Geschwister begleiten: Liebe, Streit, Fairness und Zusammenhalt - Podcast mit Dr. Martina Stotz

Geschwister sind etwas Wunderbares. Sie wachsen gemeinsam auf, teilen Geheimnisse, erfinden Spiele, bauen Welten, die nur sie verstehen. Und sie bringen sich gegenseitig auf die Palme wie niemand sonst. Kaum eine Beziehung im Leben ist so eng, so liebevoll, so konfliktgeladen. Vielleicht kennst du das auch: Du sitzt im Nebenzimmer, hörst erst Kichern, dann ein lautes „Mamaaa, er hat mich gehauen!“ und denkst dir: Warum können sie nicht einfach mal fünf Minuten friedlich spielen?

Das Schwierige an der Geschwisterbeziehung ist, dass sie zwei Grundbedürfnisse in uns allen berührt, die scheinbar gegeneinander stehen. Wir wollen dazugehören und geliebt werden, aber wir wollen auch einzigartig und wichtig sein. Genau in diesem Spannungsfeld leben Geschwisterkinder. Sie ringen ständig darum, gesehen zu werden, und vergleichen sich unbewusst miteinander. Nicht, weil sie gemein sind, sondern weil sie spüren, dass Zuwendung und Liebe die wichtigste Währung in ihrer kleinen Welt sind. Darüber sprechen wir in unserer Podcastfolge mit Dr. Martina Stotz. Sie hat das Buch "Geschwisterkinder – Streit, Fairness, Zusammenhalt – kompetente Lösungen für mehr Harmonie im Familienalltag"* geschrieben.


 
Eifersucht, Neid und Konkurrenz gehören deshalb ganz natürlich dazu. Kinder wollen spüren, dass sie sicher gebunden sind. Wenn das Geschwisterchen mehr Nähe bekommt, kann das wie ein kleiner Stich ins Herz sein. Diese Gefühle sind kein Zeichen von Misslingen, sondern ein Zeichen von Entwicklung. Wenn wir sie ernst nehmen, können Kinder daran wachsen. Eltern, die ihre Kinder durch Konflikte begleiten, schenken ihnen die vielleicht wichtigste Fähigkeit überhaupt: Frieden zu lernen.

Oft glauben wir, dass wir Geschwisterstreit lösen müssen. Dass wir eingreifen und entscheiden müssen, wer recht hat. In Wahrheit brauchen Kinder aber vor allem Orientierung und Halt. Sie wollen wissen, dass wir da sind und dass sie sicher sind. Nicht selten steckt hinter einem Schlag oder einem Wutanfall kein böser Wille, sondern ein unausgesprochenes „Sieh mich! Ich will dazugehören!“. Wenn wir das verstehen, verändert sich der Blick auf Streit völlig.

Martina spricht in ihrer Arbeit von einem Haus der Geschwisterliebe. Ein Haus, das wir Eltern bauen, Stein für Stein. Sein Fundament sind wir selbst. Wenn wir gestresst, müde oder überfordert sind, wackelt das ganze Gebäude. Das Erdgeschoss besteht aus der Bindung zu jedem einzelnen Kind, der erste Stock aus der Beziehung zwischen uns Eltern, und darüber kommen all die Einflüsse des Alltags. Manchmal fühlt es sich an, als würde das ganze Haus im Sturm stehen. Und dann hilft es, sich daran zu erinnern, dass kein Haus perfekt gebaut ist und dass Risse dazugehören.

Was Kindern in solchen Momenten hilft, sind klare und liebevolle Grenzen. Nicht Härte, sondern Halt. Statt zu schimpfen, können wir sagen: „Stopp, ich sehe, dass du wütend bist, aber ich beschütze euch beide.“ Wenn wir ruhig bleiben, zeigen wir unseren Kindern, dass sie sicher sind, selbst wenn es kracht. Und wenn wir uns nach einem Streit wieder verbinden, lernen sie, dass Liebe stärker ist als Wut.

Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Elternsein mit mehreren Kindern ist fordernd. Wir sind müde, ständig gefragt, immer im Einsatz. Und dann sollen wir auch noch geduldig und empathisch bleiben. Es ist okay, wenn das nicht immer klappt. Wichtig ist nicht, dass wir nie laut werden, sondern dass wir immer wieder zurückkehren. Dass wir sagen: „Das war zu heftig, es tut mir leid.“ Kinder lernen am meisten aus dem, was wir vorleben, nicht aus dem, was wir sagen.

