Mein Kind will keine Medikamente nehmen


Bunte Pillen und TablettenWenn unsere Kinder Medizin nehmen sollen, aber an diesem Punkt die Kooperation verweigern, ist das für uns Eltern besonders schlimm, denn wir sorgen uns natürlich sehr um die Gesundheit unserer Kleinen. Gerade bei wichtigen Antibiotika überlegen nicht wenige Eltern, ob sie sich nicht über die Totalverweigerung der Kinder hinwegsetzen und einfach die Medizin "reinzwingen" sollten. Leider klappt dieses Zwingen meist überhaupt nicht. Die Kinder wehren sich, als würden sie gerade zum Schafott geführt. Ich kenne Familien, in denen es schon vorgekommen ist, dass ein verzweifeltes Elternteil Hände und Füße des Kindes festhielt, während der andere dem sich heftig windenden Kind die wichtige Medizin in den Mund zu tröpfeln versuchte. Oft genug spucken die Kinder das gleich wieder aus oder müssen sich sogar erbrechen. Wer hier an Foltermethoden aus dem Krieg denken muss, liegt nicht so falsch - genauso fühlt es sich für alle Beteiligten an.
 

Gründe für das Verhalten


Die Gründe für die Medizinverweigerung unserer Kinder sind leicht nachzuvollziehen. Evolutionsbiologisch ist es in uns quasi eingraviert, keine Dinge zu essen, die seltsam schmecken und die auch nicht von den anderen Familienmitgliedern gegessen werden. Seien wir mal ehrlich - egal, was die Werbung uns verspricht, Medizin schmeckt einfach scheußlich. Da mag in noch so großen Lettern angepriesen sein, dass es lecker nach "Orange" schmeckt, es schmeckt nicht lecker nach Orange. Es schmeckt bitter oder beißend, im besten Fall schmeckt es nur komisch, und nebenbei ist da eine leichte Note eines Geschmacks erkennbar, der vielleicht in einer anderen Situation als Orangengeschmack durchgehen könnte.

Und nun steht da unser krankes Kind, das nicht einmal gekochte Möhren verspeist (die ja nun wirklich lecker sind!) und bei dem man streng darauf achten muss, dass in der Tomatensauce für die Nudeln absolut kein Fitzelchen Gemüse erkennbar ist, weil sie sonst nicht angerührt wird. Dieses Kind soll nun gegen seinen Instinkt gehen und kooperativ Medizin einnehmen? Eher nicht.

Auch das einfache Nasenspray, oder auch die Nutzung des Pariboys bei Erkältungen fällt in die Kategorie der Verweigerung aus evolutionären Gründen. Das Nasenspray wirkt erst nach ein paar Minuten - für ein Kind es schwer nachvollziehbar, dass so ein unangenehmes Gefühl für die Nase (das Sprühen) ein wenig später helfen soll. Denn die freie Nase wird von unserem Kleinen dann nicht mehr als etwas Besonderes registriert (hier ist wieder unser Gehirn schuld - wie ich im ersten Artikel erklärte, werden "normale" Dinge schlicht übersehen und eine freie Nase gehört dazu). Für kleine Kinder ergibt sich hier also kein Ursache-Wirkungs-Lernen! Sie übersehen die Wirkung und verweigern deshalb die Ursache (das Sprühen in die Nase).

Das laute Brummen des Pariboys und der Dampf, der aus ihm heraus kommt, macht Kindern einfach Angst. Es geht gegen unseren Instinkt, etwas an den Mund und die Nase zu halten, das uns unbekannte Gase verströmt. Auch hier ist die positive Wirkung für Kinder nicht sofort erkennbar, deshalb ist es aus ihrer Sicht nicht sinnvoll, sich dieser potentiellen Gefahr auszusetzen. Wenn die Eltern feinfühlig reagieren, kann man ihre Angst gegen den Pariboy durchaus abbauen. Wird das Inhalieren in ein schönes Ritual eingebaut, z. B. vorlesen, lernen viele Kinder den Pariboy sogar lieben.

