Die Entthronung der Erstgeborenen

Was unsere Kinder nach der Geburt des Babys wirklich brauchen, um die Krise zu bewältigen und wie wir die Eifersucht auf das Geschwisterchen mindern können


 
Als feststand, dass wir ein weiteres Kind in unserer Familie willkommen heißen dürfen, begann ich, mich darüber zu informieren, wie man den Erstgeborenen die Entthronung so leicht wie möglich machen kann. In fast allen Publikationen wurde geraten, die Kinder mithilfe von Geschwisterbüchern vorzubereiten, ihnen nach der Entbindung viel Exklusivzeit zu gönnen und sie in die Pflege des Neugeborenen einzubinden. Das klang erst einmal ganz logisch, so dass ich zuversichtlich in die Zukunft blickte. Wir würden das Kind schon schaukeln!
 

Erste große Lebensprüfung

 
Cover Ich will auch Geschwister habenMeine Töchter waren hellauf begeistert, dass sie noch ein kleines Geschwisterchen bekommen würden und liebten es, aus diversen Geschwisterbüchern vorgelesen zu bekommen. Wir sind jetzt vier, Karins kleiner Bruder und Ich will auch Geschwister haben waren bei uns am beliebtesten. In allen Büchern wird auch die Eifersucht nach der Entbindung thematisiert und meine Töchter sprachen schnell davon, dass "Mama sich dann immer um das Baby kümmern muss, aber sie hat uns dann trotzdem noch doll lieb". Sie wussten, dass ich ihren Bruder oder ihre Schwester oft stillen würde und dass das Baby viel bei mir im Arm liegen oder vor meinen Bauch geschnallt sein würde. Sie waren so gut vorbereitet, wie man eben vorbereitet sein kann, wenn man noch keine Ahnung hat, was es bedeutet, wenn ein Baby einzieht: Erinnert ihr euch, wie es war, als ihr euer erstes Kind geboren hattet und plötzlich war alles anders? So anders, dass man sich das nicht im Traum hätte vorstellen können? So viel schöner, aber auch so viel anstrengender, nervenaufreibender und kräftezehrender, als alles, was ihr je gemacht hattet? So geht es euren Erstgeborenen nach der Entbindung ihres Geschwisterkindes. Sie bekommen zum ersten Mal ein Baby. Und sie sind genauso überwältigt, wie ihr es damals wart - gute Vorbereitung hin oder her.

"Kaum eine andere kindliche Erfahrung ist so einschneidend wie die des Einzelkindes, wenn es ein Geschwisterchen bekommt. Es ist für das Kind die erste große Lebensprüfung, die es durchzustehen hat. Mit dem Geschwister wird alles anders. Das Vertraute schwindet. Bis dahin konnte sich das Erstgeborene als Teil der Erwachsenenwelt fühlen. Seinem Empfinden nach war diese Welt der Erwachsenen wegen ihm und für ihn da. Nun gehört ihm diese Welt nicht mehr voll. Sie wendet sich einem anderen Stern zu. Das Kind fühlt sich ausgeschlossen, auf sein Eigenes zurückgeworfen. Im Denken und Fühlen ist es schon so weit, dass es diese erste Lebenskrise bewusst verarbeiten muss. Diese umwerfende Erfahrung kann mit einer großen Angst einhergehen, sie kann aber auch die Weichen für eine große Chance stellen" [Prekop, J., 2002: 95].
 
Eure Aufgabe ist es nun, sie aufzufangen und ihre Verwirrung zu mildern. Damit euch das besser gelingt als mir, werde ich euch tiefergehendere Tipps geben, als "Exklusivzeit" und "Mithelfen lassen". Denn eure entthronten Großen brauchen mehr. So viel mehr!
 

 

Die Bedürfnisse hinter den Aktionen der Erstgeborenen erkennen


Ich muss etwas ausholen, um gut erklären zu können, was ich meine: Meine Töchter können wählen zwischen zwei Zubettgeh-Möglichkeiten. Wollen sie Einschlafbegleitung, dann schlafen wir alle im Familienbett und ich lese noch zwei Bücher vor, dann können sie, wenn sie wollen, noch Hörbücher auf dem Ipod hören und ich liege zwischen ihnen und kuschle in der Zeit mit ihnen. Oder sie wollen gern noch spielen - dann dürfen sie im Kinderzimmer gemeinsam toben und entscheiden selbst, wann das Licht ausgeht, schlafen dann aber eben in ihren eigenen Betten und sie werden nicht einschlafbegeleitet.
 
Was nicht geht, ist im Familienbett noch zu toben - das möchte ich nicht, da es ziemlich hoch ist und eine sehr scharfkantige Truhe daneben steht. Das hat so eigentlich immer sehr gut geklappt. Meine Töchter entschieden sich je nach Tagesform für die eine oder andere Variante und ich genoss entweder die Kuscheleinheiten beim Einschlafbegleiten oder aber die freie Zeit, wenn sie selbstbestimmt Schlafen gingen.
 
Familienbett
 
Ein paar Tage vor der Geburt unseres Sohnes fingen sie aber plötzlich an, sich zwar für die Einschlafbegleitung zu entscheiden, dann aber im Bett noch lustig, lustig zu hüpfen und auch nicht zu hören, wenn ich sagte, sie sollen aufhören. Im Gegenteil - es schien ihnen Spaß zu machen, nun extra genau das zu machen, was ich nicht mochte. Dabei puschten sie sich gegenseitig hoch, so dass ich mir schon ein bisschen verloren vorkam inmitten dieser chaotischen Zwerge. Denn was macht man da? Schimpfen wurde ignoriert, "handgreiflich" (also die tobenden Mädchen festhalten) wollte ich nicht werden.
 
Wie eine beleidigte schwangere Leberwurst überließ ich ihnen das Schlachtfeld und rauschte aus dem Schlafzimmer mit den Worten: "Psü, so möchte ich nicht einschlafbegleiten, das macht mir keinen Spaß!" Leider klappte das Toben-Lassen im Familienbett natürlich auch nicht. Alle Nase lang heulte die Eine oder Andere, fiel vom Bett, sie stritten sich und tapperten zu mir, um sich zu beschweren. Das war also wirklich keine annehmbare Situation, zumal sie so echt sehr spät einschliefen. Außerdem wurden sie immer dreister: Tobten sie am ersten Abend nur im Schlafzimmer, kamen sie an den folgenden Abenden raus und okkupierten erst noch das Kinderzimmer dazu, dann fast die gesamte Wohnung. Ich war völlig überrumpelt und überfordert - was macht man in einer solchen Situation, wenn man keine körperliche Macht anwenden möchte? Meine Gefühle schwankten hin und her zwischen Wut, Trauer, Hilflosigkeit und Beleidigtsein. Einer Lösung war ich nicht näher.
 
