"Leitwölfe sein - Liebevolle Führung in der Familie" - Jesper Juul



Heute erscheint das neue Buch von Jesper Juul: "Leitwölfe sein - Liebevolle Führung in der Familie". Dank des BELTZ-Verlages, der uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte, können wir es Euch heute schon vorstellen.

Das Buch


In der Einleitung fasst Juul den Inhalt des Buches wie folgt zusammen:

"Es geht darum, seine Kinder kennenzulernen, ihre persönlichen Grenzen kennenzulernen, sich diesen gegenüber respektvoll zu verhalten und mit seinen Kindern so authentisch wie möglich umzugehen".

1 Kinder wollen Erwachsene, die die Führung übernehmen


Kinder benötigen Führung, um fruchtbare und tragfähige Beziehungen aufzubauen. Führung heißt jedoch nicht, dass man ihnen sagt, was sie tun sollen, sondern dass man sie begleitet und ihren Mangel an eigenen Erfahrungen ausgleicht. Damit alle Familienmitglieder möglichst viel von dem bekommen, was sie für die bestmögliche Qualität ihres Lebens benötigen, ist es notwendig, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der einzelnen zu schaffen.

Dazu brauchen Eltern persönliche Autorität und müssen persönliche Verantwortung übernehmen (sich also nicht von Mutter oder Nachbarn beirren lassen, die vermeintlich alles besser wissen). Damit sind sie in der Lage, ihren Kindern klar zu signalisieren, was sie wollen und was sie nicht mögen. Wenn sie sich außerdem bemühen, herauszufinden, was ihre Kinder wollen und mögen, wird das ihr eigenes Selbstwertgefühl und das der Kinder steigern. So ist ein gewinnbringendes Lernen voneinander möglich.

Zu Machtkämpfen kommt es immer dann, wenn Kinder sich in ihrer persönlichen Integrität verletzt fühlen und versuchen, ihre Würde zu schützen. Mit einer zugewandten Führung schafft man es, dass Kinder darauf vertrauen, dass Eltern wissen, was sie tun und dass sie es zum Wohl der Gemeinschaft tun.


2 Sie können ihrem Kind vertrauen


Anders, als früher angenommen, sind Kinder keine primitiven, unkooperativen, unsozialen und unempathischen Wesen. Sie sind vielmehr darum bemüht, mit ihren Eltern zu kooperieren. Leider tun sie das nicht immer in der Form, die Eltern sich wünschen und oft wird das Kooperationsbemühen als solches auch nicht erkannt. Ein Dreijähriger, der seiner kleinen Schwester ständig an den Haaren zieht, versucht auf die für ihn am besten möglichen Weise zu zeigen, dass er ein Problem hat, weil er sich nicht mehr ausreichend gesehen und wertgeschätzt fühlt.

Selbst Lügen ist eine Form der Kooperation - Kinder versuchen häufig damit, Eltern vor negativen Empfindungen zu schützen. Für Kinder ist es wichtig, dass ihre Eltern ihnen achtsam begegnen und darauf vertrauen, dass sie stets in guter Absicht handeln.

3 Der Leitwolf und das innere Kind


Im dritten Kapitel des Buches stellt Jesper Juul die These auf, dass die meisten von uns noch keine ausgereiften Persönlichkeiten sind, wenn sie Kinder bekommen. Problematisch ist vor allem, dass wir selbst häufig in einem Umfeld aufwuchsen, das weniger liebevoll war, als wir es uns gewünscht hätten. Wenig Interesse und Aufmerksamkeit der Eltern, Gewalt, Strafen, Alkoholismus - wir sind daran nicht zerbrochen, weil wir uns irgendwie angepasst haben.

Wenn wir heute mit bestimmten Verhaltensweisen unserer Kinder konfrontiert werden, dann fällt es uns schwer, darauf liebevoll zu reagieren, wenn wir selbst früher in solchen Situationen hörten: "Nun stell dich nicht so an!" Es ist die größte Herausforderung der Elternschaft, die eigene Kindheit so aufzuarbeiten, dass man in der Lage ist, für sein Kind das zu tun, wozu die eigenen Eltern nicht in der Lage waren.