Selbst wir Erwachsenen nehmen doch nur Medikamente etc., weil wir wissen, wie wichtig das für unseren Körper ist. Und dieser Punkt, an dem die Vernunft über den Instinkt siegt, ist auch der Punkt, an dem es leichter wird, die Kinder dazu zu überreden, das Antibiotikum zu schlucken, das Nasenspray über sich ergehen zu lassen oder den Pariboy zu benutzen. Frühestens dürfte das mit 3 Jahren der Fall sein, eher jedoch dauert es bis zum 4. Geburtstag (oder manchmal noch länger, je nach Charakter des Kindes). Bis dahin müsst ihr euch einiges an Tipps und Tricks einfallen lassen, damit die Medizin doch noch im Kind landet...
 

Lösungen für das Problem


1. Medikament wirklich nötig?


Die allererste Frage, die ihr euch stellen solltet ist, ob das Medikament wirklich, wirklich nötig ist. Ihr sollt natürlich nicht die Kompetenz eurer Kinderärztin in Frage stellen, aber ab und zu wird die Vergabe gerade von Antibiotika recht locker gesehen. Fragt am besten nach Alternativen oder Großmutters Tipps und Tricks. So ein Zwiebelsäckchen auf dem Ohr kann auch Wunder bewirken.

 

2. Medikament wechseln

 
Mein kleiner Sohn hatte im Alter von 6 Monaten engen Sabber-Kontakt mit einem anderen Baby, das, wie sich kurz darauf herausstellte, Keuchhusten hatte. Leider hatte er krankheitsbedingt noch keine Impfung dagegen intus, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als präventiv mit Kanonen auf die Krankheit zu schießen, bevor sie auch bei ihm ausbrach. Er musste also Antibiotika nehmen. Mehrere Wochen lang.
 
Da er mir vertraute, waren die erste 2-3 Portionen kein Problem. Dann wusste er allerdings, was kommt, wenn ich den Deckel der Medikamentenflasche öffnete und presste den Mund vehement zu, der kleine Schlaumeier. Ich konsultierte meine Kinderärztin, sie verschrieb ein anderes Antibiotikum, das ihm vielleicht besser schmecken würde. Das ging ein paar Tage gut, dann erbrach er sich davon - eine Nebenwirkung. Deshalb wechselten wir erneut. Diese Medizin schmeckte ihm zwar nicht wirklich, aber er konnte sie mit viel Geduld meinerseits soweit ertragen, dass wir sie jeden Tag in ihn hinein bekamen.
 
Mein erster Tipp ist also: Guckt, welches der Medikamente für eure Kinder am wenigsten eklig ist. Wie auch bei Brokkoli und Co sind Geschmäcker verschieden. Manch einer mag es, wenn der Geschmack der Medizin von Aroma übertüncht ist, ein anderer will das Ganze lieber möglichst geschmacklich neutral hinter sich bringen.
 
Selbst bei Nasentropfen gibt es eine Alternative. Eine meiner Töchter z. B. hasst Nasentropfen, findet aber Nasenspray total okay, während ich Nasenspray abartig finde und mit Tropfen gut klar komme.
 
Auch die Darreichungsform kann man variieren. Es gibt Zäpfchen, oder Saft, Tabletten oder Spritzen - wenn euer Kind ein Medikament verweigert, fragt eure Kinderärztin, was es als Alternative auf dem Markt gibt und probiert, ob es damit einfacher geht.
 
Selbstverständlich gilt beim Wechsel der Medikamente, dass es nur in Absprache mit der Kinderärztin geschehen sollte.
 

