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Der Morgen im Hause Snowqueen - Ein Lehrstück in vier Akten


Teil 3: Wie viel wir kooperieren


Dass Kinder tatsächlich von Natur aus kooperieren wollen, aber wir es ihnen unwissentlich schon früh abgewöhnen, habe ich im ersten Teil dieser Artikelserie ausführlich dargestellt. Im zweiten Teil ging ich darauf ein, wie wir es schaffen können, dass unsere Kinder wieder mehr kooperieren. Einer der Punkte, die ich dort bespreche, ist, als Erwachsener den Kindern Kooperation vorzuleben. Denn oft genug verlangen wir von unseren Kindern, dass sie ohne zu murren das tun, um das wir sie bitten, machen aber im Gegenzug oft leider nicht das Gleiche. So entsteht ein Ungleichgewicht innerhalb der Kooperation - eine Seite gibt viel, die andere Seite nimmt viel. Richtig zufrieden werden Menschen aber nur, wenn ihre Bemühungen, einem anderen entgegenzukommen, wertgeschätzt werden und sie nicht das Gefühl haben, ausgenutzt zu werden.

Im heutigen, dritten, Teil der Artikelserie gehe ich einmal für diesen Blog ungewohnte Wege. Ich werde mitschreiben, wie meine drei Kinder und ich den Morgen verbringen (meine bessere Hälfte ist dann schon lange auf der Arbeit). Dabei geht es explizit nicht darum, ob ich es "gut" oder "schlecht" mache. So, wie wir den Morgen verbringen, ist es perfekt für unsere Familie. Andere Familien würden an unserem Rhythmus und unseren Ritualen vielleicht eher verzweifeln. Es geht einzig und allein darum, zu zeigen, wie viel ich kooperiere und wie viel meine Kinder kooperieren. Als Kooperation gelten dabei alle Tätigkeiten (oder Unterlassungen), die dazu beitragen, dass einem anderen Familienmitglied geholfen ist. In der Gesamtsumme führen die Kooperationen dazu, dass das elterliche Ziel, pünktlich aus dem Haus zu kommen, eingehalten werden kann.

Um das etwas übersichtlicher zu gestalten, werden alle Kooperationen einer Person in je einer Farbe dargestellt: Snowqueen, Fräulein Chaos, Fräulein Ordnung, Herr Friedlich.

Die Voraussetzungen für einen harmonischen Morgen 


Die Kita beginnt um 9 Uhr - kommen wir zu spät, müssen wir eine Stunde warten, um eingelassen zu werden, da sonst die Montessori-Freiarbeit durch Zuspätkommer gestört wird. Das heißt, um nicht hetzen zu müssen, sollten wir etwa 8.30 Uhr das Haus verlassen. Damit haben wir aber noch einen Zeitpuffer. Richtig eng wird es nur, wenn wir erst 8.45 Uhr loskommen.

Meine Kinder und ich haben morgens unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche, auf die ich achte, damit alles reibungslos verläuft.

Snowqueens Bedürfnisse:
  • pünktlich in der Kita ankommen,
  • einen harmonischen Morgen mit meinen Kindern verbringen (also nicht schimpfen zu müssen)
Fräulein Chaos Bedürfnisse (5 Jahre alt):
  • exklusive Zeit mit Mama zum Kuscheln (das ist ihre Art, ihr Liebes- und Aufmerksamkeitsdefizit aufzufüllen), 
  • autonome Entscheidungen treffen (Anziehen, Essen etc.)
Fräulein Ordnungs Bedürfnisse (5 Jahre alt):
  • niemals gehetzt zu werden (Zeitdruck absolut vermeiden),
  • Hilfe beim Anziehen (das ist ihre Art, ihr Liebes- und Aufmerksamkeitsdefizit aufzufüllen),
  • momentan: nicht geküsst zu werden (nur Luftküsse).
  • vor ein paar Monaten noch: nicht allein in einem Raum gelassen zu werden, selbst, wenn sie uns in den anderen Zimmern hören konnte (dieses Bedürfnis ist nun verschwunden)
Herrn Friedlichs Bedürfnisse (1,5 Jahre alt):
  • dass sein Nein akzeptiert wird,
  • selbst bestimmen, wann er angezogen wird.

Die Bedürfnisse der Kinder ändern sich immer mal. Mit den Jahren sind neue dazu gekommen oder alte weggefallen. Je ähnlicher sich die Bedürfnisse der Kinder sind und waren, desto schwieriger ist oder war es für mich, allen morgens gerecht zu werden. Deshalb gab es sicherlich auch Phasen, die nicht ganz so harmonisch verlaufen sind, wie es derzeit der Fall ist.

Eine Zeitlang wollten die Mädchen zum Beispiel gern immer "Erste" sein beim Anziehen, Zähneputzen etc. Das war kurz nach der Geburt von Herrn Friedlich und sehr nervenaufreibend. Ich habe eine Weile gebraucht, um da einen guten Weg für uns zu finden. Zunächst habe ich, auf Anraten einer Zwillings-Mama, die Tage der Woche eingeteilt, an denen die Eine und die Andere jeweils fest die Erste bei allen morgendlichen Verrichtungen war. Das war für uns aber ein einengendes Korsett, das uns als die Familie die Luft zu atmen nahm. Denn wenn Fräulein Chaos' Tag des "Erste-Seins" war, konnte es zum Beispiel vorkommen, dass sie gerade mitten im Spiel war, aber zum Zähneputzen kommen sollte. Dann wollte sie ihre Position als Nummer 1 gern an ihre Schwester abgeben, die das manchmal dankend annahm und manchmal aber eben auch im Spiel war und dann vehement darauf pochte, dass sie heute immer Zweite sei. So ärgerten wir uns alle noch viel mehr.

Deshalb habe ich dieses Experiment schnell wieder abgebrochen und ab da, wenn es Streit darum gab, wer von mir zuerst Hilfe bekommen sollte, gesagt: "Redet miteinander. Ich bin sicher, ihr findet einen Kompromiss". Sie waren dreieinhalb Jahre alt und - sie fanden Kompromisse. Tolle Kompromisse. Manchmal endete so eine Diskussion natürlich auch in Hauen und Geschrei, aber das gehört ja dazu. Wichtig war, dass sie Eigenverantwortung übernommen haben und lernten, die Bedürfnisse eines anderen abzuwägen und ab und zu zurückzustecken.

Ich denke, dass das auch einen Grundstein dazu gelegt hat, dass wir alle normalerweise (es gibt natürlich Ausnahmen) zufrieden und entspannt zur Arbeit/in den Kindergarten gehen, da wir einen ruhigen Morgen miteinander hatten. Zumindest, was wir persönlich als "ruhigen Morgen" mit drei Kindern im Haus definieren. Aber lest selbst.

Tag 1


Da Herr Friedlich gestern einen zweiten Mittagschlaf machte, wachen wir alle erst um 7 Uhr mit dem Weckerklingeln auf. Ich bin müde, so müde. Dummerweise habe ich gestern noch bis 24 Uhr getwittert, das rächt sich jetzt. Ich schalte den Wecker aus und bleibe noch liegen. Herr Friedlich sucht im Halbschlaf nach meiner Brust, er will auch noch nicht aufstehen. Fräulein Chaos, die in dieser Nacht im Familienbett geschlafen hat, kuschelt sich von der anderen Seite an mich. So bleiben wir noch ein paar Minuten liegen und genießen den Körperkontakt.

Mühsam schäle ich mich aus dem Bett. "Komm, Herr Friedlich, wir gehen ins Bad", sage ich zu meinem Sohn. Er sitzt auf dem Familienbett und schleudert mir ein entschlossenes "Nein!" entgegen. "Ist gut", antworte ich und gehe allein los. Ich höre Fräulein Chaos und Herrn Friedlich auf dem Bett toben und giggeln. Ich lausche aus dem Flur in Richtung Mädchenzimmer. Dort hat Fräulein Ordnung genächtigt. Sie ist abends immer sehr beschäftigt mit Malen und Basteln und schläft deshalb lieber in ihrem eigenen Bett, da sie dann selbst entscheiden kann, wann das Licht ausgeht. Da sie eine ausgesprochene Nachteule ist, kann das durchaus erst 22.30 Uhr sein. Dementsprechend müde ist sie morgens - sie würde gern länger ausschlafen, kann das aber leider nicht, da wir einen Zeitplan einzuhalten haben. Nun schläft sie aber noch tief und fest.

Ich gehe ins Bad, putze mir die Zähne und ziehe mich schnell an. Meine Sachen lege ich immer abends schon ins Bad. Währenddessen kommt Fräulein Chaos aus dem Schlafzimmer und läuft ins Mädchenzimmer, um sich ihre Sachen aus dem Schrank zu nehmen und sich anzuziehen. Da nun Herr Friedlich allein auf dem Familienbett ist, gehe ich zu ihm und hole ihn ab. Diesmal kommt er bereitwillig in meine Arme gekrabbelt. Ich bringe ihn zu Fräulein Ordnung ans Bett. Er klettert rauf und gurrt seine noch schlafende Schwester an. Sie dreht den Kopf weg, weil sie weiterschlafen will. Er gurrt noch ein bisschen, doch als sie sich nicht rührt, greift er zu drastischeren Maßnahmen. Er klettert auf sie rauf und rollt sich giggelnd von ihr runter. Diesem Spiel kann Fräulein Ordnung nicht widerstehen, sie schlägt sie Bettdecke zur Seite und wirft sich spielerisch auf ihren Bruder. Herr Friedlich quietscht begeistert - das ist ihr Morgenritual.

Da sie nun wach ist, beschließt er, dass sein Werk getan ist. Er klettert vom Bett herab und zieht Bücher aus dem Büchersessel. Als er ein Tiptoi Buch gefunden hat, setzt er sich zufrieden davor und knipst den dazugehörigen Stift an. Leider intoniert dieser immer wieder: "Bitte tippe auf das Anschaltzeichen dieses Produkts" statt ihm Tierlaute vorzuspielen. Herr Friedlich tippt missmutig auf das Schwein, das Huhn und die Kuh. Fräulein Ordnung hat Erbarmen, springt aus dem Bett und tippt mit dem Stift in Herrn Friedlichs Hand kurz auf das Einschaltzeichen. Der Stift macht einen beifälligen Ton und kurz darauf auch die gewünschten Tierlaute.

Fräulein Ordnung läuft zum Schrank und sucht ihre Sachen zusammen. Ich laufe derweil im Zimmer umher und mache ein bisschen Ordnung, denn die Mal- und Bastelorgie von gestern Nacht hat Spuren hinterlassen. Boah, was hat sie nur gemacht? Es liegen etliche Klebestifte auf dem Boden. Einer ist leer, den werfe ich gleich weg. Wo ist seine Kappe? Ich suche und finde sie, werfe sie aber nicht weg, sondern lege sie in eine bestimmte Schublade. Man kann nie genügend Extrakappen von Klebern und Flitzstiften haben!

Fräulein Ordnung sitzt nun mit ihren Klamotten auf dem Bett und starrt ein wenig vor sich hin, als wüsste sie nicht, was sie mit den Sachen machen soll. Ich geselle mich zu ihr und nehme sie auf den Schoß. Ich helfe ihr, ihr Nachthemd aus- und die Sachen anzuziehen. Die Kinder baden abends immer, so dass wir morgens nur eine Katzenwäsche machen müssen. Da es herbstlich draußen ist, gehört zum Outfit auch eine Strumpfhose. Ich hasse, hasse Strumpfhosen. Wenn es nach mir ginge, würden meine Kinder nur Leggins oder normale Hosen tragen. Aber sie bestehen auf Strumpfhosen. Sie wissen jedoch, dass ich nicht helfe, diese anzuziehen. Das Gefummel dabei übersteigt eindeutig meine Grenze. Ich habe schlicht keine Nerven für Strumpfhosen-Anziehen. Es macht mich wahnsinnig. Heute sehe ich aber, dass sie eine ausgewählt hat, die ganz leicht anzuziehen ist, deshalb helfe ich ihr ausnahmsweise auch dabei. Fräulein Ordnung registriert das und küsst spontan meine Hand.

Da Herr Friedlich immer noch mit den Büchern beschäftigt ist, laufe ich ins Bad. Auf dem Weg dorthin nehme ich die Wasserschüssel der Meerschweinchen aus dem Gehege und nehme sie mit, um sie neu aufzufüllen. Im Bad wartet Fräulein Chaos auf mich. Sie ist fertig angezogen und gewaschen. Ich nehme sie auf den Schoss und putze ihre Zähne. Danach kämme ich ihre Haare und rede mit ihr ein bisschen über den kommenden Kindergartentag. Sie genießt den Moment unserer Zweisamkeit und kuschelt sich an mich. 

Dann trollt sie sich in Richtung Mädchenzimmer, macht ein Hörspiel an und wirft sich wie ein Teenager aufs Bett. Ich komme mit dem frischen Wasser für die Meerschweinchen hinterher und fülle gleich noch das Heu neu auf. Die kleinen Nager fiepen mich dankend an. Ich suche Herrn Friedlich und schaffe es, ohne Protest seinen Schlafanzug und seine Windel auszuziehen. Bei den Armen und Beinen hilft er aktiv mit. Nackt läuft er in sein Zimmer und beginnt, dort an seiner Küche zu spielen. Ich binde ihm seine Windel um, aber als ich ihm den Body anziehen will, ruft er energisch: "Neiiiiiin!" Dann jetzt nicht. Ich stopfe den Body in meine hintere Hosentasche. Mein Moment wird schon noch kommen.

Fräulein Ordnung kommt herein und fragt: "Habe ich schon Zähne geputzt?" Da das nicht der Fall ist, gehen wir beide ins Bad und sie wäscht sich das Gesicht. Herr Friedlich kommt ebenfalls ins Bad getappert und quietscht missmutig, weil seine Schwester auf dem Tritt steht. Er will da rauf! Fräulein Ordnung klettert herunter und lässt sich von mir auf der anderen Seite des Waschbeckens auf den Wäschewürfel heben. Nun läuft Herr Friedlich dorthin und quietscht wieder missmutig. Fräulein Ordnung und ich schauen uns einen Moment lang an, zucken mit den Schultern, dann hebe ich sie wieder rüber auf den Tritt und Herrn Friedlich auf den Wäschewürfel. Ich freue mich darüber, dass Fräulein Ordnung so problemlos nachgegeben hat und schenke ihr ein dankbares Lächeln. Dann putze ich die Zähne meiner Tochter. Ich drücke Herrn Friedlich schon mal seine Zahnbürste in die Hand. Er beobachtet uns sehr genau und kaut dabei auf seiner Bürste rum. Das Ausspucken findet er besonders lustig und probiert es auch. Als ich bei Fräulein Ordnung fertig bin und sie geht, versuche ich, ob mein Sohn mich nachputzen lässt. Ja, es kommt kein Protest. Puh. Das gab es auch schon öfter anders. Aber heute lässt er das Putzen zu.

Danach beginnt er, mit seiner Zahnbürste und dem Wasserhahn zu spielen. Auf, zu, auf, zu. Gut, dass er noch nicht angezogen ist. Ich lasse ihn am Waschbecken stehen, er wird mich rufen, wenn er fertig ist. Ich gehe in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten. "Was wollt ihr essen?" frage ich ins Mädchenzimmer hinein. "Joghurt", "Müsli" schallt es zurück. Wie immer also. Okay, das geht schnell.

