Folgemilch - sind 2er, 3er und Kindermilch ungesund?


Regal mit Folgemilch in der DrogerieFragt man das Internet, was von Folgemilch - also 2er, 3er oder Kindermilch - zu halten ist, ist der Tenor ziemlich einhellig: "Unsinn" rufen die einen, "ungesund" oder  "Geldmacherei" die anderen. Auf jeden Fall seien Folgemilchen vollkommen unnötig - so das vernichtende Urteil. Als Gründe werden genannt: Zu viel Zucker, unnötige Aromen und Zusätze. 

Zunächst noch eine Anmerkung vorab: Folgemilchen sind für die Ernährung eines Kleinkindes grundsätzlich nicht erforderlich - man kann und sollte während der kompletten Fläschchenzeit Pre-Nahrung oder 1er Milch füttern - diese sind der Muttermilch am ähnlichsten. So lange also die Anfangsmilch ausreichend sättigt, sollte sie immer die erste Wahl sein! 

Manche Kinder scheinen jedoch irgendwann nicht mehr ausreichend satt zu werden und verlangen mit 6 bis 12 Monaten oder im zweiten Lebensjahr nachts mehrere Flaschen - teilweise bis zu sechs insgesamt. Da die Zubereitung vonm Flaschennahrung die Schlafqualität wesentlich stärker beeinflusst, als nächtliches Stillen, kann man erwägen (frühestens ab dem siebenten Lebensmonat), eine sättigendere Folgemilch zu füttern. 

Ob diese tatsächlich so schlecht ist wie ihr Ruf, wollte ich mal genauer wissen.

Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur Kindermilch 


Im Jahr 2011 untersuchte das Bundesinstitut für Risikobewertung Kindermilch verschiedener Hersteller. Das Ergebnis ist in zwei Stellungnahmen (diese und diese) zusammengefasst - dort heißt es unter anderem:  
"Im Handel werden Milchgetränke für Kleinkinder angeboten, die als Kleinkindermilch oder Kindermilch bezeichnet werden. Die Hersteller dieser Produkte werben häufig damit, dass die Produkte in ihrer Zusammensetzung – im Gegensatz zu Kuhmilch – auf den Nährstoffbedarf von Kleinkindern abgestimmt seien. Sie beziehen sich dabei neben dem Proteingehalt auf die Mikronährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe). Die Gehalte an Vitaminen und Mineralstoffen in Kleinkindermilchgetränken unterscheiden sich teilweise deutlich von denen in Kuhmilch.

Aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sollten die für Kuhmilch charakteristischen Mikronährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe) in Kleinkindermilch grundsätzlich in vergleichbaren Mengen enthalten sein. Grund: Ist ein Mikronährstoff in Kleinkindermilch in geringerer Menge als in Kuhmilch vorhanden, würde die notwendige Zufuhr ungünstigerweise verringert. Ist er hingegen in höheren Mengen enthalten, führt dies zu einer ebenso ungünstigen unkontrollierten Zufuhr. Selbst bei Natrium, das Kleinkinder üblicherweise in sehr hohen Mengen mit der Nahrung aufnehmen, und bei dem eine geringere Zufuhr durchaus wünschenswert wäre, wird durch den Austausch von Kuhmilch durch natriumärmere Kleinkindermilch keine bedeutende Reduzierung der Gesamtzufuhr und somit kein gesundheitlicher Nutzen erzielt.
Nach Auffassung des BfR werden in einer ausgewogenen Kinderernährung keine besonderen Milchprodukte für Kleinkinder benötigt. Auch wenn manche Gruppen von Kleinkindern mit einigen Mikronährstoffen nicht optimal versorgt sind, kann dies nicht durch den Ersatz von Kuhmilch durch Kleinkindermilch ausgeglichen werden, deren Verzehr nicht steuerbar ist."
Um es festzuhalten, die Kernfeststellungen sind also: Der Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen in der Kindermilch unterscheidet sich deutlich von denen der Kuhmilch. So weit, so nachvollziehbar. Es wird empfohlen, dass der Gehalt dieser Nährstoffe in Kindermilch sich an dem der Kuhmilch orientieren sollte. Weil: Wäre in Kindermilch weniger, wird die "notwendige Zufuhr ungünstigerweise verringert", ist der Nährstoff in höheren Mengen enthalten, führt dies zu einer "unkontrollierten Zufuhr". Weil der Verzehr der Kleinkindermilch "nicht steuerbar" sei (verwirrt nur mich das?)

Leider wird bei der Betrachtung des BfR eines vollkommen ignoriert: Milch - sei es von der Kuh, dem Menschen oder vom Nashorn - ist immer optimal auf die Bedürfnisse des Kälbchens, des Säuglings oder des Nashornbabys abgestimmt - die Zusammensetzungen unterscheiden sich gravierend nach den Erfordernissen der Babys.

Wer also sagt, dass KUHmilch (an der sich die Kindermilch doch bitte laut BfR idealerweise orientieren sollte) ideal für MENSCHENkinder ist? Sollte man nicht meinen, dass als Vergleichsmaßstab doch MENSCHENmilch dienen sollte? Erst wird in einem aufwändigen Prozess Kuhmilch bei den Anfangsmilchen Pre und 1 der Muttermilch angeglichen und bei den Folgemilchen moniert das BfR, dass sie der Kuhmilch nicht ähnlich genug sind?