3. Spritze statt Löffel nutzen


Einwegspritze aus Kunststoff
Diesen Tipp kennt ihr sicherlich schon, aber mir hat er vor 5 Jahren, als die Mädchen noch Babys waren, wirklich sehr geholfen. Statt den Löffel zu nutzen, der meist bei den Medikamenten beiliegt, lasst euch in der Apotheke oder von der Kinderärztin eine Einmalspritze geben. Wichtig ist, dass sie sich leichtgängig schieben lässt, aber nicht zu leichtgängig. Lässt sie sich nämlich zu schwer zusammenpressen, dann drückt man und drückt und drückt, bis plötzlich mit einem Schwall alle Medizin in den Mund spritzt. Bei einer zu leichtgängigen Spritze habe ich auch Schwierigkeiten, das Medikament langsam und dosiert ins Kind zu träufeln, weil mein Daumen automatisch weiterdrückt. Es gibt ja aber unendlich viele Einwegspritzen - probiert einfach ein paar aus und findet die für euch passende. Die, die ihr dann zu viel gekauft habt, könnt ihr auswaschen und in den Arztkoffer eurer Kinder packen.
 
Dass selbstverständlich vorn keine Nadel auf der Spritze sitzen sollte, muss ich nicht erwähnen, richtig?
 
Wenn ihr nun die richtige Spritze habt, dann kommt der nächste Schritt: Nehmt euer Kind in den Arm, so, dass es ein wenig geneigt, aber noch fast aufrecht sitzt. Setzt (wenn das Kind euch lässt) die Spritze im Mundwinkel an und drückt langsam und mit Pausen die Medizin in die vordere Wangentasche des Kindes. In die Wangentasche deshalb, weil dort auch die Spucke sitzt, welche ja von uns Menschen fast unbemerkt automatisch geschluckt wird, am Tag viele hundert Male. Ist die Medizin nicht zu kalt, wirkt sie so für das Kind weniger als "Fremdkörper", als wenn sie direkt in die Mundhöhle gespritzt wird. Dass es langsam und mit Pausen vonstatten geht ist wichtig, damit das Kind nicht das Gefühl hat, zu ertrinken. Es muss selbst den Schluckvorgang steuern dürfen. Spritzt ihr zu weit nach hinten in die Wangentasche, wird zwar ein automatischer Schluckreflex ausgelöst (was ja an sich ganz nett ist, weil die Medizin dann auf jeden Fall runter geht), aber auch hier hat das Kind eher das Gefühl, die Menge des Trinkens nicht unter Kontrolle zu haben - es fühlt sich auch hier, als würde es ertrinken.
 
Zwischendurch (also in den Spritzpausen) ist es sinnvoll, dem Kind "leckeres" Trinken zum Nachspülen anzubieten. Bei Babys Muttermilch, bei größeren Kindern darf es durchaus ausnahmsweise auch Apfelschorle sein. Wenn Kinder älter sind, kann man viele von ihnen damit locken, dass sie die Spritze selbst bedienen dürfen. Wenn man sie nur für Medikamente heraus holt, bleiben sie besonders lange interessant.
 

4. Tabletten mit einem Bissen Essen runterschlucken

 
Ihr kennt das sicherlich von euch selbst: Soll man eine Tablette unzerkaut hinunterschlucken, kommt einem das vor, als wäre sie riesig. Selbst mit einem Schluck Wasser bleibt sie oft irgendwo hängen. Das ist irgendwie seltsam, wenn man mal bedenkt, wie klein so eine Tablette im Gegensatz zu einem Bissen Stulle oder Schnitzel ist, welchen wir ohne Probleme schlucken können. Der Trick ist, dieses komfortable Schlucken auch für die Tablette zu nutzen: Nehmt einen Haps Keks oder Kuchen oder was sonst gut schmeckt und kaut dieses Stück ganz normal im Mund. Wenn ihr das Gefühl habt, jetzt schlucken zu wollen, nehmt die Tablette mit der Zunge aus der Wangentasche, schiebt sie zum Essen und schluckt alles gleichzeitig herunter. Et Voliá.
 
Ich denke nicht, dass dieser Trick schon bei kleineren Kindern funktioniert, aber ihr könnt es bei 4-Jährigen sicher schon mal probieren.
 

