Wenn bei Kindern mit Lernschwierigkeiten gar nichts mehr geht: 5 bedürfnisorientierte Impulse, die Entspannung bringen

Gastartikel
Ihre Stimme stockte.

Dann verstummte sie ganz.

Die Nervosität überwältigte sie.

Stets erging es ihr so, als sie vor der Klasse vorlesen sollte. Das war vor über 50 Jahren. Damals plagten Caryn Elaine Johnson massive Leseschwierigkeiten. Ihre Mitschüler*innen hänselten sie. Caryns Selbstvertrauen rutschte in den Keller.

Jetzt ist es anders: Whoopi Goldberg hat sich zum preisgekrönten Hollywoodstar entwickelt. Sie steht bei den bedeutendsten Filmprojekten vor der Kamera und liefert ihre Texte souverän ab.

Auch heute teilen viele Kinder das Schicksal der kleinen Caryn: Sie leiden an Lernschwierigkeiten und versuchen, diese zu überwinden. 

Lilly besucht die 3. Klasse und hat Mühe mit dem Lesen und dem Rechtschreiben. Eigentlich geht sie gerne zur Schule. Doch ihre Schwierigkeiten belasten sie zunehmend. Alles hatte so gut begonnen: Lilly startete mit Begeisterung in die 1. Klasse. Mit Freude erlernte sie die Buchstaben. Doch der Schritt zum Lesen fiel ihr schwer; quälend langsam verband sie Laute zu Silben und Wörtern. Während ihre Mitschüler*innen immer zügiger lasen, mühte sich Lilly mit jedem Wort ab. Seit dem Start in die 3. Klasse ist die Situation noch schwieriger geworden: Oft sitzt sie regungslos vor einem Lesetext und Tränen rollen über ihre Wangen.

Auch Jonas verzweifelt häufig. Er besucht die 3. Klasse und tut sich schwer in Mathe. Gerade nimmt die Klasse den Schritt in den großen Zahlenraum. Jonas schaut auf die vielen Ziffern und weiß nicht, was er damit anfangen soll. Während sein Banknachbar fleißig rechnet, starrt er hilflos auf sein Arbeitsblatt. Er spürt, wie die Lücken immer größer werden.

Damit sind Lilly und Jonas nicht alleine.

Laut Studien leiden ungefähr 5% der Kinder und Jugendlichen an Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (vgl. Shaywitz, S.E., 1990). Auch bei Matheschwierigkeiten deuten Studien auf eine ähnliche Häufigkeit hin (vgl. Fischbach, A., 2013). Mitte der Grundschulzeit bekundet 23% aller Schüler*innen Mühe mit den Grundlagen beim Lesen, Rechtschreiben und/oder in Mathematik (vgl. Fischbach, A., 2013).

Das bedeutet: In einer Klasse von 20 Kindern sitzen durchschnittlich 5 Kinder, die sich mit den Grundlagen schwertun. Im deutschen Sprachraum sind somit mehrere hunderttausend Kinder betroffen.

Wie geschlechtsoffene Erziehung gelingt

Für Eltern, die bindungs- und bedürfnisorientiert erziehen, ist die Selbstbestimmung des Kindes ein sehr wichtiger Wert. Das bedeutet, auch auf Geschlechterstereotype zu verzichten und die freie Herausbildung der kindlichen (Geschlechts-)Identität zu ermöglichen. Das Geschlecht ist eine soziale Konstruktion und nicht binär, sondern sehr vielfältig. Es gibt Kinder, die weder männlich noch weiblich sind, auch wenn unsere Gesellschaft noch immer bemüht ist, Menschen diesen Kategorisierungen zuzuordnen.

Darüber haben wir in unserem Podcast mit Ravna Marin Siever gesprochen. Ravna ist ein nichtbinärex Autorix und hat über dieses Thema ein Buch im Beltz-Verlag geschrieben: "Was wird es denn? Ein Kind!" Die Inhalte unserer Podcastfolge hat Ravna für Euch auch hier verschriftlicht.



Ravna, was du sicher sehr oft gefragt wirst: Warum dieses Buch? Haben wir als Gesellschaft nicht gerade Wichtigeres zu tun? Wir leben in einer Pandemie, wir haben Krieg, wir sehen den Klimakollaps, der Faschismus ist wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen und du willst, dass die Menschen sensibler mit Sprache umgehen? Warum soll das für Kinder wichtig sein?

Diese Frage hat sogar einen eigenen Abschnitt im Buch! (“Hast Du denn keine anderen Probleme?” S. 218) Kurz zusammengefasst: dass es viele zeitgleich existierende Probleme gibt, ist der Zustand der Welt, wie sie ist. All die von dir genannten Punkte hängen aber auch mit Geschlechterstereotypen zusammen. Offenheit für den Punkt “Geschlecht” kann gar nicht entstehen, ohne dass wir all diesen Problemen wieder begegnen. So tragen Männer zum Beispiel seltener Masken, weil das uncool sei. Sie leben auch seltener vegan und sie sind es, die die großen Unternehmen leiten, welche hauptverantwortlich für Schadstoffemissionen sind. Kinder geschlechtsoffen zu begleiten heißt auch, toxische Maskulinität aufzubrechen. Wir müssen unsere Kinder ja vorbereiten auf die Welt, die wir hinterlassen. Ich glaube, dass das Bemühen, sie frei von Geschlechterstereotypen aufwachsen zu lassen, ihnen helfen wird.

