In der letzten Zeit bekommen wir vermehrt Anfragen von verzweifelten Eltern, weil ihre kleinen Kinder plötzlich nicht mehr vor 21 Uhr ins Bett gehen wollen. Einige schlafen sogar erst 22 Uhr oder noch später ein. Bei vielen scheint der Start der Schlecht-Einschlaf-Serie die Zeitumstellung zum Sommer gewesen zu sein, bei manchen Kindern begann es, als sie den Nuckel zum Schlafen abgelegt haben. Interessant ist auch, dass viele der Kinder etwa im selben Alter sind. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber die meisten Nachrichten bekommen wir von Eltern, deren Kinder aktuell zwischen 3 und 4 Jahre alt sind. Die meisten haben das Gefühl, sie seien die einzige Familie auf der Welt, die von diesem ultra-späten Einschlafen betroffen sind, doch dem ist nicht so. Möglicherweise gibt es Kinder, die auch jetzt noch problemlos um 18 Uhr nach dem Sandmännchen wegschlummern, doch es gibt genauso viele, wenn nicht sogar mehr, die das nicht tun. Ihr seid also nicht allein da draußen mit eurem Problem. Wir haben euch in diesem Artikel aufgeschrieben, was ihr tun könnt, um das Drama vielleicht ein wenig zu lindern. Hier nun unsere Top 5 an Einschlaftipps im Sommer.
1. Mittagsschlaf weglassen
Ha! Schon gleich als erstes ein Punkt, den ihr vermutlich nicht umsetzen könnt. Es tut mir leid. Aber hört mich erst einmal an. Es ist kein Wunder, dass das schlechte abendliche Einschlafen vor allem Kinder einer bestimmten Alterstruktur betrifft. Meist sind das die, deren Schlafbedarf sich verändert hat, d. h. die eigentlich keinen Mittagsschlaf mehr brauchen. Könntet ihr den Mittagsschlaf abschaffen, würden sie abends sofort ins Bett fallen und in Nullkommanix schlummern. Leider spielen da viele Kitas nicht mit. Der Mittagsschlaf ist meist gekoppelt mit der Mittagspause der Erzieherinnen, die natürlich wichtig ist. So kommt es, dass sich die meisten Kitas dagegen stemmen, wenn die Eltern darum bitten, das Kind nicht mehr hinzulegen. Ich kann das einerseits gut nachvollziehen, andererseits bedeutet das aber eine enorme Belastung für die Familie, denn die Eltern brauchen abends eben auch eine Pause.
Es entspinnt sich dann meist ein unglücklicher Schlaf-Kreislauf: Die Kinder halten Mittagsschlaf und sind dementsprechend lange abends wach. Wenn sie dann morgens geweckt werden, sind sie noch müde, weswegen sie dann natürlich in der Kita zur Mittagszeit auch einschlafen, was wiederum für die Erzieherinnen das Zeichen ist, dass "die Kinder es ja noch brauchen". Werden sie dann um 14 Uhr oder 14:30 Uhr geweckt, haben sie wieder Energie, um bis in die späten Abendstunden durch die Wohnung zu toben.... Einen Ausweg aus dem Dilemma habe ich übrigens damals auch nicht gefunden. Ich habe versucht, mit unseren Erzieherinnen darüber zu sprechen, wurde aber komplett abgeblockt. Es gab keinen Weg am Mittagsschlaf vorbei. Aus Gesprächen mit anderen Eltern habe ich erfahren, dass jeder einzelne auch schon so ein Gespräch mit ihnen geführt hatte und dass auch sie abgebügelt wurden. Ich kann, wie gesagt, das Bedürfnis der Erzieherinnen nach Erholung gut nachvollziehen. Aber wenn so viele Familien das gleiche Problem haben, wäre es dann nicht die Aufgabe der Kita, irgendwie personell so umzustellen, dass eine Betreuung der wachen Kinder über die Mittagszeit gewährleistet wäre? Seufz. Vielleicht könnt ihr ja einen gemeinschaftlichen Vorstoß wagen. Es fällt wesentlich leichter, einzelne Eltern abzuweisen, als eine größere Gruppe. Wenn das nicht hilft, könnte man noch darum bitten, dass das eigene Kind möglichst spät hingelegt wird und gleich geweckt wird, wenn die ersten zu rascheln beginnen.
