Schwimmlernhilfen werden in drei verschiedene Klassen unterteilt. Klasse A ist für passive Schwimmer, hierunter fallen Badesitze/"Schwimmringe", in denen schon Babys sitzen können und ohne Zutun über Wasser bleiben. In die Klasse B fallen Schwimmflügel und ähnliche Hilfen, sie sind für aktive Schwimmer und werden am Körper befestigt. Zur Klasse C gehören Schwimmbretter, diese müssen von aktiven Schwimmern selbst gehalten werden.
Schwimmringe
Schwimmringe in der klassischen Reifenform gehören ebenso wie Luftmatratzen, aufblasbare Tiere und Ähnliches in den Bereich Spielzeuge, sie sind wie oben bereits erwähnt nur Schwimmhilfen und gehören in keine Klasse der Schwimmlernhilfen.
Badesitze
Badesitze sind eine Möglichkeit, schon mit den Allerkleinsten Schwimmen zu gehen. Die DLRG rät vom Einsatz von Badesitzen allerdings ab, da mit ihnen der natürliche Bewegungsablauf beim Schwimmen und auch das Spielen gestört wird und sie beim Umkippen unter Umständen eine Aufrichtung behindern.
Meiner persönlichen Erfahrung nach sind die kleinsten Schwimmer auch so leicht, dass man sie lange Zeit im Wasser selber halten kann. Wenn die eigenen Kräfte nachlassen, ist das Baby meist auch schon so hungrig und/oder ausgekühlt, dass man aus dem Wasser gehen sollte.
Schwimmflügel
Schwimmflügel sind vermutlich die gängigste Schwimmlernhilfe. Leider sind wegen der verwendeten Inhaltsstoffe bei Ökotest alle klassischen Schwimmflügel „durchgefallen“. Viele Mütter und auch Schwimmlehrer kritisieren, dass Schwimmflügel die Bewegungsfreiheit der Arme einschränken.
In unserem Schwimmkurs (Zielgruppe Babys und Kleinkinder) begann die Gewöhnung an Schwimmflügel erst, als die Kinder krabbeln konnten, da dann die Muskulatur wohl entsprechend aufgebaut ist.
Ein kurzer Benutzungshinweis im Sinne der Kinder: oft sieht man in Schwimmbädern Eltern die (teil-) aufgeblasenen Schwimmflügel über die Arme des Kindes streifen. Da das Anziehen so teilweise schmerzhaft ist, achtet bitte darauf, dass die Schwimmflügel nicht zu stark aufgeblasen sind und den Kindern schon beim Anziehen wehtun. Nehmt Euch lieber den kurzen Moment Zeit, die Schwimmflügel wirklich erst nach dem Überstreifen aufzublasen.
Meine persönliche Meinung ist, dass es fürs wirkliche Schwimmenlernen im Alter von rund 5 Jahren sicher bessere Alternativen gibt (sie folgen im Text), aber Schwimmflügel in manchen Situationen durchaus hilfreich sind.
Ich denke da an längere Hallenbadbesuche mit einem Kleinkind: das Kind ist mir persönlich auch mit Auftrieb zu schwer, um es ständig mit zu halten und außerdem genießen Kleinkinder ja auch ab und an die Freiheit nicht permanent von ihren Eltern gehalten zu werden. Bei meinen Recherchen zu diesem Artikel bin ich auch über den Hinweis gestolpert, dass die Zeit mit Schwimmlernhilfen ungefähr nur die Hälfte der gesamten Badezeit ausmachen sollte, damit die Kinder nicht das Gefühl hätten, sie könnten schwimmen und sich so in gefährliche Situationen begeben.
Ein weiterer sinnvoller Einsatzort ist in meinen Augen die Verwendung an einem Strand mit Wellen. Je nach Wellengang können Wellen kleine Sandburgenbauer von den Füßen reißen. Da sind zwar die Schwimmflügel kein sicherer Schutz vor Ertrinken, aber ich hätte die Hoffnung das Kind so eher aus dem Wasser ziehen zu können.
An dieser Stelle sollen noch ein paar besondere Schwimmflügelarten Erwähnung finden:
Kraulquappen
Chereks Kraulquappen sind bei Eltern kleinerer Kinder sehr beliebt: durch die im Gegensatz zu klassischen Schwimmflügeln veränderten Form bleibt der Kopf höher. So sind die Kinder auch etwas besser vor Spritzwasser geschützt. Bei entsprechendem Anlegen sind diese wohl auch schon vor dem Krabbeln nutzbar, da die Kraulquappen sehr hoch sitzen und die Armmuskulatur nicht benötigt wird. Leider wurde bei Stiftung Warentest und bei Ökotest gleichermaßen kritisiert, dass sich bei den Kraulquappen das Ventil lösen kann und das Ventil zudem so klein ist, dass Kinder es verschlucken können. Wegen der Schadstoffe in den Kraulquappen gibt es hier die Gegendarstellung des Herstellers.
Flipper Swimsafe und Schwimmscheiben
Die Flipper Swimsafe ähneln auf den ersten Blick den Kraulquappen, haben aber etwas weniger Auftrieb von unten. Meiner Recherche nach haben Kraulquappen, Swimsafe und Schwimmscheiben alle Styropor als Auftriebskörper, so dass sie etwas mehr Platz im Badegepäck brauchen. Der Vorteil liegt dann natürlich darin, dass bei einem Loch nicht gleich der ganze Auftrieb weg ist und dass man weniger aufpusten muss.