Ich gehe zurück ins Mädchenzimmer, um ihnen Bescheid zu sagen, dass das Essen bereit steht. Fräulein Chaos liegt noch auf dem Bett und lauscht dem Hörspiel. Fräulein Ordnung steht an der Puppenstube und spielt mit ihren Polly Pockets. Auch sie lauscht mit halben Ohr der Geschichte. Ich sehe, dass es der perfekte Zeitpunkt ist, um ihr die Haare zu kämmen und laufe ins Bad, um die Bürste zu holen. Herr Friedlich ist fertig mit seinen Wasserspielen und grinst mich freudig an. Ich hebe ihn vom Wäschewürfel und frage, ob ich ihm jetzt seinen Body anziehen kann. Er sagt nicht nein, immerhin, also nutze ich meine Chance und stülpe die Klamotte über. Er hilft bei den Ärmeln mit, aber als ich die drei Knöpfe im Schritt schließen will, wird er schon ungeduldig und will loslaufen. Ich halte ihn aber noch kurz zurück, bis ich alle Knöpfe geschlossen habe. Er wartet ab.

Zusammen gehen wir ins Mädchenzimmer. Ich öffne Fräulein Ordnungs Schlafzopf und beginne zu kämmen. Sie spielt mit ihren Püppchen und hält still. Herr Friedlich mag noch keine Hörspiele. Er geht zur Brio-Kiste und zerrt daran. Sie ist viel zu schwer für ihn und rührt sich nicht. Fräulein Chaos, die auf dem Bett liegt, bemerkt sein Dilemma, springt leise auf, holt die Kiste aus dem niedrigen Regal und baut ihm kurzerhand eine Minirunde Schienen für seine Züge. Er ist zufrieden und kramt nach seiner Lieblingslok in der Kiste. Seine Schwester wirft sich wieder aufs Bett. Ich bin fertig mit dem Flechten und sage: "Mädels, das Frühstück ist fertig." Dann gehe ich in die Küche. 

Die Mädchen scheinen hungrig zu sein, denn sie unterbrechen sofort ihr Spiel und kommen mit. Das ist nicht immer so. Zu dritt gehen wir frühstücken, Herr Friedlich bleibt bei seiner Brio-Bahn. Wir essen und unterhalten uns. Nach ein paar Minuten kommt Herr Friedlich auch in die Küche. Er möchte den Rand meiner Stulle und quietscht mich an. Dann dreht er sich um, geht zu seinem Schrank und holt einen Teller und einen Becher heraus. Er reicht mir beides und klettert dann auf seinen Stuhl. Das hat er so bei seinen Schwestern beobachtet und imitiert das sehr zuverlässig. Während ich ihm den Rand abbreche, schnappt sich Fräulein Chaos seinen Becher und gießt etwas Wasser aus ihrem Becher hinein. Gut, das hätte ich vermutlich anders gemacht, aber was zählt ist, dass beide nun Wasser haben. Ich zwinkere ihr also freundlich zu.

Das Frühstück dauert kaum 5 Minuten, dann sind die Kinder fertig. Da ich später noch beim Bloggen in Ruhe frühstücke und die Mädchen gleich in der Kita noch einmal essen können, soll es mir recht sein. Die Mädchen gehen in Ihr Zimmer, Herr Friedlich kaut noch ein wenig auf seinem Brotrand, während ich den Tisch säubere. Ich höre, dass das Hörspiel wieder angemacht wird. Herr Friedlich signalisiert, dass er Mamamilch möchte. Das kommt mir sehr gelegen, denn dann kann ich ihm währenddessen Hose und Strümpfe anziehen, ohne mit einem Nein rechnen zu müssen. Wir gehen dafür ins Mädchenzimmer und legen uns auf das Mädchenbett. Ich stille und wurschtele Sachen an seinen Körper. Fräulein Chaos nutzt die Gelegenheit, sich auf dem Bett von der andere Seite an mich zu schmiegen. Fräulein Ordnung steht an der Puppenstube und dialogisiert leise für ihre Polly Pocket Puppen. Sie ist ganz vertieft. Ich bin müde und würde wirklich gern liegen bleiben. Doofes Erwachsenensein.

Nach ein paar Minuten rappele ich mich auf. Ich vermute, dass es langsam Zeit wird, loszugehen, aber ich muss erst auf die Uhr in der Küche schauen, um das zu verifizieren. Herr Friedlich stapft in sein Zimmer, Fräulein Chaos bleibt liegen. Ich sage zu meinem Sohn, dass ich ihm Schuhe und Jacke anziehen möchte. "Nein!", beschließt er. Er nimmt O-Bälle aus seiner Kiste und lässt sie die Rutsche runterkullern. Mmh, dann Schuhe und Jacke wohl später. Ich packe meinen Rucksack zuende. Eigentlich bereite ich den am Abend schon vor, aber manchmal müssen noch ein paar Kleinigkeiten, wie eine Regenhose für Herrn Friedlich oder mein Handyladekabel mit hinein. Ich rufe vom Flur ins Mädchenzimmer: "Mädels, es geht gleich los!" "Ja!" tönt es mir zweifach entgegen, aber sie rühren sich natürlich nicht vom Fleck. Ich gucke auf die Uhr. Nee, wir haben noch 5 Minuten Zeit. Cool.

Ich beschließe daher, dass die Meerschweinchen heute morgen noch ein paar Leckerlis bekommen und öffne den Kühlschrank, um Gurke und Möhre herauszuholen. Herr Friedlich hat das Kühlschrankklappern gehört und kommt in die Küche. Er sieht die Gurke in meiner Hand und gurrt liebevoll: "Anna!" Er kann zwar die Namen seiner Schwestern noch nicht aussprechen, aber den Namen der Meerschweindame hatte er schnell drauf. Er liebt sie abgöttisch. Ich gebe ihm ein Stück Gurke in die Hand und er klettert auf den Stuhl vor das Gehege und hält es geduldig fest, bis eins der Tiere es ihm abnimmt. Dann nimmt er ein neues und hält es wieder hinein. Ich hole seine Schuhe. So abgelenkt kann ich sie ihm ohne Probleme anziehen - er lässt mich gewähren. Ich lasse ihn stehen und ziehe meine eigenen Schuhe an. Ich rufe den Mädchen zu: "Herr Friedlich und ich ziehen uns jetzt an. Es geht los!" "Ja!" rufen sie zurück, aber rühren sich nicht. Das Hörspiel läuft noch immer.

Die Mutter in mir möchte jetzt gern nervös werden, weil die beiden nicht kommen, aber ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass gleich alles ganz schnell geht und klappt. Also bleibe ich ruhig und mache mein Ding. Ich nehme die Jacken, Mützen und Schuhe der Mädchen und lege sie schon mal vor die Tür. Unser Flur ist relativ eng und es ist angenehmer, wenn wir uns im Treppenhaus anziehen. Herr Friedlich sieht, dass es los geht, klettert vom Stuhl und gebärdet: "Mütze! Mütze!" Er kramt in seiner Kiste und sucht sich die blaue Mütze aus. Ich nicke, dann suche ich die passende Jacke dazu. Er lässt sie mich ihm anziehen, stülpt sich dann selbst die Mütze (schief) über. Dann stapft er ins Treppenhaus. Ich schnalle mir die Manduca um und nehme meine eigene Fleecejacke.

"Mädels, jetzt!" rufe ich. Sie springen auf, Fräulein Chaos macht das Hörspiel aus. Fräulein Ordnung nimmt ein Täschchen und wirft drei ihrer Polly Pockets hinein. Sie will im Kindergarten damit weiterspielen. Sie huschen aus der Wohnung und ziehen sich im Treppenhaus an, während ich die Tür abschließe. Herr Friedlich geht schon mal die Treppe hinunter. Es ist 8.30 Uhr, wir werden pünktlich in der Kita ankommen.


Tag 2


Da Herr Friedlich gestern kein Nachmittagsschläfchen machte und schon um 18 Uhr einschlief, ist er heute logischerweise schon um 6.30 Uhr wach. Seufzend stehe ich mit ihm auf. Fräulein Chaos hat wieder im Familienbett genächtigt und schläft weiter, während wir ins Bad gehen. Ich bin so müde, dass ich noch halb die Augen zu habe. Herr Friedlich signalisiert, dass er Mamamilch will. Er ist wohl auch noch nicht so wach. Ich setze mich mit ihm auf die Wäschewürfel und lege ihn an. Er will nach der ersten Brust auch die zweite, dann noch einmal die erste. Doch, er ist noch müde, eindeutig. Beim Stillen schäle ich ihn aus Schlafanzug und Nachtwindel und er lässt das ohne Protest zu

Ich stelle ihn auf den Boden, um selbst auf die Toilette zu können. Er läuft juchzend im Bad herum, er liebt es, nackt zu sein. Plötzlich stutzt er, guckt auf seinen Penis, dreht sich um und rennt in Richtung Töpfchen. Zu spät, neben dem Töpfchen kommt das Pipi schon. Ich bin aber trotzdem erstaunt, dass er das Bedürfnis erkannt zu haben scheint. Ich bin auch überrascht, dass er zum Töpfchen wollte, denn das steht seit Wochen ungenutzt hier im Bad herum. Irgendwann wollte er nicht mehr abgehalten werden, seitdem verstaubte es. Ich wische das Pipi vom Boden und binde ihm eine Windel um. Dann putze ich ihm seine Zähne - heute total ohne Murren. Ein guter Tag! Ich darf ihm sogar den Body und die Hose anziehen. Nach dem gestrigen "Nein!"-Tag eine echte Erholung. Die Socken werde ich ihm später anziehen.

Ich ziehe mich an und putze meine Zähne, aber mein Shirt habe ich im Schrank vergessen. Ich bringe den Sohn in sein Zimmer, von dort aus tappert er durch die Verbindungstür in Richtung Mädchenbett. Er will Fräulein Ordnung wecken. Gut so, das hatte ich gehofft.

Ich gehe ins Schlafzimmer, um mein Shirt zu holen. Dabei bemerke ich, dass es schon fast Aufstehzeit ist. Ich nehme das Shirt aus dem Schrank, lege mich leise neben Fräulein Chaos und kuschle mich für ein paar Minuten an sie. Dann beginne ich, sie abzuküssen. Keine Reaktion. Meine Küsse werden wilder und kitzliger. Da! Ein Kichern. Na also. Nach der dritten Kuß-Orgie ist sie endgültig wach und springt sofort auf. Sie läuft durch die Wohnung zu ihrer Schwester, hüpft aufs Mädchenbett und ruft: "Ich bin Laura und finde dich auf der Straße, okay?" Ihr derzeitiges Lieblings-Rollenspiel. Fräulein Ordnung, die schon von ihrem Bruder geweckt wurde, ist sofort dabei. "Ja, ich bin ein armes Waisenkind und heiße...äh..Sophia. Meine Eltern sind tot und ich weiß gar nicht, wo ich übernachten soll." "Komm!", ruft "Laura", "ich zeige dir unser Bad!"

Ich wollte eigentlich noch mit Fräulein Ordnung aufwachkuscheln, aber sie sind voll im Spiel und ich bin total abgeschrieben. Eilig rauschen sie an mir vorbei ins Bad, derweil die Geschichte weiterspinnend. "Mamaaaaaa, nicht reinkommen, okay?" rufen sie. "Okay," rufe ich zurück. Herr Friedlich kommt mit einem Buch zu mir. Ich nehme ihn auf den Schoß und lese ein wenig vor. Dabei schaffe ich es, ihm auch seine Socken anzuziehen. Merke: Socken immer in der Hosentasche mitführen! Das eine Buch reicht ihm heute, er springt von meinem Schoß und zerrt an mir: "Ooch!" kommandiert er mich in die aufrechte Position, dann zieht er mich in die Küche. Aha, er hat Hunger.

Ich bereite das Frühstück vor. Da die Mädchen im Bad nicht gestört werden wollen, entscheide ich mich für den Klassiker Joghurt und Müsli. Vorsichtshalber schneide ich noch einen Apfel auf. Herr Friedlich möchte Gurke. Ich gebe ihm ein großes Stück. Er beißt einmal ordentlich ab, dann steckt er sich das restliche Stück vollständig in den Mund. Es ist so groß, dass er die Lippen nicht schließen kann und Sabber herausfließt. "Herr Friedlich, das ist zu groß. Spuck das mal nochmal aus." sage ich. Er schüttelt den Kopf. "Doch, Herr Friedlich, mach mal: Bäh! Bäh!" Er quietscht mich missmutig an und steigt mit dem Gurkenstück im Mund vom Stuhl. Beleidigt rauscht er aus der Küche in Richtung Kinderzimmer. Ich seufze und lasse ihn von dannen ziehen. Ja, Sohn, Vertrauen. Ich weiß schon, ich soll dir vertrauen.

Die Mädchen sind im Flur. "Mama? Jetzt mal nicht ins Mädchenzimmer gucken, okay? Und auch nicht in den Flur kommen. Erst, wenn wir sagen." - "Ist gut!", rufe ich zurück. Ich weiß, dass sie mich heute überraschen wollen. Die Zähne haben sie sich schon geputzt, nun werden sie sich anziehen - alles verbunden mit ihrem Rollenspiel. Dem armen Waisenkind wird von ihrer neuen Adoptivschwester sicherlich alles gezeigt werden. Ich höre, wie sie ihr die Meerschweinchen vorstellt und ihr zeigt, wie man Wasser und Heu erneuert. Das heißt, ich habe ein wenig Zeit für mich. Schnell - wo ist das Nutella? Ich schmiere mir zwei große Nutellabrote und setze mich mit Kaffee und Zeitung gemütlich in die Küche. Ah, wunderbar!

Ich höre den Babybub in seinem Zimmer rumoren. Klingt danach, als würde er kleine Autos die Rutsche runterrutschen lassen. Ich genieße ganze 15 Minuten Ruhe, packe meinen Rucksack, lege die Sachen der Mädchen vor die Tür und schiele immer wieder ins kleine Kinderzimmer, ob es Herrn Friedlich gut geht. Er ist total vertieft dabei, Perlen aufzufädeln. Ich bereite Gurken und Möhren für die Meerschweinchen vor, bringe sie aber noch nicht ins Mädchenzimmer, denn ich habe ja noch keine "Erlaubnis". Ich setze mich nochmal hin, und öffne nur mal kurz Twitter.....


Mist! Jetzt sind es nur noch 5 Minuten bis zur regulären Losgehzeit und die Mädchen haben noch nicht gegessen! Sie spielen noch im Mädchenzimmer. Ich habe mich vertwittert. Jetzt muss alles schneller gehen, als geplant. Ruhe bewahren - Zeitdruck ist für Fräulein Ordnung ein großer Stock im Getriebe. Sobald sie ihn spürt, hält sie innerlich unbewusst dagegen und verlaaaaaangsaaaaamt ihr gesamtes Tun. Ein störrischer Esel ist nichts dagegen.

"Laura? Sophia?", wenn ihr noch frühstücken wollt, müsstet ihr jetzt kommen, in 5 Minuten gehen wir los!" rufe ich in möglichst neutralem Ton. Meine Töchter springen vollständig angezogen aus dem Zimmer. "Tadaaaa!" strahlen sie und freuen sich, als ich ein übertrieben verdutztes Gesicht mache. Ich registriere, dass sie beide ihre Haare noch nicht gekämmt haben, erwähne das aber nicht, um ihnen die Überraschungslaune nicht zu verderben. Sie haben sich solche Mühe gegeben - wir können nachher in der Kita noch kämmen, kein Problem. Also wundere ich mich stattdessen ausgiebig, wie es sein kann, dass sie schon angezogen sind. Und warum ich plötzlich eine zweite Tochter habe? Wer ist das fremde Kind? Die Mädchen kichern. "Das ist Sophia, sie ist ein Waisenkind und wir haben sie aufgenommen" werde ich aufgeklärt. "Na, mein Waisenkind, dann komm mal frühstücken. Was willst du denn essen?" -"Nur Wasser und Brot, mehr bin ich nicht gewohnt" - "Oh, aber bei uns kannst du so viel leckerer Sachen essen. Willst du Müsli? Oder Joghurt? Oder Cornflakes?" - "Nein, nur Wasser und Brot."

