Vergiftung bei Kindern: Was Eltern im Notfall tun sollten

Vorab der Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt natürlich keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs! Wir wollen lediglich in unserem Blog eine kurze Übersicht über die Erste Hilfe bei Babys und Kleinkindern geben. Am sinnvollsten ist in jedem Falle der Besuch eines entsprechenden Kurses, beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz (klick hier für eine DRK-Kurssuche bei Dir in der Nähe).

Wenn Du gerade den Verdacht hast, dass sich Dein Kind vergiftet haben könnte, wende Dich an ein Giftinformationszentrum. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Herz-Kreislauf-Stillstand oder anderen akut lebensbedrohlichen Symptomen wähle sofort den Notruf 112.

Wie kommt es zu Vergiftungen?

Vergiftungsunfälle kommen vor allem im Kleinkindalter vor. Viele davon sind vermeidbar, daher gilt hier ganz besonders: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Alles potentiell Gefährliche sollte immer aus der Reichweite von Kindern geräumt werden. Keinesfalls sollte man sich allein auf kindersichere Verschlüsse verlassen. Wichtig ist es außerdem, im Ernstfall Ruhe zu bewahren und nicht mit Hausmitteln zu experimentieren, sondern sich beim Giftnotruf beraten zu lassen.

Glücklicherweise nehmen Kinder von vielen unangenehm schmeckenden Substanzen nur geringe Mengen zu sich. Dennoch lauern mögliche Vergiftungsgefahren überall im Haushalt, sei es durch die Verabreichung falscher Medikamente oder Dosierungen, die Verwechslung von Tabletten wie Vitamin D und Euthyrox oder beispielsweise durch Babynahrung, die versehentlich mit noch entkalkerhaltigem Wasser aus dem Wasserkocher zubereitet wurde.

Medikamente, Reinigungs- und Waschmittel, ätherische Öle, Nikotinprodukte und andere potentiell gefährliche Stoffe sollten für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden. Chemikalien gehören außerdem niemals in Getränke- oder Lebensmittelbehälter.

Auch im Garten sollte man sich gründlich umsehen, wenn die Kinder ins Krabbelalter kommen. Es schadet nichts zu wissen, welche Pflanzen und Beeren potentiell gefährlich sind. Informationen zu Giftpflanzen bietet das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Symptome einer Vergiftung

Eine Vergiftung ist nicht immer leicht erkennbar. Folgende Merkmale und Symptome können darauf hindeuten, dass das Kind eine toxische Substanz zu sich genommen haben könnte:

  • Rückstände unbekannter Substanzen am Mund,
  • ungewöhnlicher Geruch aus dem Mund, beispielsweise nach Alkohol oder Lösungsmitteln,
  • Unwohlsein,
  • Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen,
  • Schwindel oder Zittern,
  • Schweißausbrüche,
  • ungewöhnliche Müdigkeit oder Benommenheit,
  • Atemnot oder Atemstörungen,
  • auffällige Pupillen,
  • Bewusstseinstrübungen oder Bewusstlosigkeit,
  • auffällig schneller, langsamer oder unregelmäßiger Puls,
  • Halluzinationen oder Verwirrtheit,
  • auffällige Blässe oder gerötete Haut.

Nicht jede Vergiftung verursacht sofort Beschwerden und nicht alle Symptome müssen auftreten. Wenn Du weißt oder vermutest, dass Dein Kind etwas möglicherweise Giftiges zu sich genommen hat, solltest Du deshalb nicht erst auf Symptome warten.

Bitte bleibe ruhig und mache Deinem Kind keine Vorwürfe. Ein verängstigtes Kind verschweigt aus Angst vor Strafe unter Umständen, was es zu sich genommen hat. Dabei ist es wichtig herauszufinden, was genau und wie viel davon es geschluckt hat.

Bewahre die Verpackung oder den Behälter auf. Bei Medikamenten sind Name und Wirkstoff wichtig, bei Pflanzen können Pflanzenteile oder Fotos bei der Bestimmung helfen. Bei chemischen Haushaltsprodukten kann auch der auf dem Etikett angegebene UFI-Code für das Giftinformationszentrum hilfreich sein.

