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12 Botschaften, die Eltern vermeiden sollten, wenn ihr Kind ein Problem hat

trauriges MädchenAls Herr Friedlich geboren wurde, stürzte meine damals dreieinhalbjährige Tochter Fräulein Chaos in eine tiefe Krise. Nach ein paar Wochen fing sie - für mich völlig überraschend - an, ihre Schwester zu hassen. Ich konnte diese Gefühle nicht nachvollziehen, immerhin waren die beiden seit ihrer Geburt ein Herz und eine Seele und Fräulein Ordnung hatte auch nichts "gemacht", um diesen Hass zu provozieren. Ich war ratlos und führte Tag für Tag Gespräche mit meiner wütenden kleinen Tochter. Ich wollte ihr zuhören und sie verstehen. Ich wollte ihr aber auch klarmachen, wie schade es ist, wenn sie sich einfach so von ihrer besten Freundin und Schwester abwendet. Ich wollte Harmonie, so, wie ich Harmonie zwischen mir und meinem älteren Bruder gehabt hatte. Doch die Gespräche von Fräulein Chaos und mir liefen nicht gut. Eigentlich drehten wir uns jeden Tag wieder und wieder im Kreis:

Fräulein Chaos: Ich hasse Fräulein Ordnung. Ich hasse sie! Sie ist so doof!
Mama: Du hasst sie gar nicht. Das ist doch albern. Ich weiß doch, wie gern du sie eigentlich hast. Du solltest dich besser wieder mit ihr vertragen.
Fräulein Chaos: Nein, ich hasse sie. Ich hasse sie richtig doll.
Mama: Aber warum denn nur? Was ist denn zwischen euch vorgefallen?
Fräulein Chaos: Nichts. Sie ist einfach doof und ich will nie wieder mit ihr zu tun haben! Sie soll weggehen!
Mama: Naja, das geht ja nun einmal nicht. Sie wird niemals weggehen, sie ist doch deine Schwester. Du bist für immer mit ihr verbunden und das ist doch auch schön. Sie wird immer in deinem Leben sein.
Fräulein Chaos: Dann will ich, dass sie tot ist!
Mama: Hör mal, ey, sowas will ich echt nicht hören. Das finde ich total krass. Fräulein Ordnung soll nicht tot sein! Mir tut das Herz weh, wenn ich an so etwas denke.
Fräulein Chaos: Ich will einfach nicht, dass sie in meiner Familie ist! Es soll niemand in unserer Familie sein, nur du und ich! Alle anderen sollen tot sein!
Mama: Ich will aber nicht, dass alle anderen tot sind. Ich möchte, dass wir alle zusammen glücklich sind.
Fräulein Chaos: Dann will ich eben sterben! Dann muss ich niemanden mehr von euch sehen!
Mama: Ey! Ich will auch nicht, dass du tot bist! Bitte sag doch nicht so etwas! Ich liebe euch alle und ich wäre super traurig, wenn nur einer davon fehlen würde. Bitte hör auf, so zu reden, ich kann das nicht aushalten. Ich weiß doch, dass du das nur sagst, weil es dir wegen des Babys so schlecht geht. Aber du meinst es nicht wirklich so.
Fräulein Chaos: Es tut so weh! Es tut in mir drin so weh! Das soll aufhören! Ich hasse mein ganzes Leben! Ich will sterben! *weint herzzerreißend*
Mama (total verängstigt wegen dieser Aussage) in strengem Ton: Okay, Schluss jetzt! Ich will es nicht mehr hören! Dein Leben ist schön! Es ist wunderschön!
Fräulein Chaos: *sagt nichts, schluchzt*
Mama: Komm, wir gehen ein Eis essen, nur wir zwei. Mhhh? Dann geht es dir bestimmt besser.

Aber es ging ihr nicht besser. Es ging ihr über Wochen schlecht. Wir führten dieses Gespräch in etlichen Variationen, aber nie kamen wir auf eine Lösung. Sie beharrte darauf, zu hassen (ihr Leben, ihre Schwester, den Rest unserer Familie) und sterben zu wollen; ich beharrte darauf, wie schön alles sei. Ich machte mir echte Sorgen um ihren Zustand. Sie war wütend und traurig, das konnte ich sehen. Aber nichts, was ich sagte, half. So lange, bis ich ihr endlich richtig zuhörte. Als ich endlich, endlich meine Ohren und mein Herz öffnete, hatten wir das Gespräch, das alles änderte.

Doch dieses Zuhören ... das ist gar nicht so leicht. Wir Eltern versagen oft darin. Wir haben es einfach selbst nicht gelernt, weil auch uns nicht richtig zugehört wurde.Wir können es jedoch lernen. Und wisst ihr was? Es macht so einen gravierenden Unterschied für unsere Kinder, dass ich finde, alle werdenden Eltern sollten neben den etablierten Geburtsvorbereitungskursen auch Kurse im Aktiven Zuhören belegen.

Doch bevor ich Euch in das Geheimnis der offenen Ohren einweihe, widmen wir uns erst einmal den 12 typischen Botschaften, die Eltern beim Antworten übermitteln und die sich ungünstig auf den Gesprächsverlauf auswirken. Um zu zeigen, welche meiner Aussagen aus dem obigen Gespräch dazu geführt hatten, dass meine Tochter ihr Problem nicht lösen konnte, habe ich diese an den entsprechenden Stellen in rot markiert. Vermutlich werdet ihr euch auch selbst an der ein oder anderen Stelle wiedererkennen. Tatsächlich gehören etwa 90 Prozent aller Antworten von uns Eltern in Problemgesprächen oder Streits zu diesen typischen Zwölf.

12 ungünstige Erwiderungen auf die verbalen Botschaften unserer Kinder


Wenn wir unseren Kindern zuhören, dann antworten wir in den allermeisten Fällen auf das, was sie uns erzählen; es entsteht ein Gespräch. Diese Erwiderungen wirken auf die Kleinen und bestimmen die Richtung des Dialogs. Das kann wunderbar klappen - dann wirkt das Gespräch befreiend und ermutigend. Oder unsere Erwiderungen wirken destruktiv und bringen unsere Kinder dazu, sich uns nicht mehr zu öffnen, weil sie ihnen das Gefühl geben, schuldig oder unzulänglich zu sein. Professionelle Therapeuten lernen in ihrer Ausbildung, genau solche Erwiderungen zu vermeiden.

1. Befehlen, anordnen, kommandieren


Kind: Ich will heute nicht zur Schule. Lottis Eltern lassen sie zuhause bleiben, wenn sie nicht zur Schule will.
Eltern: Es ist mir egal, was andere Eltern tun! Du gehst zur Schule!

Kind: Du bist eine doofe Kackmutter!
Eltern: Hör gefälligst auf, so mit deiner Mama zu sprechen!

Kind: Jonas ist blöd! Ich will nie wieder mit ihm spielen!
Eltern: Jonas ist dein bester Freund. Nun geh und vertrag dich wieder mit ihm!

Fräulein Chaos: Ich hasse mein ganzes Leben! Ich will sterben!
Mama (total verängstigt wegen dieser Aussage) in strengem Ton: Okay, Schluss jetzt! 

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir befehlen, anordnen oder kommandieren? 


Diese Botschaften sagen einem Kind, dass seine Empfindungen und Bedürfnisse nicht wichtig oder annehmbar sind; es muss sich dem unterwerfen, was der Elternteil empfindet oder braucht. [...] Sie rufen Furcht vor der elterlichen Macht hervor. [...] Sie können das Kind aufbringen und empören und es häufig dazu veranlassen, feindselige Empfindungen zu äußern, einen Wutanfall zu bekommen. zurückzuschlagen, Widerstand zu leisten, den elterlichen Willen auf die Probe zu stellen. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 309] 

2. Warnen, ermahnen, drohen 


Kind: Ich will diese bescheuerte Strickjacke nicht anziehen!
Eltern: Es ist viel zu kalt ohne Jacke. Dann kriegst du eine Lungenentzündung und kannst am Samstag nicht zum Geburtstag von Lukas gehen.

Kind: Ich will die bescheuerte Jacke wieder ausziehen, die kratzt!
Eltern: Das wirst du schön bleiben lassen, sonst blase ich den ganzen Ausflug ab!

Kind: Ich hasse euch! Am liebsten würde ich ganz weit weglaufen und nie wieder kommen.
Eltern: Kleine Kinder ohne Eltern werden auf der Straße von der Polizei eingesammelt und kommen ins Heim! Willst du das?

Kind: *steht mit Schere und Lieblingsschal der Mutter vor ihr und schaut sie wütend an*
Eltern: Wag es ja nicht!

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir warnen, ermahnen, drohen?


Diese Botschaft können ein Kind dazu bringen, Angst und Unterwürfigkeit zu empfinden. ,[...] Sie können Empörung und Feindseligkeiten hervorrufen. [...] Sie können zu verstehen geben, dass der Elternteil keinen Respekt vor den Bedürfnissen und Wünschen des Kindes hat. [...] Diese Botschaften fordern das Kind auch dazu auf, die Unabänderlichkeit der elterlichen Drohung auf die Probe zu stellen. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 309f]

3. Zureden, moralisieren, predigen, dem Kind sagen, was es tun "müsste" oder "sollte"


Kind: *weint hysterisch wegen unbequem sitzender Strumpfhose*
Eltern: Meine Güte, nun hab dich mal nicht so! Es ist doch nur eine Strumpfhose.

Kind: *steckt die Zunge heraus*
Eltern: Hey! Du solltest Respekt vor Erwachsenen zeigen!

Kind: Lotta und Emily spielen in der Schule nicht mehr mit mir.
Eltern: Du solltest einfach nicht so viel weinen und nicht so schnell gekränkt sein, dann spielen sie auch wieder gern mit dir.