Dann kam die Entbindung und ich hatte ein paar ruhige Tage im Krankenhaus...
 
Als ich wieder da war, ging das Chaos leider nahtlos weiter. Ich hatte im Krankenhaus überlegt, dass sie sicher vor Aufregung der bevorstehenden Geburt so neben sich gestanden hatten. Ich kannte das schon in kleinerem Maße von den Abenden vor Nikolaus und Weihnachten - auch da sind sie immer so aufgeregt, dass sie kaum zur Ruhe kommen. Ich war mir sicher, dass die Anspannung bei meinen Töchtern nun weg war und wir wieder zu unserem normalen Abendritual zurückfinden würden. Pffff - nichts da. Sie tobten weiter, laut und chaotisch und es endete immer mit Tränen und einem ultraspäten Einschlafen.
 
Unglücklich mit der Situation sprach ich mit meiner Hebamme. Obwohl sie eigentlich für ein selbstbestimmtes Aufwachsen von Kindern ist, interpretierte sie das Verhalten meiner Töchter als Wunsch nach elterlicher Autorität. Grenzen setzen also - na gut, dachte ich. Ich trennte die Mädels zum Einschlafen - Fräulein Ordnung, die sowieso lieber schlafen wollte und immer von ihrer Schwester aufgehetzt wurde, schien ganz erleichtert. Sie schlief problemlos im Kinderzimmer mit ihrem winzigen Bruder im Nebenbett ein.
 
Fräulein Chaos dagegen gab nicht so schnell auf. Ich blieb mit ihr im Familienbett, doch sie machte mir das "Grenzen setzen" nicht leicht. Sie hüpfte, sie kreischte, sie versuchte, vom Bett runter zu ihrer Schwester zu kommen, sie fing an, mich zu hauen und zu kneifen, weil ich ihr dabei im Weg war. Hatte sie ihre Wut mir gegenüber genügend doll gezeigt (also mich genügend lange gekniffen etc.), entspannte sie plötzlich und ich konnte sie in den Arm nehmen und sie in den Schlaf kuscheln. Man, war die wütend mit mir!
 
Durch das Trennen wurde die Situation ein wenig besser. Das Einschlafen dauerte nicht mehr ganz so lange, Fräulein Ordnung konnte gut schlafen, nur der Kampf mit Fräulein Chaos blieb und raubte mir gehörig die Kräfte. Tagsüber war sie eigentlich wie immer: zugewandt, freundlich, glücklich und mit ihrem Brüderchen sehr zärtlich. Doch kaum hatte ich das Einschlafbuch zu Ende gelesen, ging das, was ich als "provozieren" ansah, erneut los.
 
Ich war wirklich unglücklich und  überlegte und überlegte, was meine Tochter mir eigentlich sagen wollte. Dass sie aus Eifersucht agierte, war klar, ebenso dämmerte es mir irgendwann, dass unser abendlicher Kampf nichts mit dem Abend an sich zu tun hatte, sondern dass der Grund für ihr Verhalten im Alltag zu finden sein musste. 
 
Dann fiel bei mir endlich der Groschen! Meine Töchter - die eine mehr, die andere weniger - hatten im Alltag das Gefühl, dass ihr Bedürfnis nach Mamas Aufmerksamkeit nicht erfüllt wurde! Das klingt jetzt erst einmal nach keiner großen Offenbarung, doch für uns war sie das. Denn obwohl ich beiden durchaus bemüht viel "Exklusivzeit" und wunderschöne Extra-Events wie Tierpark, Bauernhof, Theater usw. gegeben hatte, stellte ich, als ich im Geiste unseren Alltag durchging, fest, dass ich, ohne groß darüber nachzudenken, oder mir Sorgen darüber zu machen, meine Töchter im Laufe des Tages relativ oft ganz minimal zurückwies:
 
Fräulein Ordnung: "Hilfst du mir beim Anziehen, Mama?"
Ich: "Puppe, das geht gerade nicht, ich stille doch gerade."
Fräulein Ordnung: "Doch, du sollst aber!"

Fräulein Chaos: "Mama, liest du uns ein Buch vor?"
Ich, mit Handy auf der Couch: "Och, ich ruhe mich doch gerade aus. Ich bin ganz geschafft. Ich lese euch in ein paar Minuten vor, okay?" 

Fräulein Ordnung: "Mama, bitte putz mir jetzt die Zähne."
Ich: "Gleich, Schätzchen, ich muss deinem Bruder die Windeln wechseln und ihn umziehen. Fang doch schon mal ohne mich an..."

Fräulein Chaos: "Ich möchte mit Pinsel malen."
Ich: "Öhm, das ist jetzt so viel Aufwand, ihr geht doch gleich ins Bett! Mal mal mit deinen Filzstiften, das ist doch auch schön". 
Malutensilien
 
Natürlich waren das immer nur Kleinigkeiten, aber sie summierten sich eben und diese endlosen kleinen Zurückweisungen frustrierten meine Töchter so, dass sie mir abends zeigen mussten, wie blöd sie das fanden. Manches konnte ich nicht ändern. Wenn das Baby Hunger hat, wird es gestillt, da müssen die Großen leider zurückstecken. Aber bei vielen, vielen anderen Gelegenheiten ging es schlicht und ergreifend um meine eigene Faulheit (das Malzeug rausholen und Zeitungen als Unterlage hinlegen etc.) oder meine kleinen Ruheinseln, die ich mir geschaffen hatte, weil die erste Zeit mit Baby natürlich anstrengend ist (Handy lesen auf der Couch.). Diese Zurückweisungen mussten einfach nicht sein - meine Töchter wollten mehr Aufmerksamkeit!