Schauen wir uns doch mal die Zusammensetzung der einzelnen Milcharten an:
Vergleich Muttermilch, Kuhmilch und Kindermilch
Vergleich von Muttermilch, Kuhmilch und Kindermilch

In Bezug auf den Kalorien-, Eiweiß- und den Kohlenhydrategehalt ist die Kindermilch der Muttermilch ähnlicher, als Kuhmilch, ebenso bei allen Mineralstoffen und bei 10 von 14 Vitaminen. Bei den Spurenelementen hingegen ist Kuhmilch der Muttermilch ähnlicher - hier ist die Bioverfügbarkeit z. T. schlechter, so dass sie der Kindermilch in höheren Mengen zugesetzt werden. Zu einigen der Nährstoffe ein paar genauere Ausführungen:

Eiweiß 


Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt eine maximale Eiweißzufuhr bei Kindern zwischen 1 und 4 Jahren von 1 g je Kilogramm Körpergewicht. Das Durchschnittsbaby wiegt mit einem Jahr etwa 10 Kilogramm - das bedeutet, dass es pro Tag ungefähr max. 10 g Eiweiß verzehren soll. Die Empfehlungen für den Verzehr von Milchprodukten in diesem Alter lautet: maximal 350 ml /g pro Tag. Trinkt das Kind diese 350 ml allein als Kuhmilch, dann nimmt es dadurch 11,55 g Eiweiß zu sich - liegt also allein damit in der Regel schon über der maximal empfohlenen Menge

Gibt es nicht nur Milch sondern auch Milchprodukte, wird es noch kritischer - Joghurt enthält bis zu 4,8 g Eiweiß je 100g, Quark bis zu 13 g, ein Ei 13 g, Käse bis zu 30 g, Wurst bis zu 24 g - ebenso wie Fleisch. Selbst Brot hat einen Eiweißgehalt von 5 - 10 g je 100 g, dazu kommt Butter, Frischkäse... etc.


Schaut man sich Kuh- und Kindermilch an, stellt man fest, dass Kuhmilch 3,3 g Eiweiß/100 ml enthält, Kindermilch jedoch nur 1,5 g. Ergibt bei 350 g entweder 11,55 g Eiweiß oder nur 5,25 g - ein für mich deutlicher und wesentlicher - wenn nicht gar der entscheidende - Unterschied.

In der Stellungnahme des BfR heißt es dazu:
"Ob ein reduzierter Proteingehalt in Kleinkindermilch im Vergleich zu Kuhmilch im Rahmen der Gesamternährung zu einer signifikanten Reduzierung der Proteinzufuhr pro Tag führt, ist zu bezweifeln. Ferner liegern zurzeit keine hinreichenden wissenschaftlichen Beweise dafür vor, dass eine Verringerung der Proteinzufuhr im Kleinkindalter zu einer Reduzierung des Risikos für Übergewicht und Adipositas im späteren Kindesalter führt."

Nun - das scheinen andere - unter anderem die DGE anders zu sehen - zum Beispiel hier.

Natrium 


In der Stellungnahme des BfR heißt es:

"Mit Blick auf die Frage, ob es Mineralstoffe gibt, bei denen ein im Vergleich zu Kuhmilch verringerte Gehalt sinnvoll erscheint, ist festzustellen, dass eine Reduzierung der Zufuhr von Natrium grundsätzlich zu begrüßen ist, weil Kleinkinder eine Natriumzufuhr weit über den Referenzwerten aufweisen. Kuhmilch leistet jedoch einen vergleichsweise geringen Beitrag zur Natriumzufuhr. Durch den Austausch von Kuhmilch durch natriumärmere Kleinkindermilch würde daher keine bedeutende Reduzierung der Gesamtnatriumzufuhr pro Tag erzielt werden."

Kuhmilch enthält 48 mg Natrium pro 100 ml, Kindermilch nur knapp die Hälfte mit 26 mg - wenn also 350 ml Milch verzehrt werden, wären das mal eben durch die Kindermilch 66 mg Natrium weniger (pro Tag werden von der DGE max. 300 mg Natrium empfohlen). Mit der Milchmenge statt 56% des Tagesgrenzwertes an Natrium nur 30% zu erreichen, finde ich persönlich nicht so unerheblich.
Das BfR rechnet einfach ein bisschen anders - Kinder nehmen ohnehin etwa 1000 mg Natrium zu sich (also schon mehr als das Dreifache der Empfehlung) - davon sind die 168 g durch die Kuhmilch dann ja nur 12%. Interessante Betrachtungsweise. Um es ganz eindeutig zu sagen: In Bezug auf den Natriumgehalt ist Kindermilch der Kuhmilch ohne jeden Zweifel überlegen - wenn auch das BfR das scheinbar nur widerstrebend zugeben will.

