Warum sollten wir Babys tragen?
Nachdem Kinder jahrzehntelang hauptsächlich im Kinderwagen herumkutschiert, in Bettchen gelegt und (wenn überhaupt, dann) auf dem Arm herumgetragen wurden, sieht man in den letzten Jahren doch wieder vermehrt Eltern ihre Kinder in Tragetücher oder Tragehilfen tragen. Zum Einen wurde sicherlich erkannt, wie unheimlich praktisch das Tragen ist: Man hat beide Hände frei und kann sich somit wunderbar um anderes kümmern, z. B. um den Haushalt und Geschwisterkinder. Man ist mobil, kann das Kind überallhin mitnehmen und muss das schlafende Kind nicht durch Umbetten oder Umziehen wecken, wenn man das Haus verlässt, weil man einfach die eigene Jacke über dem Kind schließen kann und das Kind somit warm eingepackt ist. Vor allem aber wird das eigene Bedürfnis nach Nähe befriedigt, wovon insbesondere auch Papas sehr profitieren können. Zum Anderen besinnt man sich aber auch auf die Vorteile des Tragens für das Baby: Neben den positiven Auswirkungen auf den kleinen Babykörper (z. B. Minderung der Blähschmerzen der Dreimonatskoliken durch die Wärme und leichte Massage, Schulung des Gleichgewichtssinns, Unterstützung der Entwicklung der Hüfte durch Spreizstellung der Beinchen) rückt dabei insbesondere die Stärkung der Bindung des kleinen Traglings zum Tragenden in Vordergrund, da das Urbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit befriedigt wird.
Wenn man kleine Menschenbabys mit den Neugeborenen anderer Säugetiere vergleicht, fällt auf, dass sie besonders hilflos sind und ungewöhnlich wenig können. Die meisten Säugetierbabys können sich ja z. B. schon bei der Geburt fortbewegen. Menschenbabys sind aufgrund des aufrechten Ganges der Mutter und des dadurch verhältnismäßig schmalen Beckens physiologische Frühgeburten, damit der Kopf eben noch durch unser Becken passt. Also werden unsere Babys geboren, wenn sie einiges, was andere Säugetiere bereits im Bauch lernen, noch nicht können, unsere “Tragedauer” ist zu kurz. Im Gegensatz zu den ebenfalls aufrecht laufenden – ehm nein- hüpfenden Kängurus mit ebenfalls physiologischen Frühgeburten haben wir aber keinen eingebauten Beutel, um unser Kind nach der Geburt weiter zu tragen und somit die Tragzeit zu verlängern, sondern “nur” unser schlaues Gehirn und feinmotorisch geschickte Hände, um uns selbst so einen Beutel zu basteln.
Womit sollten wir Babys tragen?
Viele Eltern wissen inzwischen schon während der Schwangerschaft, dass sie gerne tragen wollen, andere merken nach der Geburt, dass sich ihr Baby nicht ablegen lässt und suchen dann nach der geeigneten Tragelösung. Inzwischen stehen sie dann vor der Qual der Wahl im Tragetuch- und Tragehilfendschungel!
Als ich Ende der 80er geboren wurde, gab es eigentlich ausschließlich Tragetücher, und weil mein lieber Papa damit gar nicht zurecht kam (und ihm wohl auch die Geduld fehlte, sich länger damit auseinander zu setzen), wurde ich stundenlang auf dem Arm herumgetragen. Bei meinem Bruder, der Mitte der 90er Jahre zur Welt kam, gab es bereits erste “Komforttragen”, allerdings würde man solche Tragehilfen heute gar nicht mehr empfehlen, weil sie aus zu festen Materialien sind, die der kleinen Wirbelsäule, die noch keine S-Form ausgebildet hat, keinen gerundeten Rücken ermöglichen, die einen so schmalen Steg haben, der auf die Geitalien drückt (was insbesondere bei Jungs nicht erstrebenswert sein kann) und die Hüfte nicht gut reifen kann, und die man bevorzugt so verwendet, dass die Babys nach vorne schauen können, was zu Überreizung der kleinen Wesen führen kann.
