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Besser leben ohne Plastik - 6 einfache Dinge, die jeder umsetzen kann

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber seitdem ich Kinder habe, wächst mein ökologisches Bewusstsein mehr und mehr. Als ich in diesem Frühjahr in Portugal Urlaub machte, war ich geschockt, wie dort die Strände aussahen. Außerhalb der Saison und etwas abseits der üblichen Touristenpfade fand ich Strände vor, die mit Müll übersät waren. Ich fragte mich, warum die Leute es nicht schafften, die strandnah platzierten Mülleimer zu benutzen. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich jedoch, dass es sich bei dem Müll gar nicht um Hinterlassenschaften von Strandbesuchern handelte, sondern offenbar um angeschwemmten Müll aus dem Meer. Plastik - überall Plastik!


Was ist so schlimm an Plastik?


Plastik ist eine der größten Umweltsünden unserer Zeit. In jedem Quadratkilometer Meer schwimmen bis zu 46.000 Teile Plastikmüll - jedes Jahr werden etwa 7 Millionen Tonnen davon im Meer entsorgt. Im Nordpazifik treibt ein Müllfeld, das die Ausmaße von Zentraleuropa hat. Und das ist nur die Spitze des Eisberges! Denn etwa 70 % des Plastiks sinkt auf den Meeresboden. Fische, Vögel und Meeressäuger verenden auf tragische Art und Weise, weil sie dieses Plastik schlucken oder sich darin verheddern. In Schottland wurde vor einigen Jahren ein verendeter Zwergwal gefunden - er hatte 800 kg Plastik im Bauch.  Das Schlimme an Plastik ist: es zersetzt sich extrem langsam - etwa 400 Jahre dauert es, bis es sich rückstandslos zersetzt hat.Wir müllen uns also sehenden Auges mehr und mehr unseren Planeten zu.

Ein weiteres Problem ist Mikroplastik - das sind kleinste Teile Plastik, die bis zu 5 mm groß sind. Das sind zum Einen die Rückstände des verrottenden Plastiks und zum Anderen Mikroplastik aus Kosmetikprodukten. Auch Fleecekleidung spült täglich kleinste Partikel in unser Abwasser. Weil diese Teile so klein sind, können Kläranlagen sie nicht herausfiltern. Mittlerweile wurden schon weltweit im Meereswasser Mikroplastikpartikel gefunden. An der durch UV-Licht porösen Oberfläche sammeln sich an den Partikeln Schadstoffe, die dann konzentriert von den Meeresbewohnern aufgenommen werden und diese schädigen.



Plastik ist nicht nur ein Umweltproblem, sonders es kann auch unsere Gesundheit gefährden. Über kurz oder lang gerät Plastik und Mikroplastik in die Mägen der Meerestiere - und damit auch in unseren. Über aufbereitetes Wasser wird es überall verteilt. Auch in Honig, Bier und Mineralwasser wurde schon Mikroplastik gefunden, welches sich im Laufe der Zeit in unserem Gewebe anreichert. „Die Menschen in den industrialisierten Staaten sind mittlerweile zu über 90 Prozent chronisch mit Bisphenol A (BPA) belastet, also sozusagen plastiniert‘“, sagt Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie II an der Universität Bonn.

Im Alltag haben wir ständig Kontakt mit Plastikprodukten, ein Großteil unserer Nahrung ist darin verpackt. Problematisch sind vor allem die Weichmacher, die dafür sorgen, dass der Kunststoff flexibel ist. Dieser kann auf die Nahrung übergehen und im Körper unsere Hormone beeinflussen. Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten, bei denen vermutet wird, dass sie im Zusammenhang mit dem Plastik in unserer Umwelt stehen. Bereits bekannt sind Schädigungen durch Bisphenol A. Aber auch die übrigen Weichmacher sind problematisch - eine Übersicht zu den Studien, die die gesundheitsbeeinträchtigende Wirkung untersuchen und belegen, findet man hier. Mir wird dabei ganz flau im Magen. 

Plastikärmer leben


Je mehr ich mich mit dem Thema auseinander setzte, desto geschockter war ich, wie sorglos die Weltbevölkerung (bis dahin ja inklusive mir!) mit diesem Thema umgeht. Ich beschloss, dass ich für den Mikrokosmos meiner Familie unbedingt etwas ändern will. Bei meinen Recherchen stolperte ich über das im oekonom-Verlag erschienene Buch "Besser leben ohne Plastik", das mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Im Buch werden zunächst die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit zusammengefasst. Anschließend gibt es Tipps, wie man bewusster plastikarm leben kann.

Was kann ich konkret tun um Plastik zu vermeiden?


Hierzulande kann man nicht komplett "plastikfrei" leben (auch wenn es einige wenige Menschen fast zu 100 % schaffen). Aber das sollte uns nicht davon abhalten, Kunststoffe in unserem Leben so weit es uns möglich ist, zu vermeiden.