Calcium 


Kuhmilch - das hebt das BfR besonders hervor - enthält mit 120 mg  überdurchschnittlich viel Calcium. Das ist bei kleinen Kälbern und dem schnellen Wachstum des Knochengerüstes auch essentiell wichtig: ein Kalb verdoppelt sein Gewicht in 45 Tagen - Menschen brauchen 6-8 Monate dazu. Beim Menschen ist die Milchzusammensetzung eher für das Wachstum des Gehirns (was bei Kälbchen nicht vorrangig zum Überleben wichtig ist) ausgelegt. Wäre ein hoher Calciumgehalt erforderlich, wäre er auch in der menschlichen Muttermilch entsprechend hoch. Ist er mit knapp 32 mg/100 ml aber nicht.

Der Tagesbedarf an Calcium liegt für Kinder von 1 - 4 Jahren bei 600 mg pro Tag - werden 350 ml Kuhmilch getrunken, nimmt das Kind 420 mg zu sich (die Bioverfügbarkeit liegt bei etwa 30% - tatsächlich verfügbar sind also 126 g) - bei Kindermilch sind es "nur" 300 mg (davon bioverfügbar sind 90 g). Es "fehlen" also bei Kindermilch bioverfügbare 36 g - insgesamt gerade mal 6 % des Gesamttagesbedarfes. Die Bioverfügbarkeit von Calcium bei Gemüse ist mit 50 - 60 % deutlich höher als bei Milch - um also die angeblich der Kindermilch "fehlende" Menge ersetzen wollen, würden 200 ml Orangensaft oder 10 g Sesam oder 70 g Spinat oder Brokkoli ausreichen. Darüber hinaus gibt es Mineralwässer, die bis zu 400 mg/l Calcium enthalten.

Warum überhaupt "viel Calcium"? Calcium soll Osteoporose verhindern - Studien ergeben jedoch: Je höher der Milchkonsum in einem Land, desto höher die Osteoproserate. Und: Wichtig ist nicht viel Calcium, sondern vor allem die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin D. Untersuchungen ergaben außerdem, dass das tierische Eiweiß dazu führt, dass mehr Calcium mit dem Urin ausgeschieden wird, als aufgenommen wird (was den vorgenannten Zusammenhang erklärt) - daher scheidet man mit der Kuhmilch unter Umständen mehr Calzium aus, als man zu sich nimmt. Kuhmilch als DEN unersetzlichen Calciumlieferanten zu preisen und damit zu belegen, dass sie der Kindermilch deutlich überlegen ist, ist also offenbar nicht wirklich angebracht.

Vorwurf: Zu viel Zucker in Kindermilch 


Mich hat interessiert, wie viel "böser" Zucker in Folgemilchen nun tatsächlich enthalten ist. Ich habe die Kohlenhydratezusammensetzung aller gängigen Folgemilchen/ Kindermilchen verglichen und war erstaunt.

Zucker unterscheidet man in Einfachzucker, Zweifachzucker und Vielfachzucker. Wie die Namen schon sagen, bestehen Einfachzucker aus einfachen, nicht weiter aufspaltbaren Kohlenhydraten (Glucose, Fructose, Galaktose), Zweifachzucker aus zwei Molekülen (Laktose, Saccharose und Maltose) und Mehrfachzuckeraus Aneinanderreihungen vieler Einfachzucker (Stärke, Dextrine, etc.). Einfachzucker gelangen am schnellsten ins Blut, Mehrfachzucker werden erst nach und nach im Verdauungsprozess aufgespalten, weshalb sie länger sättigen. Man kann also vereinfacht sagen: Je längerkettiger das Zuckergebilde, desto länger dauert der Abbau, desto länger bleibt der Blutzuckerspiegel konstant, desto weniger schnell werden neue Nahrungsmittel aufgenommen (ein gesundes Sättigungsgefühl vorausgesetzt).

Die Folgemilchen bestehen vor allem aus Laktose (Milchzucker), Stärke (lange Ketten aus Einfachzuckern), Maltodextrin (Abbauprodukt von Stärke, kürzere Ketten aus Einfachzuckern) und zum Teil Glucose (Einfachzuckern). Kuhmilch enthält normalerweise nur Laktose - die Stärke und das Maltodextrin dienen dazu, die Milch sämiger und damit sättigender zu machen. Das,  was Folgemilchen an Stärke/Maltodextrin zugesetzt wird, wird an Laktose verringert, so dass der Gesamtkohlenhydrategehalt in etwa gleich bleibt. Grundsätzlich kann man also zwar sagen: Folgemilchen enthalten mit 7,9 g bis 9,3 g pro 100 ml durchaus mehr Kohlenhydrate als Pre (7 g und 7,8 g pro 100 ml), aber diese bestehen in der Regel aus Stärke und ihrem Abbauprodukt Maltodextrin. Stärke ist vollkommen geschmacksneutral, Maltodextrin nahezu.

Da Folgemilchen genau so viele Kalorien enthalten, wie Kuhmilch kann man also sagen: Bei gleicher Energiezufuhr sättigen sie schneller und länger, ohne dass sie ihnen süßende Stoffe zugesetzt sind.

Hier eine Übersicht über die Kohlenhydratezusammensetzung der Folgemilchen:
Vergleich Kohlenhydrate Folgemilch
Vergleich Kohlenhydratezusammensetzung der Folgemilchen

Zusätzlich - und damit tatsächlich zusätzlich "Zucker", also Glucose, enthalten 

  • die Bebivita 2 und 3 (nicht jedoch die Bebivita Kindermilch!), 
  • Humana 2 und 3 (aus Zuckersirup) und 
  • Milasan 3 und Alete 3 (dort aus Früchten).