2. Zimmer abdunkeln
Unser Biorhythmus ist vom Tageslicht abhängig. Es gibt für die Winterzeit extra Tageslichtwecker, die morgens ab einer bestimmten Zeit immer heller werden, um dem Körper vorzugaukeln, dass die Sonne aufgeht und so das Aufwachen zu erleichtern. Wenn es im Sommer abends so lange hell bleibt, ist unser Körper darauf eingestellt, wach zu bleiben. Die vorherigen Generationen mussten nämlich die Zeit nutzen, um Vorräte für den Winter zu sammeln und zu verarbeiten. Wir müssen das nicht mehr - unsere Körper sind aber noch darauf ausgelegt. Um den Biorhythmus zu überlisten, könnt ihr versuchen, das Zimmer so abzudunkeln, dass die Gehirne eurer Kinder denken, es sei schon Nacht. Am besten funktionieren natürlich von außen ans Haus angebrachte Jalousien, aber es gibt auch Verdunklungsrollos (wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesen gemacht, zusätzlich haben wir auch noch Verdunklungsvorhänge angebracht - beides zusammen macht wirklich richtig dunkel). Es gibt sogar Rollos, die man mitnehmen kann, so dass auch bei Oma und Opa oder im Urlaub das Zimmer verdunkelt werden kann.
3. Austoben lassen
Die heutige Kindergeneration bekommt im Alltag zu wenig Zeit, um sich richtig auszutoben. Wir sind von Natur aus auf körperliche Bewegung angelegt - eigentlich sollten wir 10-20 km am Tag (!) laufen - wer von uns tut das noch? Meine Kinder sind in der Kita am Vormittag etwa eine Stunde und am Nachmittag etwa 1,5 Stunden im Garten - bei Regen sogar noch weniger. Wenn ich sie dann abhole, mussten sie nicht nur einen ganzen Tag lang funktionieren und Regeln einhalten, sondern hatten auch noch wenig Gelegenheit, wirklich ihre Energie loszuwerden. Ich habe festgestellt, dass es ihnen gut tut, dann besonders viel körperlich zu spielen: auf Bäume klettern, Trampolin springen, einem Fußball hinterherjagen, um die Wette laufen, über Bäche und Gräben springen oder an einem Klettergerüst entlanghangeln. Wir sind meist bis zum Abendbrot draußen, oft essen wir sogar auf dem Spielplatz und bleiben noch länger.
Habe ich das Gefühl, sie sind noch gar nicht ausgepowert, weiß ich schon, dass ich das mit dem Einschlafen vergessen kann. Es ist deshalb schon vorgekommen, dass ich dann mit ihnen nach dem Abendbrot noch einmal runter auf den Hof zum Toben gegangen bin (ich mag es nämlich nicht, wenn sie in der Wohnung toben). Häufig bekommen Eltern den Tipp, mit ihren Kindern abends nur noch ruhig zu spielen, damit der Körper runterfahren kann - meist funktioniert das aber nicht besonders gut. Die Kinder sind trotzdem zu wuselig, um einzuschlafen. Nun, ich empfehle euch genau das Gegenteil. Tobt mit euren Kindern, kitzelt sie ab, werft sie in die Luft, ringt mit ihnen auf dem Bett. Tut alles, damit sie ihre Energie vollständig abbauen können. Danach noch eine kurze abkühlende Dusche und - BÄM! - werden eure Kinder einschlummern!
4. Zeitpunkt selbst bestimmen lassen
Habt ihr selbst schon mal im Bett gelegen und euch unruhig hin- und hergeworfen, weil ihr nicht einschlafen konntet? Ein ätzendes Gefühl, oder? Noch ätzender ist allerdings, als Erwachsener neben einem Kind zu liegen, um es in den Schlaf zu begleiten und dieses Kind wuselt dann ununterbrochen hin und her, weil es noch nicht einschlafen kann. Mich regt das innerlich soooo auf, wenn meine Kinder neben mir wurschteln, als sei das Bett mit Ameisen gefüllt. Argh! Da hilft nur eins: Wieder aufstehen lassen, wenn klar wird, sie sind noch nicht müde genug. Wir Erwachsenen stehen doch auch wieder auf, wenn wir merken, wir können noch nicht einschlafen.
