Wie die Kindernothilfe hungernden Kindern hilft #istmirnichtegal

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Über 800 Millionen Menschen auf der Welt leiden unter Hunger. Besonders betroffen sind Kinder - jedes siebente unter 5 Jahren ist mangelernährt. Dadurch wird ihre Entwicklung nachhaltig beeinflusst, es drohen schwere physische und psychische Schäden. Die Unterversorgung mit Kalorien, Vitaminen und Mineralstoffen führt dazu, dass die Kinder so stark geschwächt sind, dass selbst eigentlich harmlose Krankheiten lebensbedrohlich werden können. Jedes Jahr sterben 2,6 Millionen Kinder an den Folgen des Hungers. Allein durch unsauberes Trinkwasser verursachte Durchfälle führen jedes Jahr dazu, dass etwa 1,1 Millionen Kinder sterben.

Hungernde Kinder
© Kindernothilfe
In diesem Jahr erwarten Klima-Experten einen "Super-El-Niño". Dieses Klimaphänomen, das von der globalen Erderwärmung verursacht wird, sorgt dafür, dass ganze Landstriche komplett überflutet werden und andere unter einer monatelangen Dürre leiden. El-Niño führt in vielen Ländern der Welt zu einer Hungersnot, da die Ernte auf den Feldern verdorrt und das Vieh verdurstet. Die Kindernothilfe arbeitet mit Hochdruck daran, den hungernden Menschen zu helfen. 


In Äthiopien herrscht aktuell die schlimmste Dürre seit 30 Jahren, etwa 90 % der Ernte ist wegen des Wassermangels vertrocknet. Insgesamt 15 Millionen Menschen droht eine lebensbedrohliche Hungersnot. Besonders betroffen sind Schwangere und Kinder. Die Kindernothilfe hat 330.000 EUR Soforthilfe bereit gestellt. Mit diesem Geld werden Lebensmittel mit hohem Kaloriengehalt an Schwangere und bedürftige Kinder organisiert und verteilt. Da viele Kinder nicht mehr zur Schule gehen können, weil ihre Eltern ihr komplettes Geld in rare und damit teure Lebensmittel investiert haben, werden außerdem Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Den Menschen in Äthiopien wird auch gezeigt, wie sie mit Energiesparöfen rauchärmer kochen und weniger Holz dafür benötigen. Weite Teile Afrikas sind bereits abgeholzt, so dass auch die Aufforstung ein wichtiger Bestandteil der Hilfe ist.

Menschen unter der Dürre leidend
© Kindernothilfe

Im Nordosten von Brasilien bietet sich das gleiche Bild - bis zu 4 Jahre lang hat es bspw. in der Region Sertão, die eine der ärmsten weltweit ist, praktisch nicht mehr geregnet. Überall sieht man vertrocknete oder verbrannte Pflanzen - große Waldflächen sind nachhaltig zerstört. Trinkwasser muss bis zu einer Entfernung von 150 km herangeschafft werden. Die Wildtiere verdursten kläglich und die Landwirtschaft ist quasi zum Erliegen gekommen, wodurch sich das Elend durch Armut und Hunger extrem verschärft hat. Die Kindernothilfe hat für die Kleinbauern in der Region als Sofortmaßnahme 86.500 EUR zur Verfügung gestellt. Partnerorganisationen vor Ort organisieren Schulungen, wie mit dem verbleibenden Wasser möglichst effizient gewirtschaftet wird und wie die Landwirtschaft an die veränderten Bedingungen angepasst werden kann. Es werden außerdem Zisternen gebaut, um Regenwasser nutzen zu können und vorhandene Brunnen erweitert.

Der Klimawandel trifft die Ärmsten der Armen. Etwa 99% der Todesopfer sterben in den geografisch südlichen Regionen - und das, obwohl sie zur Klimaerwärmung praktisch nichts beigetragen haben. Über 80% der Opfer sind Kinder. Sie leiden am meisten, weil die Mangelernährung sie nachhaltig in ihrer Entwicklung beeinflusst. Dürreperioden führen außerdem dazu, dass Familien schon ihre minderjährigen Töchter verheiraten, damit sie einen Mitesser weniger im Haus haben und von dem Brautgeld die übrigen Kinder ernähren können.

Afrikanische Frau mit Kind auf dem Arm
© Kindernothilfe
Insgesamt werden von der Kindernothilfe aktuell etwa 800 Projekte in Afrika, Lateinamerika und Asien betreut und unterstützt. In 29 Ländern werden mehr als 1,8 Millionen Kinder mit den Maßnahmen erreicht. Die Kindernothilfe gehört zu den zehn transparentesten Spendenorganisationen in Deutschland und trägt das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. In den aktuellen Jahresberichten kann man sich umfassend darüber informieren, wofür das gespendete Geld verwendet wurde. Der Verein finanziert sich durch Spenden - von jedem gespendeten Euro kommen 83,6 Cent direkt bei den Kindern an, mit der Differenz werden Verwaltungsaufgaben erfüllt und Öffentlichkeitsarbeit betrieben.

