Empfehlungen zur Beikosteinführung
Die Beikosteinführung ist für die meisten Eltern ein spannender Moment - ist es doch der erste Schritt in Richtung "Mein Baby wird groß". Zudem liegen einem Verwandtschaft und Bekanntschaft auch gerne mal mit der Frage im Ohr "Kriegt er/sie denn schon was Vernünftiges?" Entsprechend machen sich viele sehr umfangreiche Gedanken, wie sie das Thema angehen - auch weil sie befürchten, etwas falsch machen zu können.
Sucht man nach aussagekräftigem Studienmaterial zum Thema, ist man einigermaßen überrascht - es gibt wenig und das was es gibt, widerspricht sich zum Teil. Und bei manchen Studien, ist man sehr überrascht, wer der Geldgeber war und wie die Ergebnisse der Studie diesem gut in den Kram passen.
Es gibt zumindest eine unabhängige Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation:
Sucht man nach aussagekräftigem Studienmaterial zum Thema, ist man einigermaßen überrascht - es gibt wenig und das was es gibt, widerspricht sich zum Teil. Und bei manchen Studien, ist man sehr überrascht, wer der Geldgeber war und wie die Ergebnisse der Studie diesem gut in den Kram passen.
Es gibt zumindest eine unabhängige Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation:
"Exclusive breastfeeding is recommended up to 6 months of age, with continued breastfeeding along with appropriate complementary foods up to two years of age or beyond."
"Muttermilch ist die beste Nahrung für nahezu alle Säuglinge. Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten ist für die Mehrzahl der Säuglinge die ausreichende Ernährung.
Ab wann ein Säugling zusätzlich Beikost benötigt, ergibt sich individuell in Abhängigkeit vom Gedeihen und der Essfähigkeit des Kindes. Beikost sollte in der Regel nicht später als zu Beginn des 7. Lebensmonats und keinesfalls vor dem Beginn des 5. Monats gegeben werden. Beikosteinführung bedeutet nicht Abstillen, sondern eine langsame Verminderung der Muttermilchmengen und Stillmahlzeiten. Mutter und Kind bestimmen gemeinsam, wann abgestillt wird. Diese Empfehlungen geben einen Rahmen vor. Sie sollten nicht schematisch angewendet werden."
Die Empfehlung der WHO ist also deutlich dogmatischer - das verwundert nicht, da sie weltweit geltende Richtlinien (die auch in den Entwicklungsländern Geltung haben) herausgibt - die nationale Stillkommission kann die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen. Ihre Empfehlung lautet also: Keine Beikosteinführung, bevor das Kind 4 Monate alt ist und spätestens, wenn es 6 Monate alt ist. Nun - "in der Regel" - sonst auch gerne "individuell". Was aber macht man, wenn das Baby nun schon mit 3 Monaten ernsthaft Interesse an Essen zeigt oder mit 9 Monaten nichts anderes als Milch möchte? Ist das überhaupt problematisch?
Beikostreife - Kinder wissen, was sie wann brauchen
Beikost heißt deshalb Beikost, weil sie zur Milchnahrung nebenbei angeboten werden sollte - sonst hieße sie nämlich Anstattkost. Leider ist die Annahme hierzulande weit verbreitet, dass die Beikost dazu dient, möglichst schnell die Milchnahrung zu ersetzen. Dem ist jedoch nicht so - Hauptnahrungsquelle eines Babys sollte im ersten Lebensjahr nach wie vor die Milch sein. Dennoch fragen sich immer wieder besorgte Mütter "Isst mein Kind auch genug Brei?" oder "Warum schafft mein Kind es nicht, eine komplette Portion zu essen?" oder "Mit 9 Monaten müsste ich doch schon mehr Mahlzeiten ersetzt haben!" Auch wenn das Baby Brei grundsätzlich verweigert (was gar nicht selten vorkommt), sind viele irritiert. Diese Sorgen sind vollkommen unbegründet - ein gesundes Kind wird in der Regel essen, was es braucht - das hat die Natur so vorgesehen. Verlangt ein Baby also auch nach 6 Monaten - wenn man eigentlich schon Beikost eingeführt haben sollte - nur nach Milch, wird in diesem Moment Milch das optimale Nahrungsmittel für dieses Kind sein.
