Folgemilch hat keinen besonders guten Ruf. Wer im Internet nach 2er-Milch, 3er-Milch oder Kindermilch sucht, liest schnell, sie sei unnötig, überzuckert oder reine Geldmacherei. Ganz so einfach ist es nicht. Vor allem werden dabei verschiedene Produkte miteinander vermischt, die man auseinanderhalten sollte. 2er-Folgemilch ist für Babys gedacht, die bereits Beikost bekommen. 3er-Milch wird für ältere Babys angeboten. Kindermilch oder Kleinkindmilch richtet sich dagegen an Kinder ab etwa einem Jahr.
Die wichtigste Information vorweg: Ein gesundes Baby muss nicht irgendwann von Pre- oder 1er-Nahrung auf Folgemilch umgestellt werden. Pre- und 1er-Nahrung können während des gesamten ersten Lebensjahres weitergegeben werden. Folgemilch ist eine mögliche Alternative im Beikostalter, aber kein notwendiger Entwicklungsschritt.
Was ist eigentlich Folgemilch?
Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung sind rechtlich unterschiedliche Produktgruppen. Pre- und 1er-Nahrung gehören zur Säuglingsanfangsnahrung und dürfen von Geburt an gegeben werden. Folgenahrung ist dagegen für ältere Säuglinge gedacht und soll erst Bestandteil der Ernährung sein, wenn bereits Beikost gegeben wird. Sie ist also nicht als alleinige Nahrung für ein junges Baby vorgesehen.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Baby Folgemilch braucht, sobald es sechs Monate alt ist. Wenn es mit seiner bisherigen Pre- oder 1er-Nahrung gut zurechtkommt, kann man schlicht dabei bleiben. Das Alter auf der Packung ist keine Aufforderung zum Wechsel.
Was ist der Unterschied zwischen 2er-Milch und Pre?
Folgemilch ist anders zusammengesetzt als Anfangsnahrung. Sie ist auf die Ernährung eines älteren Babys abgestimmt, das bereits weitere Lebensmittel bekommt. Je nach Produkt können sich unter anderem Eiweißgehalt, Kohlenhydrate sowie die Mengen einzelner Vitamine und Mineralstoffe unterscheiden. Folgemilch darf außerdem andere Kohlenhydratquellen als Laktose enthalten.
Daraus folgt aber weder, dass sie grundsätzlich besser, noch dass sie grundsätzlich schlechter als Pre-Nahrung ist. Sie hat schlicht einen anderen vorgesehenen Einsatzbereich. Wer Pre füttert, muss nicht wechseln, weil das Baby sechs Monate alt geworden ist.
Sättigt 2er-Milch besser?
Viele Eltern interessieren sich für Folgemilch, weil ihr Baby plötzlich wieder häufiger trinken möchte oder nachts mehr Flaschen verlangt. Die Hoffnung liegt nahe: Vielleicht macht die 2er-Milch länger satt. Ob ein Wechsel tatsächlich dazu führt, dass ein Baby länger schläft oder weniger Flaschen verlangt, lässt sich aber nicht zuverlässig vorhersagen. Häufiges nächtliches Aufwachen hat gerade im zweiten Lebenshalbjahr viele mögliche Ursachen und Hunger ist nur eine davon.
Wenn ein Baby mit Pre gut gedeiht, gibt es deshalb keinen Grund, allein wegen häufiger Wachphasen auf Folgemilch umzusteigen. Umgekehrt ist es auch kein Problem, im Beikostalter eine dafür vorgesehene 2er-Folgemilch zu verwenden.
Enthält Folgemilch zu viel Zucker?
Der pauschale Vorwurf, Folgemilch sei grundsätzlich eine Art gezuckerte Babymilch, führt in die Irre. Bei der Nährwertkennzeichnung werden unter „Kohlenhydrate“ verschiedene Kohlenhydrate zusammengefasst. Dazu gehört auch Laktose, also der Milchzucker, der natürlicherweise auch in Muttermilch vorkommt. Die Angabe „davon Zucker“ bedeutet deshalb nicht automatisch, dass dem Produkt Haushaltszucker zugesetzt wurde.
Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste, denn Folgemilchen unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Wer eine möglichst einfache Zusammensetzung möchte, kann ein Produkt ohne unnötige süßende Zutaten und ohne Aromen wählen. Die alten pauschalen Listen, welche Marke welchen Zucker enthält, sind wenig hilfreich, weil Hersteller Rezepturen ändern können. Entscheidend ist die aktuelle Zutatenliste auf der Packung.
Ist Folgemilch kalorienreicher als Pre?
Auch das lässt sich nicht mit der einfachen Regel „2er macht dicker“ beantworten. Für Säuglingsnahrung gelten gesetzliche Vorgaben zur Zusammensetzung und zum Energiegehalt. Ein Wechsel auf 2er-Milch ist deshalb keine sinnvolle Methode, um ein besonders hungriges Baby möglichst lange satt zu bekommen, und Pre-Nahrung ist umgekehrt keine Art Diätmilch.
Wichtiger ist, Hunger- und Sättigungssignale des Babys zu beachten. Eine Flasche muss nicht ausgetrunken werden. Wenn ein Baby dauerhaft ungewöhnlich große Mengen trinkt, schlecht zunimmt oder trotz sehr großer Trinkmengen ständig hungrig wirkt, sollte man nicht einfach immer sättigendere Nahrung ausprobieren, sondern mit Hebamme oder Kinderärztin beziehungsweise Kinderarzt darauf schauen.
Braucht ein Baby 3er-Milch?
Nein. Auch 3er-Milch ist kein notwendiger Schritt nach der 2er-Milch. Ein Baby muss also nicht von Pre auf 1, anschließend auf 2 und irgendwann auf 3 wechseln. Diese Zahlen sind keine Entwicklungsstufen, die abgearbeitet werden müssen.
Wer weiterhin Pre oder 1 füttert, kann dabei bleiben. Wer eine altersentsprechende Folgenahrung verwendet und damit gut zurechtkommt, muss sie aber auch nicht deshalb meiden, weil Folgemilch im Internet häufig pauschal als überflüssig oder ungesund bezeichnet wird.
Und was ist Kindermilch?
Kindermilch oder Kleinkindmilch ist etwas anderes als Säuglingsanfangs- und Folgenahrung. Sie wird für Kinder ab etwa einem Jahr angeboten und häufig damit beworben, dass ihr Nährstoffprofil speziell an Kleinkinder angepasst sei. Tatsächlich enthält sie beispielsweise häufig weniger Eiweiß als Kuhmilch und ist mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen angereichert.
Für gesunde Kleinkinder ist sie trotzdem nicht erforderlich. Nach den deutschen Handlungsempfehlungen kann der Nährstoffbedarf eines gesunden Kleinkindes mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Familienernährung gedeckt werden. Spezielle Kinderlebensmittel und damit auch spezielle Milchgetränke für Kleinkinder sind dafür nicht notwendig.
Ist Kindermilch besser als Kuhmilch?
Pauschal nein. Genau diese Frage wurde früher intensiv diskutiert, weil Kindermilch und Kuhmilch ein unterschiedliches Nährstoffprofil haben. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Kindermilch für gesunde Kleinkinder grundsätzlich das bessere Lebensmittel ist. Kuhmilch und Milchprodukte können ab dem Kleinkindalter Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein und liefern unter anderem Eiweiß, Calcium, Jod sowie die Vitamine B2 und B12.
Entscheidend ist dabei die gesamte Ernährung. Ein Kleinkind braucht weder möglichst viel Kuhmilch noch zwingend Kindermilch. Milch ist ein Lebensmittel unter mehreren und kein Getränk, das unbegrenzt angeboten werden sollte.
Wie viel Kuhmilch darf ein Kleinkind trinken?
Ab dem Ende des ersten Lebensjahres kann Kuhmilch als Bestandteil der Familienkost angeboten werden. Dabei zählen nicht nur Gläser Milch, sondern auch andere Milchprodukte zur täglichen Menge. Joghurt, Käse und andere Milchprodukte liefern ebenfalls die typischen Milchnährstoffe.
Sehr große Mengen Milch sind nicht sinnvoll, weil sie andere Lebensmittel aus dem Speiseplan verdrängen können. Gerade die Eisenversorgung kann darunter leiden, wenn ein Kind sich an Milch satttrinkt und entsprechend wenig von anderen Lebensmitteln isst.
Was ist mit dem Eiweiß in Kuhmilch?