Nach und nach kamen aber immer Komforttragen auf den Markt, die man zumindest ab Sitzalter auch immer noch uneingeschränkt empfehlen kann, wie z. B. Manduca oder den Ergobaby carrier. Gerade für die jungen Tragebabys war aber weiterhin das Tragetuch unübertroffen, weil sich der Stoff optimal dem Kind und dem Träger anpasst und sich der Steg zwischen den kleinen Beinchen flexibel einstellen lässt.
Inzwischen gibt es aber auch tolle Tragehilfen, die diese Vorteile mit dem großen Vorteil der Komforttragen, das leichtere bzw. schnellere Anlegen, verbinden. Man kann dabei grob unterscheiden in sogenannte “Fullbuckles”, bei denen gar nicht mehr gebunden werden muss, sondern ausschließlich Schnallen verwendet werden (z.B. emeibaby und buzzidil), und eine recht heterogene Gruppe, bei der maximal eine Schnalle am Hüftgurt verwendet wird und ansonsten gebunden/geknotet wird. Man kann dabei in Halfbuckles (mit Schnallenhüftgurt) und Mei Tais (sowohl Hüftgurt als auch Schultergurte zum Binden) unterscheiden. Eine Sonderform sind die Wrap Conversions, bei der die Gurte in der Regel nicht gepolstert sind. Die Schulterträger sind meist halb so breit wie ein Tragetuch und sollten strähnchenweise festgezogen werden, um eine gute Stützung des Kindes zu erreichen. Eine sehr gute Zusammenfassung über die Unterschiede findet ihr hier.
Nun hat jeder persönliche Vorlieben, die natürlich auch viel mit den individuellen Begebenheiten zu tun haben. Bei uns ist es z. B. so, dass es mehrere Tragende gibt, mindestens meinen Mann und mich, aber auch Oma und Opa tragen unsere Kinder. Deswegen muss eine Tragehilfe für uns zum einen unkompliziert anzulegen sein, damit sich eben auch Träger, die nicht täglich tragen, noch erinnern können, wie das richtige Anlegen funktioniert (wie gesagt war der Opa, mein Papa, ja schon damals, als ich ein Kind war, mit dem Tragetuch etwas überfordert), zum anderen sollte sich die Trage aber auch flexibel an den Tragenden anpassen. Fullbuckles empfanden wir daher als unpraktisch, weil bei jedem Wechsel des Tragenden alle Schnallen wieder neu eingestellt werden müssen. Tragehilfen hingegen, die hauptsächlich gebunden werden, müssen nicht “umgebaut” werden, allerhöchstens muss die Schnalle am Hüftgurt eben weiter gemacht oder fester angezogen werden. Da die Schultergurte geknotet werden, passt man die Trage also automatisch an sich selbst an.
Nun gibt es auch bei der heterogenen Gruppe der “Nicht-Fullbuckles” noch eine riesengroße Auswahl. Natürlich ist es am allerbesten, eine Trageberatung zu machen, um möglichst viele verschiedene Tragehilfen ausprobieren zu können und herauszufinden, was individuell am besten zu einem selbst und dem Baby passt. Es ist aber nicht immer so leicht, im Umkreis und zur rechten Zeit eine verfügbare Beraterin zu finden. Bei einer Beratung während der Schwangerschaft stört oft der Bauch, kurz nach der Geburt möchte man ungern durch die Weltgeschichte reisen (manche Beraterinnen kommen aber auch nach Hause) oder hat generell einfach anderes um die Ohren. Oft möchte man ja auch gerne gleich ab Geburt eine Trage bereit haben. Ich persönlich hatte damals bei unserem ersten Kind das Problem, dass sehr viele Beraterinnen in meiner Nähe gerade selbst in Elternzeit waren und ich ewig auf einen Termin hätte warten müssen.
Ich habe sechs verschiedene Tragehilfen über mehrere Monate hinweg getestet und hoffe, dass euch meine Erfahrungen die Entscheidungsfindung leichter machen oder es euch zumindest ermöglichen, Favoriten zu bestimmen und dann beispielweise nur zwei Exemplare zum Vergleich zu bestellen.