Betrachtet man die Beikosteinführung rein biologisch, könnte das Zahnen ein Hinweis darauf sein, wann ein geeigneter Zeitpunkt für festere Kost ist. Mit etwa 6 Monaten wachsen die Schneidezähne - wahrscheinlich eher nicht, um Mama gut in die Brust beißen zu können, sondern um erste leckere Stücken abzubeißen.
Ein weiteres körperliches Zeichen ist der Speichelfluss - viele beobachten schon ab dem 3. Monat ein verstärktes Sabbern und deuten dies (meist fälschlich) als Zahnungssymptome - in der Regel lässt der erste Zahn jedoch noch Monate auf sich warten. Wozu also dient das Sabbern? Schaut man sich den Speichel etwas genauer an, stellt man fest, dass dieser reichlich Amylase enthält - ein Enzym, das Stärke abbaut. Nur enthält Muttermilch gar keine Stärke - wozu also produziert der Körper so viel Amylase, wenn damit gar nichts zerlegt werden soll? Nicht nur Speichel enthält Amylase - auch die Muttermilch selbst. Sogar so viel, dass mit 100 ml Muttermilch 20 g Stärke verdaut werden könnten. Auch da fragt man sich doch erstaunt: Wozu? Nach etwa 4 Monaten nimmt die Bauchspeicheldrüse die Amylase-Produktion auf - etwa ab dem Zeitpunkt sinkt der Amylasegehalt der Muttermilch. Die Natur scheint es also eingerichtet zu haben, dass Babys auch vor dem Alter von 4 Monaten stärkehaltige Lebensmittel verdauen können.
Man muss dabei bedenken: Früher war Nahrung ein knappes Gut - Mütter (mit in der Regel auch kurzen Geburtenfolgen) waren darauf angewiesen, Babys bei Gelegenheit frühzeitig geringe Mengen zuzufüttern, auch um eigene Energiereserven zu schonen. Babys scheinen also darauf ausgelegt zu sein, von Anfang an geringe Mengen an Beikost verwerten zu können. In vielen Gesellschaften in der Welt wird dies tatsächlich auch so praktiziert. Man muss aber auch ganz klar sagen: Babys sind theoretisch in der Lage, früh Beikost zu verdauen - allerdings diente dieses Beifüttern nicht - wie heute üblich - dem Abstillen, sondern lediglich der Ergänzung zum Stillen. Daher ist es ganz sicher sinnvoll, sich an der Empfehlung "zwischen 4 und 6 Monaten" zu orientieren, ohne sich zu stressen, wenn das Baby nach dem 6. Monat noch immer keine Lust auf etwas anderes als Milch hat. Und wenn es im Alter von 3 Monaten schon mal nach einem Löffelchen Apfelmus schielt, wird es ihm sicher auch nichts schaden, ihn zu bekommen.
Gemeinhin gelten folgende Anzeichen als Signal, dass das Baby "beikostreif" ist:
- das Baby zeigt Interesse an Nahrung und kann diese selbständig in den Mund stecken,
- der Zungenstreckreflex (mit dem die Zunge automatisch Nahrung wieder aus dem Mund schiebt) ist schwächer geworden und
- es ist eine Bereitschaft zum Kauen vorhanden.
Im Grunde kann man ganz einfach sagen: Ein Baby, das nicht beikostreif ist, wird die Nahrung nicht nehmen. Ein Kind das Nahrung nimmt, ist beikostreif. Daher kann man durchaus probieren, dem Kind ab dem Alter von 4 Monaten Beikost anzubieten - muss man aber auch nicht.
Betrachtet man übrigens andere Länder, fällt auf, dass die Gepflogenheiten zum Teil sehr unterschiedlich sind: In Malaysia werden Babys ab der Geburt mit einem Brei aus gekochten Bananen oder gekochtem Reis mit Zucker gefüttert. In Nigeria gibt es bereits im 2. Lebensmonat einen Maisbrei. In Indien beginnt man mir Reisbrei und Joghurt, in Italien wird mit Obst begonnen, in China mit Reisbrei mit Eigelb. In Frankreich werden grüne Bohnen als ideales Einsteigergemüse betrachtet. Nicht eine Studie konnte bisher belegen, dass sich der Zeitpunkt oder die Vorgehensweise einer bestimmten Beikosteinführung langfristig auf die Gesundheit auswirkte. Man kann also guten Gewissens den Schluss ziehen, dass es keinen Unterschied macht, wann und wie Beikost eingeführt wird. Eine interessante Alternative zur Breikost ist übrigens auch das Baby-led weaning.