Wir können helfen und die Arbeit der Kindernothilfe unterstützen! Um auf die Not durch die Dürre aufmerksam zu machen, wurde die Aktion "Ist mir nicht egal" ins Leben gerufen. Mit dem Hashtag #istmirnichtegal kann jeder in den sozialen Netzwerken seine Unterstützung zeigen. Schon viele Prominente, u. A. Norbert Blüm,  Culcha Candela und Natalie Wörner haben sich mit dem Hashtag fotografieren lassen und dieses Bild bei Twitter und Facebook geteilt.
Und natürlich können wir auch helfen, wenn wir die Kindernothilfe finanziell unterstützen. Entweder durch Spenden für Äthiopien und Brasilien oder durch eine Kinder- oder Projektpatenschaft. Lasst uns nicht die Augen verschließen vor diesem Elend durch Hunger - Eure Hilfe kommt an - bei den Kindern, die sie wirklich benötigen - schnell und unkompliziert mit einem Klick auf den folgenden Button:

© Danielle

Dieser Artikel wurde gesponsert von der Kindernothilfe.

Der 1. Internationale Online-Bildungskonkress für freies Lernen und selbstbestimmte Bildung

 Gastartikel 

Diesen Freitag (18. März 2016) startet der erste Online-Kongress zum Thema Bildung und ihr solltet unbedingt dabei sein, denn dieses Projekt ist ebenso einzigartig wie interessant. Die Teilnahme ist kostenlos und Euch erwarten viele interessante Experten zum Thema Bildung, u. A. Herbert Renz-Polster, Lienhard Valentin, Katia Saalfrank und außerdem verschiedene Unschooling-Familien. Worum es genau geht und wer alles mit dabei ist - das erklärt Euch Lena, die Initiatorin des Kongresses und Autorin des Freilern-Blogs in diesem Artikel. 


Von der Bindung zur Bildung - selbstbestimmt lernen - leben - arbeiten - Wieviel kann ein Kind „von selbst“ ?


Im bindungs- und beziehungsorientierten Umgang mit unseren Kindern bemühen wir uns, achtsam auf ihre Signale zu schauen. Geht es ihnen gut? Was brauchen sie gerade? Irgendwann entwickeln wir ein gewisses Vertrauen, dass wir das mit unserem Baby oder vielleicht auch Kleinkind ganz gut raushaben und gut aufeinander eingespielt sind, dass es uns zeigt, was es braucht und wir das auch verstehen.

Und dann kommt das Alter, in dem Kinder häufig in den Kindergarten, in die Schule oder vielleicht auch einfach schon in die KiTa gehen. Und auf einmal geistert da noch ein anderer Begriff herum: Bildung. Begonnen mit der frühkindlichen Bildung bzw. Förderung. Und oft ist es dann hin, unser Vertrauen oder es hat gewisse Kratzer bekommen.

Dabei ist der Zusammenhang zwischen Bindung und Bildung in der Theorie gut erforscht und belegt. Wir brauchen eine sichere Bindung zu unseren Bezugspersonen, um wirklich gut lernen zu können, denn wir benötigen das Gefühl von Sicherheit dazu, uns aufmerksam der Welt zuzuwenden. Je jünger ein Kind ist, umso mehr (oder eine Störung darin zieht sich bis ins Erwachsenenalter). Klar – niemand kann sich gut auf etwas konzentrieren oder entspannen und kreativ sein, wenn er/sie gefühlt ständig „auf der Hut“ ist.

Am besten lernen wir von Personen, an die wir ebenfalls gebunden sind. Ob das nun Mentoren, Lehrer, Erzieher oder andere sind. Auch hier spielen Sicherheit und Vertrauen eine große Rolle; aber auch einfach Begleitung: dass da einer ist, der mit mir forscht und Erfahrungen mit mir macht, sich interessiert mir zuwendet.

Immer sind Beziehungen das Wesentliche, das worum es geht. Mit diesem Gefühl der Grundsicherheit kann sich das Kind der Welt zuwenden. Außerdem möchte das Kind „ganz viel Welt“ erfahren – möglichst die echte. Sich selbst weiterentwickeln und damit die Welt anders machen. Sich als selbstwirksam erfahren. Einen Unterschied machen. Das ist letztlich tief drinnen das Bedürfnis, vom kleinen Kind bis zum Erwachsenen. 

