Pre und 1er - Welche Milch ist die beste?

Wer nicht oder nicht ausschließlich stillt, steht ziemlich schnell vor einem ganzen Regal voller Packungen: Pre, 1, HA, Bio, Comfort, Anti-Reflux, Kuhmilch, Ziegenmilch, Probiotika, HMO – und natürlich behauptet jede Packung auf ihre Weise, besonders nah an den Bedürfnissen des Babys zu sein. Die wichtigste Information vorweg: Bei einer normalen Säuglingsanfangsnahrung musst Du nicht die Nährwerttabellen verschiedener Marken gegeneinander ausrechnen. Zusammensetzung und Sicherheit sind in der EU streng geregelt. Eine günstige Pre-Nahrung muss Dein Baby ebenso zuverlässig mit den notwendigen Nährstoffen versorgen wie eine deutlich teurere Markenmilch.

Welche Arten von Säuglingsmilch gibt es?

Grundsätzlich muss man zwischen Säuglingsanfangsnahrung und Spezialnahrung unterscheiden. Für gesunde Babys sind vor allem Pre- und 1er-Nahrungen relevant. Beide dürfen von Geburt an gegeben werden und eignen sich als alleinige Nahrung in den ersten Lebensmonaten. Sie können auch während des gesamten ersten Lebensjahres weitergefüttert werden.

Pre-Nahrung

Pre-Nahrung ist eine Säuglingsanfangsnahrung. Als verdauliches Kohlenhydrat enthält sie ausschließlich Laktose, also Milchzucker. Für die meisten gesunden Babys, die nicht oder nicht ausschließlich gestillt werden, ist Pre deshalb eine unkomplizierte erste Wahl. Sie kann von Geburt an und nach Bedarf gefüttert werden. Ein Baby muss nicht irgendwann aus Altersgründen von Pre auf eine andere Nahrung umgestellt werden.

1er-Nahrung

Auch 1er-Nahrung ist Säuglingsanfangsnahrung und darf ebenfalls ab Geburt gegeben werden. Der Unterschied zur Pre-Nahrung liegt vor allem bei den Kohlenhydraten. Eine 1er-Nahrung kann neben Laktose weitere Kohlenhydrate enthalten, meistens Stärke. Dadurch kann die Milch etwas sämiger sein. Wenn ein Baby mit Pre gut zurechtkommt und gut gedeiht, gibt es jedoch keinen Grund, allein wegen seines Alters auf 1er-Nahrung umzusteigen.

Pre oder 1 – was ist besser?

Für gesunde Säuglinge sind beide Varianten grundsätzlich geeignet. Wer unsicher ist, kann mit Pre beginnen. Es gibt keinen Grund, vorsorglich auf 1er-Nahrung umzusteigen, weil ein Baby älter wird oder vorübergehend häufiger trinken möchte. Babys haben Phasen mit unterschiedlichem Appetit. Entscheidend ist deshalb nicht eine einzelne hohe Tagesmenge, sondern das Gesamtbild: Gedeiht das Baby gut, wirkt es nach den Mahlzeiten zufrieden, gibt es auffällige Trinkprobleme oder verlangt es dauerhaft ungewöhnlich große Mengen? Bei Unsicherheiten über Trinkmenge oder Gewicht sollte nicht einfach auf eine vermeintlich stärker sättigende Nahrung gewechselt werden. Dann ist es sinnvoller, mit Hebamme oder Kinderärztin beziehungsweise Kinderarzt auf Wachstum und Trinkverhalten zu schauen.

Macht 1er-Milch dicker als Pre?

Nein. Die Bezeichnung „1“ bedeutet nicht automatisch, dass die Nahrung deutlich mehr Kalorien enthält. Für Säuglingsanfangsnahrungen gelten gesetzlich festgelegte Grenzen für den Energiegehalt. Ob ein Baby ausreichend oder sehr stark zunimmt, lässt sich deshalb nicht sinnvoll über die einfache Regel „Pre für dünne Babys, 1 für kräftige Babys“ steuern. Säuglinge sollten grundsätzlich nach ihren Hunger- und Sättigungssignalen gefüttert werden. Die Flasche muss nicht leer werden.

Welche Marke ist die beste?

