Eines Tages flatterte der Kitaleitung ein Schreiben des Ordnungsamtes auf den Tisch. Es habe sich jemand über das ständige Entenfüttern beschwert und man fordere die Kita auf, das sofort zu unterlassen. Meine erste empörte Reaktion war: "Oh man - warum verdirbt man denn den Kindern dieses tolle Erlebnis? Die Enten werden heiß geliebt und haben schon Namen bekommen! Die Kinder haben so viel Freude!" Als ich darüber nachgrübelte, fragte ich mich, was nun eigentlich das Ordnungsamt damit zu schaffen habe. Deren Absicht ist sicher nicht, Kinder zu ärgern, sondern die Überwachung von Vorschriften einzuhalten. Nach und nach ging mir auf, dass es gar nicht darum geht, die Kinder zu gängeln, sondern darum, die Enten zu schützen.
Enten richtig füttern
Schon als Kinder hatten wir damit Enten und Schwäne gefüttert - ich hatte keine Minute darüber nachgedacht, ob das Resttoastbrot, das ich meinen Kindern beim Sonntagsspaziergang an den See in die Hand gedrückt hatte, für die Tiere überhaupt geeignet ist. Ich begann zu recherchieren und stellte fest, dass altes Brot kein geeignetes Futter für Wildvögel ist.
Brot hat für Enten kaum einen Nährwert, es ist quasi Fastfood, bzw. eine Art Süßigkeit für die Tiere. Es enthält viel zu viel Salz - das kann den Blutkreislauf des Organismus vollkommen durcheinander bringen. Brot quillt zudem nach dem Verzehr unangenehm im Magen auf und enthält als industriell verarbeitetes Lebensmittel ungesunde Farbstoffe, Aromen und ggf. Konservierungsmittel. Es macht die Vögel dick und führt zu einer allmählichen Organverfettung.
Zwar stürzen sich die Enten oft heißhungrig auf das Brot - das heißt jedoch nicht, dass sie wirklich hungrig wären und die Fütterung damit nötig oder sinnvoll ist. Sie nehmen vielmehr gerne die Möglichkeit wahr, ohne großen Aufwand an Nahrung zu kommen. Ihre Bereitschaft, selbst (in den meisten Fällen völlig ausreichend vorhandenes) Futter zu suchen sinkt, je mehr sie gefüttert werden - entsprechend natürlich auch die Ausgewogenheit ihrer Ernährung.
Wird regelmäßig an einer bestimmten Stelle gefüttert, lockt das viele Tiere auf engen Raum an. Dieser Überbesatz sorgt zum einen dafür, dass die Tiere untereinander aggressiv werden und zum anderen ist diese Stelle dadurch überdurchschnittlich durch Entenkot verunreinigt, was dazu führt, dass das Wasser hier massiv überdüngt ist.
Das Brot verschmutzt das Wasser zusätzlich. Nicht gefressene Stücke sinken an den Boden des Gewässers, faulen dort und verstärken gemeinsam mit dem Vogelkot das Algenwachstum. Zum Abbau der Algen wird dem Gewässer viel Sauerstoff entzogen, das den Pflanzen und Wassertieren fehlt. Das ist vor allem im Sommer ein Problem, da ein chronischer Sauerstoffmangel im See entstehen kann. Im schlimmsten Fall "kippt" das Gewässer um und der Lebensraum wird nachhaltig zerstört. Selbst wenn das nicht passiert, dann können die Fäulnis- und Gärungsprozesse dafür sorgen, dass sich Botulismus-Bakterien bilden können, die giftige Sporen produzieren. Nehmen die Enten diese über ihre Nahrung auf, verenden sie elendig. Das Entenfüttern ist deswegen in einigen Städten und Gemeinden verboten.
Es landet auch sehr viel mehr Brot in den Gewässern, als man vermuten würde. Forscher in Australien haben zehn Teiche beobachtet und heraus gefunden, dass Spaziergänger im Schnitt 4,9 Scheiben Brot verfütterten. In jedem See landeten pro Tag etwa viereinhalb Brote - das sind insgesamt 1.642 Brote pro Jahr! An keinem Teich wurde das Brot komplett gefressen - zwischen 11,4 und 53,6 % des Brotes blieben im Gewässer liegen.
Das Entenfüttern führt leider auch dazu, dass die Tiere im Laufe der Zeit ihre Scheu vor den Menschen verlieren und immer öfter ihren natürlichen Lebensraum - das Wasser und sein Ufer - verlassen. So fallen viele Enten dann Hunden oder Autos zum Opfer.
