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“Reisebegleitung statt Erziehung” für Eltern von der Mut-Fabrik


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Als meine Töchter noch Babys waren, fiel es mir nicht schwer, bedürfnisorientiert mit ihnen zu leben. Es war klar, dass sie gestillt werden, wenn sie Hunger haben und nicht nach der Uhr. Es war auch klar, dass ich sie immer tragen würde, wenn sie Nähe brauchten und dass sie selbstverständlich in meinem Bett schlafen durften. Doch als sie größer wurden und ich dachte, nun müsse doch mal die "Erziehung" anfangen, stolperte ich ein wenig auf meinem Weg. Denn obwohl ich mir größte Mühe gab, weiterhin ihre Bedürfnisse im Blick zu behalten, fehlte mir irgendwie ein Mosaiksteinchen im großen Bild meiner Elternschaft. Mir fehlte schlicht die Kompetenz, meine Wünsche oder auch meine Grenzen so zu formulieren, dass sie von meinen Kindern nicht als verletzend empfunden wurden. Wir verstrickten uns trotz meiner Bemühungen immer öfter in unsinnigen Streits. Da mir selbst nicht klar war, dass das an meiner Sprache lag, begann ich, daran zu zweifeln, dass auch nach dem ersten Geburtstag ein bedürfnisorientierter Umgang mit Kindern möglich ist. Ich wusste so viel. Ich hatte eine so gute grundlegende Ausbildung im Umgang mit Kindern genossen. Und trotzdem war unser Umgang irgendwie nicht harmonisch. Dass man sich mal streitet - ok, geschenkt. Aber ich hatte wirklich das Gefühl, meine Töchter arbeite absichtlich gegen mich und ignorieren meine Wünsche und Forderungen an sie bewusst.

Zu diesem Zeitpunkt fiel mir das Buch "Gewaltfreie Kommunikation" von Marshall B. Rosenberg in die Hände. Den Titel fand ich erst einmal doof - natürlich kommunizierte ich gewaltfrei, ist doch klar! Was wollte der Typ denn von mir? Etwas widerwillig blätterte ich ins Buch hinein... und blieb fasziniert hängen. Es war eine Offenbarung. Doch! Meine Sprache war gewaltvoll! Hier hatte ich das fehlende Mosaiksteinchen gefunden. Ich las und las und las und als ich das Buch zuklappte, suchte ich fieberhaft einen Kurs, in dem ich mein neues Wissen anwenden konnte. Glücklicherweise fand ich einen, der gleich an diesem Wochenende stattfand und ich meldete mich sofort an. Das war der Anfang einer langen Fortbildungsreise-Reise. Nun bin ich - das wisst ihr vielleicht schon - ein bisschen schüchtern. Ich kann es eigentlich nicht leiden, mich mit fremden Menschen zu treffen und dann dort auch noch reden zu müssen. Ich wirke in solchen Momenten immer etwas reserviert und kühl (und jetzt wisst ihr auch, warum mein Spitzname Snowqueen ist), obwohl das gar nicht meine Absicht ist. Deshalb bevorzuge ich mittlerweile Online-Angebote, bei denen ich mein Wissen erweitern und anwenden kann...

Seid ihr auch solche Sozial-Phobiker*innen wie ich? Oder habt ihr keine Zeit, euch regelmäßig ohne Kinder mit einer GfK-Übungsgruppe zu treffen? Möchtet ihr das Grundprinzip der Gewaltfreien Kommunikation überhaupt erst einmal kennen lernen? Dann habe ich hier einen Tipp für euch: 

“Reisebegleitung statt Erziehung” für Eltern von der Mut-Fabrik
 

Bei dem Angebot “Reisebegleitung statt Erziehung” handelt es sich um einen interaktiven Onlinekurs für Eltern, Großeltern und andere Begleiter*innen. Ihr erhaltet insgesamt 52 Mails über ein Jahr, sprich eine Mail pro Woche. Ich habe vor kurzem ein ähnliches Angebot eines anderen Anbieters mitgemacht, bei der ich jeden Tag Mails bekam und ich kann euch sagen, dass das unendlich anstrengend war. Ich kam mit dem Darüber-Nachdenken gar nicht mehr hinterher. Eine Mail pro Woche dagegen finde ich sehr angenehm. 

Inhalt der Mail


Jede Mail beginnt mit dem Zitat der Woche. Wenn es zum Beispiel in der Mail um den Ärger geht, den wir als Eltern spüren oder auch den unsere Kinder spüren, dann findet man liest man dieses Zitat von Marshall Rosenberg:

„Ärger ist ein wunderbarer Hinweis, er ist ein Wecker. Sobald ich ärgerlich werde, weiß ich, dass ich den andern nicht richtig gehört habe. Die Ursache meines Ärgers sind meine Gedanken: Statt, dass ich mich mit dem verbinde, was in dem andern vorgeht, bin ich oben in meinem Kopf und urteile, dass er irgendetwas falsch gemacht […]."
Danach geht es in der Mail weiter mit den "Ermutigenden Inspirationen". Das sind kluge, spannende und aufrüttelnde Texte über 52 verschiedene Themen - im Prinzip ähnlich der Artikel in unserem Blog. Ihr lest zum Beispiel, warum Wut und Ärger nur ein Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse sind und es daher helfen kann, bei sich und anderen auf die unerfüllten Bedürfnisse hinter dem ärgerlichen oder verärgerten Verhalten zu suchen.

