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Snowqueen empfiehlt ... meine liebsten fünf Kinderbücher

Die liebe Leen vom Blog Aufbruch-zum-Umdenken hat eine Blogparade gestartet, in der wir unsere fünf liebsten Kinderbücher vorstellen dürfen. Da ich ja sowieso gerade auf unserem Blog die Kategorie ".... empfiehlt" gestartet habe, dachte ich mir, es ist eine gute Idee, euch mal von meinen liebsten Kinderbüchern zu erzählen. Ich muss vorausschicken, dass es nicht unbedingt die Lieblingsbücher meiner Kinder sind - sie hören sie aber trotzdem gern. Ich mag sie deshalb, weil sie eine inhaltliche Moral transportieren, die meiner Erziehungsphilosophie sehr nah kommt und die ich meinen Kindern sehr gern auch in Form von Kinderbuch-Geschichten "mitgeben" möchte.

1. Warum Frau B. so böse wurde (und warum sie jetzt wieder lieb ist)


[Geeignet für: "Geister der Vergangenheit" erklären]

Frau B. ist eine grantige alte Dame, die miesepetrig aus ihrem Fenster starrt und alle anbrüllt, die nur im entferntesten glücklich aussehen. Alle Nachbarn im Haus meiden sie, weil sie unfreundlich ist und in jedem nur das Schlechte sieht. Eines Tages geht sie zum Spielplatz, um sich dort auf eine Bank zu setzen und sich mal so richtig über die lauten Kinder aufregen zu können. Doch was sie dort beobachtet, berührt ihr Herz. Ein kleines Mädchen, das gerade buddelt, wird von einem etwas größeren Jungen geärgert. Das Buch blickt nun zurück auf die Zeit, in der Frau B. noch Katja hieß und klein war. Der Leser sieht verschiedene Szenen, in denen Katja von anderen Kindern gemein geärgert wurde und, für mich besonders herzerweichend, ihren Versuch, ihrer Mama davon zu erzählen. Doch die Mutter hört nicht zu, sondern sagt nur, das sie beim Essen gefälligst nicht zu reden habe...

Frau B. beschließt, dass dieses fremde Mädchen dort auf dem Spielplatz nicht so enden soll, wie sie selbst. Sie setzt sich zu ihr und buddelt mit. Der große ärgernde Junge traut sich nun nicht mehr heran. Eine Freundschaft entwickelt sich zwischen dem kleinen Mädchen und Frau B. Diese läuft nun jeden Tag ein Stückchen beschwingter zum Spielplatz, um mit der Kleinen allerlei Schönes zu spielen. Dabei heilt - man sieht es an ihrem Gesichtsausdruck - auch ihr eigenes Inneres Kind. Eines Tages wacht Frau B. auf, guckt aus dem Fenster und ist ...glücklich.

Wir haben eine alte, grantige Frau in unserem Haus, die meine Kinder mit ihrer knurrigen Art immer sehr verschreckt und die anderen Nachbarn durch ihre Art genervt mit den Augen rollen oder verärgert den Kopf schütteln lässt. Am besten geht man ihr aus dem Weg, weil sie wirklich jede vermeintliche Ungerechtigkeit (z. B. die Haustür des Hinterhauses im Sommer offen stehen lassen) der Hausverwaltung meldet. Weil meine Kinder sich immer, wenn sie sie sahen,  verschreckt versteckten und anfingen, sie "die Hexe" zu nennen, hatte ich schließlich doch das Bedürfnis, einzuschreiten. Ich las ihnen das Buch "Warum Frau B. so böse wurde..." vor und wir sprachen lange über unsere ganz persönliche Frau B.