Von meiner Nutella-Brot-Orgie liegt noch der von mir verschmähte Brotkanten herum. Genau das Richtige! Ich reiche ihn ihr und mit wehleidigem Blick beginnt sie, ihn zu verspeisen. "Laura" isst derweil den Apfel. Ich räume Joghurt und Müsli weg. Die Mädchen unterhalten sich angeregt - sie sind noch voll in ihrem Rollenspiel drin und es ist ultra-niedlich, was sie sich so ausdenken. Leider habe ich keine Zeit, zuzuhören, ich muss Herrn Friedlich finden und ihm Schuhe und Jacke anziehen. Ich finde ihn bei seinem Bagger und sehe, dass er immer noch das verdammte Gurkenstück im Mund hat. Grummel.

Achja, die Gurke! Ich eile in die Küche, um das vorbereitete Grünzeug für die Meerschweinchen zu holen und lege es ins Gehege. Dann schnappe ich mir Schuhe und Jacke und wappne mich dafür, das nein-sagende Gurkenmonster anzuziehen. Zu meiner Überraschung ist das gar kein Problem. Er ist so sehr mit der großen Gurke in seinem Mund beschäftigt, dass ich ihn ohne Widerstand ankleiden kann.
 
Nun ist es Zeit, zu gehen. "Laura! Sophia! Wir müssen los. Sophia, du lernst heute deine neue Kita kennen. Laura kann dir dort alles zeigen." sage ich. Die Mädchen springen auf und freuen sich, dass auch ich im Rollenspiel bin. Sie gehen miteinander dialogisierend aus der Wohnung und ziehen sich dort schnell Schuhe, Jacke und Mützen an. Ich räume schnell die Reste vom Küchentisch und schlüpfe in Windeseile auch in meine Sachen. Herr Friedlich geht aus der Wohnung und findet zwei volle Mülltüten, die ich dort abgelegt hatte. Er schnappt sich die kleinere von beiden, die mit dem Biomüll. Er zerrt sie in Richtung Treppe. "Möll! Möll!" brummt er zufrieden.

Kurz, bevor ich die Wohnungstür zuziehen kann, fällt Fräulein Ordnung ein, dass sie heute Barbies mitnehmen will. Ich fluche innerlich, lasse sie aber noch einmal hinein. Da ich weiß, dass die Puppen zu groß für ihre übliche Handtasche sind, gehe ich auch nochmal in die Wohnung und suche  hilfsbereit eine Tüte für die Puppen, damit sie sie darin tragen kann. Ich schließe die Wohnungstür ab, nachdem wir wieder draußen sind und will schnell Herrn Friedlich mit der Mülltüte nach. Ich habe Angst, dass sie auf der Treppe durch das Gezerre aufreißt. Ich gebe Fräulein Ordnung die Tüte und sage: "Hier, für deine Puppen." Sie stockt merklich und nölt: "Die will ich aber nicht!" Oha, das könnte eine "Situation" werden, diesen Ton kenne ich - es ist der, den sie annimmt, wenn sie (selbst subtilen) Zeitdruck spürt und dann ein Ventil zum Ärgern sucht. Diesmal ist es die Tüte. Sie hatte die Handtasche erwartet. Nonchalant sage ich: "Okay, dann nicht. Dann häng sie an die Türklinke", während ich Herrn Friedlich und der Mülltüte hinterhereile. Die andere Mülltüte nehme ich auch mit. Ich erreiche ihn und bitte ihn, mir seine Tüte zu geben. "Nein!" protestiert er. Er will es allein schaffen.

Mmh, was nun? Ich nehme ihn samt der Mülltüte in seiner Hand auf den Arm - das lässt er zu. Na bitte. Sehr gut. So schleift die Tüte auch nicht mehr auf der Treppe und kann nicht mehr reißen. Ich laufe weiter hinunter und lausche nach oben. Gibt es einen Anfall? Nein, die Mädchen sind schon wieder im Rollenspiel. Puh! Ich bringe mit dem Bub auf dem Arm den Müll weg. Er freut sich, "seinen" Müll allein in die Tonne wuchten zu dürfen. Zu meiner Freude lässt er sich danach problemlos in den Buggy setzen. Was ist hier faul? Normalerweise will er laufen, der Wagen trägt immer nur meinen Rucksack. Ah! Das Gurkenstück ist noch in seinem Mund, deshalb. Es ist allerdings mittlerweile zerschreddert. Er hat den Mund voller Gurkenmus. Dann schluckt er alles nach und nach runter und grinst mich an. Ich hab dir ja vertraut, Kleiner, wirklich, denke ich und grinse zurück. "Sophia" und "Laura" erscheinen im Hof. Die Puppen liegen bei "Sophia" im Arm wie kleine Babys. Wir gehen los. Mit fünf Minuten Verspätung, aber noch locker im Rahmen.

Tag 3 


Der Morgen beginnt wieder um 6.30 Uhr, da Herr Friedlich gestern den zweiten Mittagschlaf ausfallen ließ. Diesmal haben die Mädchen zusammen in ihrem Zimmer geschlafen und werden deshalb nicht gestört, als er lauthals verkündet, ich möge ihn bitte vom Bett heben. "Ooch!", ruft er.

Ich nehme ihn auf den Arm und gehe mit ihm ins Bad. Er schnappt sich dort ein paar Pixi-Bücher und blättert darin. Derweil wasche ich mich, putze mir die Zähne und ziehe mich schnell an. Zu meiner Überraschung darf ich das Gleiche auch bei Herrn Friedlich tun. Heute ist wohl keiner seiner Nein-Tage. Juchei! Ich putze ihm ausführlich die Zähne, wie immer, wenn ich die Chance habe. Als ich fertig bin, hält er mir ein Buch hin, das ich ihm vorlese. Dann noch eins.

Ich bringe ihn in sein Kinderzimmer und denke noch, dass ich nun schnell zu den Mädchen muss, damit ich mit ihnen kuscheln kann, bevor sie aufwachen. Da steht Fräulein Chaos schon zerzauselt in der Tür. "Mama?" fragt sie. Mist, Aufwachkuscheln verpasst! Sie hatte mich auch nicht in der Nacht zum Kuscheln, da sie, wie gesagt, in ihrem Geschwisterbett geschlafen hatte. Ich muss mir also was einfallen lassen, um ihr Bedürfnis nach Nähe heute Morgen doch noch zu berücksichtigen.

Ich hebe sie hoch und trage sie wie ein Baby ins Bad. Kein leichtes Unterfangen bei einem 110cm großen Kind. Auf dem kurzen Weg gebe ich ihr Guten-Morgen-Küsschen. Ich lasse sie auf meinem Schoß sitzen, während ich ihr die Zähne putze. Dabei erzähle ich ihr Geschichten von der Zeit, als sie ein Baby war. Sie liebt diese Geschichten, hält ganz still und träumt vor sich hin. Ich bändige gleich noch ihre Haare, während ich weitererzähle.

Als ich fertig bin, gehen wir gemeinsam durch das kleine Kinderzimmer in Richtung Mädchenzimmer. Auf dem Weg liegen eine Menge Kapla Steine auf dem Boden. Nein, das waren nicht die Mädchen. Ich hatte gestern einen Turm für Herrn Friedlich daraus gebaut und diesen über Nacht stehen lassen. Offenbar hat er ihn nun einstürzen lassen. Ich bücke mich, um die Steine in eine Kiste zu werfen, da ich Angst habe, dass jemand darauf tritt und ausrutscht. Ganz selbstverständlich bückt sich auch Fräulein Chaos und hilft mit. Für mich ist das neues, ungewohntes Verhalten an ihr - früher wäre sie in einer solchen Situation weitergelaufen. Fünf ist schon ein cooles Alter. Sie sind um so vieles verständiger plötzlich. Es dauert nur eine Minute, dann sind wir fertig.

Fräulein Chaos geht zu ihrem Schrank und sucht Klamotten aus. Ich setze mich zur schlafenden Fräulein Ordnung aufs Bett und streichle ihr übers Haar. Sie brummt mich an und zieht ihre Decke über den Kopf. Noch müde, kann ich verstehen. Da ich hier erst einmal nichts tun kann, schnappe ich mir Fräulein Chaos und ihre Anziehsachen, nehme sie wieder auf den Schoß und helfe ihr beim Anziehen. Selbst bei der Strumpfhose helfe ich. Ich Heldin! Bei der Prozedur haben wir zwei noch exklusive Kuscheleinheiten.  

Herr Friedlich, der bisher mit dem Büchersessel beschäftigt war, sieht uns schmusen und kommt quietschend zu uns. Eifersüchtig drängt er auf meinen Schoß. Fräulein Chaos ist sowieso fertig und trollt sich. Sie geht zu den Meerschweinchen und schüttet neues Heu hinein. Die Hälfte fällt auf den Boden, aber ich kommentiere es nicht, denn das nehme ich für ihre Hilfe gern in Kauf. Ich werde es mittags, wenn ich mit Herrn Friedlich allein zuhause bin, auffegen. Nun nimmt sie die Wasserschale und läuft zum Wasserhahn.

Ich pupse dem Babybub mit dem Mund am Hals, er kichert und windet sich. Dann gebärdet er "Nochmal!" und grinst. Ich pupse noch mehr. Unter der Decke regt sich Fräulein Ordnung. Zwei blaue Augen lugen hervor. Sie ist wach, prima. Ich ziehe blitzschnell die Decke weg und pupse auf ihren Bauch. "Ey!" ruft sie kichernd und springt aus dem Bett. Sie läuft sofort zu ihren Barbiepuppen und sucht sich diejenigen zusammen, die sie heute in die Kita mitnehmen will. Herr Friedlich hat seinen Bagger entdeckt und geht spielen. Er fängt an, zu brummen und zu quietschen, als er den Baggerarm hoch und runter hebt.

Ich laufe in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten. Dort steht Fräulein Chaos. Der Wassernapf der Meerschweinchen steht vergessen im Waschbecken. Stattdessen hat sie eine mit einer Substanz gefüllte Muffinform in der Hand. What the...?, denke ich und schaue sie fragend an. "Ich habe experimentiert!", sagt sie stolz. "Hier drin sind Mehl, Wasser und Zucker und nun muss ich es nur noch...." Ich bin innerlich genervt, dass ihre Experimentierlust immer zu solch unmöglichen Zeiten erwacht. Gerade will ich sie anranzen und sagen: "Aber backen kannst du jetzt nicht!", da beendet sie ihren Satz mit: "...ins Gefrierfach stellen. Ich will sehen, was damit passiert." Achso, ja, das geht natürlich. Gut, dass ich nicht voreilig etwas gesagt habe.

Sie stellt das Gemisch in das Gefrierfach. Dann holt sie einen Becher aus ihrem Experimentierschrank, füllt ihn halb voll mit Wasser und sagt: "Der muss auch noch rein. Ich will wissen, wie Eis entsteht." "Okay", erwidere ich, "aber achte darauf, dass der Becher ganz gerade steht." Das klappt.

Ich gebe ihr den Wassernapf der Meeris und beginne, das Frühstück zu machen. Heute gibt es Toast, Butter und vegetarische Pasten. Letztere werden die Töchter nicht essen, aber Herr Friedlich und ich mögen sie. Fräulein Ordnung wird Bergkäse essen, Fräulein Chaos nur Butter. Als ich fertig bin, gehe ich zurück zu Fräulein Ordnung. Sie steht im Schlafanzug mit ihren Puppen an der Puppenstube und dialogisiert schon wieder. Sie kann so toll darin versinken!

Fräulein Chaos streichelt die Meerschweinchen und zieht in die Küche, um Gurke und Salat zu holen. Ich suche Anziehsachen aus dem Schrank und halte sie Fräulein Ordnung vor die Nase. "Das oder das?", frage ich. Sie hält kurz inne, zupft an dem Gewählten und redet dann weiter mit ihren Puppen. Ich bringe das Ungewünschte zurück und suche zwei Strumpfhosen aus. Wieder frage ich, wieder wählt sie aus. Während sie spielt, ziehe ich sie an. Sie unterbricht kurz, wenn ich ihren Kopf oder ihre Arme brauche und hilft mit, danach spielt sie sofort weiter.

Für die Strumpfhose habe ich keine Nerven, ich könnte sie ihr in dieser Position sowieso nicht anziehen. Ich bitte sie, diese selbst anzuziehen und dann zum Frühstück zu kommen. Meine Bitte findet Gehör. Sie setzt sich sofort hin und fängt an. Heute klappt echt alles wie am Schnürchen.


Ich sammle den Buben und das händewaschende Fräulein Chaos ein und gehe mit ihnen zum Frühstückstisch. Fräulein Chaos will beim Essen auf meinem Schoß sitzen. Ich seufze. Hallo, verlorene Kuschelrunde, da bist du ja wieder!,  denke ich. Eigentlich finde ich es unbequem, ein großes Kind beim Frühstück auf dem Schoß zu haben, aber ich merke, dass sie das heute braucht. Herr Friedlich will nicht, dass seine Schwester bei mir sitzt, klettert vom Stuhl und versucht, sie nörgelnd von meinem Schoß zu schieben. Sie rutscht zur Seite auf mein eines Bein (aua!), er darf auf dem anderen Bein sitzen. So klappt es. Uff.

Wir mümmeln Toast und ich balanciere harte Poknochen auf meinen Oberschenkelmuskeln. Ich rufe: "Fräulein Ordnung, komm frühstücken!". "Jahaaaa, ich muss nur noch die Puppenkiste wieder einräumen!" ruft sie zurück. Hä? Das macht sie sonst nie! Nie! Das macht sie doch nur, weil ich unseren Morgen innerlich mitschreibe. Halt warte, das weiß sie ja gar nicht. Mmh. Komisch. Aber gut.

Es vergeht eine Minute und sie kommt. Ich schiebe die beiden anderen Kinder von meinem Schoß in Richtung ihrer eigenen Stühle und sie lassen es ohne Murren geschehen. Nun sitzen wir alle am Tisch und essen friedlich. "Habe ich schon Zähne geputzt?" fragt Fräulein Ordnung. "Nein. Machen wir nach dem Frühstück, okay?" 
Gesagt, getan. Nach dem Frühstück putze ich, sie singt lauthals das Lied aus dem Film "Eiskönigin". Das macht das Putzen etwas schwieriger, aber geht. Ich kämme auch noch schnell ihre Haare. Während sie weitersingt, will sie mir auch einen Zopf machen. Ich habe nur lange Haare am Pony, alles andere ist kurz. Das ist ihr egal. Ich stelle mich darauf ein, so albern auf die Straße zu gehen. In Berlin fällt man ja so gar nicht groß auf, also geht es.

 Derweil ziehen sich Fräulein Chaos und Herr Friedlich schon im Flur die Jacken an, obwohl ich noch gar keinen Startschuss gegeben habe. Fräulein Chaos versucht, Herrn Friedlich die Schuhe anzuziehen, aber das klappt nicht. Mütze und Jacke dagegen schon. Ich komme dazu und helfe. Ich sehe aus dem Augenwinkel, dass Fräulein Chaos zum Mülleimer geht, um den Sandkastensand aus ihren Schuhen dort hineinzuschütten. Ich jubiliere innerlich, dass sie daran denkt. Dieser Punkt begleitet uns schon lange und ich war sehr geduldig, weil sie lange Zeit ohne böse Absicht zwar, aber eben immer wieder, die Schuhe einfach im Flur auf den Dielenboden ausschütteten. Offenbar ist nun der Knoten geplatzt.

