Wie viele Fragen stellen Kinder eigentlich pro Tag?


IHafen von Ottioluch war vor kurzem im Urlaub - herrliche zwei Wochen am türkisen Meer Sardiniens. In einer wunderschönen Apartmentanlage im kleinen und sehr malerischen Hafenörtchen Ottiolu hoffte ich auf erholsame Tage mit meinen Lieben. Rückblickend kann ich jedoch feststellen: ein Urlaub mit zwei kleinen Kindern ist definitiv keine Erholung, sondern manchmal eher eine mittelgroße Herausforderung. Mein Sohn ist nämlich in der fürchterlichen Ich-laufe-ständig-weg-Phase und meine Tochter in der Ich-frage-den-ganzen-Tag-Phase - wirkliche Ruhephasen waren also eher rar gesät.
 
An einem der Abende saß ich erschöpft auf der Terrasse, trocknete meinen Sohn ab, der zum wiederholten Male den Poolduschen einen nassen Besuch abgestattet hatte - natürlich mitsamt seiner Kleidung  - und lauschte dem unablässigen Redeschwall meiner Tochter. "Mama, können wir noch aufbleiben?", "Wo fahren wir morgen hin?", "Mama, welchen Baum findest Du schöner? Den linken oder den rechten?"... Ich seufzte, haderte tatsächlich etwas mit meinem Schicksal und fragte mich, womit ausgerechnet ich eigentlich diese - äh - nennen wir es "aktiven" - Kinder verdient habe. Sie gönnen einem wirklich keine Sekunde Verschnaufpause, ständige Aufmerksamkeit ist erforderlich... und vor allem diese ständige Fragerei! Klar, kleine Kinder sind wissbegierig - aber das Frageverhalten meiner Tochter verwirrt mich in Bezug auf die Quantität. 

Mich interessierte, wie viele Fragen sei eigentlich so pro Tag stellt. Ich beschloss, am nächsten Tag einfach mal mitzuzählen und auch alle Fragen mitzuschreiben. Das Ergebnis möchte ich Euch nicht vorenthalten, denn es gibt einen  teils amüsanten Einblick in die Welt eines - äh - "aufgeweckten" - fünfjährigen Mädchens.
 
Ein sonniger Morgen. Meine Tochter sitzt am Frühstückstisch im Ferienapartment und hat ein Vorschul-Rätsel-Heft vor sich. Papa bereitet das Frühstück zu.
 
"Mama, wie findest Du Bambi?"
"Was soll ich hier machen?"
"Wo fängt es denn an?"
"Ist es egal, welchen Weg?"
"Und was muss ich hier machen?"
"Was schreibst Du da?" 
"Mama, wann sind die Toasts fertig?"
"Aber Mama, was ist denn das?"
"Können wir noch mehr kaufen?" 
"Was wohnt alles unter der Erde?" 
"Hier?"
"Ist es weich?" 
"Ist es fusselig?"
"Was steht da drauf, Mama?"
"Welche habe ich denn schon gestellt?"
"Was hast Du gerade gesagt?"
"Was noch?"
"Mama, können wir nach dem Frühstück an den Strand gehen?"
"Laufen wir?"
"Was hat Papa gesagt?"
"Kann ich bitte das drauf haben?"
"Was schreibst Du gerade auf?"
"Alle?"
"Mama, kannst Du mir bitte das drauf machen?"
"Mama, ist jetzt heute Dienstag?"
"Was war ein Geist?"
"Was steht da alles?"
"Und hier?"
"Warum findest Du Bambi traurig?"
"Mama, welches Buch findest Du am schönsten?"
"Ich will aber heute zum Strand gehen, darf ich?"
"Steht da auch drauf, was Du gesagt hast?"
"Was sind eine Million und Hundert?"
"Und Tausend und Hundert?"
"Was ist denn 'Au'?"
"Wo hast Du Dir den Fuß gestoßen?" 
"Kann ich jetzt die Wurst essen?"
"Mama, darf ich mir raussuchen, welche?"
"Fahren wir heute Nachmittag los?"
"Welches Tier war das mal?"
"Der Po?"
"Mama, kann ich hier drin malen?"
"Wo ist mein Rätselbuch?"
"Welche Farbe soll ich nehmen?"
"Was heißt das?
"Darf ich den Elefanten auch ausmalen?"
"Mama, was muss ich hier machen?"
"So hier?"
"Was muss man da machen?"
"So aussehen?"
 