Man kann Enten aber durchaus artgerecht füttern - vor allem bei geschlossenen Eisdecken auf den Seen ist das soger sinnvoll. Geeignet sind z. B. Getreide (bspw. Haferflocken, Hühnerfutter oder spezielles Wassergeflügelfutter), Kleie, Eicheln, Obststücke (sehr beliebt bei Stockvögeln) oder weiche Kartoffelstücke, die vom Mittagessen übrig geblieben sind. Alle Nahrungsmittel sollten schnabelgerecht verkleinert und natürlich schimmelfrei sein. Das Futter bitte nicht ins Wasser werfen, es sollte an das Ufer gelegt werden. So können die Reste nach der Fütterung wieder mitgenommen werden, damit nicht Ratten und Mäuse davon angezogen werden.
Vögel im Winter füttern
Brauchen Wildvögel im Winter Futter?
Viele Menschen lieben es, im Winter Futterhäuschen aufzustellen, um die wegen der Kälte flauschig aufgeplusterten Meisen oder Spatzen zu füttern. Dabei sind die Vögel seit Jahrtausenden an harte Winter angepasst. Der winterliche Nahrungsmangel führt zu einer natürlichen Auslese - es überleben nur die kräftigsten Tiere. So stellt die Natur sicher, dass damit deren Nachkommen möglichst gute Überlebenschancen haben.
Kritiker der Vogelfütterung weisen darauf hin, dass man mit einer Fütterung der Natur quasi ins Handwerk pfuscht. Außerdem werden damit meist diejenigen Arten erreicht, deren Überleben nicht bedroht ist. Das ist vor allem bei Zugvögeln der Fall und bei solchen Arten, die nicht in der Nähe des Menschen leben.
Aufgrund der intensiven Nutzung der Umwelt durch Wohnungsbau und Landwirtschaft werden jedoch zunehmend die natürlichen Lebensräume der Vögel stark beeinträchtigt. Beobachtungen zeigen, dass die Vogelbestände immer weiter zurück gehen und früher weit verbreitete Arten, wie z. B. der Haussperling, mittlerweile extrem selten geworden sind. Daher wird eine winterliche Vogelfütterung heutzutage als sinnvoll angesehen. Einige Experten sagen sogar, dass man ruhig auch im Herbst oder Frühling füttern sollte. Ein britisches Überwachungsprogramm kam sogar zu dem Schluss, dass die Winterfütterung mittlerweile eine wichtige Arterhaltungsmaßnahme ist.
Die richtige Futterstelle
Es gibt verschiedene Arten, Wildvögeln Futter anzubieten. Wichtig ist in jedem Falle ein sicherer Platz, an dem sie nicht von Katzen überrascht werden können. Die Futterstelle sollte vor Nässe geschützt und leicht zu reinigen sein. Wenn ihr auf einem Balkon füttern möchtet, dann müsst ihr darauf achten, dass etwaige Futterreste oder der Vogelkot nicht auf andere Balkons fallen.In klassischen Vogelhäuschen sitzen die Vögel mitten im Futter, die Körner können relativ leicht durch Kot verunreinigt werden. Das trägt dazu bei, dass sich Krankheiten schneller verbreiten können. Eine regelmäßige Reinigung ist daher sehr wichtig. Damit das Holz möglichst wenig verschmutzt wird, sollte unter dem Futter eine leicht zu reinigende Unterlage liegen. Wenn ihr Lust habt, mit Euren noch sehr kleinen Kindern ein eigenes Vogelhäuschen zu basteln - von Kosmos gibt es einen Bausatz zum Stecken, für den man keinerlei Wekzeuge benötigt.
Alternativ können Futtersäulen oder -silos genutzt werden - hier füllt man die Körner ein und es rutschen immer nur wenige Körner zu den kleinen Öffnungen. Eine Verunreinigung des Futters ist konstruktionsbedingt kaum möglich.
Einige Arten (Drossel, Amsel, Heckenbraunelle) fressen am liebsten vom Boden. Für sie gibt es spezielle Boden-Futterautomaten. Die Bodenfütterung ist etwas komplizierter als andere Fütterungsarten, daher sollte man sich besonders gut darüber informieren (z. B. hier).