Fräulein Ordnung läuft an uns vorbei und verschwindet schnell im Mädchenzimmer, um ihre Barbies zu holen. Diesmal bin ich besser vorbereitet und reiche ihr das (zu kleine) Handtäschchen. Die Puppen passen überraschender Weise ganz okay hinein, nur der Oberkörper und Kopf gucken heraus. Fräulein Chaos, die ja schon angezogen ist, entscheidet sich nun auch spontan, ihre singende Elsa-Barbie mitzunehmen und geht los, sie zu suchen. Sie findet sie schnell. Die Puppe hat ein weißes Kleid und einen Meerjungfrauenschwanz an. Es ist erst  8.15 Uhr und wir sind schon alle bereit zum gehen. Tschakka!

Als wir unten im Hof ankommen, bemerkt Fräulein Chaos, dass etwas an dem weißen Kleid der Elsa gerissen ist. Eine winzige, winzige Stelle. Ich versuche, zu relativieren und verspreche, es heute Nachmittag zu nähen. Sie schluchzt ein klitzekleines bisschen. Ich gehe weiter, in der Hoffnung, dass sie dieses Problemchen überwindet.

Die Tür zum Hinterhof geht auf und ein Müllmann kommt herein. Cool, denke ich, da wird sich Herr Friedlich freuen, wenn wir dem Müllauto hinterherlaufen können. Zeit haben wir ja noch. Wir stellen uns an die Seite, um dem Müllmann im Hof zuzuschauen. Er sortiert erst einmal die Mülltonnen, die er leeren will.

Fräulein Chaos sagt: "Mama, ich möchte ein neues Puppenkleid. Das hier ist doof!" Ich höre Tränen in ihrer Stimme, aber nach außen hin ist sie tapfer. Ich wäge innerlich blitzschnell ab. Wir haben noch Zeit, nach oben zu gehen und das Kleid zu holen, aber allein schafft sie es nicht. Ich muss die Tür aufschließen. Ich kann aber Herrn Friedlich jetzt nicht einfach hier wegtragen, dann würde er brüllen vor berechtigter Indignation. Ich könnte ihre Bitte abschlagen, aber dann wäre sie unglcklich und es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund, nein zu sagen. Ich schaue zu Fräulein Ordnung: "Schaffst du es, auf deinen Bruder aufzupassen, während wir hochgehen? Er darf nicht vom Hof runterlaufen." Sie atmet tief ein und nickt. "Notfalls nimmst du ihn auf den Arm", schiebe ich hinterher. "Ich schaffe das", sagt sie mit fester Stimme. Okay, so sei es.

Fräulein Chaos und ich rennen die Treppen hoch. Ich keuche: "Du musst in Windeseile ein neues Kleid suchen. So schnell, wie du noch nie ein Kleid gesucht hast." -  "Ist gut," schnauft sie zurück. Ich schließe auf, sie stürzt zur Puppenkiste und wühlt darin. "Wo ist der Rock und das Oberteil von der Elsa?" fragt sie verzweifelt. Ich komme dazu und krame ebenfalls. Ich werfe alle unbrauchbaren Kleider auf den Boden. Schön, dass die Kiste vorhin von Fräulein Ordnung extra aufgeräumt worden war. Egal jetzt. Der Rock und das Oberteil sind nicht da. Ich schnappe mir wahllos ein Kleid und halte es hoch: "Was ist mit dem? Das ist doch hübsch?" "Das ist super!" Sie reißt mir das Kleid aus der Hand und ist schon wieder auf der Treppe nach unten. Ich schließe die Wohnung ab und hüpfe die Stufen hinab.

Als wir unten ankommen, bringt der Müllmann gerade die letzte Tonne zurück. Herr Friedlich und Fräulein Ordnung stehen noch an der selben Stelle. Meine Tochter guckt erleichtert, als sie uns sieht. Und stolz, es geschafft zu haben. Ich schaue sie verliebt wie eine Ober-Glucke an: "Mein großes Mädchen!", platze ich heraus. Dann hebe Herrn Friedlich hoch und renne mit Buggy nach draußen. "Wenn wir rennen, sehen wir das Müllauto noch!" rufe ich. Meine Töchter stürzen mir nach. Da! Tatsächlich, es steht noch am nächsten Eingang. Ich stelle den Babybub auf dem Gehweg ab und atme erst einmal durch.

Wir gucken der Müllabfuhr zu. Herr Friedlich ist im 7. Himmel. Er beobachtet mit Hingabe, was passiert, steht mucksmäuschenstill. Die Mädchen haben dem Müllauto schon oft zugeschaut und werden nach einer Weile unruhig. "Ihr könnt schon zur Kita vorlaufen. Wir kommen gleich nach," schlage ich vor. "Nee, ich will bei dir bleiben," sagt Fräulein Chaos, "Kann ich in die Manduca?" Ich denke an ihre Nacht ohne Mama-Kuscheln und seufze. Dann schnalle ich sie mir vor den Bauch. Ja, mein fünfjähriges Kind. Das geht schon - sie wünscht sich das öfter mal, seit ihr Bruder geboren wurde. Fräulein Ordnung wittert ihre Chance und fragt grinsend: "Kann ich in den Buggy?" Ich grinse zurück und nicke. Sie setzt sich, holt ihre Puppen raus und fängt sofort an, sich wieder in Dialogen zu verlieren. 

Wir laufen dem Müllauto zum nächsten Eingang hinterher und beobachten auch dort das Geschehen. Ich weiß, dass das ihre letzte Station ist, danach werden die Müllmänner in eine andere Straße fahren. Ich gucke auf die Uhr. 8.30 Uhr, unsere normale Losgehzeit. Wir warten geduldig ab, damit Herr Friedlich gucken kann. Als sie fertig sind, winken uns die Müllmänner zu und wir laufen los zur Kita. Ich habe immer noch den Zopf vorn im Haar, vor meiner Brust hängt ein Riesenkind und tut so, als würde es schlafen. Im Buggy sitzt ein weiteres Riesenkind und philosophiert lautstark mit ihren Puppen. Neben mir läuft ein eineinhalbjähriger Knopf wild gestikulierend und quietschend und brummend. Er erzählt auf seine Weise, was er gerade gesehen hat. Eventuell sehen wir für Außenstehende ein wenig schräg aus. Wenn ihr uns begegnet, winkt uns doch ruhig!

Tag 4 


Der Wecker klingelt um 7 Uhr, als wir alle noch tief und fest schlafen. Da ich gestern in weiser Voraussicht schon 22 Uhr schlafen ging, bin ich erstaunlich fit. Der Bub wacht neben mir auf. Er sieht mich - und sein erstes Wort ist: "Neeein!" Oha, das wird wohl ein Nein-Tag.

Ich kuschle mich zu Fräulein Chaos, sie ist schön warm. Wir kuscheln, bis der Bub auf uns raufklettert und "Nein! Nein!" intoniert. Er klettert zwischen uns. Seine Schwester umarmt ihn, will mit ihm kuscheln. Er kreischt: "Neiiiiin", windet sich aus ihrer Umarmung und wirft sich in meine Arme. Ich nehme ihn hoch. Wir gehen zu dritt ins Bad. Ich stelle Herrn Friedlich auf den Wäschewürfel und ziehe ihn blitzschnell aus, bevor er Nein sagen kann. Ha! Dann putze ich Fräulein Chaos die Zähne. Mein Sohn fordert seine Zahnbürste, ich gebe sie ihm. Er kaut darauf rum, während ich bei ihr weiterputze. Dann will ich bei ihm putzen. "Nein!" schallt es mir entgegen. Okay, dann erst meine eigenen Zähne. 

Während ich meine eigenen Zähne putze, nimmt Fräulein Chaos die Zahnbürste ihres Bruders und bedeutet ihm, sie wolle putzen. Sie darf das. Na, besser als nichts, denke ich und zwinkere der Großen zu. Während er so von ihr abgelenkt ist, binde ich ihm schnell eine neue Windel um. Ich hebe ihn vom Würfel und beginne, Fräulein Chaos die Haare zu kämmen. Er läuft in Richtung Kinderzimmer. Dort steht sein Bagger - er beginnt zu spielen.
Nach ein paar Minuten, in denen ich ihre Haare gekämmt und einen Pferdeschwanz ins Haar geknotet habe, suche ich die Sachen meines Sohnes zusammen und laufe zu ihm. "Ich will dich anziehen, Herr Friedlich." sage ich. "Nein", beschließt er. Na gut, dann erst einmal etwas anderes. Ich gehe zu Fräulein Ordnung ans Bett und setze mich zu ihr. Sie ist wach, aber müde und grumpelig. "Ist heute Wochenende?" fragt sie hoffnungsvoll. "Noch nicht", antworte ich, "Morgen erst. Morgen fahren wir zu Omi. Dafür müssen wir dann heute Nachmittag unsere Sachen packen. Nach der Kita."

"Zu Omi?", fragt Fräulein Chaos, die ins Zimmer gekommen ist und zugehört hat, "Wo ist mein neuer Koffer?" Ich hatte am Wochenende einen etwas größeren Rollkoffer auf dem Flohmarkt gekauft, seitdem steht er im Schlafzimmer. "Äh, heute Nachmittag packen wir!" sage ich lahm. Mir schwant, was gleich passieren wird. Ich stöhne innerlich. Ganz blöder Anfängerfehler meinerseits. Die Mädchen hören mir nicht zu. Fräulein Ordnung ist aufgesprungen und öffnet den Kleiderschrank. Fräulein Chaos holt den Koffer ins Zimmer. Sie reißen Klamotten von den Bügeln und überlegen, was sie brauchen. Wir fahren nur Samstag und Sonntag! Herrje.

Ich resigniere. Das war mein Fehler, ich hätte das mit der Reise jetzt nicht erwähnen sollen. Aber ich wollte Fräulein Ordnung mit etwas Schönem aus dem Bett locken. Ich füttere die Meerschweinchen und gehe ins Bad, um mich anzuziehen. Auf dem Weg begegne ich Herrn Friedlich. Er läuft mit Schiebe-Ente durch die Wohnung und ruft: "Naaak! Naaak!" Ich sage: "Kann ich dir jetzt den Body anziehen?" "Nein!". Aha, dann also erst ich.

Ich ziehe mich an und gehe in die Küche, um Frühstück zu machen. Mir ist heute sehr nach Gemüseteller. Das werden die Mädchen nicht essen, aber egal. Im Kühlschrank liegen Würstchen, die weg müssen. Mmmh, lecker. Also auch Würstchen. Und Ei. Ich koche die Eier und mache die Würstchen warm. Herr Friedlich kommt in die Küche. "Hey, willst du mit mir frühstücken?" - "Nein!" - "Aha. Aber Gurke willst du?" Die Gurke ist ihm genehm, er klettert auf seinen Stuhl. Ich nehme mir ein warmes Würstchen. Er legt die Gurke weg und will auch eins. Ich habe noch ein kaltes und gebe es ihm. Er klettert damit vom Stuhl.

"Hey, wo willst du hin?" Er läuft mit dem Würstchen in der Hand in den Flur und kramt in der Kiste mit den Buddelsachen. Mit einem Eimer kommt er zurück. Er stellt den Eimer kopfüber auf den Fußboden und versucht, sich darauf zu setzen. Das ist nicht so leicht. Er benötigt mehrere Versuche. Dann schafft er es aber und grinst. Nun isst er sein Würstchen auf dem Eimer sitzend. Ich denke "Okay, warum nicht?" und schmunzle ihn an.

Dann schmule ich von der Küche aus in Richtung Mädchenzimmer. Sie sind immer noch damit beschäftigt, den Koffer zu füllen. Gerade legen sie Bücher und Puppen hinein. Immerhin hat eine von ihnen jetzt auch schon ein Langarmshirt an, die andere Schlüpfer und Leggins. Sie ziehen sich also nebenbei an. Gut, dann muss ich nicht intervenieren. Ich wende mich wieder meinem Frühstück zu. Herrn Friedlich ist es zu langweilig geworden, er läuft in sein Zimmer. Hat er das Würstchen schon aufgegessen? Egal, ich frühstücke jetzt. 

Als ich fertig bin, gucke ich erneut nach den Mädchen. Sie sind angezogen, der Koffer ist mit allerlei Dingen prall gefüllt. Heute Nachmittag werden wir da ein bisschen aussortieren müssen. Das sage ich jetzt aber nicht, denn ich möchte den Eifer und die Freude nicht unterbrechen. Heute Nachmittag werden sie offener sein für meine Vorschläge - es ist dann schon ein halber Tag vergangen und Vorfreude konnte sacken. Dann kann ich mit logischen und logistischen Argumenten -  das Kofferpacken betreffend - kommen. Ich frage: "Frühstück?" Heute ist Freitag, da gibt es in der Kita ein großes Frühstücksbuffet zusätzlich zu dem sonst üblichen Obstfrühstück. Mir ist also egal, ob sie zuhause frühstücken wollen, oder dort. "Zähneputzen!" ruft Fräulein Ordnung. Also dann das zuerst. 

Ein wenig später trinken beide Mädchen einen Kakao in der Küche und mümmeln Würstchen und Ei. Fräulein Chaos springt urplötzlich auf und rennt zum Kühlschrank. Sie guckt im Froster nach ihrem Experiment. "Warum ist jetzt so viel Eis im Becher? Ich hatte weniger Wasser reingemacht, glaube ich." fragt sie. Ich erkläre, dass Wasser sich ausdehnt, wenn es zu Eis wird. Nun will sie das Experiment noch einmal machen, diesmal streicht sie mit Marker auf dem Becher an, wo der Wasserspiegel ist. Ich helfe ihr, damit nichts verschüttet.

Fräulein Ordnung guckt fasziniert vom Tisch aus zu. Gedankenverloren wedelt sie wild mit ihrem Kakaobecher, er schwappt bedrohlich. Ich sehe vor meinem inneren Auge den Kakao schon auf ihrem Shirt landen.    "Pass auf!" motze ich sie spontan an, "sonst kleckerst du!" Sie trinkt etwas weniger wild. Ich habe mich schon wieder abgeregt und bedanke mich für ihre Kooperation: "Weißt du, ich hatte gerade Angst, dass du auf dein Shirt kleckerst und ich dich dann umziehen muss. Aber jetzt bist du vorsichtig." Sie hat mir das Motzen nicht übel genommen - ihr Liebesspeicher ist gut gefüllt und sie kann darüber entspannt hinwegsehen. Ich überlege trotzdem, warum ich so losgefeuert habe, denn die Situation war eigentlich nicht so dramatisch. Ich realisiere, dass nicht der Punkt, dass ich sie neu umziehen müsste, mein Problem ist. Ich bin innerlich angespannt, weil ich Herrn Friedlich noch nicht dazu überreden konnte, sich anziehen zu lassen und nun die Zeit schon etwas drängt. Ein Stellvertreter-Motzen also.

Ich gehe zu meinem Sohn ins Kinderzimmer und sage klar: "Ich möchte dich jetzt anziehen."  Er versucht gerade, einen Rührbesen in einen Oball zu pfrimeln. "Nein!", findet er und spielt weiter. Neben ihm liegt das restliche Würstchen. Ich nehme es und bringe es in die Küche. 