Vor 80 Jahren gab es ein interessantes Experiment von Dr. Clara Davis. Sie servierte 15 vollgestillten Waisenkindern im Alter von sechs bis elf Monaten ein Sortiment aus 34 verschiedenen, mundgerecht zubereiteten Speisen und ließ die Kinder ihre Mahlzeiten ausschließlich selbst zusammenstellen. Alle angebotenen Lebensmittel waren ungezuckert und ungesalzen, Gemüse wurde gedämpft und es gab keine verarbeiteten Produkte (wie Butter, Wurst oder Brot). Zu jeder Mahlzeit gab es eine Auswahl von 10 Komponenten wie z. B. Äpfel, Ananas, gekochter Weizen, Hafer, Roggen, Mais, Tomaten, Kartoffeln, Hirn, Knochenmark, Nierchen, gehäckselter Fisch, Eier, Wasser, Orangensaft, Milch usw. Die Kinder zeigten auf die gewünschten Lebensmittel und bekamen diese dann gereicht. Das Experiment wurde bis zu 6 Jahre lang pro Kind durchgeführt und ergab unter anderem folgende Ergebnisse:
Das Beikost-Experiment
Vor 80 Jahren gab es ein interessantes Experiment von Dr. Clara Davis. Sie servierte 15 vollgestillten Waisenkindern im Alter von sechs bis elf Monaten ein Sortiment aus 34 verschiedenen, mundgerecht zubereiteten Speisen und ließ die Kinder ihre Mahlzeiten ausschließlich selbst zusammenstellen. Alle angebotenen Lebensmittel waren ungezuckert und ungesalzen, Gemüse wurde gedämpft und es gab keine verarbeiteten Produkte (wie Butter, Wurst oder Brot). Zu jeder Mahlzeit gab es eine Auswahl von 10 Komponenten wie z. B. Äpfel, Ananas, gekochter Weizen, Hafer, Roggen, Mais, Tomaten, Kartoffeln, Hirn, Knochenmark, Nierchen, gehäckselter Fisch, Eier, Wasser, Orangensaft, Milch usw. Die Kinder zeigten auf die gewünschten Lebensmittel und bekamen diese dann gereicht. Das Experiment wurde bis zu 6 Jahre lang pro Kind durchgeführt und ergab unter anderem folgende Ergebnisse:
- Die Vorlieben der Kinder waren sehr unterschiedlich - es wurde jedoch durchschnittlich von allen die ungefähr gleiche Menge Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß verzehrt.
- Die ausgesuchte Nahrung wurde teilweise sehr ungewöhnlich kombiniert (ein Kind frühstückte in der Regel 500 ml Orangensaft und ein Stück Leber)
- Es gabe zyklische Vorlieben - oft wurde tagelang nur ein bestimmtes Lebensmittel (bspw. erst ein paar Tage lang Bananen, dann nur Hackfleisch) gegessen.
- Die verzehrten Mengen während der Mahlzeiten waren sehr unterschiedlich.
- Grundsätzlich bevorzugt wurde Obst - Getreide und Gemüse waren weniger beliebt. Kaum ein Kind aß Kopfsalat, Spinat oder Kohl.
- Fast alle Kinder probierten im Laufe der Zeit alle Lebensmittel. Es gab nur zwei Kinder die nie Salat probierten und eines, das niemals Spinat kostete.
- Kein Kind litt jemals wegen des Essens unter Durchfall, Erbrechen oder Verstopfung.
- Alle Kinder nahmen in etwa die für die Altersstufe empfohlene Kalorienmenge auf.
- Bei Infektionen änderten die Kinder ihr Essverhalten - es wurden überdurchschnittlich viel Karotten, Rind und Rüben gegessen.