Alle sechs Tragen sind eindeutig empfehlenswert, also sie sind z. B. alle aus Tragetuchstoff und haben einen flexiblen Steg. Ich trage bevorzugt vor dem Bauch, unter anderem, weil ich dann auch während des Tragens stillen kann, was ich , wenn man sich auch noch um weitere (Geschwister-) Kinder kümmert, sehr praktisch finde. Man kann die Tragehilfen auch als Hüft- und vor allem Rückentrage nutzen. Ich habe sie mir zur Probe alle auf den Rücken gebunden und fand das bei allen ungefährlich gleich einfach/schwierig.
Die Bauchtrage wird bei allen ähnlich angelegt: Man schließt den Hüftgurt entweder per Schnalle oder per Knoten, setzt sich das Baby vor den Bauch, zieht die Trage hoch und wirft sich die Schultergurte über die Schultern, überkreuzt sie im Rücken und führt sie dann unter den Beinchen des Babys zurück nach vorne, wo man sie dann verknotet. Die Enden kann man dann herabhängen lassen oder nochmal nach hinten führen. Bei den Wrap Conversions (Didytai und Madame Jordan) sind die Schultergurte keine klassischen Gurte, sondern ähneln mehr den Enden eines Tragetuchs, man muss sie deswegen auch strähnchenweise festziehen.
Auch die Pflege ist bei allen sehr ähnlich: Ich habe sie bei 30 ° Grad mit einem Farbfangtuch gewaschen und zum Trocknen über eine Tür gehängt.
Mysol von Girasol
Der Mysol von Girasol ist ein relativ klassischer MeiTai, er hat also in der Grundversion auch keine Schnalle am Hüftgurt, sondern wird vollständig gebunden (man kann aber einen Schnallenhüftgurt separat kaufen). Der Steg wird durch Klett schmaler oder breiter gestellt, und es gibt zwei Schlaufen für den Hüftgurt, so dass man das Rückenteil kürzer (für kleine Babys) oder länger (für größere Kinder) machen kann. Man kann beide Seite des Mysols nach außen tragen und hat dadurch bei den meisten Mysols ein Wendedesign.
Ich war sehr positiv überrascht vom Mysol: Er war von allen getesteten Tragen diejenige, die bereits am kuscheligsten bei mir ankam. Deswegen war er auch die erste Trage, in die ich mein 3-Tage-altes Neugeborenes eingebunden habe.
Mein Baby war bereits bei der Geburt sehr groß, so dass ihm die verkürzte Version des Rückenteils gut gepasst hat. Bei noch kleineren Babys kann man aber mit einem Trick (indem man den Hüftgurt quasi “falsch herum” anlegt) das Rückenteil noch weiter verkürzen.
Ich habe relativ schmale Schultern und empfand den mysol als unheimlich bequem, weil die Schultergurte nicht so wuchtig wie bei anderen Tragehilfen sind (und somit meinen Hals nicht berühren) und zudem auch sehr kuschelig weich sind. Gerade in den ersten Wochen war der Mysol daher eigentlich meine Favoritentrage. Der Vorteil mit den eher schmalen Schultergurten wird dann zum Nachteil, wenn das Baby schwerer wird. Nun ist mein 3. Kind tatsächlich auch ungewöhnlich groß und schwer, so dass dieses Problem bei mir relativ früh auftrat. Durchschnittliche oder gar zarte Kinder kann man mit dem Mysol bestimmt bequem bis ins Kleinkindalter tragen. Außerdem gibt es auch noch extra Schulterpolster für den Mysol, die diesen Nachteil wieder ausgleichen können.