5. Im Schlaf Ohrentropfen, Augentropfen und Nasentropfen verabreichen

 
Augen-, Ohren- und Nasentropfen lassen sich gut in einer Tiefschlafphase verabreichen. Sie sollten nicht zu kalt sein, damit der Temperaturunterschied das Kind nicht im Schlaf stört. Die Augentropfen könnt ihr, wenn das Kind auf dem Rücken liegt, in den zur Nase zeigenden Augenwinkel tropfen und dann kurz das untere Lid nach unten ziehen, damit der Tropfen sich im Auge verteilt. Liegen meine Kinder auf der Seite, dann ziehe ich das untere Lid nach unten und tropfe schnell direkt dort hinein. Dazu brauche ich aber eine Stirnlampe, weil das zackig und präzise vonstatten gehen muss.
 
Auch Nasen- und Ohrentropfen lassen sich im (Tief)-Schlaf verabreichen. Meine Kinder räkeln sich zwar meist etwas danach oder protestieren im Traum kurz, wachen aber nie auf. Es ist aber wichtig, keine REM-Phase zu erwischen, da so eine Manipulation am Ohr, Lid oder der Nase dazu führen kann, dass sie dann aufwachen.
 
Kurzer Exkurs: Bei Fräulein Chaos habe ich lange auch Finger- und Fußnägel im Schlaf geschnitten, weil sie sich im wachen Zustand so massiv dagegen gewehrt hat.

6. Vormachen


Wie ich oben schon andeutete: Evolutionsbiologisch ist in uns angelegt, unsere Stammesmitglieder zu imitieren. Wenn diese ein bestimmtes Lebensmittel essen, dass probiert das Kind normalerweise wenigstens einmal davon. Isst aber niemand anderes davon und es wird dem Kind aber immer wieder unter die Nase gehalten, dann wird es misstrauisch. Was ist daran faul?

Wenn ihr wollt, dass eure Kinder die Medikamente unvoreingenommen probieren, dann macht ihnen das Einnehmen vor. Bei Nasentropfen (nehmt Salzwasser!) und Pariboy ist das problemlos möglich, bei Antibiotikum nicht so. Da müsst ihr dann ein wenig in die Trickkiste greifen. Meine Töchter sollten, als sie klein waren, roten Fiebersaft nehmen. Ich mixte mir heimlich eine Erdbeer-Kaltschale und zog sie in eine große Einwegspritze auf. Vor den Augen meiner Töchter nahm ich dann wieder und wieder die Medizin, bis sie sich trauten, ihre eigenen Einwegspritzen in den Mund zu nehmen. Da dieser Fiebersaft gar nicht sooo schlecht schmeckte, war damit der erste positive Schritt geschafft.

Bei andersfarbigen Medikamenten wird es vielleicht schwieriger, ein geeignetes Placebo zu finden. Bei farblosen Antibiotika könnte das vielleicht Aga Aga sein. Ich hab das noch nicht ausprobiert - vielleicht könnt ihr mir in den Kommentaren hinterlassen, was bei euch gut funktioniert hat.

Auch beim Pariboy ist Vormachen das A und O. Alle meine Kinder hatten anfänglich Angst vor dem Ding, deshalb war die ersten Monate (!) erst einmal immer nur ich diejenige, die inhalierte, während ich ein (Erwachsenen)-Buch las. Die Kinder beobachteten mich argwöhnisch aus sicherer Entfernung. Irgendwann machte ihnen das laute Geräusch keine Angst mehr. Sie fingen an, am An/Aus-Knopf zu spielen und beobachteten den Dampf, der aus dem Mundstück kam. Ab und zu hielten sie das Mundstück ans Gesicht ihrer Puppe. Der nächste Schritt war, sie auf dem Schoß sitzen zu haben, das Gerät anzuschalten und den Dampf in etwa in ihre Richtung zu halten, während ich ein schönes Buch vorlas. Das genossen sie so sehr, dass es bald kein Problem mehr war, ihnen den Pariboy während des Vorlesens über Mund und Nase zu stülpen.

