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Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern behandeln


Vorab der Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Wir wollen an dieser Stelle lediglich in einigen Beiträgen eine kurze Übersicht über erste Hilfe bei Babys und Kleinkindern geben - am sinnvollsten ist in jedem Falle der Besuch eines entsprechenden Kurses - beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz (Kurssuche).

Verbrennungen und Verbrühungen sind neben Vergiftungen die häufigste Unfallursache in den ersten Lebensjahren. Oft ist es schwierig, das Ausmaß der Verletzung zu bestimmen, schon mittelgroße Verbrennungen und Verbrühungen können lebensgefährlich sein.

Einschätzung des Ausmaßes der Verbrennung - wann ist welche ärztliche Hilfe erforderlich? 


Lebensgefahr für Kinder besteht, wenn mehr als 8% der Körperfläche schwere Verbrennungen aufweisen. Die Abschätzung erfolgt am einfachsten, wenn man die die Oberfläche der Kinderhand als Maßstab nimmt - sie entspricht ungefähr einem Prozent der Hautoberfläche. Für die anderen Körperteile gelten folgende Anteile:

  • Kopf und Hals 16%
  • je Arm 9%
  • Rumpf: Vorder- und Rückseite je 16%
  • je Bein 17%.

Allein die Verbrennung eines Armes kann also schon tödliche Folgen haben. Mit einer einzigen Tasse heißem Tee kann man allein bis zu 30% der Hautoberfläche eines kleinen Kindes verbrühen - dabei reicht eine Temperatur von 52°C schon aus. Verbrennungen sind deshalb gefährlich, weil der Körper über die verbrannte Fläche sehr viel Flüssigkeit verliert. Ab einer Gesamtfläche von 5% verbrannter Haut besteht akute Schockgefahr.

Man unterscheidet drei Schweregrade bei Verbrennungen. Das tatsächliche Ausmaß ist meist nicht sofort zu erkennen und entwickelt sich oft erst über eine gewisse Zeit.

Verbrennungen ersten Grades 


Die Haut ist rot, heiß und geschwollen, das Kind empfindet brennende, ziehende Schmerzen - bspw. ein Sonnenbrand. Die Haut sollte nicht abgedeckt werden und heilt ohne Eingreifen innerhalb von 5 bis 10 Tagen vollständig. 

Verbrennungen zweiten Grades 


Die Haut ist rot, heiß und stark geschwollen, das Kind empfindet brennende, starke Schmerzen und es bilden sich zusätzlich Blasen. Man unterscheidet in

2a (oberflächlich): Die Wunde nässt und heilt ohne operativen Eingriff
2b (tief): Die Wunde ist trocken und verfärbt sich weißlich/grau - sie muss operiert werden und hinterlässt Narben

Verbrennungen dritten Grades 


Mehrere Hautschichten sind zerstört - bis hin zur Verkohlung (schwarz) - Schmerz wird oft durch die Schädigung der Nerven nicht empfunden. Es kommt häufig zu Atem- oder Kreislaufstörungen. Die Wunde muss operiert werden, es bleiben Narben.
Sofort (not-)ärztliche Hilfe ist erforderlich, wenn

  • Gesicht oder Genitalien verbrannt sind
  • bei Verbrennungen 3. Grades
  • wenn bei Verbrennungen 2. Grades mehr als 5% der Haut betroffen sind.

Das Kind sollte nicht selbst in eine Klinik gefahren werden, sondern der Rettungsdienst verständigt werden - dieser weiß, welche Klinik für die Behandlung eher in Frage kommt und bringt das Kind - je nach Schwere der Verletzung - in ein entsprechend spezialisiertes Krankenhaus.

Eine zügige aber nicht sofortige ärztliche Behandlung ist erforderlich, wenn die verbrannte Hautfläche größer als 1% der Hautoberfläche (also "eine Hand") ist.

Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen 


Bei einem Brand gilt: Kind aus der Gefahrenzone bringen, brennende Kleidung löschen (auf dem Boden wälzen oder mit einer Decke ersticken - Feuerlöscherinhalte wegen der Erstickungsgefahr unbedingt vom Kopf fern halten) und den Brand - soweit möglich - löschen (Fettbrände nie mit Wasser löschen, immer ersticken!). Ist dies nicht möglich muss die Feuerwehr alarmiert werden.

Dann sollten die Vitalfunktionen geprüft werden - ist das Kind bei Bewusstsein? Atmet es? Ist dies nicht der Fall, sind lebensrettende Sofortmaßnahmen erforderlich (coming soon). Ist das Kind bewusstlos und atmet, muss es in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Die Kleidung sollte schnellstmöglich entfernt werden, wenn dies möglich ist - dabei mit der Haut verklebte Teile (bei Verbrennungen leider häufig) nicht abreißen sondern ggf. vom Rest der Kleidung abschneiden.