Das auffällige Verhalten unserer Kinder nach der Entbindung ihres Geschwisterchens (und oft sogar schon eine Weile vorher!) ist demnach nur ein Indikator. Es ist Mittel zum Zweck für sie, um uns auf ihren Herzschmerz ("Mama muss sich so oft ums Baby kümmern, hat sie es lieber als mich?") aufmerksam zu machen. Hören wir als Eltern ihnen nicht zu und erkennen die Provokationen nicht als das, was sie sind, werden sie sich verstärken. Im übertragenen Sinn rufen unsere Kinder mit ihren Handlungen immer lauter:

"Mama, mir geht es nicht gut!
 Mama, mir geht es NICHT GUT!
MAMA, MIR GEHT ES NICHT GUT!!!"
 
Wenn wir das "Lauter werden" auch noch bestrafen, statt hinter dem Verhalten die echten Bedürfnisse zu erkennen, dann verfestigen sich diese Verhaltensmuster und wir bleiben in ewigem Kampf mit unseren Kindern, obwohl keiner mehr weiß, wann und warum es eigentlich anfing....
 
 

Wie Kinder das Bedürfnis nach mehr Aufmerksamkeit ausdrücken

 
Es gibt viele verschiedene Arten, wie entthronte Kinder ihren Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit ausdrücken. In den allermeisten Fällen sind diese Wege eher destruktiv und bringen negative Aufmerksamkeit. Psychologe Rudolf Dreikurs schreibt: Das Kind braucht
 
" [...] andauernd neue Beweise dafür, dass es nicht übersehen und vernachlässigt wird. Zuerst kann es versuchen, durch sozial anerkannte und erfreuliche Mittel wie Charme, Herzigkeit, altkluge Bemerkungen oder ähnliches sein Ziel zu erreichen. Verlieren jedoch diese Methoden ihre Wirkung - z. B. weil jüngere Geschwister im Mittelpunkt stehen oder weil die Erwachsenen nun von dem Kind erwarten, dass es sein "kindisches" Benehmen aufgibt - wird es jedes nur erdenkliche Mittel anwenden, um [...] Aufmerksamkeit zu erregen. Unangenehme Nebenwirkungen wie Demütigung, Bestrafung oder sogar körperliche Züchtigung werden in Kauf genommen, solange der Hauptzweck erreicht wird. Ignoriert zu werden ist für Kinder schlimmer, als getadelt, bestraft und sogar geschlagen zu werden" [Dreikurs, R., 2009:47].
 
Je nach Temperament des Kindes werden verschiedene Strategien gewählt, um uns auf ihren Wunsch nach "Gesehen-werden" aufmerksam zu machen.

Mein Kind haut


Wie ich im Eingangsbeispiel schon aufzeigte, hat eine meiner Töchter (Fräulein Chaos) unbewusst den Weg der Aggression gewählt, um mir ihren Seelenschmerz zu zeigen. Vorrangiges Ziel ihrer Attacken bin ich. Ich finde das gut so, denn schließlich bin ich es auch gewesen, der ihren kleinen Bruder in unsere Familie brachte. Mein Wunsch nach einem weiteren Kind war es, nicht ihrer, der für Nachwuchs sorgte. Also darf ihr Zorn sich gegen mich richten. Ich bin groß genug, das auszuhalten und angemessen darauf zu reagieren.
 
Im Alltag äußert sich die Aggression meiner Tochter oft so, dass sie nach mir haut, wenn ich etwas tue, das sie nicht möchte. Eigentlich wie in der normalen Autonomiephase auch, wird sie wütend, wenn ich ihr sage, dass ich ihr das dritte Eis am Tag nicht kaufe oder sie nun ins Bett soll, weil es spät ist. Es ist auch schon vorgekommen, dass sie mich kneift, oder nach mir spuckt oder mir "Blöde Mama!" zuruft. Ich reagiere, indem ich ihre Angriffe vorsichtig abwehre (was nicht immer gelingt) und ihre Aktion in Worte fasse: "Du bist wütend, weil ich dir ... [das Eis nicht kaufe]. Du möchtest jetzt wirklich gern... [Eis essen], leider geht das nicht. Du kannst das gerade nicht anders ausdrücken, als... [mich zu hauen]. Ich will nicht, dass du ...[mich haust]! Das tut mir weh! Du kannst stattdessen .... [schieben], um deine Wut rauszulassen." Oft hilft das nicht, oder nur wenig und die Alternativangebote (schieben, ins Wutkissen beißen, mit dem Fuß aufstampfen, schreien, in den Boxsack boxen etc.) werden nicht angenommen. Das ist verständlich, denn es braucht eine große Anzahl von Übungen der Alternativhandlungen, bis die archaischen Nervenbefehle für  "Kampf" in einer Stresssituation überschrieben werden. Erst dann empfindet das Kind auch bei der Ersatzhandlung eine Erlösung vom inneren Schmerz.
 
Wenn mich meine Tochter in einen solchen Kampf verwickelt, habe ich immer den großen Drang, sie einfach stehen zu lassen und wegzugehen. Es fällt mir wirklich sehr schwer, ihre Wut auszuhalten, besonders dann, wenn sie sich nicht anders auszudrücken vermag, als nach mir zu hauen, oder mich zu kneifen. Der Satz "Ich muss mich von ihr doch nicht hauen lassen!" schwirrt dann trotzig in meinem Kopf herum. Ich möchte meinen Töchtern aber mit auf den Weg geben, dass ich sie bedingungslos liebe und auch dann zu ihnen stehe, wenn sie etwas tun, was mein ausgereiftes moralisches Verständnis als "falsch" einstuft.

Mich umzudrehen und aus dem Zimmer zu gehen, während meine Tochter gerade "im Gespräch" mit mir ist (denn das Hauen ist ja ihre Kommunikation) ist m. E. nichts anderes als ein Beziehungsabbruch mit der unterschwelligen Aussage: "Ich liebe dich nur, wenn du artig bist." Stattdessen ist das Motto "Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten" so wichtig wie nie - und damit das Aushalten ihrer Wut. Wohlgemerkt, ich halte ihr nicht bereitwillig meinen Arm hin, damit sie sich an mir austoben kann. Ich bin kein Wutkissen. Aber wenn es in der Hitze des Gefechts doch passiert, nehme ich das stoisch hin, ohne sie dafür zu bestrafen oder beispielsweise zurückzukneifen.
 