4 Weibliche und männliche Führung


Anders als früher, spielt der Vater in Familien eine große Rolle. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder - wenn sie gleichermaßen Zugang zu Mutter und Vater haben - keinen der beiden bevorzugen. Die Geschlechter haben verschiedene Arten zu führen - doch das verwirrt Kinder nicht, sondern bereichert sie. Vätern fällt es zudem oft leichter, ein Nein fest und bestimmt auszusprechen.



5. Frau und Mutter sein


Frauen tun sich generell schwerer damit, die Position des Leitwolfes zu übernehmen - auch in Unternehmen ist die Frauenquote in den Führungspositionen sehr niedrig. Durch die noch immer weit verbreitete Abwesenheit der Väter in den Familien, entsteht eine sehr enge Beziehung zwischen Müttern und Kindern. Das führt häufig dazu, dass sie ihre Bedürfnisse als Frau zurückstecken (müssen).

Wegen der Angst, als egozentrisch betrachtet zu werden, gelingt vielen Frauen die Loslösung von der vollkommenen Aufopferung, die sie üblicherweise bei der Betreuung der Kinder in den ersten 18 Monaten zeigen, nicht. Dadurch vereinsamen sie zunehmend, was auch zu Unzufriedenheit in der Partnerschaft führt.

Juul stellt fest, dass viele Frauen stark davon beeinflusst sind, zu braven, angenehmen, funktionierenden Wesen erzogen worden zu sein und daher Schwierigkeiten haben, ihre persönlichen Grenzen deutlich zu machen. Er ermutigt Frauen dazu, das Bedürfnis nach Bewertung abzulegen und das Selbstwertgefühl dadurch zu stärken, indem sie Verbindung zu sich selbst aufnehmen. Ziel sollte es sein, sich selbst zu mögen und zufrieden zu sein - nur so ist es möglich, eine erfolgreiche Führung zu übernehmen.

6. Wo sind die Männer und Väter?


Väter hatten in den letzten Jahrhunderten als Familienoberhaupt die Aufgabe, die Familie zu versorgen. Etwa 90 % der wachen Zeit der Kinder waren sie dabei abwesend. Das ändert sich zwar nach und nach, aber die meisten Frauen haben noch immer das Gefühl, dass sie quasi allein erziehend sind, weil ihnen letztendlich fast alle Entscheidungen obliegen und sie damit die komplette Verantwortung tragen. Das zu ändern lohnt sich jedoch.

7. Wollen wir wirklich starke und gesunde Kinder?


In den letzten Jahrzehnten ist es uns gelungen, das Leben von Kindern in vielen Belangen zu verbessern. Sie leben hierzulande größtenteils nicht mehr in Angst und Sorge und sie werden mehr und mehr gehört. Körperliche Bestrafungen gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Die Eltern von heute wollen anders sein, als ihre eigenen Eltern.

Dennoch möchte ein Großteil der Eltern, Erzieher und Lehrer noch immer das selbe, wie ihre Eltern - nette, wohlerzogene und gehorsame Kinder, die sich anpassen und fügen. Sie versuchen zwar, das auf einem freundlichen, weniger gewaltvollen Weg zu erreichen, aber es ist dennoch das Hauptziel der meisten und es wird immer noch versucht, mit Macht zu erreichen.

8. Was hat Macht mit Führung zu tun?   


Der Gebrauch von Macht und Gewalt ist in den letzten 50 Jahren deutlich zurück gegangen. Dennoch findet man sie nach Juul noch immer in etwa 50 % aller Familien. Eltern, die sich als Kinder nicht geliebt und wertvoll gefühlt haben, fällt es schwer, andere Verhaltensweisen als die ihnen gegenüber vorgelebten, zu zeigen. Kinder kommen zur Welt und lieben ihre Eltern vollkommen bedingungslos. Doch bald schon beginnen diese, mit Macht und Manipulation das Verhalten der Kinder zu beeinflussen. Das Selbstwertgefühl - einer der wesentlichen Faktoren, im Leben wirklich glücklich zu sein - leidet sehr darunter. Daher sollten wir genau überlegen, wie wir unsere Führung ausüben. Kinder müssen nicht herumkommandiert werden - sie lernen ganz allein durch Ausprobieren und Nachahmen.