Und Humor hilft. Wirklich. Wer mitten im Geschwisterchaos mal lachen kann, entspannt die Lage sofort. Manchmal reicht ein Augenzwinkern oder ein albernes Kissen-Duell, um die Energie zu verwandeln. Denn Kinder lieben Nähe und Leichtigkeit.

Am Ende geht es nicht darum, Geschwisterfrieden herzustellen, sondern Geschwisterliebe zu ermöglichen. Das bedeutet, dass Konflikte ihren Platz haben dürfen, dass Gefühle willkommen sind und dass jedes Kind weiß: Ich werde geliebt, so wie ich bin. Wenn wir das vermitteln, dann wächst aus Rivalität Verbindung und aus Konkurrenz Zusammenhalt.

Und irgendwann, wenn du sie eines Tages beobachtest, wie sie sich gegenseitig trösten, wirst du wissen, dass sich all die anstrengenden Stunden gelohnt haben. Dann siehst du, dass sie gelernt haben, was du ihnen jeden Tag vorgelebt hast: dass Liebe immer größer ist als Streit.

Mehr darüber könnt ihr auch in "Das Geschwisterbuch"* von uns lesen. 


Mehr über Martinas Arbeit erfahrt ihr auf ihrer Webseite, bei Instagram und in ihrem Podcast.

Wir erwähnten folgende Podcast-Folgen: Folge 154 unseres Podcasts mit Martina "Bindung und Urvertrauen aufbauen und stärken" und Danielle zu Gast in Martinas Podcast: "Kinder beim sauber werden liebevoll begleiten".

Kindliche Sexualität verstehen und kindgerecht erklären - Podcast mit Magdalena Zidi

Kindliche Sexualität ist ein Thema, das viele Eltern verunsichert. Es taucht oft früher auf, als man erwartet, und bringt Fragen mit sich, für die es in vielen Familien bisher keine Sprache gab. Dabei ist kindliche Sexualität ein ganz normaler Teil der Entwicklung. Kinder kommen mit einem Körper auf die Welt, den sie spüren, erforschen und über den sie lernen wollen. Neugier, Lustempfinden und das Interesse am eigenen Körper bedeuten dabei nichts Sexuelles im erwachsenen Sinn, sondern sind Ausdruck von Entwicklung, Selbstwahrnehmung und Lernen.

In dieser Podcastfolge mit der Sexualpädagogin Magdalena Heinzl, basierend auf ihrem Buch „Was kribbelt da so schön?“, geht es genau um diese Unterscheidung. Kindliche Sexualität meint nicht Sexualität zwischen Erwachsenen, sondern körperliches Erleben, Nähe, Neugier und das Bedürfnis nach angenehmen Empfindungen. Schon Babys erleben Lust zum Beispiel beim Trinken, Kuscheln oder Saugen. Kleinkinder entdecken ihren Körper weiter, berühren sich selbst, vergleichen Körper und stellen Fragen. All das ist normal und gesund.

Für viele Eltern wird es schwierig, wenn diese Entdeckungen sichtbar werden. Wenn Kinder sich an den Genitalien berühren, laut Fragen stellen oder im Spiel Beziehungssituationen nachahmen, reagieren Erwachsene oft mit Scham, Unsicherheit oder dem Wunsch, das Thema schnell zu beenden. Genau hier ist es wichtig, innezuhalten und sich bewusst zu machen, dass die eigene Reaktion prägend ist. Beschämung, Abwertung oder ein striktes Verbot vermitteln Kindern, dass ihr Körper oder ihre Neugier etwas Falsches ist. Begleitung heißt nicht, alles zu erlauben, sondern Orientierung zu geben, ruhig zu bleiben und Grenzen verständlich zu erklären.

Eine große Rolle spielt dabei Sprache. Kinder brauchen klare Begriffe für ihren Körper. Penis, Vulva oder Vagina sind keine schlimmen Wörter, sondern helfen Kindern, ihren Körper einzuordnen und darüber zu sprechen. Verniedlichungen mögen gut gemeint sein, können aber dazu führen, dass Kinder keinen passenden Wortschatz haben, wenn sie etwas erzählen oder Hilfe brauchen. Sprache ist auch ein wichtiger Schutzfaktor. Kinder, die ihren Körper benennen können und wissen, was sich gut anfühlt und was nicht, können ihre Grenzen besser ausdrücken.