Keine Plastiktüten mehr verwenden


Jeder Deutsche verwendet im Schnitt 71 Plastiktüten pro Jahr. Damit sind wir zwar in Europa fast "vorbildlich" (in Bulgarien bspw. wird jährlich die sechsfache Menge verbraucht) - aber dennoch kommen allein durch diese Tüten jährlich 68.000 Tonnen Plastikmüll zusammen.

Die Tüten sind jedoch nur ein Bruchteil: im Schnitt produziert jeder Deutsche weitere 300 kg Plastikmüll im Jahr. Dennoch können wir gerade Plastiktüten ganz einfach vermeiden - indem wir einfach immer eine Stofftasche bei uns haben. Ich bin aus selbstpädagogischen Gründen dazu übergegangen, nur noch Papier- oder Stofftüte zu kaufen, wenn ich versehentlich keinen Beutel dabei habe. Ich sehe auch erfreut, dass immer mehr Supermärkte dazu übergehen, gar keine Plastiktüten mehr anzubieten, auch wenn diese vor allem bei Obst und Gemüse wesentlich mehr Plastikmüll produzieren.  Das lose Obst und Gemüse im Supermarkt kann man alternativ in leichte, wiederverwendbare Bio-Baumwoll-Beutel packen. Auch zu den vielen kleinen Gratis-Tütchen können wir "Nein!" sagen - sei es beim Schnellimbiss, in der Drogerie, in der Apotheke oder im Elektrofachmarkt. "Danke, es geht auch so" spart Unmengen an Platik. 

Müll akribisch trennen


Auch wenn Plastik nicht komplett vermeidbar ist, kann man die Umweltverschmutzung dennoch deutlich reduzieren, indem man es penibel vom Restmüll trennt. Das lohnt sich, auch wenn bisher nur 40 % des im Umlauf befindlichen Plastiks wird wieder verwertet - der Rest landet im Moment noch aus Kostengründen in der Müllverbrennungsanlage. Wichtig ist ein Blick auf die örtliche Müllentsorgung - die Wertstofftonne ist auf dem Vormarsch. Dort dürfen auch - anders, also bei dem gelben Sack des grünen Punktes - alle Plastikprodukte, auch solche, die nicht Verpackung sind, entsorgt werden. 

Kunststoffverpackungen gehören nicht auf den Müll! Sie entwickeln bei der Verbrennung schadstoffreiche Abgase und Rückstände. Bisher habe ich verdorbene Lebensmittel incl. Verpackung in den Restmüll geschmissen - mittlerweile achte ich sehr darauf, Inhalt und Verpackung zu trennen, damit diese wieder recycelt werden kann. Beim Kauf von Produkten kann man auch mal bewusst darauf achten, ob die Verpackung aus Recyclingmaterial ist - bei meinem Duschgel von Alverde fiel mir neulich auf, dass die Packung zu 98 % aus recyceltem Kunststoff ist. Auch das ökologische Geschirrspülmittel von Frosch hat teilweise Recyclingflaschen.

Wenn es Alternativen gibt: zu diesen greifen


Schaut man sich in den Geschäften um, wird man feststellen, dass es viele Produkte auch in plastikfreien (oder -armen) Ausführungen gibt. Senf, Ketchup, Milch usw. kann man oft in Verpackungen aus Glas kaufen. Nudeln, Haferflocken, Reis und Couscous gibt es auch in Papierverpackungen. In großen Städten kann man auch Unverpackt-Läden finden.

Aber auch in anderen Bereichen kann man Alternativen wählen - Bettdecken aus Wolle/Seide statt aus Mikrofaser, Möbel aus Echtholz statt aus Pressspan, Baumwollfleece statt Polyesterfleece, Holzspielzeug, Bürsten aus Holz, Seife statt Duschgel (für die Haut ohnehin viel besser!), Soda statt Toilettenreiniger, Kosmetika im Glas statt in der Plastikflasche usw. Mir macht es mittlerweile großen Spaß, umweltgerechte Alternativen zu entdecken und so nach und nach den Kunststoff im Haushalt zu ersetzen. 

Plastik im Haushalt ersetzen


Am meisten gesundheitsgefährdend sind Plastikprodukte, die direkt in den Kontakt mit unserer Nahrung kommen. Daher sollte man Plastik-Geschirr (wozu auch Melanim gehört) und Plastik-Besteck aus dem Haus verbannen. Auch Kunststoff-Kochlöffel, -Kellen usw. können durch Pendants aus Holz oder Bambus ersetzt werden, da sich beim Kochen winzige Partikel des Plastiks lösen können. Das selbe gilt für beschichtete Pfannen - Modelle aus Keramik sind die besser Wahl. 

Ich habe außerdem einen Sodastream Crystal gekauft, mit dem man Leitungswasser in Glasflaschen aufsprudeln kann. Auch Trinkflaschen für unterwegs sollten immer aus Glas sein. Sie sind leicht zu reinigen und man sieht viel besser, ob eventuell Rückstände enthalten sind. Die Säuren von Fruchsäften  können aus Kunststoff- oder Metallflaschen Schadstoffe aus der Flasche herauslösen - dies wird bei Glasflaschen nicht geschehen. Für Kinder geeignet ist die Flasche Emil, die es auch mit Öko-Baumwoll-Umhüllung gibt - auch wenn die Bruchsicherung aus Styropor (und damit wieder aus Kunststoff) ist. Komplett unbedenklich ist die Soulbottle, deren Verschluss aus Naturkautschuk, Keramik und Edelstahl besteht und die zudem fair produziert wurde.