Kinder sitzen am Tisch und frühstücken

"Was ist schmutzig?"
"Soll ich lieber die Eulen oder die Hexen machen?"
"Es sind 9 - richtig?"
"Und, soll ich die jetzt ausmalen?"
"Wer kämmt mir da die Haare?"
"Fahren wir heute wieder Autobahn?"
"Wieso denn?"
"Welche Blume gefällt Dir am besten?"
"Wo hat er oben gesessen?"
"Mama, was steht da?"
"Was heißt das?"
 
Das Frühstück und die Rätselstunde sind beendet. Es ist 10 Uhr - seit dem Aufstehen sind 90 Minuten vergangen. Wir fahren mit dem Auto nach Orosei - eine Stunde kurviger Strecke in eine noch sehr ursprüngliche Kleinstadt Sardiniens. Es geht munter weiter:
 
"Man, wann fährt der denn weg, Mama?"
"Parkt der jetzt hier?"
"Was macht der jetzt?"
"Ist das eine Einbahnstraße?"
"Wieso denn das?"
"Was heißt 'abknödeln'?"
"Wieso schreibst Du es nur von mir auf?"
"Wieso steht der denn hier?"
"Wer ist denn Omma?"
"Deine Opas, wie hießen die?"
"Wieviele hast Du denn?"
"Und die andere Oma?"
"Fahren wir jetzt zu einem schönen Strand?"
"Mit einem Boot?"
"Wie bitte?"
"Was sind 'Klugscheißer'?"
"Wenn einer das falsche sagt und der andere richtig?"
"Ist das eine Autobahn"?
 
Wir sind exakt sein 11(!) Minuten unterwegs.
 
"Ich habe Durst, Papi kannst Du an einem Parkplatz anhalten?
"Können wir da auch mal baden?"
"Wieso nicht?"
"50 darf man hier fahren?"
"Mama, kannst Du mir das zu Hause geben?"
"Ist das zu Hause in W. oder im Urlaub?"
"Mama, magst Du Meer oder Pool mehr?"
"Und Du Papa?"
"Und Du [Bruder]?
"Mama, ist das so okay, wenn ich so sitze?" [Sie hebt beide Arme hoch]
"Ist Shawn [Bruders Kuscheltier] in W.?"
"Was ist eine Fabrik?"
"Katzen?"
"Katzenkörbe?"
"Sind wir da?"
"Zu welchem Punkt müssen wir?"
"Von so einer Kuh?"
"Wieso hat man die getötet?"
"Warum ist das Horn übrig?"
"Das ist keine Einbahnstraße, oder?"
"Hast Du Dir den Kopf gestoßen?" (100)
"Ja?"
"Papa, kannst Du irgendwo parken?"
"Dach aufmachen?"
"Was soll Papa aufmachen?"
"Ist das hier keine Einbahnstraße?"
"Ist die 67 mehr als 82?"
"Man, wann sind wir da?"
"Kannst Du die mal kurz halten?"
"Mama, was macht [der Bruder] da?
"Mama, wann ist Juli?"
"Welcher Juni ist heute?"
"Wann sind wir da?"
"Was habe ich denn gerade eben gesagt?"
"Mama, hast Du das jetzt gerade aufgeschrieben?"
"Sind wir jetzt da?"
"Kann ich was trinken?"
"Ist das Birnensaft?"
"Was ist das für ein Saft?"
"Hat er gepullert?"
"Was ist 'Schnulli'?"
"Ein Nuckel?"
"Wenn wir zurück kommen, gehen wir dann an den Pool?"
"Was macht Papa?"
"Ein grünes Auto - magst Du die Farbe?"
"Hast Du irgendwo ein Taschentuch?"
"Was ist das für ein Ort?"
"Wie heißt der Ort hier?"
"Können wir eine kleine Pause machen?"
"Wo ist [kleiner Bruder]?"
"Warum haben manche Tiere ein Fell?"
"Kennst du den?"
"Mama, kann ich auf einer anderen Seite im Heft malen?"
 