Eine pauschal „beste“ Marke gibt es nicht. Säuglingsanfangsnahrungen unterliegen in der Europäischen Union detaillierten gesetzlichen Vorgaben. Diese legen unter anderem Energiegehalt, Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe fest. Auch Reinheitsanforderungen und Grenzwerte für Rückstände sind geregelt. Der Preis sagt deshalb nicht, ob ein Baby mit einer Nahrung ausreichend versorgt wird. Bei der Auswahl können ganz praktische Dinge wichtiger sein: Verträgt Dein Baby die Nahrung gut, ist sie zuverlässig dort erhältlich, wo Du normalerweise einkaufst, kannst Du sie Dir dauerhaft leisten, möchtest Du Bio-Qualität oder legst Du Wert auf bestimmte zusätzliche Inhaltsstoffe? Wenn Dein Baby eine Nahrung gut verträgt, gibt es normalerweise keinen Grund, regelmäßig zwischen Marken zu wechseln, nur weil eine andere Packung mit einem zusätzlichen Inhaltsstoff wirbt.

Was bedeutet Bio bei Pre-Milch?

Auch Bio-Säuglingsnahrung muss sämtliche gesetzlichen Vorgaben für Säuglingsanfangsnahrung erfüllen. Zusätzlich stammen die landwirtschaftlichen Zutaten aus ökologischer Erzeugung. Ob man Bio kauft, ist daher vor allem eine Frage der persönlichen Präferenz hinsichtlich Landwirtschaft und Produktion. Eine konventionelle Säuglingsanfangsnahrung ist nicht deshalb ernährungsphysiologisch minderwertig.

Kuhmilch oder Ziegenmilch?

Säuglingsanfangsnahrung darf unter anderem auf Kuhmilch- oder Ziegenmilcheiweiß basieren. Beide Varianten sind als industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrung grundsätzlich für Babys geeignet, sofern sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Ziegenmilchnahrung ist allerdings keine Lösung bei einer Kuhmilcheiweißallergie. Die Eiweiße von Kuh- und Ziegenmilch ähneln sich, sodass allergische Reaktionen auch auf Ziegenmilcheiweiß möglich sind. Sie hat außerdem keinen belegten Vorteil zur Allergievorbeugung.

Was ist HA-Nahrung?

HA-Nahrung enthält teilweise aufgespaltenes, sogenanntes hydrolysiertes Eiweiß. Früher stand HA für „hypoallergen“ und Eltern mit Allergien in der Familie wurde häufig empfohlen, ihrem Baby vorsorglich HA-Nahrung zu geben. Diese Empfehlung gilt so nicht mehr. Nach der aktuellen wissenschaftlichen Bewertung gibt es derzeit keine Säuglingsanfangsnahrung, für die ein ausreichender allergievorbeugender Effekt bestätigt ist. Auch bei einem Baby mit erhöhtem Allergierisiko können Eltern deshalb grundsätzlich eine normale industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrung wählen.

Wichtig ist allerdings: HA-Nahrung ist keine geeignete Behandlung für eine bereits bestehende Kuhmilcheiweißallergie. Besteht der Verdacht auf eine echte Allergie, braucht das Baby gegebenenfalls eine spezielle extensiv hydrolysierte Nahrung oder eine Aminosäurenahrung. Das gehört in kinderärztliche Hände.

Was bringen HMO, Präbiotika und Probiotika?

Auf Packungen begegnen Eltern inzwischen zahlreiche Zusätze, die sich auf die Darmflora beziehen. Präbiotika sind unverdauliche Kohlenhydrate, die bestimmten Darmbakterien als Nahrung dienen können. Dazu gehören beispielsweise GOS oder FOS. Einige Hersteller verwenden außerdem den Begriff HMO für bestimmte zugesetzte Oligosaccharide. Probiotika sind lebende Mikroorganismen, beispielsweise bestimmte Milchsäure- oder Bifidobakterien. Solche Zusätze machen eine Säuglingsnahrung nicht automatisch besser. Für gesunde Säuglinge ist bislang kein eindeutiger gesundheitlicher Vorteil gegenüber herkömmlicher Säuglingsanfangsnahrung nachgewiesen. Man muss beim Einkauf also keine Packung deshalb bevorzugen, weil dort besonders viele Begriffe rund um Darmflora und Mikrobiom stehen.