Durch die eher schmalen Gurte (auch der Hüftgurt ist verhältnismäßig schmal) ist der Mysol sehr kompakt und gut mitzunehmen, insbesondere auch durch das tolle Zubehör, was ich im Alltag als unheimlich praktisch empfand: Der Mysol wird in einem (sehr hübschen, weil aus dem gleichen Stoff wie die Trage selbst gefertigten) Beutel geliefert, den man sich prima über die Schulter hängen und somit als Handtasche, Wickeltasche, etc verwenden kann. Man kann den Mysol dadurch immer gut mitnehmen, ich habe den Beutel oft einfach schnell ins Auto geworfen, wenn ich los musste, oder in meiner Handtasche verstaut (und musste keine Sorge haben, dass meine Handtaschenkrümel die Trage verschmutzen). Oft habe ich aber auch noch Geldbeutel und Handy in den Beutel gestopft und ihn gleich als Handtasche selbst verwendet. Außerdem ist noch ein entlastender Brustgurt für die Rückentrage und eine praktische Hüftasche für wichtige Kleinigkeiten wie Geldbörse, Schlüssel etc. beigefügt gewesen.
Auch wenn sich der Beutel vielleicht nach Kleinigkeit anhört, hat er sicher dazu beigetragen, dass der Mysol in den ersten Wochen und Monaten meine am meist genutzteste Trage war. Ich habe sie auch schon guten Gewissens mehreren schmalschultrigen Freundinnen wärmstens empfohlen, die sich dann auch eine gekauft haben und damit sehr zufrieden sind. Auch mein Mann hat damit sehr gerne getragen:
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| Hier mal die andere Seite nach Außen getragen |
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| So sieht der Mysol von hinten aus. Mein Mann schließt den Hüftgurt gerne vorne, deswegen sind hinten gar keine Knoten. |
Ein Mysol kostet ca. 120 €.
Luemai
Ebenfalls ein klassischer Meitai ist der Luemai. Das besondere am Luemai sind die Ringe zwischen Rückenteil und Trägern. Dadurch kann diese Tragehilfe sich wirklich jeder Statur anpassen, was den Tragekomfort enorm erhöht. Auch der Luemai wächst durch zwei verschiedene Schlaufen für den Hüftgurt mit und bietet somit sowohl einem kleinen Baby, als auch einem größerem Kind einen bequemen Platz. Die Träger bestehen aus Fein- oder Breitcord, zumeist Bio-Fairtrade-Baumwolle. Von allen getesteten Tragen hat der Luemai den breitest möglichen Steg, ich konnte mit ihm sogar meinen 3-Jährigen noch bequem tragen.
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| Steg sehr breit möglich, hier im Vergleich zur Madame Jordan |
Natürlich hat diese Handarbeit auch ihren Preis und Luemais sind dementsprechend teuer, sie kosten ca. 350 €. Ich verstehe, dass da viele erstmal schlucken müssen. Auf der anderen Seite sollte man bedenken, dass man einen Luemai wirklich von Anfang bis Ende einer (langen) Tragezeit verwenden kann. Bei anderen Tragen muss man eigentlich am Anfang eine „Babysize“ und später eine „Toddlersize“ anschaffen, was einen insgesamt nur wenig günstiger kommen dürfte. Außerdem hat man mit dem Luemai eben die Möglichkeit, sich seine absolute Traumtrage selbst zu designen.
Natürlich lohnt sich der Luemai nur, wenn man weiß, dass man viel (und lange) tragen möchte und man dann z. B. sogar auf einen Kinderwagen verzichtet. Ich persönlich finde ja auch, dass ein Luemai ein wirklich tolles Gemeinschaftsgeschenk bei einem Geschwisterkind sein kann, wenn man von den großen Geschwistern ohnehin noch alles hat. Statt der 10. Rassel oder dem 17. Body freuen sich bestimmt nicht wenige Eltern, wenn Freunde und Verwandte zusammenlegen und eine einzigartige Trage schenken. Außerdem gibt es noch eine etwas „schlankere“ Version, den Luemai simply, mit dem Vorteil der Wendemöglichkeit und somit 2 Designs in einem und dem Nachteil, dass er etwas kürzer passt („nur“ bis Kleidergröße 92). Der Luemai simply kostet um die 250 €.