Und doch werden Eltern und insgesamt oft Erwachsene oft unsicher in ihrem Vertrauen, je älter ein Kind wird. Umso schwerer fällt es, das Vertrauen komplett aufrechtzuerhalten. Da ist immer noch ganz viel Belehrendes, ganz viel „ich weiß es immer besser“, oft ganz klare Vorstellungen davon, was als „Bildung“ oder „Lernen“ zu verstehen ist, wie das geht und was dabei in einem bestimmten Alter das Ergebnis sein soll. Was das Kind letztendlich tun soll. Das wiederum macht ganz viel kaputt an natürlicher Neugier und Wissensdurst, denn das Kind möchte ja in Beziehung treten, es möchte gefallen, es passt sich an. Schließlich spürt es die an es gestellten Erwartungen – und vergisst dabei ein Stück weit, es selbst zu sein.  



Denn eigentlich ist Leben Lernen und Lernen Leben. Der Mensch lernt, was gerade für ihn „dran“ ist, was ihn begeistert und interessiert. So einfach? So einfach. Es ist ohnehin eine Illusion zu glauben, wir könnten auf eine Zukunft vorbereiten, deren Anforderungen wir nicht kennen, deren Anforderungen es vielleicht heute noch nicht mal gibt. Die Wege dorthin sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Was wir und auch unsere Kinder immer mehr brauchen werden, ist die Fähigkeit, in neuen Gegebenheiten das zu lernen, was gerade „dran“ ist. Und das Vertrauen dahinein, dass unser Kind von Anfang an ein kompetenter Mensch ist und das wunderbar kann – wenn wir es lassen.

Dabei können Bildungsangebote, auch institutionelle, am Rand stehen und genutzt werden, wenn das Kind sie braucht. Wie ein bunter Strauß an Möglichkeiten am Wegesrand, aus denen das Passende ausgewählt werden kann, aber nicht muss, wenn gerade nichts dabei ist oder es nicht der richtige Zeitpunkt ist. 

Und wenn wir beginnen, uns zurückzuziehen in eine begleitende Rolle, unsere Kinder achtsam beobachten und ihre Zeichen wahrnehmen, ihnen den Rahmen zu geben, den sie sich von uns wünschen, sie in sich hinein spüren lassen, was ihnen gut tut und ihre Grenzen achten; aufhören, sie nach unseren Vorstellungen zu (er)ziehen und in unsere gedanklichen Strukturen hineinzupressen, wenn wir offen sind für das, was auch wir von ihnen lernen können, dann werden wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln und dann können auch aus unseren Kindern Menschen werden, die ihrerseits die Grenzen anderer erspüren und damit achten können. 

Wir als Eltern mit ihnen auf dieser Reise, offen für das, was ist und kommen wird, im erwartungsfreien Raum, lernen und wachsen dabei mit. Das geht gar nicht anders, denn lernen ist Leben und Leben ist lernen.
 

Unser Leben mit Kindern und wie es zu der Idee dieses Kongresses kam


Mein Mann und ich haben selbst drei Kinder (2, 5 und 8 Jahre) und wir haben festgestellt, dass viele der alten Vorstellungen nicht mehr passen für uns. Daher haben wir uns auf die spannende (innere und äußere) Bildungs- und Entwicklungsreise begeben – mit unseren Kindern, aber auch für uns selbst. Unser Traum war es, die wunderbaren Menschen, die wir dabei über die Jahre kennengelernt haben und mit denen ich teilweise zusammenarbeiten darf, mit ihrem Wissen zusammenzubringen. Nun ist die Vision groß, aber diese Menschen sind teilweise über die ganze Welt verteilt. Zudem kennen wir es selbst von Seminaren, Kongressen, Fortbildungen: schon die Anreise ist manchmal mit kleinen Kindern, die z. B. nicht gern Auto oder Zug fahren, nicht möglich oder schwierig, von der Teilnahme an Veranstaltungen ganz zu schweigen. Oft habe ich die Hälfte verpasst. Die flexible Lösung: ein Online-Kongress !

Wir haben ungefähr 50 Experten aus der ganzen Welt und im Alter zwischen 18 und 73 Jahren online versammelt. Das gab es in dieser Form und zu diesem sensiblen Thema noch nie, viele von ihnen treten zum ersten Mal online auf. Darunter sind beispielsweise Susanne Mierau, Julia Dibbern, Nicola Schmidt, Lini Lindmayer, Katia Saalfrank, Herbert Renz-Polster, Lienhard Valentin oder Andreas Reinke, außerdem Wissenschaftler wie Prof. Peter Gray, junge Menschen, die ohne Schule aufgewachsen sind (in Deutschland oder anderswo/Freilerner/Unschooler), Reisefamilien, Ausgewanderte, Filmemacher, die Betreiberin einer internationalen wöchentlichen Show, Verbandsvorstände und Aktive für das Lernen in Freien Schulen oder ganz ohne Schule, Lehrer, Berater, Autoren, Coaches, Menschen, die sich ihre Bildung nach der Schule selbst zusammengestellt haben, Initiatoren und Aktive freier Lernorte im In- und Ausland, ein Mitglied von Methodos, die „Schule“ einfach umgekehrt haben und ihre Lehrer selbst einstellen und bestimmen, was sie lernen, Blogger, Online-Unternehmer, Digitale Nomaden und andere ortsunabhängig Arbeitende. Mit ihnen haben wir das neue Format Online-Kongress umgesetzt.



