Die Empfehlungen in Bezug auf Kuhmilch haben sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Aktuell gilt: Im ersten Lebensjahr bleiben Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung die wichtigsten Milchmahlzeiten. Kuhmilch kann jedoch mit Einführung der Beikost in begrenzter Menge verwendet werden.
Ab Einführung des Milch-Getreide-Breis können bis zu etwa 200 ml Kuhmilch am Tag für diesen Brei verwendet werden. Weitere Kuhmilchprodukte sollten dann nicht zusätzlich gegeben werden. Als Getränk wird Kuhmilch erst gegen Ende des ersten Lebensjahres in kleinen Mengen empfohlen.
Ungeeignet ist Roh- oder Vorzugsmilch, weil sie Krankheitserreger enthalten kann. Für den Milch-Getreide-Brei kann pasteurisierte oder ultrahocherhitzte Vollmilch verwendet werden.
Ab dem ersten Geburtstag können Milch und Milchprodukte Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Als Orientierung werden im Kleinkindalter insgesamt etwa 300 ml beziehungsweise g Milch und Milchprodukte am Tag genannt. Dabei geht es nicht darum, jeden Tag exakt diese Menge zu erreichen, sondern um eine Größenordnung innerhalb einer insgesamt ausgewogenen Ernährung.
Spezielle „Kindermilch“ ist für gesunde Kleinkinder nicht notwendig. Eine abwechslungsreiche Ernährung kann die benötigten Nährstoffe auch ohne solche Produkte liefern.
Calcium
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für Säuglinge von 4 bis unter 12 Monaten einen Schätzwert von täglich 330 mg Calcium an. Für Kinder zwischen 1 und unter 4 Jahren werden 600 mg empfohlen.
Kuhmilch ist mit etwa 120 mg Calcium pro 100 ml eine gute Calciumquelle. Calcium steckt jedoch auch in anderen Lebensmitteln. Dazu gehören beispielsweise calciumreiche Mineralwässer, grünes Gemüse, Sesam und andere Samen sowie mit Calcium angereicherte pflanzliche Milchalternativen.
Wie gut Calcium aufgenommen wird, hängt nicht nur vom absoluten Calciumgehalt eines Lebensmittels ab. Auch andere Inhaltsstoffe beeinflussen die Bioverfügbarkeit. Deshalb lässt sich aus einem hohen Calciumwert pro 100 g allein nicht ableiten, welches Lebensmittel die bessere Calciumquelle ist.
Eisen
Kuhmilch ist keine gute Eisenquelle. Das ist gerade im ersten Lebensjahr relevant, weil der Eisenbedarf des Babys mit zunehmendem Alter steigt. Deshalb soll Kuhmilch im ersten Lebensjahr nicht die Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung als Milchmahlzeit ersetzen.
Mit Beginn der Beikost werden eisenreiche Lebensmittel wichtig. Dazu gehören beispielsweise Fleisch, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte. Vitamin C aus Obst oder Gemüse verbessert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen.
Die DGE gibt Referenzwerte für die tägliche Eisenzufuhr an. Wichtig ist dabei die Einheit: Die Angaben erfolgen in Milligramm und nicht in Nanogramm. Die frühere Rechnung in diesem Artikel beruhte auf einer falschen Umrechnung der Einheiten und wurde deshalb entfernt.
Vitamin D
Vitamin D nimmt unter den Nährstoffen eine Sonderstellung ein, weil der Körper es mithilfe von Sonnenlicht selbst bilden kann. Bei Säuglingen reicht diese Eigenproduktion jedoch nicht zuverlässig aus. Deshalb wird im ersten Lebensjahr eine Vitamin-D-Prophylaxe empfohlen, die in Deutschland in der Regel bereits kurz nach der Geburt beginnt.
Kuhmilch ist keine bedeutende Vitamin-D-Quelle. Die Vitamin-D-Versorgung eines Babys sollte deshalb nicht davon abhängig gemacht werden, welche Milch beziehungsweise Milchprodukte es isst.