Wir machten es uns dann zur Gewohnheit, sie freundlich zu grüßen und ich nahm mir die Zeit, den ein oder anderen Schwatz mit ihr zu halten. Dabei musste ich zunächst sehr, sehr intensiv Gewaltfreie Kommunikation anwenden, da ihre "Schwätzchen" immer damit begannen, was meine Kinder alles im Hinterhof und Garten nicht dürfen oder falsch machen. Doch je mehr ich ihr empathisch zuhörte, desto entspannter und freundlicher wurde sie. Meine Kinder hörten auf, sie zu fürchten und auch, sie hinter ihrem Rücken "Hexe" zu nennen. Ich will nicht sagen, dass unsere Nachbarin dadurch "geheilt" wurde. Nein - sie ist immer noch grantelig und wenn wir länger nicht miteinander gesprochen haben, beginnt sie immer noch jede Unterhaltung mit einem Schwall von Anschuldigungen. Aber: meine Kinder haben gelernt, dass man mit einem offenen Ohr, ein bisschen Empathie und Zeit einen zuvor "gemeinen" Menschen so glücklich machen kann, dass dieser seine angsteinflößende Seite (zumindest zeitweise) verliert. Ich habe ihnen somit eine Strategie beigebracht, mit "solchen Leuten" umzugehen und statt mit Augenrollen und Abwehr mit Mitgefühl auf sie zu reagieren und das Buch half uns dabei.

2. Wer ist denn Frau Sudek?/David McKee 


(Anmerkung: In Deutsch ist das Buch vergriffen. Es gibt es noch auf Englisch unter dem Titel "Who is Mrs Green?")

[geeignet für: "es gibt immer einen Grund für auffälliges Verhalten"]

Jennifer spielt versunken mit einem Kartenspiel im Wohnzimmer, als ihre Mutter hereinkommt und sie sofort anmotzt. Traurig geht sie nach draußen zu ihrem Freund Tim und weint sich aus. Dieser nickt verständig und sagt: "Das kommt alles nur wegen Frau Sudek."- "Frau Sudek? Wer ist Frau Sudek?" Dieser Frage geht das Buch nach, doch es dauert eine Weile, bis wir erfahren, was Frau Sudek mit Jennifers Mama zu tun hat. Zunächst erklärt Tim nämlich, dass die Mama gar nicht wirklich auf ihre Tochter sauer war, sondern nur wütend, weil Herr Motzek sie angehupt hatte, als sie vorsichtig einparken wollte. Und Herr Motzek war gar nicht wirklich über das langsame Einparken wütend - er hatte schlechte Laune, weil seine Frau ihn einen Dummkopf genannt hatte, weil er seinen Hut vergessen hatte. Doch Frau Motzek war auch nicht wirklich von ihren Mann genervt. Sie ließ nur an ihm aus, dass Frau Kaufmann sie an der Supermarktkasse angenöhlt hatte, sie möge ihr Geld doch gefälligst schneller suchen. Doch auch Frau Kaufmann war nicht wirklich wegen Frau Motzek genervt - sie hatte schlechte Laune, weil ihre Katze Sina sie vor dem Dienst blutig gekratzt hatte. Und Sina kratzte eigentlich nie, aber sie war so aufgebracht, weil sie am Morgen von Thorsten gejagt wurde.... So wird diese Geschichte immer weiter von hinten nach vorn aufgerollt. Der Leser erfährt, wie sich die Ärger-Kette von einem zum anderen immer weiter fortgesetzt hatte und immer war derjenige gar nicht wirklich sauer auf den, den er anmotzte, sondern wegen einer Begebenheit davor. So kommen wir ganz am Ende zu Herrn Aygül, der Nachtdienst hatte und schlafen wollte, aber nicht konnte, weil eine Frau in der Wohnung über ihm mit Stöckelschuhen übers Parkett lief. Diese Frau ist Frau Sudek. Von dem ganzen Drama, das ihre Stöckelschuhe auslösen, hat sie absolut nichts mitbekommen!

