Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern - Erste Hilfe und Vorbeugung

Vorab ein wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Gerade bei Babys und Kleinkindern ist es sinnvoll, einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind zu besuchen, beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz.

Verbrennungen und Verbrühungen gehören besonders bei kleinen Kindern zu den typischen Unfallgefahren. Gefährlich sind vor allem heiße Flüssigkeiten: Eine Tasse Kaffee oder Tee, ein Topf mit heißem Wasser oder eine heruntergezogene Schüssel können bei einem kleinen Kind eine vergleichsweise große Hautfläche treffen. Besonders häufig passieren solche Unfälle in den ersten Lebensjahren, wenn Kinder mobiler werden, nach Gegenständen greifen und Gefahren noch nicht einschätzen können.

Verbrennung oder Verbrühung - wann braucht ein Kind ärztliche Hilfe?

Wie schwer eine Verbrennung ist, hängt nicht nur davon ab, wie die Haut unmittelbar danach aussieht. Entscheidend sind unter anderem die Größe und Tiefe der Verletzung, die betroffene Körperstelle, das Alter des Kindes und die Ursache. Gerade bei Kindern sollte man im Zweifel lieber einmal zu viel medizinischen Rat einholen. Schwere Verbrennungen können außerdem anfangs weniger dramatisch aussehen, als sie tatsächlich sind.

Bei einer oberflächlichen Verbrennung ist die Haut gerötet und schmerzhaft. Bei tieferen Verbrennungen können sich Blasen bilden, die Haut kann stark anschwellen oder weißlich, grau beziehungsweise dunkel erscheinen. Sehr tiefe Verbrennungen können paradoxerweise weniger schmerzen, weil Nerven geschädigt worden sind. Für Eltern ist es jedoch nicht notwendig, eine Verbrennung selbst zuverlässig einem bestimmten Verbrennungsgrad zuzuordnen.

Den Rettungsdienst unter 112 rufen sollte man insbesondere bei großflächigen oder schweren Verbrennungen, bei Bewusstlosigkeit oder Atemproblemen, bei einem Brand mit möglicher Rauchgasinhalation oder wenn der Allgemeinzustand des Kindes Anlass zur Sorge gibt. Auch Verbrennungen im Gesicht, am Hals, an Händen, Füßen, Gelenken oder im Genitalbereich sowie elektrische oder chemische Verbrennungen sollten ärztlich beurteilt werden.

Bei kleineren Verletzungen gilt: Wenn sich Blasen bilden, die Verbrennung größer ist, starke Schmerzen verursacht oder man sich hinsichtlich des Ausmaßes unsicher ist, sollte das Kind ärztlich vorgestellt werden.

Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen

Zuerst muss die Gefahrenquelle beseitigt werden. Brennende Kleidung mit Wasser löschen, mit einer Decke ersticken oder das Kind auf dem Boden wälzen. Bei Verbrühungen sollte mit heißer Flüssigkeit durchtränkte Kleidung möglichst rasch und vorsichtig ausgezogen werden. Kleidung, die an verbrannter Haut festklebt, darf dagegen nicht gewaltsam abgerissen werden.

Danach Bewusstsein und Atmung prüfen. Atmet das Kind nicht normal, müssen sofort lebensrettende Sofortmaßnahmen begonnen und der Rettungsdienst alarmiert werden.

Soll man eine Verbrennung kühlen?

Hier haben sich die Empfehlungen gegenüber früher verändert. Kleinflächige Verbrennungen, beispielsweise an einem Finger, können mit handwarmem Wasser gekühlt werden. Das Wasser sollte mindestens etwa 15 °C warm sein. Gekühlt wird höchstens zehn Minuten. Sobald das Kind friert oder sich unwohl fühlt, wird die Kühlung beendet.

Großflächige Verbrennungen werden bei Kindern nicht gekühlt. Hier ist die Gefahr einer Unterkühlung zu groß. Die verletzte Stelle wird stattdessen möglichst keimfrei, locker und ohne Druck abgedeckt, das Kind warm gehalten und der Rettungsdienst unter 112 verständigt.