7. Arzt spielen


Mit etwa einem Jahr fangen unsere Kinder an, die Dinge, die sie um sich herum bei Erwachsenen und Kindern sehen, zu imitieren. In diesem Alter fangen sie auch an, gern mit der Kinderküche zu spielen, mit einem Besen oder aber mit einem Arztkoffer. Wenn ihr also wollt, dass eure Kinder sich daran gewöhnen, dass Medizineinnahme manchmal sein muss und "zum Leben" dazu gehört, dann schenkt ihnen doch einen kleinen Arztkoffer (mit diesem haben wir die besten Erfahrungen gemacht).

Dort könnt ihr dann Einwegspritzen oder leere Nasen- oder Augentropfflaschen hineinmachen, mit denen ihr dann im Spiel die Medikamenteneinnahme simuliert. Auch dem kleinen Pieks einer Impfung habe ich mit meinen Töchtern im Rollenspiel so den Schrecken genommen. Sie durften ihren Kuscheltieren und mir Impfungen, Ohrentropfen, Nasentropfen und Augentropfen geben und immer wieder wurde mir per Spritze "Zin!" in den Mund geträufelt.

Es ist nicht so, dass diese Methode Wunder wirkt, aber zumindest baut sie ein paar Ängste ab. Meine Kinder haben hinterher immer noch gemosert, wenn sie Ohrentropfen oder Antibiotika nehmen sollten, aber immerhin hatten wir im Spiel schon so oft über die Wichtigkeit der Medizin gesprochen, dass ich teilweise schon mit 3 Jahren an ihre Vernunft und Kooperation appellieren konnte.

8. Zum Arzt spielen gehen, um Angst abzubauen


Eng verwandt mit Trick Nummer 6 (Arztkoffer) ist dieser hier: Ich bin mit meinen Kindern öfter mal einfach so zum Arzt gegangen und habe sie dort mit Zustimmung der Ärztinnen im Wartezimmer spielen lassen. Das geht natürlich nur in den erkältungsarmen Monaten, denn meine Kinder sollen sich selbstverständlich nicht im Wartezimmer anstecken. Ich rufe oft vorher an, wann es günstig ist, vorbeizukommen. Unsere Ärztinnen habe spezielle Zeiten für die U-Untersuchungen, da sitzen dann immer nur gesunde Kinder im Wartezimmer.

Zum Spielen zu kommen war übrigens ein Vorschlag meiner Kinderärztinnen. Sie sagen, es hilft ihnen mehr, wenn sie ein Kind auch mal in netten Situationen sehen und nicht immer nur, wenn es dem Kind schlecht geht. Denn dann vertraut es ihnen mehr, wenn sie es später wirklich untersuchen müssen und weint nicht die ganze Zeit. So dürfen wir, wenn es leer ist, auch ab und zu ins Behandlungszimmer und unseren Arztkoffer zeigen oder die Ärztin "untersucht" den kranken Teddy - und baut gleichzeitig eine tragfähige Bindung zum Kind auf. Und wenn diese tolle Frau dann sagt, das Kind müsse eine bestimmte Medizin nehmen, um wieder gesund zu werden, dann "wiegt" ihre Meinung oft mehr, als die der Eltern und das Kind überwindet sich vielleicht, das bittere Antibiotikum doch zu schlucken.

P.S. Es kann sein, dass euer Kinderarzt nicht mitspielt. Das ist zwar schade, aber nicht zu ändern. Die meisten Ärzte sind auch ohne "Spielkinder" schon sehr überlastet. Aber fragen könnt ihr ja mal. Unsere Kinderärztinnen laufen übrigens manchmal über den naheliegenden Spielplatz und begrüßen ihre kleinen Patienten dort, um auch außerhalb der Praxis für die Kinder präsent zu sein. Ich liebe die beiden sehr.