Nach knapp einem Jahr Vorbereitungszeit ist es nun soweit: der 1. Internationale Online-Bildungskongress für freies Lernen und selbstbestimmte Bildung findet vom 18. bis 27. März statt. Eine Teilnahme ist wirklich für jeden möglich – denn sie kann vom häuslichen Sofa aus zu jeder Tages- und Nachtzeit erfolgen und der Kongress ist kostenlos. (Es besteht jedoch die Möglichkeit, wenn man die Interviews dauerhaft haben möchte oder unsere Arbeit unterstützen möchte, das Kongresspaket zu erwerben). 

Die Anmeldung erfolgt einfach über die E-mail-Adresse unter www.bildungskongress.com.

Sei dabei und melde Dich jetzt an! 

© Lena Busch

Wenn Eltern sterben - warum und wie man die Vormundschaft regeln sollte



Kennt Ihr das? Man macht einen schönen Ausflug - nur zu zweit, um auch mal etwas Paarzeit zu genießen - und irgendwann drängt sich dann plötzlich dieser eine kleine Gedanke auf: "Was wäre wenn... wir jetzt einen Unfall hätten und beide sterben würden?" Jedes Jahr werden etwa 1.000 Kinder in Deutschland zu Vollwaisen. Zwar sterben die Eltern dabei in der Regel nicht gemeinsam, häufig jedoch relativ kurz nacheinander. Auch wenn man den Gedanken daran am liebsten ganz weit weg schieben möchte - man sollte ihn der Kinder zuliebe unbedingt zu Ende gedacht haben. 

 

Wer bekommt das Sorgerecht, wenn die Eltern tot sind?


Eltern können nicht wirklich "bestimmen", wer das Sorgerecht für ihre Kinder bekommt, aber sie können Einfluss darauf nehmen, indem sie die Personen, bei denen die Kinder leben sollen, im Testament zum Vormund machen. Dabei steht vor allem das Kindeswohl im Vordergrund. Gibt es keine schwerwiegenden Gründe, die dagegen sprechen, wird dem Wunsch der Eltern in der Regel entsprochen. Ein schwerwiegender Grund wäre bspw. eine schwere Erkrankung bei demjenigen, der Vormund werden sollte, die erst entdeckt wurde, nachdem das Testament bereits geschrieben war.

Ein Vormund muss die Kinder nicht selbst bei sich aufnehmen oder für ihren Unterhalt sorgen, er ist lediglich der Bestimmer über die kindlichen Belange. Er kann verfügen, dass die Kinder bei ihm leben sollen, ist dazu aber nicht verpflichtet. Selbst wenn explizit im Testament steht, dass die Kinder beim Vormund wohnen sollen ist das rechtlich nicht bindend und er kann es ablehnen und eine andere Entscheidung treffen. Ein Vormund ist also nur verpflichtet zu entscheiden, wo die Kinder künftig leben sollen. Man sollte daher sehr intensiv mit dem gewünschten Vormund sprechen - auch und besonders dann, wenn sich dessen Lebensumstände ändern. Wenn die zum Zeitpunkt der Testamentserstellung kinderlose Schwester bspw. mittlerweile drei eigene Kinder bekommen hat und sich die Betreuung eines weiteren Kindes nicht mehr zutraut, hat man noch die Chance, das Testament zu ändern und einen anderen Vormund zu finden.

Damit das Testament gültig ist, muss es entweder notariell beglaubigt werden oder vollständig handschriftlich niedergeschrieben und unterzeichnet sein. Beide Testamentarten können auch als gemeinschaftliches Dokument von Ehepartnern verfasst werden - ohne Trauschein muss zwingend jeder ein einzelnes Testament anfertigen! Wichtig ist auch zu wissen: Sobald einer der Partner einen Scheidungsantrag stellt, verlieren gemeinsame Testamente sofort ihre Gültigkeit - es muss also alles neu und einzeln geregelt werden.