Ihr könnt dann an "Ermutigenden Beispielen" teilhaben - hier werden kleine Momente mit Kindern beschrieben und was sie eigentlich bedeuten können. Ein Kind, das laut trommelnd neben seinen Eltern steht, hat vielleicht das Bedürfnis nach motorischer Entlastung oder aber es möchte von seinen Eltern gesehen werden und wünscht sich Verbindung:
"Es zeigt sich nur derjenige laut und aggressiv laut, der nicht im Vertrauen ist, leise gehört zu werden. Statt, „Hör auf so laut zu machen", könnte ich also fragen. Sinngemäß oder wörtlich, „Was magst du mir sagen?" Ich könnte auch ganz nonverbal einfach in Verbindung in Form von Berührung gehen und nein, nicht das Trommeln dabei zu unterbinden, auch wenn die Versuchung groß sein mag, sondern nur in Berührung. Ich unterstelle, dass jedes Aggressive Gefühl ein Hilferuf nach Gesehen werden und damit nach Verbindung ist. Vielleicht reißt mich das Trommeln aus einem Gespräch, vielleicht lenkt es mich vom Schauen der Nachrichten ab, ganz sicher ist es der Ruf nach „ich möchte auch Verbindung und Aufmerksamkeit von dir." [Auszug aus der Wochenmail Nr. 16: "Mit dem Ärger tanzen" Copyright www.mut-fabrik.de]
Im Anschluss wird auf einen Leser*innenbrief eingegangen. Ihr könnt im Laufe des Online-Kurses eure Fragen und Probleme einschicken. Diese werden aufgenommen und in den Mails beantwortet. So könnte es sein, dass eine Mutter erzählt, dass ihr Sohn nach der Kita immer sehr wütend und verschlossen ist und seine Kooperation beim Anziehen verweigert. Sie versuche, herauszubekommen, welche Laus ihm da über die Leber gelaufen ist, doch er würde sich ihr nicht öffnen... Immer auf der Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation werden der fragenden Mutter dann Handlungsalternativen und Denkanstöße gegeben. Das ist nicht nur für diese eine Mutter interessant, sondern eigentlich für alle Teilnehmer des Kurses, denn die Probleme aller ähneln sich durchaus.  

Den Abschluss jeder Mail bilden die Wochenaufgaben. Die Teilnehmer werden eingeladen, das neu angelesene Wissen in der kommenden Woche auszuprobieren oder vertieft über ein Problem nachzudenken. So soll man zum Beispiel aufschreiben, welche vermeintlichen Eigenschaften das eigene Kind hat, die uns als Eltern verärgern. Vielleicht bummelt es morgens beim Anziehen oder es haut uns, wenn ihm etwas nicht passt. Danach soll man überlegen, warum diese Dinge uns verärgern: Welche Bedürfnisse sind bei uns nicht erfüllt? Gäbe es andere Strategien, die uns helfen könnten, unser Bedürfnis zu erfüllen? Könnten wir zum Beispiel früher aufstehen, damit das Kind mehr Zeit zum bummeln hat? Oder könnten wir ihm beim Anziehen helfen? Wenn ihr nicht weiterkommt, könnt ihr euch an dieser Stelle an das Team der Mut-Fabrik wenden und sie werden euch helfen, eure echten Bedürfnisse hinter eurem Ärger zu finden.  

Dieser Punkt der Wochenmail ist der wichtigste und schwerste zugleich. Er verlangt etwas Selbstdisziplin, wenn man wirklich möchte, dass sich die neu aufgetanen Verhaltensalternativen und Denkweisen auch im Gehirn verankern. Ihr solltet vorher entscheiden, ob Selbststudium eure bevorzugte Lernart ist. Ich merke oft, dass ich mich zu solchen Wochenaufgaben immer erst einmal überreden muss. Im Alltagsstress habe ich wenig Lust auf noch mehr Arbeit. Ich weiß aber mittlerweile, dass diese Anstrengung für mich lohnend ist, deshalb unternehme ich sie dann doch. Nur dieses intensive Beschäftigen mit neuen Impulsen gibt mir die Möglichkeit meine eingefahrenen Erziehungswege wirklich zu verändern. 

Inhalt weiterer Wochenmails  


Insgesamt erhaltet ihr 52 Wochenmails mit über 100 kleinen Übungen. Es geht um Kinder im Altersabschnitt 0 bis 5 Jahre. Es werden u. A. folgende Themen behandelt:
Die Bedürfnisse der Kinder sind wichtig - die Bedürfnisse der Begleiter*innen ebenso!
Leichtigkeit im Umgang mit Anspannungen aus Ärger, Wut, Aggressionen und Trauer (eigene und von Kindern) 
Vertrauen & Selbstvertrauen in mich und in „mein“ Kind

Echte (Ver)Bindungen aufbauen
Authentisch sein statt nett oder perfekt
Neugierig geworden?
Solltet ihr neugierig geworden sein, könnt ihr hier eine kostenlose Probe-PDF herunterladen und sehen, ob euch der Schreibstil und der Inhalt zusagt. 

Teilnahmegebühr


Der Online-Kurs geht 1 Jahr lang und kostet regulär 52 Euro. Wer sich einen Euro pro Woche nicht leisten kann, hat die Möglichkeit, bei gleicher Leistung nur 32 Euro zu zahlen. Geht es euch finanziell gut, dürft ihr wahlweise auch 72 Euro spenden. Ihr unterstützt damit zusätzlich einen anderen Teilnehmer, der das Geld für die reguläre Kursgebühr nicht aufbringen können. Es ist Philosophie der meisten Kurse zur Gewaltfreien Kommunikation, dass jeder selbst einschätzen darf, was er zu zahlen imstande ist. Ich finde das sehr sympathisch.
Achtung!

Der nächste Kurs beginnt am 6. Juni 2016 - die Anmeldefrist wurde wegen der hohen Nachfrage verlängert. Ihr könnt euch dafür hier anmelden.