In dem Moment rutscht [kleiner Bruder] auf einem Bordstein aus, knallt mit dem Kopf auf die Steine und ist untröstlich. Er will nur von Mama getragen werden, die keine Fragen mehr notieren, aber sie noch zählen kann - genau 10 Stück, bis sich der Kleine absetzen lässt. Dann kann ich wieder mitschreiben:
 
"Kannst Du den tragen?"
"Hat sich das Auto angemalt?"
"Was ist 'Schlamm'?"
"Kann ich in deinem Buch malen?"
"Auf wen wartet der?"
"Geht's da zur Wiese?"

Der [kleine Bruder] will wieder auf den Arm - es werden währenddessen 5 Fragen rund ums Thema Eis gestellt. Das ist aber auch nach dem Absetzen noch nicht erschöpfend behandelt:
 
"Welche Sorte nimmst Du?"
"Die oder die Himbeere da?"
"Wusstest Du dass Erdbeere und Himbeere ähnlich sind?"
"Leckerer als beim Esel, da gibt es kein Himbeer, oder?"

In diesem Moment ahmte sie ein mehrfach beim Papa beobachtetes Verhalten nach und leckte dem [kleinen Bruder] freundlich das bereits tropfende Eis von der Waffel. Dieser bekam daraufhin einen Tobsuchtsanfall, an dessen Ende er das Eis schwungvoll zu Boden beförderte. Ich hob das Eis auf, weil ich seltsamerweise dachte, dass man es noch irgendwie wiederverwerten könnte - doch es war über und über mit kleinen Steinen übersät.

Etwas genervt von diesem Tag und in einem Anfall von Authentizität warf ich das Eis mit einem unschönen Fluch noch schwungvoller auf den Boden. Daraufhin bekam die Große wegen der Trauer um das schöne Eis einen Weinkrampf und der Kleine vor Empörung, weil sein Eis am Boden lag. Dass er es ursprünglich dorthin befördert hatte, war natürlich vergessen. Ende vom Lied: Kein Eis für Mama, die das beste Himbeereis der Welt natürlich dem jammernden Spross überlies, der es glücklich und bedächtig zu Boden tropfen lies und vorübergehend richtig schlechte Stimmung.  


Kinder essen Eis
Da waren es noch drei
"Kannst Du meine Waffel essen?"
"Kann man da das Wasser anmachen?"
"Wieso gibt es nur solche Waffeln?"
"Mama, kann ich mir da die Hände waschen?"
"Ist das die Waffel vom Erdbeereis?"
"Was hat [kleiner Bruder] für ein Eis?"
"Darf ich hier auch drin malen?"
 
Durfte sie - weil ich mal ein paar Minuten Ruhe wollte - mit der Auflage, jetzt aber bitte nichts zu fragen, damit ich mal 5 Minuten nicht schreiben muss. Sie versprach es... und ich zählte in der Zeit genau 10 Fragen. Es war 12 Uhr.
 
"Wo geht Papa jetzt hin?"
"Und was kauft er da?"
"Vielleicht bringt er mir ja was mit?"
"Wie bitte?"
"Mama, welches findest Du am schönsten?"
"Wieso stirbt Bambi?"
"Wieso stirbt sie?"
"Kannst Du mir die Geschichte erzählen?"
"Kann ich ein bisschen mit Celina spielen?"
"Wieso hast Du das jetzt gefragt?"
"Kann ich jetzt schreiben?"
"Sieht mein Mund sauber aus?"
"Was heißt 'prego'?
"Essen wir das hier draußen?"
"Mama, welches findest Du am schönsten?"
"Alles Mädchenkram?"
"Was ist da drinne?"
"Was sind arme Leute?"
"Zeig, wo ist Thunfisch?"
"Was hat er gesagt?"
"Zu uns?"
"Mama, ist das schon die nächste Seite?" [Nein - schon die vierte.]
"Die dritte?"
"Vierte?"
"Kannst Du uns was zu trinken geben?" (200)
"Kannst Du es mir bitte aufmachen?"
"Wenn wir nach Hause kommen, kann ich dann rätseln?"
"Was war da drauf?"
"Wieso darf sie denn hochklettern?"
"Wieso spricht sie denn deutsch?"
"Darf ich im Kinderwagen sitzen?"
"Wieso haben deren Eltern keine Angst?"
"Wieso denn nicht Milla?"
"Wie hieß die noch mal?"
"Hat sie 'tschüss' oder 'ciao' gesagt?"
"Was hat Papa gesagt?"
"Mama, gibt es auch Rollstühle, die aussehen, wie ein Kinderwagen?"
"Was ist denn kuschlig?"
"Gefällt Dir das Grün?"
"Welchen Grund hast Du?"
"Ist Grau das Gegenteil von Silber?"
"Was ist der Unterschied?"
"Wann gehen wir mit Albi wieder zum Tierarzt?"
"Wann ist 'Ende des Sommers'?"
"Was hast Du gut auf der Karte gefunden?"
"Wieso hast Du Papa veräppelt?"
"Wieso sehen Möwen weiß aus?"
"Können wir ein bisschen baden?"
"Kann ich da rauf schreiben?"
"Weißt Du, welcher Fisch mir richtig gut stehen würde?"
"Das?"
"Kann man Strandhafer gekocht essen?"
 