Fräulein Chaos: Ich hasse Fräulein Ordnung. Ich hasse sie! Sie ist so doof!
Mama: Du solltest dich besser wieder mit ihr vertragen.

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir zureden, moralisieren, predigen?


Derartige Botschaften [...] können einem Kind das Gefühl geben, dass der Elternteil seinem Urteil nicht traut - dass es besser daran täte, das zu akzeptieren, was andere für richtig halten. [...] Sie können Schuldgefühle in einem Kind wachrufen - das Gefühl, dass es "schlecht" ist. [...] Auf diese "solltest" und "müsstest" können Kinder mit Widerstand reagieren und ihre Position nur noch nachdrücklicher verteidigen. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 309f]

4. Beraten, Lösungen geben, Vorschläge machen


Kind: Lotta und Emily spielen in der Schule nicht mehr mit mir.
aufmerksames Kind
Eltern: Warum lädst du nicht eine von beiden hier nach Hause ein? Dann kommt ihr euch wieder näher.

Kind: Ich weiß einfach nicht, ob ich lieber Reiten will, oder die Mathe-AG besuchen. Ich mag beides gern, aber ich habe nur für eins Zeit.
Eltern: Nimm lieber die Mathe-AG, das ist besser für die Zukunft.

Kind weinend: Jonas hat mir den Monstertruck weggenommen! Aber ich wollte damit spielen!
Eltern: Biete ihm doch ein anderes Auto zum Spielen an. Dann tauscht er bestimmt mit dir.

Kind: Sommerferien sind so ööööde. Keiner meiner Freunde ist da.
Eltern: Dann male doch ein bisschen, oder noch besser, räum doch dein Zimmer auf, mmh?

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir beraten, Lösungen geben, Vorschläge machen?


Solche Botschaften werden von dem Kind oft als Beweis dafür empfunden, dass der Elternteil kein Zutrauen in das Urteilsvermögen oder die Fähigkeit des Kindes hat, seine eigenen Lösungen zu finden. [...] Kinder können auch ein Gefühl der Inferiorität bekommen. [...] Sie können ein Kind beeinflussen, vom Elternteil abhängig zu werden und aufzuhören, selbst zu denken. Kinder reagieren eher unwillig auf Ideen oder Ratschläge und nehmen diese selten an.  [vgl. Gordon, T., 1972, S. 310] 

5. Vorhaltungen machen, belehren, logische Argumente anführen; mit Fakten, Logik und Gegenargumenten in Meinung beeinflussen 


Kind weinend: Jonas hat mir den Monstertruck weggenommen! Aber ich wollte damit spielen!
Eltern: Kinder müssen lernen, selbst ihre Konflikte zu lösen.

Kind: Mann, die Schule ist so irre schwer. Ständig muss ich lernen. Ich habe gar keine Freizeit mehr.
Eltern: Als ich in deinem Alter war, musste ich neben der Schule noch arbeiten, um meine Eltern mit dem Geld zu unterstützen. Freizeit hatte ich auch nicht. Betrachte es mal so - du hast totales Glück, dass du dich nur um die Schule kümmern musst!

Kind: Ich will nicht auf Ferienreise fahren.
Eltern: Aber Ferienfahrten sind toll. Das wird bestimmt das schönste Erlebnis, das du je hattest!

Kind: Iiiih, ich will den stinkenden Müll nicht raus bringen!
Eltern: Nur wenn du jetzt schon regelmäßig kleinere Aufgaben übernimmst, wirst du zu einem verantwortungsbewussten Erwachsenen.

Fräulein Chaos: Sie ist einfach doof und ich will nie wieder mit ihr zu tun haben. Sie soll weggehen.
Mama: Naja, das geht ja nun einmal nicht. Sie wird niemals weggehen, sie ist doch deine Schwester. Du bist für immer mit ihr verbunden. 

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir Vorhaltungen machen, belehren, logische Argumente anführen? 


Kinder kennen die Tatsachen bereits recht gut, die die Eltern beharrlich fortfahren, sie zu lehren, und ärgern sich über die darin liegende Andeutung, dass sie unwissend sind. [...] Kinder wie Erwachsene mögen es selten, wenn man ihnen zeigt, dass sie unrecht haben. Demzufolge verteidigen sie ihre Position bis zum bitteren Ende. [...] Logik und Tatsachen machen ein Kind oft defensiv und unwillig. [...] Dann entscheiden sie sich vielleicht dafür, die Tatsachen zu ignorieren ("Mir doch egal." "Na und?" "Das passiert mir nicht.").  [vgl. Gordon, T., 1972, S. 311] 

6. Urteilen, kritisieren, widersprechen, beschuldigen, zu einer negativen Bewertung des Kindes kommen 


Kind: Ich habe mich entschlossen, die Reit-AG und nicht die Mathe-AG zu besuchen.
Eltern: Ich halte das für eine dumme Idee.

Kind: Aber wenn ich reite, fühle ich mich frei und glücklich. Mathe kann ich doch später noch lernen.
Eltern: Du denkst einfach nicht bis zum Ende. Was für ein kindisches Argument!

Kind: Lotta und Emily spielen in der Schule nicht mehr mit mir.
Eltern: Naja, kein Wunder, wenn du immer so eine Mimose bist.

Kind: Lotta und Emily sind voll gemein, weil sie nicht mit mir spielen wollen.
Eltern: Es ist doch ihre Entscheidung, mit wem sie spielen.

Fräulein Chaos: Ich hasse Fräulein Ordnung. Ich hasse sie! Sie ist so doof!
Mama: Du hasst sie gar nicht. Das ist doch albern.

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir urteilen, kritisieren, widersprechen oder beschuldigen?


Wahrscheinlich mehr als alle anderen, bringen die Botschaften das Kind dazu, sich unzulänglich, minderwertig, dumm, unwert, schlecht zu fühlen. [...] Wie der Elternteil das Kind bewertet, wird das Kind sich selbst beurteilen. [...] Kinder wie Erwachsene hassen es, negativ beurteilt zu werden. Sie reagieren defensiv, einfach, um ihr Selbstimage zu schützen. Oft werden sie zornig und empfinden, auch wenn das Urteil zutreffend ist, Hass gegenüber dem beurteilenden Elternteil. [...] Bewertung beeinflusst Kinder dahingehend, ihre Empfindungen für sich zu behalten oder etwas vor den Eltern zu verbergen.  [vgl. Gordon, T., 1972, S. 311] 

Verzweifeltes Kind


7. Loben, zustimmen, zu einer positiven Bewertung des Kindes kommen 


Kind: Ich finde meine Nase zu groß für mein Gesicht.
Eltern: Also ich finde dich bildhübsch genau so, wie du bist.

Kind: Lotta und Emily sind voll gemein, weil sie nicht mit mir spielen wollen.
Eltern: Das finde ich auch.

Kind: Ich habe mich entschlossen, die Reit-AG und nicht die Mathe-AG zu besuchen.
Eltern: Das ist eine sehr gute Idee. Ein fester Beckenboden und eine gerade Haltung sind so wichtig für eine Frau!

Kind: Ich habe mich entschlossen, die Mathe-AG und nicht die Reit-AG zu besuchen.
Eltern: Fantastisch. Mit der Mathe-AG hast du die Chance, richtig was aus deiner Klugheit zu machen! 

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir loben, zustimmen? 


Im Gegensatz zur allgemeinen Überzeugung, dass Lob Kindern immer guttut, hat es oft einen negativen Effekt. Eine positive Einschätzung, die nicht der Vorstellung des Kindes von sich selbst entspricht, kann Feindseligkeiten hervorrufen ("Ich bin eben nicht bildhübsch. Ich habe eine zu große Nase und die macht mich hässlich!") [...] Überdies kann das Ausbleiben von Lob in einer Familie, in der häufig Lob angewendet wird, vom Kind als Kritik ausgelegt werden. [...] Oft wird Lob vom Kind als Manipulation empfunden - als unmerkliche Art, das Kind zu beeinflussen, das zu tun, was der Elternteil will.  Das könnte es dazu veranlassen, es erst recht nicht zu tun. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 312]

8. Beschimpfen, lächerlich machen, beschämen


Kind: Ich habe mich entschlossen, die Reit-AG und nicht die Mathe-AG zu besuchen.
Eltern: Na das war ja wieder klar. Immer schön den leichtesten Weg wählen, was? Nur ja nicht zu viel anstrengen.

Kind weinend: Jonas hat mir den Monstertruck weggenommen! Aber ich wollte damit spielen!
Eltern: Boah, du bist so ein Weichei, ey.

Kind: Ich werde die bescheuerte Jacke nicht anziehen - man wird nicht von Kälte krank, sondern von Viren.
Eltern augenrollend: Tss,  Fräulein Neunmalklug weiß schon wieder alles besser.

Kind: Alle Mädchen aus meiner Klasse tragen schon Make-up!
Eltern: Du siehst damit total nuttig aus. Und als nächstes tragt ihr Miniröcke und Netzstrumpfhosen, oder was?

Kind: Ich will nicht aufräumen.
Eltern: Du bist so eine verzogene Prinzessin! Denkst du, wir wären deine Bediensteten?

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir beschimpfen, lächerlich machen, beschämen?


Derartige Botschaften können von verheerender Wirkung auf das Selbstimage des Kindes sein. Sie können das Kind dazu veranlassen, sich unwert, schlecht, ungeliebt zu fühlen. Die häufigsten kindlichen Reaktionen auf solche Botschaften bestehent darin, den Eltern ebenso zu antworten ("Pah, du bist doch selber faul!"), oder nichts darauf zu geben und es trotzdem zu tun ("Ich sehe überhaupt nicht nuttig aus!") [vgl. Gordon, T., 1972, S. 312f] 

9. Interpretieren, analysieren, diagnostizieren, das Kind wissen lassen, dass wir es durchschauen


Kind: Ich hasse euch! Am liebsten würde ich ganz weit weglaufen und nie wieder kommen.
Eltern: Das sagst du jetzt nur, um uns zu verletzen. In Wirklichkeit willst du gar nicht von uns weg.

