Durchfall und Erbrechen - Magen-Darm-Infekte bei Babys und Kleinkindern

Magen-Darm-Erkrankungen kommen in den ersten Lebensjahren leider verhältnismäßig oft vor. Meist werden sie durch Viren verursacht, seltener durch Bakterien. In der Regel verläuft die Infektion harmlos, es gibt jedoch auch schwere Verläufe, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen können.

Einen Magen-Darm-Infekt erkennt man meist recht schnell: Das Kind erbricht, manchmal mehrfach und schwallartig. Dazu kann mehrmals täglich breiiger bis wässriger Stuhl kommen. Die Kinder sind oft schlapp, blass und müde und klagen über Bauchschmerzen. Auch Fieber kann auftreten.

Wie lange die Erkrankung dauert, hängt unter anderem vom Erreger ab. Besonders wichtig ist, auf den Flüssigkeitshaushalt zu achten. Je jünger das Kind ist, desto größer ist die Gefahr einer Austrocknung durch anhaltendes Erbrechen und Durchfall.

Wann sollte man bei Durchfall und Erbrechen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

Bei Babys und kleinen Kindern sollte man bei Erbrechen und Durchfall besonders aufmerksam sein, weil sie schneller austrocknen können. Bei Säuglingen, hohem Fieber, anhaltender Trink- oder Nahrungsverweigerung, anhaltendem Erbrechen, blutigem oder anhaltendem Durchfall, starken Bauchschmerzen, auffälliger Schläfrigkeit oder Teilnahmslosigkeit sowie bei schweren Grunderkrankungen sollte das Kind ärztlich beurteilt werden.

Auch wenn dem Erbrechen ein Sturz auf den Kopf vorausging oder das Kind immer wieder erbricht, ohne dass weitere typische Anzeichen eines Magen-Darm-Infekts vorliegen, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Besonders wichtig ist es, Anzeichen einer Austrocknung zu erkennen. Dazu können gehören:

  • ein trockener Mund,
  • deutlich weniger Urin beziehungsweise deutlich weniger nasse Windeln als sonst,
  • fehlende Tränen beim Weinen,
  • eingesunkene Augen,
  • bei Babys eine eingesunkene Fontanelle,
  • auffällige Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit oder eine Bewusstseinsveränderung,
  • blasse oder marmorierte Haut und kalte Hände oder Füße.

Kann ein Kind trotz wiederholter Versuche kaum Flüssigkeit bei sich behalten oder verschlechtert sich sein Allgemeinzustand deutlich, sollte ebenfalls ärztliche Hilfe gesucht werden.

Sofortige medizinische Hilfe ist insbesondere nötig, wenn das Kind schwer krank wirkt, eine Bewusstseinsstörung zeigt, starke oder ungewöhnliche Bauchschmerzen hat, der Bauch deutlich gebläht ist, Blut erbricht oder das Erbrochene grün ist. Grünes, galliges Erbrechen kann ein Hinweis auf einen Darmverschluss sein und muss dringend abgeklärt werden.

Was sollte ein Kind bei Erbrechen und Durchfall trinken?

Das Wichtigste bei einem Magen-Darm-Infekt ist der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes. Bei einer beginnenden oder bestehenden Austrocknung sind fertige orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke die beste Wahl. Sie enthalten Wasser, Zucker und Elektrolyte in einem genau abgestimmten Verhältnis.

Gerade wenn ein Kind erbricht, ist es sinnvoll, die Flüssigkeit zunächst in sehr kleinen Mengen anzubieten. Bewährt haben sich etwa 5 ml einer oralen Rehydratationslösung alle ein bis zwei Minuten, beispielsweise mit einem Löffel oder einer Spritze. Bleibt die Flüssigkeit im Magen, kann die Menge nach und nach gesteigert werden.

Selbst gemischte Zucker-Salz-Lösungen sind weniger zuverlässig, weil es leicht zu Dosierungsfehlern kommen kann. Auch Cola, unverdünnte Säfte und stark zuckerhaltige Getränke eignen sich nicht zur Behandlung einer Austrocknung.

Bei Kindern, die nicht oder nur minimal ausgetrocknet sind und eine Elektrolytlösung vollständig verweigern, kann je nach Alter und Situation auch stark verdünnter Apfelsaft eine Möglichkeit sein. Bei deutlicher Austrocknung sollte jedoch eine geeignete Elektrolytlösung verwendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Was kann das Kind bei Erbrechen und Übelkeit essen?

Geeignete Nahrung für Säuglinge

Stillkinder dürfen und sollen weiter gestillt werden. Häufiges Stillen kann gerade während eines Magen-Darm-Infekts helfen, Flüssigkeit und Energie aufzunehmen.

Flaschenbabys können ihre gewohnte Säuglingsnahrung weiterbekommen. Bei einer notwendigen Rehydration steht zunächst die Elektrolytlösung im Vordergrund. Danach kann die gewohnte Milchnahrung wieder angeboten werden. Ein routinemäßiger Wechsel auf sogenannte Heilnahrung ist nicht erforderlich.