Jod
Jod ist unter anderem für die Bildung von Schilddrüsenhormonen und damit für Wachstum und Entwicklung wichtig. Die DGE empfiehlt aktuell für Säuglinge von 4 bis unter 12 Monaten 80 µg Jod pro Tag. Für Kinder von 1 bis unter 4 Jahren sind es 90 µg.
Milch und Milchprodukte können zur Jodversorgung beitragen. Der Jodgehalt von Kuhmilch kann allerdings schwanken. Weitere wichtige Jodquellen sind Seefisch und jodiertes Speisesalz. Bei Säuglingen, die ausschließlich selbst zubereitete Breie erhalten, kann eine zusätzliche Jodzufuhr notwendig sein.
Eiweiß
Kuhmilch enthält deutlich mehr Eiweiß als Muttermilch. Auch deshalb soll sie im ersten Lebensjahr nicht als Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung getrunken werden. Eine hohe Eiweißzufuhr im Säuglings- und Kleinkindalter, insbesondere aus Milch, wird mit einem erhöhten Risiko für späteres Übergewicht in Verbindung gebracht.
Milchprodukte unterscheiden sich erheblich in ihrem Eiweißgehalt. Quark und Käse enthalten beispielsweise deutlich mehr Eiweiß als Milch oder Joghurt. Deshalb ist es sinnvoll, bei kleinen Kindern nicht unbegrenzt Milchprodukte anzubieten, sondern sie als einen Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung zu betrachten.
Kuhmilchallergie und Laktoseintoleranz
Kuhmilchallergie und Laktoseintoleranz sind zwei unterschiedliche Dinge und sollten nicht miteinander verwechselt werden.
Bei einer Kuhmilchallergie reagiert das Immunsystem auf Eiweiße der Kuhmilch. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und beispielsweise Haut, Magen-Darm-Trakt oder Atemwege betreffen. Eine Kuhmilchallergie tritt vor allem bei Säuglingen und kleinen Kindern auf und verliert sich bei vielen betroffenen Kindern im Laufe der Kindheit wieder.
Bei einer Laktoseintoleranz kann der Milchzucker Laktose aufgrund einer verminderten Aktivität des Enzyms Laktase nicht ausreichend verdaut werden. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Eine primäre Laktoseintoleranz ist bei Säuglingen und sehr kleinen Kindern in Deutschland eher selten und entwickelt sich meist erst später.
Eine vorübergehende Laktoseintoleranz kann auch infolge einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut auftreten, beispielsweise bei einer unbehandelten Zöliakie. Behandelt man die zugrunde liegende Erkrankung, kann sich auch die Laktoseverträglichkeit wieder verbessern.
Bei Verdacht auf eine Kuhmilchallergie oder Laktoseintoleranz sollte die Diagnose ärztlich abgeklärt werden, bevor Milchprodukte längerfristig aus der Ernährung eines Kindes gestrichen werden.
Milch - gesund, ungesund oder sogar gefährlich?
Milch ist weder ein unverzichtbares „Superfood“ noch grundsätzlich gesundheitsschädlich. Sie liefert unter anderem Eiweiß, Calcium, Vitamin B2 und Jod. Diese Nährstoffe können jedoch auch über andere Lebensmittel aufgenommen werden.
Entscheidend sind die Menge, das Alter des Kindes und die gesamte Ernährung. Für Säuglinge gelten andere Empfehlungen als für Kleinkinder. Im ersten Lebensjahr bleibt Muttermilch beziehungsweise Säuglingsanfangsnahrung die geeignete Milchnahrung. Kuhmilch kann im Rahmen der Beikost in der empfohlenen Menge eingesetzt werden.
Wer aus gesundheitlichen, ethischen oder persönlichen Gründen auf Kuhmilch verzichten möchte, kann Kinder grundsätzlich auch ohne Kuhmilch ausgewogen ernähren. Bei Säuglingen darf eine pflanzliche Milchalternative jedoch nicht anstelle von Muttermilch oder geeigneter Säuglingsanfangsnahrung verwendet werden.
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