Die Erstellung eines rechtssicheren Testamentes


Ein handschriftliches Testament ist nur dann gültig, wenn es komplett mit der Hand geschrieben wird und unterschrieben wurde! Sinnvoll ist es, Ort und Datum festzuhalten, damit zweifelsfrei erkennbar ist, welches der wirklich letzte Wille war. Wenn mehrere Dokumente vorliegen, wird dasjenige ohne Datum grundsätzlich als das älteste betrachtet und ist dann nicht wirksam. Ein handschriftliches Testament kostet nichts und kann unkompliziert geändert oder widerrufen werden. Allerdings kann es auch leichter gefälscht werden und es besteht die Möglichkeit, dass es verloren geht oder nicht gefunden wird.

Hier ist ein Muster für ein Testament, das die Vormundschaft für die Kinder regelt:
  

Testamentarische Verfügung von Claudia und Stephan Mustermann

Hiermit bestimmen wir,

                     Claudia Mustermann, geboren am 07.12.1968,

und

                     Stephan Mustermann, geboren am 26.03.1963,

beide derzeit wohnhaft in der Müllerstraße 104 in Berlin,

nach § 1777 BGB, dass im Fall unseres Todes folgende Person/en die Vormundschaft für unsere Kinder

                     Anja Mustermann, geboren am 24.11.2004, und

                     Nina Mustermann, geboren am 21.03.2009,

bekommen sollen:

                     Frau Maria Schmidt, geboren am 09.02.1982

und
                     Herr Christian Schmidt, geboren am 16.07.1955,

beide derzeit wohnhaft in der Hauptstraße 65 in München.


Begründung

Herr und Frau Schmidt sind Onkel und Tante unserer Kinder. Sie haben sich in den letzten Jahren fürsorglich um unsere Kinder gekümmert und viel Zeit miteinander verbracht, so dass ein inniges Vertrauensverhältnis besteht. [...]

Die vorstehende Erklärung haben wir aus freiem Willen und im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte abgegeben. Uns steht derzeit die Sorge für die Person und das Vermögen unseres Kindes zu.

Berlin, 08.03.2015

_____________________________________________
Unterschriften 
(Vor- und Nachname beider Elternteile!)

Unterschrift eines NotarsIm Testament kann man auch einen Ersatz-Vormund bestimmen oder angeben, welche Person(en) auf gar keinen Fall als Vormund bestimmt werden soll.

Bei einem notariell beglaubigten Testament besteht Fälschungssicherheit und es kann nicht abhanden kommen, da es zentral bei der Bundesnotarkammer hinterlegt wird. Die Hinterlegung hat auch den Vorteil, dass das Testament im Todesfall automatisch geöffnet wird - so kann es auf keinen Fall übersehen werden, wenn z. B. niemand außer den Eltern davon wusste.

Mit einem notariell beglaubigten Testament benötigt man im Todesfalle keinen Erbschein. Bei einem handschriftlichen Testament ist ein solcher zwingend erforderlich, da die Erben sonst keinen Zugriff auf Bankkonten und ähnliches haben. Die Hinterbliebenen dürften über ein notarielles Testament sehr dankbar sein, da die Beschaffung des Erbscheines mit relativ viel Aufwand, Bürokratie, Zeit (bis zu mehreren Monaten!) und auch Kosten (die etwa doppelt so hoch, wie die für ein einfaches Testament sind) verbunden ist.

Die Kosten für die Beurkundung eines Testamentes berechnen sich nach dem sogenannten "Geschäftswert" - in diesem Falle wäre das das Vermögen des Testamenterstellers abzüglich seiner Schulden .

Die Kosten (incl. MwSt.) staffeln sich wie folgt: 
  •  bis 10.000 EUR -     89,25 EUR
  •        25.000 EUR -   136,85 EUR
  •        50.000 EUR -   196,35 EUR
  •      250.000 EUR -   636,65 EUR
  • ab 500.000 EUR - 1.112,65EUR

Hinzu kommen noch kleinere Auslagen, die üblicherweise nicht mehr als 5 bis 10 EUR betragen und eine Gebühr in Höhe von 15 EUR für die Hinterlegung im Testamentsregister bei der Bundesnotarkamnmer. Bei gemeinschaftlichen Testamenten verdoppeln sich die Kosten (außer bei den Auslagen).

Bestimmen die Eltern unterschiedliche Vormunde in verschiedenen Einzeltestamenten, wird der Wunsch desjenigen Elternteils berücksichtigt, das zuletzt gestorben ist.

Was passiert, wenn es kein Testament gibt? 


Viele Eltern verzichten auf ein Testament, weil sie davon ausgehen, dass sich die Taufpaten ihrer Kinder ja verpflichtet hätten, dass sie sich um die Kinder kümmern. Dies ist juristisch gesehen jedoch vollkommen irrelevant! Gibt es kein Testament, entscheidet allein das Vormundschaftsgericht darüber, wer Vormund ist und dieser dann, wo die Kinder untergebracht werden, bis sie volljährig sind.