9. Mit Bestechung arbeiten


Wann, wenn nicht an dieser Stelle, ist es sinnvoll, mit Bestechung zu arbeiten? Lässt das Kind sich überreden, die bittere Medizin zu nehmen oder die Nasentropfen auszuhalten, darf es hinterher ein Gummibärchen essen oder süßen Saft trinken. Das funktioniert nicht bei allen Kindern, aber wenn es klappt, sehe ich keinen Grund, es nicht zu tun. Vielleicht sollte man das Ganze nicht mit "Wenn - Dann" ankündigen, sondern einfach sagen: "Ich weiß, das Medikament schmeckt dir nicht. Ich gebe dir hinterher einen leckeren Bonbon, um den Geschmack wieder loszuwerden".
 

10. Medikamente unterschummeln

 
Es gibt Ärzte, die durchaus empfehlen, im Notfall Medikamente unter geliebtes Essen unterzumischen, so dass es wenigstens ansatzweise dort ankommt, wo es hin soll, nämlich ins Kind. Das geht natürlich nur, wenn das Medikament den Geschmack des Essens nicht zu sehr verfälscht, es nicht in Wechselwirkung mit dem Essen tritt und das Kind an sich genug isst, um auch genug von der Medizin einzunehmen. Ein sehr schwieriges Unterfangen also. Wenn Kinder gerne Obstmus aus Quetschtüten essen, dann kann man einen Teil des Inhaltes herausquetschen und mit einer Einwegspritze dann die Medizin einfüllen. Mit einem Holzstäbchen kurz umgerührt stehen die Chancen gut, dass das Kind die gewünschte Menge zu sich nimmt.

Die Ärztin, die uns in allen medizinischen Belangen in diesem Blog unterstützt, meint, ein kleines Glas Aprikosensaft eigene sich sehr gut zum Unterschummeln, da der Saft einen starken Eigengeschmack hat. Sie hat auch schon Schokopudding genutzt. Es stimmt, dass es einige Antibiotika gibt, die nicht zusammen mit Milch verabreicht werden sollten (also auch keinen Pudding, Joghurt etc.) - bei diesen kann man den Trick also nicht anwenden. Es sind aber nicht alle Arten von Antibiotika davon betroffen.
 

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation

 
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
 
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:
 
© Snowqueen

Kommentare:

  1. Hallo zusammen,

    ich habe mal ein Schmerzmittel (bei schlimmen Zahnschmerzen) bei meiner Tochter in eine Quetschtüte gefüllt. Einfach einen Teil ausquetschen, mit einer Spritze das Medikament rein, mit einem Stäbchen etwas verrühren, einen Teil des Obstes wieder rein und dem Kind geben. Hat gut funktioniert!

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    1. Das ist ja mal richtig genial! Danke für diesen tollen Tipp! Ich werde ihn oben im Text ergänzen. LG, snowqueen

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    2. Oh, das freut mich!
      Ich bin gar nicht so der Freund von Quetschtüten, aber da meine Tochter die über alles liebt und quasi inhaliert, kann man da gut was unterschummeln.

      Liebe Grüße, M.

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  2. Wir haben beim inhalieren immer einen kurzen Film geguckt (z.B. Conny oder Shaun), bald hat sie danach verlangt zu inhalieren... Eine Zeit lang gab es nach dem Nase spülen (hilft super bei Schnupfen!) Gummibärchen..mittlerweile geht es so, weil sie weiß, dass es ihr hilft. Bestechung klappt bei uns zum Glück ganz gut, brauchen wir jetzt mit 3 Jahren zum Glück kaum noch...
    Otowowen Tropfen habe ich mit Fenchel Honig gemixt, aber den mag sie leider nicht mehr...
    Danke für den schonen Artikel...

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  3. In manchen Städten (z. B. Ulm, Tübingen) gibt es die "Teddy-Klinik". Da können Kinder mit ihren kranken Kuscheltieren hingehen. Die Kuscheltiere werden dann von Medizinstudenten professionell versorgt. Das ist für die Kinder eine tolle Erfahrung!