Kind: Ich finde Lotti nicht mehr nett, seit sie immer mit Emily spielt.
Eltern: Du bist nur eifersüchtig, weil sie nicht mehr mit dir spielt.

Kind: Ich hasse die Schule und alles, was damit zusammenhängt!
Eltern: Du hasst sie nur, weil du merkst, dass die anderen schneller lernen als du. Du fühlst dich ihnen unterlegen und dieses Gefühl willst du nicht haben.

Fräulein Chaos: Dann will ich eben sterben. Dann muss ich niemanden mehr von euch sehen!
Mama: Ich weiß doch, dass du das nur sagst, weil es dir wegen des Babys so schlecht geht. Aber du meinst es nicht wirklich so. 

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir interpretieren, analysieren, diagnostizieren? 


Eltern, die ihre Kinder häufig analysieren, geben ihnen zu verstehen, dass sich die Eltern überlegen, klüger, gescheiter fühlen.[...] Wenn die Analyse oder Interpretation des Elternteils zufällig richtig ist, fühlt sich das Kind vielleicht in Verlegenheit gebracht. [...] Wenn die Analyse oder Interpretation des Elternteils, wie so oft, falsch ist, wird das Kind über die ungerechte Beschuldigung böse werden. [...] Die "Ich-weiß-warum" und "ich-durchschaue-dich"-Botschaften schneiden für den Augenblick eine weitere Kommunikation seitens des Elternteils ab und lehren das Kind, seine Eltern nicht an Problemen teilhaben zu lassen.  [vgl. Gordon, T., 1972, S. 313] 

10. Beruhigen, bemitleiden, trösten, dem Kind seine Gefühle aus- oder kleinreden, versuchen, dass das Kind sich besser fühlt [Anmerkung: Mit "trösten" ist nicht das In-den-Arm-Nehmen gemeint, sondern eher ein verbales Kleinreden des Schmerzes a la "Sei nicht traurig."]


Kind: Lotta und Emily spielen in der Schule nicht mehr mit mir.
Eltern: Mach dir mal keine Sorgen, das renkt sich schon wieder ein zwischen euch.

Kind: *weint, weil beste Freundin nicht mehr mit ihr spielt*
Eltern. Sei nicht traurig. Das wird schon wieder!

Kind: Ich hasse die Schule und alles, was damit zusammenhängt!
Eltern: Ach, das denken alle Kinder irgendwann.

Kind weinend: Jonas hat mir den Monstertruck weggenommen! Aber ich wollte damit spielen!
Eltern: Das ist doch nicht so schlimm. Du hast so viele schöne Autos.

Kind weinend: Mark findet meine Nase zu groß!
Eltern: Ich wette, alle anderen Jungen in deiner Klasse finden deine Nase hübsch!

Fräulein Chaos: Ich hasse mein ganzes Leben!
Mama: Dein Leben ist schön! Es ist wunderschön!

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir beruhigen, bemitleiden, trösten, dem Kind seine Gefühle aus- oder kleinreden?


Derartige Botschaften sind nicht so hilfreich, wie die meisten Eltern glauben. Wenn die Eltern die Gefühle eines Kindes kleinreden, es versuchen zu beruhigen oder zu trösten,, überzeugt es das Kind vielleicht davon, von ihnen unverstanden zu sein. [...] Eltern beruhigen und trösten, weil es ihnen unangenehm ist, wenn ihr Kind sich verletzt, verärgert, entmutigt oder dergleichen fühlt. Solche Botschaften sagen dem Kind, dass sie wollen, es soll aufhören, so zu empfinden. [...] Bagatellisieren bereitet oft einer weiteren Kommunikation ein Ende, weil das Kind spürt, dass seine Gefühle den Eltern selbst unangenehm sind, oder weil es wütend darüber ist, dass die Eltern versuchen, ihm seine eigene Einschätzung des emotionalen Schmerzes auszureden. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 313f] 

11. Forschen, fragen, verhören, um weitere Informationen zu erhalten, die helfen könnten, das Problem zu lösen 


Kind: Ich hasse die Schule und alles, was damit zusammenhängt.
Eltern: Woran liegt das, was meinst du? Was stört dich denn so sehr?

Kind: Ich finde meine Nase zu groß für mein Gesicht.
Eltern: Seit wann genau findest du das?

Kind: Ich habe mich entschlossen, die Reit-AG und nicht die Mathe-AG zu besuchen.
Eltern: Und warum? Was erhoffst du dir davon?

Kind: Lotta und Emily spielen in der Schule nicht mehr mit mir.
Eltern: Was hast du denn gemacht, dass sie dich jetzt so meiden?

Kind: Lotta und Emily spielen in der Schule nicht mehr mit mir.
Eltern: Haben sie dir gesagt, warum?

Fräulein Chaos: Ich hasse sie richtig doll.
Mama: Aber warum denn nur? Was ist denn zwischen euch vorgefallen?

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir forschen, fragen, verhören?


Wenn Eltern ihrem Kindern, das sie gerade an seinen Problemen teilhaben lassen, Fragen stellen, dann beschränkt jede dieser Fragen die Freiheit des Kindes, über genau die Dinge zu sprechen, über die es sprechen will. Die Fragen lenken es vielleicht in eine Richtung, in die es gar nicht gehen möchte. Es macht unangenehme Gefühle, so als würde man verhört werden und wäre irgendwie angeklagt. Kinder fühlen sich durch Fragen häufig bedroht oder in eine Ecke gedrängt, besonders, wenn sie nicht verstehen, warum der Elternteil sie befragt. Daher ist ein Verhör keineswegs eine gute Methode, einem anderen Menschen die Kommunikation zu erleichtern. Im Gegenteil, sie hinterlässt ein so ungutes Gefühl, dass sich Kinder beim nächsten Problem lieber verschließen, als wieder so ausgefragt zu werden. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 314]

12. Zurückziehen, ablenken, aufheitern, zerstreuen, das Problem scherzhaft behandeln


Kind: Ich hasse die Schule, und alles was damit zusammenhängt!
Eltern, augenzwinkernd: Du könntest sie heute Nacht niederbrennen.

Kind: Ich habe solche Angst vor der Mathearbeit morgen.
Eltern: Aber hast du morgen noch ein schönes Fach, auf das du dich freust?

Kind: Ich finde meine Nase zu groß für mein Gesicht.
Eltern: Ach was? Dann sparen wir ab jetzt nicht mehr für deine Hochzeit, sondern für eine Schönheitsoperation, ja? *lacht über eigenen Witz*

Kind: Ich bin so traurig, weil Opa gestorben ist.
Eltern: Das war vor zwei Jahren! Denk einfach nicht mehr daran.

Kind: Ich bin so traurig, weil Opa gestorben ist.
Eltern: Lass uns von etwas Schönerem sprechen.

Fräulein Chaos: Dann will ich, dass sie tot ist!
Mama: Hör mal, ey, sowas will ich echt nicht hören.

Fräulein Chaos: Dann will ich eben sterben. Dann muss ich niemanden mehr von euch sehen!
Mama: Bitte hör auf, so zu reden, ich kann das nicht aushalten.


Fräulein Chaos: Ich hasse mein ganzes Leben! Ich will sterben!
Mama (total verängstigt wegen dieser Aussage) in strengem Ton: Ich will es nicht mehr hören!

Fräulein Chaos: Ich hasse mein ganzes Leben! Ich will sterben!
Mama: Komm, wir gehen ein Eis essen, nur wir zwei. Mhhh? Dann geht es dir bestimmt besser.

Was fühlt das Kind möglicherweise, wenn wir ablenken, aufheitern, zerstreuen?


Derartige Botschaften können einem Kind mitteilen, dass die Eltern kein Interesse an seinen Gefühlen haben oder diese so schlimm sind, dass sie sie nicht annehmen können. Wenn man mit Späßen reagiert, missachtet man den ernsthaften Anspruch des Kindes, seine Gefühle zu offenbaren und es könnte sich verletzt und zurückgewiesen fühlen. Kinder abzulenken und ihre Gefühle zu zerstreuen mag im Augenblick erfolgreich scheinen, aber diese Empfindungen verschwinden nicht so einfach. Sie tauchen meist später wieder auf. Beiseite geschobene Probleme sind selten gelöste Probleme. Kinder wie Erwachsene möchten mit Respekt angehört und verstanden werden. Wenn ihre Eltern sie beiseite schieben, lernen sie bald, ihre wichtigen Probleme und Gefühle anderswohin zu tragen.  [vgl. Gordon, T., 1972, S. 315]

Aktives Zuhören


Psychologen oder Psychotherapeuten verbringen Jahre damit, zu lernen, in einem Gespräch auszudrücken, dass sie den Sprecher und dessen Gefühle genau so annehmen, wie er ist. Ein Gespräch kann heilen, konstruktive Veränderung anregen und frei machen - wenn der Zuhörer "aktive Annahme" auszudrücken vermag. Auch Eltern können diese Art therapeutischer Kommunikation lernen - vielleicht nicht so hochprofessionell, wie ein Psychologe, aber immerhin so angemessen, dass sie hilfreich, statt destruktiv wirkt.

