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"Frei und unverbogen" - Podcast mit Susanne Mierau

Susanne Mierau war zu Gast in unserem Podcast. Hier könnt ihr die Inhalte noch einmal nachlesen.

Dein neues Buch heißt "Frei und Unverbogen". Ist das das Leitbild der Eltern heute?

Ich glaube, viele Eltern haben heute schon den Wunsch, ihre Kinder freier und “unverbogener” aufwachsen zu lassen, als sie selbst aufgewachsen sind. Gleichwohl es aber auch Eltern gibt, die damit noch nichts anfangen können und die der Gedanke vielleicht noch abschreckt, was denn aus “freien und unverbogenen” Kindern werden soll. Eltern haben ja auch meistens den Wunsch, dass ihre Kinder eine gute Zukunft haben sollen und sehen nicht, dass diese Art von Begleitung der Kinder ihnen in der Zukunft einen guten Stand ermöglichen kann. Auf einige wirkt es daher noch abschreckend, obwohl der Grundgedanke eigentlich genau das bedient, was sich Eltern wünschen: dass Kinder glücklich aufwachsen und damit einen guten Start in das Leben haben.


Warum will denn ein Teil der Elternschaft, dass ihre Kinder nicht von Erziehung verbogen werden? Ist denn Erziehung so etwas Schlechtes?

Das Verbiegen ist etwas Schlechtes für die Kinder - und eigentlich für uns alle. Im Laufe der Zeit bilden wir Menschen ein Bild von uns selbst aus: Wie bin ich? Was kann ich? Was mag ich? Diese Bilder sind verschieden, weil wir alle ja auch schon unterschiedlich zur Welt kommen mit unterschiedlichen Temperamenten, die in Auseinandersetzung mit der Umwelt dann zu Persönlichkeitseigenschaften werden. Nun kann es sein, dass eben ein bestimmtes Kind zu einer Familie kommt und dort die Erfahrung macht, dass es so, wie es ist, nicht geliebt und akzeptiert wird, sondern immer irgendwie anders sein soll. Vielleicht leiser als es ist, oder nicht so wild, oder auch das Gegenteil: lauter und selbstbestimmter. Kinder wollen ihren Eltern gefallen und versuchen, sich anzupassen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Das erfordert Energie, ist anstrengend und es funktioniert auch nur bedingt. Aber neben der aktuellen problematischen Situation lernt das Kind eben auch: Ich werde nicht so geliebt, wie ich bin. Ich bin immer falsch. Andere lieben mich nur, wenn… Und das wirkt sich langfristig auf das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein aus, kann sogar zu psychischen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen führen.


 
Früher war das Ziel der Eltern eher, dass ihre Kinder sich einpassen konnten in die Gesellschaft. Rücksicht auf andere, Höflichkeit, nicht anecken waren eher das, was Eltern ihren Kindern mitgeben wollten. Ist das nicht aber etwas Gutes? Und im Umkehrschluss: Tut es der Gesellschaft gut, wenn heute allen Kindern erlaubt wird, sich nicht verbiegen zu lassen, um in die Gesellschaft hineinzupassen?

Es ist ja ein Irrglaube, dass Kinder, die nicht verbogen werden, nicht rücksichtsvoll in der Gesellschaft sein können. Ich würde sogar das Gegenteil behaupten: Wer mit Liebe und Respekt wachsen durfte, kann das auch später leichter weitergeben.

Wir können den Gedanken ja auch umdrehen und heute auf unsere Gesellschaft blicken und darauf, wie empathisch wir mit anderen Menschen umgehen, ob Diskriminierung nicht mehr vorkommt, Hass und Gewalt gegenüber marginalisierten Gruppen. Da müssen wir uns dann wohl eingestehen: Die Erziehung, die wir bisher verfolgt haben, hat einen respektvollen Umgang wohl doch nicht so hervorgebracht, wie das wünschenswert wäre. Allerdings gibt es eine Art oberflächlicher Höflichkeit in unserer Gesellschaft: Wir sagen Bitte, Danke, Entschuldigung. Weil wir gelernt haben, dass man das als Floskel gebraucht. Das, was aber dahinter steht, hinter diesen Worten, an echter Bedeutung und Tiefsinnigkeit, haben wir nicht breit gefächert verinnerlicht.