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    1. Awwww, das ist ja niedlich! Das wusste ich noch nicht. Danke für den Tipp!

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  4. Danke!! Für diesen Artikel.
    Mein Sohn (fast 9 MOnate) quält sich seit 6 Wochen mit Husten, teilweise auch Schnupfen und irgendwelchen diffusen Schmerzen rum. Letzte Woche hat er dann für einige Tage einen Schmerzsaft nehmen sollen, damit er endlich mal richtig schlafen konnte.
    Die ersten Male ging es gut, erst zum Schluss "konnte" er nciht mehr (das war aber auch viel!). Wurde mit einer Spritze verabreicht.
    Zum Schluss, so muss ich gestehen, haben wir es auch zu zweit gemacht und doch hats nicht richtig geklappt.
    Nun hat er auch noch Mundsoor - so wie ich.
    Wir haben von der Kinderärztin das gleiche Medikament verschrieben bekommen. Nun mache ich es so, dass ichmeine Dosis zuerst nehme (er fand es sehr lustig, als ich mir mit dem Finger im Mund rumpopelte um das Zeugs zu verteilen) und ließ es dann auch bei sich über sich ergehen. Das gefählichste dabei waren seine spitzen Zähnchen, die immer wieder nach mir schnappten. Dabei ist das Zeug gar nciht lecker.
    Die Idee mit dem Arztkoffer finde ich echt gut. Ich werde demnächst mal ein bisschen was zusammen packen. Er ist nämlich auch noch ein "Selber-Macher" (z.B. beim Essen).

    Danke!

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    1. Als mein Sohn Mundsoor hatte (da war er 13 Monate alt), hat mir der Arzt gesagt, dass keine Medizin helfe, einfach nur abwarten. Und das Kuriose, als ich mal mit ihm auf dem Arm ein Glas Milch trank, wollte er auch welche, obwohl ich ihm die noch nicht geben wollte und obwohl er die vorher selbst nur wenige Male in der Kita getrunken hat. Aber ich habe dann erfahren, dass die Milch bei den Schmerzen helfen soll. Außer Muttermilch hat er dann immer einige Schluck Milch getrunken und es ging ihm für einige Zeit besser.

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  5. Vielen Dank für die Tips! Dem schlafenden Kind Nasentropfen verpassen, so einfach und doch genial!
    Hier waren Nasentropfen immer der absolute Horror. Wie im Aritkel beschrieben mit Gewalt verbunden. Arme und Kopf festhalten und der zweite macht die Nasentropfen rein. Eine ganz schön harte Nummer für unser Elternherz.
    Gestern habe ich es dann im Schlaf gemacht, was soll ich sagen... überhaupt kein Problem! Danke, danke, danke :)

    LG Ines

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  6. Danke für die tollen Tipps! Viele davon haben wir auch schon mit Erfolg ausprobiert. Einzig von dem Vorschlag, selbst so zu tun, als nähme man die gleiche Medizin, halte ich nicht so viel. Aus meiner Sicht ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass Medizin etwas besonderes ist, um eine unschöne Krankheit loszuwerden, und nichts, was man einfach nur so mal nehmen kann. Um beizeiten an die Vernunft appellieren zu können, ist dieses Verständnis (fast von Anfang an) wichtig, finde ich. Auch das Unterschummeln würde ich nur in absoluten Notfällen und bei ganz kleinen Kindern anwenden.

    Zusätzlich würde ich noch ergänzen, dass in der Ausnahmesituation der Medikamenteneinnahme auch mal ein ausgiebiges Loben erlaubt ist. Unsere Tochter fand es mit 2 Jahren toll, wenn alle um sie herum (Mama, Papa, ggfs. Oma) hochgesprungen sind und jubelnd "hurra!" gerufen haben, wenn sie es geschafft hatte/sich überwunden hatte, einen Löffel oder eine Spritze voll Medizin zu schlucken. Das war dann für das nächste Mal auch Ansporn genug, sich wieder zu überwinden.