9. Die Zukunft Ihres Kindes ist jetzt


Wir wünschen uns für unsere Kinder physisches Wohlbefinden und dass sie über gute psychosoziale Kompetenzen verfügen. Sie sollen in ihrem Leben mit sich und anderen gut zurechtkommen. Man sollte meinen, dass das heute leichter zu erreichen ist, als jemals zuvor, doch die Gesellschaft leidet unter zunehmenden psychischen Erkrankungen, Missbrauch und Abhängigkeit - mit weiter steigender Tendenz. Dem können wir entgegensteuern, indem wir das Selbstwertgefühl unserer Kinder stärken und sie sich frei entfalten lassen.

Zu hohe Ansprüche an die Kinder und eine hohe Erwartungshaltung führen dazu, dass Kinder sich nicht okay fühlen, so wie sie sind. Sich nicht dafür zu interessieren, was Kinder denken und fühlen, führt dazu, dass diese oppositionelles Verhalten zeigen. Als Lösungen schlägt Juul vor, mehr Zeit mit Kindern zu verbringen, ohne sie zu belehren oder erziehen zu wollen und Langeweile zuzulassen, ohne sich genötigt zu fühlen, Unterhaltung anzubieten. Beim Ins-Bett-Bringen kann man Kindern von seinem Tag erzählen - sie werden es einem gleichtun. Beim Spielen sollte die Initiative stets vom Kind ausgehen und Pausen können einfach angenommen werden, ohne das Bedürfnis zu haben, sie füllen zu müssen. All das führt dazu, mit dem Kind stärker in Beziehung zu sein. 

10. Werte, die Führung schaffen


In diesem Kapitel wird angeregt, sich klar zu machen, welche Werte in der Familie wichtig sind. Für Kinder und die persönliche Autorität ist es wichtig, diese Werte konsequent zu vertreten. Einen Wandel unserer Werte nehmen wir oft nicht wahr - erst begegnen wir unserem Kind auf Augenhöhe - wenn es dann jedoch nicht tut, was wir sagen, reagieren wir häufig im Rahmen eines ganz anderen Wertesystems und drohen, erpressen oder werden unfreundlich.

Juul hält (mindestens) vier Werte für eine "gesunde" Familie erforderlich: Gleichwürdigkeit, Authentizität, Integrität und Verantwortung, auf die auch kurz eingegangen wird (ganz ausführlich dazu hat er in seinem Buch "4 Werte die Kinder ein Leben lang tragen" geschrieben). Da es keine allgemeingültigen Erziehungstipps gibt, die für jedes Kind und jede Situation passen, helfen die Werte einem dabei, Entscheidungen zu treffen. 


11. Erfolg durch Anpassung: unsere kollektive Illusion 


Kinder wollen kooperieren und sie passen sich an - das ist von unserer Elterngeneration dafür genutzt worden, Kinder gefügig zu machen. Das Selbstwertgefühl blieb dabei jedoch auf der Stelle. Das hat dazu geführt, dass die psychosoziale Gesundheit der Gesellschaft in einem erbärmlichen Zustand ist. 

In den letzten Jahren begegnet man zunehmend Kindern mit einem aufgeblähtem Ego das durch Verwöhnen (im Sinne von ausnahmslos jeden Wunsch erfüllen) oder überflüssiges Lob entstanden ist. Die Gesellschaft fördert zudem egiostisches Verhalten. Diese Kinder sind Egozentriker ohne Selbstwertgefühl. Geliebte und wertgeschätzte Kinder missachten andere nicht und fühlen sich weder minderwertig noch überlegen. 