Dieses Buch ist eines meiner absoluten Favoriten - ich nutze es auch im Unterricht an der Schule, weil ich seine Moral so ungemein wichtig finde: Jedes Verhalten hat einen Hintergrund. Oft sind Grund und Auslöser nicht identisch. Wenn man das weiß, kann man, wenn man von jemandem angemotzt wird, einen Schritt zurücktreten und dieses Motzen an sich abprallen lassen: Der meint nicht mich! Ich nutze "Frau Sudek" auch oft im Alltag mit meinen Kindern. Letztens hatte ich nach dem Aufstehen eine wirklich ätzende E-Mail bekommen, über die ich mich innerlich sehr aufregte. Wir wollten gerade losgehen, um meine Kinder in die Kita und zur Schule zu bringen. Fräulein Ordnung und Herr Friedlich waren schon im Treppenhaus und liefen nach unten, doch ich konnte Fräulein Chaos nicht finden und sie antwortete auch nicht auf meine Rufe. Ich fand sie in der Küche unterm Tisch, mit ihren Kopfhörern auf den Ohren, versunken in ein Hörspiel. Ich motzte sie viel zu laut an, dass wir schließlich, weil sie pünktlich zur Schule müsse, so einen Zeitdruck hätten und es ja wohl nicht sein könne, dass sie dann unser Losgehen so verzögere! Zurecht unglaublich verletzt von meinen bescheuerten Worten, drängte sich Fräulein Chaos an mir vorbei zur Wohnungstür raus und runter in den Hof. Ich hörte, während ich noch die Tür abschloss, wie Fräulein Chaos ihre Schwester zur Seite schubste und sie voller Wut anblaffte: "Du stehst im Weg, du Blöde!" In der Kita angekommen, fing Fräulein Ordnung aus (für mich) heiterem Himmel an, sich mit ihrem Bruder um einen bestimmten Platz in der Garderobe zu kabbeln. Obwohl sie wusste, welchen Haken er bevorzugt und obwohl sie ihm normalerweise dort den Vorrang gibt, war sie heute nicht bereit, ihre Jacke von dort wegzunehmen. Für mich sah es sogar so aus, als genieße sie es, dass er deshalb in Tränen aufgelöst vor ihr stand. Ich wollte gerade meinen Unmut darüber auslassen, als mir die Anrempelei durch Fräulein Chaos wieder einfiel. Und dann machte es Klick. Ich rief: "Oh! Warte mal, Du bist gerade wütend, weil Frau Sudek mich heute morgen geärgert hat!" Meine Tochter sah mich verwirrt an, doch ich erklärte ihr die Ärger-Kette, die bei der E-Mail von "Frau Sudek" angefangen hatte, über Fräulein Chaos an Fräulein Ordnung abgegeben worden war und nun von Fräulein Ordnung an Herrn Friedlich. Als wir unseren Fall derart aufgerollt hatten, wurde uns einiges klarer. Ich entschuldigte ich mich bei meinen Kindern für mein grumpeliges Verhalten. Fräulein Ordnung machte den Haken frei für ihren Bruder und alle waren wieder besser gelaunt.

3. Josefine findet heute alles doof/Dagmar Brunow


(Anmerkung: Das Buch gibt es nur noch gebraucht. Im Sammelband: "Mein Bilderbuchschatz. Von Feen, Drachen und Großen Wünschen" ist diese und die nächste Geschichte aber enthalten.)

[geeignet für: "Blitzableitertage" erklären und "auch Eltern verhalten sich nicht immer korrekt" erklären]

Josefine sitzt im Bett und mault. Die Strumpfhosen sind doof und Mama soll nicht helfen und überhaupt! Als Mama dann noch genervt reagiert, rutscht Josefine doch glatt ein "Du bist doof!" raus. Ups! Mama rauscht enttäuscht aus dem Zimmer und Josefine fühlt sich schlecht. Sie fängt an, mit ihren Porzellan-Tässchen zu spielen. Ganz vorsichtig, weil die doch kaputt gehen können. Doch als Mama plötzlich im Zimmer steht, erschrickt Josefine so, dass ein Tässchen herunter fällt. Vor Schreck fängt sie an zu weinen, doch statt zu trösten, schimpft Mama gleich los: "So gehst du also mit deinen Spielsachen um! Schmeißt sie einfach kaputt! Was fällt dir ein?" Jetzt weint Josefine nicht mehr nur, sie heult, richtig laut. Wie ungerecht! Doch das macht Mama noch wütender. "Was willst du? Hör auf zu heulen!" Sie kehrt erbost die Scherben zusammen, um sie wegzuwerfen, obwohl Josefine "Die kann man doch kleben!" ruft. Mama ist aber zu wütend, um auf diesen guten Vorschlag zu hören. Trotzig beharrt sie darauf, die kaputte Tasse wegzuwerfen.Verzweifelt rutscht Josefine eine neue Ungeheuerlichkeit aus dem Mund: "Ich will nicht mehr bei dir wohnen!", sagt sie und beginnt, ihren Koffer zu packen. Nun wird Mama ganz still und sieht irgendwie verloren aus. "So ist das also", sagt sie leise und geht aus dem Zimmer. Josefine ist nun so unglücklich, dass sie weint und weint und weint und...auf dem Teppich einschläft. Zum Glück kommt Papa bald nach Hause. Mama sitzt erschöpft in der Küche und murmelt: "Ich bin die schlechteste Mutter der Welt. Eine richtige Monstermama". Er schaut zu Josefine ins Zimmer. "Bist du immernoch grummelig?" Ist sie nicht. Sie ist aufgewacht und möchte zu Mama. Aber erst einmal müssen die beiden ihr jeweiliges schlechtes Gewissen überwinden. Mama weiß, dass sie sich unmöglich benommen hat. Josefine weiß, dass sie ihre Mama mit ihren Worten verletzt hat. Doch schließlich siegt die Liebe. Sie umarmen sich fest und entschuldigen sich: "Weißt du, auch wenn ich grummelig bin, hab ich dich trotzdem lieb!" Und dann machen sie sich daran, die Tasse zu kleben.