Das Baby ist acht bis neun Monate alt - wie entwickelt es sich und wie kann man es beschäftigen?

Als meine Kinder neun Monate alt waren, verstand ich plötzlich, warum es heißt, dass Kinder einem "am Rockzipfel hängen". Meine Töchter krallten sich buchstäblich an meinen Hosenbeinen fest und versuchten, sich an mir hochzuziehen. Das war zunächst ganz niedlich, wurde aber mit der Zeit echt anstrengend, vor allem dann, wenn ich nur eine Schlafanzughose anhatte, die unweigerlich nach unten rutschte, sobald eine meiner Töchter daran hing, so dass sie hinfiel und ich unten ohne da stand.

Wenn man also das Gefühl hat, nirgendwo mehr hingehen zu können, ohne dass ein Baby einem am Bein hängt, ist plötzlich sonnenklar: Herr Ningel und Herr Nörgel sind zurück!
 
Herr Ningel und Herr Nörgel hängen an einem Bein

Dass mit dem achten Lebensmonat unserer Kinder das Fremdeln (die "Achtmonatsangst") beginnt hatten wir an anderer Stelle schon ausführlich erklärt. Mir fiel in dieser Zeit auch zum ersten Mal auf, dass meine Töchter im Schlaf eine Art "Albtraum" hatten - sie fingen an, nachts aufzuschreien und sich schlecht beruhigen zu lassen, manchmal wälzten sie sich unruhig wimmernd hin und her. Auch das Einschlafen gestaltete sich schwieriger als sonst - eine unserer Töchter weinte sich regelmäßig in den Schlaf. Nicht, weil wir sie allein ließen, sondern wirklich in unserem Arm im Familienbett. Ich vermute, dass sie sich den Stress von der Seele "redete".  

Das An- und Ausziehen glich in dieser Phase eher einem Nahkampf. Bei wirklich allem weinten meine Kinder. Wurden sie angezogen, war es ihnen nicht recht, wurden sie ausgezogen protestierten sie. Die Jacke anziehen zu müssen wurde als unzumutbare Einschränkung der Selbstbestimmung angesehen und jegliche Mützen, die nicht festgebunden werden konnten, wurden umgehend wieder vom Kopf befördert....

Zyklustracking mit DAYSY - den weiblichen Zyklus besser kennenlernen

Werbung


Was einige von euch vielleicht noch nicht wissen: unser Blog verdankt seinen Namen der Tatsache, dass wir bis zur Geburt unserer gewünschtesten Wunschkinder jedes Mal einen langen Kinderwunschweg hinter uns bringen mussten. Sie sind auf dem Weg der assistierten Reproduktion entstanden und waren damit nicht nur gewünscht, sondern für uns wirklich gewünschtest.

Doch bevor wir damals überhaupt eine Arztpraxis betraten und die Diagnose "Unfruchtbarkeit" erhielten, versuchten mein Mann und ich, erst einmal auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Wenn Euer Kind keine Überraschung sondern geplant war, dann könnt ihr Euch sicher noch daran erinnern, wie aufregend es war, als man sehnsüchtig darauf wartete, endlich einen Schwangerschaftstest zu machen, weil die Periode ausgeblieben war. Wer gezielt auf ein Kind "hinarbeitet", der beschäftigt sich oft auch damit, wann denn der beste Zeitpunkt für fruchtbaren Geschlechtsverkehr ist.

Als ich mich mit etwa 28 Jahren in dieser Phase befand, lernte ich endlich die Grundlagen des weiblichen Zyklus. Mittlerweile bin ich diesbezüglich Profi, aber damals wusste ich nicht, was der Mittelschmerz oder ein Brustsymptom sind, welche Bedeutung der Zervixschleim hat oder wann und wie lange genau Frauen eigentlich fruchtbar sind. Bei meinen damaligen Recherchen zum besten Zeitpunkt stolperte ich schnell über die natürliche Familienplanung (kurz NFP). Dabei wird der Zyklus beobachtet und dokumentiert und daraus Schlüsse über die Fruchtbarkeit gezogen. Für mich als extrem analytischen Menschen war das suuuper interessant und spannend!

Umgangsregelungen und Kindeswohl bei einer Scheidung

Gastartikel

Dieser Gastbeitrag ist von Rechtsanwalt Niklas Clamann. Herr Clamann hat sich mit seiner Kanzlei in Münster auf Familienrecht spezialisiert und bietet im Rahmen dessen auch die sog. Onlinescheidung an.