Eis, Eiswasser und Kühlpacks gehören nicht auf eine Verbrennung. Sie können das Gewebe zusätzlich schädigen und erhöhen gerade bei Kindern die Gefahr einer Unterkühlung.

Kleinkindhand unter Wasserhahn

Was gehört nicht auf eine Verbrennung?

Mehl, Öl, Puder, Zahnpasta und andere Hausmittel gehören nicht auf verbrannte Haut. Auch Salben sollte man bei einer frischen Brandverletzung nicht einfach auftragen. Sie können die Beurteilung und Versorgung der Wunde erschweren. Brandblasen werden nicht geöffnet, da dadurch die Infektionsgefahr steigt.

Größere beziehungsweise offene Brandwunden können bis zur medizinischen Versorgung mit einem sterilen Verbandtuch aus dem Verbandkasten locker und ohne Druck abgedeckt werden. Bei einer behandlungsbedürftigen Verbrennung sollte außerdem der Tetanus-Impfschutz überprüft werden.

Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern vorbeugen

Viele Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle passieren im eigenen Zuhause. Gerade in der Küche und im Badezimmer lässt sich das Risiko mit einigen einfachen Gewohnheiten deutlich reduzieren:

  • Heiße Getränke und Speisen immer weit entfernt vom Tischrand abstellen.
  • Nichts Heißes trinken oder essen, während ein Baby oder Kleinkind auf dem Schoß sitzt.
  • Auf herunterhängende Tischdecken verzichten.
  • Beim Kochen möglichst die hinteren Herdplatten benutzen und Topf- und Pfannengriffe nach hinten drehen.
  • Bei Bedarf ein Herdschutzgitter verwenden.
  • Wasserkocher und andere Geräte so aufstellen, dass Kinder nicht an Kabeln ziehen können.
  • Bügeleisen nach Gebrauch ausstecken und außerhalb der Reichweite von Kindern abkühlen lassen.
  • Speisen und Getränke aus der Mikrowelle gut umrühren und die Temperatur vor dem Füttern prüfen.
  • Die Heißwassertemperatur des Boilers möglichst auf maximal 50 °C begrenzen und feststellbare Wasserregler im Bad auf maximal 38 °C einstellen.
  • Badewasser auf etwa 36 bis 37 °C einstellen und die Temperatur kontrollieren. Niemals heißes Wasser nachlaufen lassen, während das Kind bereits in der Badewanne sitzt.
  • Streichhölzer und Feuerzeuge konsequent außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Kinder an Kerzen, Feuerstellen und Grills nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Zum Anzünden oder Nachgießen beim Grillen niemals Spiritus oder andere Brandbeschleuniger verwenden.
  • Fettbrände niemals mit Wasser löschen.
  • Keine Heizdecken in Baby- oder Kinderbetten verwenden.
  • Heizstrahler, Öfen und andere sehr heiße Oberflächen so sichern, dass kleine Kinder sie nicht berühren können.
  • Rauchmelder installieren und regelmäßig überprüfen.

Auch Kinder können lernen, sich bei einem Brand richtig zu verhalten

Mit zunehmendem Alter können Kinder lernen, dass sie bei einem Feuer sofort einen Erwachsenen alarmieren und sich in Sicherheit bringen müssen. Wichtig ist vor allem, dass sie sich nicht verstecken und nicht zurücklaufen, um Spielzeug oder Kuscheltiere zu holen. Fluchtwege und das Verhalten im Brandfall kann man altersgerecht gemeinsam besprechen und üben.

Vorbeugung bleibt bei Verbrennungen und Verbrühungen besonders wichtig. Kleine Kinder können Gefahren durch Hitze noch nicht zuverlässig einschätzen. Deshalb liegt die Verantwortung zunächst bei den Erwachsenen, typische Gefahrenquellen so gut wie möglich zu entschärfen.

© Danielle