Bei der Suche des Vormundes hilft üblicherweise das Jugendamt. Infrage kommen vor allem Mitglieder aus der Familie der Eltern oder Personen aus deren Freundeskreis. Möchte niemand die Funktion übernehmen, wird ein professioneller Verein oder das Jugendamt selbst Vormund. Bei Geschwistern wird normalerweise der selbe Vormund bestimmt.

In Bezug auf die Unterbringung wird zunächst versucht, Verwandte oder Freunde zu finden, die bereit sind, die Kinder aufzunehmen. Ist dies nicht möglich, werden vor allem für jüngere Kinder Pflegefamilien gesucht. Für größere Kinder kommen auch Kinderdörfer, Wohngruppen oder Kinderheime infrage.

Was passiert, wenn Alleinerziehende sterben?


Sterben alleinerziehende Elternteile, ist maßgeblich, welche Sorgerechtsregelung besteht. Bei gemeinsamer Sorge entscheidet das andere Elterteil, was mit dem Kind passiert.

Hatte der Tote das alleinige Sorgerecht kommt es darauf an, ob irgendwann in der Vergangenheit einmal ein gemeinsames Sorgerecht bestand oder das verstorbene Elternteil schon immer das alleinige Sorgerecht hatte. Hatte das andere Elternteil schon einmal das gemeinsame Sorgerecht und wurde es ihm entzogen, kann es einen Antrag auf das Sorgerecht stellen. Diesem wird man in der Regel stattgeben, wenn dem nicht wichtige Gründe entgegenstehen.

Hat sich das Elternteil jedoch nie gekümmert und nie das Sorgerecht gehabt, wird es ihm schwer fallen, das Gericht davon zu überzeugen, ein geeigneter Vormund zu sein. Das Elternteil müsste nachgewiesen, dass der Aufenthalt bei ihm dem Kindeswohl ausdrücklich dienen würde. Gab es in der Vergangenheit Missbrauch, Desinteresse und Schläge, dann sollte man das im Testament entsprechend darlegen (und ggf. Zeugen benennen) und ausdrücklich einen anderen Vormund bestimmen.

Wovon leben meine Kinder, wenn ich tot bin?


Wenn die Eltern mindestens 5 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben oder die Eltern Beamte waren, bekommen die Kinder eine Waisenversorgung. Diese ist umso höher, je mehr und je länger Beiträge eingezahlt wurden. Die Waisenversorgung (und ggf. andere betriebliche Waisenrenten) erhält das Kind bis zur Volljährigkeit - u. U. sogar bis zum 27. Geburtstag, wenn es bis dahin noch in Ausbildung ist. Außerdem haben die betreuenden Personen natürlich Anspruch auf das Kindergeld.

Ist die Waisenrente nicht für den Lebensunterhalt ausreichend, sind die Großeltern der Kinder unterhaltspflichtig. Keine Unterhaltspflicht besteht jedoch gegen Onkel und Tanten, also Geschwistern der Verstorbenen. Leben die Großeltern nicht mehr oder können sie für den Unterhalt nicht aufkommen, besteht ein Anspruch der Kinder auf Sozialhilfe.

Nicht unterhaltspflichtig sind der Vormund, Pflegeeltern oder Stiefeltern (selbst wenn sie mit dem Verstorbenen/der Verstorbenen verheiratet waren!)

Will man seine Kinder finanziell absichern, ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll. Die Versicherungssumme sichert die Unterbringung bei Bekannten/Verwandten ab und ermöglicht eine gute Ausbildung. Aber auch wenn das Kind mittellos ist und das Jugendamt als Vormund hat - eine vernünftige schulische Ausbildung (bei entsprechender Eignung bis hin zum Gymnasium mit anschließendem Bafög-Studium) wäre auch in diesem Fall gesichert. 

"Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn" - Hayers und Achterwinter


Neulich schlenderte ich durch Rossmann und im Bestseller-Regal fiel mir das Buch ins Auge "Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn" mit dem Untertitel "100 nicht ganz legale Erziehungstipps". Der Titel allein ließ zwar schon ahnen, in welche Richtung es gehen wird - aber um das Buch nicht vorschnell zu verurteilen, bat ich den rororo-Verlag um ein Rezensionsexemplar, welches mir dieser freundlicherweise zur Verfügung stellte (vermutlich bekommen ich nach dieser Rezension nie wieder eins ;-) - ich bedanke mich dennoch sehr herzlich dafür! 