Der Begriff "Scheidung" bezeichnet die juristische Auflösung einer Ehe zwischen zwei Personen. Doch steht hinter diesem Begriff regelmäßig mehr als die endgültige Beendigung einer Paarbeziehung. Bildete die Ehe das Fundament einer Familie mit (gemeinsamen) Kindern, trifft die Scheidung auch sie. Im Gegensatz zu den Eltern fehlt es dem Kind dabei an Interventions- und Mitbestimmungsmöglichkeiten zum Fortbestand der Ehe. Während für die Eltern häufig die Scheidung das Ende einer unbefriedigenden Partnerschaft und die Chance auf einen Neubeginn markiert, ist sie für das Kind eher mit negativen Gefühlen wie Angst, Traurigkeit oder Wut besetzt.[1] Die Berücksichtigung des Kindeswohls durch die Eltern ist daher sowohl im Trennungs- und Scheidungsprozess als auch bei den Scheidungsfolgen für die weitere Entwicklung der Kinder essentiell.

Während die Untersuchung der soziologischen und psychologischen Komponenten einer Scheidung sich zunächst auf die Scheidungsursachen und später auf die -folgen für die Ehepartner:innen beschränkte, fand die Berücksichtigung der Scheidungsfolgen für die kindliche Psyche erst in den letzten 50 Jahren vermehrt Einzug in die Forschung. Den Ausgangspunkt bildete die Annahme, bereits die elterliche Trennung als solche („broken home“) ziehe eine negative Entwicklung des Kindes nach sich. So seien Trennungskinder im Verlauf ihres weiteren Lebens etwa vermindert imstande, stabile zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und ein geregeltes Leben zu führen, sie seien häufiger sozial verhaltensauffällig bis delinquent und anfälliger für psychische Erkrankungen.[2]

Das Baby ist sechs Monate alt - wie entwickelt es sich und wie kann man es beschäftigen?

Wenn unser Baby sechs Monate alt wird, merken wir Eltern wieder häufig wieder eine Veränderung im Verhalten. Besonders auffällig ist, dass unsere Kinder nun sehr stark beginnen zu klammern. Kaum geht die Mama einen Schritt zu weit weg, schon wird lauthals geweint oder zumindest gemotzt. Konnten wir früher zumindest mal kurz aus dem Zimmer gehen, wenn das Baby gerade anderweitig beschäftigt war, ist das heute kaum noch möglich. 

Von fremden Menschen wollen Baby nun gar nicht angefasst werden. Manchmal ist sogar schon das Angucken oder Ansprechen durch andere Leute zu viel und das Baby beginnt zu weinen. Leider passiert es, dass auch Papa nun angefremdelt wird, eine Erfahrung, die diesen ganz schön frustrierend kann. 
 
Herr Ningel wird gewickelt

Am anstrengendsten fand ich in diesem Alter den Kampf ums Wickeln. Ich durfte meine Töchter nicht mehr auf den Rücken auf die Wickelkommode legen - sie schrien, als wäre die Unterlage mit Reißzwecken ausgelegt. Ich war schon richtig verzweifelt und dachte, sie hätten furchtbare Schmerzen. Als ich dann aber im Freundeskreis herumfragte, war es in dieser Zeit wirklich bei allen Kindern haargenau gleich. Keines wollte mehr gewickelt werden - und schon gar nicht auf dem Rücken. Ich lernte in dieser Zeit, das Kind auf dem Bauch liegend und in Rekordzeit zu wickeln. Beides kein Genuss, aber was muss, das muss. 

Das Klammern, das Fremdeln und das Wickeldrama kann für alle sehr, sehr anstrengend sein, bedeutet aber nur eins: Herr Ningel und Herr Nörgel sind wieder da! 

Das Baby ist vier bis fünf Monate alt - wie entwickelt es sich und wie kann man es beschäftigen?

Im Alter zwischen vier und fünf Monaten werden unsere Kinder wieder einmal schwieriger. Sie schlafen deutlich schlechter, wollen nachts fast jede Stunde an die mütterliche Brust, weinen tagsüber sehr viel häufiger oder liegen als nörgelige kleine Wesen auf der Decke und haben an allem und jedem etwas auszusetzen. Sie sind seeehr anhänglich und wollen eigentlich rund um die Uhr auf Mamas Arm getragen werden. Andere Menschen werden angstvoll angebrüllt, sie fremdeln
 
Herr Ningel und Herr Nörgel packen Koffer

Am schlimmsten in dieser Phase ist eigentlich das Stillen. Wenn ich nicht darauf vorbereitet gewesen wäre, dass es um den 4. Monat herum eine Stillkrise gibt, ich glaube, ich hätte aus Unwissenheit abgestillt. Meine Töchter waren beim Trinken sehr unruhig, oft haben sie die Brustwarze in den Mund genommen und angefangen zu trinken, haben aber dann keine Minute später losgelassen, um den Kopf irgendwo hin zu drehen und zu gucken. Sie waren super leicht ablenkbar und konnten sich gar nicht richtig aufs Trinken konzentrieren. Sie hatten aber weiterhin Hunger und wurden immer unruhiger und nöliger, versuchten wieder anzudocken, aber in ihrer Hast gelang es nicht. Puh!