Mutter und Sohn unterhalten sich

Voraussetzungen für Aktives Zuhören


  • Wenn Kinder ihre tiefsten Gefühle offenbaren, müssen die Zuhörer wirklich in der Lage sein, diese anzunehmen, egal, wie "krass" diese sind oder wie sehr sie sich von den Gefühlen der Zuhörer unterscheiden. Sie müssen dem Kind innerlich "erlauben", Dinge anders zu sehen, Situationen anders zu empfinden oder Gefühle anders zu bewerten, weil es ein Individuum ist mit eigenem Leben und eigener Identität ist. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 65]

Ich hatte Fräulein Chaos` Hass ihrer Schwester gegenüber nicht annehmen können. Ich wollte, dass sie sie wieder lieb hat, so wie früher. Ich wollte, dass sie alle Familienmitglieder liebt, so wie ich auch. Ich habe ihr innerlich nicht erlaubt, anders zu denken, weil ich diese Gefühle als zu ungehörig empfand. Gott sei Dank hatte meine Tochter eine aufmerksame Erzieherin in der Kita, die offen aussprach, was ich nicht konnte: "Du darfst deine Schwester nicht mögen. Es gibt kein Gesetz der Welt, das besagt, dass du sie lieben musst."

  • Die Zuhörer müssen ein tiefes Vertrauen  in das Kind haben, mit seinen heftigen Gefühlen fertig zu werden, diese gut zu meistern und gestärkt aus der Krise herauszugehen. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 65]

Fräulein Chaos Bemerkungen, sie wolle tot sein, weil sie ihr Leben hasst, machten mir unheimlich Angst. Ich fürchtete sogar, sie könnte depressiv sein. Um diese Angst nicht aushalten zu müssen, wollte ich am liebsten nichts mehr von "der Sache" hören. Ich habe nie gelernt, adäquat mit Gefühlen umzugehen. In meiner Herkunftsfamilie wurde niemals über negative Gefühle gesprochen, sie wurden immer beiseite geschoben. Ich muss jetzt, als Erwachsene, mühsam lernen, dass Gefühle nichts Schlimmes sind und man sie annehmen und beherrschen kann. Ich lerne es mit meinen Kindern zusammen, aber ey, es ist echt schwer.

  • Die Zuhörer dürfen darin vertrauen, dass Gefühle vorübergehend und nicht von Dauer sind - Liebe wandelt sich bei unseren Kindern genauso schnell in Hass, wie anders herum; und ein Kind das heute entmutigt ist, kann morgen voller Hoffnung neu in den Tag starten. Wir Zuhörer müssen uns daher nicht vor den Gefühlen unserer Kinder fürchten - sie setzen sich nicht in ihnen fest, sie durchleben sie nur intensiv, um sie vollständig  in ihrem Emotionskanon zu integrieren. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 65]

Dieses Vertrauen hatte ich damals nicht - ich hatte Angst, dass Fräulein Chaos ihre Schwester für immer hassen würde und sich für immer wünschen würde, nur mit mir allein zu sein. Ich vertraute nicht auf die schon seit Jahren bestehende Bindung zwischen den beiden und sah den Hass nicht als Ausdruck einer momentanen Krise. Deshalb kämpfte ich so vehement darum, Fräulein Chaos einzureden, sie würde ihre Schwester gar nicht hassen, sondern in Wirklichkeit lieben. Damit verstärkte ich jedoch nur ihre Gegenwehr.

  • Die Zuhörer müssen es schaffen, ihre eigenen Gedanken und Gefühle zurückzuhalten, um ausschließlich die Botschaft des Kindes herauszuhören. Sie müssen in der Lage sein, sich empathisch in die Lebenswelt ihrer Kinder hineinzuversetzen, müssen aufgeschlossen dafür sein, dass diese neue Perspektive vielleicht sogar ihre eigene Meinung und Einstellung verändert. [vgl. Gordon, T., 1972, S. 65]

Während unserer Gespräche konnte ich nur sehen, welchen Einfluss Fräulein Chaos Schwester-Hass auf unsere ganze Familie haben würde. Nach etlicher Zeit schaffte ich es zwar, aus der Perspektive meiner Tochter zu schauen und ihren Schmerz der Entthronung zu sehen, aber ich konnte ihn vor lauter Angst nicht annehmen und kämpfte verbal um so verzweifelter darum, dass sie ihn nicht mehr äußert.

Aktives Zuhören - Ein Beispiel


Da dieser Text schon wieder episch lang geworden ist, werde ich euch erst im nächsten Artikel erklären, wie Aktives Zuhören richtig funktioniert. Doch um einen runden Abschluss zu bekommen, gewähre ich euch hiermit einen Sneak Peak: Das letzte, endlich annehmende, Gespräch mit Fräulein Chaos über ihre Schwester und den Wunsch, tot zu sein:

Fräulein Chaos: Ich hasse Fräulein Ordnung. Ich hasse sie! Sie ist so doof!
Mama: Wow, das klingt, als könntest du deine Schwester gerade ü-ber-hau-pt nicht leiden.
Fräulein Chaos: Kann ich auch nicht! Sie ist voll blöd und ich hasse sie! Sie soll weggehen!
Mama: Du wünscht dir, sie wäre gerade woanders.
Fräulein Chaos: Sie soll ganz weit weggehen! Ich will einfach nicht, dass sie in meiner Familie ist! Es soll niemand in unserer Familie sein, nur du und ich! Alle anderen sollen weg sein!
Mama: Am liebsten wärst du gerade ganz mit mir allein, ohne die anderen.
Fräulein Chaos *weint*: Ja, du sollst nur meine Mama sein. Meine ganz allein. *schluchzt*
Mama (Hört ihr mein Herz zerbrechen?), mit brüchiger Stimme: Du wünscht dir, deine Geschwister wären nie geboren.
Fräulein Chaos: *weint herzzerreißend*
Mama: *wartet ab* *Tränen in den Augen*
Fräulein Chaos, schluchzend: Du hast so wenig Zeit für mich, seit Herr Friedlich da ist. Er stillt andauernd oder hängt in der Trage. Du kannst gar nicht mehr richtig mit mir kuscheln, weil er immer bei dir ist.
Mama, um Fassung ringend: Du möchtest wieder mehr mit mir kuscheln können.
Fräulein Chaos, weinend, flüstert: Ja.
Mama, weinend, flüstert: Jetzt bin ich gerade frei zum kuscheln. *breitet ihre Arme aus*
Fräulein Chaos klettert auf Mamas Schoß, beide weinen und kuscheln.
Fräulein Chaos, schluchzend: Es tut so weh! Es tut in mir drin so weh! Das soll aufhören! Ich will sterben, dann muss ich das nicht mehr spüren!
Mama, weinend: Du hast das Gefühl, den Schmerz nicht mehr aushalten zu können.
Fräulein Chaos: Ich zerreiße! Ich will nichts mehr fühlen!
Mama: Es ist so schwer, das alles so stark zu fühlen. *kuschelt noch ein bisschen enger*
Fräulein Chaos: *sagt nichts*
Mama: *wartet ab*
Eine Pause entsteht, beide hängen ihren Gedanken nach.

Fräulein Chaos, nach etwa einer Minute,  nicht mehr weinend, aber noch mit tränennassem Gesicht: Eigentlich habe ich ihn ja auch lieb, Mama.
Mama: *guckt Fräulein Chaos aufmerksam an, sagt aber nichts*
Fräulein Chaos, hüpft vom Schoß, sagt wild gestikulierend und voller Liebe: Er ist so süß, wenn er immer so daliegt (*zeigt mit den Armen, wie das Baby fuchtelt*) und "Äh! Äh!" sagt! Und wenn er mich sieht, dann lächelt er immer, weißt du?
Mama, noch völlig fertig von dieser emotionalen Achterbahnfahrt, aber lächelnd: Ja, das tut er.
Fräulein Chaos, schon im Weggehen: Wo ist er denn jetzt? Ich will ihn küssen!

Tatsächlich war dieses Gespräch der Durchbruch in unserem Entthronungs-Chaos. Ich achtete ab da viel, viel stärker darauf, genügend Zeit mit beiden großen Mädchen zu verbringen, mehr zu kuscheln, mehr vorzulesen. Dafür fielen meine eigenen Entspannungsinseln weg (auf der Couch mit Handy abschlaffen), aber da das nur temporär war, bis die große Krise gemeistert war, nahm ich das gern in Kauf. Fräulein Chaos` Hass auf ihre Schwester verschwand von einem auf den anderen Tag, direkt nach dem Gespräch. Dass dies eine Verschiebung war und sie eigentlich "Hass"/Eifersucht auf das Baby empfunden hatte, war ihr natürlich nicht bewusst geworden, aber unbewusst hatte unser Gespräch und mein annehmendes Zuhören diese Blockade trotzdem gelöst. Ebenso wie weggeblasen waren ihre Äußerungen, sie wolle sterben und ihr Leben sei nicht schön. Das erleichterte mich ungemein, weil ich mir ernsthaft Sorgen um sie gemacht hatte.

Kind liegt auf der Wiese


Dieses Gespräch war ein absolutes Highlight meiner elterlichen Kompetenz - tatsächlich habe ich seitdem kein ähnlich annehmendes Gespräch mehr hinbekommen. Irgendwo rutscht mir immer eine der typischen Zwölf heraus. Wir rumpeln uns so durchs Leben, meine Kinder und ich; und eigentlich läuft es ganz gut. Ich übe mich aber weiterhin im Aktiven Zuhören, denn ich bin überzeugt, dass es sie glücklich macht und es unsere Verbindung stärkt. Ich möchte, dass sie mich weiterhin an ihren Gefühlen und Problemen teilhaben lassen. Nicht nur jetzt, wenn sie noch so klein sind, dass ich das Zentrum ihrer Welt darstelle, sondern auch, wenn sie älter werden und ihre Prioritäten sich nach außen, auf ihre Peers, verschieben. Ich wünsche mir, dass sie auch dann noch zu mir kommen, und sich bei mir ausweinen, weil sie wissen, dass ich ein annehmendes, offenes Ohr für sie habe, ohne sie mit Ratschlägen, Vorhaltungen oder Moralvorstellungen zu überhäufen.