Deswegen: Natürlich ist es für eine Gesellschaft wichtig, dass wir gut und respektvoll miteinander umgehen. Aber dies lernen Kinder eben nicht durch Druck und Gewalt, sondern Anerkennung, Liebe und Respekt. Deswegen tut es einer Gesellschaft sehr gut, wenn wir Kinder dazu befähigen, diese Werte wirklich zu verinnerlichen, indem sie sie selbst erleben.

Du schreibst in deinem Buch viel über Gewalt. Viele Menschen denken bei Gewalt gegen Kinder eher an physische Gewalt wie Ohrfeige, Klapps auf den Po, am Ohr ziehen oder eine Tracht Prügel. Aber du gehst noch weiter und deckst einige Arten von Gewalt auf, die vielleicht nicht allen bewusst sind. Welche sind das?

Gewalt ist ja eigentlich viel mehr als die körperliche Gewalt, auch wenn das das erste ist, woran wir bei diesem Begriff denken. Das mag auch damit zusammenhängen, wie die schädlichen Einflussfaktoren auf Entwicklung erst nach und nach sichtbar wurden und durchgesickert sind in das Bewusstsein und die Gesellschaft.

Heute wissen wir, dass es neben der körperlichen auch psychische Gewalt gibt und die Arten, die wir darunter versammeln, auch allesamt schädlich für die Entwicklung sind. Dazu gehören auch Abwertung, Ablehnung, Einschüchterung, Drohung, Ängstigung und Isolation von Kindern. Auch dann, wenn wir ihnen die eigenen Rechte absprechen oder auch die eigene Körperwahrnehmung, ist das eine Form von psychischer Gewalt.

Du schreibst, dass es auch in Gewalt ausarten kann, wenn Eltern ihre Kinder mit Liebe, Achtsamkeit und Rücksichtnahme geradezu überschütten. Wie das?

Wir hören so oft: Es kann kein Zuviel von Liebe geben. Und das kann es auch nicht, solange es echte Liebe ist, die in gewisser Weise uneigennützig ist. Aber dann, wenn dem Kind Liebe entgegen gebracht wird, um selbst geliebt zu werden, sind wir auf einem falschen Weg. Wenn das Kind nicht im Elternbett schläft, weil das Kind das braucht, sondern die Eltern. Wenn gekuschelt wird, weil Eltern das brauchen.

Und auch dann, wenn wir eigene Belastungen am Kind überkompensieren wollen, wird es schwierig: Wenn wir selber gefährliche, verletzende Erfahrungen gemacht haben und diese Angst dann das Kind in der natürlichen Entwicklung und dem Explorationsverhalten einschränkt. Eltern denken dann: Ich will mein Kind ja nur schützen, weil ich es liebe. Aber ihm die Entdeckung der Welt aufgrund der eigenen schmerzhaften Erfahrungen zu verwehren, ist kein Schutz.


Und auch die Tendenz, das eigene Kind als etwas ganz Besonderes zu sehen, das besser, klüger, hübscher als alle anderen ist, kann problematisch sein, schreibst du.

Ja, da sind wir wieder bei unserem anfänglichen Thema, dass Kinder verbogen werden. Jedes Kind ist gut so, wie es ist. Es hat eigene Vorlieben und Interessen und manchmal haben wir Eltern vielleicht auch Wünsche, aber die stimmen nicht zwangsweise mit dem überein, was das Kind ausmacht. Schnell sind wir verleitet, das Kind in eine Richtung zu biegen, weil sie ja auch noch in gewissem Maße biegsam sind: “Iss das mal nicht, da wirst du dick von.”, “Spiel mal nicht damit, sondern nur damit.”, “Wähle nicht malen als Hobby, sondern lieber Ballett.” - Wir beginnen schon früh, Kinder zu formen. Fraglich ist auch, welchen Einfluss Social Media auch dort schon nimmt. Studien gehen ja bereits dem nach, wie das Schönheitsideal dadurch geprägt wird oder auch Rollenerwartungen. Aber vielleicht haben Abbildungen von Kindern in Social Media ja auch Einfluss auf die Erwartungshaltung der Eltern, gerade was das Aussehen betrifft, aber auch Erwartungen an das Verhalten oder Freizeitbeschäftigungen.