Vorratsdosen lassen sich nach und nach durch Aufbewahrungsgläser ersetzen. Gerade wenn Lebensmittel längere Zeit aufbewahrt werden, ist es sinnvoll, wenn sie nicht in Kunststoffbehältern gelagert werden. Wer nicht so viel Wert auf Optik legt, kann auch ganz normale Konservengläser recyceln - die Metalldeckel lassen sich oft problemlos wieder schließen. 

Für den Transport von Lebensmitteln eignen sich Tiffin-Boxen oder Edelstahl-Brotboxen am besten.

Bei der Reinigung


Wir haben so viel Chemie im Haushalt! Spülmittel, Waschpulver, Fleckentferner, WC-Reiniger, Kalkreiniger, Allesreiniger... Dabei gibt es so viele umweltfreundliche und wirksame Alternativen. Toiletten kann man wirksam mit Natron reinigen,  Flecken mit Gallseife entfernen, Kalk mit Essig zu Leibe rücken. Schmierseife ist ein super Allesreiniger - ein Esslöffel auf drei Liter Wasser und alles wird sauber. Normales Speisesalz ersetzt Weichspüler, mit Kernseife und Waschsoda lässt sich in wenigen Minuten ein absolut umweltfreundliches Waschmittel zaubern - ebenso aus Kastanien und Efeu. Rezepte dafür und für viele andere umweltverträgliche Reinigungsmittel findet ihr im Buch "Besser leben ohne Plastik". Weitere Vorteile des Selbermachens sind die Müllvermeidung und eine wirklich bemerkenswerte Kosteneinsparung. 

Bei der Kosmetik


Bei allen Kosmetikprodukten sollte man unbedingt Mikroplastik vermeiden! Erkennen kann man es in Kosmetika auf der Inhaltsstoffliste unter den Bezeichnungen Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12, Nylon-6, Polyurethan (PUR), Ethylen-Vinylacetat-Copolymere (EVA), Acrylates Copolymer (AC) und Acrylates Crosspolymer. Der BUND hat eine Liste mit Kosmetikprodukten erstellt, die Mikroplastik enthalten. Vor allem Peelingprodukte sowie  Duschbad und Shampoo sind betroffen, aber auch viele Produkte zum Schminken.

Auch bei Kosmetika gilt: Weniger ist mehr! Wenn man sich mal anfängt, damit zu beschäftigen, was in all unseren Pflegeprodukten enthalten ist, dann kommt man wirklich ganz schlimm ins Grübeln. Bei mir hat mittlerweile ein großer Umdenkprozess stattgefunden. Als allererstes habe ich meine Monatshygieneartikel durch eine Menstruationstasse ersetzt, die ich seit nunmehr genau zwei Jahren absolut begeistert nutze. 

Seit über 4 Monaten verzichte ich auch komplett auf Shampoo und wasche meine Haare mit Mehl und Erde. Klingt verrückt, funktioniert aber super - ich werde an anderer Stelle darüber berichten. Es gibt übrigens auch Menschen, die waschen ihre Haare nur mit Wasser oder nie - und die Ergebnisse sind verblüffend. Kurzum: es geht bei fast allen Kosmetika auch ohne überflüssige Chemie und Verpackung. Auch dafür findet ihr im oben genannten Buch jede Menge spannende und erprobte Rezepte. 

Helft mit!


Jeder von uns kann einen kleinen Teil dazu beitragen, dass unsere Welt auch in hundert Jahren noch ein artenreicher und gesunder Lebensraum für unsere Kinder und Enkelkinder ist. Unsere Generation war maßgeblich daran beteiligt, die Welt mit Plastikmüll zuzuschütten - es ist unsere Verantwortung, den Schaden schnellstmöglich zu begrenzen. Plastik wird nur deswegen in Massen produziert, weil es billig ist - den Konzernen ist die Umwelt egal, sie wollen nur ihren Profit maximieren.

Auch wenn man beim Gedanken an die Plastikmüllteppiche hoffnungslos resignieren will: Es ist nie zu spät, umzudenken. Es sind die kleinen Dinge, die die Welt bewegen können - wenn alle sie gemeinsam anpacken. Ja nachgefragter plastikfreie Alternativen sind, umso mehr wird die Wirtschaft sich danach ausrichten. 

Ich würde mich freuen, wenn wir alle etwas aufmerksamer durch die Welt gehen und uns beim Kauf aller Dinge immer wieder fragen: "Brauche ich das wirklich, um glücklich zu sein?" 

© Danielle

Das Rezensionsexemplar des Buches "Besser leben ohne Plastik" verlosen wir unter denjenigen, die uns bei Tipeee unterstützen.

Quellen