Wir fuhren endlich an einen Strand, wo gebadet werden sollte. Womit wir nicht gerechnet haben: die Wellen waren so hoch, dass Baden viel zu gefährlich war. Daher durfte sie nur mit den Füßen rein. 

"Wieso sind da so große Wellen?"
"Aber Du hast gesagt, wir dürfen baden?"
"Und was, wenn sie jetzt umkracht?"
"Mama, welche Welle ist groß wie ein Haus?"
"Die da?"
"Aber die sind doch alle nicht ausgezogen, wie sollen die denn dann die Frau retten?"
"Können wir noch näher ran?"
"Wo ist Papa?"

Die nächsten drei Fragen habe ich wegen einer Riesenwelle, die meine Tochter umriss, nicht aufschreiben können.
 
Kind steht am Strand

Die darauf folgenden 18 Fragen bezogen sich tatsächlich ausnahmslos auf die Frage, ob sie noch näher an das Meer ran kann. Wieder angezogen:

"Was hat Dein T-Shirt gekostet?
"Wo hast Du es gekauft?"
"Kann ich im Auto warten?"
"Kann ich den Schlüppi ausziehen?" [War ja nass von der Riesenwelle.]
"Kann man das auch so essen?"
"Sind das die Körner?"
"Darf ich ohne Euch warten?"
"Können wir da mal rein?"
"Ist es eine Kita?"
"Was ist ein 'Objekt'?"
"Und wo wohnen wir?"
"Welche Straße?"
"Welches Haus?"
"Machen die jetzt Mittagspause am Pool?"
"Und was ist, wenn keine so großen Wellen sind?"
"Was kauft Papa für uns?"
"Siehst Du, was ich mit meinen Händen mache?"
"Kann ich noch was trinken?"
"Kann ich im Auto bleiben da?"
"Was kaufen wir da?"
"Was gibt es heute zum Abendbrot?"
"Wie heißt der Markt hier?"
"Und was steht da?"
"Sisa Supermercato?"
"Mama, Du, kann ich das Dschungelbuch haben?"
"Wo ist es denn?"
"Muss ich denn zu Hause einen Mittagsschlaf machen?"
"Was sind das mit den Aprikosen?"
"Mama, was ist 'schmal'?"
"Hat er den da wieder rein gesteckt?"
"Gehen wir zu Hause zum Strand oder einkaufen?"
"Was ist 'nach oben noch was möglich'?"
"Was ist 'möglich'?"
"Kannst Du mir das auch kaufen?"
"Was muss man machen?"
"Ist das teuer?"
"Welche Schilder?"
"Was sind 'Wegweiser'?"
"Papa, kannst Du mir auch so eine CD kaufen?"
"Kann ich Badesachen holen?"
"Wie heißt der nochmal?"
"Schmeckt Dir Cola oder Wasser besser?"
"Geht's hier auch wieder runter, Papa?"
"Sind wir jetzt gerade oben oder unten?" (300)
"Gehen wir dann baden?"
"Wer kriegt Gänsehaut?"
"Können wir auch mal nach Santa Lucia fahren?"
"Wann sind wir da?"
"Wieso guckst Du so?"
Kinder schaukeln"Was hast Du gerade gesehen?"
"Wie sah der Vogel das?"
"Wieso liegt in München Schnee?"
"In der Schweiz?"
"Wie lange jetzt noch?"
"Können wir mit den Füßen ein Stück rein gehen?"
"Wieso ist das hier?"
"Wieso riechts hier so?"
"Was ist ein 'Kanal'?"
"Was will Papa hier gucken?"
"Wieso heißt das POsada? [Ortsname]
"Was heißt [kleiner Bruder] auf italienisch?"
"Wieso gibt es denn zwei Babyschaukeln?"
"Halten sich die Babys hieran fest?"
"Mama, kannst Du mich anhalten?"
"Was verwittert so schnell?"
"Kannst Du mich anschaukeln?"
"Schau mal, findest Du das Grün schön?"
"Kannst du mir sagen, was in deinem Heft steht?"
"Ist das ein See oder ein Meer?"
"Können wir mit den Füßen rein gehen?"
"Was kann man hiermit machen?"
"Brauche ich Schuhe?"
"Können wir etwas näher ran?"
"Ist es abgeschliffen?"
"Was guckst Du?"
"Warum schreibst Du alles auf?"
"Was ist 'ungewöhnlich'?
"Mag das der Busch?" [angepullert zu werden}
"Wieso stört ihn das nicht?"
"Wieso schreibst Du das nicht auf?"
"Warum war das keine Frage?"
"Warum soll ich einsteigen?"
"Wo fährst Du hin?"
"Was kaust Du, Papa?"
"Welche Farben sind ungewöhnlich?"
"Ist das auch ein Edelstein?"
 