Geeignete Nahrung für ältere Babys und Kinder

Kinder müssen nach einem Magen-Darm-Infekt nicht über viele Stunden nüchtern bleiben. Nach der ersten Rehydrationsphase kann möglichst früh wieder die gewohnte altersgerechte Nahrung angeboten werden. Wenn das Kind keinen Appetit hat, muss es natürlich nicht zum Essen gedrängt werden. Die Flüssigkeitsaufnahme ist zunächst wichtiger.

Wenn das Kind essen möchte, kann es grundsätzlich das bekommen, was es verträgt und mag. Häufig werden beispielsweise Kartoffeln, Nudeln, Reis, Brot, Haferflocken, Banane, gegarte Karotten oder Suppe gut akzeptiert. Eine spezielle Schonkost ist nicht erforderlich.

Sehr fettreiche und stark zuckerhaltige Speisen werden während eines akuten Magen-Darm-Infekts manchmal schlechter vertragen. Milch und Milchprodukte müssen dagegen nicht grundsätzlich gemieden werden. Auch eine normale altersgerechte Kost sollte nach der Rehydration möglichst früh wieder aufgenommen werden.

Medikamente gegen Erbrechen und Durchfall

Medikamente gegen Erbrechen oder Durchfall sollten Kindern nicht eigenmächtig gegeben werden. Antiemetika werden bei einer akuten Magen-Darm-Erkrankung nicht routinemäßig empfohlen. Bei starkem Erbrechen kann eine Ärztin oder ein Arzt in bestimmten Fällen ein Medikament erwägen.

Auch Mittel, die die Darmbewegung hemmen, sind für Kinder nicht einfach als Durchfallmittel geeignet. Insbesondere Loperamid soll bei Säuglingen und Kindern wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen bei einer akuten Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Für einige bestimmte Probiotika gibt es Hinweise darauf, dass sie die Dauer des Durchfalls etwas verkürzen können. Die Studienlage ist allerdings uneinheitlich und die Wirkung hängt vom jeweiligen Bakterien- oder Hefestamm ab. Sie ersetzen in keinem Fall den notwendigen Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich.

Moro-Suppe bei Durchfall

Ein traditionelles Rezept bei Durchfall ist die Möhrensuppe nach Moro. Dafür werden 500 g geschälte Möhren mindestens eine Stunde lang in einem Liter Wasser gekocht, anschließend püriert, mit drei Gramm Salz versetzt und wieder auf einen Liter mit Wasser aufgefüllt.

Durch das lange Kochen entstehen aus den Kohlenhydraten der Möhren bestimmte Oligosaccharide. Für einen möglichen günstigen Effekt der Moro-Suppe bei Durchfallerkrankungen gibt es interessante Erklärungsansätze. Als Standardtherapie einer akuten Gastroenteritis bei Kindern wird sie in der aktuellen Leitlinie jedoch nicht empfohlen.

Wer sie als zusätzliches Lebensmittel anbieten möchte, kann das bei Kindern tun, die bereits Beikost essen. Bei einer Austrocknung ersetzt die Moro-Suppe jedoch keine orale Rehydratationslösung.

Ansteckung vermeiden bei Magen-Darm-Infekten

Die Ansteckungsgefahr unterscheidet sich je nach Erreger. Noroviren sind beispielsweise ausgesprochen ansteckend. Sie können durch direkten Kontakt mit Stuhl oder Erbrochenem, über verunreinigte Hände und Gegenstände sowie beim Erbrechen über virushaltige Tröpfchen übertragen werden.

Erkrankte sind während der akuten Erkrankung besonders ansteckend. Noroviren können allerdings noch Tage bis Wochen nach Abklingen der Beschwerden mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Deshalb bleibt sorgfältige Hygiene auch danach wichtig.

Besonders wichtig ist gründliche Händehygiene, vor allem nach dem Toilettengang, nach dem Windelwechsel und vor der Zubereitung von Lebensmitteln. Mit Stuhl oder Erbrochenem verunreinigte Flächen sollten sorgfältig gereinigt werden. Bei einer Norovirusinfektion können zusätzlich geeignete Desinfektionsmittel sinnvoll sein. Sie sollten ausdrücklich gegen unbehüllte Viren wirksam sein, beispielsweise mit der Kennzeichnung „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“.

Kinder unter sechs Jahren, die an einer infektiösen Magen-Darm-Erkrankung leiden oder bei denen der Verdacht darauf besteht, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen vorübergehend nicht besuchen. Bei einer Norovirusinfektion ist eine Rückkehr in der Regel frühestens 48 Stunden nach Ende von Durchfall und Erbrechen möglich.

Wer diesen Artikel aus akutem Anlass liest: Von Herzen GUTE BESSERUNG!

© Danielle