Manche Kinder geraten schon bei Dingen in Stress, die für andere völlig selbstverständlich wirken. Sie möchten sich anziehen und schaffen es trotzdem nicht. Sie wollen eigentlich auf den Spielplatz und weigern sich plötzlich, die Schuhe anzuziehen. Eine scheinbar harmlose Bitte löst einen heftigen Wutausbruch aus. Für Eltern wirkt dieses Verhalten oft widersprüchlich und kaum nachvollziehbar.
In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Mark Leonard über das PDA-Autismusprofil. Mark hat darüber das Buch "Mein einzigartiges PANDA-Kind"* geschrieben. PDA steht für Pathological Demand Avoidance beziehungsweise Pervasive Drive for Autonomy. Dahinter verbirgt sich ein noch wenig bekanntes Autismusprofil, bei dem Anforderungen als massive Bedrohung erlebt werden können. Das verändert den Blick auf viele Situationen im Familienalltag grundlegend.
Wenn Alltag zur Überforderung wird
Für viele Familien beginnt die Suche nach Antworten lange bevor sie den Begriff PDA überhaupt hören. Sie erleben ein Kind, das auf vieles ganz anders reagiert als Gleichaltrige. Anziehen, Zähneputzen, Hausaufgaben oder der Weg in die Kita können jeden Tag zu einer enormen Belastung werden. Trotzdem funktioniert das Kind außerhalb der Familie manchmal nahezu unauffällig, sodass Eltern häufig auf Unverständnis stoßen.
Mark erklärt, warum gerade diese Widersprüche typisch sein können und weshalb viele Eltern zunächst glauben, sie hätten in ihrer Erziehung etwas falsch gemacht.
Warum schon kleine Anforderungen zu groß werden können
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Folge lautet: Für Kinder mit PDA können Anforderungen weit mehr sein als direkte Aufforderungen.
Auch Fragen, Erwartungen, körperliche Bedürfnisse oder Veränderungen können das Nervensystem unter Druck setzen. Das erklärt, weshalb selbst Situationen eskalieren können, die für Außenstehende völlig belanglos erscheinen.
Wir sprechen darüber,
- warum Kontrolle und Autonomie für diese Kinder eine so große Rolle spielen,
- weshalb Widerstand oft keine bewusste Entscheidung ist,
- was während eines Meltdowns im Kind passiert und
- warum "klassische Erziehungsmethoden" vor allem bei diesen Kindern nicht funktionieren.
Was Eltern im Alltag helfen kann
Natürlich geht es nicht nur um das Verständnis des Verhaltens, sondern auch um den Familienalltag. Mark beschreibt, welche Haltung Eltern entlasten kann, warum Beziehung wichtiger ist als Kontrolle und welche Strategien helfen können, Konflikte zu entschärfen. Dabei wird deutlich, dass es keine Patentrezepte gibt, wohl aber einen Perspektivwechsel, der vieles verständlicher macht.
Kita, Schule und Diagnostik
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist der Blick auf das Leben außerhalb der Familie. Wir sprechen darüber, warum viele Kinder erst in Kita oder Schule auffallen, welche Rolle eine Diagnostik spielen kann und weshalb betroffene Familien oft einen langen Weg hinter sich haben, bevor sie passende Unterstützung finden. Auch das Thema autistisches Burnout kommt zur Sprache, ebenso wie die Frage, welche Bedingungen Kinder mit PDA brauchen, um sich gut entwickeln zu können.
Mehr über Mark erfahrt ihr auf seiner Homepage und bei Instagram.