Dann verlangte der [kleine Bruder] danach, in meinem Notizheft zu malen - ich zählte die Fragen in der Zeit nur und kam auf insgesamt 15. Wieder in meinem Besitz notierte ich:
 
"Darf man Steine mit in die Kita nehmen?"
"Und Taschen?"
"Mama, wem willst Du die Schreibungen schicken?"
"Wieso merkt das das Auto?"
"Was sind 'Sensoren'?"
"Können wir ein Spiel machen?"
"Können wir zu Hause weiter machen?"
"Wann sind wir da?"
"Was findest Du am allerschönsten?" [zeigt die Fundstücke vom Strand]
"Hat der Pool immer noch geschlossen?"
"Mama, kannst Du es bitte tragen?"
"Gehen wir jetzt baden?"
"Wieso ist das hier?"
"Machen wir das auch rauf?"
 
Es war 16:00 Uhr und ich bin wirklich ein geduldiger Mensch. Wirklich. Und ich wollte wirklich unbedingt alle Fragen dieses Tages aufschreiben... aber ich habe zu diesem Zeitpunkt absolut entnervt resigniert. Ich warf den Notizblock in die Ecke und erklärte das Projekt für gescheitert. Wir gingen zum Pool und entspannten uns.

Kind liegt auf Poolliege
 
Insgesamt waren 7 1/2 Stunden vergangen. In diesen 450 Minuten habe ich 371 Fragen gezählt. Auch wenn ich mich bemüht habe, jede mitzuschreiben, vermute ich, etwa jede 10. einfach automatisch beantwortet habe und vergessen habe, sie zu notieren . Damit hat meine Tochter einen Stundenfragewert von durchschnittlich etwa 54,4 Fragen erreicht. An einem einzigen Urlaubstag schafft sie es also ohne weiteres bis zu 650 Fragen zu stellen... Wiederholungen wegen "nicht verstanden" oder "absichtlich einfach mal überhört" sind dabei noch nicht mitgezählt.
 
Dieser Tag und mein Versuch machte mich um einige nutzlose Erkenntnisse reicher:
 
1. Mein Kind ist kein "Warum"-Kind, sondern ein "Wieso"-Kind.
 
2. "Wann sind wir (endlich) da" ist vermutlich tatsächlich die meistgestellte Frage der Welt.
 
3. Fragen ignorieren (in der Hoffnung, sie wendet sich schnell etwas anderem zu), ist vollkommen aussichtslos - hat bei keiner einzigen Frage geklappt.

4. Der Papa ist ein gerissenes Kerlchen. Mir war vorher nicht bewusst, dass 98% aller Fragen ich beantworte. Da besteht eindeutig Optimierungspotential.
 