Ein zentraler Punkt aus dem Buch und dem Gespräch ist die Verbindung zwischen sexueller Bildung und Prävention. Prävention beginnt nicht mit einem einmaligen Gespräch oder einem Buch, sondern im Alltag. Sie zeigt sich darin, dass Kinder ernst genommen werden, dass ihre Gefühle zählen und dass sie lernen dürfen, Nein zu sagen. Gleichzeitig lernen sie, die Grenzen anderer zu respektieren. Sexualpädagogische Begleitung bedeutet deshalb auch, Beziehungskompetenz zu fördern, Empathie zu stärken und Machtverhältnisse bewusst zu machen.

Auch Doktorspiele gehören zur kindlichen Entwicklung. Kinder erkunden dabei ihren eigenen Körper und den anderer, aus Neugier und ohne sexuelle Absicht. Entscheidend ist, dass diese Spiele freiwillig, gleichberechtigt und altersangemessen stattfinden. Eltern müssen nicht eingreifen, solange diese Bedingungen erfüllt sind. Wichtig ist aber, mit den Kindern über Regeln zu sprechen, über Privatsphäre, über das Recht, jederzeit aufzuhören, und darüber, dass bestimmte Handlungen nur in geschützten Räumen stattfinden.

Ein weiterer Aspekt, der viele Eltern beschäftigt, ist der Umgang mit Medien. Kinder kommen heute oft früher mit sexualisierten Inhalten in Kontakt, als Erwachsene denken. Das lässt sich nicht immer verhindern, aber begleiten. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein, ruhig zu reagieren und dem Kind Raum für Fragen zu geben. Aufklärung bedeutet auch hier, Sicherheit zu vermitteln und einzuordnen, was gesehen wurde.

Magdalena Heinzl betont außerdem, wie wichtig es ist, dass Eltern sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen. Viele Unsicherheiten entstehen nicht durch das Verhalten der Kinder, sondern durch eigene Erfahrungen, Tabus oder Schamgefühle. Wer sich darüber bewusst wird, kann anders reagieren, weniger impulsiv und mehr im Kontakt mit dem Kind. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern präsent und lernbereit.

Kindliche Sexualität zu begleiten heißt, Kinder in ihrer Entwicklung ernst zu nehmen. Es heißt, Fragen zuzulassen, Antworten zu suchen und sich selbst ebenfalls auf den Weg zu machen. Das Buch „Was kribbelt da so schön?“ von Magdalena Heinzl bietet dafür eine fundierte, verständliche und sehr alltagsnahe Grundlage. Es macht Mut, offen zu bleiben, auch dann, wenn es sich ungewohnt anfühlt, und zeigt, dass Aufklärung kein einmaliges Gespräch ist, sondern ein Prozess, der mit Beziehung, Vertrauen und Haltung zu tun hat.

Musterbruch – warum Gleichberechtigung mit uns selbst beginnt - Podcast mit Patricia Cammarata

Gleichberechtigung ist längst kein Randthema mehr. Die meisten Menschen würden unterschreiben, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte, Chancen und Möglichkeiten haben sollten. Und trotzdem sieht der Alltag oft ganz anders aus. Sorgearbeit bleibt an Frauen hängen, mentale Verantwortung ebenso, und selbst in vermeintlich modernen Partnerschaften reproduzieren sich alte Rollenbilder erstaunlich hartnäckig.

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Patricia Cammarata über genau diese Widersprüche. Über das, was wir eigentlich wissen, und das, was wir trotzdem tun. Über Muster, die nicht nur gesellschaftlich existieren, sondern tief in uns selbst verankert sind. Patricia hat darüber das wirklich tolle Buch "Musterbruch"* geschrieben. 


Kein Wissensproblem sondern ein Handlungsproblem

Ein zentraler Gedanke, der sich durch das Gespräch zieht, ist die Erkenntnis, dass Gleichberechtigung nicht am fehlenden Wissen scheitert. Die meisten Paare wissen, dass Sorgearbeit ungleich verteilt ist. Viele wissen auch, dass das unfair ist. Und trotzdem ändert sich wenig.