Sind mehr als 10% Körperfläche betroffen, muss sofort der Notarzt (112) alarmiert werden. In solchen Fällen darf nicht gekühlt werden, vielmehr muss die Körperwärme erhalten werden. Dazu eignen sich wärmeerhaltende Rettungsdecke (Verwendung der Decke: außen silber, innen gold). 

Sind weniger als 10% der Haut verbrannt, sollte sofort gekühlt werden, da dies tiefer gehende Hautschäden verhindert. Dabei lösen sich dann  auch u. U. festgebrannte Kleidungsstücke. Es darf immer nur der betroffene Bereich gekühlt werden und das Wasser darf dabei nicht zu kalt sein - eher lau (15-20 °C), da es sonst zu Unterkühlungen kommen kann. Das Kühlen sollte bei größeren Flächen über 1% nicht länger als  fünf bis zehn Minuten dauern - bei Kleinkindern unter 3 Jahren eher nur 2 bis 3 Minuten). Wenn das Kind fröstelt oder es die Kühlung als unangenehm empfindet, sollte sie sofort beendet und das Kind zugedeckt werden.

Kleinere Verbrennungen (bis zur Größe der Oberfläche eines Fingers) können länger - etwa bist zu 20 Minuten lang - gekühlt werden. Kein Eis nehmen - das lindert zwar den Schmerz zunächst effektiver, führt jedoch zu einer stärkeren Durchblutung, so dass noch stärkere Schmerzen die Folge sind.
Also Faustregel gilt also: Je mehr (verbrannt), desto weniger (kürzer Kühlen)!
Es sollten keinerlei fremde Substanzen (Hausmittel oder ähnliches) auf die Wunde aufgebracht werden. Keinesfalls dürfen Brandblasen geöffnet werden - es besteht sonst eine hohe Infektionsgefahr.
Offene Wunden (nicht im Gesicht) können mit einem sterilen Verband (der in der Hausapotheke vorrätig sein sollte) oder idealerweise einem Metallinetuch (verklebt nicht mit der Wunde) abgedeckt werden - im Notfall können auch nicht fusselnde, saubere, gebügelte Taschen- oder Geschirrtücher verwendet werden.

Bei kleinflächigen Verbrennungen 1. Grades, die nicht ärztlich behandelt werden müssen, kann Bepanthen-Salbe®, Fenistil-Gel® oder von Weleda die Combudoron-Salbe® verwendet werden.

Verbrennungen vorbeugen 


Die meisten Verbrennungs-/Verbrühungsunfälle sind vermeidbar - folgende Maßnahmen reduzieren das Risiko enorm:

  • Streichhölzer und Feuerzeuge konsequent außer Reichweite räumen,
  • das Kind nie allein an offenem Feuer (Kerze) oder am Grill lassen,
  • niemals Spiritus oder andere Brandbeschleuniger beim Grillen verwenden, es sind Verpuffungen möglich,
  • keine herunter hängenden Tischdecken verwenden,
  • Bügeleisen (auch zum Abkühlen) immer außer Reichweite stellen,
  • nichts heißes Essen, während das Kind auf dem Schoß sitzt,
  • Flaschen und Brei aus der Mikrowelle vorher immer umrühren und die Temperatur prüfen,
  • beim Baden niemals erstmal nur heißes Wasser einfüllen - entweder gleich die richtige Temperatur suchen oder mit kaltem Wasser beginnen, das heiß aufgefüllt wird,
  • Wasserhähne nicht auf der Position "heiß" lassen - Verbrühungen können schon ab 52°C entstehen - mit Thermostat am besten auf 50°C begrenzen,
  • in Wärmeflaschen Wasser mit max. 50°C einfüllen - besser Körnerkissen verwenden (Achtung - Kirschkerne entfalten ihr Temperatur zeitverzögert),
  • nicht mit Kindern über heißem Wasser inhalieren - besser technische geräte verwenden,
  • möglichst mit den hinteren Herdplatten/-feldern kochen und den Herd mit einem Herdgitter sichern,
  • Griffe von Töpfen und Pfannen so drehen, dass ein Herunterreißen erschwert wird,
  • bei Wasserkochern und Tauchsiedern darauf achten, dass nicht am Kabel gezogen werden kann,
  • keine Heizdecken in Kinderbetten verwenden,
  • Heizkörper und Öfen sichern - Kontaktverbrennungen sind ab 50°C möglich und 
  • keine Wunderkerzen verwenden - die Funken können Kleidung in Brand stecken.

Am wichtigsten ist Aufklärung - dem Kind sollten die Gefahren bewusst gemacht werden. Im Falle eines Feuers soll es laut "FEUER!" rufen - Kinder neigen zu stillen Fluchtreaktionen (Verstecken im Gefahrenbereich) oder unüberlegten Handlungen (Kuscheltier retten). Fluchtwege sollte gezeigt werden und unbedinbt geübt werden, wie man kriechend den Brandort verlassen kann (am Boden atmet es sich leichter).

Und nicht vergessen: Rauchmelder retten Leben.

© Danielle 

Literaturtipps und DVDs zur ersten Hilfe



 
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