Das Buch


Der Inhalt ist relativ schnell erklärt - insgesamt 100 Erziehungstricks werden vorgestellt. Dabei wird zunächst eine Ausgangssituation beschrieben und dann erklärt, wie man das Problem (vermeintlich) effektiv löst. Die Tipps sind in insgesamt fünf Themengebiete unterteilt:

  • Gesund und munter
  • Saubär hingekriegt
  • Erwachsen werden, wozu?
  • Zusammen leben und lernen
  • Reden ist Gold, Ruhe auch

Im ersten Teil geht es rund um die Gesundheit - vom Kampf wegen der Kleidung über Süßigkeiten hin zum gesunden Essen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Konflikten rund um Sauberkeit und Hygiene, beim dritten und vierten habe ich keinen wirklichen Zusammenhang erkannt - es sind auf jeden Fall recht viele Pubertier-Themen dabei. Im letzten Teil geht es abschließend im weitesten Sinne um Kommunikation (auch im Sinne von Türen schmeißen).

Beim Verfassen der Situationsbeschreibungen lag der Hauptfokus darauf, es irgendwie lustig zu machen - manchmal kann man tatsächlich schmunzeln, meist wirkt der Humor jedoch sehr erzwungen und plakativ. Mich persönlich strengt so etwas ziemlich an, zudem die vermeintliche Lustigkeit oft gar nicht zur eigentlichen Dramatik der Situation passt. 

Meine Meinung zum Buch


Als ich das Buch las, wurde ich von Minute zu Minute trauriger und ärgerlicher. Und das aus verschiedenen Gründen. Zunächst einmal wollte mir nicht aus dem Kopf gehen, dass ich das Buch im Sachbuch-Bestseller-Regal gesehen hatte. Das heißt: Es ist aktuell eines der zehn Bücher, die am häufigsten in Deutschland verkauft werden (das treibt mir  - im wahrsten Sinne des Wortes Tränen in die Augen).

Das Buch hat außerdem die recht gute Bewertung von 4 Sternen bei Amazon. Nur mal zum Vergleich - die Neuauflage von Frau Kast-Zahns Trotzbuch (das ich kürzlich sehr ausführlich hier rezensierte) hat berechtigterweise die niedrigmöglichste Bewertung von einem Stern. Ganz offenbar lesen also die Leute "Schnall Dich an, sonst stirbt ein Einhorn" und finden es tatsächlich lustig und - noch viel schlimmer - hilfreich und - noch viel, viel schlimmer - empfehlen es weiter, so dass es sich zum Bestseller entwickelt hat.

Da komme ich ganz ehrlich schrecklich ins Grübeln. Das also ist die "normale" Einstellung gegenüber Kindern? Dass man allerlei List und Tücke aufwendet, um sie zu manipulieren?  Alle, wirklich alle im Buch vorgestellten Tipps basieren nur auf genau vier Methoden: Lügen, Drohungen, Erpressung und Bloßstellung. Oft auch aus einer Kombination dieser. Gut - der Untertitel "100 nicht ganz legale Erziehungstricks" ließ das schon vermuten, aber mit welcher Kaltblütigkeit und Hartherzigkeit da gegen (manchmal völlig altersgerechtes) kindliches Verhalten vorgegangen werden soll, macht mich sprachlos!

Die meisten Tricks basieren darauf, Kinder einfach schamlos anzulügen. Das Kind will sich nicht anschnallen? Erzähl ihm, dass deswegen ein Einhorn sterben wird und es für seinen Tod verantwortlich wäre. Bin ich die einzige, die das komplett unlustig - ja sogar grausam findet? Ich sehe die Autoren des Buches schon kopfschüttelnd vor mir: "Wieder so eine überempfindliche Übermutti! Diese Helikoptereltern sind echt total humorlos und überbehütend - furchtbar!" Nee - ich bin weder das Eine, noch das Andere. Ich frage mich einfach, wie lustig es ein Mann finden würde, wenn er von seiner Frau hören würde: "Los, bring endlich den Müll raus, sonst stirbt dein bester Freund Martin!"  

Kinder zum Funktionieren zu bringen, in dem man ihnen (die erlogene) Verantwortung für den Tod eines Fabelwesens überträgt ist, nicht nur "nicht ganz legal", sondern einfach nur dumm und verachtend.

Und es gibt zahlreiche andere Beispiele für "Lüg einfach, dann läuft es so, wie du es dir erwünschst":
Die Kinder mögen kein Reis? Lüg sie an und behaupte, das seien Mininudeln.

Dein pubertierender Sohn ist zu dick? Lege ihm ein Foto mit einem hübschen Mädchen vor und behaupte, das sei das Au-Pair, das im Sommer zu euch kommt - dann wird es schon abnehmen!