12. Fallgruben für Leitwölfe


Alle Erziehungsmethoden haben negative Auswirkungen auf die Qualität der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, weil sie das Kind formen wollen. Es ist sinnvoller, möglichst viel über das eigene Kind und das eigene innere Kind herauszufinden. Authentizität ist dabei der Schlüssel - denn damit ist man in der Lage, durch das eigene Auftreten dem anderen zu zeigen, wer man ist und was man möchte. Die meisten Eltern - so Juul - spielen hingegen eine Rolle. Sie versuchen nett und vernünftig zu sein - doch die Kinder sind auf der Suche danach, wer ihre Eltern wirklich hinter der Fassade sind. Das häufig "Grenzen testen" genannte Verhalten, ist Zeichen dieser Suche.

Abschließend geht es um fünf Fallstricke, die das Familienleben heutzutage erschweren: Harmoniedrang ohne negative Gefühle zuzulassen, Curling-Elternschaft, bei der die Eltern alle negativen Gefühle vor dem Kind wegwischen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, das ständige Kontrollieren und Überwachen (Helikopter-Eltern) oder das Kind zu einem Projekt zu machen.

13. Führung light: Teenagerzeit und das Kind als Erwachsener


In den letzten Jahrzehnten hat sich die Beziehung zwischen Eltern und Teenagern deutlich verbessert - es wird mehr denn je gewinnbringend miteinander geredet. Manche Eltern neigen jedoch dazu, bei den ersten pubertätsbedingten Problemen einen "Turbo" bei der Erziehung einzulegen, um kurz vor Schluss noch das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Als Folge davon, entfremden sich die Beteiligten - es kommt zu Machtkämpfen, Regelbrüchen und unangemessenem Verhalten.

Als Teenager brauchen Kinder jedoch niemanden, der ihnen weiter vorschreibt, was sie zu tun haben - sie brauchen  nur eins: Vertrauen. Und dass Eltern erkennen, dass sie nicht mehr an vorderster Front gebraucht werden, sondern als Sicherheitsnetz im Hintergrund.

Meine Meinung zum Buch


Eltern sollen Kinder also "führen" - das heißt: klare Signale aussenden und klar sagen, was sie wollen (und was nicht). Es ist für mich etwas schwierig nachzuvollziehen, dass es diesbezüglich weit verbreitete Defizite geben soll. Ich sehe vielmehr täglich Eltern, die sehr genau wissen, was sie wollen (viele davon vor allem ihre Ruhe) und das auch deutlich (in meinen Augen oft zu deutlich) kommunizieren. 

Etwas verwirrt haben mich die immer wieder an den Kapitelenden eingetreuten "Frag Jesper Juul"-Blöcke, weil sie nicht auf den ersten Blick erkennbar etwas mit dem vorherigen Text zu tun hatten. Das hat meinen Gedankenfluss etwas gestört - ebenso wie immer wieder sehr schwurbelige Ausdrucksweisen.

Dennoch enthält das Buch viele Gedankenanstöße und interessante Informationen - es ist schon sehr tröstlich, wenn Juul schreibt, dass die allerbesten Eltern, die er kennt, etwa 20 Fehler am Tag machen. Es macht auch nachdenklich zu lesen, dass statistisch nur 30 % dessen, was wir als Eltern tun oder sagen, tatsächlich dem Kindeswohl dient.

Das Buch ist kurzweilig und interessant zu lesen, konzentriert sich jedoch auf Eltern (bzw. vornehmlich Mütter), die ihre Führungsrolle, mangels Selbstwertgefühl, nicht ausreichend wahrnehmen. Ich entspreche nicht unbedingt der Zielgruppe, finde mich jedoch in den Schilderungen zum "inneren Kind", das sich für seine Kinder eine andere Beziehung als damals zu den eigenen Eltern wünscht. Auch der kurze Abschnitt zu den Teenagern hat mich außerordentlich hell erleuchtet.