Es ist fast Losgehzeit, heute werde ich mich wohl über sein Nein hinwegsetzen müssen. Das mag ich nicht so gern. Herr Friedlich ist nun aber Gott sei Dank fertig mit seinem Spiel und kommt mir hinterhergelaufen. Er gebärdet: "Milch!". Super, dann kann ich ihn beim Stillen anziehen. Puh! Er läuft zum Bett und klettert rauf, weil er weiß, dass er tagsüber nur dort gestillt wird. Er meckert ein wenig, als ich ihm den Body über den Kopf streife, ist dann aber glücklich mit der Brust und hält still. Ich denke drüber nach, was ich noch probiert hätte, bevor ich ihn zum Anziehen gezwungen hätte. Denn er ist noch zu klein, um das selbst zu entscheiden, seine Klamotten liegen noch in meiner Verantwortung. Heute ist es herbstlich kühl. Zunächst hätte ich ihm angeboten, ein Buch vorzulesen und ihn dabei angezogen. Wenn das nicht geklappt hätte, hätte ich seine Schwestern gebeten, es zu versuchen. Erst danach hätte ich meine körperliche Überlegenheit ausgenutzt. An Tagen, an denen ich keinen Terminstress habe, hätte ich ihn so nackt gelassen und wäre einfach nicht losgegangen. Aber das ist heute nicht möglich.

Ich gebe ihm die zweite Brust und wünschte, ich hätte daran gedacht, auch Schuhe und Jacke mit hierher zu nehmen. Die Mädchen sind mittlerweile wieder bei uns im Zimmer, Fräulein Chaos hat angefangen, etwas zu malen. Da sie als erste in meinem Gesichtsfeld ist, spreche ich sie an: "Kannst du mir bitte die Jacke und Schuhe deines Bruders holen?" Keine Reaktion, sie hat mich wohl nicht gehört. Ich drehe den Kopf und sehe ihre Schwester, die ein bisschen vor sich hin träumt. "Fräulein Ordnung, kannst du mir die Schuhe und Jacke von Herrn Friedlich holen? Ich will ihn beim Stillen anziehen." Sie läuft prompt los und holt das Gewünschte. Ich werfe ihr ein Luftküsschen zu. Dann ziehe ich ihn an, es kommt zur Abwechslung mal kein Protest vom stillenden Bub. Sehr gut. Jetzt sind wir allerdings wirklich spät dran.

"Mädels, anziehen!" rufe ich aus dem Flur. Sie rühren sich nicht vom Fleck. Ich öffne die Wohnungstür, um Herrn Friedlich rauszulassen. Leider erblickt er beim Weg nach draußen seinen Bagger und will ihn mitnehmen. Wir haben einen genau gleichen unten im Hinterhof, der gerne mitgenommen werden kann. Dieser hier soll oben bleiben. Ich versuche, das meinen Eineinhalbjährigen zu erklären, doch er krallt sich an seinem Bagger fest und ruft empört. "Nein! Nein!". Ich stöhne innerlich und ziehe mich schnell an. Wo ist eigentlich mein Portemonaie? Ich habe es gestern ausgepackt. Hastig suche ich danach und werfe es in den Rucksack. Noch immer versuche ich, Herrn Friedlich zu überzeugen, den Bagger hierzulassen, weil der andere unten auf ihn wartet. Er ist erbost ob meiner Sturheit. Heute habe ich aber wirklich keine Lust, an diesem Punkt nachzugeben. Dieser doofe Bagger soll hier bleiben. Ich will an dem Wohnungsbagger keinen Sand haben. An besseren Tagen hätte ich vermutlich kein Problem damit und ihn einfach mitgenommen, aber heute bin ich durch den Zeitdruck angespannt und will nicht nachgeben. Tja.

"Mädchen, anziehen, es geht los!" rufe ich etwas lauter. Die Mädchen kommen, ich lege ihre Sachen vor die Tür. Sie ziehen sich an. Ich nehme Herrn Friedlich den Bagger aus der Hand und schließe die Tür. Er brüllt das Treppenhaus zusammen. "Soll ich ihm vorsingen?" fragt Fräulein Ordnung. Sie hat tatsächlich ein Händchen dafür, ihn mit Singen zu beruhigen, auch, wenn es noch nicht sehr melodisch klingt.

Fräulein Chaos mag den Gesang ihrer Schwester überhaupt nicht und verkrümelt sich schon mal die Treppe runter. Fräulein Ordnung beginnt laut und schief zu singen, Herr Friedlich brüllt noch immer. Er will seinen Bagger! Mir ist heiß. 
Ich schließe die Tür ab und beuge mich zu ihm runter. "Du willst deinen Bagger! Bagger! Du sagst: Bagger, Mama! Bagger!" spiegle ich. Er brüllt weiter. Ich spiegle nochmal: "Bagger! Bagger! Du willst den Bagger!" Fräulein Ordnung singt immer noch, die gute Seele. Das hilft aber kein bisschen und mich macht es gerade total aggressiv. Wir sind verdammt laut, das Treppenhaus schallt, mir ist heiß und ich kann diese Kakophonie wirklich schlecht aushalten. Ich bin kurz davor, Fräulein Ordnung (schon wieder stellvertretend) anzuschnauzen, mit dem Singen aufzuhören, da kommt Fräulein Chaos die Treppe wieder hoch, mit dem Hof-Bagger in der Hand. Ich kann mein Glück kaum fassen. 5 ist wirklich sooo ein tolles Alter!

Mit tränennassen Augen guckt Herr Friedlich zu seiner Schwester und dem Bagger und verstummt prompt. Fräulein Ordnung denkt, ihr Singen habe nun endlich geholfen und stoppt zufrieden ebenfalls mit dem Lärm. Es wird einen kurzen Moment leise, ich atme erleichtert aus. Dann setzt Herr Friedlich neu an: "Nein! Nein! Nein!" protestiert er laut und wedelt die Hand mit einer "Verboten!"-Gebärde in Richtung Bagger. Man könnte meinen, er sagt uns, dass er diesen Bagger nicht will, sondern den anderen aus der Wohnung (wie gesagt, sie sind exakt gleich), aber ich verstehe sein Anliegen. Er will nicht, dass seine Schwester den Bagger in der Hand hat - das geht ja wohl mal gar nicht, ey! Das ist seiner! Sie soll ihn loslassen!

Ihm ist weder klar, dass das nicht der Bagger aus der Wohnung ist, noch, dass sie gerade so nett war, ihm den Bagger von unten hochzuholen. Dankbarkeit kann man von ihm also nicht erwarten und das ist auch okay. Dafür bin ich dankbar. Fräulein Chaos stellt den Bagger vor ihrem Bruder ab und er schnappt ihn sich sichtlich erleichtert. Liebevoll umklammert er ihn. Ich küsse beide Töchter auf den Kopf und bedanke mich leise für ihre Hilfe. Ich gucke auf die Uhr und sehe, dass wir wirklich zügig gehen müssen, um gerade noch pünktlich zu sein, bevor die Tore der Kita erst einmal geschlossen sind (wegen der ungestörten Freiarbeit).

Leider beschließt Fräulein Ordnung, dass es lustig wäre, den ganzen Weg rückwärts zu gehen und das tut sie auch kichernd. Ich übe mich in Zen-Gelassenheit und sage nichts dazu, um meinen Zeitdruck nicht auf sie zu übertragen. Einen störrischen Anfall von ihr kann ich jetzt wirklich nicht gebrauchen. Ihr Bruder läuft torkelnd mit dem Bagger in der Hand hinter ihr her und himmelt sie für ihr Können groß an. Fräulein Chaos läuft gedankenverloren neben mir und schiebt ihre kleine Hand in meine große. Ich genieße die Ruhe, die sie dabei ausströmt.  Mit Gongschlag erreichen wir die Kita. Wir haben es tatsächlich geschafft. Uff.

Nachtrag 


Vielleicht fragt ihr euch, was passiert, wenn ich morgens mehr Termindruck habe, als das diese vier Tage lang der Fall war. Da ich noch in Elternzeit bin, kommt das selten vor und wenn, dann kooperieren alle Kinder normalerweise sehr gut. Das liegt eben daran, dass sie sehen, dass ich mich an anderen Tagen redlich bemühe, kooperativ auf ihre Bedürfnisse und Wünsche einzugehen.

Selbst Fräulein Ordnung, die ja bei Zeitdruck, wie ich schon schrieb, ins innere Stocken gerät, kann sich an solchen Tagen zum Funktionieren bringen. Sie bricht dann allerdings oft hinterher zusammen, d.h. wenn wir pünktlich angekommen sind. Dann sucht sie dort nach einer Möglichkeit, den inneren Stress loszuwerden und pöbelt so lange, bis sie jemanden findet, der ihr Reibefläche gibt. Sie braucht den Streit und das Weinen dann als Ventil. Da wir das wissen, können wir damit gut umgehen. Es ist ihre Art der Psychohygiene.

An "Tag 5", als wir ja mit dem Zug zur Omi fuhren, hatten wir es tatsächlich sehr eilig und unsere Kinder haben vorbildlich mitgespielt, so dass wir trotz knapper Zeitkalkulation pünktlich auf dem Bahnhof ankamen.

Der Tag wurde dann aber trotzdem zum absoluten Fiasko. Wir hatten kein Kleinkindabteil mehr buchen können und mussten die drei Kinder fünf Stunden lang leise beschäftigen. Meine Angespanntheit führte dann dazu, dass ich am Ende des Tages wirklich klassisch ungezogene Kinder hatte! Solche, die mit Absicht provozierten und absolut nicht auf das hörten, um das ich sie bat. Das war eine ganze neue Erfahrung für mich. Mir war allerdings schon währenddessen klar, dass der Auslöser für ihr Verhalten immer wieder ich selbst war. Das war so interessant zu beobachten, dass ich mich mit diesen Tag in einem gesonderten Artikel befassen werde. Seid gespannt auf: "Snowqueen - Wie sie als Mutter versagte".

© Snowqueen
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Kommentare:

  1. Vor allem Tag 3 brachte mich zum Schmunzeln und ich bewundere deine Gelassenheit in Hinblick darauf, was andere Leute denken könnten. ;D

    Zu Tag 5 und deinem geplanten Zusatzartikel - es würde mich ja generell interessieren, was du zu klassisch "ungezogenen" Kindern zu sagen hast. :-)
    Also hängt das ebenfalls mit der Kooperation zusammen oder liegt es eher an einer Forderung nach Aufmerksamkeit oder wie ist dieses Provozieren/"sich austesten"/Nicht-hören zu erklären?

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    1. Nachdem ich mir den Artikel nochmal ein wenig durch den Kopf gehen lassen habe, ist mir noch etwas aufgefallen, das ch nachfragen möchte.

      Du schreibst, dass deine eine Tochter selber entscheidet, wann sie ins Bett geht, was mitunter sehr spät werden kann. Dennoch scheint sie ja morgens recht gut aus dem Bett zu kommen.

      Ab welchem Alter durfte sie selber entscheiden und wie geht es ihr im Laufe des Tages, also macht sie in der Kita einfach Mittagsschlaf, hält bis dahin und danach gut durch und das reicht dann?

      Und wie wird das, wenn die beiden zur Schule gehen? Lasst ihr die Kinder dann auch noch selbst bestimmen? Dort müssen sie sich ja wirklich konzentrieren können. Oder vertraust du darauf, dass sie nach ein paar müden Tagen automatisch früh genug ins Bett gehen?

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    2. Sie können sich jeden Abend neu entscheiden : Entweder es gibt Einschlafbegleitung (diese gibt es aber nur bis zu einer bestimmten Zeit), oder freies Spiel bis sie selbst entscheiden, müde zu sein.

      Meine Töchter sind da sehr verschieden. Fräulein Chaos ist Kuscheln wirklich sehr, sehr wichtig, deshalb entschiedet sie sich meist für die Einschlafbegleitung. Fräulein Ordnung hat abends aber oft nochmal einen Energieschub und würde dann hibbelig neben mir liegen und gar nicht einschlafen können vor lauter Hummeln im Po. Deshalb entscheidet sie sich meist für das selbständige Einschlafen. Sie ist morgens schon noch müde und würde bis 9 Uhr schlafen, wenn sie könnte. Deshalb macht sie im Kindergarten noch Mittagschlaf, ihre Schwester jedoch nicht. Insgesamt hält sie den Tag gut durch, auch am Wochenende, wenn sie keinen Mittagschlaf macht. Da hat sie dann zwar um 16 Uhr ein Tief (und ist grantig drauf), den Energieschub am Abend hat sie dann aber trotzdem.

      Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir dieses Konzept zwischen 3 und 3,5 Jahren eingeführt. Danielle hat ihrer großen Tochter schon mit 2,5 erlaubt, selbständig das Licht auszumachen, wenn sie müde genug ist.

      Ich mache mir gar keine Sorgen, dass sich das zu Schulbeginn regulieren wird, da ich im Freundeskreis sehe, wie kaputt die neuen Schulkinder sind. Die fallen alle Punkt 19 Uhr ins Bett und sind augenblicklich eingeschlafen. So wird das bei uns auch sein. Ich finde es wichtig, den Kindern Eigenverantwortung zu geben - wie sollen sie lernen, dass sie morgens zu müde sind, um sich zu konzentrieren, wenn wir sie abends immer rechtzeitig ins Bett bringen?

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    3. Zu den "ungezogenen" Kindern: Das ist wirklich nochmal einen eigenen Artikel wert. Ich glaube, dass ungezogenes Verhalten generell erst einmal ein unbewusster Ausruf des Kindes ist, weil es sich unverstanden bzw. nicht gewertschätzt fühlt. Hören ihm die Erwachsenen jedoch nicht zu und machen so weiter, wie immer, verfestigt sich dieses ungezogene Verhalten und wird zu bewusstem Regelbrechen und Ärgern, weil sich dann schon ein Selbstbild vom "schlechten Kind" gebildet hat. An "Grenzen testen" glaube ich hingegen nicht.

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    4. Oh, endlich jemand, der so über Kinder und "Grenzen"/ "Ungezogenheit" denkt wie ich! <3
      Den Artikel möchte ich unbedingt lesen!!!
      Liebe Grüße,
      Steffi

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  2. Wow. Vielen Dank für diesen sehr interessanten und aufschlussreichen Artikel! Ich weiß jetzt so sehr, was du meintest! Danke!!

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  3. Hallo,

    danke für den Einblick in deinen Familien Alltag. Mir fällt auf, dass die Nein Tage deines Sohnes immer auftraten wenn er vom Wecker mit um 7 geweckt wird. Er also noch nicht ausgeschlafen ist. Naja sind nur vier Tage, könnte also auch Zufall sein.
    Ich wünschte mein Sohn ließe sich auch beim spielen ausziehen! Er ist auch so ein Nein sager, was das ausziehen angeht. Dafür soll ich schnell wieder was anziehen, wenn er einmal nackt ist!

    LG und Danke

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    1. Stimmt, diese Korrelation könnte tatsächlich sein - ich werde es mal beobachten. Ich ging bisher davon aus, dass er einfach gerade im Entwicklungssprung ist und deshalb so viel Nein sagt...

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  4. Liebe Snowqueen,

    Wow, das klingt wirklich toll! Dagegen sind unsere "harmonischen" morgendlichen Abläufe immer noch gehetzt. Ich habe auch einen kleinen 2-jährigen Nacktliebhaber zuhause, der sich von mir gar nicht mehr anziehen lassen will. Da ich ihn nicht zwingen will, aber auch mit abwarten nicht weiterkomme, schleichen sich immer wieder Gedanken ein, dass er mir "auf der Nase herumtanzt". Und mein großer 5-jähriger ist wieder so Zuwendungsbedürftig, dass er alleine schon meine volle Aufmerksamkeit auffrisst. Ich bin morgens leider echt genervt und wie du so schön beschrieben hast, raunze ich die Kinder gerne stellvertretend für das jeweils andere oder meinen Zeitdruck an, was mir echt leid tut.
    Ich habe mich aber von dir inspirieren lassen und hoffe, zukünftig mit mehr Harmonie in den Tag zu starten. Redest du eigentlich echt so wenig, oder scheint das nur so?

    MaChriLouJa

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    1. Mich würde auch interessieren, wie Danielle den morgendlichen Ablauf mit ihren Kids gestaltet. Ich schätze, sie hat wiederum andere "Strategien"?