Ich finde, dieses Buch zeigt wunderbar auf, wie man sich als Eltern-Kind-Gespann gegenseitig "hochschaukeln" kann, obwohl beide Parteien das gar nicht so wollen. Aber Trotz und Missverständnisse auf beiden Seiten führen manchmal dazu, dass verletzende Worte aus dem Mund schlüpfen. Toll ist, dass das Buch die Gedankengänge des Kindes mit aufzeigt. Dass Josefine eigentlich weiß, dass sie sich "zusammenreißen" müsste, weil Mama schon ein ganz zorniges Gesicht wegen der Strumpfhose hat und dass ihr trotz dieses Wissens das "Du bist doof!" herausrutscht. Ein klitzekleines bisschen fehlen die Gedankengänge der Mutter - man kann als Leser nur erahnen, was sie fühlt und warum sie immer wieder auf die kleinen Provokationen ihrer Tochter einsteigt. Aber vielleicht muss das ein Buch auch nicht alles leisten. Immerhin gibt es so einen prächtigen Gesprächsansatz für den Vorlesenden und seine Zuhörer. Man kann an der Mimik der Mutter nämlich durchaus erkennen, was in ihr vorgeht und zum Ende des Buches verbalisiert sie es ja ihrem Mann gegenüber auch noch einmal ganz offen. So spreche ich gern mit meinen Kindern mithilfe dieses Buches sowohl darüber, dass es manchmal Tage gibt, an denen man aufwacht und einfach alles "doof" ist, als auch darüber, dass nicht nur Kinder etwas "falsch" machen können, sondern Erwachsene ebenso Fehler machen. Dass die Mutter in diesem Buch mehr "Schuld" an diesem schrecklichen Tag hatte, als die Tochter. Zu guter Letzt nähern sich Tochter und Mutter ja auch wieder an und entschuldigen sich beieinander. An dieser Stelle ist mein einziger Kritikpunkt des Buches: Während die Tochter sagt: "Ich liebe dich auch, wenn ich grumpelig bin", sagt die Mutter: "ich liebe dich auch, wenn du grumpelig bist", was ja nicht falsch ist, aber den Fokus der "Schuld" meines Erachtens zu sehr auf das Mädchen legt. Schöner hätte ich gefunden, wenn die Mutter ebenso: "Ich liebe dich, auch, wenn ich mal grumpelig bin." gesagt hätte, aber okay, das ist vielleicht Korintenkackerei....

4. Ich komm ja schon! Silke Brix 


(Anmerkung: Das Buch gibt es nur noch gebraucht. In dem Sammelband: "Mein Bilderbuchschatz. Von Feen, Drachen und Großen Wünschen" ist die Geschichte aber enthalten.)