Wie wichtig dieses Aushalten der Wut ist, schreibt auch Kinder-Psychologin Jirina Prekop:
 [...], weil es so verzweifelt ist und seinen Schmerz nicht anders ausdrücken kann, als sich aufzubäumen und sich abzuwenden, als möchte es dadurch sagen: "Du hast mich verraten, du bist mir untreu, [...]". Das Kind kann sich erst dann wieder ankuscheln, wenn es die Mutter auf ihre vorbehaltslose Liebe getestet hat. "Liebst du mich, wenn ich genauso wie das kleine Baby schreie? Liebst du mich auch, wenn ich nicht still bin?" Solche Konfrontationen können lange dauern. Und der abgründige Schmerz des Kindes zerrt an der eigenen Seele. Warum fällt es vielen Müttern so schwer, diese Konfrontation auszuhalten? Fehlt ihnen die Hoffnung, dass sich der Schmerz in Liebe verwandelt? Haben sie überhaupt selbst die Gelegenheit gehabt, eine solche emotionale Krise im Arm der eigenen Mutter durchzustehen? Vielleicht finden wir genau hier die Antwort auf die Frage, warum es bei den Naturvölkern weniger Eifersucht zwischen Geschwistern und weniger gestörte Mutter-Kind-Beziehungen als in unserer "zivilisierten" Welt gibt" [Prekop, J., 2002: 108].
Etwas anders sieht es aus, wenn sich die Aggression eines Erstgeborenen gegen das neue Baby richtet. Das kommt nicht selten vor und ist natürlich auch verständlich. Rein psychologisch gesehen muss das Bild der geliebten Mutter geschützt werden, so dass sich der Frust nicht gegen sie, sondern das Baby richtet, das ihm "die Mama wegnimmt".

Mütter, deren große Kinder so reagieren, haben es doppelt schwer, denn sie dürfen das Baby niemals allein lassen mit dem älteren Geschwisterkind. Ich habe im Freundeskreis erlebt, dass auf die kleinen Babys mit Absicht getreten wird, sie gekniffen und gehauen werden oder grob von der Couch gerollt, wenn Mama gerade nicht guckt. Eine Mutter erzählte mir, dass sie selbst als Kind von ihrer älteren Schwester im Kinderwagen in den See gestoßen wurde. Nur durch eine schnelle Reaktion eines Passanten wurde sie gerettet. 
 
Kinder können noch nicht überblicken, was sie da anrichten, wenn sie ihren Schmerz auf diese Weise ausleben, deshalb müssen die Eltern besonders konzentriert Situationen vermeiden, in denen das Baby durch das ältere Kind in irgend einer Weise zu Schaden kommen kann. Das ist anstrengend, denn selbst wenn die Mutter auf Toilette geht, muss sie entweder das Baby mitnehmen oder das große Kind. Gleichzeitig ist es enorm wichtig, das größere Kind in seiner Wut und Trauer aufzufangen, ihm zu zeigen, dass es weiterhin geliebt wird, dass es seinen Platz auf Mamas Schoß nicht vollständig verloren hat.
 

Mein Kind wird wieder zum Baby


Kind nuckelt mit Puppe auf dem SchoßNicht nur Aggression, sondern auch Regression können eine Strategie des Erstgeborenen sein, gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen. Plötzlich können sie gar nichts mehr selbst. Sie benötigen Hilfe beim Anziehen, wünschen sich Windeln zurück oder fangen an, am Daumen zu nuckeln. Meine zweite große Tochter, Fräulein Ordnung, verhält sich so.  Wenn das Baby gerade weint und alles besonders stressig bei uns ist, kann ich darauf vertrauen, dass auch Fräulein Ordnung zusammenbricht und wegen einer Lappalie laut greinend am Boden liegt und ihre ganze Hand im Mund vergräbt. Schön ist anders...

Doch auch wenn ich das ganze natürlich anstrengend finde, treibt mich das bei weitem nicht so in den Wahnsinn, wie die Aggression ihrer Schwester, um ehrlich zu sein. Wie ihr sicher schon in anderen Publikationen gelesen habt, ist diese Art des Aufmerksamkeitssuchens leicht zu befriedigen: Einfach das große Kind wieder Baby sein lassen. Das gibt sich mit der Zeit wirklich ganz von selbst. Ihr braucht euch keine Sorgen machen, dass das Kind nun für immer wieder Windeln oder Nuckel möchte oder gar nicht mehr aus dem Familienbett auszieht. Wenn es merkt, dass es die gleichen Rechte hat, wie das Geschwisterchen, wird das regressive Verhalten mit der Zeit allein verschwinden. Sätze wie "Du bist doch schon groß!" oder "Du bist doch kein Baby mehr!" sind völlig fehl am Platz und sollten aus unserem Vokabular gestrichen werden. Prekop schreibt:
"Du bist immer noch mein Kleines", will das Erstgeborene hören - und auch so behandelt werden. Je mehr Sie diese Nachholbedürfnisse sättigen, desto schneller geht die Regression vorüber. Denken Sie daran, dass eine Kinderpsychotherapeutin das Gleiche tun würde, allerdings fachlich als Psychodrama inszeniert. Ein ganz normales Mama-Baby-Rollenspiel zuhause erfüllt den gleichen Zweck, wenn das Bedürfnis des Kindes rechtzeitig erkannt und dadurch neurotisierende Festigung der Symptome verhindert wird" [Prekop, J., 2002: 203f].
Ein besonders effektives Mittel gegen Eifersucht ist übrigens Tandemstillen. Sollte euer großes Kind also noch nicht so groß sein und noch die Technik des Stillens beherrschen, dann lasst es ruhig wieder an eure Brust. Mama-Milch trinken zu dürfen ist der ultimative Beweis für euer Kind, dass das Baby ihm nichts wegnimmt. Das Ganze klappt natürlich nur bei einer relativ schnellen Geschwisterkindfolge oder wenn ihr langzeitstillt, aber wenn ihr die Möglichkeit habt, eure Kinder Tandem zu stillen, tut es!
 

Mein Kind zieht sich zurück

 
Wenn ein erstgeborenes Kind sich eher ruhig verhält, sich ungewöhnlich oft zurückzieht und leise für sich spielt, sind die Eltern oft erleichtert und glücklich, dass die Entthronung so glimpflich und zur Zufriedenheit aller abläuft. Oft fällt auch gar nicht auf, wenn ein Kind ruhiger ist - die Eltern sind verständlicherweise so mit dem Baby beschäftigt, dass das stille Leiden des großen Kindes nicht registriert wird.
 