Was ist mit DHA, Omega-3 und LCP?

Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Früher konnte DHA beziehungsweise LCP tatsächlich ein Unterschied zwischen verschiedenen Produkten sein. Heute ist DHA in Säuglingsanfangs- und Folgenahrung gesetzlich vorgeschrieben. Es ist deshalb kein besonderes Qualitätsmerkmal einer teuren Marke. Die EU schreibt auch für viele andere Nährstoffe genaue Mindest- und Höchstmengen vor. Eltern müssen daher weder DHA, Taurin noch einzelne Vitamine und Mineralstoffe verschiedener Packungen miteinander verrechnen, um eine „vollständigere“ Milch zu finden.

Was ist Spezialnahrung?

Neben normaler Pre- und 1er-Nahrung gibt es spezielle Produkte, beispielsweise Anti-Reflux-Nahrung bei ausgeprägtem Spucken, Comfort-Nahrungen, die bei Verdauungsbeschwerden angeboten werden, stark hydrolysierte Nahrungen bei bestimmten Allergien, Aminosäurenahrungen, laktosefreie Spezialnahrungen, Säuglingsnahrung auf Sojabasis sowie spezielle Nahrung für Frühgeborene oder bestimmte Erkrankungen. Solche Produkte sind nicht einfach Varianten, die man auf Verdacht ausprobieren sollte. Spezialnahrungen sollten nach kinderärztlicher Rücksprache verwendet werden. Das gilt auch bei häufigem Spucken. Viele Babys spucken und gedeihen trotzdem hervorragend. Eine Anti-Reflux-Nahrung ist deshalb nicht automatisch erforderlich.

Ist Sojanahrung eine gute vegane Alternative?

Es gibt Säuglingsnahrung auf Basis von Sojaproteinisolat. Sie kann in bestimmten medizinischen Situationen und auch als veganer Muttermilchersatz eingesetzt werden. Für gesunde Säuglinge wird Sojanahrung jedoch nicht einfach als gleichwertige Standardalternative zur Kuh- oder Ziegenmilchnahrung empfohlen. Sie sollte nur bei begründetem Anlass und nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt verwendet werden. Normale Sojadrinks aus dem Supermarkt sind ebenso wie Hafer-, Mandel-, Reis- oder andere Pflanzendrinks kein Ersatz für Säuglingsanfangsnahrung.

Kann ich Säuglingsmilch selbst herstellen?

Nein. Weder Kuhmilch noch Ziegenmilch, Pflanzenmilch oder selbst zusammengemischte Rezepte liefern Säuglingen zuverlässig die Nährstoffe in der Zusammensetzung, die sie benötigen. Wenn nicht gestillt wird, sollte im ersten Lebensjahr eine industriell hergestellte Säuglingsnahrung verwendet werden.

Wie oft darf ich die Milchsorte wechseln?

Wenn Dein Baby eine Nahrung gut verträgt, gibt es keinen Grund für häufige Wechsel. Ein Markenwechsel ist grundsätzlich möglich. Babys können auf unterschiedliche Zusammensetzungen vorübergehend mit verändertem Stuhl, mehr oder weniger Blähungen oder einem anderen Trinkverhalten reagieren. Deshalb lohnt es sich meist, nicht alle paar Tage eine neue Packung auszuprobieren. Bei deutlichen Beschwerden, Blut im Stuhl, anhaltendem Erbrechen, Hautreaktionen, Trinkproblemen oder schlechter Gewichtszunahme sollte nicht weiter auf eigene Faust durch verschiedene Milchsorten gewechselt werden. Dann gehört die Ursache kinderärztlich abgeklärt.

Muss man Pre und 1 langsam umstellen?

Ein Wechsel von einer normalen Säuglingsanfangsnahrung zu einer anderen muss nicht grundsätzlich über viele Tage eingeschlichen werden. Wenn Du langsam wechseln möchtest, kannst Du einzelne Mahlzeiten nach und nach ersetzen. Ebenso ist bei einem gesunden Baby meist ein direkter Wechsel möglich. Wichtig ist vor allem: Jede Säuglingsnahrung wird immer genau nach den Angaben auf ihrer eigenen Verpackung zubereitet. Pulver und Wassermenge dürfen nicht nach Gefühl verändert werden.