[geeignet für: über die Gewichtung von Bedürfnissen aller sprechen]

Olga soll zum Frühstück kommen, rufen ihre Eltern aus der Küche. Aber Olga hat gerade entdeckt, dass ihr Lieblingsteddy ein Loch im dünnen Fell am Arm hat und muss seine OP vorbereiten. Während die Eltern immer mal wieder rufend fragen, ob sie sich denn anziehe und sich wasche und dass sie bitte nicht trödeln solle, sieht man, wie Olga ihren Teddy auf dem Skateboard ins Krankenhaus fährt, sich selbst den OP-Kittel anzieht, dem kleinen Patienten eine Beruhigungsspritze gibt und dann mit ruhiger Hand sein Loch näht. Dann muss der Arm natürlich noch verbunden werden und sie an Teddys Bett warten, bis er aus seiner Narkose wieder aufwacht. Das braucht alles Zeit! Es ist doch wichtig! Sie liest ihm noch ein Buch vor und  fährt mit ihm im Anschluss sehr vorsichtig auf dem Skateboard zurück zum großen Bett. "Olga!", ruft Mama. "Jetzt komm endlich, dein Kakao ist schon ganz kalt!" Doch Teddy ist doch gerade erst zu Hause angekommen. Olga muss ihm erst noch vorsichtig den Verband vom Arm abnehmen. Jetzt ist er wieder ganz gesund! Und hat einen Bärenhunger, deshalb....kann er mit Olga ganz schnell zum Frühstückstisch rasen.

Dieses Buch liebe ich, weil es den Eltern ganz wunderbar aufzeigt, dass Kinder (morgens, oder wann auch immer) nicht wirklich trödeln, sondern für sie wirklich wichtige Dinge erledigen. Ich finde bezaubernd, wie gut es Silke Brix geschafft hat, darzustellen, dass das Bedürfnis des Kindes gerade nicht dem entspricht, was die Eltern erwarten. Sie denken, das Kind müsse doch Hunger haben, so früh am Morgen, doch Olga ist im Spiel-Flow und spürt davon nichts, bis sie ihre wichtige Aufgabe erledigt hat. Dann kann sie kooperieren und kommt freiwillig, weil sie wirklich hungrig ist. Im Prinzip ist dieses Buch also mehr ein Aha-Erlebnis für die Erwachsenen. Für die Kinder ist es einfach eine schöne Darstellung ihrer Lebenswelt.

5. Wenn die Ziege schwimmen lernt/Nele Moost 


[geeignet für: jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse und Talente, freies Lernen versus klassische Schule]

Die kleinen Tiere (Ente, Ziege, Fisch, Elefant, Raupe, Ameise...) kommen zur Schule und sollen neue Fähigkeiten lernen. Es gibt einen Schwimmlehrer, einen Fluglehrer und einen Kletterlehrer, doch diese scheren alle Tiere wider ihrer körperlichen Voraussetzungen über einen Kamm. Alle sollen alles lernen. Die Ente soll nicht nur schwimmen und fliegen, sondern auch klettern und schnell rennen. Sie ist somit zwar Klassenbeste im Schwimmen, scheitert aber natürlich daran, den Baumstamm hinaufzuklettern. Und der Elefant kann zwar schnell rennen, aber mit dem Fliegen klappt es einfach nicht. Die Tiere bemühen sich nach Leibeskräften, doch scheitern einfach immer wieder in den Fächern, für die sie von Natur aus nicht gebaut sind. Sie üben noch mehr und noch mehr und verausgaben sich so sehr, dass sie plötzlich auch in ihren eigentlichen Top-Fächern nur noch Mittelmaß sind, weil sie alle ihre Kraft für unmögliche Unterfangen verbraucht haben. Schließlich geben die Lehrer kopfschüttelnd ob des Unvermögens ihrer Schüler auf und ziehen ab. Die Tiere kehren zu ihren ursprünglichen Fähigkeiten zurück und messen sich, wenn überhaupt, nur noch an Stellen, wo ein fairer Wettkampf möglich ist.