© Snowqueen

Literatur


Gorrdon, Thomas, Familienkonferenz, 1972

Schulz von Thun, F., Miteinander Reden 1 Störungen und Klärungen, 2002


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Kommentare:

  1. Whow!
    Ich habe mir gerade viel vorgenommen. In meiner Arbeit Schule ich das "Aktive Zuhören" und lege jedem Mitarbeiter den "Schulz von Thun " ans Herz aber erschreckender Weise bin ich selbst nicht auf die Idee gekommen das zu Hause mal anzuwenden.

    Ich nehme mir vor das ab morgen bewusst zu tun und bin gespannt was mich erwartete. Mein Großer ist gerade 3 1/2 und Sätze wie "ich will das er weg geht. Ich werfe ihn in eine Mülltonne und dann bist du wieder nur meine Mama" hab ich auch schon öfter gehört. Danke für den tollen Artikel und ich bin auf die Fortsetzung gespannt.

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  2. Schluchz, ein Tränchen weggewischt...
    Danke für den Artikel, danke das ihr uns an euren Problemen teilhaben lasst und auch gleich die Lösungen ;) mitliefert, einfach Danke das es euch gibt!

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  3. Oh man ich habe mich auch wieder in den 12 gefunden. Aber ich bin immer noch ratlos. Was tue ich denn jetzt wenn er weint weil ein anderes Kind seinen Bagger hat? Bin da sehr auf Teil 2 gespannt. Ich weiß was ich jetzt nicht sagen sollte. "Stell dich nicht so an, du bekommst ihn ja wieder", "Kleine Heulsuse heult wieder wie ein Baby bää bäää", "Dann hol in dir doch zurück" (Hust ja das bin ich), oder noch schlimmer: "komm ich hohle ihn zurück" (Auch hier erwischt) , "Wenn du nicht aufhörst mit weinen gehen wir nie wieder aus den Spielplatz", "Du brauchst ihn gerade doch gar nicht, du bist doch auf der Rutsche" (Schäm das ist mir auch schon rausgerutscht, da habe ich mich gleich entschuldigt). Also ich bin wirklich gespannt wie das laufen soll: Ein einfaches Du willst den Bagger zurück was könnten wir da denn tun? Oder ein Du willst nicht dass das Kind mit dem Bagger spielt, führt bei meinem zwei jährigen zu weiterem Gebrüll und ja mich macht das kirre und unruihg und nervös. Ich fühle mich dann so nutzlos. Ich weiß dass das Neurobiologisch alles erklärbar ist, dass ich um wieder ins Gleichgewicht zu kommen will dass er mit weinen aufört. Aber wie man/frau das jetzt aussitzt und vorallem aushält, da bin ich wirklich gesapnnt, wie das gehen soll. Freue mich sehr auf Teil 2. Grüße

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    1. Liebe Sina,
      ich würde sagen: "Das findest Du jetzt aber richtig blöd, dass der andere Junge Deinen Bagger hat, oder?" (Kind weint: "JA!") ich glaube, ich würde sagen: "Das ist auch blöd. Was machen wir denn jetzt?"
      Mit dieser Frage habe ich erstaunliche Erfahrungen gemacht. Ich hatte im Wunschkind-Buch gelesen, dass Kinder teils richtig gute konstruktive Ideen haben. Ehrlich gesagt, ich hatte das nicht in Erwägung gezogen. Seitdem ich das Buch gelesen habe, farge ich meine Kinder (5 und 2) oft: "was machen wir denn jetzt?" Und sie MACHEN TAATSÄCHLICH IMMER Vorschläge! Der Hammer!! Neulich wollte Coco (2), das ich mitspiele. Ich wollte erst das Bad zu Ende putzen. Coco, nachdem sie erst "Mama, komm!!!" Und "Blöd!" kommentiert hatte, kam sie und sagte (Formulierung von ihrer großen Schwester übernommen): "Ich hab gute Idee. Mama erst saubermachen, dann mitspielen."
      Sicher funktioniert das nicht in größter Empörung und Enttäuschung über den nicht zur Verfügung stehenden Bagger. Aber vielleicht kannst Du erst mal mitfühlen ("Komm her, ich tröste Dich, Du findest das blöd, ne?") und dann fragen: "Was machen wir denn jetzt?"

      Liebe Grüße
      Mo

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    2. Hi danke. Das werde ich wirklich versuchen, ihn erst zu trösten und sein weinen auszuhalten. Auf die Frage was machen wir da jetzt, bekomme ich meistens nur den selben Satz wie vorher. Oder er sagt "NEIN!", nein hilft mir da wirklich nicht weiter. Oder er weint weiter. Ich hoffe auch sehr dass mit steigender Kommunikationsfähigkeit, Anworten kommen, auf die ich eingehen kann. Ich nehmne auf jedenfall vor zulernen mich nicht immer zum Lösen seiner Problme hinreisen zu lassen. Das wird eine Weile dauern. Ich finde den Schmerz vom Kind aushalten wirklich schlimm und anstrengend. auch wenn es das Beste für ihn ist. Übung macht den Meister ;) Danke für deine Antwort.

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  4. Zwei Fragen hätte ich noch:

    Wo ist der Unterschied zwischen Spieglen und Analysieren? Zwei/drei Besipiele von denen ich dachte dass es spielgen ist: "Du sagst: anderes Kind nicht Bagger, Du willst deinen Bagger wieder, Du bist traurig und wütend weil das Kind deinen Bagger hat", "Du bist enttäuscht weil kein Platz auf der Schaukel frei ist, Du wolltest so gerne Schaukeln", "Du bist hingefallen, das hat ganz doll weh getan" Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob das unter die 12 gehört....

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  5. Analysieren im Bagger-Fall wäre, zu sagen: "Du willst jetzt gerade nur den Bagger, weil ihn der andere Junge hat. Bis eben war er dir ganz egal." Das ist was anderes als deine Beispiele, die finde ich gut. :-)

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    1. Ah danke. Da ging gerade ein Licht auf bei mir ;)

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    2. Was Test sagt, ist richtig. Spiegeln ist eigentlich Aktives Zuhören für die ganz Kleinen: Du übersetzt deren Weinen/Wüten etc. einfach in Worte. Wenn du falsch liegst, werden sie lauter und weinen mehr, wenn du richtig liegst, werden sie leiser, weil sie sich verstanden fühlen. Beim Aktiven Zuhören für die größeren Kinder passiert ja Ähnliches: Das Kind sagt: "Ich hasse dich!" und du übersetzt das. Sagst du: "Oh, du magst mich gerade nicht.", wird es vielleicht wütender/lauter, weil du nicht richtig lagst. Es würde dann antworten: "Ich mag dich nicht nur nicht, ich HASSE dich richtig!" (Das ist das Gleiche, wie wenn das Kleinkind lauter weint, wenn wir in die falsche Richtung spiegeln). Sagst du aber: "Woah, du bist aber so RICHTIG FETT wütend mit mir!" hast du das "Ich hasse dich!" vielleicht richtig übersetzt und das Kind bestätigt dir das, indem es weiter redet mit: "Ja, bin ich! Du bist nämlich die doofste Kackmama auf der Welt!" usw. (Das ist das Gleiche, wie wenn das Kleinkind beim Spiegeln leiser wird.)
      LG, Snowqueen

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  6. Auch von mir ein großes Danke, dass du uns in deine persönliche Krisenwelt schauen lässt. Ich habe promt vor Erleichterung geweint, als der Knoten im letzten Gespräch geplatzt ist. Ich werde jetzt auch noch genauer hinschauen, wie meine Kommunikation sich gestaltet - und wenn ich schon dabei bin, sollte ich die Regeln auch gleich auf Kommunikation mit meinem Mann übertragen.
    Ich bin übrigens felsenfest überzeugt, dass 90% eigentlich 100% sind. Ich habe Psychologie studiert und mir immer vorgenommen, zu Hause eben nicht Psyhchologin zu sein. Viel rührt das daher, dass meine Mutter unglaublich gut im Zuhören war (sie arbeitete mit Kindern übern Jugendamt), aber nicht gut darin Gefühle zu zeigen. Meine Teenager Streits waren geprägt davon sie anzuschreien, sie solle gefälligst aufhören mich zu analysieren und nicht arbeiten, wenn sie mit mir redet. Womit eben genau überlegtes zuhören und antworten gemeint war. Ich wollte keine allseits hilfreiche Therapeutin als Mutter, sondern jemand der mich auch mal anschreit, auch mal einen Fehler macht und auch mal die Nerven verliert. Daher versuche ich erst mal auf die 90% zu kommen. - das schon ganz schön schwer. Allerdings versuche ich temporär 100 % zu schaffen um eben in Krisen Situationen ein so erlösendes Gespräch wie eures zu Stande zu bringen.
    Yumyoko

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    1. Liebe Yumyoko, ja, das glaube ich auch, dass es wichtig ist, als Elternteil eben nicht zu versuchen, "Therapeutin" zu spielen. Das würde mich als Kind auch total nerven. Vielleicht ist es daher ganz gut, dass ich in 9 von 10 Problemgesprächen leider immer noch auf die Typischen 12 zurückfalle und nur in einem Fall schaffe, wirklich richtig offenen Herzens hinzuhören. Nee, obwohl - ein bisschen besser kann die Verteilung noch werden, vielleicht schaffe ich bald Aktives Zuhören in 4 von 10 Fällen. Ich denke, das reicht.
      LG, Snowqueen

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    2. Krass, Dein Abschlusssatz. Warum reicht das?