Alles in allem kann ich eine durchaus eine Leseempfehlung aussprechen - wer Juul mag, wird dieses Buch sehr wahrscheinlich mögen und wer noch nichts von ihm gelesen hat, wird mit zahlreichen neuen Gedanken in Berührung kommen, die das Familienleben bereichern werden

Wenn Ihr das Buch kaufen möchtet, dann unterstützt Ihr unseren Blog, wenn ihr das über diesen Link tut.

© Danielle

Kommentare:

  1. Danke, dass ihr das Buch rezensiert habt! Ich bin auch gerade beim Lesen und gespannt auf die sicherlich folgenden Rezensionen anderer Elternblogger.
    Liebe Grüße!

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    1. Oh - ich bin gespannt - lässt Du einen Link da, wenn Du fertig bist?

      Liebe Grüße
      Danielle

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    2. Es ist bewusst keine Rezension, sondern meine kurze Buchvorstellung soll zu einem Problem hinführen, worüber ich schon länger nachdenke und was ich mal aufgeschrieben habe:

      http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2016/02/das-problem-der-zwei-leitwolfe.html

      Liebe Grüße!

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  2. Ich weiß nicht, irgendwie tu ich mich schwer mit der Rezension. Ich kann gar nicht so genau sagen was, aber irgendetwas ist mir an dem Buch schon unsympathisch. Nun muss ich eh zugeben, ich habe nur Aggression gelesen, so ein kleines Büchlein von Juul und kenn sonst eher seine Seite, Interviews, Ratgebungen etc, also vielleicht tue ich ihm da auch Unrecht, aber die Kurzdarstellung hier, bei Amazon etc, sowie Kommentare, Artikel zu dem Buch, von ihm und von Zeitungen macht mich skeptisch. Irgendwie kommt es mir wie eine leichte Kursänderung vor, eine Provokation, oder eventuell der Versuch eine breitere Leserschaft anzusprechen. Es ist so offen in der Interpretation, in der Schlussfolgerung, im Grunde hat man den Eindruck, er will es auch den autoritäreren Recht machen. er meint, er will deutlich werden, man hat aber mehr den Eindruck, er korrigiert sich selbst.
    Hm, ich kenn das Buch ja nicht, aber ich hatte auch mal einen Kalender von ihm und wie gesagt, ich kenn seine Seite und Aggressionen und so ein kleines Büchlein wo 10 Punkte angesprochen werden und dass passt irgendwie nicht. Es kommt selten vor, und ihr könnt dafür ja sowieso überhaupt gar nichts :-) ; ihr seid toll! Aber tatsächlich hätte ich das erste Mal Unbehagen und keine Lust , ein Buch zu lesen, welches ihr empfehlt. die Rezension bestätigt mich da auch irgendwie. aber vielleicht tu ich ihm auch Unrecht, wie gesagt. Hattet ihr kein "komisches" Gefühl beim Lesen?

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    1. Danke für Deinen Kommentar. Ja, doch, ich hatte ein seltsames Gefühl - vor allem am Anfang. Das lag vermutlich vor allem daran, wie das Wort "Führung" bei mir emotional besetzt ist. Es erzeugt irgendwie spontane Abwehr, weil ich es mit einer starken Einschränkung der Selbstbestimmung verbinde.

      Ich hatte es ja auch erwähnt: ich finde mich bei der Beschreibung der (vermeintlich) führungsschwachen Mutter nicht wieder.

      Erst allmählich hat sich das Empfinden gewandelt und am Ende des Buches wird ganz deutlich, dass autoritäre Erziehung komplett abgelehnt wird. Er sagt ganz deutlich: jede Art von Erziehung schadet. Mit "Führung" ist das Begleiten der Kinder gemeint in Teilbereichen, in denen sie keine Kompetenz haben. Er nennt als Beispiel das Schlafen - hier bin ich nun wieder der Meinung, dass das kindabhängig ist. Meine Tochter schläft selbstbestimmt, seit sie zwei Jahre alt ist, meinem Sohn fällt das mit 4 Jahren noch schwer.