Ich habe dieses Buch damals gekauft, weil meine gleichalten Töchter immer wieder stark miteinander in Wettkampf traten, aber meist frustriert daraus herausgingen. Denn von Natur aus sind sie körperlich anders ausgestattet - die eine groß, die andere klein, die eine hat mehr Kraft in den Beinen, die andere mehr Kraft in den Armen, die eine versteht logische Rätsel auf den ersten Blick, die andere denkt sich die schönsten Märchengeschichten aus... Die Moral des Buches für mich ist, dass man durchaus viele verschiedene Dinge ausprobieren kann, um zu schauen, ob sie einem liegen, aber dass es sinnlos ist, sich in diesem Prozess andauernd mit anderen zu vergleichen, weil das nur zu Frust führt. Wichtiger ist dabei, Sachen zu finden, die einen glücklich machen, ganz unabhängig davon, ob man darin die Beste ist oder nicht. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ich finde, das Buch hat dabei geholfen. Oft sprachen wir im Zusammenhang mit dem Buch auch über Bedürfnisse. Dass es albern wäre, wenn ich aus "Gerechtigkeitsgründen" alle meine Kinder gleich behandeln würde. Wenn ich z. B. allen morgens beim Anziehen helfen würde, obwohl zwei von drei das eigentlich allein machen wollen. Oder ich alle drei morgens mit nassen Küsschen ins Gesicht verabschieden würde, obwohl eine davon das total doof findet und lieber in den Arm genommen werden will. Das hat definitiv geholfen, die Konkurrenz um mich zu verringern. Sie wissen, dass ich sie nicht "gleich" behandeln kann, aber mein möglichstes tue, um ihre individuellen Bedürfnisse zu befriedigen.

Wenn man möchte, bietet das Buch auch eine gute Grundlage für die Kritik am herrschenden Schulsystem.

6. Disney Maleficent (plus Erwähnung von Disney Dornröschen)


[geeignet für: "es gibt immer einen Grund für auffälliges Verhalten"]

Okay, das hier ist kein Buch, sondern eine DVD. Aber ich bin so begeistert von dem Film, dass ich ihn hier gern mit aufnehmen möchte.

Maleficent ist eine lustige Fee im Feenreich, die bei allen beliebt ist. Eines Tages kommt ein Menschenjunge in ihr Reich. Er ist arm und will einen der Edelsteine aus dem Wasser stehlen, doch er wird erwischt. Maleficent lässt ihn wieder frei, nachdem er den Stein der Natur zurückgegeben hat. Sie unterhalten sich auf dem Weg zurück ins Menschenreich und sie erfährt, dass Stephan ein Waisenkind ist, der nichts hat, aber eines Tages gern im Schloss leben möchte. Eine enge Freundschaft entspinnt sich, aus der über die Jahre hinweg Liebe wird. Zu ihren 16. Geburtstag wird Maleficent von Stephan geküsst. Er erklärt, dass er die eine, wahre Liebe für sie empfindet. Doch sein Machthunger ist zu groß und reißt ihn immer weiter von seiner Fee weg. Er schafft es, in den Dienst des alten Königs aufgenommen und sein persönlicher Diener zu werden. Diesem alten König ist das Feenreich ein Dorn im Auge. Er bläst zum Krieg gegen die seltsamen Kreaturen. Maleficent kämpft gegen ihn und verletzt ihn tödlich. Die Kreaturen gewinnen den Krieg. Im Sterbebett verspricht der alte König demjenigen seine Tochter und das Königreich, der Maleficent tötet. Stephan sieht seinen Traum zum Greifen nah. Er macht sich auf den Weg zu seiner Fee. Er will ihre Gutgläubigekit und Liebe ausnutzen, um sie erst zu betäuben und dann zu töten. Doch als es soweit ist, bringt er es nicht übers Herz. Stattdessen schneidet er ihr ihre Flügel ab, um mit ihnen dem König zu "beweisen", dass er Maleficent getötet hat. Der alte König glaubt ihm und stirbt - Stephan wird neuer König.

Maleficent zerbricht fast an diesem Vertrauens- und Liebesbruch. Ihr Herz wird immer dunkler. Mit ihr verändert sich ihr Aussehen und das ihrer Umwelt. Sie wird immer schwärzer und furchteinflößender, das Feenland auch. Als sie hört, dass Stephan und seine Frau eine Tochter bekommen haben, geht sie zur Taufe, um sie zu verwünschen. Sie belegt sie mit dem fürchterlichsten, stärksten Fluch, den sie in ihrem Hass aufbringen kann. Nur ein Kuss der einen, wahren Liebe wird das schöne Kind erretten können, prophezeit sie hämisch.