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    3. Weil ich nicht perfekt bin und nie perfekt sein werde, Mo. Ich werde nie im Alltag in der Lage sein, in 10 von 10 Gesprächen feinfühlig zu sein. Da kommt ein weinendes Geschwisterkind dazwischen, oder ich habe es eilig, oder ich bin selbst schlecht drauf, etc. Aber es kommt eben auch nicht drauf an, immerzu die perfekte Mutter zu sein. Ich bin nicht die Therapeutin meiner Kinder, sondern ein Mensch mit Fehlern. Und wenn ich es schaffe, 4x von 10x feinfühlig hinzuhören und ein lösendes Gespräch zu schaffen, dann reicht das - in meinen Augen- aus. LG, Snowqueen

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  7. Wow, welch ein augenöffnender Artikel! Ganz herzlichen Dank dafür!! Auch ich war -- wie Sina -- etwas verwirrt, was den Unterschied von Spiegeln und Analysieren angeht. Ich warte gespannt auf Teil 2 (und bin so glücklich, dass es euch gibt!). Liebste Grüße!

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  8. Gute Güte, Snowqueen - Deine Ehrlichkeit haut mich oft um und ich finde sie sehr bereichernd. Es muss Dich schon Nerven kosten, solche Erlebnisse so offen mit der Öffentlichkeit zu teilen, zumal man ja oft eine Situation, die man schriftlich festhält, wieder durchlebt. Ich bin jedoch sicher, dass es das wert ist, weil Du so viele Menschen damit erreichst und ihnen und ihren Kindern helfen kannst. Du bist wirklich stark. Chapeau!
    LG, Sandra

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    1. Ich habe beim Schreiben tatsächlich nochmal geweint, vor allem, als ich realisierte, wie oft mir Fräulein Chaos schon in den Gesprächen, die ich abgeblockt hatte, wertvolle Hinweise gegeben hatte. Wie viel früher hätte ich ihr Unglück auflösen können...

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  9. Wow!
    Danke, Danke,Danke!!!
    Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ihr mir gerade geholfen habt!

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  10. Danke. Ein toller Artikel. Ich musste weinen beim lösenden Gespräch. Dieses aktive zuhören kenne ich und finde es wahnsinnig schwierig umzusetzen. Ich bin auf den zweiten Artikel gespannt.

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  11. Hallo ihr Lieben,
    Auch bei miri gibt es gerade ein paar Tränen. Und das ist so gut. Vielen Dank dafür. Das Wissen, wie man die Gefühle wahrnimmt ist das eine. Das Umsetzen - und vor allen Dingen, die Botschaften, die man selbst jahrelang gehört hat, abzulegen etwas anderes und sehr schwierig. Es ist wie du schreibst, nicht einfach und man muss dauernd an sich selbst arbeiten (ich zumindest). Aber es ist ein Prozess an dem wir alle wachsen können. In meinen Entwürfen schläft ein Beitrag zum negieren. Aber in so wundervolle Worte wie ihr, kann ich das gar nicht verpacken. Danke! Dieser Beitrag ist ein absoluter Lieblingsartikel und kommt in meine Märzliste.
    Liebe Grüße,
    wheelymum

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    1. Liebe Wheelymum, bitte schreib den Artikel zum Negieren trotzdem. Je mehr Stimmen wir werden, desto besser! <3, Snowqueen

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  12. Liebe Showqueen!
    Ich danke Dir von Herzen für diesen Artikel und dafür, daß Du solche privaten Beispiele mit uns teilst. Dieser Artikel ist Gold wert. <3 Vielen, vielen Dank!
    Alles Liebe,
    Steffi

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  13. Liebe Snowqueen,

    danke für den tollen Artikel. Als ich die 12 Punkte las, schwankte ich ständig zwischen "Oh ja, das geht echt überhaupt nicht" und "Ja, was kann ich denn dann überhaupt noch sagen?!". Ich finde die Gratwanderung sauschwierig.

    Eines ist mir überdeutlich, eigentlich DIE Botschaft die Textes. Die Botschaft aller wirklich guten Texte. Es geht immer und immer und immer wieder darum, Kinder ernst zu nehmen. Das ist der Schlüssel zu allem. Als sowas mal mein Linguistik-Professor in einem Nebensatz sagte, wurde ich hellhörig. Und ich komme immer wieder dabei heraus. Das gilt übrigens auch für den Umgang mit Erwachsenen, finde ich.

    Einwände habe ich bei den Punkten 7 und 11. Wenn sich meine Tochter überlegt, ob sie Mathe oder Reiten belegen will, und sie mag beides, und sie wägt ab, finde ich es toll, wenn sie zu einer Entscheidung gelangt. Weil ich meiner Tochter vertraue, vertraue ich auch darauf, dass sie gute Gründe für ihre Entscheidung hat. Und dann weiß ich nicht, was dagegen spricht zu sagen: "Ach so, weil das Freiheitsgefühl so toll ist? Das stell ich mir auch echt wahnsinnig schön vor! Tolle Entscheidung!" Ich sehe auch da das "Lob" nicht in der Gefahr, ihr das Gefühl zu geben, keine eigene Entscheidungskompetenz zu haben. Schließlich hat sie sich ja schon entschieden. Ich finde es auch genauso wenig schlimm zu sagen: "Ich persönlich hätte ja Mathe genommen, ich mag Pferde nicht." Was ist so schlimm daran, unterschiedliche Meinungen und Geschmäcker zu haben? Das ist doch keine Generalkritik.

    Punkt 11: Nachfragen. Nachfragen aus ehrlichem Interesse finde ich sogar ausnehmend positiv. Und Nachfragen mit Verhör auf eine Stufe zu stellen, wie Gordon das tut, das erschließt sich mir nicht.

    Auf jeden Fall macht der Artikel mir noch mal bewusst, wie ich kommunizieren möchte. Platz für Schuldgefühle bleiben allerdings auch. #ausgruenden

    Alles Liebe
    Mo

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    1. Zu deinem persönlichen Punkt 7: Im ersten Moment würde ich auch nicht sehen, was an diesem Satz so falsch sein soll. Aber was, wenn bei der Entscheidung das Zünglein an der Waage nicht das Freiheitsgefühl, sondern die Angst, bei Mathe zu versagen, war. Ohne das Lob hätte sie dir das vielleicht noch verraten, aber so hast du das Thema abgehakt.
      Und in dem Satz, dass du anders entschieden hättest, steckt unterschwellig die Botschaft, dass die Entscheidung deiner Tochter falsch ist. Denn das mit den verschiedenen Meinungen, die alle gut und richtig sein können, das müssen Kinder ja erst noch lernen. Manche Erwachsene können das nicht. Ehrlich gesagt, bei dieser Formulierung würde auch ich mich kritisiert fühlen.


      Das mit dem Nachfragen erschloss sich mir zunächst auch nicht. Weil es aber genau mein Punkt war, hab ich mal genau drauf geachtet es nicht zu tun. Zwerg beschwert sich, er will nicht in den Kindergarten, weil da Monster sind. Bisher hab ich immer genau nachgefragt, was für Monster, welche Farbe usw. Ich tat das, um ihm zu zeigen, dass Angst oft daher kommt, dass einem Informationen fehlen. Nach zwei TAgen ohne Nachfragen musste ich aber feststellen: Was früher noch genau richtig für ihn war, passt jetzt nicht mehr. Denn mit dem Kindergarten hat er erstmals ein echtes "Ding" mit dem er fertig werden muss. Es ging nicht mehr um Monster, die er mit mir gemeinsam bekämpfen möchte. Es ging um die Emotionen, die die Trennung hervorrief. Mein Nachfragen hat an der Stelle seinen Kommunikationsversuch unterbrochen. Daher auch von mir ein großes Danke an Snowqueen für diesen Text.
      Gruß
      Claudia

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    2. Liebe Claudia, ich hätte es nicht besser erklären können. Vielen Dank! Danke auch für dein Monster/Kita Beispiel!
      LG, Snowqueen
      P.S. Bist du schon in unserem Forum angemeldet? Wir könnten dein scharfes Analysier-Talent da gut gebrauchen. <3

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  14. Liebe Snowqueen, als eine "alte" Mutter von 5 Kindern, und Großmutter von 5 Enkeln danke ich dir von Herzen dafür, dass du uns teilhaben lässt, an dem was Elternsein eben außßer Glückseligkeit auch bedeuten kann: Hilflosigkeit, Verzweiflung, Sorge, Angst usw. Und du bist sehr ehrlich und transparent. Mir haben schon damals Th.Gordon, und Fr. von Thun soviel geholfe, dass ich nach wie vor eine große Verfechterin ihrer Komminikationsweise bin. Ich merke sehr deutlich, dass sich das heute in ihrem Erwachsenenleben "auszahlt" und wie groß die Diskrepanz sein kann, wenn die Partner völlig andere Sichtweisen haben. DANKE Dir sehrund ich bleibe beharrlich weiter dran, dafür zu werben, wie gute Kommunikation mit Kindern gelingen kann.

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    1. Ich freue mich immer, wenn Mütter früherer Generationen hier schreiben und erst recht, wenn sie, so wie du, schon weit vor uns, "diesen Weg" gegangen sind. Ich habe gerade nochmal mein uraltes Familienkonferenz-Buch von Gordon gelesen und dachte: Oh mein Gott, der Mann hat schon 1970 ALLES beschrieben, wofür unsere Art der Erziehung steht. Die Welt könnte schon so viel weiter sein!
      LG, snowqueen

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  15. Toller Artikel! Und auch auf Erwachsene anwendbar, auch als "Grosser" schätzt man gute Zuhörer.
    Schwierig finde ich es wenn die Kinder sich noch nicht so gut ausdrücken können. Ich habe sogenannte "late taker", da komme ich oft einfach nicht drauf, was eigentlich los ist.
    Hoffe das bessert sich mit zunehmender Sprachkompetenz!