Bei allen Sorten von Aptamil und Milumil sind ebenfalls geringe Mengen Glucose enthalten - diese sind Bestandteil der prebiotischen Ballasstoffe und auch in der Pre-Milch enthalten.

Keinen zusätzlichen Zucker enthalten alle Sorten von Beba und Hipp.

Ich habe bei Hipp mal nachgefragt, was genau die Kohlenhydrate sind, die auf ihren Packungen nicht deklariert sind (es bleibt oft eine kleinere Differenz zwischen Kohlenhydrate, Laktose und Stärke) - die Antwort dazu:
"Diese Differenz stammt von freien Kohlenhydraten. Während dem Herstellungsprozess werden der Milchnahrung verschiedene Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt. Aus technologischen Gründen wird hierzu als Trägerstoff eine geringe Menge an Kohlenhydraten benötigt."
Im den meisten Fällen enthalten Folgemilchen also gar keinen zusätzlichen Zucker. Im schlechtesten Falle (also bei der Fütterung von Humana) nimmt das Kind beim Verzehr der 350 ml am Tag also genau 1,05 g MEHR reinen Zucker auf, als bei Kuhmilch. Mal zum Vergleich: Ein 190-g-Gläschen Obstbrei/GOB hat etwa 19 Gramm (Frucht)-Zucker. Alleine die Mittagsmenü-Gläser enthalten bis zu 5,5 g (Gläser ab dem 6. Monat) und 6,2 g Zucker (ab 8. Monat). Im MGB (pur) sind auch 12 g Zucker. Füttert man also diese Mahlzeiten in Glasform, hat man schon ca. 37 Gramm reinen Zucker. Ob es da auf das eine Gramm maßgeblich ankommt?

Vorwurf: Übervitaminisierung 


Schaut man sich die Folgemilchen grundsätzlich an, stellt man fest: Die Zusammensetzung ist weitestgehend ähnlich der muttermilchähnlichen Pre-Milch, wobei die Nährstoffdichte zum Teil leicht erhöht ist. Das ist für mich auch nachvollziehbar - ein Baby wird mit durchschnittlich 3.500 g geboren - mit 6-8 Monaten hat sich das Gewicht in der Regel mehr als verdoppelt. Entsprechend wächst auch der Nährstoffbedarf (dies erkennt man auch an den Referenzwerten der DGE für die Nährstoffzufuhr sehr gut - ab einem Alter von 4 Monaten ist der Bedarf oft deutlich höher, als in den ersten Monaten).

Das Bundesinstitut für Risikobewertuung stellt in der oben genannten Stellungnahme zwei Tatsachen fest:
Kindermilch wurden Vitamine zugesetzt (was auch auf Pre-Milch zutrifft) - nach Ansicht des BfR seien das zu viele. Das Verhältnis in der Kuhmilch (die noch immer für Kälber, nicht für Kinder optimiert ist) sei "erstrebenswerter" (warum konkret, wird nicht gesagt).

Die zweite Tatsache ist: Milchprodukte sollten 30% der täglichen Nahrungsmenge ausmachen.

Übervitaminisiert wäre die Kindermilch also dann, wenn sie mehr als 30% der empfohlenen Tagesmenge an Vitaminen enthielte. Ich habe das mal nachgerechnet - hier eine Übersicht dazu:


Vitamine in Kindemilch
Deckung des Tagesbedarfs an Vitaminen durch Kindermilch

Die Kindermilch ist in Bezug auf die empfohlenen täglichen Mengen also überdosiert in Bezug auf

Calcium 

Das BfR bemängelt trotz der "Überdosierung" dass in Kindermilch vermeintlich dennoch zu wenig Calcium enthalten sei (siehe oben).


Eisen
 
Eisen aus Milch hat eine vergleichsweise Bioverfügbarkeit - eine Überdosierung ist daher sinnvoll, da nicht die gesamte Menge vom Körper aufgenommen wird. Eisen aus Kuhmilch wird gerade mal zu 10% verwertet - Kuhmilch enthält also in 350 ml gerade mal 0,2 % des Tagesbedarfs an bioverfügbarem Eisen.
 

Zink

Die Bioverfügbarkeit von Zink ist mit 30% auch eher gering - daher entspricht die tatsächlich verwertbare Menge 31,5% des Tagesbedarfes und liegt damit in der Norm.

Jod 

Der höhere Jodgehalt wird vom BfR nicht als kritisch gesehen, 20% der Kinder sind mit Jod unterversorgt.


Vitamin C 

Überschüssiges Vitamin C wird ohne gesundheitliche Folgen ausgeschieden.


Vitamin E
 

Durch die Kindermilch werden 3,85 mg pro Tag aufgenommen - nachgewiesen unschädlich ist eine Menge von dauerhaft 25 mg pro Kilogramm Körpergewicht - also bei 10 Kilogramm 250 mg pro Tag.

Vitamin B12
 

Bezüglich dieses Vitamins bemängelt das BfR gar die (zu) geringe Menge im Vergleich zu Kuhmilch - es sollte also besser wie dort - zu 140% des Tagesbedarfes gedeckt werden.