Ich finde meinen Luemai insbesondere mit steigendem Gewicht meines Kindes unheimlich bequem. Die Schultergurte sind sehr gut gepolstert und durch den Cord sehr angenehm. Ich kann meinen kleinen „Brocken“ tatsächlich stundenlang damit herumtragen.
Ein Nachteil der breiten, gepolsterten Gurte ist das Volumen der Trage. Man kann sie nicht so miniklein zusammenlegen wie z. B. den Mysol, sondern hat schon ein ordentliches „Päckchen“ einzupacken.
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| Vergleich der zusammengelegten Luemai und Mysol |
Für mich persönlich wäre es auch besser, wenn der gepolsterte Teil des Hüftgurts ein paar Zentimeter kürzer wäre, da ich eine recht schmale Taille habe und den Hüftgurt kaum so eng wie nötig machen kann, weil die Polsterung beim Verknoten stört.
Insgesamt hat der Luemai aber viele schöne durchdachte Details, z. B. eine Kopf- und eine Nackenstütze und man kann die Kopfstütze zusammengefaltet in einer Tasche der Nackenstütze verstauen. Auch die tolle, ausführliche und sehr gut bebilderte Anleitung ist Gold wert!
Aufgrund ihrer unvergleichlichen Optik und dem tollen Tragekomfort gerade auch bei größeren und schwereren Kindern ist der Luemai meine persönliche Lieblingstrage.
Fräulein Hübsch MeiTai
Im Gegensatz zu Mysol und Luemai hat der Fräulein Hübsch MeiTai am Hüftgurt eine Schnalle. Es gibt die „Hübschies“ in zwei Größen: Einmal Babysize von Geburt bis ca. Größe 86 und einmal Toddlersize von ca. 74-104. Ich hatte bei meinem Mittleren bereits eine Fräulein Hübsch Babysize und ihn darin getragen, bis er mit 11 Monaten eigentlich nur noch selbst laufen wollte. Damals wog er ungefähr 10 kg und trug Größe 86 und er passte noch ganz gut in die Babysize. Für die „Haupttragezeit“ reicht aus meiner Sicht also meistens eine Babysize aus, wenn man jedoch plant, noch deutlich länger zu tragen, müsste man dann wohl eine weitere Trage anschaffen. Ich mag die Designs der „Hübschies“ sehr, wie auch die Tatsache, dass ausschließlich hochwertige Materialen, Bio-Tragetuchstoff aus einer österreichischen Weberei, Trägerstoffe aus festem Bio-Baumwollköper und Designerstoffe aus den USA für die Kopfstütze, verwendet werden.
Wie der Mysol kommt der Fräulein Hübsch MeiTai in einem Stoffbeutel, leider kann man den aber nicht so praktisch über die Schulter werfen. Auch ein Brustgurt für die Rückentrage und eine bebilderte Anleitung ist dabei.
Bei der „Hübschie“ gibt es keine 2 Schlaufen für ein kurzes oder langes Rückenteil, sondern man kann die Schnallen „umfädeln“ (das ist in der Anleitung ausführlich beschrieben). Ich bin da eher faul und verwende in den ersten Wochen einfach den Rückenverkürzungstrick, den ich schon beim Mysol erwähnt habe: Ich drehe einfach den Hüftgurt um. In diesem Fall heißt das konkret, dass ich einfach den Hüftgurt so anlege, dass ich die Schnallen „innen“, also zum Körper hin, am Hüftgurt habe und das Rückenteil somit einen längeren Weg zurücklegt (quasi erst nach unten verläuft und dann unter dem Popo des Babys die Richtung ändert und nach oben über den Rücken verläuft).
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| Fräulein Hübsch MeiTai mit 10 Tage altem Neugeborenen |
Die Stegbreite wird bei der Hübschie genau wie beim Mysol und dem Luemai mittels Klett eingestellt. Manchmal bemerke ich dann zu spät, dass der Steg wieder etwas breiter gemacht werden muss, wie man auf den folgenden Bildern sieht… Also immer dran denken, das ab und an zu überprüfen ;-) Ein Kritikpunkt, den ich von Frauen mit schmalen Schultern schon manchmal gehört habe, ist, dass die relativ breiten Träger so nah am Hals verlaufen bzw. auch noch an der Seite eine Naht haben, die dann als störend empfunden wird. Ich finde, man kann auf den Bildern durchaus erkennen, dass auch bei mir die Träger vergleichsweise nah am Hals verlaufen. Ich persönlich habe das aber nie als unangenehm bemerkt. Stattdessen finde ich, dass die Träger für eine sehr gute Gewichtsverteilung sorgen.