An Futterstellen sollte übrigens auch Wasser angeboten werden. Geeignet sind flache Tonschalen mit abfallenden, rauhen Rändern. Tränken sollten etwa zwei bis drei Meter von Gebüschen entfernt platziert werden, damit die Vögel genügend Zeit haben, vor Katzen zu fliehen.
Die richtige Fütterung
Aufgrund der verschiedenen Schnabelformen bevorzugen die Vogelarten unterschiedliche Sämereien. Es ist daher sinnvoll, eine Mischung mit verschiedenen Körnern anzubieten. Man kann auf gekaufte Mischungen zurückgreifen, eigenes Futter herzustellen ist für Kinder natürlich interessanter. Die entsprechenden Saaten erhaltet ihr im Reformhaus und im Zoofachhandel.
Grundlage jeder Mischung sollten etwa zu 50 % Sonnenblumenkerne bilden - nimmt man ungeschälte, kann man die Vögel beim Schälen beobachten. Geschälte Kerne hingegen minimieren den Abfall. Manche Vogelarten mögen gerne komplette Sonnenblumenkerne, andere sind dankbar, wenn die Kerne zerkleinert sind. Daher ist es sinnvoll etwa die Hälfte zu zerhacken. Hanfsamen sind eine sehr gute Energiequelle, da sie sehr fetthaltig sind. Etwa 20 % gehören in eine gesunde Mischung. Ergänzt werden kann das Ganze mit jeweils 10 % Mohnsamen, Hirse und gehackte Erdnüsse. Statt mit Hirse und Mohn kann die Mischung auch durch Waldvogelfutter ergänzt werden.
Besonders interessant für Kinder ist die Herstellung von Fettfutter. Es ist billiger als die gekaufte Variante - fertige Meisenknödel sind zudem oft mit minderwertigen Sämereien hergestellt und schmecken den Vögeln weniger gut, als die selbstgemachten. Für die Herstellung benötigt man etwa 500 g Fett - geeignet sind Rindertalk (gibt es beim Fleischer) und das etwas teurere Kokosfett aus dem Supermarkt. Das Fett wird in einem Topf langsam geschmolzen. Schneller geht es, wenn man den Block vorher in Scheiben schneidet. Damit das Fett später geschmeidig bleibt, werden ein bis zwei Esslöffel Sonnenblumenöl hinzu gegeben. In die warme, nicht mehr heiße Masse werden 250 g Maismehl oder Weizenkleie gegeben. Dazu kommen 250 g Sonnenblumenkerne, 125 g grob gehackte Erdnüsse und 125 g feine Sämereien (Hirse, Mohn, Hanf).
Die Masse kann direkt auf die strukturierte Baumrinde von Stämmen oder Ästen aufgebracht werden. Mit etwas Geschick lassen sich auch Futterhölzer basteln. Dabei handelt es sich um wiederverwendbare dicke, kurze Äste, die mit einer Schlaufe versehen sind und dann mit dem Fettfutter bestrichen und aufgehangen werden. Alternativ kann die Mischung auch in Plätzchenformen gefüllt werden - so kann man dekorative Herzen und Sterne auf den Balkon oder die Terrasse hängen. Auch kleine Tontöpfe, die kopfüber aufgehangen werden sind geeignet. Hier benötigen die Vögel eine Sitzgelegenheit, daher sollte vor dem Befüllen ein kleiner verzweigter Ast durch das Abtropfloch gesteckt werden.
Wer Knödel formen möchte, braucht in aller Regel eine Art Futterstation, um sie an Ort und Stelle zu halten. Auch spezielle Spiralen eignen sich dafür.
Vögel füttern ist wirklich eine tolle Möglichkeit, den Kindern die Natur näher zu bringen. Bei uns in der Küche hängt ein Plakat mit den einheimischen Vogelarten. Meine Kinder lieben es, die Vögel, die unser Futterhaus besuchen, zu bestimmen. Nur die Katze ist nicht ganz so sehr vom regen winterlichen Unterhaltungsprogramm begeistert.
© Danielle
Quellen
Berthold, Peter, Vögel füttern, aber richtig: Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen, 2012
http://www.lbv.de/ratgeber/vogelschutz/voegel-fuettern/enten-fuettern.html
https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article142428663/Hoert-endlich-auf-die-Enten-zu-fuettern.html
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/39009/Schluss-mit-dem-Quak
http://m.bochum.de/C12571A3001D56CE/vwContentByKey/W2929JLG416BOCMDE/$FILE/Entenfterung.pdf