      Kurzum: ich war am Anfang auch skeptisch, aber im Laufe der Zeit hat mich der Autor dann doch mitgenommen. Es ist kein Buch, von dem ich sagen würde, dass man es gelesen haben muss, ich kenne Eltern, denen es durchaus etwas die Augen öffnen könnte.

      Aber für diejenigen, die bedürfnisorientiert oder unerzogen leben, wird es keinen großen Aha-Effekt erzielen.

      Die Interviews in den letzten Wochen fand ich teilweise auch sehr seltsam und frage mich, wie stark die von den Redaktionen (möglicherweise unabsichtlich) verfälscht" wurden.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. "Mit "Führung" ist das Begleiten der Kinder gemeint in Teilbereichen, in denen sie keine Kompetenz haben. Er nennt als Beispiel das Schlafen"

      Das überrascht mich gerade. In "Dein kompetentes Kind" hatte ich Juul so verstanden, dass er das Schlafen zu den Bereichen zählt, für die Kinder seiner Meinung nach von Anfang an die Verantwortung übernehmen können oder sollen. (Was nicht bedeutet, dass man das Kind nicht auch früher ins Bett schicken könne, dann soll man aber eben dazu stehen, dass man es macht, weil man selbst die Zeit alleine braucht).
      Hat er in dem Leitwölfe-Buch seine Meinung/Empfehlung geändert?

      Und noch eine Frage zu dem Buch, die mich bei Juul-Rezensionen besonders interessiert, und die bei dieser Besprechung für mich nicht richtig klar geworden ist: Lohnt es sich denn, es zu kaufen, wenn man 'Dein kompetentes Kind' gelesen hat? Bringt er da neue Gedanken? Oder könnte man es eigentlich auch gedanklich aus seinen vorherigen Werken ableiten und erhält halt noch ein paar neue Beispiele?

      Liebe Grüße und vielen Dank,
      Julia

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    3. Liebe Julia,

      ach herrje - habe ich das durcheinander gebracht? Offenbar - ich lese gerade parallel das Buch "Kinderjahre" von Remo Largo - möglicherweise habe ich das verwechselt. Ich gehe mal nicht davon aus, dass Juul da plötzlich vollkommen anderer Ansicht ist *hüstel*.

      Zu Deiner Frage: Hm. Das ist schwer zu sagen. Aber nein - ich denke nicht, dass es (wenn man "Dein kompetentes Kind" und andere Bücher gelesen hat) sehr viele neue Gedankenimpulse enthält. Das ist aber auch nachvollziehbar - der Ansatz ist im Grunde in einem einzigen Buch beschreibbar - das mittlerweile (so las ich es bei Steffen) 25. Buch schafft es dann einfach nicht mehr, bahnbrechende Augenöffner zu schaffen.

      Ich habe so ein bisschen das Gefühl gewonnen, dass hier eher versucht wird, auf eine andere Zielgruppe zu fokussieren. Wenn Du magst, kann ich es Dir leihen - schick mir einfach per Mail (oder als PN im Forum) Deine Adresse, wenn Du magst.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    4. Liebe Danielle,

      zum Durcheinanderbringen: möglich wär's. In der Spiegel-Online-Rezension wird ein Beispiel zitiert, das sich mit dem Schlafen beschäftigt, aber da geht es eben auch nur darum, dass man für sich klar sein soll, ob man das Kind noch um sich haben bzw. bespaßen möchte oder nicht, und das entsprechend klar kommunizieren soll. Dass Kinder allerdings keine Kompetenz haben, was das Schlafen angeht, klingt ganz und gar nicht nach dem Juul, wie ich ihn 'kennengelernt' habe.