Die Fräulein Hübsch MeiTais sind relativ kompakt und relativ leicht, durch die breiten und gut gepolsterten Träger auch bei schwereren Kindern noch sehr komfortabel und durch den Schnallenhüftgurt besonders schnell und leicht anzulegen. Ich finde die Hübschie gerade auch zum Tragen auf dem Rücken sehr geeignet, der Hüftgurt (eher Taillengurt ;-)) stützt bequem, ist aber nicht zu voluminös und man bekommt durch die relativ breiten, gepolsterten Träger das Kind auch alleine sicher auf den Rücken, ohne Angst zu haben, dass es dabei herunterfällt.
Die Fixierung der Kopfstütze mittels Druckknöpfen empfinde ich als intuitiv und leicht durchführbar. Preislich liegen sie mit ca. 130 € im Mittelfeld der getesteten Tragen. Ich halte sie für super „Allrounder“ und sie sind insbesondere bei den mir bekannten Papas wirklich sehr beliebt. Auch bei uns ist es die Favoritentrage meines Mannes, der lässt wirklich nichts auf die Hübschie kommen. Unsere Hübschie, die wir beim Mittleren wirklich 10 Stunden pro Tag über Monate hinweg genutzt haben, trägt inzwischen das 5. Kind im Freundeskreis und sie sieht immer noch top aus!
Limas
Die Limas Babytrage, die übrigens von einer Trageberaterin konzipiert wurde, hat wie die Fräulein Hübsch einen gepolsterten Hüftgurt, der mit Schnalle zu verschließen ist. Das Rückenteil kann man verkürzen, indem man es quasi einmal um den Hüftgurt klappt und festbindet. Der Steg ist ebenso wie bei Mysol, Luemai und Hübschie mittels Klett stufenlos verstellbar. Der Unterschied zu den bereits genannten Tragen liegt vor allem in den Schultergurten, welche breiter, aber nicht gefüttert sind. Ich war zunächst skeptisch ob der mangelnden Polsterung, aber durch die Breite der Schultergurte verteilt sich das Gewicht tatsächlich ziemlich gut und ein zweistündiger Waldspaziergang war kein Problem. Beim ersten Mal anlegen war ich allerdings nicht aufmerksam genug und hab einen Träger etwas verknäuelt angelegt, wie man auf dem folgenden Bild erkennt.
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| 2 Wochen altes Neugeborenes in der Limastrage mit verkürztem Rückenteil |
Durch den eher schmalen Hüftgurt und die sich verjüngenden ungepolsterten Schultergurte ist die Limas leicht und kompakt, also zum Mitnehmen sehr geeignet. Man hat relativ wenig Stoff um sich, so dass man auch im Vergleich relativ wenig schwitzt.
Das Besondere an ihr ist das Wendedesign. Viele Limas Tragehilfen haben ein auffälliges Design und ein neutrales, so dass man je nach eigenem Outfit und Anlass das passende wählen kann.
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| Farbenfrohes Design im Gegensatz zum schlichten Naturton der anderen Seite |
Man kann also mit der Limas für ca. 120 € quasi 2 Tragen in einer erwerben.
Madame Jordan Wrap Conversion Mei Tai
Ebenfalls ungepolsterte und noch etwas breitere Träger als die Limas Trage hat der Madame Jordan Mei Tai, es handelt sich hierbei somit um eine Wrap Conversion mit Schnallenhüftgurt. Das Rückenteil kann bei der Madame Jordan dadurch verlängert werden, indem man die Kopfstütze um die Träger bindet. Der Steg wird durch einen Zugmachanismus stufenlos verschmälert. Das finde ich im Vergleich zum Klettsystem noch eine Spur praktischer, es geht unheimlich schnell und ist immer symmetrisch. Der Hüftgurt hat mir persönlich am besten von allen gepasst, man bekommt ihn auch bei schmaler Taille schön fest und er stützt optimal.