Vitamin K 

Dieses ist auch in hohen Dosen nicht toxisch - wird nach der Geburt absichtlich überdosiert verabreicht. Kuhmilch enthält 93,3% des Tagesbedarfes - dort ist Vitamin K dann ebenfalls "überdosiert".


Biotin  

Es gibt keine Beobachtungen, dass eine Überdosierung schadet - eine Unterdosierung hat jedoch fatale Folgen. Kuhmilch enthält mehr als doppelt so viel Biotin, wie Kindermilch und damit 98% des Tagesbedarfes.

Im Vergleich zur Muttermilch, hat Kuhmilch außerdem zum Teil gravierend weniger oder mehr Nährstoffe - größere Abweichungen gibt es insbesondere bei Natrium, Calcium, Kupfer, Jod, Mangan, Vitamin A, B2, Niacin und Taurin.

Zusammenfassend kann man also sagen:

Die Vitamine, die der Kindermilch in etwas höheren Mengen zugesetzt wurden, sind bei einer Überdosierung nachgewiesen nicht schädlich, bei einem Mangel sehr wohl. Gibt man also Kindermilch im empfohlenen Umfang von 350 ml, ist von keiner gesundheitsgefährdenden Überdosierung an Vitaminen und Nährstoffen auszugehen.

Die Verbraucherzentrale stellt fest: Kindermilch ist überteuert 


Auch immer wieder gerne als "Quelle" für die Unsinnigkeit von Kindermilchen zitiert ist die "Untersuchung" der Verbraucherzentrale Hamburg. Ganz innovativ stellte diese fest: Kindermilch sei im Vergleich zur Kuhmilch "überteuert". Wenn man mal schauen möchte, wie professionell und umfassend das gemacht wurde: Klick. Die Verbraucherzentrale stellt also (eigentlich nur) fest: Pulver, das in einem aufwändigen Prozess gewonnen und angepasst wurde, ist teurer als das Ursprungsprodukt. Wirklich sehr überraschend. 

Dank Evas Hinweis (danke für den Kommentar!) habe ich mal nachgerechnet - der Preis für Bebivita Kindermilch liegt bei 0,81 EUR pro Liter, Milumil ist mit 1,55 EUR teurer, ebenso wie HIPP mit 1,78 EUR. Die Bio-Frisch-Milch kostet bei uns 0,89 EUR - bei einem Verzehr von knapp 2,5 Litern pro Woche, macht das also einen Mehrpreis je Sorte von bis zu 2,22 EUR - oder eine Ersparnis von 0,20 EUR bei Bebivita. Ob das nun Dimensionen sind, die einen empörten Aufschrei rechtfertigen? Die Fertigmilch im Tetrapak wird sicher teurer sein, aber da muss ja jeder selbst entscheiden, ob er das für die Bequemlichkeit in Kauf nehmen möchte. Man kann also allenfalls feststellen - Kindermilch ist (in der Regel) (etwas) teurer - aber wiegen die Vorteile diesen Mehrpreis denn auf?

Fazit 


Diese Frage muss jeder für sich ganz individuell beantworten. Kuhmilch ist im Vergleich durchaus billiger - aber eben auch nicht optimal oder gar besser als Kindermilch. Sicher schadet man seinem Kind nicht, wenn man ihm Kuhmilch in Maßen zu trinken gibt, aber eine pauschale Verurteilung der Folgemilchen ist einfach nicht richtig - sie ähneln eher der Muttermilch, als der Kuhmilch und enthalten deutlich weniger unnütze Zusätze, als das gemeinhin angenommen wird. Im Vergleich zur Anfangsmilch sind allenfalls Aromen in einigen wenigen Sorten zu finden.

Um die ursprüngliche Frage zu beantworten: Nein, Kindermilchen sind weder überflüssig noch überzuckert noch enthalten sie zu viele Vitamine. Sie enthalten aber weniger Eiweiß, weniger Natrium und ihre Zusammensetzung ähnelt eher der Muttermilch, als die der Kuhmilch. Insofern ist es eine individuelle Entscheidung, welche Milch man seinen Kindern zum trinken gibt - Folgemilch ist jedoch viel besser, als ihr Ruf und für mich persönlich das geeignetere Lebensmittel für Kinder. 

© Danielle
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Kommentare:

  1. Dankeschön für diese Zusammenfassung. Da ich gerade mit meinem Mann das für und wieder diskutiere kommt mir das gerade recht. LG Bibi

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  2. Vielen, vielen Dank!!!
    Man darf sich ja schon garnicht mehr öffentlich outen, wenn man von kindermilch überzeugt ist:)

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  3. Bei uns hat das Wunschkind selbst entschieden.

    Er hat keine Kuhmilch angerührt.

    Meine mütterliche Intuition hat mir gesagt: "Er wird schon wissen, was er braucht!"
    Gerade weil er ein Kind ist, das lieber Apfelsinen und Bananen ist als Schokolade!

    ;)

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  4. Ach ja! Und zum Preis: ich habe mal selber nachgerechnet und im Vergleich zu unserer bevorzugten Bio-Vollmilch ergibt sich ein Preisunterschied lediglich im Cent-Bereich. Den genauen Betrag hab ich leider nicht mehr im Kopf.