Wer leise ist, fällt nicht auf, sondern hinten runter - das gilt nicht nur für die Schule, sondern auch für die Zeit nach der Entthronung. Ich möchte keine Panik schüren, aber wenn ein Kind nach der Geburt eines Geschwisterkindes ruhiger als vorher ist, nicht aufbegehrt, nicht wütend ist etc. dann kann das ein ernstzunehmendes Alarmsignal sein, das erkannt werden muss! Ich will das gar nicht so verallgemeinern - es gibt auch Kinder, die von Natur aus ruhig sind und mit einem neugeborenen Geschwisterchen kein Problem haben. Ich möchte einfach dafür sensibilisieren, dass vermeintlich einfache Entthronungen eben doch ein psychisches Problem für das Erstgeborene darstellen können. Wenn das nicht erkannt wird, kann möglicherweise eine Depression daraus entwachsen (muss nicht!).

Ich halte daher die leise verlaufende Entthronung für die potentiell problematischste überhaupt, viel problematischer, als wenn das große Kind haut, Baby spielt oder provoziert. Achtet daher auf die kleinen Stressanzeichen: das Kind bohrt oft in der Nase (bis sie blutet), es knabbert an den Fingernägeln, es zerpult Taschentücher, es reißt sich einige Haare aus etc. Sind die Eltern anderweitig beschäftigt, werden diese Kleinigkeiten oft übersehen oder falsch gedeutet.
 
Es hilft dem Kind nicht, diese Mini-Ventile dann auch noch verboten zu bekommen, beispielsweise, wenn die Eltern es für das Nasebohren oder das Nägelkauen schelten und mit bitterem Nagellack dagegen angehen. Lasst sie machen! Sie brauchen das. Sie brauchen noch viel mehr. Sie brauchen einen feinfühligen Gesprächspartner, bei dem sie sich trauen, das scheinbar Unaussprechliche ("Ich freue mich nicht über mein Geschwisterkind. Ich möchte, dass es wieder weg geht. Ich wünschte, es wäre nie geboren worden.") doch noch zu verbalisieren. Das gelingt oft nicht bei den Eltern (ihr könnt es jedoch versuchen!), aber vielleicht gibt es eine Erzieherin oder Patin, die gut zuhören kann oder ihr findet einen guten Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten.
 
Kind sitzt traurig auf einer Wiese

 

Mein Kind jammert


Wenn ein Kind nach der Entbindung des Geschwisterkindes alles nur noch in einem jammerigen, ningelnden und nörglenden Ton sagt, dann ist das seine Strategie, um auf seinen Seelenschmerz aufmerksam zu machen. Diese Strategie ist eng mit der "leisen Entthronung" verwandt, nur dass sie eben in diesem Fall nicht leise ist. Das Gefühl hinter der Aktion, ist das gleiche wie bei allen anderen Strategien: die abgrundtiefe Trauer darüber, die erste Stelle bei den Eltern verloren zu haben und das Unvermögen, dies auf eine andere Art und Weise auszudrücken.

Für den Gegenüber ist das Jammern wirklich kaum auszuhalten. Ich glaube, ein jammeriges Kind raubt den Eltern viel eher den letzten Nerv, als ein aggressives, lautes oder babyhaftes. Ständiges Nörgeln verpestet schnell die Atmosphäre in der gesamten Familie, so dass irgendwann alle schlechte Laune bekommen. Die elterliche Antwort auf die Strategie "Jammern" ist oft, dem Kind immer wieder zu sagen, dass es bitte in freundlichem Ton sprechen soll. Manche Eltern stellen ihre Ohren dem ningelnden Ton gegenüber taub und reagieren erst dann, wenn das Kind sich zusammenreißt und netter fragt. Während diese Taktik im Normalfall okay ist, halte ich sie nach einer Entthronung für problematisch und nicht erfolgversprechend. Denn das Kind kann nicht anders. Das Jammern ist Ventil, es ist der Ausdruck für seinen unbewussten Schmerz und gleichzusetzen mit impulsivem Hauen oder Kneifen. Das Kind wird, wenn es von den Eltern dafür gerüffelt wird, es schaffen, das Jammern für einen kurzen Moment abzustellen, so, wie ein anderes entthrontes Kind es schafft, für einen Moment nicht zuzuhauen, weil es weiß, dass das unerwünscht ist. Doch der Schmerz wird sich immer wieder dieses Ventil suchen, d.h. bevor nicht der Schmerz gelindert wird, kann das Jammern nicht aufhören!

Wenn aber die Eltern dem Kind immer wieder rückmelden, wie nervig sein Jammern ist, wird sich das Kind irgendwann die Frage stellen, warum es es nicht schafft, so zu sein, wie die Eltern es gerne haben möchten. Es wird darüber verzweifelt sein, das es es unmöglich findet, mit dem Jammern und Nörgeln aufzuhören. Denn unseren Kindern ist nicht bewusst, dass dies ihre Strategie ist, dem Seelenschmerz ein Ventil zu geben. Sie machen das unbewusst. Ein Kind dafür zu schelten, dass es etwas macht, das nicht absichtlich passiert, finde ich unangemessen, ja, sogar falsch. Stattdessen ist es angebracht, das nervige Verhalten zu ignorieren, aber mit dem Kind weiterhin im Gespräch zu bleiben. Versucht - und ich weiß, dass das sehr schwer ist - das Jammern auszuhalten und nicht zu thematisieren und zwar solange, bis ihr das Gefühl habt, die Krise nach der Entthronung sei nun so gut wie durchgestanden. Das dürfte ungefähr eine Zeitspanne von 12-16 Wochen nach Entbindung sein - wenn dem Erstgeborenen in dieser Zeit genügend mütterliche Aufmerksamkeit zukommt, ruckeln sich die Gefüge in den meisten Familien zurecht und alle haben ihren neuen Platz gefunden. (Seid bitte nicht alarmiert, wenn das bei euch länger dauert, auch das wäre normal!) Jammert euer Kind danach weiterhin, obwohl ihr denkt, nun sei das nachgeburtliche Tal eigentlich durchschritten, dann könnt ihr behutsam wieder anfangen, das Kind daran zu erinnern, freundlich mit euch zu sprechen. Während der Krise aber benötigt euer Erstgeborenes Beziehung statt Erziehung.