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  7. Vielen Dank für die Tipps. Mein Sohn ist auch ein Totalverweigerer von Medizin und ich gebe ihm sonst nichts, wenn er das nicht will. Er musste diesen Sommer jedoch Antibiotikum nehmen (nach Armbruch) und da half eine Armada an guten Dingen: Antibiotikum färben mit Lebensmittelfarbe (er wollte grün, rot und blau in je einem Streifen), Mama nimmt ihn in den Arm, flößt das Zeug ein und er bekam danach sofort die Brust. Das geht natürlich nur, wenn Mama noch oder wieder stillt (und das Kind alt genug ist, dass es versteht, dass es nicht jedes Mal beim Stillen furchtbar schmeckt). Außerdem haben wir runtergezählt: Nur noch 5 Mal nehmen. Nur noch 4 Mal nehmen usw. Und erklärt haben wir ihm auch, dass die ollen Bakterien dann alle tot sind.

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  8. Eine sehr interessante und hilfreiche Liste! Am besten gefällt mir Punkt 1 :-) Ich glaube, dass man sehr oft nachhaltiger punkten kann, und vor allem mit weniger Nebenwirkungen (abgesehen von elterlichem Schlaf- und Zeitmangel und dünnem Nervenkostüm – aber wie oft kommt das denn wirklich vor?), wenn man der Sache mit Hausmittelchen, Schonung und vor allem viel Geduld begegnet. Gilt ja nicht nur für Kinder.

    Zu Punkt 5 (Verabreichung im Schlaf) möchte ich ergänzen, dass ich das bei meinem verschnupften Säugling auch mehrmals probiert habe (ein Tropfen Muttermilch ins Nasenloch, der ist auch bestimmt hautwarm :-) ), allerdings hatte er da wohl noch wenig Tiefschlafphasen und ist oft erschrocken und erbost aufgewacht dabei. Die bessere Erfahrung habe ich in diesem Fall definitiv im wachen Zustand (zufrieden nach dem Stillen) gemacht. Gilt aber wohl nur für Säuglinge.

    Und zum letzten Punkt, dem Unterschummeln, möchte ich eine kritische Anmerkung geben: bedenkt, dass immer damit zu rechnen ist, dass Kinder mehr mitbekommen, als wir glauben und uns lieb ist! Es ist ja auch wirklich verdächtig, wenn man als Elternteil zuerst alle Tricks versucht, und plötzlich keine Anstalten mehr macht, das Kind zur Einnahme zu bewegen... Ich kann dazu die Geschichte meiner Mama erzählen, die als Kind besonders ihrem Vater uneingeschränktes Vertrauen entgegenbrachte. Sie war anscheinend schon immer sehr skeptisch Medikamenten gegenüber (heute ist sie Totalverweigerin), jedenfalls hat ihr Vater in seiner Verzweiflung ihr mal eins ins Essen gegeben – und sie ist irgendwie draufgekommen. Das war für sie ein dermaßen einschneidendes Erlebnis und ein Vertrauensbruch, von dem sie sich nie ganz erholt hat. So krass muss es natürlich nicht kommen, aber man sollte meiner Meinung nach wohl bedenken, dass man damit ein voll vertrauendes Kind hintergeht, und zumindest ich persönlich würde vorher auf jeden Fall nochmal intensiv über alle anderen Punkte, insbesondere Punkt 1 (nachdem vermutlich alle anderen Versuche schon gescheitert sind) nachdenken!

    Alles Gute!

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  9. Beim Stöbern habe ich diesen Beitrag von Jesper Juul zum Thema gefunden
    http://derstandard.at/2000010206728/Wenn-Kinder-keine-Medikamente-nehmen-wollen
    Vielleicht auch noch ein interessanter Aspekt für eine langfristige Lösung!
    Liebe Grüße

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    1. Ja, das ist in der Tat eine gute langfristige Lösung. Ich werde mal schauen, wie ich das in meinen Artikel am besten einbauen kann. Vielen Dank! snowqueen

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