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    2. Hallo,

      das übernimmt bei uns an 4 von 5 Tagen der Papa. Die Kinder stehen um 6 Uhr auf (der Kleine ist da oft auch schon wach), essen einen Joghurt oder Müsli, die Große zieht sich alleine an, der Kleine mag es angezogen zu werden (und ich sehe keinen Grund, ihm das zu verwehren, obwohl er fast 4 Jahre alt ist) und dann wird noch schnell gekämmt und Zähne geputzt und etwas gekuschelt und gespielt. Da wir mit der Bahn zur Arbeit fahren, sind wir recht unflexibel (Stundentakt), so dass alles sehr strukturiert ist. Aber die Kinder kommen gut damit zurecht und sind außerordentlich kooperativ. Sie wissen, dass wir nachmittags eigentlich immer alle Zeit der Welt haben und die lasse ich ihnen ganz bewusst, um den recht starren Morgen zu kompensieren. Das klappt wirklich gut.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    3. Ich habe nicht alle Dialoge an unseren Morgen mitgeschrieben, aber insgesamt rede ich tatsächlich eher wenig. Vor allem verkneife ich mir Kommentare, die wiederholt auf etwas hinweisen ("Du sollst dich anziehen, hab ich gesagt."), weil ich festgestellt habe, dass diese sehr viel schlechter Stimmung bringen und eigentlich gar nicht nützlich sind. Denn egal, ob ich 5x darauf hinweise, oder nur 1x, sie ziehen sich ja doch in ihrem eigenen Tempo an. Wenn ich also die 4 überflüssigen Bemerkungen weglasse, bekommen sie nicht andauernd von mir zu hören, dass sie nicht "meinen Vorstellungen" entsprechen und sind insgesamt zufriedener.
      Liebe Grüße, snowqueen

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  5. Oh, danke, danke und danke für diesen Artikel, den ich genau heute so dringend brauchte, denn unsere Morgende machen mich fertig und heute war es wieder besonders schlimm. Ich konnte einiges aus deinen Beschreibungen mitnehmen und werde es für uns umsetzen! Tausend dank für die Detailvielfalt und die Ehrlichkeit!

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  6. Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in euren Alltag. Der Rest des Tages würde mich auch sehr interessieren.
    Ich finde es interessant, wieviele Teile ich bisher nicht als Kooperation wahrgenommen habe (von beiden Seiten) sondern schlicht als Teil des täglichen Miteinanders. Man denkt nicht bewusst, dass in einer bestimmten Situation kooperiert wird, aber genau das ist es.
    Gleichzeitig hätte ich Dinge wie Meerschweinchen füttern nicht als Kooperation angesehen. Sind die Verantwortungen da verteilt? Erwartest du eigentlich mithilfe, sagst aber an den anderen Tagen einfach nichts?
    Nicht so gut gefällt mir die Kooperation mit dem Jüngsten - ist es noch aktive Kooperation, wenn er abgelenkt etwas anderes macht, während du ihn anziehst? Besteht die Kooperation dann einfach darin, dass er sich nicht widersetzt/wegläuft? (Mein Sohn ist 14 Monate alt, deshalb ist das Thema vielleicht am wichtigsten für mich.)

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    1. Liebe Annika, die Meerschweinchen sind Teil unserer Familie und brauchen morgens, bevor wir losgehen, Futter. Kooperation bedeutet für mich, dass jedes Mitglied der menschlichen Familie einen Teil dazu beiträgt, dass alle Dinge, die wir morgens erledigen müssen, erledigt werden. Manchmal mache ich das, manchmal machen die Kinder das. Die Hauptverantwortung der Meerschweinchen liegt natürlich bei mir, denn mit 5 sind meine Töchter definitiv noch zu jung, um sich ganz allein um sie zu kümmern. Wenn sie aber Wasser und Heu wechseln, dann freue ich mich darüber, dass sie mir einen Teil meines Arbeitspensums abgenommen haben - und das ist doch Kooperation, oder nicht? Mithilfe erwarte ich nicht, d.h. sie ist völlig freiwillig - wie gesagt, die Verantwortung für die Tiere liegt bei mir.

      Mein Sohn kann, auch wenn er vom Spielen abgelenkt ist, sehr gut kommunizieren, wenn er nicht angezogen werden will. Das heißt, auch, wenn er mit der Brio-Bahn spielt oder gerade stillt - wenn er nicht angezogen werden will, würde er auch in solchen Situationen vehement Nein rufen und mit den Armen wedeln. Manchmal tut er das auch (heute morgen zum Beispiel). Er kann aber noch nicht "Ja" sagen. Wenn er also nichts sagt, stehen bleibt und bei den Ärmeln mithilft, werte ich das ganz klar als Zustimmung und kooperatives Verhalten und ziehe ihn dann an. In ganz seltenen Fällen muss ich ihn sogar ohne Zustimmung anziehen. Das gefällt mir nicht, aber mein Bedürfnis (bzw. auch das seiner Schwestern) pünktlich loszukommen sind dann nach Abwägung dringender - und er muss zurückstecken. An anderen Tagen stecke ich zurück. Dann bleibt er nackt und ich mit ihm in der Wohnung. Das ist schon zwei Mal vorgekommen (allerdings am Nachmittag).
      Liebe Grüße, snowqueen

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  7. Wieder ein sehr schöner Artikel zur Kooperation.
    Ich bin vor allem erstaunt darüber, wie hilfreich es bei deinem Jüngsten sein kann, einfach abzuwarten. Mir fehlt dazu leider viel zu oft die Geduld. bzw habe ich die Befürchtung, dass es ihm zu kalt ist oder die übervolle Windel platzt, wenn ich nicht gleich zum Anziehen oder Windelnwechseln komme.
    Gerade beim verweigerten Windelwechsel zeigt er mir aber meist sehr deutlich, dass ich besser gewartet hätte. In diesem Fall geht nämlich häufig eine Pfütze auf den Boden.
    @Annika: Ich würde übrigens ein nicht widersetzen bei einem eineinhalbjährigen auch bereits als Kooperation bezeichnen.
    Für mich ist bei dem Zwerg übrigens das schwierigste, die Zeitspannen fair wahrzunehmen. Wenn ich eine Hausarbeit beginne, hilft der Zwerg gerne mit seinen eigenen Haushaltsgeräten mit. Doch ich brauche deutlich länger als er mitspielen möchte. Danach finde ich es schwierig, meine Arbeit zu beenden und dennoch seinem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit nachzukommen.
    Gruß
    thuri

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    1. Liebe Thuri, ich habe jetzt schon öfter von Mamas gehört, dass ihre Kinder vor allem das Wechseln der Kacki-Windel verweigerten - und davor habe ich jetzt schon echt Bammel. Denn was mache ich denn da? Ich weiß es noch nicht. Ich werde darüber berichten, wenn es soweit ist.
      LG, snowqueen

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    2. Liebe snowqueen, liebe thuri,
      an dem Punkt sind wir gerade. Bloß keine "Kacki-Windel" wechseln!
      Bei uns hilft entweder Buch lesen nebenbei - sie ist eine riesige Büchernärrin. Sie sucht dann gefühlt eine halbe Stunde das richtige Buch raus, das macht mich schon nervös, auch weil sie sehr empfindliche Haut hat und sehr schnell wund wird. Aber ich atme (meistens!) durch und weiß, dass ich beim Wickeln leichtes Spiel habe.
      Zum anderen hat sie mit ihren 20 Monaten bereits einen treuen Kuscheltierfreund. Und der wird dann eben zuerst ausführlich gewickelt, dann ist sie dran.
      Damit kommen wir ganz gut durch.
      Vielleicht auch schon mal für euren Hinterkopf? Liebe Grüße und danke snowqueen für den amüsanten und lehrreichen Beitrag!

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  8. Hallo,

    danke, dass wir Mäusschen spielen durften. Ich nehm mir aus deinem Artikel auch das ein oder andere für unseren Morgen mit :o)
    Aber auch ich habe noch eine Frage: Wie lange hast du eigentlich 'geübt', dass du so spontan selbstreflektieren kannst (ich beziehe mich auf die Situation, wo du eins deiner Mädchen anmeckern willst, obwohl du angespannt bis, weil du deinen Sohn noch nicht anziehen konntest)?

    Alles Liebe ♥
    Nadine

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    1. Liebe Nadin, ich bin durch meine Arbeit als Sonderpädagogin geschult, Situationen blitzschnell zu analysieren, um adäquat reagieren zu können, wenn einer meiner Schüler aggressiv wird. Deshalb fällt mir das im Alltag natürlich auch leichter, als anderen.

      Ich meckere übrigens trotzdem noch viel zu oft unfairer Weise mit meinen Kindern. Ich bin dazu übergegangen, mich nicht nur zu entschuldigen, sondern ihnen auch den Zusammenhang zu erklären. "Entschuldige, dass ich dich angemeckert habe. Ich hatte Angst, dass du den Kakao auf dein Shirt kleckerst. Aber das ist ja gar nicht passiert. Weißt du, ich bin einfach angespannt, weil Herr Friedlich sich einfach nicht anziehen will und wir aber los müssen. Mein Meckern hatte also eigentlich gar nichts mit dir zu tun. Tut mir leid dass du es abgekriegt hast."
      So lernen meine Kinder gleich, dass Meckern oft noch einen anderen Grund hat, als den Auslöser.

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    2. Das finde ich auch faszinierend! Hast du Tipps, wie man als Normalmensch ohne sonderpädagogische Ausbildung Situationsanalyse und Selbstreflexion lernen und üben kann? Vielleicht eine Literaturempfehlung? Liebe Grüße!

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    3. Liebe BerlinBound,

      tja, gute Frage. Also Situationsanalyse und Selbstreflexion lernt man als Lehreranwärter halt, indem man sich Unterrichtsstunden, die total gegen den Baum fuhren, hinterher nochmal anguckt und überlegt, was wo wie wann schief gelaufen ist. Dazu hat man Mentoren, die mal besser, mal schlechter sind, und die auf Dinge hinweisen.

      So ähnlich kannst du das bei uns im Blog-Forum machen. Nimm eine Situation, die mit deinem Kind irgendwie doof gelaufen ist, schreib sie bei uns im Forum detailliert auf und besprich mit den anderen, an welchem Punkt es von "schön" zu "unschön" gewechselt hat. Wir haben ein paar sehr kluge Userinnen, mit tollem analytischen Blick, die schon vielen Müttern Klarheit gebracht haben. Manchmal schauen auch Danielle und ich vorbei und schreiben unsere Gedanken dazu auf.

      Tatsächlich ist es so: Je öfter du Situationen besprichst, mit denen du unzufrieden warst, desto besser wird dein Reaktionsvermögen bei zukünftigen ähnlichen Situationen. Durch die anderen Forums-Mütter lernst du nämlich Handlungsalternativen, die du dann irgendwann wirklich schnell abrufen kannst. Außerdem ist unser Online-Clan natürlich sehr, sehr nett und allein schon das abendliche Quatschen und Tratschen macht Spaß.

      Liebe Grüße, snowqueen

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    4. Hallo liebe Snowqueen
      ich lese seit Sommer dieses Jahres auf deiner Seite, wenn ich mal wieder total verzweifelt bin. Dein Buch ist vor 3 Wochen bei mir angekommen. Bis jetzt habe ich nur bis zum Kapitel 2 geschafft, da ich am Abend meistens total erledigt bin und nicht mal lesen mag. Vielen Dank für die tollen Geschichten und Beispiele aus deinem Alltag. Diese holen mich wieder auf den Boden und machen mich zu einer Verständnisvolleren Mama. Zumindest zeitweise 
      Gestern hat meine 4.5 jährige Tochter morgens kurz bevor wir los müssen, die neu gekaufte Hose (fünfmal gefragt, ob sie diese tragen wird), welche sie schon an hatte und nur noch kurz Pippi musste, plötzlich nicht mehr anziehen wollen. Irgendwie hat sie den Hosenverschluss nicht alleine aufbekommen. Ich habe ihr gezeigt und erklärt wie sie das machen kann. Sie ging dann auf WC und ich war mit dem 3 jährigen Sonn beschäftigt ihm seine Jacke und die Schuhe anzuziehen. Als sie plötzlich nackig da stand und heulte, dass sie die Hose doof findet, diese nicht mehr anzieht und jetzt eine andere will, ist bei mir irgendwie die Sicherung durchgebrannt (ich ahnte es schon mit der Jeans, deshalb habe ich sie einige male gefragt, ob sie diese tatsächlich auch haben will).
      In letzter Zeit (seit August geht sie in den Kindergarten) haben wir morgens immer wieder Stress und Streit. Wenn nicht die Tochter dann der Sonn macht Stress, sie schlagen sich oder trödeln unendlich, so das ich immer unter Druck komme das Haus rechtzeitig zu verlassen. Ich habe das Gefühl mich in zwei teilen zu müssen um ihre Bedürfnisse zu decken. Wen ich mit der Tochter beschäftigt bin, dann ist der Sohn unzufrieden und umgekehrt. Meistens endet es in einer Schlägerei um Aufmerksamkeit. Zumindest interpretiere ich das so.
      Dieser Stress geht auch auf meine Physik (bin verspannt habe Rückenschmerzen…) und alles schaukelt sich hoch. Gestern konnte ich mich nicht halten und habe ihr gesagt, sie soll die Hose anziehen, da ich diese nicht wieder abschreiben möchte und wenn sie sich nicht anzieht, dann gehen wir ohne sie los. Das war natürlich für sie der Auslöser für Panik und einen total Ausraster. Zum Schluss hatte sie die Hose an ABER war total aufgelöst und hat geschluchzt. Ich war unendlich traurig und fülle mich schuldig. Der Sonn schaut zu und kopiert mein Verhalten (Lautstärke, Mimik…).
      Es passiert immer wieder, dass beide die ausgesuchten Sachen nicht anziehen wollen? Irgendwie passt mir das nicht. Ich muss für das Geld auch arbeiten und möchte die schönen Sachen gleich wieder verschenken müssen. Ich überlege, ob die zu verwöhnt sind? Könne sie zu verwöhnt sein?
      Bitte gebe mir einen Rat, wie ich mich besser verhalten soll und der Tag mit meinen zwei geliebten Mäusen nicht so gestresst anfängt. Ich will doch die beste Mama der Welt sein.
      Am meisten mache ich mir Sorgen, dass der kleine mein negatives Verhalten so kopiert. Kann ich sein Verhalten noch korrigieren oder ist es schon zu spät mit 37 Monaten?
      Liebe Grüsse
      Jola

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  9. Liebe snowqueen,

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel!!! Danke für den Einblick in eure Familie, ich weiß nun viel besser was du mit Kooperation meinst. Er hat mir auch vor Augen geführt wie viel ich noch zu lernen habe!
    Ich finde es auch erstaunlich wie viel das reine abwarten und akzeptieren des "Neins" deines Sohnes so ausmacht.
    Ich habe natürlich auch Teil 1 und 2 der Artikelreihe gelesen und bin nun natürlich darauf bedacht meiner eigenen Tochter (9 Monate alt) die Kooperationsbereitschaft erst gar nicht abzuerziehen. Das gestaltet sich aber als gar nicht so leicht. Dazu habe ich eine Frage, schon seit einiger Zeit ist das wickeln und teilweise auch das anziehen meistens ein ziemliches Theater. Wie würdest du so etwas mit einem neun Monate altem Kind händeln? Also auch einfach nackig durch die Wohnung krabbeln lassen und es später noch mal versuchen. Bei uns geht das Ausziehen noch meistens reibungslos, sie liegt auf dem Rücken und lässt mich machen. Sobald es aber ans sauber machen geht oder die frische Windel ins Spiel kommt geht der Wiederstand los. Ich tue mich so schwer damit sie dann einfach so nackig zu lassen, sie sitzt schließlich auf dem Boden und der ist kalt (leider keine Fußbodenheizung). Meistens wurschtel ich dann so lange an ihr herrum bis zumindest Windel und Body wieder dran sind. Dabei windet sie sich wirklich massiv, es ist klar das sie da in dem Moment keine Lust drauf hat. Das ganze ist sehr mühselig und nervt mich wahrscheinlich genauso sehr wie sie. Wie gehe ich aber am besten damit um? Ich will sie nicht immer so quälen.