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| sehr gut sitzender und stützender Schnallenhüftgurt |
Ein Vorteil an dieser Art der Tragehilfe ist, dass man bei kleinen Babys die sogenannte gekippte Tragevariante anwenden kann (wie bei der Känguruhbindeweise beim klassischen Tragetuch, also man kippt die Kante der Schulterträger) und damit auch Neugeborene sehr stabil tragen kann.
Bei schwereren Kindern kann man die Träger über dem Popo des Kindes auffächern, um das Gewicht noch besser zu verteilen.
Für mich persönlich erwiesen sich zunächst die breit gefächerten Träger als etwas unpraktisch im Alltag, weil ich sehr viel über Kopf arbeite (z. B. Dinge aus dem Regal hole, Kinder irgendwo hoch- und runterhebe, etc.) und mich da in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt gefühlt habe. Mein Mann empfand das aber nicht so störend und auch ich habe es mit etwas Übung geschafft, das richtige Maß des Aufffächerns zu finden. Deswegen empfehle ich bei Wrap Conversions unbedingt ein Ausprobieren/ Probetragen und ein klein wenig Geduld, ich finde, man braucht im Gegensatz zu den oben aufgeführten MeiTais ein bisschen Übung, aber dann sind sie sehr bequem. Außerdem kann man die breiten Träger auch abbinden, z. B. mit den Bändern, die an der Kopfstütze befestigt sind, und so gleich 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Träger schmaler machen und die Kopfstütze befestigen. Am Madame Jordan Wrap Conversion Mei Tai sind keine extra Schlaufen, um die Kopfstütze zu befestigen, wenn das Baby schläft, da das je nach Größe des Babys, der eigenen Statur und der Bindeweise (ich trage z.B. ziemlich hoch und straff gebunden) an unterschiedlichen Stellen nötig wäre. Die sehr netten Damen von Madame Jordan helfen aber gerne und bereitwillig bei jeder Frage weiter, eine Idee ist z. B., die Bänder der Kopfstütze im Nacken lose zu verknoten.
Natürlich kann man mit der Madame Jordane auch sehr gut auf dem Rücken tragen:
Madame Jordan ist eine Manufaktur, die Kleidung und Babytragen in Berlin herstellen. Aus ausgewählten hochwertigen Materialien entstehen einzigartige Einzelstücke oder kleine Kollektionen. Ein Wrap Conversion Mei Tai kostet um die 180 € und ist wirklich etwas Besonderes, man kann sich auch einen nach Wunsch herstellen lassen. Wenn ihr aus Berlin kommt, könnt ihr euch im Laden auch wunderbar beraten lassen und die lokale Produktion und das nette Team unterstützen. Ansonsten kann man bei Madame Jordan auch Leihtragen bestellen. Und schönerweise gehört zu jedem auch online erworbenen Produkt eine individuelle Kurzberatung per Mail, Skype, Telefon…
DidyTai von Didymos
Der DidyTai von Didymos ist dem Madame Jordan Wrap Conversion Mei Tai sehr ähnlich. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Hüftgurt weder gepolstert ist, noch eine Schnalle besitzt. Didymos verzichtet bewusst auf Druckknöpfe oder Klettverschlüsse – damit nichts ausleiert, drückt oder beim Öffnen das Baby weckt.
Der Steg kann beim DidyTai ebenso wie beim Madame Jordan Wrap Mei Tai mit einer Kordel stufenlos in der Breite variiert werden, wie bereits oben beschrieben empfinde ich das als sehr praktisch. Es geht nicht nur schnell, man kann es sogar nochmal verändern, wenn das Kind schon in der Trage sitzt (wenn man, wie es mir Schusseline durchaus mal passiert, vergessen hat, den Steg dem gewachsenen Baby anzupassen). Das Rückenteil kann man auch durch die Kopfstütze verlängern.