Auch eine Stigmatisierung von Kindern kann problematisch sein, wenn Kinder immer als besonders schön, intelligent, begabt betrachtet werden. Denn das Label kann zu einem ständigen Druck werden.

Ich glaube, jetzt sitzen viele Hörer*innen da draußen und denken: Na toll, wie man‘s macht, macht man‘s falsch! Also lass uns jetzt mal darüber reden, wie man seine Kinder begleitet - und ihnen gesellschaftliche Regeln beibringt - ohne sie zu verbiegen. (Wenn ich das richtig sehe, müssten deine Antwort darauf in etwa sein: *ihren Charakter annehmen auch im Sinne von Förderung und Normierung, *Gefühle wahrnehmen, ernst nehmen, annehmen, *spielen lassen, *miteinander reden. Richtig?)

Der Ansatz klingt eigentlich erstmal ganz leicht: Wir müssen erst einmal erkennen, wie und wer unser Kind ist. Welches Temperament hat es, welche Vorlieben und Abneigungen, und es auf Basis dieses Verständnisses begleiten. Wenn wir beispielsweise ein Kind haben, dass aggressiver ist als andere - und das ist nicht gleich ein “Erziehungsfehler”, sondern die Ausprägung von Aggressivität ist wie viele andere Dinge eben auch genetisch vorgegeben durch die Ausschüttung von Neurotransmittern - dann hilft es uns und dem Kind nicht, wenn wir mit Gewalt versuchen, es dazu zu bringen, dass es weniger aggressiv ist. Einsperren in einem Zimmer, Auszeiten und stille Treppen helfen diesem Kind nicht, schon gar nicht körperliche Gewalt. Gerade Kinder mit einer solchen Ausprägung brauchen Verständnis und einfühlsame Begleitung, um zu lernen, mit ihrer Art gesellschaftsverträglich umzugehen. Über die Begleitung und Regulation durch die Bezugspersonen lernt das Kind dann, wie es sich mit seiner Art gut in der Gesellschaft bewegen kann. Gleiches gilt auch für die Kinder, die beispielsweise sehr zurückhaltend sind und Neuem wenig aufgeschlossen: Die werden wir nicht dazu bringen, gut und offen mit der Gesellschaft umzugehen, wenn wir sie dazu zwingen, allen die Hand zu geben oder sogar Oma und Opa ein Küsschen geben müssen zum Abschied.



Das klingt toll, aber lass uns kurz noch mal konkrete Situationen ansprechen, weil das jetzt vielleicht zu allgemein war:

Beispiel 1: Eltern und Kleinkind sind beim Steuerberater. Dem Kleinkind ist langweilig. Es räumt erst die Handtasche der Mutter aus und verteilt alles auf dem Boden, dann läuft es zur Steckdose und will die Stecker rausziehen. Wie reagieren, ohne zu verbiegen?


Es wird ja oft gedacht, dass Bedürfnisorientierung bedeuten würde, dass Kinder keine Grenzen erleben dürfen. Was natürlich nicht stimmt. Dass Kinder Grenzen erfahren, ist enorm wichtig. Kinder müssen lernen, dass Menschen, Dinge und soziale Systeme Grenzen haben, die geschützt werden müssen. Gleichsam können sie darüber auch lernen, dass auch sie selbst Grenzen haben, die schützenswert sind und respektiert werden müssen.

Aber nun zu dem konkreten Beispiel: Wir müssen erkennen, was das Kind in einer solchen Situation leisten kann und was nicht. Das Kleinkind möchte spielen und explorieren und bricht irgendwann aus der sicheren Basis der Bezugsperson auf, um dem nachzukommen. Wenn wir die Erwartungshaltung haben, dass das Kind einen ganzen Termin lang still auf unserem Schoß sitzen würde, führt eine solche Falschannahme zu Problemen und Druck. Während es vielleicht für die Bezugsperson okay ist, dass das Kind die eigene Tasche ausräumt und mit dem Inhalt spielt, ist es wahrscheinlich für den Steuerberater nicht okay, wenn die Stecker gezogen werden und zudem ist es auch gefährlich. Die Bezugsperson hat also die Aufgabe, das Kind zu schützen und gleichzeitig eine Alternative zu finden, mit der sich das Kind beschäftigen kann. Im Falle einer Steckdose würden wir wahrscheinlich “Nein” sagen, das Kind hochnehmen, wegtragen und dabei erklären, dass mit den Steckern und der Steckdose nicht gespielt werden darf, weil das gefährlich ist bzw. der Steuerberater das Kabel für seinen Computer braucht. Wahrscheinlich müssen wir das auch mehrmals machen, wenn das Kind sich wieder dorthin bewegt, weil es eben einfach neugierig ist. Wir könnten den Steuerberater fragen, ob das Kind stattdessen mit Stift und Papier spielen kann oder er etwas anderes Spannendes hat, womit das Kind gefahrlos spielen kann.