      Hab vielen Dank für Dein Angebot. Das ist eine große Versuchung für mich, denn tatsächlich habe ich vor wenigen Tagen (dank Juul) beschlossen, mir nach über 28 Monaten endlich mal eine Erziehungs- bzw Beziehungsliteratur-Pause zu gönnen und irgendwas nur für mich zu lesen. Und obwohl ich schon interessiert bin, zu sehen, was sich zwischen den 25 Büchern getan hat, merke ich immer deutlicher, wie sehr mir dieses eine widerstrebt. Das Tolle an Juul war für mich gerade, dass er im kompetenten Kind betonte, wie wichtig es ist, sich von Rollen und Vorstellungen, wie man denn zu sein habe, zu lösen und 'einfach' man selbst zu sein... und nun kommt er selbst mit dem Leitwolf-Bild an?
      Deswegen werde ich der Versuchung widerstehen und lehne dankend ab.:)

      Liebe Grüße,
      Julia

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    5. Liebe Julia,

      dann habe ich das ziemlich sicher mit Largo verwechselt.

      Ich glaube aber, dass es Dir da wie mir am Anfang geht: Das Leitwolfmotiv und die Führung sind nicht im "klassischen Sinne" gemeint - es geht also nicht darum, dem Kind zu sagen, wie es Dinge tun soll. Er kritisiert eher diejenigen, die nicht Nein sagen können/wollen, weil sie Angst haben, die Liebe der Kinder zu verlieren.

      Ich kann es aber verstehen, wenn Du eine Pause von Erziehungsliteratur brauchst- wenn Du es Dir (irgendwann) anders überlegen solltest, weißt Du ja, wie Du mich erreichst :-).

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  3. Liebe Danielle, darf ich diesen Link in unsere Linkliste in der Gruppe Jesper Juul Lesekreis schreiben. Deine Rezension bringt das Buch super auf den Punkt und spricht viele Themen im Buch an. Liebe Grüße Andrea Schiefer

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    1. Die Gruppe ist auf Facebook :-)

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    2. Liebe Andrea,

      natürlich darfst Du das - wir freuen uns immer sehr, wenn Inhalte von uns geteilt werden. Ich lese schon ein paar Tage in der Gruppe mit :-).

      Viele Grüße!
      Danielle

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  4. Interessant, mal eine Rezension aus chronologischer Sicht zum Buch zu lesen. :)
    Ich hab das Buch als Juul-Neuling ebenfalls mal gelesen und versucht, es aus meiner persönlichen Perspektive - und teils mit entschwurbelt klaren Worten - zusammenzufassen. http://papapelz.de/1255
    Als jemand, die das Buch selbst bereits gelesen hat, wär ich natürlich an deinem Feedback sehr interessiert, liebe Danielle. ;)
    Und mir ging es ähnlich wie dir: die inoffizielle Studie mit den Diktiergeräten und deren Ergebnis fand ich auch extrem aufschlussreich; das führte unter anderem dazu, dass ich seit der Lektüre bedachter in der Wortwahl zu den Kindern unterwegs bin.

    Liebe Grüße von der Elbe an die Spree,
    Steffen

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  5. Was für ein nichtssagender 0815 Artikel. Bei der Lektüre solcher Top Drölf Listen wird mir immer ganz mulmig. Werde wohl in meinem Blog auf diesen Beitrag als Negativbeispiel hinweisen.

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    1. Danke für Dein Feedback. Bei der Top-Drölf-Liste handelt es sich übrigens um die Nummerierung der Kapitel des rezensierten Buches ;-).

      Du kannst den Artikel sehr gerne verlinken - wir freuen uns über jeden Backlink (auch in Modeblogs ;-).

      Viele Grüße!
      Danielle

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  6. Mal ein Frage: beim letzten schimpfen sagte meine Tochter "Stop" und erklärte mir, dass ich ihr zu laut wurde. Sie ist gerade mal 2 1/2 Jahre alt. Ich war etwas irritiert fand es letztendlich aber doch recht gut, da sie mir ganz klar ihre persönliche Grenze zeigte. Klar ist es nicht einfach, da ich lediglich versucht habe sie selbst zu übertönen, um gehört zu werden. Eine Freundin sagte dann zu mir, dass das gar nicht gut sei, da ich die Verantwortung und Erziehung in die Hände meiner Tochter legen würde und ihr damit zu viel aufbürden würde. Wer hat nun recht? Was wäre der bessere Weg?