Am Abend sah ich seufzend dem [kleinen Bruder] hinterher, der sich mal wieder frisch mit Klamotten geduscht aus dem Staub machte und sagte resigniert: "Dieses Kind treibt mich wirklich noch mal in den Wahnsinn!". Daraufhin fragte meine große Tochter ihre etwa 612te Frage dieses Tages: "Ja, Mama, warum gibst Du ihn denn nicht einfach wieder zurück?"

© Danielle 
 

Kommentare:

  1. Grandios! Habe sehr gelacht - und ein bisschen Angst bekommen.... ;)

    Alles Liebe
    Julia

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  2. Ein wirklich toller Blog! Respekt für die Ausdauer! Ich musste wirklich oft schmunzeln und bin sehr gespannt wie das bei uns mal wird.
    wobei ich diese Fragen tatsächlich kreativer finde, als einfach nur immer wieder"warum?" "Warum?" "Und warum?" ;-)

    Ps: wirklich tolle Bilder

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  3. Danke, Danielle! Mehr davon. Noch kann ich darüber lachen. Hihi!
    Finha

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  4. Hach, hab schön gelacht (Wer den Schaden hat usw...). Hut ab wegen so einer Engelsgeduld!
    Und ich glaub, ich weiß, wo die Eisdiele ist. :-)
    LG
    Katrin

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  5. Großartig! Wie schön zu lesen dass es bei anderen genauso ist... :-) Bei unseren beiden (Mädchen, 5 Jahre, Junge, 3 Jahre) sieht das etwa genauso aus - nur dass der Kleine mittlerweile wacker mit quatscht und fragt - das Gute daran: die Große antwortet ihm und hat nicht mehr soviel Zeit zu fragen! ;-)
    Manuela

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  6. Hihi sehr gut! Ohje da bekomm ich auch etwas Angst. Werde wohl die Monate noch genießen, in denen sie noch nicht sprechen kann ;-)

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  7. Und ich dachte nur meine Tochter (3,5) quatscht und frägt viel :-). Wenn sie sich noch steigert, wie im letzten halben Jahr, dann können wir (leider) mit 5 Jahren locker mit diesem Beitrag mithalten. Ich hoffe mal, das es nicht ganz so weit kommt...
    LG
    Petra

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  8. Ja liebe Danielle,


    und jetzt stell Dir das Ganze mal noch in doppelter Ausführung vor.
    Genau. Ich bin zur Zeit abends gar gekocht....;-)

    Knusprige Grüsse!

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  9. Du bist nicht allein!!!! Ich glaube 99% aller Mütter/Eltern geht es genauso! Musste schmunzeln und konnte meine Situation mit 2 kleinen Kindern zu 100% in deinem Beitrag wiederfinden!!!!

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  10. "Mama, darf ich einen Bonbon?"
    "Ja darfst du"
    "Warum?"

    Grandios...

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  11. Ich bin grerade zusammengebrochen vor lachen, nur was ist wenn die kinder das mit 11 immernoch machen und alles bis aufs kleinste wissen wollen obwohl sie bestimmte Dinge gar nichts angehen und es nicht mal dein eigenes kind ist?

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  12. Wie lange geht diese Phase eigentlich? Bin gerade fast am verzweifeln...wir sind nämlich in der "Warum/Wieso" Phase. Zu jeder Erklärung gibt es ein weiteres "Warum???"
    Manchmal kann man den Kreislauf durch eine Gegenfrage durchbrechen...Aber oft nicht...Gestern abend zum Beispiel:
    "Warum sind die Fliegen hier drinnen?"
    "Sie kommen von draußen rein"
    "Wieso?"
    "Na die wollen mal gucken, was hier so los ist"
    "Warum?"
    "Na die sind genauso neugierig wie du"
    "Warum bin ich neugierig?"
    Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!!!!
    Oft sind es aber auch tolle Fragen, die einen selbst zum Nachdenken anregen...

    Toller Artikel, hab herrlich gelacht und meine Tochter wiedererkannt... ;-)

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    1. Liebe Dani,

      bei solchen Endlosschleifen steht m. E. der Spaß am Fragen (und unsere Verzweiflung) im Vordergrund. Und ja - es hört irgendwann auf - zumindest wird es weniger, ernsthafter und komprimierter.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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