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    1. Hallo Eva, das ist interessant - das werde ich bei Gelegenheit mal nachrechnen - vielen Dank für den Hinweis!

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  5. SUPER Beitrag! Vielen, vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Bin seit längerem auf der Suche nach einem halbwegs "vernünftigen" Ersatz für mein 14 Monate junges Baby mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, da ich leider aus Zeitgründen nicht mehr so viel (pump-)stillen kann wie bisher. Ich versuche natürlich, weiterhin soviel Menschenmilch wie möglich zu geben, werde es aber mit der Kindermilch zusätzlich versuchen.

    Nochmals vielen Dank!
    Lieschen

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  6. Kannst du mir erklären, warum es von Beba 2 eine mit und eine ohne Stärke gibt? Wir überlegen auf die 2er umzusteigen....unser Sohn wird nun ein Jahr und bekommt bisher Pre. Mit der 1er gab es keine Änderung im Trinkverhalten und außerdem hat sie dauernd stark geklumpt. Jetzt frage ich mich, welche Beba 2 wir probieren sollen und worin nun für den Kleinen der Unterschied liegt ob mit oder ohne Stärke.
    Vielen Dank, Tina

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    1. Liebe Tina,

      ehrlich gesagt ist mir unklar, warum es Folgemilchprodukte ohne Stärke gibt, denn in der Regel werden sie ja dann verwendet, wenn das Kind von der Anfangsmilch nicht mehr satt wird. Stärke macht die Milch sämiger und sättigender. Allerdings ist die Beba ohne Stärke für mich eine Mogelpackung - sie enthält weniger an Laktose (Milchzucker) und dafür Maltodextrin - was am Ende ja nichts anderes ist, als ein Abbauprodukt von Stärke - also ein kürzerkettiges Kohlenhydrat. Letztendlich enthalten beide Milchen 8,2-g Kohlenhydrate - die ohne Stärke wird etwas weniger sättigend sein (dann vielleicht bei schmalerem Kind empfehlenswert, das ruhig viele Kalorien über die Milch zu sich nehmen soll).
      Viele Grüße!

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    2. Danke für deine rasche Antwort. Wir haben hier eh einen langen, eher dünnen kleinen Mann. Aber dennoch werden wir wenn, eher die normale 2er probieren. Bin aber noch unschlüssig.

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    3. Die Milch mit Maltodextrin statt Stärke wird wahrscheinlich nicht soo lange sättigen, wodurch dann ggf. mehr getrunken wird. Im Endeffekt wird es aber nicht drauf ankommen - es sind so oder so die selben Kohlenhydrate (mengenmäßig drin) - diese stärkefreien Milchen sind vermutlich nur Ergebnis der "Folgemilchen sind ja so schädlich"-Diskussion - die ja unberechtigt ist :-).

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    4. Vielen Dank für diesen informativen und gut recherchierten Beitrag!!! Nun kann ich allen gutmeinenden "Besserwissern" wenigstens mal ein paar Fakten entgegen halten, warum mein Bauchgefühl bei der Folge- anstatt Kuhmilch recht hat.
      Ich bin aber noch etwas verunsichert, was die Altersangaben angeht? Soll ich mich an die Herstellerangaben halten und sobald mein kleiner Wirbelwind das entsprechende Alter erreicht wechseln, von z.B. 2 auf 3 bzw. Kindermilch wechseln? Oder einfach bei der 2 bzw. 3 bleiben? Wir brauchen derzeit noch eine Gute-Morgen-Flasche, eine Gute-Nacht-Flasche und meist auch eine Es-ist-nachts-schlaf-schnell-wieder-ein-Flasche. :-)
      Oder soll man lieber mixen, je nach Bedarf also mal eine 1, 2 oder eine 3 oder eine Kindermilch? Finde letztere Alternative aber sehr umständlich und würde vom Bauchgefühl lieber immer die gleiche geben (nur welche :-))
      Vielen Dank schon für Euren Tip!

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    5. Hallo,

      grundsätzlich würde ich persönlich meinem Kind immer Pre oder 1er geben, so lange es davon satt wird. Zwar ist die Nährstoffzusammensetzung in den Folgemilchen angepasst, aber das ist wegen der Beikost nicht allzu relevant. Allenfalls bei eventueller Unterversorgung mit Eisen (weil kein Fleisch oder Hirse gemocht wird), würde ich auf eine eisenreichere Folgemilch umsteigen.

      Wenn das Kind nicht mehr satt wird, dann kann man sich ruhig an den Altersangaben orientieren.

      Was man auch noch beachten sollte: Anfangsmilchen kann man ohne Begrenzung füttern (in vernünftigem Maß natürlich - wenn die Gesamtflüssigkeitsmenge 1000 ml am Tag überschreitet, sollte eine sättigendere Nahrung gewählt werden). Bei der Folgemilchen ist die Nahrungsmenge begrenzt (meist auf 2 Mahlzeiten pro Tag.

      Ganz herzliche Grüße!
      Danielle

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  7. Danke für diesen umfangreichen, gut recherchierten Beitrag!!