 

Mein Kind provoziert


Ist euch aufgefallen, dass euer Kind seit der Geburt seines Geschwisterchens vermehrt genau das macht, von dem ihr gerade gesagt habt, es soll das lassen? Dabei guckt es euch auffordernd an und wartet auf eure Reaktion - kurz, es provoziert. Diese Strategie ist eine der häufigsten, die Kinder wählen, denn sie garantiert zumeist die sofortige Aufmerksamkeit der Eltern. Stillt eine Mama ihr Baby auf der Couch und das große Kind stellt sich aufreizend mit einer Blumenvase vor ihr auf und ist im Begriff, diese fallen zu lassen, wird kaum eine Mutter ruhig sitzen bleiben und weiterstillen. 

zerbrochener BlumentopfDas Ding ist: Keine Mutter muss sich provozieren lassen, ihr könnt euch auch dafür entscheiden, ruhig zu bleiben. Ist euch die Vase furchtbar wichtig? Wenn nicht, könntet ihr sie opfern. Je weniger Bohei gemacht wird, desto stärker läuft die Provokation ins Leere und versiegt. Meine Tochter Fräulein Ordnung z. B. isst auf dem Spielplatz jetzt wieder vermehrt Sand. Ich kann das echt nicht leiden. Als Baby fand ich es noch voll okay, denn da wussten sie es nicht besser und mussten den Sand ja auch erkunden können. Doch im Laufe der letzten vier Jahre hatten sie nun eigentlich genug Sand im Mund und brauchen diese Art der Erkundung nicht mehr. Da Fräulein Ordnung weiß, dass ich es nicht mag - mir ist am Anfang mehr als einmal ein "Puppe, hör auf damit, du bist doch kein Baby mehr" herausgerutscht - tut sie es nun absichtlich und guckt dabei grinsend zu mir. Doch ich lasse mich nicht mehr provozieren. "Na, schmeckt's?" frage ich freundlich, und wechsle dann das Thema. Seitdem hat das Sand essen rapide abgenommen. Wichtig ist dabei, nur die Handlung an sich zu ignorieren, nicht aber das Kind. Ich bleibe ruhig und rege mich nicht über das Sandessen auf, doch ich spiele währenddessen weiter mit meiner Tochter, buddle z. B. mit ihr.

Das ist dann schwierig, wenn das Kind sich etwas sucht, mit dem es sich selbst verletzen kann. Viele Kinder hauen beispielsweise ihren Kopf hart auf den Boden, um die Aufmerksamkeit der Mutter zu bekommen. Ich selbst hatte mal eine Schülerin, die sich innerhalb meiner Stunde die Handgelenke ritzte oder sich die Spitze der Schere an den Hals hielt und mir dabei in die Augen blickte. Eine andere Schülerin kotete und pullerte ein, wenn sie mit dem Verlauf der Stunde oder einem "Nein" von mir nicht einverstanden war.

Das sind natürlich extreme Hilferufe, auf die man eingehen muss. Trotzdem bleibt es dabei: Der Handlung gegenüber ruhig bleiben (also das Kind nicht davon abhalten, den Kopf aufzuschlagen), aber dringend im Gespräch mit dem Kind bleiben und unaufgeregt verbalisieren, was man sieht: "Du bist gerade so wütend/traurig/eifersüchtig, dass du dir nicht anders zu helfen weißt, als mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen. Das tut bestimmt weh. Hilft es dir, deinen Schmerz im Herzen nicht zu spüren? Eifersucht ist wirklich kein schönes Gefühl! Es tut weh im Bauch und im Herzen und man weiß dann gar nicht, wie man dieses grässliche Gefühl loswerden kann. Komm, ich zeig dir einen anderen Weg, vielleicht hilft der auch."

Ein Wort zur Vorsicht: Nicht immer ist eine Provokation, was nach Provokation aussieht! Eine meiner Töchter hat mit zweieinhalb Jahren mal mit ihren Winterstiefeln an die Glastür meines antiken Schränkchens geklopft. Ich hatte ihr kurz zuvor verboten, mit ihren Stiefeln in der Wohnung zu spielen, da draußen Schnee lag und die Sohlen voller Matsch waren. Als ich dazu kam, sah ich  auf den ersten Blick ein Kind, das, sauer über das Verbot, sich nun an meinem Eigentum rächte und versuchte, dieses kaputtzuschlagen. Auf den zweiten Blick stand da ein Kind, das von mir gelernt hatte, dass man den Matsch von Sohlen abbekommt, indem man damit leicht gegen eine Stufe oder Wand klopft (Stiefel noch am Fuß) und welches gerade auf seine Art versuchte, seine Stiefelchen doch noch so sauber zu bekommen, dass es sie in der Wohnung anziehen darf. Dass sie die Schuhe an meinem Schrank sauber machte, war Zufall und dem Umstand geschuldet, dass er eben da vorn steht. Natürlich wusste sie noch nicht, dass Glas kaputt gehen kann, wenn man dagegen haut. Et voilà - keine Provokation! Wie hätte sich meine Tochter wohl gefühlt, wenn ich sie wegen dieser Aktion ausgeschimpft hätte?
 

Mein Kind sagt "Blöde Mama!"


Ein Teilaspekt der Provokation ist das "Blöde Mama!", das viele Kinder (nicht nur entthronte!) ihrer Mutter entgegenschmettern. Viele Eltern fühlen sich dann in ihrer Würde gekränkt oder haben Angst, dass der Respekt ihnen gegenüber schwindet und reagieren entsprechend aufbrausend darauf. Darf ein Kind seine Eltern "blöd" nennen?

Wenn man das "blöde Mama" einfach als das sieht, was es ist, nämlich, die momentan einzige Möglichkeit des Kindes, sein Befinden auszudrücken, dann darf es das natürlich. Behaltet im Hinterkopf, dass jegliches Verhalten eines Kindes in einer bestimmten Situation das Beste ist, das es zeigen kann. Es ist schlicht noch nicht in der Lage, anders zu handeln, weil es keine Verhaltensalternativen kennt oder diese schlicht in seinem aufgewühlten Zustand nicht aktivieren kann. Ist dieses gezeigte Verhalten nicht gesellschaftskonform (und das Beleidigen von Erwachsenen wird in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen), dann ist es unser Job, ihm eine andere Ausdrucksmöglichkeit aufzuzeigen. Erst, wenn ein Kind viele verschiedene Verhaltensalternativen kennt und eingeübt hat, kann es gesellschaftsadäquater agieren.