Neopren-Schwimmflügel
Schwimmflügel aus Neopren (z. B. Bema) unterscheiden sich von normalen Schwimmflügeln durch ihr bequemeres Tragegefühl. Zudem hat Neopren selber Auftrieb und die Neopren-Schwimmflügel haben ein Plastikkissen im Inneren, so dass ich denke, dass eine Beschädigung durch spitze Gegenstände schwieriger ist als bei klassischen Schwimmflügeln. Im Falle von Luftverlust rutschen die Neopren-Schwimmflügel nicht einfach vom Arm, da sie zusätzlich mit einer Innenmanschette per Klett am Arm des Kindes befestigt werden. „An Land“ sind die Neopren-Schwimmflügel allerdings etwas schwerer als normale Schwimmflügel.
Poolnudeln
Bei Kleinkindern kann man statt Schwimmflügeln auch ausprobieren, ob sie mit Poolnudeln gut zurecht kommen. Bei uns begann der Einsatz der Poolnudel mit ca 2,5 Jahren. Die Kinder können den Oberkörper auf die Poolnudel legen, so dass sie noch reichlich Auftrieb am Oberkörper bekommen. Bei der Verwendung von Poolnudeln muss man allerdings wachsamer sein als bei befestigten Schwimmhilfen, da die Kinder anfangs durch Loslassen oder den Versuch sich zu drehen schneller ohne Schwimmhilfe sind. Geübte Kinder können auf der Poolnudel liegen, haben zum Schwimmen auch die Hände frei und können die Arme bewegen. Beim Einsatz der Poolnudel sollte man aber nur ein Kind zu beaufsichtigen haben, da man deutlich mehr Aufmerksamkeit benötigt, als bei Klasse B Schwimmlernhilfen, die am Körper des Noch-Nicht-Schwimmers befestigt sind. Poolnudeln eigenen sich durch die Größe eher in wenig besuchten Bädern oder dem eigenen Pool, in vollen Schwimmbecken hätte ich Sorge, andere Schwimmer zu stören.
Schlori/Flipper Schwimmkissen
Schlori-Schwimmkissen haben als einzige Schwimmhilfe bei Ökotest ein „sehr gut“ erhalten. Sie bestehen zu 100% aus Baumwolle. Man verwendet sie, indem man sie nass macht und dann durch eine Ecke aufpustet. Ventile entfallen bei dieser Schwimmhilfe komplett.
Stiftung Warentest kritisiert, dass die Schloris am Rücken nur mit einer Schleife fixiert werden. Diese kann sich versehentlich öffnen und die Schloris verlieren dadurch ihren Halt. Erfahrungsberichten zufolge, die ich gefunden habe, sind Schloris nicht dazu geeignet, um Kinder am Beckenrand oder am Strand spielen zu lassen. Durch die gute Schwimmlage erscheinen sie mir aber sehr gut geeignet, um geübten Paddlern Unterstützung zu geben und größere Kinder beim Schwimmenlernen zu unterstützen.
Bei Schloris kann man durch Druck auf die Kissen auch den Auftrieb verringern und ihn so an die Fähigkeiten des Kindes anpassen. Dies geht sogar unauffällig während des Schwimmens: "Ich fühl mal, ob noch genug Luft drin ist." Bei Styroporgürteln müsste man im Gegensatz dazu erst den Gürtel abnehmen und eins der Styroporteile entfernen - das bekommen die Schwimmlerner in der Regel genau mit.
Die Wasserlage von Schwimmkissen ähnelt wohl derjenigen bei der Verwendung von Schwimmgürteln. Für Kleinkinder kann es je nach Schwimmfähigkeiten noch etwas schwierig sein, damit zurecht zu kommen, da sie noch mehr Unterstützung für den Oberkörper/Kopf brauchen. Bei Gelegenheit folgt hierzu demnächst ein Erfahrungsbericht.
Schwimmwesten
Bei
Grundsätzlich haben Schwimmwesten den Vorteil, reichlich Auftrieb (auch von unten) zu bieten, am Körper befestigt zu sein und trotzdem Bewegungsfreiheit für die Arme zu lassen. Der einzige kleine Nachteil ist, dass sie einen großen Teil des Oberkörpers bedecken. Bei uns im Schwimmkurs wird viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder die Strömung des Wassers am Körper spüren, dies ist bei einer Schwimmweste am Oberkörper eingeschränkt.
Schwimmbretter
Schwimmbretter sind - wie Poolnudeln - nicht am Körper befestigt. Das Kind muss diese Auftriebshilfe also selbst fixieren können. Moderne Schwimmbretter haben Löcher, durch die man greifen kann.
Mit Schwimmbrettern kann man gut das Gleiten im Wasser erfahren lassen. Da durch Schwimmbretter die Hände und Arme gebunden sind, lassen Schwimmbretter nur ausführlich die Beinbewegungen fürs Schwimmen üben.
Styroporgürtel / Badeanzüge mit Styroporeinlage
Styroporgürtel und Badekleidung mit Styroporeinlage dient in der Regel zum Schwimmenlernen, also für Kinder ab ca. 5 Jahren. Die Kinder können Arme und Beine ungehindert bewegen und bekommen den fehlenden Auftrieb auf dem Rücken. Die Wasserlage nähert sich gegenüber den vorgenannten Schwimmhilfen deutlich mehr dem Schwimmen ohne Schwimmhilfen an.
Nachwort
© Lucccy
Quellen
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=92122&bernr=07
http://www.test.de/Schwimmhilfen-Dummy-ertrunken-4248694-0/
http://www.paradisi.de/Fitness_und_Sport/Accessoires/Schwimmfluegel/Artikel/19019.php
http://www.freshdads.com/magazin/schwimmlernhilfen-müssen-die-norm-en-13138-1-erfüllen