Beispiel 2: Die 13-Jährige weigert sich beharrlich, ihre Homeschoolingaufgaben zu lösen, sie liegt stattdessen auf der Couch und chillt. Die Mutter muss entweder antreiben, bis es zwischen beiden eskaliert (dann arbeitet sie widerwillig), oder es selbst machen, weil sie Angst hat, als Alleinerziehende der Schule negativ aufzufallen.

Zunächst ist die Frage wichtig: Woran liegt es? Warum möchte das Kind jetzt gerade nicht lernen? Sind es die Aufgaben (zu schwer, zu leicht, zu langweilig/immer Arbeitsblätter), ist es fehlende Struktur, ist das Kind psychisch in Mitleidenschaft gezogen durch die Pandemie und Rahmenbedingungen. Wenn wir dem nachgegangen sind, können wir uns mehr mit den Lösungen beschäftigen. Es ist ja ein Irrtum, anzunehmen, dass Kinder zu Hause so lernen würden und könnten wie in der Schule, d.h. die Schulstunden “einfach so” abarbeiten würden, wie sie der Stundenplan vorgibt. Das Setting ist anders, die Lernangebote auch, es fehlt der soziale Austausch, Gruppenarbeit und auch die gesamte Gruppendynamik in Klassen. Auf Seiten der Schulen läuft oft auch falsch, dass die Inhalte dann einfach so an die Lernenden weitergegeben werden, denn die Inhalte müssen eigentlich anders aufbereitet und die Möglichkeiten der Kinder zu Hause in den Blick genommen werden. Hier ist es manchmal möglich, in den Austausch mit anderen Eltern zu gehen “Ist das bei euch auch so?” und dann gemeinsam an die Lehrpersonen heran zu treten, dass der Stoff so nicht umgesetzt werden kann. Ist es nur bei unserem Kind so, lohnt sich auch ein Gespräch mit den Lehrenden. Wer Zeit und Ressourcen hat, kann überlegen, die Inhalte dann noch anders zu ergänzen oder aufzubereiten, beispielsweise indem passende Filme/Videos herausgesucht werden, Bücher per Fernleihe ausgeliehen oder gekauft. Oder das Kind wird animiert, selbst zu recherchieren, wie es sich diese Lerninhalte, die es mit den vorhandenen Materialien nicht lernen kann/möchte, sich anders aneignen kann.

Wichtig ist aber auch hier wieder: Mit Druck, Gewalt und Streit kommen wir nicht weiter und das macht keine gute Lernatmosphäre.

Beispiel 3: Der Sechsjährige will auch bei Minustemperaturen immer ohne Jacke raus.

Ein Klassiker. Natürlich können wir bei einem Sechsjährigen bereits probieren, über das Problem zu sprechen, dass wir, wenn wir auskühlen, empfänglicher sind für die Ausbreitung von Viren und Bakterien. Vor allem aber ist es wichtig, für uns Erwachsene zu wissen, dass allein die Kälte noch keine Erkältung macht - und das ist ja meistens der Grund dafür, dass Eltern Angst haben, wenn die Kinder keine Jacken anziehen.

Wichtig ist dabei aber auch, zu wissen, dass Kinder durchaus Kälte anders empfinden können als wir. Menschen haben eine unterschiedliche Dichte an Kälterezeptoren und unser Temperaturempfinden ändert sich nach Tagesform. Es ergibt keinen Sinn zu sagen “Mir ist kalt, deswegen musst du eine Jacke anziehen!” Sinnvoller ist es, wenn wir einfach die Jacke mit hinaus nehmen und das Kind zur Eigenwahrnehmung anregen: “Wenn dir kalt ist, sag Bescheid und ich geb dir deine Jacke.”