Warum das so ist, liegt nicht an mangelndem guten Willen, sondern daran, dass Gleichberechtigung weit mehr berührt als Organisation. Es geht um Identität, Sicherheit und Zugehörigkeit. Wer Rollen verlässt, riskiert Reibung, in der Partnerschaft, im Umfeld und in der eigenen Familie. Gegen den Strom zu leben fühlt sich oft nicht nach Freiheit an, sondern nach Anstrengung und Rechtfertigung.

Sorgearbeit und mentale Last als unsichtbares Fundament

Besonders deutlich wird das beim Thema Sorgearbeit. Selbst wenn beide Eltern gleich viel arbeiten oder Frauen die Hauptverdienerinnen sind, übernehmen sie weiterhin den Großteil der Verantwortung. Planung, Organisation, emotionale Begleitung und Vorausdenken bleiben häufig weiblich konnotiert.

Das Problem ist dabei nicht individuelle Bequemlichkeit, sondern ein System, das diese Arbeit abwertet und gleichzeitig als selbstverständlich voraussetzt. Sorgearbeit gilt als privat, als Ausdruck von Liebe, als etwas, das eben dazugehört. Solange das so bleibt, wird sich strukturell wenig verändern.

Weiblicher Selbstwert und die Fixierung auf Aussehen

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage, warum weiblicher Selbstwert so eng mit dem eigenen Aussehen verknüpft ist. Viele Frauen wissen rational, dass ihr Wert nicht von Attraktivität abhängt, und fühlen sich trotzdem ständig unzureichend.

Diese Fixierung beginnt früh. Mädchen lernen sehr schnell, dass sie gesehen, bewertet und verglichen werden. Dass Schönheit Türen öffnen kann. Und dass Nichtgefallen ein Risiko ist. Eine feministische Perspektive bedeutet hier nicht, alle Körper schön zu finden, sondern Schönheit als Maßstab grundsätzlich infrage zu stellen.

Romantische Liebe und emotionale Abhängigkeit

Auch romantische Liebe wird im Gespräch kritisch betrachtet. Nicht, weil Nähe oder Partnerschaft problematisch wären, sondern weil sie für Frauen oft als zentraler Lebenssinn erzählt werden. Alleinsein gilt schnell als Defizit, Partnerschaft als Beweis von Wert und Gelingen.

Diese Erzählung schafft Abhängigkeit, emotional wie strukturell. Sie erschwert gleichberechtigte Beziehungen und verengt den Blick darauf, wo Nähe, Geborgenheit und Zugehörigkeit entstehen können. Freundschaften, Wahlfamilien und solidarische Gemeinschaften bleiben dabei häufig unterbewertet.

Solidarität statt Konkurrenz

Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Frage nach Solidarität unter Frauen. Frauen werden gesellschaftlich früh in Konkurrenz zueinander gebracht, um Anerkennung, Sicherheit und Aufmerksamkeit. Das führt dazu, dass patriarchale Strukturen nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen mitgetragen werden.

Solidarität bedeutet hier nicht Einigkeit um jeden Preis. Sie beginnt dort, wo wir anderen Frauen nicht automatisch misstrauen, wo wir ihnen Erfolg zugestehen und uns nicht selbst abwerten müssen, um dazugehören zu dürfen. Es geht darum, Raum nicht als knappes Gut zu begreifen.

Kinder Grenzen und frühe Prägungen

Das Gespräch macht deutlich, wie früh diese Muster weitergegeben werden. Wenn Mädchen lernen, Übergriffe zu relativieren oder eigene Grenzen zu ignorieren, weil das angeblich Liebe sei, werden Grundlagen für spätere Abhängigkeiten gelegt. Gleichberechtigung beginnt deshalb nicht erst in erwachsenen Beziehungen, sondern in der Art, wie wir mit Kindern über Gefühle, Körper und Nähe sprechen.

Das Private ist politisch

Am Ende wird klar, dass all diese Themen keine rein privaten Fragen sind. Wer Sorgearbeit übernimmt, wer verzichten kann, wer sich absichert und wer sichtbar bleibt, ist strukturell geprägt. Gleichberechtigung lässt sich nicht allein individuell lösen, aber sie beginnt im Alltag.

Musterbruch heißt nicht, alles richtig zu machen. Es bedeutet hinzuschauen, Routinen zu hinterfragen und sich Schritt für Schritt aus alten Erwartungen zu lösen, auch wenn das unbequem ist. Veränderung beginnt dort, wo wir aufhören, Ungleichheit als normal hinzunehmen.