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    1. Ja, das Windelproblem haben wirklich viele Mütter. Ich glaube, den meisten Kindern behagt ab einem gewissen Alter das Auf-dem-Rücken-Liegen dabei nicht mehr. Mit 9 Monaten habe ich meinen Sohn schon im Stehen gewickelt, er hat sich dann am Tritt oder der Badewanne festgehalten. Mittlerweile kann ich sogar Kacki-Windeln im Stehen wechseln, das geht echt gar nicht so schwer. Vielleicht probierst du das mal?

      Fußbodenheizung haben wir auch nicht, ich kann also dein Problem nachvollziehen. Ich würde die Heizung etwas höher drehen, damit es im Raum nicht sooo kalt ist, die Windel im Stehen wechseln und dann mit dem Body und dem Rest so verfahren, wie ich es oben im Artikel beschrieben habe.

      Liebe Grüße, snowqueen

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  10. Super Idee, sich erstmal klar zu machen, wer welche Bedürfnisse für einen gemütlichen Start in den Tag hat! Bastele daraufhin gerade an einer Liste für meinen morgens chronisch miesgelaunten Sohn. Danke!

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  11. Herje,wenn ich das lese weiß ich das ich noch zu wenig kooperiere.. es ist oft schwer anerzogenes Verhalten abzulegen.Ich hoffe ich schaffe das auch bald so wie du.-Und ich habe nur ein Kind.
    Ganz großes Kompliment!
    LG
    Nadine

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  12. Liebe Snowqueen,

    vielen, vielen Dank für diesen Artikel und auch alle anderen aus eurem Blog. Seit der Geburt unseres Sohnes vor knapp zwei Jahren, der so garnicht in das Bild eines durchschlafenden, im 4-Stunden-Takt stillenden, gern KiWa fahrenden und sich gern ablegen lassenden Babys passte, bin ich süchtig nach eurem Blog und leite auch Artikel gerne mal an die Großeltern weiter ...;) Jedenfalls hat mein Kind schon viermal in seinem ganzen Leben durchgeschlafen (also grandiose fünf Stunden am Stück...), wurde nach Bedarf gestillt, schläft zwischen uns im Ehebett, wurde und wird noch gern getragen und musste noch nie alleine einschlafen oder wurde schreien gelassen. Ich will garnicht wissen, was ich für eine Mama geworden wäre, wenn ich damals, als ich merkte, dass mein Baby nicht so "funktioniert" wie ich es durch meine Erziehung gewöhnt war, auf die Großeltern und deren Tipps gehört hatte. Es fühlte sich einfach nicht richtig an und euer Blog und viele der Buchtipps haben mich darin bestätigt. Ihr seid echt großartig!!
    Nun aber zu meiner eigentlichen Frage. Sohnemann liebt Wasser, so wie deiner. Im Sommer nur nackig zwischen Sandkasten und Planschbecken umhergestapft und nebenbei mit Gartenschlauch noch Garten bewässert. Kind war im siebten Himmel. Nun versuchen wir diesem Bedürfnis auch drinnen nachzukommen: lange baden inkl Wasserhahn selbst bedienen und bei Bedarf ewig Händewaschen und Zahnputzbecher füllen und leeren. Nasse Klamotten und Überschwemmungen werden von uns in Kauf genommen so lange nix kaputt geht. So, diese Spielereien würde mein Sohn nie von selbst aufhören. Also so wie deiner morgens ein paar Minuten planscht, gäbe es hier nicht. Deswegen verstecke ich seinen Hocker wenn wir wirklich mal losmüssen und er kommt garnicht erst an den Wasserhahn dran (*shame on me*). Ich bin der Meinung, ein Bedürfnis, das bedient wird, ist irgendwann gestillt, aber das mit den Wasserhähnen wird einfach nicht weniger. Wenn er nach einer Stunde spielen immernoch nicht fertig ist, wir dann aber spontan doch wegmüssen, endet das Beenden des Spiels immer mit Weinen :-( ich kündige es vorher mehrmals an, dass ich noch dies und jenes kurz mache und ihn dann hole aber ich glaube, das versteht er noch nicht und realisiert erst wenn ich ihn vom Wasser wegtrage, dass nun Ende ist.
    Mir grauts auch etwas vor seinem zweiten Geburtstag. Denn ab dann kommt er an zwei Tagen die Woche je zwei Stunden in die Spielgruppe unserer Kita. Dort werden dann auch nach dem Essen Hände gewaschen. Ich sehe meinen Sohn schon kreischend auf dem Arm der Betreuerin, die ihn vom Wasser wegschleift... Deswegen wäre es mir sehr lieb, wenn er sich vorher schon ausreichend zu Hause mit dem Wasser beschäftigt hat und es in der Kita deswegen keine Probleme gäbe.
    Oder zieht dann da der Gruppenzwang? Hast du einen Tipp, wie ich zu Hause das Spielen am Waschbecken für ihn beenden kann, ohne dass er weinen muss?
    Liebe Grüße und macht weiter so!!!
    Julia

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    1. Liebe Julia, ich bin total froh, dass du diese Frage gestellt hast, denn dann kann ich nochmal ein Missverständnis aus dem Weg räumen, das oft in Bezug auf bedürfnisorientiertes Erziehen auftaucht: Es ist gar nicht nötig, dass du einen Weg findest, das Spielen am Waschbecken zu beenden, ohne dass er weinen muss. Bedürfnisorientiertes Erziehen bedeutet nicht, dem Kind jeden Frust zu ersparen. Das wäre sogar problematisch.

      Das heißt, so, wie du es machst, ist es genau richtig: Du lässt ihn so lange spielen, wie du kannst (du achtest auf sein Bedürfnis), du kündigst an, dass es bald vorbei ist, du gibst ihm noch etwas Zeit, und wenn dann aber DEIN Bedürfnis dringender wird, als seins (wenn ihr los müsst), dann beendest du die Wasserspiele.

      Natürlich weint er dann, er ist ja frustriert darüber, dass er nicht weitermachen kann. Aber das ist doch okay. Es ist nur sein Ausdruck dafür, dass er anderer Meinung ist als du. Solange du sein Weinen dann mitfühlend begleitest, also seinen Frust verstehen kannst und vielleicht sogar verbal für ihn spiegelst ("Du willst mehr Wasser! Mehr Wasser! Du sagst: Noch nicht aufhören, Mama! Mehr Wasser! Ich weiß, Süßer, du willst noch weiter mit dem Wasser spielen. Es tut mir leid, aber wir müssen jetzt wirklich los."), ist es völlig in Ordnung, dass er Frust und Unmut verspüren muss. Er lernt dabei, dass manchmal andere Menschen mit ihren Bedürfnissen Vorrang haben. Und DAS ist bedürfnisorientiertes Erziehen: das Abwägen, wessen Bedürfnisse in diesem Moment schwerer wiegen und diesen Bedürfnissen dann Raum geben.

      Mein Sohn hat übrigens auch ein Lerngebiet, von dem er nicht genug bekommen kann und bei dem er nicht freiwillig stoppt. Was für deinen das Wasser ist, ist für meinen Müll. Wenn er könnte, würde er den ganzen Tag auf meinem Arm vor Mülltonnen stehen und reingucken. Ich muss andauernd Deckel aufmachen, sagen, was das für eine Mülltonne ist ("Das ist der Restmüll. Das sind die Leichtverpackungen. Das ist der Papiermüll. das ist das Grünglas....") und zur nächsten Mülltonne gehen. Stundenlang! Das breche ich auch irgendwann ab. Ich sage dann mit begleitender Gebärde (das habe ich schon bei den Mädchen angewandt): "Ein Mal noch, und dann fertig." und nach dem letzten Mal mache ich wirklich nie, nie, nie weiter, selbst, wenn er dann wütend oder traurig wird. Diesen Frust begleite ich einfach und nach ein paar Minuten ist alles wieder gut.

      Zu deinem Kita-Problem: Ich bin mir sicher, dass er da problemlos mit den Wasserspielen aufhören wird, einfach, weil er das bei den anderen Kindern so sieht. Er wird "funktionieren".

      Danke für deine lieben Worte zum Blog! snowqueen

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    2. Liebe Snowqueen!
      Danke, dass du mir das nochmal ins Gedächtnis gerufen hast. Frust und Weinen kann ich meinem Sohn auch garnicht immer ersparen, das muss er ja auch lernen. Aber dann werde ich einfach so weitermachen wie bisher, was das Wasserspielen anbelangt.
      Und, dass du immer in Mülltonnen gucken musst, stell ich mir auch sehr lustig vor :-) sollten wir uns mal über den Weg laufen, werde ich euch daran erkennen!! :-)
      Noch eine ganz andere Frage: habt ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, euren Blog als Buch zu drucken? Also einfach alle Artikel zusammenschmeißen und unter die Mamas bringen. Vorallem Neumamas bekämen so ein tolles Buch in die Hand und bräuchten nicht zig (teils sinnlose) Ratgeber wälzen a la JKKSL-und ich hätte ein Geschenk für meine zukünftig schwangeren Bekannten und Freunde, die die gleiche Erziehung wie ich genossen haben und das genauso an ihren Kindern machen würden...
      LG Julia

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  13. Ein wirklich toller Artikel. Ich habe eure Reihe zum Thema Kooperation gern gelesen und bin jedesmal froh um dieses neue Wissen, wenn mein 11 Monate altes Kind mir jetzt zeigt, dass es helfen will. Gestern zB habe ich die Geschirrspülmaschine ausgeleert und sie hat sich dazu gesellt und mir ein Brettchen gereicht. Ich habe mich bei ihr für ihre Hilfe bedankt und sie hat mich überglücklich angestrahlt. Da ist es auch egal, dass das Brettchen zuerst auf den Boden gelandet ist ;)

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  14. Sehr schön geschrieben! Mein Sohn ist 9 Monate erst geworden u. auf die Zeit bis er selbstständig etwas macht, freue ich mich jetzt schon! Eure Artikel haben mir schon sehr oft geholfen manches zu verstehen und auch um mich zu beruhigen ;) Vielen Dank für diesen "Inkognito-Rückhalt"

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  15. Ich habe diesen Blog erst gestern gefunden und komme gar nicht mehr vom Laptop weg. Mein Großer ist jetzt drei Jahre alt und ich habe ihn mehr oder weniger intuitiv erzogen (allerdings muss ich dazu sagen, dass ich meine Masterarbeit über soziale und emotionale Entwicklung von Kindern geschrieben habe). Meine Mutter war immer fasziniert von meiner Geduld (O-Ton: "Ich könnte das so nicht, aber ich bin sehr gespannt, wie es sich auswirkt"), ich selber fand mich gar nicht geduldig, tatsächlich habe ich oft einfach den Weg des geringsten Widerstands gesucht, weil ich schlichtweg keinen Nerv auf die Auseinandersetzung hatte. Wenn ich also grade keinen triftigen Grund hatte, ihm etwas zu verbieten, dann habe ich es gestattet. Und nun habe ich hier einen absolut kooperativen Dreijährigen (also selbstverständlich sind auch wir nicht von gelegentlichen Wutanfällen gefeit), der grade wirklich Freude macht! Meine Frage bezieht sich eigentlich eher auf das Loben. Wenn ich morgens die Zeit verschussel weil das 11-Wochen-Baby leider nicht mit meinem Stillplan einverstanden war oder spontan nochmal das Tragetuch vollgekotzt hat oder so und mein Großer eröffnet mir "Mama ich habe meinen Rucksack draußen hingestellt und hole jetzt mein Laufrad", dann ist meine Antwort im Normalfall ein erleichtertes "Super, Dankeschön mein Großer!" Sowieso lobe ich im Moment viel (bzw. bedanke ich mich oft bei ihm), weil ich mich so oft darüber freue, dass die Dinge so gut funktionieren. Ist das nun falsch, weil ich ihm damit signalisiere, dass ich das Verhalten eigentlich nicht erwartet hätte? Ich mache das allerdings auch meinem Partner gegenüber, dass ich sage "Toll, Dankeschön!" wenn er mir etwas abgenommen hat! Liebe Grüße, Anna-Lena

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    1. Liebe Anna-Lena,

      danke für Deinen Erfahrungsbericht! Ein Dankeschön ist in meinen Augen kein Lob - Du meldest damit zurück, dass er Dich unterstützt hat und Du Dich darüber freust. Das würde ich nicht als Bewertung des Verhaltens sehen (auch wenn natürlich bei ihm ankommt, dass Du es positiv bewertest). Das "Super" vor dem Danke würde ich weglassen.

      Die Gedanken in Bezug auf das Loben beziehen sich immer auf die Eltern-Kind-Beziehung - sie sind nicht unmittelbar auf Partnerschaften oder Arbeitsverhältnisse übertragbar.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  16. Vielen Dank für diesen (und die vielen anderen Artikel).

    Grundsätzlich wäre ich allerdings viel mehr an einem Artikel interessiert, in dem es um Beispiele beim Grenzen setzen geht. Alfie Kohn (auch hier danke für den Buchtipp) usw. legen ihren Fokus immer auf die Bereiche, in denen man dem Kind "entgegenkommen" soll.. mit Zeit und Verständnis für die Bedürfnisse für das Kind; in Nebensätzen heißt es dann, man solle aber gleichwohl Grenzen setzen... allerdings ist mir das nach wie vor sehr schwammig...
    Vielleicht wäre es mal möglich einen Ablauf aufzuzeigen (ähnlich wie in diesem Artikel), in dem man Beispielhaft erkennen kann, wie es in der Praxis funktionieren kann - der Spagat zwischen Bedürfnissen und Grenzen.

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    1. Das ist eine gute Idee! Ich werde nachdenken, wie ich einen solchen Artikel realisieren kann. LG, snowqueen

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  17. Vielen Dank für den Artikel! Bei uns sind die Morgende im Moment alles andere als harmonisch, was auch daran liegt, dass ich zuviel rumstresse, wie ich grade mal wieder gemerkt habe. Die Idee sich die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder mal so klar zu machen, finde ich super, das werde ich auch mal versuchen. Leider habe ich das Gefühl, dass die hier oft sehr miteinander kollidieren.
    Gibt es bei euch z.B. gar keine Eifersucht zwischen den Geschwistern? Das ist bei uns so ein Punkt, wo die Bedürfnisse kaum miteinander zu vereinbaren sind. Meine Große (4) ist durchaus kuschelig und würde morgens gerne von mir rumgetragen werden und mit mir kuscheln. Das will der Kleine (2) nur auch und wenn er sieht, dass ich die Große auf dem Arm hab gibt es großes Geschrei. Kompromissvorschläge wie beide auf den Schoß nehmen akzeptiert er meistens nicht. Da weiß ich dann echt nicht mehr weiter...

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  18. Liebe Snowqueen,
    vielen Dank für diesen sehr, sehr aufschlussreichen Artikel. Ich hab ihn in mehreren Etappen gelesen, hab an manchen Stellen geschmunzelt (weil ich die Beschreibungen so schön und lustig fand) und für mich eine Menge daraus gezogen.