Darf man Säuglingsmilch dünner oder dicker anrühren?

Nein. Das Verhältnis von Wasser und Pulver muss genau eingehalten werden. Mehr Pulver macht eine Flasche nicht sinnvoll „sättigender“ und kann unter anderem die Nieren des Babys belasten. Zu viel Wasser ist ebenfalls nicht harmlos, weil dadurch die Nährstoff- und Elektrolytkonzentration zu stark verdünnt werden kann. Deshalb immer den Messlöffel der jeweiligen Packung verwenden und die Herstellerangaben exakt beachten.

Was ist bei der Zubereitung wichtig?

Pulvernahrung ist nicht steril. Deshalb sollte eine Flasche immer frisch vor der Mahlzeit zubereitet werden. In Deutschland kann dafür normalerweise frisches Leitungswasser verwendet werden. Das Wasser lässt man zunächst so lange laufen, bis es kalt aus der Leitung kommt, und erwärmt es anschließend. Wasser aus Bleileitungen darf nicht verwendet werden. Bei einem privaten Hausbrunnen sollte vorher geklärt sein, dass die Wasserqualität für Säuglingsnahrung geeignet ist. Reste einer bereits getrunkenen Flasche gehören weg und sollten nicht für die nächste Mahlzeit aufgehoben werden.

Woran erkenne ich, dass mein Baby die Nahrung verträgt?

Babys haben sehr unterschiedliche Verdauungsmuster. Häufigeres Pupsen, wechselnde Stuhlkonsistenz oder gelegentliches Spucken bedeuten nicht automatisch, dass eine Milch unverträglich ist. Wichtiger ist das Gesamtbild. Wenn Dein Baby gut trinkt, zunimmt und insgesamt zufrieden wirkt, gibt es meist keinen Grund, wegen einzelner Verdauungsbesonderheiten die Nahrung zu wechseln. Kinderärztlich abgeklärt werden sollten dagegen Blut im Stuhl, anhaltendes oder starkes Erbrechen, deutliche Hautreaktionen, Atemprobleme nach dem Trinken, anhaltender Durchfall, ausgeprägte Trinkprobleme oder eine schlechte Gewichtszunahme.

Welche Säuglingsmilch würde ich heute wählen?

Für ein gesundes, reif geborenes Baby ohne besondere medizinische Bedürfnisse würde ich die Entscheidung heute wesentlich einfacher treffen als früher: eine normale Pre-Nahrung wählen, eine Marke nehmen, die gut verfügbar und dauerhaft bezahlbar ist, bei guter Verträglichkeit dabei bleiben, Zusätze wie Probiotika oder HMO nicht als notwendiges Qualitätsmerkmal betrachten, Bio wählen, wenn mir ökologische Landwirtschaft wichtig ist, nicht vorsorglich zu HA- oder Spezialnahrung greifen und bei medizinischen Problemen die Nahrung gemeinsam mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt auswählen. Wer lieber 1er-Nahrung füttert oder wessen Baby damit besser zurechtkommt, kann auch diese ab Geburt verwenden. Es gibt keinen Wettbewerb darum, möglichst lange bei Pre zu bleiben.

Fazit: Man kann beim Kauf viel weniger falsch machen, als das Regal vermuten lässt

Das riesige Angebot lässt leicht den Eindruck entstehen, Eltern müssten anhand von DHA, HMO, Probiotika, Bio-Siegeln und komplizierten Nährwerttabellen die perfekte Säuglingsmilch finden. Für ein gesundes Baby ist die Entscheidung deutlich einfacher. Säuglingsanfangsnahrungen sind streng reguliert. Pre und 1 eignen sich ab Geburt und können das ganze erste Lebensjahr gegeben werden. Teurer bedeutet nicht automatisch besser und zusätzliche Inhaltsstoffe bedeuten nicht automatisch einen nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteil. Am Ende ist eine Milch, die Dein Baby gut verträgt, die zuverlässig verfügbar ist und in Euer Budget passt, meistens eine sehr vernünftige Wahl.

© Danielle