Mehr über Patricia erfahrt ihr auf ihrem Blog Das Nuf oder bei Instagram.

Patricia war bei uns im Podcast auch schon in Folge 6 "Digitale Medien" und Folge 46 "Mental Load" zu Gast.

 
 

Kinderosteopathie - Wunderhände oder Wunschdenken? - Podcast mit Dr. med. Pierre Teichmann

Irgendwann hört fast jedes Elternteil: „Geh doch mal mit dem Baby zur Osteopathin, das hilft bestimmt!“ Aber was steckt eigentlich hinter der Kinderosteopathie? Welche Versprechen werden gemacht und was ist wissenschaftlich belegbar? In unserer neuen Podcastfolge haben wir mit Dr. med. Pierre Teichmann genau darüber gesprochen. 

Pierre erklärt, wie die Osteopathie überhaupt entstanden ist und wie hat sich daraus die Kinderosteopathie entwickelt hat. Welche Konzepte stehen dahinter und warum erscheinen Begriffe wie „Blockaden“ oder „Symmetriestörungen“ für Eltern so plausibel? Ein zentrales Thema ist das KiSS Syndrom, über das viele Eltern schon gehört haben. Wir klären, was genau darunter verstanden wird und wie es aus wissenschaftlicher Sicht einzuordnen ist. Außerdem beleuchten wir, welche Rolle Osteopathen bei der Diagnose und Behandlung solcher Auffälligkeiten tatsächlich spielen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die wissenschaftliche Bewertung der Kinderosteopathie. Gibt es Studien, die den Nutzen belegen zum Beispiel bei exzessivem Schreien oder Entwicklungsauffälligkeiten? Wir sprechen über Risiken und Nebenwirkungen und erklären, warum positive Erfahrungen von Eltern nicht automatisch bedeuten, dass die Methode wirkt.

Auch die Ausbildung und das Berufsbild von Osteopathen steht auf dem Prüfstand: Wer darf sich Kinderosteopath nennen, welche Qualifikationen gibt es und wo liegen die Grenzen des Berufs? Wir geben praktische Orientierung für Eltern: Worauf sollte man achten bevor man mit dem Baby eine Praxis aufsucht? Welche Anlaufstellen gibt es neben der Osteopathie und wie lässt sich seriöse Information von reinen Versprechen unterscheiden?

Die Folge gibt einen fundierten alltagsnahen Einblick in ein Thema, das viele Eltern beschäftigt, ohne zu beschönigen oder Angst zu machen. Wer neugierig ist, wie Osteopathie tatsächlich wirkt und was man im Alltag beachten sollte, wird viele Antworten mitnehmen.

Die innere Stimme unserer Kinder - wie Sprache Beziehung formt - Podcast mit Alina Sahl

„Jetzt reicht’s!“, „Stell dich nicht so an!“ oder „Wenn du das noch einmal machst, dann…“  Viele dieser Sätze rutschen uns im Alltag einfach so raus. Ohne böse Absicht, oft sogar gut gemeint. Aber was bleibt bei unseren Kindern eigentlich wirklich hängen?

In unserer neuen Podcastfolge sprechen wir mit der Psychologin, Familiencoachin und Expertin für Gewaltfreie Kommunikation Alina Sahl über die Kraft unserer Sprache und wie sie sich auf die Beziehung zu unseren Kindern auswirkt. Es geht um kleine Sätze mit großer Wirkung. Um Alltagsformulierungen, die wir längst verinnerlicht haben. Und darum, wie wir bewusster, liebevoller und gleichzeitig klarer mit unseren Kindern sprechen können. 

Denn das, was wir unseren Kindern sagen, wird oft zu ihrer inneren Stimme. Wenn ein Kind regelmäßig hört „Du bist zu sensibel“ oder „Das schaffst du sowieso nicht“, verinnerlicht es nicht nur diese Aussagen, es beginnt, sich selbst durch diese Brille zu sehen. Sprache prägt Selbstwert, Selbstbild und die Beziehung zu sich selbst. Verletzende Sprache ist oft normalisiert

Alina beschreibt in der Folge sehr anschaulich, wie tief sprachliche Gewalt im Alltag verwurzelt ist und wie wenig sie uns manchmal auffällt. Drohungen, Bewertungen, Abwertungen, scheinbar harmlose „Erziehungssätze“, all das kann Kinder nachhaltig verunsichern, selbst wenn es nicht böse gemeint ist. Besonders dann, wenn sie regelmäßig vorkommen. Sprache ist ein Beziehungsgestalter. Sie kann Nähe schaffen oder Distanz. Verbindung oder Kontrolle. Und sie entscheidet mit darüber, wie sicher sich ein Kind bei uns fühlt, gerade in schwierigen Momenten.