Da es sich beim DidyTai um eine klassische Wrap Conversion handelt, hat man auch hier wieder den großen Vorteil, dass man bereits kleine Babys sehr stabil in der gekippten Variante, aber auch große und schwere Kinder durch die angenehme Gewichtsverteilung bei aufgefächerten Trägern und der Möglichkeit, den Stoff auch noch einmal über dem Po des Kindes aufzufächern, bequem tragen kann. Man muss aber herausfinden, ob man mit den breiten Trägern gut zurecht kommt.
Besonders praktisch fand ich den DidyTai dank des ungepolsterten Hüftgurtes für das Tandemtragen, weil man einfach nicht so viel Volumen Stoff um sich herum hat und somit ganz gut zwei Tragen kombinieren kann.
Im Allgemeinen habe ich mit dem DidyTai besonders gerne auf dem Rücken getragen, durch die breiten Träger bekam ich mein Baby sicher hinauf und ich hatte eben keine gepolsterten „sperrigen“ Schulter- oder Hüftgurte vor der Brust oder dem Bauch.
Die fehlende Polsterung ist auch im Sommer oder beim Sport ein Vorteil, wie man auf dem Bild oben sieht, hat man sehr wenig Stoff vor/ hinter sich und schwitzt bedeutend weniger.
Als kleinen Nachteil empfand ich jedoch den „vielen“ Stoff der Träger, der dann beim Binden durchaus mal auf den Boden hängt. Mein Mann empfand den Hüftgurt als etwas zu kurz, um ihn bequem hinter dem Rücken zu verknoten.
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| relativ kurzer Hüftgurt |
Fazit
Alle getesteten Tragen sind eindeutig empfehlenswert und jede hat so ihre besonderen Vorzüge. Je nach eigener Statur, Vorlieben und Prioritäten ist also die eine geeigneter als die andere.
So ist gerade für eher schmale Tragende der Mysol unheimlich bequem, mit zunehmendem Gewicht des Kindes ist aber die Gewichtsverteilung nicht mehr ganz optimal. Bei zarteren Kindern reicht die Mysol aber sicher auch für „Haupttragezeit“ aus. Außerdem kann man sie wenden und sie ist super zum Mitnehmen.
Sucht man eine Trage, mit der man wirklich durch die gesamte Tragezeit kommen wird, möge sie auch Jahre dauern, und/ oder ein liebevoll angefertigtes Einzelstück mit höchstem Tragekomfort, dann ist man mit dem Luemai perfekt bedient, muss dafür aber tief in die Tasche greifen.
Ein absolutes „Allroundtalent“ ist die Fräulein Hübsch, die nicht nur leicht anzulegen und bequem, sondern auch eben auch, wie der Name schon sagt, sehr hübsch ist. Alle Testpersonen kamen mit ihr wunderbar zurecht.
Die Limas Babytrage hat keine gepolsterten Schultergurte (weswegen sie sehr kompakt ist), tolle Wendedesigns und sie ist verhältnismäßig günstig.
Die Wrap Conversions von Madame Jordan und Didymos brauchen vielleicht ein bisschen mehr Übung und ein klein wenig mehr Zeit beim Anlegen als die klassischen MeiTais, haben aber den Vorteil,dass sie dank breit auffächerbarer Träger eine gute Gewichtsverteilung bieten und man sowohl Neugeborene als auch schwere Kinder bequem damit tragen kann, insbesondere auch auf dem Rücken. Die Madame Jordan Wrap Con MeiTais haben einen sehr bequemen gepolsterten Hüftgurt und sind liebevoll angefertigte Einzelstücke, eine tolle Beratung ist zudem inclusive. Dafür ist der DidyTai etwas günstiger und verzichtet bewusst auf alles, was drücken, ausleiern oder das Baby wecken könnte.
Hoffentlich helfen euch meine Erfahrungen, schon mal vorzusortieren, welche Trage am besten zu euch passen könnte!
© Laetizia