Lässt Dein Kind immer das Wasser laufen, deponiere Badezusatz im Hahn, damit dreckiges Wasser heraus kommt und behaupte, das Läge daran, dass das Kind nie den Hahn ordentlich schließt. 

Das Buch ist außerdem reich an Vorschlägen, das Kind mit Demütigungen gefügig zu machen:
Dein Kind schmeißt sich vor den Süßigkeiten an der Kasse auf den Boden und hat einen Wutanfall? Tue es ihm nach - es wird sich so schämen, dass es das nie wieder tut!

Schmeißt das Kind ständig Essen auf den Boden: tue so, als müsste es ab jetzt immer unter dem Tisch essen
.
 

Auch beliebt: subtile Drohungen/Erpressungen:
Die Kinder sind im Bus trotz Ermahnung nicht leise? Hab immer eine Süßigkeitentüte dabei, die du dann als Entschuldigung an die anderen Fahrgäste verteilst. Nur wenn sich die Kinder benehmen kommen sie selbst in den Genuss der Süßigkeiten.

Aber auch andere Fiesheiten werden vorgeschlagen: 
Überschreitet das Kind die Surfzeit am PC, dann schütte ihm immer wieder Juckpulver in den Nacken (zur pawlowschen Konditionierung.

Kommt Dein Kind betrunken heim, male ihm mit einem wasserunlöslichen Edding (!) ins Gesicht, so dass es glaubt, im Rausch beim Tätowierer gewesen zu sein.

Wenn dein Kind erklärt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, dann serviere Hühnerfilet und Leberkäse als Saitan und Tofu.

Zum Abstillen kann man ruhig mal Senf auf die Brustwarze geben - das wird dem Kind die Milch schon verleiden.

Wäscht sich dein Teenager nicht die Haare: Streu Glitzerpulver rein, das wird ihn schon dazu bringen.

Wenn der Wunschzettel der Kinder überquillt: schenke "Gutscheine" für Sachen und sag, Du kaufst sie im Februar. Die meisten Kinder haben den Wunsch bis dahin dann eh vergessen.
Der Gedanke daran, wie viele Eltern nun diese tollen Tricks ausprobieren werden, macht mich wirklich traurig. Und natürlich werden die meisten funktionieren - und zwar deshalb, weil Kinder ihren Eltern vertrauen und ihnen gefallen wollen. Das kindliche Vertrauen ist ein so kostbares Gut - hier wird empfohlen, es mit den Füßen zu treten, um die eigenen Interessen mit Macht durchzusetzen. Kinder haben die Kompetenz, mit uns gemeinsam Probleme zu lösen. Miteinander reden, einander zuhören, sich mit Respekt zu begegnen, ernst genommen zu werden und mit einander in Beziehung zu stehen machen Drohungen, Lügen und Erpressung vollkommen überflüssig!

Bei meiner Rezension zum Buch von Anette-Kast Zahn wurde in den Kommentaren kritisch angemerkt, dass meine sachliche Rezension durch den letzten Teil zu einer aufgeregte Kritik geworden sei. Ich fürchte, auch dieses Mal befinde ich mich meilenweit von einer sachlichen Buchbesprechung entfernt - aber da das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, kann ich abschließend in aller Klarheit resümieren:

Dieses Buch ist einfach nur unglaublich schlecht und menschenverachtend!


Nachtrag

Auf Facebook wurde ich darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Buch doch eindeutig um Satire handeln würde. Das hat mich etwas überrascht - denn unter Satire verstehe ich Texte, die durch eine gewisse Überzeichnung Personen, Ereignisse oder Zustände verspotten oder anprangern. Mir ist nicht so richtig klar, inwiefern das hier zutreffen sollte. 

Selbst wenn das Buch tatsächlich nur rein humoristisch mit unterhaltendem Charakter hätte sein sollen, finde ich das dahinter stehende Kindernbild schrecklich. Und ich möchte meinen, dass nicht wenige Eltern die vorgeschlagenen Gemeinheiten tatsächlich ausprobieren. So heißt es in den Amazonrezensionen bspw.:
"Mit diesem Werk hält man einen zwar unkonventionellen aber waschechten Erziehungsratgeber in den Händen."

"Bei allem Unterhaltungswert dieses Ratgebers kann man doch wirklich auch einiges mitnehmen, da einem durch die wirklich allen Eltern bekannten Situationen ein Spiegel der eigenen Reaktionen (und der manchmal nicht zu verhindernden Genervtheit) vorgehalten wird. Hier zukünftig besonnener und zum sicherlichen Erstaunen der Kids wesentlich cooler zu reagieren, kann dieser Ratgeber durchaus möglich machen."

"
Und ein paar Ideen bekommt man selber die man in der eigenen Erziehung verwenden kann."