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    1. Liebe KaLe,

      ich sehe es absolut wie Du: Es ist toll, dass Dein Kind schon in der Lage ist, ihre Grenzen so deutlich aufzuzeigen! Das ist ein wertvolles Geschenk - ich kann nicht erkennen, inwiefern Du ihr da etwas aufbürdest.

      Ich frage mich, was Deine Freundin meint. Was genau kritisiert sie eigentlich?

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Hallo Danielle, Sie meinte, dass ich selber wissen muss wann ich zu laut schimpfe und das nicht meiner Tochter übergeben könnte mir das mitzuteilen. Also ich muss mich besser im Griff haben und rechtzeitig den Gang rausnehmen, anstatt auf ein Stop von meiner Tochter zu warten. Meine Tochter würde ihrer Meinung nach anfangen mich zu erziehen mit ihrem Stop.

      Ich finde das Stop oder ein Nein recht gut. So weiß ich ganz genau woran ich bin und das man nun aufhören muss. Mir kam es von meiner Seite nicht zu laut vor. Aber meiner Tochter war es zu laut. Auch schimpfe ich nicht wie eine Furie. Ich wollte sie nur übertönen, da sie sich etwas in rage geschrien hat. Gerne würde ich natürlich nicht schimpfen müssen, aber ich glaube das gibts gar nicht.

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    3. Liebe Ka Le,

      na ja - theoretisch ist das toll gedacht - nur wie Du schon schreibst: Du hast gar nicht gemerkt, dass es Deiner Tochter zu laut war. Wie sollst Du denn auch ihre Gefühle nachempfinden?

      Es gibt viele Menschen, die Unbehagen beschleicht, wenn Kinder an Erwachsene Forderungen stellen. Es ist doch aber vollkommen legitim, wenn Dein Kind seine Grenze klar artikuliert. Das macht sie nicht mit manipulierender Motivation. Du kannst Dich wirklich freuen, dass sie das schon so gut kann und vor allem auch tut! Kinder sollen doch "Nein" sagen lernen - das ist der erste Schritt!

      Viele Grüße
      Danielle

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  7. Wirklich toll eure Ratschläge, Tipps und Ausarbeitungen! Ich kann euch gar nicht oft genug danken für so viel mehr entspanntere Momente!

    Aber seit geraumer Zeit macht meine Tochter 2,5 die Grenztestung. Sie will nicht nach Hause vom Spielplatz noch dort oderdort hin, Zimmer aufräumen nein, Zähne putzen ist jeden Abend ein theater, ins Bett gehen unmöglich. Ich weiß so langsam nicht mehr was ich noch tun soll. Mache ich die kooperative Sache, dann schläft sie in ihren Tagesklamotten neben mir auf der Couch ein. Sage ich ihr umziehen, Zähne putzen und Bett folgt daraufhin ein unsägliches Theater. Fange ich an zu schimpfen wird selten was gemacht. Werde ich richtig doll laut, dann kommt vielleicht Bewegung ins Spiel. Drohe ich: dann gibt es keine gute Nacht Geschichte oder dann schläfst du heute nacht im Kinderzimmer (sie schläft immer noch bei mir) erst dann macht sie alles unter dicken Krokodilstränen. Umziehen, Zähne putzen, Bett ist einfach nicht attraktiv. Wie kriege ich meine Tochter OHNE sie anschreien zu müssen dazu? Ich kann doch nicht jeden Tag wegen sowas die Stimmung versauen? Aber wenn ich es normal sage passiert so gar nix.

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    1. Liebe Anita,

      das Verhalten Deines Kindes ist normal - sie testet keine Grenzen, sondern ist mitten in der Autonomiephase. Es ist ganz normal, dass sie ihre Bedürfnisse in den Vordergrund stellt und nicht aufräumen und Zähne putzen will. Kennst Du unsere Reihe zur kindlichen Kooperation?

      Viele Grüße
      Danielle

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