Was kann man also als "blöde Mama" tun, um dem Kind zu helfen? Wie immer - verbalisieren, was das Kind wirklich meint: "Du bist jetzt wirklich aufgebracht/sauer/wütend, weil ich dir ... verboten habe. Ich kann das gut verstehen. Versuch, beim nächsten Mal, zu sagen: 'Ich bin echt wütend mit dir, Mama, weil....' Du kannst dabei auch mit dem Fuß aufstampfen, vielleicht hilft dir das?"
 
Niemals, wirklich nie, sollte man mit "Blöde Mamas haben blöde Kinder!" oder "Blöde Mamas lesen aber keine Gute-Nacht-Bücher vor!" reagieren, denn das hieße, beleidigt auf die Provokation eingestiegen zu sein und das Kind zusätzlich zu seiner Wut auch noch zu kränken. Wir sind doch aber erwachsen, oder?
 

Mein Kind will immer Erster und Bester sein

 
Kinder laufen auf einer Tartanbahn
Es ist nicht so, dass Konkurrenz und Wettkampf nur bei entthronten Erstgeborenen zu finden sind. Im Gegenteil, diese Phase tritt bei fast allen Kindern ab dem dritten Geburtstag auf und treibt so manche Mama und so manchen Papa in den Wahnsinn. Ich denke, es ist uns allen klar, dass unsere Gesellschaft auf Konkurrenzkampf ausgelegt ist. Vielleicht liegt es uns sogar in den Genen. Jedoch kann nach einer Entthronung und vor allem, wenn das Geschwisterkind dann schon etwas größer geworden ist, der Wunsch des Erstgeborenen, immer der Erste und der Beste zu sein, extreme Züge annehmen.

Psychologisch gesehen tendieren manche Kinder dazu, den Verlust der ersten Stelle bei den Eltern (so kommt es ihnen vor), mit einer Ersatzbefriedigung aufzufüllen, um das aus den Fugen geratene innere Gleichgewicht selbständig wiederherzustellen. Für eine solche Ersatzbefriedigung werden entweder leblose Dinge (Kuscheltier, Schnuller, Milchflasche) erkoren oder aber eben das Streben nach dem ersten Platz in allen Handlungen. Die daraus resultierende Bewunderung, beispielsweise durch die Großeltern, die das Kind für jeden Pups loben ("Wie schön du aufgegessen hast!"), geben eine gewisse Sicherheit und Trost. Da es sich aber nur um einen Ersatz handelt, bleibt das eigentliche Bedürfnis (Aufmerksamkeit durch die Mama) weiterhin unbefriedigt und weil eine echte Sättigung ausbleibt, fühlt sich das Kind gezwungen, die Handlungen stets zu wiederholen [vgl. Prekop, 2002:103f].

Habt ihr ein Kind, das versucht, Anerkennung und Aufmerksamkeit über das Streben nach dem ersten Platz zu bekommen, ist es wichtig, ihm zu zeigen, dass ihr es ohne Wenn und Aber liebt. Dazu gehört, dass ihr das Loben massiv einschränkt (Nehmt die Großeltern mit ins Boot!) und ihr stattdessen eurem Kind immer Aufmerksamkeit schenkt und nicht nur, wenn es etwas besonders gut oder schlecht macht. Was genau ich damit meine und wie das mit dem Nicht-Loben geht, haben wir in einem anderen Artikel ausführlich erklärt.
 
Neben der alles entscheidenden liebevollen elterlichen Aufmerksamkeit ist es hilfreich, dem "großen" Kind Aufgaben zuzumuten, die es gern macht und die ihm echte Anerkennung durch die Familie gibt. Ich meine nicht, selbst das Zimmer aufzuräumen, denn das machen die wenigsten Kinder gern. Es geht vielmehr darum, einen wirklichen Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft zu schaffen, um seine eigene soziale Stellung innerhalb der Familie zu sichern [vgl. Dreikurs, 2003:47]. Meine Töchter z. B. schälen Möhren und anderes Gemüse, wenn ich koche. Sie fühlen sich dadurch nützlich, sie helfen mir und das stärkt ihr Selbstvertrauen viel mehr als jedes vermeintlich gewonnene Memory-Spiel, das ich mit ihnen spiele.
 
Solche Aufgaben zu finden, ist relativ schwer, denn sie dürfen weder unter- noch überfordern und sie müssen dem Kind auch unbedingt Freude bereiten. In der heutigen Gesellschaft wird Kindern aber zu wenig zugetraut. Wenn ich erzähle, dass meine Dreieinhalbjährigen sonntags zusammen Brötchen einkaufen gehen, dann bekommen meine Zuhörer regelmäßig Schweißausbrüche. Dabei ist der Weg nur 500 Meter lang, mit der netten Bäckersfrau ist das Ganze abgesprochen und ich bin durchaus in der Nähe, wenn auch nicht direkt dabei. Eine wichtige Aufgabe kann auch das in allen Ratgebern thematisierte "Bei der Pflege des Babys mithelfen" sein. Doch auch hier ist es relevant, dass diese Aufgaben wirkliche Bedeutung haben und nicht nur Pseudo-Hilfen sind. In dem oben genannten Buch "Karins kleiner Bruder" z.B. darf Karin ihren Bruder wirklich wickeln (nachdem die Mutter den Milchstuhl entfernt hat), das finden meine Töchter absolut faszinierend. Mein Fräulein Ordnung hat es sich außerdem selbst zur Aufgabe gemacht, ihrem Bruder beiseite zu stehen, wenn dieser irgendwo allein im Raum herumliegt, während ich beschäftigt bin. "Du bist nicht allein, ich bin bei dir. Und es gibt auch keine Wölfe, die fressen dich nicht, weißt du", flüstert sie ihm dabei liebevoll zu, während er sie staunend anhimmelt. Oder gerade gestern: Da haben sie auf unserem Spielplatz die ersten reifen Mirabellen vom Boden aufgesammelt und in ihrem Buddeleimer gehortet - und mit diesem freiwilligen Arbeitseinsatz für den Nachtisch für unser Abendbrot gesorgt. Solche Handlungen sind kein Ersatz, sondern bieten echte Befriedigung. Solche Handlungen müssen auch nicht gelobt werden - die Freude der Familie über den leckeren Nachtisch war Lob genug. 