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    1. Ja, das bessert sich. Bei Late Talkern geht das Spiegeln aber gut (die Vorstufe zum Aktiven Zuhören). LG, Snowqueen

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  16. Liebe snowqueen, vielen herzlichen Dank für diesen emotionalen Artikel. Er hat mich zu Tränen gerührt weil er mich an ebendiese Krise bei uns erinnert hat. Ich finde es so wertvoll dass Du immer wieder dafür plädiert Kinder endlich ernst zu nehmen. Und dass wir dennoch alle gemeinsam haben, dass es uns schwer fällt. Ich denke dass diese Einstellung, Kinder sind unmündig, noch tief in unserer Gesellschaft verankert ist denn ich kenne viele Eltern die das beste für ihre Kinder wollen aber sie leider niemals auf Augenhöhe betrachten. Ich frage mich oft wie man das ändern könnte. Ohne eben belehrend zu sein...
    Vielen DANK für deine Arbeit. Ich unterstütze Euch indem ich Euer Buch unter die Leute bringe. Meinen Kindern werde ich später ganz sicher von Euch erzählen. Lg Maria

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  17. Liebe Snowqueen,

    danke für diesen Artikel! Mir ist gerade bewusst geworden, was mir bei meinen Eltern immer gefehlt hat. Für meine Mutter war ich nach der Geburt meines Bruder diejenige, die die Familie "auseinander treiben" wollte. Ich habe immer deutlich zu spüren bekommen, dass etwas mit mir nicht stimmen könne. Verständnis und Zuneigung habe ich mir dann woanders suchen müssen, was in jahrelangem sexuellem Missbrauch geendet ist, den ich meinen Eltern erst als Erwachsene anvertrauen konnte - woraufhin die erste Reaktion "warum hast du denn damals nichts gesagt?" war. Darauf hatte ich bislang keine richtige Antwort. Ich wusste, dass es kein richtiges Vertrauensverhältnis zu meinen Eltern gab und jetzt kann ich auch benennen, warum. Vielen vielen Dank für diesen Augenöffner!

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    1. Oh Regenwölkchen! Ich umarme dich mal ganz fest! <3 Snowqueen

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  18. Es ist so wenig, was es braucht und doch so schwer. Ich bin wirklich beeindruckt, dass einmal genau Hinhören wochenlanges Unglück auflösen kann. Danke für diesen Krimi, Snowqueen! Ich habe beim Lesen sehr mitgefiebert. Mir hat als Kind auch nie jemand zugehört. Wenn ich meinen Vater beobachte, wie er mit meinem Kind umgeht, muss ich immer sehr schlucken. Zum Glück habe ich ein selbstbewusstes Kind, das sich durch übergriffiges Verhalten nicht aufhalten lässt. Mein 2-jähriger Krümel geht durch die erste richtige Trotzphase und ich schaffe es mal mehr, mal weniger richtig zu reagieren. Unterbewußte Verhaltensweisen zeigen sich dann bei mir, die mich negativ überraschen, wenn ich nicht auf der Hut bin. Ein trauriges Spiegelbild aus meiner Kindheit. Puuh, aber wir schaffen das �� auch Dank Eurer Seite! Ihr habt mir schon oft geholfen. 1000 Dank!

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    1. Liebe Tanja, ja, ist es nicht wirklich seltsam, dass uns so etwas einfaches wie ein annehmendes Gespräch so extrem schwer fällt? Es ist ein bisschen zum Verzweifeln, finde ich. Das lösende Gespräch zwischen meiner Tochter und mir war nur der Beginn der Auflösung des Unglücks. Ich musste ziemlich viel ackern, und Liebe versenden, bis alle wieder im Lot waren. Aber das Gespräch war ein sehr wichtiger Wendepunkt.
      LG, Snowqueen

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  19. Danke für den Beitrag!W ir können dazu noch dies hier empfehlen:-) https://www.amazon.de/How-Talk-Kids-Will-Listen/dp/1451663889

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  20. Liebes Wunschkind Team,


    Ein, wie immer sehr lesenswerter Artikel! Und ja, die Ehrlichkeit und Offenheit beruhigt mich sehr. Ich bin nämlich von der Sorte, die Situationen von meinem Kind, sehr schnell auf sich bezieht. Oh je, wenn er so oder so ist/ fühlt, handelt...was habe ich dann falsch gemacht, wo habe ich versagt usw. Er soll auf jeden Fall er selbst sein und alles zum Ausdrzck bringen dürfen. Ich denke nur oft was hätte ich tun können, damit er jetzt nicht sn dem Punkt...Ist?
    Hier in solchen schwierigen Phasen, und das tat echt gut, braucht es keine Lösung und kein Handeln meinerseits, hier zählen nicht meine Gefühle, Ängste, Sorgen, nein hier braucht es "nur" aktives Zuhören und das das Kind sein darf, wie das es ist, handelt und fühlt.
    Mein großer Respekt, dass du in dieser Situation auch noch die Kraft bei dir gefunden hast uns allen hier so einen wunderbaren Artikel zu recherchieren! Danke!
    Ich habe noch im Verständnis Schwierigkeiten mit dem Fragen, ich habe oft gelesen, man soll das Kind nicht kritisieren, sondern lieber Fragen stellen. Zum Beispiel was denkst du, wie sich ... jetzt fühl, nachdem sie nicht das Spielzeug haben kann? Oder weil du es ihr weg genommen hast, sie gehauen hast) was könnte... brauchen, damit es... wieder besser geht?, Meinst du das gefällt...Ich habe das Gefühl für...ist das zu laut, anstrengend usw. Wie könnten wir beide Bedürfnisse unter einen Hut bekommen, hast du eine Idee? usw. Auch wenn das Kind fragt, darf ich....Mama? Dann nicht für das Kind entscheiden sondern fragen, was meinst du denn, denkst du du schaffst es, hast du das Gefühl es hilft dir? usw. Dem Kind soll weder die Problemlösung gegeben werden oder ein ich bestimme ob ich ja oder nein sage. Sondern durch Fragen, dem Kind den Ball zurück geben, damit es ein Gefühl für sich selbst, seine Kompetenz, sein Einschätzen, seine Entscheidung selbst finden kann. "Unabhängig" von den anderen, aber mit der Überlegung wie sein Verhalten egal ob positiv oder "störend" auf andere wirkt, und was man tun könnte. Also Fragen um dem Kind zu helfen es selbst zu tun/klären/lösen, regeln...eben auch über Fragen, was siehst du im Gesicht von...Für Emotionen, was denkst du wie sich... Jetzt fühlt, sowohl bei positiven wie negativen Gefühlen? Weißt du noch, wie du dich letztes mal gefühlt hast als du traurig, wütend, fröhlich, erstaunt, zufrieden, glücklich ...warst? Siehst du wie sich...freut, als du sie mit deinem Roller fahren hast lassen...

    Es macht gerade nicht klick bei mir, jetzt keine Fragen mehr stellen zu "dürfen" würdest du das mir (uns) bitte nochmal erklären/verdeutlichen?

    Lieben Dank und ihr seid eine Bereicherung für die Menschheit und unsere Kommunikation miteinander.

    Liebe Grüße von uns

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  21. Ps. Ich habe euer Buch der Leiterin in unserem Kindergarten zum lesen empfohlen. Das hat sie getan. 2x im Jahr gibt es bei uns ein Bücher Tisch zum ansehen und bestellen. Euer Buch lag auch dabei! Ich hoffe es werden ganz viele Mama s/Papa s in die Hand genommen und bestellt haben.

    Nochmal liebe Grüße

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  22. Oh, wie schön! Danke, dass du so schön beschrieben hast, wie du es geschafft hast, deiner Tochter zuzuhören! Ich kann mir vorstellen, wie schwer es dir gefallen ist, so zuzuhören! Ich bin wirklich froh, dass es ihr so gut getan hat.

    Ich habe rausgelesen, dass du dir wünschen würdest, dass es öfters klappt. Was mir geholfen hat, (nicht nur) mein Kind auf Augenhöhe zu sehen und respektvoller zu behandeln, war das Konzept der "gewaltfreien Kommunikation". Zum einfachen Verständnis hat mir dabei folgendes Buch geholfen: "Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation" von Marshall B. Rosenberg (das gibt's als Hörbuch, super für beschäftigte tragende und stillende Mamas). Es enthält viele Fallbeispiele, wie er seinen Kindern und vielen anderen Menschen empathisch zuhört und auch schafft, seine eigenen Bedürfnisse rüberzubringen.

    Ich wünsche dir und deiner Familie viele weitere solcher befreienden Gespräche!

    Alles alles Liebe,

    Mara

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  23. Ein wirklich toller Artikel! Ich habe mich bei den Beispielen auch zuerst gefragt, was man dann überhaupt noch sagen kann, aber man muss am Ende des Tages ja auch sehen, dass das nur kurze Gesprächsausschnitte waren. Die meisten Gesprächssituationen sind ja länger oder haben eine Vorgeschichte - mit dem richtigen Kontext fällt es dann sicher einfacher Worte bewusst zu wählen. Ich sehe da besonders das Beispiel mit Reiten und Mathe AG, das werden im Idealfall ja längere Gespräche in denen man miteinander diskutiert und beratschlagt. Und wann findet man da schon mal auf Anhieb die richtigen Worte? Wichtig ist, wie Mo es so schön schon gesagt hat, dass das Hauptaugenmerk darauf bleibt, dass man das Kind in seinen Worten und Gefühlen ernst nimmt.