Statt „Hör jetzt auf!“, könnte ein Satz wie „Ich sehe, dass es dir gerade schwerfällt“ das Kind nicht nur in seinem Gefühl abholen, sondern auch helfen, gemeinsam einen Ausweg zu finden. Es geht dabei nicht um perfekte Kommunikation, sondern um echtes Interesse, Empathie und das Bedürfnis, verstanden zu werden.

In der Folge sprechen wir auch über typische Alltagssätze, die mehr verletzen als helfen, Alternativen zu Drohungen und Beschämung, den Zusammenhang zwischen Sprache und Selbstwert, wie unser Bildungssystem die innere Stimme mitformt und warum es so schwer sein kann, alte Sprachmuster zu durchbrechen. Alina zeigt, wie kleine Veränderungen in unserer Sprache große Wirkung entfalten können und warum es sich lohnt, dranzubleiben, auch wenn es nicht sofort „perfekt“ läuft.

Am Ende bleibt eine wichtige Erkenntnis: Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Aber sie brauchen Eltern, die bereit sind hinzuschauen. Die sich trauen, Verantwortung für ihre Worte zu übernehmen 
und die zeigen: Ich kann es auch anders sagen. Weil du mir wichtig bist.

Sologlück - Empowerment für Alleinerziehende - Podcast mit Elisabeth Knoblauch

Alleinerziehend zu sein bedeutet für viele Menschen, ständig im Spannungsfeld zwischen Verantwortung, Erwartungen und Erschöpfung zu leben. Obwohl in Deutschland rund jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie ist, bleibt diese Lebensrealität im gesellschaftlichen Diskurs oft randständig. In unserer aktuellen Podcastfolge sprechen wir mit Elisabeth Knoblauch. Sie ist Diplom-Politologin, alleinerziehende Mutter und Autorin des Buches „Sologlück – Empowerment für Alleinerziehende“*. 

In unserem Gespräch geht es nicht um Durchhalteparolen oder Heldinnengeschichten, sondern um einen realistischen, wertschätzenden Blick auf das Leben als Soloparent. Ein zentrales Thema der Folge ist der defizitorientierte Blick, der Alleinerziehenden noch immer entgegenschlägt. Elisabeth beschreibt eindrücklich, was es mit Menschen macht, wenn ihre Lebensform permanent als Mangelmodell gelesen wird und warum es so wichtig ist, sich innerlich davon zu lösen. Alleinerziehende müssen nicht alles schaffen, sie müssen vor allem nicht alles alleine schaffen.

Gleichzeitig sprechen wir über die Stärken, die viele Eltern erst entdecken, wenn sie alleine erziehen. Klarheit, Entscheidungsfähigkeit, eine enge Beziehung zum Kind und das Vertrauen in die eigene Kompetenz wachsen oft genau aus dieser Situation heraus. Dabei wird auch deutlich, wie unterschiedlich Ein-Eltern-Familien sind  und dass es „die eine“ Realität des Alleinerziehens nicht gibt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Netzwerke. Freundschaften, Wahlfamilien und unterstützende Strukturen spielen eine zentrale Rolle, wenn klassische Paarmodelle wegfallen. Elisabeth erzählt, wie tragende Beziehungen entstehen können, warum Hilfe annehmen kein Scheitern ist und weshalb Selbstfürsorge mehr bedeutet als ein freier Abend.

Auch die Beziehung zum Kind steht im Fokus: Wie verändert sie sich, wenn nur ein Elternteil Verantwortung trägt? Welche Chancen können darin liegen? Und was bedeutet „Beziehung statt Erziehung“ ganz konkret im Alltag, wenn die eigenen Ressourcen begrenzt sind?

Nicht zuletzt werfen wir einen Blick auf politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Welche strukturellen Veränderungen brauchen Ein-Eltern-Familien dringend? Was fehlt im öffentlichen Diskurs über Elternschaft? Und wie könnte eine echte Anerkennung dieser Familienform aussehen – jenseits von Mitleid und Bewunderung?