Im Disney Klassiker "Dornröschen", der natürlich die Vorlage zu Maleficent war, ist alles klar geregelt: Die Fee ist böse, das Kind unschuldig und der König und die Königin gut und weise. Doch mit Maleficent schaut man hinter die Kulissen und erfährt, warum die Fee denn eigentlich böse wurde. Auch die Wendung, die die Geschichte nimmt, ist spannend und allemal wert, den Film gemeinsam mit seinen Kindern zu gucken. Bitte beachtet, dass er sehr dunkel und an einigen Stellen aufregend und spannend ist. Meine sechsjährigen Mädchen haben es gut ausgehalten, aber für Jüngere ist der Film noch nicht geeignet. Ich finde aber die Moral des Filmes sehr wichtig: Dass man eben nicht immer die wahren Beweggründe für ein scheinbar böses Verhalten sofort sieht, es aber wichtig ist, diese zu kennen. Nur so kann man an der richtigen Stelle ansetzen und den wahren Grund für das Verhalten "bearbeiten".

© Snowqueen
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Kommentare:

  1. Vielen Dank, liebe Snowqueen, für diese tollen Empfehlungen! Einige davon sind gleich auf unsere Weihnachtswunschliste gewandert. Nach der Lektüre deiner wunderbaren Artikel vertraue ich deinen Empfehlungen (so gut wie) blind. Gerne mehr davon!

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  2. Diese Empfehlungen klingen ja alle so toll, dass man am Liebsten alle gerne hätte! :)!!!
    Aber: Jetzt muss ich mal mein allergrößtes Lob für euer Buch aussprechen (-natürlich in "korrekt gesagt" meine allergrößte Wertschätzung ausdrücken!!;-)!!) Also..., da ich (trotz fünf Kindern...) eigentlich nie so richtig gerne "Erziehungsratgeber" oder so Zeugs gelesen habe... (-nur ab und zu in Rogge, jj, reingeschmökert und Vorträge der beiden belauscht) war ich mir zuerst nicht sicher, ob ich mir selber so ein Buch kaufen soll.... Da ich aber von euren Beiträgen hier so super begeistert bin und ihr auch Arno und André Stern und Hüther und Marschall Rosenberg "im Programm" habt und ich von denen auch echt begeistert bin (-nebst einigen Montessori Sachen) hab ich mir gedacht, euer Buch das muss ich haben! - und ich denke unsere kleine Ortsbuchhandlung wird jetzt wohl einen ganzen Schwung bestellen müssen, denn so vielen wie ich das Buch schon empfohlen habe....;-)!!
    Also ich bin der absoluten Meinung JEDER MENSCH sollte dieses Buch gelesen haben!! WIRKLICH SPITZE!
    Ich hatte es in einem Affenzahn durchgelesen (-obwohl ich meines Erachtens sowieso immer zu wenig Lesezeit für mich habe..., aber ich hab da einfach immer lesen MÜSSEN!) - und falls bald die zweite Auflage ansteht... über drei klitzekleine Druckfehler bin ich gestolpert... - Tut natürlich ÜBERHAUPT NICHTS zur Sache, was die super Qualität des Buchinhalts betrifft! (-nur für den Fall, dass es bei erneutem Druck fehlerfrei gedruckt werden soll)


    Habt noch eine wunderbare Vorweihnachtszeit! Genießt und feiert schön:-)
    Ganz, ganz liebe, begeisterte Grüße
    Katrin (-aus Österreich )

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    1. Liebe Katrin,

      ganz lieben dank für deine wertschätzenden Worte! Wir freuen uns immer wahnsinnig darüber! <3 Es gab nicht nur zwei kleine Druckfehler, sondern sogar mehr... *hust*. Wir haben einige schon korrigiert für die zweite und dritte Auflage, aber schick uns doch gerne deine noch per Mail, vielleicht hast du noch was gefunden, was bisher niemand gesehen hat: squeennow [ät]gmail dot com

      Liebste Grüße, Snowqueen

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