- Ein Kind litt unter Rachitis. Ihm wurde zusätzlich Lebertran angeboten, welchen es auch zu sich nahm - bis die Rachitis ausgeheilt war. Danach hat es ihn nie wieder angerührt.
Das Erstaunliche dabei: Alle Kinder gediehen, waren gesund (alle Blutwerte lagen im Normbereich) und es traten keine Mangelerscheinungen auf. Kein Kind war dick, keines dünn. Ärzte bescheinigten den Kindern einen überdurchschnittlich guten Gesundheitszustand.
Dieses Experiment hat gezeigt, dass Babys offenbar ganz instinktiv und intuitiv wissen, was ihnen gut tut - also sollten wir uns in Bezug auf die Beikost doch einfach von unseren Kindern leiten lassen.
Dieses Experiment hat gezeigt, dass Babys offenbar ganz instinktiv und intuitiv wissen, was ihnen gut tut - also sollten wir uns in Bezug auf die Beikost doch einfach von unseren Kindern leiten lassen.
Welche Lebensmittel sind geeignet? Welche Lebensmittel sind im ersten Jahr verboten?
In Deutschland gibt es sehr schematische Empfehlungen - stufenweise Einführung des Gemüse-Kartoffel-Fleischbreis, danach Gabe eines Getreide-Obst-Breis und anschließend Ergänzung um einen abendlichen Getreide-Milch-Brei. Oft ist es so, dass 6-monatige Babys schon 3 Mahlzeiten komplett essen und manchmal nur noch eine Flasche Milch bekommen. Wenn das Kind begeistert isst, ist das kein Problem - in der Regel wollen Babys jedoch gar nicht so schnell ihrer Milch entsagen. Sie essen wenig und verunsichern ihre Eltern damit leider oft. Das ist jedoch kein Grund, sich Gedanken zu machen: Die optimale Babynahrung im ersten Jahr ist und bleibt Milch!
Im Grunde kann es sich der Mensch gar nicht leisten, sonderlich wählerisch in Bezug auf die Nahrung zu sein. Evolutionär war es Jahrtausende lang so, dass Winter-Babys Wintergemüse angeboten wurde, ein Sommerbaby erhielt Sommerobst und -gemüse. Unsere Urahnen standen nicht im Supermarkt vor einer reichhaltigen Auswahl an allen möglichen (exotischen) Gemüsen und führten aus Allergieprophylaxegründen alle Lebensmittel schrittweise ein - sie mussten nehmen, was gerade auf dem Feld wuchs und verfügbar war. Die Nahrungsaufnahme diente allein dem Überleben - keiner konnte es sich leisten, Karotten ggf. nicht zu verfüttern, weil sie stopfen könnten - letztendlich haben Babys bekommen, was gerade da war. Als Beikost - nicht als Anstattkost. Denn Milch bekamen die Kinder weiter lange - vor allem dann, wenn nichts anderes verfügbar war. Und darauf ist der Babyorganismus auch heute noch eingerichtet.
Folgende Lebensmittel sollten im ersten Lebensjahr (und teilweise darüber hinaus) nicht Bestandteil der Beikost sein:
- rohe Eier und Rohmilch (Salmonellengefahr)
- Honig (kann Botulinumbakterien enthalten - die sind für Babys tödlich!)
- Nüsse - es besteht Erstickungsgefahr
- Kuhmilch (siehe dieser Artikel dazu)
- Salz (belastet die Nieren)
- Quark (enthält zu viel nierenbelastendes Eiweiß)
- künstliche Süßstoffe
- kaltgepresstes Öl
- roher Fisch oder rohes Fleisch
Ungeeignet sind darüber hinaus:
- blähende Nahrungsmittel wie Linsen, Bohnen, Erbsen,
- Blattsalate (können nur unzureichend gekaut werden),
- Pilze (reichern Schadstoffe an und sind schwer verdaulich) sowie
- Zwiebel und Kohl.
Wer einen Mäkler hat und sich trotz meiner Ausführungen noch immer sorgt, dem sei als ausführliche Literatur unser ausführlicher Artikel über Schlechtesser und das Buch Mein Kind will nicht essen empfohlen.
Oder ihr hört einfach mal in unsere Podcast-Folge zum Thema Beikost und Baby-led-weaning rein :-).
© Danielle