    Vorgestern, als ich mit meinem 16 Monate alten Sohn zu meinem Hausarzt fahren wollte (ich war krank), hab ich direkt mal die Sache mit der Jacke und den Schuhen angewendet. Er wollte seine Schuhe nicht anziehen, also hab ich überlegt, ob er nicht auch Puschen anbehalten kann (auf dem Arm zum Auto, Autofahrt, auf dem Arm zum Arzt rein und wieder retour). Ergebnis: kann er. Also hab ich nichts weiter gemacht. Die Mütze ließ er sich aufsetzen aber die Jacke wollte er auch beim zweiten Versuch nicht anziehen. Ich hab ihm gesagt, dass ich die Jacke mitnehme falls ihm kalt wird und er sie doch noch anziehen will. Ich fand es ganz entspannt und durch die sehr kurzen Wege draußen hab ich mir auch keine Sorgen gemacht wegen eines zu kalt werdens.

    Jetzt hab ich aber noch eine andere Frage. Wenn ich z.B. Frühstück (Brot und Obst für den Knirps) mache, dann habe ich neben mir in der Küche ein Brüllendes Kind, dass sich höchstens mit etwas vorab essbarem in der Hand beruhigen kann. Ich kann ihn leider beim Frühstück machen nicht auf den Tritt vor mich stellen, oder auf die Arbeitsplatte setzten, weil ich zu viel hin und her laufen muss. Da hätte ich Angst, dass er runter fällt. Ich gebe ihm dann oft schon ein Stück trockenes Brot in die Hand. Meine Schwester (Erzieherin) meinte, das wäre ein Fehler. In der Kita dürften die Kinder erst essen, wenn sie sich wieder beruhigt hätten. Ich glaube aber, dass sich mein Sohn nicht einfach so beruhigen würde. Er brüllt dann so lange, bis er mit seinem Teller am Tisch sitzt. Was Essen angeht ist er eh total unentspannt und lässt auch nicht bzgl Wartezeit mit sich reden. Bei anderen Themen klappt das durchaus schonmal. Ich ärgere mich ein wenig über meine kinderlose Schwester, bin aber auch etwas nachdenklich geworden.

    Jetzt nochmal ein Lob an Euch für diesen wundervollen Blog, in dem ich viel lese und den ich schon sehr, sehr oft empfohlen habe (und auch schon etliche positive Rückmeldungen von anderen Müttern bekommen habe, die auch begeistert sind.) Danke.

    Ann-Kristin

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    1. Liebe Ann-Kristin, Mist, dein Kommentar ist mir damals durchgerutscht. Ich habe ihn erst jetzt gesehen. Ich finde die Praktik der Kita, dass die Kinder erst essen dürfen, wenn sie sie wieder beruhigt haben, ganz furchtbar. Bitte mach es weiter so, wie du es machst. Dein Kleiner meckert ja nicht aus Bosheit, sondern weil seine Impulskontrolle noch nicht ausgereift ist. Es spricht nichts dagegen, ihm schon vorher etwas in die Hand wird lernen, abzuwarten, wenn sein Gehirn die dafür erforderlichen Nervenbahnen entwickelt hat. Das beginnt etwa mit dem 2. Geburtstag und kann ab da im Alltag ein wenig geübt werden, aber NUR, wenn es sich nicht um Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Kuscheln etc. handelt. Wenn er also satt und zufrieden ist, und mit dir spielen will, dann kannst du ruhig noch kurz die Geschirrspülmaschine einräumen und dann erst spielen kommen. Das kann ein Kind aushalten. Echte Bedürfnisse (wie Hunger) sollten jedoch sofort befriedigt werden.
      LG, snowqueen

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  19. Liebe Anonym vom 15. Oktober,

    doch, bei uns gibt es auch Eifersucht, allerdings irgendwie nicht in sooo großem Ausmaß. Im Text kannst du nachlesen, dass Herr Friedlich im Moment sich gern mal dazwischen drängelt, wenn ich eine seiner Schwestern auf dem Schoß habe.

    Es ist aber tatsächlich eher nicht so, dass die Eifersucht großartig stört. Ich habe jetzt eine Weile darüber nachgedacht, warum das so sein könnte. Vielleicht, weil meine großen Mädchen mich ja schon immer teilen mussten? Seid ihrer Geburt ist die jeweils andere ja immer schon da und nie hatten sie mich wirklich exklusiv für sich allein. Das wird einen großen Faktor ausmachen. Der andere Punkt ist vielleicht, dass ich sehr gut darin bin, Bedürfnisse von Wünschen zu unterscheiden. Das Kind, das gerade ein wichtiges Bedürfnis hat, bekommt dieses von mir erfüllt, währenddessen die anderen mit ihren Wünschen an mich warten müssen. Da ich diese Bedürfnisbefriedigung bei allen dreien gleich praktiziere, merken sie vielleicht einfach, dass sie nie hinten an stehen müssen, auch, wenn sie manchmal warten müssen. Verstehst du, was ich meine?

    Aber es kann auch sein, dass ich einfach ungeheures Glück mit meinen Kindern habe - auch das kann ich nicht ausschließen.

    Liebe Grüße, snowqueen

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    1. Danke für deine Antwort! Am Zwillingspunkt kann es eigentlich nicht liegen, da bei uns ja der Kleine eifersüchtig ist und der ja auch schon immer eben ein Geschwister ist. Der Kleine ist auch einfach ein sehr spezieller Charakter, extrem willensstark, gleichzeitig eben sehr anhänglich und sehr eifersüchtig. Ich gerate bei ihm oft an meine Grenzen. Momentan ist er allerdings mal wieder entspannter und dementsprechend sind auch unsere Morgende wieder viel netter :-)
      vieles mit Kindern ist halt auch Glückssache oder eben nur eine Phase...

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  20. Ich habe heute noch einmal diesen Artikel heraus gekramt, weil ich heute morgen sehr genervt war. Nachdem mein Sohn fast 15 Monate gestern kein Nachmittagsschläfchen gemacht hat und heute morgen auch noch eine Stunde Nachtschlaf gekürzt hat, bin ich ziemlich kaputt aufgestanden. Im Bad ließ er sich noch aufs Töpfchen setzen und erledigte sein Geschäft, wie jeden Morgen. Aber danach lief nichts mehr, wie sonst. Er wollte weder Windel noch anziehen sondern erst spielen, ok, also Windel nebenbei versucht, die erste hat er mir auseinandergenommen (Stoffwindel), also erst Mal weiter spielen lassen und nur Body und Shirt drüber, damit er warm bleibt. Dann bin ich ins Bad aber ich habe es heute morgen weder geschafft mich fertig zu machen, noch Frühstück zu machen. Er wollte ständige Bespaßung, ständig auf den Arm, auch stillen brachte nur eine kurze Erholung. Meistens schaffe ich es kaum zu Frühstücken, weil er immer schon nach 3min fertig ist, ehe ich richtig angefangen habe. Ab nächste Woche gehe ich wieder arbeiten und ich habe keine Ahnung, wie das früh funktionieren soll, fertig machen, mit anziehen so dass die Klamotten sauber bleiben (kein Frühstück und keine Schniefnasenreste), mit schminken usw.
    Ich habe das Gefühl, ich gerate total aus der Bahn, wenn es nicht in der gewünschten Routine läuft. Am Ende bin ich genervt und Mini gleich mit. Ich wünschte, ich könnte so gelassen sein, wie in deinem Artikel. Dabei rechne ich auch viel Zeitpuffer ein, damit ich ihn nicht drängle und mit Macht anziehe. Aber irgendwie gehen meine Bedürfnisse dabei unter: frühstücken, saubere Sachen anziehen, schminken.
    Und natürlich hört man von außen immer wieder, man sei selbst schuld, wenn es so zugeht, weil das Kind alles bestimmt. Es darf bestimmen, dass es nicht im Liegen gewickelt wird, es darf bestimmen, wann es Zeit ist anzuziehen usw. Ich sehe das zwar anders aber an solchen Tagen zweifle ich dann doch auch. Daher tat es gut, deinen Artikel noch mal zu lesen.

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    1. Liebe Bloggi, es gibt immer mal wieder Tage, da läuft es einfach schief. Bei meinen Töchtern habe ich damals, als sie klein waren, mal darauf geachtet, wann diese Tage kamen. Überraschenderweise kamen sie ganz regelmäßig etwa 1x im Monat. So als ob da die Festplatte des Gehirns gesäubert wird und die Kinder dann völlig neben sich stehen. Wie in den Sprüngen als Baby, verstehst du? Vielleicht hattet ihr einen solchen Tag erwischt. Ich nannte sie damals "einer dieser Tage...".

      Ich hatte in der letzten Woche auch etwas mehr Stress, als gewohnt, weil ich eine meiner Töchter nicht im Kindergarten abgeben musste, sondern an einem anderen Ort. Weil das für mich ein ungewohnter Ablauf war, war ich innerlich angespannt und aufgeregt und man hat es meinen Kindern sofort angemerkt. Also eigentlich vor allem einem Kind, nämlich Fräulein Ordnung, die Zeitdruck wirklich überhaupt nicht aushalten kann. Ich machte am ersten Tag noch den Fehler, zu sagen: "Beeil dich, heute müssen wir pünktlich los...". Da hatte ich schon verloren. Sie stockte total in ihrem gewohnten Lauf und weinte am Ende nur noch. Es war total stressig und sehr nervig. An den nächsten Tagen vermied ich, über den Zeitdruck zu reden, aber sie spürte es trotzdem. Aber es lag wirklich an meiner inneren Angespanntheit. Der hat sich auf sie übertragen. Ab Donnerstag kannte ich dann den neuen Ablauf ausreichend gut, war wieder entspannter und Fräulein Ordnung auch. Ein bisschen gruselt es mich schon davor, wenn ich wieder arbeiten gehe. Ob sie dann jeden Morgen weint, weil es Zeitdruck gibt? Oh weh.

      Zum Frühstück: Bei meinen Töchtern bin ich damals auch sofort aufgestanden, wenn sie fertig waren, aber bei meinem Sohn bin ich egoistischer. Ich sage ihm freundlich, dass ich noch zu Ende essen will. Er jammert dann zwar, manchmal zerrt er auch an mir, aber nach 5 Minuten zieht er dann ab und beschäftigt sich selbst.

      Wenn ich möchte, dass mein Oberteil sauber bleibt, ziehe ich mich vollständig an, nur den Pullover nicht, sondern mein Schlaf-T-Shirt. Sind dann alle fertig angezogen mit Jacken und Schuhen, wechsle ich schnell das Schlaf-T-Shirt gegen den Arbeitspullover, werfe meine Jacke drüber und gehe los. So kommt kein Rotz und kein Frühstück drauf.

      LG, snowqueen

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  21. Ich kann nur sagen danke danke danke für alles was ihr schreibt ohne euch hätte ich versucht mein Kind schon mit wenigen Monaten zu erziehen. Es ist toll zu lesen dass es auch anders geht. Danke!!!

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  22. Ich kann nur sagen danke danke danke für alles was ihr hier schreibt. Ohne euch hätte ich mein Kind schon mit wenigen Monaten erzogen, danke dass ihr zeigt dass es auch anders geht.

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  23. Hallo Snowqueen!

    vielen Dank! Ich könnte grad heulen vor Freude! Das Erste, was mir wirklich hilft, lese ich hier. Jesper Juul und Konsorten können mir immer nur erzählen, was ich alles nicht darf und die Umsetzung hapert total. Er hat einen Sohn und ich denke bei einem Kind klappen diese Dinge, wie er sie vorschlägt. Ich mag diesen Pädagogen trotzdem und will ihn hier nicht schlecht machen.

    Ich lese so viel Zeug, bin ausgebildete Erzieherin und bin trotzdem so eine Motz-Mama. Das finde ich ganz, ganz schlimm. Ich bin so gerne Mama und motze trotzdem ständig. Aber wenn ich das hier so lese, fühle ich mich plötzlich so handlungsfähig. Ich motze nämlich, weil ich mich selbst unfähig fühle, es richtig zu machen.
    Ich habe 3 Söhne und meinen Ältesten hab ich so früh "erzogen". Er kämpft deshalb viel mit mir um die "Vorherrschaft" und hat leider die Meinung, hier zu kurz zu kommen. Was ja auch stimmt. Ich komme dann in das Gefühl "ich mach ja schon alles" und trotzdem hast du das Gefühl. Und motze wieder. Und er kämpft.

    Ich hab das mit den Babys und der Bedürfnisbefriedigung echt ganz gut gemacht, ein Glück, aber ab einem gewissen Alter war es immer vorbei. Dann suchte ich nach dieser Ruhe und inneren Sicherheit und fand sie nicht mehr.

    Ich war mir auch immer sicher, das "Grenzen testen" und "Wenn..dann"-Erziehung völliger Mumpitz ist.

    Ich denke es wird ein Stück Arbeit, ihn aus dieser Ecke wieder heraus zu locken. Aber ich bin jetzt das erste Mal guter Hoffnung, es auf gute Weise zu schaffen, dank euch!

    Sobald der Gehaltsscheck da ist, kaufe ich mir euer Buch!

    Danke, danke, danke, danke!!

    eure Susanne

    woher wisst ihr das alles? Ich habe das leider in der Ausbildung nicht gelernt und nirgends sonst!

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    1. Liebe Susanne, vielen dank für deine schöne Rückmeldung! Wir wussten das vorher auch alles nicht- wir stolpern meist irgendwo über ein Problem mit unseren Kindern und suchen dann in Büchern so lange nach einer Lösung, bis es passt. Und dann haben wir ein Buch aus unseren Erkenntnissen gemacht. Ich bin sicher, es wird dir doll helfen! Liebe Grüße, Snowqueen

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  24. Hallo Ihr!
    ich muss noch was nachtragen! Ich kenne zwei Personen sehr nah (meine Mom und meinen Mann), die aus Familien kommen, in denen sie nur gelernt haben, das Familie bedeutet, ihre Bedürfnisse werden übergangen, ignoriert oder sogar mit Absicht platt gemacht.
    Das überträgt sich natürlich absolut in die Familien, in denen sie dann später leben/lebten. Das Gefühl, zu kurz zu kommen, übergangen zu werden, ständig um Freiheit zu kämpfen, sich gefangen und eingeengt zu fühlen, sich nicht frei und entspannt in der eigenen Familie zu fühlen, bleibt.
    Diese Arbeit, die Du da machst, die wir alle machen müssen, ist also in jeder Hinsicht wichtig und auch für die Zukunft gesehen!
    Bei meinem Mann beginnt es sich aber langsam aufzulösen, zum Glück!

    ganz liebe Grüße
    Susanne

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    1. Liebe Susanne, das, was du da beschreibst, wird sehr gut erklärt in dem Buch 'Das Kind in dir muss Heimat finden.' Das hilft deinem Mann bestimmt. Liebe Grüße!

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  25. Wow, ich bin beeindruckt, wie ruhig du bleiben kannst, vor allem obwohl du müde bist, wie du schreibst. Wenn ich morgens aufstehe fühle ich mich eigentlich immer müde und unausgeschlafen (außer es ist Sonntag und nach 10 Uhr) und damit ist meine Laune komplett am Boden. Normalerweise kann ich sehr entspannt sein aber in der Früh kann ich nur missmutig grummeln und wenn auch nur die kleinste Kleinigkeit nicht so läuft wie ich mir das vorstelle, dann bin ich innerhalb von 1 Sekunde auf 180. Gefühlt besteht mein Kopf in solchen Momenten nur noch aus Brettern. Ich hab keine Ahnung wie ich da vor lauter Müdigkeit und übler Laune irgendwo noch ein Fünkchen Gelassenheit finden soll...

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    1. Bei mir ist das nachmittags/abends so. Da bin ich nicht mehr so gelassen. Morgens weiß ich, dass ich gleich nach dem Chaos, wenn alle in Kita und Schule sind, einen Kaffee trinken kann. Liebe Grüße!

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