Ihr könnt auch versuchen, sie gänzlich allein bestimmen zu lassen, wann sie schlafen gehen wollen. Wir machen das mit unseren drei Kindern so. Der Kleinste ist 2 Jahre alt und geht seit jeher selbstbestimmt ins Bett - er kennt seinen Körper sehr gut und bricht auch schöne Spiele ab, wenn er merkt, dass er müde wird. Es ist überhaupt kein Thema, ihn ins Bett "zu kriegen" - er geht ganz freiwillig. Im Winter ist das zwischen 17 und 19 Uhr, jetzt im Sommer zwischen 19 und 21 Uhr. Bei unseren beiden großen Töchtern haben wir das selbstbestimmte Einschlafen erst mit 3,5 Jahren eingeführt. Das Schwierigste an der Eingewöhnung war eigentlich, ihnen klar zu machen, dass wir nach dem Zähneputzen zwar noch (wenn gewünscht) zur Einschlafbegleitung zur Verfügung stehen, nicht aber zum Spielen, da wir unseren "Feierabend" brauchten. Sie dürfen also (leise) in ihren Zimmern spielen und natürlich auch dann und wann zu uns kommen, wenn sie Sehnsucht nach uns haben, aber wir spielen nicht mit, sondern machen unser eigenes Ding, bei dem wir auch nicht gestört werden wollen.
Sobald sie wirklich müde sind und schlafen wollen, signalisieren sie das und wir legen uns kurz zu ihnen. Es dauerte ein paar Wochen, bis sie nicht alle 5 Minuten bei uns im Wohnzimmer standen, und dies und das von uns wollten. Aber es klappte. Ich denke, an dieser Stelle hilft eine freundliche, aber glasklare Haltung bei den Erwachsenen und ein bisschen Geduld: "Jetzt ist Alleine-Spiel-Zeit. Ich möchte mich nun ausruhen und Erwachsenendinge erledigen. Ich komme, wenn du wirklich einschlafen möchtest". Es ist klar, dass ihr in der Einführungszeit nun nicht gerade "The Walking Dead" oder "Game of Thrones" guckt, während die Kinder noch wach sind, denn sie werden definitiv ein paar Mal zu euch gekleckert kommen. Auch werdet ihr Streits schlichten müssen, denn müde Kinder sind nicht mehr besonders geduldig oder kompromissbereit. Aber schon nach ein paar Wochen wird sich eure neue Routine etabliert haben und dann könnt ihr wieder gucken, was ihr wollt.
5. Situation annehmen
"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden". Selbst, wenn ihr nicht gläubig seid, hat dieser Spruch sehr viel Wahres inne. Denn wenn ihr die Schlafsituation mit eurem Kind, die euch jetzt so belastet, als gegeben hinnehmt und sie akzeptiert, als etwas, das ihr momentan nicht verändern könnt, dann nehmt ihr viel Druck aus der Sache. Unsere Kinder haben sehr, sehr feine Antennen. Sie spüren auch unbewussten Druck oder eine heimliche Agenda ihrer Eltern und stemmen unwillkürlich dagegen. Sobald ihr damit Frieden schließt, dass euer Kind im Moment erst so spät ins Bett geht, hat es die Möglichkeit, sich wirklich frei zu entscheiden, was es braucht und kann in Ruhe darauf hören, was sein Körper eigentlich will.
Schaut euch einfach noch einmal die Fakten an: Der Schlafbedarf eures Kindes hat sich geändert, aber es ist möglicherweise gezwungen, weiterhin Mittagschlaf zu halten. Seine innere Schlaf-Uhr ist auf Sommerzeit eingestellt. Es hat im Alltag weniger Bewegung, als es Energie hat - deshalb fällt es ihm schwer, zur Ruhe zu kommen. Mit diesen Fakten im Blick sollte es euch leichter fallen, die Situation anzunehmen. Ihr könnt ein wenig an den Parametern drehen und gucken, ob es besser klappt, aber an sich gibt es relativ wenig, was ihr tun könnt. Akzeptiert das - und nehmt den Druck raus. Haltet euch mit dem Gedanken über Wasser, dass es bald wieder früher dunkler wird, eure Kinder bald in der Kita zu den Großen gehören und nicht mehr schlafen müssen und ihr deshalb, spätestens im nächsten Jahr, zur gleichen Zeit vermutlich keinen Einschlafmarathon mehr habt...
Gute Nacht, ihr Lieben!
© Snowqueen