Einer der Gründe, aus denen Kindermilch beworben wird, ist ihr im Vergleich zu Kuhmilch häufig niedrigerer Eiweißgehalt. Tatsächlich wird im Kleinkindalter keine besonders eiweißreiche Ernährung empfohlen. Daraus folgt aber nicht, dass Kuhmilch ungeeignet wäre. Entscheidend sind Menge und Gesamternährung. Wer Milch und Milchprodukte in den empfohlenen Mengen anbietet und ansonsten abwechslungsreich füttert, braucht nicht auf Kindermilch auszuweichen, um die Eiweißzufuhr zu senken.
Was ist mit Calcium, Eisen, Jod und Vitaminen?
Kindermilch wird häufig mit bestimmten Nährstoffen angereichert, beispielsweise Eisen, Jod oder Vitamin D. Das kann auf den ersten Blick wie ein klarer Vorteil gegenüber Kuhmilch wirken. Die Zusammensetzung eines einzelnen Lebensmittels sagt aber wenig darüber aus, wie gut ein Kind insgesamt versorgt ist. Ein Kleinkind nimmt seine Nährstoffe aus der gesamten Ernährung auf.
Deshalb empfehlen Fachgesellschaften nicht, mögliche Ernährungslücken pauschal mit Kindermilch zu schließen. Besteht tatsächlich der Verdacht auf einen Nährstoffmangel oder ernährt sich ein Kind sehr eingeschränkt, sollte gezielt geschaut werden, welcher Nährstoff fehlt und wie die Versorgung sinnvoll verbessert werden kann.
Was ist mit pflanzlichen Milchalternativen?
Hafer-, Mandel-, Reis- oder andere Pflanzendrinks sind ernährungsphysiologisch nicht automatisch mit Kuhmilch vergleichbar. Gerade Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12 können in deutlich geringeren Mengen enthalten sein. Wer Kuhmilch und Milchprodukte bei einem Kleinkind vollständig durch Pflanzendrinks ersetzen möchte, sollte deshalb genauer auf die Nährstoffversorgung achten.
Bei Pflanzendrinks sollte man Produkte ohne zugesetzten Zucker oder andere Süßungsmittel wählen und auf eine sinnvolle Anreicherung achten. Besonders wichtig sind Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12. Bei einer vollständig veganen Ernährung muss Vitamin B12 supplementiert werden. Bei Kleinkindern ist eine qualifizierte Ernährungsberatung sinnvoll, wenn Milch und Milchprodukte komplett entfallen.
Welche Milch würde ich ab einem Jahr wählen?
Bei einem gesund entwickelten Kind, das abwechslungsreich am Familientisch isst, würde ich keine Kindermilch kaufen, nur weil auf der Packung „ab 1 Jahr“ steht. Sie ist für eine gute Nährstoffversorgung nicht erforderlich. Kuhmilch und Milchprodukte können in angemessener Menge Bestandteil der normalen Familienkost sein.
Trinkt das Kind weiterhin gerne seine gewohnte Pre- oder 1er-Nahrung, muss diese auch nicht pünktlich zum ersten Geburtstag verschwinden. Und wer im Beikostalter eine 2er-Folgemilch verwendet, muss deshalb ebenfalls kein schlechtes Gewissen haben. Der entscheidende Punkt ist: Keine dieser Milchsorten ist eine Entwicklungsstufe, die ein Kind erreichen muss.
Fazit: 2er-Milch ist erlaubt - aber nicht nötig
Die Diskussion um Folgemilch wird oft unnötig schwarz-weiß geführt. 2er-Folgemilch ist keine notwendige Fortsetzung der Pre-Nahrung, aber auch nicht grundsätzlich ein schlechtes Lebensmittel. Sie ist für ältere Säuglinge im Beikostalter vorgesehen und kann verwendet werden. Wer mit Pre oder 1 gut zurechtkommt, kann genauso gut dabei bleiben. 3er-Milch ist ebenfalls kein notwendiger nächster Schritt.
Bei Kindermilch ab einem Jahr fällt die Antwort klarer aus: Gesunde Kleinkinder brauchen sie bei ausgewogener Ernährung nicht. Sie können ihren Nährstoffbedarf über die normale Familienkost decken. Dass ein Produkt nicht notwendig ist, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass es schädlich ist. Eltern müssen also weder auf Folgemilch umsteigen noch Angst davor haben.
© Danielle