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  24. Hey Liebes Wunschkindteam!

    habe schon ein Kommentar geschrieben und bin jetzt nicht sicher, ob was damit schief gegangen ist. Jetzt versuche ichs nochmal, wenns doppelt ist, bitte löschen;-)

    also erstmal vielen Dank für diesen tollen Artikel. Mein Dank geht aber vor allem an deine kleine Tochter! Wie sie ihre Gefühle in Worte fassen kann ist phänomenal! Das ist eine ausgesprochene Fähigkeit! Ich denke Du kannst nicht alles falsch gemacht haben beim Zuhören bisher!!
    Mein mittlerer Sohn (4 Jahre) hängt seit einiger Zeit so durch. Der Kleinste ist jetzt 1 1/2 Jahre alt und ich dachte gar nicht mehr daran, das es wegen ihm sein könnte.
    Aber mir kam mit diesem Artikel: klar, immer wenn mein Schoß "frei" ist, war mein mittlerer Sohn dort. Bis der Kleine kam. Jetzt ruht er sich oft allein auf dem Sofa aus oder auf dem Boden.
    Der Arme!
    Ich hab ihn prompt am Morgen zu mir ins Bett zum Kuscheln geholt und ein strahlendes glückliches Kind gehabt, der den ganzen Tag Energie hatte!

    In viele der beschriebenen Zuhör-Fallen bin ich auch schon getappt. Super, das so genau zu lesen und es bringt mir sehr viel. Ich werde mehr versuchen, es umzusetzen. Zum Glück hat mir meine Mom schon sehr gut zugehört und ich muss nun nicht alles von Grund auf neu lernen!

    ganz liebe Grüße
    Susanne

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  25. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Es war mir eine große Freude über deine Prozesse zu lesen und mich dadurch an meine Stolperschritte beim ersten Kind zu erinnern. Mein heute 20 jähriger ältester Sohn brachte mir das ZUHÖREN folgendermaßen bei: auf dem Nachhauseweg von der Schule wollte er mir immer viel erzählen. Pädagogisch wertvoll hörte und reagierte ich auf das Gehörte. Eines Tages bat er mich nur zuzuhören und nichts dazu zu sagen. Dies fiel mir sehr schwer und ich begann Äpfel auf dem Nachhauseweg zu essen...Doch es reichte ihm nicht. Eines Tages sagte er zu mir, " Mama, sag bitte nichts und denk auch nichts." Ich war total baff und versuchte es. Als es mir schließlich gelang passierte das Wunder. Nicht aus meinem Kopf sondern irgendwoanders her (Herz ; )) drängten mühelos Fragen hervor, welche sich an seine Aussagen wie Puzzelteile andokten und auch freudig von ihm angenommen wurden... Was war passiert? Ich war plötzlich in seiner Welt und durch meine echten Fragen weitete sie sich und befeuerte seine Fantasie...mehr noch...seine Welt wurde für die gemeinsame Gesprächszeit zu unserer verbundenen Welt. Ich fühlte mich damals als hätte ich eine Zauberschlüssel gefunden. Diese Erfahrung war so köstlich, dass es mir ein regelrechtes Bedürfniss wurde mehr davon zu bekommen. Letztlich reduziert es sich auf die Frage ANGST oder LIEBE. Als er ins Teenageralter kam und ich mir Sorgen machte wegen der neuen Medien, wollte ich mit Verboten und strengen Regeln reagieren. Damals bat er mich zu einem Gespräch und fragte direkt: Mama, du hast mich doch lieb? Ich: Ja, natürlich liebe ich dich. Er darauf: Dann willst du doch nicht, dass ich mich ändere damit du dich besser fühlst? Ich völlig verdattert: Nein, will ich nicht. Er: Frag mich doch einfach alles was du wissen willst und was dir Sorgen bereitet und lass uns drüber reden. Ich bin heute noch zutiefst dankbar was ich allein durch den Großen lernen durfte und immer noch lerne. Mittlerweile lebt nur noch mein achtjähriger Sohn bei uns und mit ihm rede ich fast ausschließlich ECHT und dies ist einfach so nährend und wunderbar. Wir zwitschern täglich wie vergnügte Vögelchen...der Papa feste mit. Durch deinen Artikel ist mir bewusst geworden welchen Weg ich zurückgelegt habe und wie lohnend er war. Für mich ist der Schlüssel die innere Gestimmtheit...liebend zugeneigt, aufmerksam und neugierig. Alles Gute und vielen Dank noch mal.
    Diana

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    Antworten
    1. Liebe Diana, danke für deine wunderbare Geschichte! Dein großer Sohn ist ja der Wahnsinn. Toll, dass er dir so direkt mitteilen konnte, was er brauchte und ihr so eine so innige Verbindung gefunden habt. Deine Beschreibung mit den Fragen, die aus dem Herzen fließen und den daran mühelos andokenden Puzzleteilen seiner Antworten finde ich so pointiert, dass ich sie gern als Zitat im nächsten Artikel über das Aktive Zuhören zitieren möchte. Denn du hast Recht - der Schlüssel zum wahren Zuhören ist die innere Gestimmtheit. Ich danke dir von Herzen, Snowqueen

      Löschen
  26. Wow ein super hilfreicher Beitrag. Ich habe einen richtigen Kloß im Hals. Das regt stark zur Selbstreflexion an. Danke! Auch wenn ich diese Form der Gesprachstherapie schon lange kannte habe ich sie nie bei meinem fast dreijährigen angewendet. Nun versuche ich es definitiv öfter in unsere Gespräche einzubeziehen.

    Es freut mich sehr dass ihr diese schwierige Phase so gut überstanden habt!

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  27. Hey liebes Wunschkindteam!
    habe grade einen kleinen Erfolg mit dem aktiven Zuhören bei meinem Sohn gehabt, juhu!
    Er jammerte über ein Playmofeuer, das sein Bruder hatte und er wollte.
    Normalerweise hätte ich jetzt versucht das Jammern abzustellen. Ich machte ihm 3 Vorschläge, wie er das Teil ersetzen könnte oder ohne das zurecht käme. Wollte er alles nicht. Außerdem wollte er mit seinem Bruder mitspielen und der ließ ihn nicht.
    Er heulte. Ich hatte schon einen blöden Kommentar auf den Lippen, schluckte ihn und sagte stattdessen: ich höre, das du mit deinem Bruder spielen willst. Das ist echt blöd für dich grade.
    er jammerte noch mehr und sagte: "Immer ist mein Bruder da, nie hab ich Zeit für mich und wenn er in den Kindi geht, dann muss ich auch dorthin gehen!"

    Das ist echt genial, denn ich frage mich seit einem halben Jahr händeringend, warum das Kind so oft nicht in den Kindergarten will. Wenn er aber dort ist, nicht so wirkt, als ginge es ihm schlecht. Seine Erzieher berichten, das er singt und Freunde hat und spielt und munter ist.
    Aber vielleicht will er ja wirklich nur mal in Ruhe hier spielen, ohne immer den Ansporn von seinem großen Bruder zu haben?! Vielleicht stresst ihn das einfach und er kann sich nicht gut abgrenzen, wenn der Große da ist.

    also vielen Dank euch
    Susanne

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  28. Ein interessanter Artikel, ich sehe mich allerdings am Vollversagen... Davon abgesehen: bin mit meinem Kind bei den Nachbarn. Mein Kind zieht sich Klamotten von der Nachbarin an, schmückt sich mit sämtlichen Ketten des anderen Kindes, Rucksack und Puppe werden auch angeeignet. Dann gehen wir nach dem schönen Nachmittag in unsere Wohnung. Aber mein Kind weigert sich, auch nur einen Gegenstand da zu lassen! Sie schreit und kriegt einen Bock mit Geschrei bis zum Bahnhof, weil sie die Sachen mitnehmen will. Das geht aber nicht, ich finde das auch nicht richtig. Da MUSS ich irgendwie autoritär werden - oder? Hat jemand ne Idee?

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    1. Bei uns hilft es oft, wenn ich erst mal zeige, dass ich das Gefühl sehe und empfinden kann (du möchtest die ganzen tollen Sachen behalten, dass wäre sooo schön...) und dann in der Fantasie gebe, was ich in Wirklichkeit nicht geben kann ( ...zu Hause würdest du dich in den Ketten und der süßen Puppe vor Papa stellen damit der es auch sieht und wir würden damit zusammen spielen usw., irgendwas in der Art).
      Und dann sage ich: leider geht das ja nicht, denn die Sachen gehören xxx, aber das wäre sooo toll.
      Das klappt auch schon bei ziemlich kleinen Kindern, meine ist zwei. Eigentlich wissen Kinder ja oft, was jetzt gerade möglich ist und was nicht. Aber die Enttäuschung ist eben so riesig, dass sie sich erstmal lauthals gegen die Wirklichkeit wehren und sie dann klagend akzeptieren müssen.
      Was ich nicht und nie machen würde, ihr die Sachen mit Gewalt oder Drohungen wegzunehmen, also autoritär zu werden. Nicht weil ich so eine tolle Mama bin, sondern weil mir das viel zu doof und für mich selbst zu demütigend ist.

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  29. Liebe Snowqueen, ich hatte solch ein Gespräch auch mit meiner Tochter, 8 Jahre. Sie erzählte mir (und ich ließ sie das alles erzählen) wie sehr sie ihren Bruder haßt und dass er tot sein soll und dass sie Mama immer für sich alleine haben will. Es war so schlimm, dass alles anzuhören und mir wurde fast schlecht dabei, aber es war so gut für sie. Das Bücher Siblings without rivalry und How to talk so kids will listen haben mir dabei sehr geholfen und den Umgang mit meinen Kindern so viel besser gemacht.

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