Erste Hilfe bei Vergiftungen

Liegt das Kind bewusstlos am Boden, müssen zunächst Bewusstsein und Atmung geprüft werden. Bei Bewusstlosigkeit oder Atem- und Kreislaufstillstand muss sofort der Notruf 112 gewählt und Erste Hilfe nach den aktuellen Empfehlungen geleistet werden. Atmet ein bewusstloses Kind normal, wird es in die stabile Seitenlage gebracht. Atmet es nicht normal, muss mit der Wiederbelebung begonnen werden.

Ist das Kind wach und besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, sollte man sich beim zuständigen Giftinformationszentrum beraten lassen. Eine aktuelle Übersicht der deutschen Giftinformationszentren findest Du beim Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Zentren sind rund um die Uhr erreichbar.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Giftnotrufs können die Lage individuell einschätzen. Wichtig sind dabei vor allem folgende Informationen:

  • Was wurde eingenommen, eingeatmet oder berührt?
  • Wie alt und wie schwer ist das Kind?
  • Wie viel könnte es gewesen sein?
  • Wann ist es passiert?
  • Wie geht es dem Kind jetzt?
  • Welche Maßnahmen wurden bereits durchgeführt?

Weiß man, was das Kind zu sich genommen hat, sollte man die Verpackung während des Telefonats in Reichweite haben. Wird das Kind zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus geschickt, sollte die Verpackung ebenfalls mitgenommen werden.

Bei Haushaltschemikalien kann auf dem Etikett ein sogenannter UFI-Code stehen. Diese Buchstaben- und Zahlenkombination ermöglicht dem Giftinformationszentrum, die genaue Zusammensetzung eines Produktes schneller zuzuordnen. Halte den Code beim Anruf bereit, wenn er auf der Verpackung zu finden ist.

Niemals darf ohne ausdrückliche Anweisung Erbrechen herbeigeführt werden. Insbesondere bei Lampenöl, Benzin, Lösungsmitteln und schäumenden Substanzen kann es gefährlich werden, wenn die Stoffe beim Erbrechen in die Atemwege gelangen.

Auch was das Kind trinken darf, hängt von der aufgenommenen Substanz ab. Milch sollte nicht als Hausmittel gegen Vergiftungen gegeben werden. Bei einem wachen Kind empfiehlt der Giftnotruf der Charité nach dem Verschlucken nicht schäumender Substanzen, den Mund auszuspülen und ein halbes Glas klare Flüssigkeit wie Wasser oder Tee trinken zu lassen. Bei schäumenden Substanzen soll es nur ein Schluck klare Flüssigkeit sein. Bei einem bewusstlosen Kind darf keine Flüssigkeit gegeben werden.

Aktivkohle oder Entschäumer sollten nur auf ärztliche Anordnung oder nach Rücksprache mit dem Giftnotruf gegeben werden. Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt entscheidend davon ab, welche Substanz das Kind aufgenommen hat.

Ist eine ätzende Substanz in den Mund gelangt, sollte der Mund ausgespült werden. Auch hier sollte anschließend der Giftnotruf kontaktiert und dessen Anweisung befolgt werden. Bitte nicht versuchen, Säuren oder Laugen selbst zu neutralisieren.

Erbricht sich das Kind von selbst, sollte darauf geachtet werden, dass es das Erbrochene nicht einatmet. Ist das Kind bewusstlos und atmet normal, gehört es in die stabile Seitenlage. Bewusstsein und Atmung müssen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes regelmäßig kontrolliert werden.

Die Giftnotruf-App fürs Handy

Praktisch ist die kostenlose App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesinstituts für Risikobewertung. Sie enthält Informationen zu Medikamenten, Chemikalien und Pflanzen sowie Hinweise zur Ersten Hilfe. Im Notfall kann über die App direkt das zuständige Giftinformationszentrum angerufen werden. Die App funktioniert nach der Installation mit vielen Informationen auch ohne Internetverbindung.

© Danielle