pädagogik), ein paar nichtssagend, später habe ich das Buch weggelegt und nicht zu Ende gelesen. Aber ich wäre NIEMALS auf die Idee gekommen, diese Geschichten würden auch nur irgendwie zur Nachahmung empfohlen werden. Falls das doch der Fall sein sollte, ist die Kritik natürlich berechtigt. Und falls nicht, kann man immer noch darüber streiten, ob dieses Buch nun witzig oder empfehlenswert ist oder nicht. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es als Ratgeber verstanden werden soll – und in der Sachbuch-Ecke hat es meiner Meinung nach schon gar nichts zu suchen.
    Was das „Lügen“ betrifft, so gibt es für mich Abstufungen. Das Christkind ist keine Lüge - solange man daran glaubt, gibt es das Christkind auch. Punkt. Mir hätte ein sehr wichtiger Teil meiner Kindheit gefehlt, wenn meine Eltern mich nicht „angelogen“ hätten. Ich sehe es wie Danielle, es hat etwas mit Magie zu tun. Was das Essen angeht, kommt es aufs Kind an. Wenn man dem Essen einen anderen Namen gibt und es dann besser schmeckt – warum nicht? Bei uns haben viele Mahlzeiten einen Phantasienamen, der als Witz oder in der Situation erfunden wurde und einfach bestehen blieb. So heißen bei uns mit Äpfeln gefüllte Plunderteilchen immer „Katzenkuchen“, obwohl sie nicht das Geringste mit Katzen zu tun haben. Warum kann Reis nicht „Mini-Nudeln“ heißen, wenn er so aussieht und dann auch noch besser schmeckt? Man muss den Satz ja nicht beginnen mit „Es ist kein Reis“ (denn das ist ja die eigentliche Lüge). Ich würde eher anfangen mit „guck mal, das Essen heute sieht aus wie Mini-Nudeln!“ und dann erst mal probieren lassen. Dass das Etikett auch über die Bewertung des Inhalts mitbestimmt, ist ja kein Geheimnis. Wenn das Kind die Mini-Nudeln immer noch nicht mag, nun gut. Pech gehabt. Dann kann man sich den Extra-Namen hinterher auch sparen und einfach sofort Nudeln kochen. Aber panierten Fisch als Fischstäbchen zu bezeichnen, finde ich nicht weniger schlimm, nur weil es weniger weit hergeholt ist. Hühnchen dagegen als Tofu zu bezeichnen, hat schon eine ganz andere Qualität. Das wäre für mich erstens eine „richtige“ Lüge und zweitens nicht in Ordnung. Hinter der Einstellung, Hühnchen abzulehnen und Tofu zu bevorzugen, steckt ja auch eine ganz andere Intention als hinter der Weigerung, Reis zu essen, weil er einem eben schon mal nicht geschmeckt hat.

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