    Ich hätte da noch eine Frage, vielleicht kannst du mir da helfen. Mein Sohn ist 10 Monate alt, wir haben jetzt vor ein paar Tagen abgestillt.
    Er isst ca. 4-5 Mahlzeiten pro Tag. Welche Milch sollte ich ihm jetzt am besten dazu geben, statt der Muttermilch, und wieviel?

    Danke!!

    LG

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  8. Hallo,

    ich würde grundsätzlich immer Pre oder 1er-Milch füttern, so lange das Kind nachts nicht mehr als eine Flasche verlangt. Die Anfangsmilch ist im Grunde vollkommen ausreichend - zu sättigenderer Folgemilch greift man in der Regel dann, wenn nachts noch viel getrunken wird.

    Ganz herzliche Grüße!
    Danielle

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  9. Hallo,
    beim stöbern habe ich gerade diesen interessante Beitrag gelesen.
    Uns beschäftigt im Moment auch die Milchfrage.
    Mein Sohn (16 Monate)bekam bis jetzt immer eine Milcheiweißfreie Spezialnahrung weil ein Verdacht auf Milcheiweiß Unverträglichkeit bestand.So recht hab ich nie daran geglaubt aber ihn trotzdem milcheiweißfrei ernährt.seit einiger zeit haben wir jetzt immer mehr Milchprodukte ins gekochte essen gemischt (ungekocht wird er nach wie vor weitestgehend mit reis oder ziegenmich ernährt um den übergang zu erleichtern).
    das hat auch wunderbar funktioniert und ich bemerke keine anzeichen einer Verschlechterung bei der Nahrungsaufnahme.was mir allerdings aufgefallen ist,dass er alle Milchprodukte wie Streichkäse joghurt Quark ect. nicht mag(und er isst sonst wirklich alles)...
    jetzt zu meiner frage....er trinkt nachts noch ein kleines bisschen milch...nie viel...meist nur zwischen 60 und aller höchstens 130 ml und diese hab ich schon sehr stark verdünnt.nur mit wasser lässt er sich aber nicht abspeißen.da unsere Spezialmilch nun zu ende geht und auch nicht weiter verschrieben wird such ich nun ersatz...meinst du ich könnte ihm auch anstelle von pre milch reis oder Ziegenmilch geben?
    ich geniße natürlich auch im Moment noch die einfachkeit der spezialmilch die nicht warm zubereitet werden muss und auch 24 stunden lang haltbar ist(er trinkt manchmal nur n happen und will nach ner stunde nochmal).dieser Luxus würde bei der pre milch ja weg fallen....
    mich würde deine Meinung dazu sehr interessieren

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    1. Hallo,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      In dem Alter ist Reis-, Hafer-, Ziegen oder Mandelmilch überhaupt kein Problem - erst recht nicht in so geringen Mengen.

      Es wird ja nur davon abgeraten, solche Milchen als Ersatz für Pre-Nahrung an ganz kleine Säuglinge zu verfüttern - ihr Nährstoffverhältnis ist einfach nicht so ausgeglichen, so dass Kinder damit gesund ernährt werden können, wenn sie hauptsächlich noch Milch zu sich nehmen. Sobald ein Kind am Familientisch mitisst, kann es ohne weiteres auch Pflanzenmilch bekommen - meiner Meinung nach ist das sogar gesünder, als auf Kuhmilch umzusteigen.

      Viele Grüße!
      Danielle

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  10. Ich habe Mitte 2014 die verschiedenen Milchprodukte von Hipp verglichen. Bin dann bei Pre geblieben, da bei den Folgemilchprodukten der Gehalt an Fluorid/100ml signifikant höher war als bei Pre. Keine Ahnung ob das noch so ist (soweit ich beim Vorbeigehen gesehen habe, dürften die Rezepturen lt. Packung geändert worden sein, ich habe aber nicht mehr nachgeschaut, da es für uns kein Thema mehr ist).

    Auch Jod war bei einem Produkt (ich glaub es war die 3er???) für meinen Geschmack absurd hoch. Ganz klar - ein Kind mit 100ml/Tag wird wohl kaum eine Überdosis abbekommen, eines das doch noch sehr Milchlastig ist - da schaut es ganz anders aus....

    Generell kann ich mich erinnern, dass die "Pre" Milchprodukte vom Vitamin/Spurenelement-/Mineralstoffgehalt unter den verschiedenen Anbietern noch am ehesten vergleichbar waren (da dürfte entweder die Studienlage einheitlicher sein, oder auch die "Angst" vor den DGE Obergrenzen noch eher eine Rolle spielen). Ab Beikostalter unterscheiden sich die Milchprodukte dann tlw. massiv.
    Daher einfach nur als Tipp: auch die eher "heiklen" Zutaten vergleichen!