Der Zehnjährige will nur noch den ganzen Tag fernsehen oder zocken und dabei Ungesundes essen. Jeden Tag gibt es Streit, weil er vor dem Fernseher Abendbrot essen will und es darf nur Pizza, Kaiserschmarrn oder Pommes geben, ansonsten isst er es nicht, sondern nimmt sich eine Chipstüte. Die Eltern fühlen sich machtlos.

Wenn wir ehrlich sind: Solche Impulse habe ich doch auch manchmal. Einfach mal so rumhängen und nichts tun und ungesundes Essen essen und fernsehen. Der Unterschied ist, dass ich weiß, dass das auf Dauer weder körperlich noch psychisch gesund ist. Ich kann mir die Folgen davon ausmalen und deswegen besonnen handeln. Bei unseren Kindern ist das noch anders. Deswegen sind wir als Erwachsene ja auch in der Verantwortung, sie zu begleiten und zu schützen. Ein wenig knüpfen wir damit wieder an das erste Beispiel an mit der Frage nach den Grenzen, denn wir Eltern sind ja durchaus in der Verantwortung, gut für unsere Kinder zu sorgen und müssen also auch hier das Verhalten erstmal als Symptom sehen und uns fragen: Was ist da los? Warum ist das so? Ist das nur eine Phase oder langfristig? Und dann können wir auf der Basis davon sehen, was wir machen können: Mehr mit dem Kind zusammen machen, gemeinsame Aktivitäten, die auch spannend sind wie Geocaching? Können wir zusammen kochen? Was also ist das Bedürfnis hinter dem Wunsch? Beim Essen ist es natürlich wichtig, dass wir vorwiegend eine ausgewogene Ernährung anbieten, aber Kinder eben auch einen Umgang mit dem “Ungesunden” lernen. Deswegen ist es wichtig, eine gute Balance im Alltag herzustellen und anzubieten. Und wenn das Kind unzufrieden ist mit unserem Angebot, dann darf es das sein und wir als Eltern müssen auch mit solchen Situationen umgehen, wenn das Kind wütend oder unzufrieden ist. Wir müssen ja nicht beständig nachgeben und alle Wünsche erfüllen als Eltern - Das ist auch wieder ein falsches Verständnis von Bedürfnisorientierung. Viele Eltern sind dazu ja auch gar nicht in der Lage, gerade wenn es Konsumwünsche sind. Es ist wichtig, dass wir als Eltern das Gefühl vermitteln, sicher und wissend zu sein und eben auch einen Rahmen geben, in dem sich das Kind frei bewegen kann.

Beispiel 5: Die Siebenjährige klettert gern und hangelt am liebsten in der U-Bahn an den Haltestangen. Dafür muss sie sich aber erstmal auf den Sitz stellen, um an die Haltestangen zu kommen.

Auch hier müssen wir wieder sehen, wie wir unseren Schutzauftrag als Bindungspersonen in Einklang bringen mit kindlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Normen. Gesellschaftliche Norm wäre ja: man hangelt eigentlich nicht in der U-Bahn umher, die Sitze dürfen nicht mit Schuhen verschmutzt werden und andere Personen dürfen nicht verletzt oder beeinträchtigt werden. Der Schutzaspekt ist: Wie gefährlich ist die Aktion für das Kind, wenn beispielsweise die Bahn abrupt endet. Für das Kind ist vielleicht die Bahnfahrt zu lange und langweilig. Die Frage ist also: Können wir eine Alternative anbieten, um die Fahrt angenehmer zu gestalten? Oder wenn wir ein Kind haben, das wirklich sehr viel Bewegung braucht, überlegen, ob die lange Fahrtstrecke auch mit dem rad unternommen werden kann etc.

Zum Schluss möchte ich nur noch einmal sagen, wie beeindruckend deine letzten beiden Bücher - Mutter sein und "Frei und Unverbogen" - waren. Du bist da in eine eher politische Richtung beim Schreiben gegangen und ich finde das gerade heutzutage gesellschaftlich wichtig. Vielen Dank, dass du der neuen Generation der Eltern deine Stimme und deine Worte leihst! Wenn ihr "Frei und unverbogen" gewinnen möchtet, schreibt uns einfach eine Mail mit dem Betreff "Frei und unverbogen" an [email protected] Die Verlosung endet am 01.05.2021.

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