    Liebe Grüße
    Eva

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  11. Hallo,
    ich bin etwas irritiert über die Empfehlung dem Baby Folgemilch zu geben, wenn es nachts noch Flaschen braucht. Allerdings verstehe ich das Argument nicht. Bei einem gestillten Kind würde man doch auch nicht dazu raten oder? Warum sollte ein völlig normales Verhalten bei einem Stillkind ok sein, aber bei einem "Flaschenkind" wird dann zur Folgemilch geraten?
    Mein Kind bekommt mit 7 Monaten noch die Premilch und ich halte es mit der Premilch genauso wie ich es auch beim Stillen halten würde (Typisches Clusterfeeding-Verhalten geht übrigens auch wunderbar an der Flasche und kann auch seeehr anstrengend sein). Nachts bekommt er meist 2 Flaschen, manchmal eine mehr, manchmal eine weniger.Er schläft danach direkt wieder ein und wird ansonsten nicht wach. Möglicherweise könnte ich dieses Verhalten mit Folgemilch abstellen, aber würde ich stillen, müsste ich dies dann eben auch nachts und könnte es nicht einfach abstellen. Stillen ist das Optimum, warum es also auch mit Flasche nicht genauso handhaben wie beim Stillen? Auch die Empfehlung bei mehr als 1000ml auf 1er oder Folgemilch zu wechseln, halten die Hebammen,die ich kenne für veraltet. Deren Empfehlung: Pre wie Muttermilch bei Bedarf. Beim Stillen weiß auch keiner, ob das Kind über 1000ml trinkt.
    Dass das Kind von Pre nicht satt wird, habe ich auch häufig gehört. Ich will nicht ausschließen, dass es auch so sein kann, aber sehr häufig habe ich einfach das Gefühl, dass dahinter Bequemlichkeit (es ist oft anstrengend, ich kann den Wunsch nach größeren Trinkabständen schon gut verstehen) steckt oder eben zu hohe Ansprüche an die Trinkabstände (im Internet liest man zB häufig davon, dass bei einem 8 Wochen alten Säugling 2-3h Abstände als zu viel empfunden werden und es dann oft heißt "wird nicht satt", obwohl dies völlig normal ist.)Dazu kommen Wachstumsschübe, wo dann die Abstände plötzlich wieder weniger werden usw.
    Ich finde den Blog und den bedürfnisorientierten Ansatz wirklich sehr gut, aber ich finde es schade, dass er es dann beim Flaschenthema z.T. nicht mehr ist und Empehlungen gegeben werden, die vermutlich bei gestillten Kindern selbstverständlicherweise nicht kommen würden (wird nicht satt, deswegen Folgemilch und besonders stört mich, dass suggeriert wird, dass es nicht normal sei, wenn "Flaschenkinder" nachts noch eine Flasche bräuchten).
    Vielleicht habe ich das aber auch alles nur falsch verstanden.

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Dieser Artikel soll keine Empfehlung für die Verwendung von Folgemilch darstellen. Dies habe ich explizit am Anfang geschrieben:

      "Zunächst noch eine Anmerkung vorab: Folgemilchen sind für die Ernährung eines Kleinkindes in der Regel nicht erforderlich - man kann grundsätzlich während der kompletten Fläschchenzeit Pre-Nahrung oder 1er Milch füttern - diese sind der Muttermilch am ähnlichsten. So lange also die Anfangsmilch ausreichend sättigt, sollte sie immer die erste Wahl sein! Manche Kinder werden jedoch irgendwann nicht mehr ausreichend satt und verlangen dann mit 6-12 Monaten oder im zweiten Lebensjahr nachts mehrere Flaschen, in solchen Fällen kann man erwägen, eine sättigendere Folgemilch zu füttern."

      Ich persönlich finde, dass es einen Unterschied gibt, ob man stillt oder die Flasche gibt - das nächtliche Stillen ist in der Regel unkompliziert, häufig wachen Mütter dabei auch gar nicht richtig auf. Der Schlaf ist also wesentlich erholsamer, als wenn man 3 bis 4 Mal in der Nacht aufwacht und eine Flasche zubereiten muss. Die sollte immer frisch sein, so dass die Eltern in der Regel hellwach sind und nur schwer wieder einschlafen können. Sie müssen ja auch dei Flasche halten - beim Stillen ist nach dem Andocken ja Ruhe. Infolgedessen sind viele Flascheneltern stark in ihrem Wohlbefinden eingeschränkt und da finde ich persönlich es nicht verwerflich, wenn man mit einer sättigenderen Milch eine längere Schlafpause erzielt. Die Zusammensetzung von Muttermilch ändert sich ja auch je nach dem Saugverhalten des Kindes - diese Differenzierung ist mit Pre nicht möglich, da die Zusammensetzung nie schwankt.

      Ich habe beide Situationen erlebt und häufig unterbrochene Nächte mit Flaschenkindern sind etwas ganz anderes, als wenn ein Stillkind ständig andockt. Es war für mich kräftezehrender, 3 Flaschen nachts zuzubereiten, als stündliches Stillen. An dieser Stelle würde ich möglicherweise eine andere Entscheidung bezüglich der Dringlichkeit von Bedürfnissen treffen, als Du.

      Ich verstehe jedoch Dein Anliegen und danke Dir für Deine kritische Sicht auf die Dinge. Es ging mir bei diesem Artikel nicht darum, Eltern zu ermutigen, von der Anfangsmilch auf eine Folgemilch umzusteigen, sondern darum, zu hinterfragen, ob die Folgemilchen tatsächlich so schlecht sind, wie ihr Ruf. Flaschenmilch ist so oder so immer nur die schlechtere Wahl.

      Viele Grüße
      Daniell

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