Eimer mit Mirabellen
  

Mein Kind macht alles kaputt

 
Ich bin oft verzweifelt von Müttern angesprochen worden, dass ihre - vornehmlich - Söhne seit der Geburt des Geschwisterkindes nicht mehr richtig spielen, sondern stattdessen alles kaputt machen. Bücher werden da zerrissen, Autos so lange auf den Fußboden gehauen, bis entweder das Auto kaputt ist oder der Fußboden ein Loch hat, besonders gern werden Wände mit Filzstiften angemalt oder sich selbst alle Haare vom Kopf geschnitten. Ich habe dann immer geantwortet: "Herzlichen Glückwunsch! Dein Kind ist wirklich schon sehr kompetent darin, ein sicheres Ventil für seine Wut zu finden. Eigentlich möchte es nämlich den kleinen Nebenbuhler kaputt machen - da ist es doch ganz wunderbar, dass er sich stattdessen eine Alternative sucht? Gegenstände können ersetzt werden, Haare wachsen nach, Geschwisterchen jedoch nicht."

Auch meine Töchter haben in den ersten Wochen nach Ankunft ihres Brüderchens so Manches zerstört und es hat mich einiges an Kraft gekostet, nicht in Muster aus meiner Kindheit zu verfallen und sie dafür zu bestrafen. Es fing an mit unserem Lesesessel, den ich uns habe anfertigen lassen, damit ich allen drei Kindern gleichzeitig ein Buch vorlesen kann. Dieser Sessel ist eine Mischung aus Regal und Sitzmöglichkeit für drei Personen. Ich sitze in der Mitte mit Buch und Baby auf dem Schoß, links und rechts von mir, an der Stelle, an der ein normaler Sessel Armlehnen hätte, sitzen meine Töchter und haben so einen freien Blick in das Buch, das ich gerade lese.

LesestuhlDieser Sessel war sehr teuer und ist mir heilig. Meine Töchter wissen das auch. Nun prangte eines Tages auf dem rechten Sitz in riesengroßen Lettern und mit Filzstift geschrieben der Name einer meiner Töchter. Ich bekam fast einen Herzinfarkt, als ich das sah und war entsprechend sauer. Ich überlegte aber auch, dass es durchaus sein könnte, dass sie einfach nur für sich diesen Sitz reservieren wollte, denn beide meine Töchter sitzen am liebsten rechts. Ich redete also zwar ein ernstes Wörtchen mit ihr und wiederholte die Regel, dass nur auf Papier gemalt wird. Gemäß meinen Erziehungsgrundsätzen gab es jedoch keine Strafe. Wir versuchten gemeinsam, den Namen vom Polster zu wischen und damit beließ ich es.

Keine zwei Tage später kam es erneut zu einem Vorfall. Meine beiden Töchter hatten sich meinen blauen Daunenschlafsack ausgeborgt, um ihn als "See" auf ihrem Kinderzimmerfußboden auszubreiten und "schwimmen" zu üben. Sie spielten sehr einträchtig und schön miteinander und ich konnte endlich ein bisschen die Küche aufräumen. Als ich jedoch nach einer halben Stunde nachguckte, saßen die beiden gerade mit ihren Bastelscheren auf dem Schlafsack und - ihr ahnt es schon - Daunenfedern flogen überall herum. Da ich ihnen bei Ausborgen des Schlafsacks eindringlich erklärt hatte, dieser dürfe nicht kaputt gehen und sie müssten sorgsam damit spielen, war ich diesmal richtig sauer! Ich schimpfte laut, haute mir vor Wut dabei selbst mit der flachen Hand auf die Oberschenkel und rief immer wieder: "Warum? Warum? Warum? Warum?" Sofort fielen mir eine Reihe von Strafen ein. Ich würde ihre Lieblingskleider zerschneiden. Nein, sie dürften am Abend nicht an der Grillparty teilnehmen. Oder nein, sie dürften zwar teilnehmen, aber keine Süßigkeiten essen, das würde sie am meisten treffen....
 
Doch ich tat nichts dergleichen. Ich schimpfte, ich weinte vor Verzweiflung, sie weinten vor Verzweiflung, ich nahm sie in den Arm und tröstete sie. Danach gab es ein sehr ernstes und ihnen unangenehmes Gespräch im Verlauf dessen wir noch einmal besprachen, was genau alles mit einer Schere geschnitten werden darf. Dann gingen wir in den Garten zur Party.

Kind hält abgeschnittene Haare in der HandAm Wochenende darauf regnete es wie aus Gießkannen und wir waren am Vormittag zuhause. Weil sie unausgelastet waren, stritten meine Töchter ziemlich heftig, immer wieder. Gemeinsam spielen klappte gar nicht. Ich hatte schon ziemlich viel mit ihnen genörgelt, meine Stimmung war insgesamt auch nicht die beste. Dann musste ich das Baby stillen und zog mich ins Schlafzimmer zurück. Als ich wieder kam, standen beide mit Bastelscheren da und hatten sich eine stattliche Anzahl von Haarsträhnen vom Kopf geschnitten! Da wir doch gerade erst besprochen hatten, was alles nur mit der Schere geschnitten werden darf, klickte es in meinem Kopf. Obwohl ich das Haareschneiden an sich nicht so schlimm finde, schimpfte ich los und nahm ihnen alle Scheren weg. Fräulein Chaos ging sofort in Anti-Haltung und schnappte sich provozierend einen Filzstift, öffnete ihn und stand mir damit mit funkelnden Augen gegenüber. Ich sah sie im Geiste schon die Tapete anmalen, also nahm ich ihr mithilfe meiner körperlichen Überlegenheit den Stift schnell weg und sammelte auch alle anderen Stifte ein. (Etwas, was noch nie vorgekommen ist: Schere, Kleber und Stifte stehen hier zur freien Verfügung, seit sie 2 Jahre alt waren!) Sie kam aber natürlich noch an einen Stift heran und rannte lachend damit weg und versteckte sich damit unter dem Schreibtisch und funkelte mich wieder angriffslustig an. Was würde Mama tun?

Da stand ich nun und dachte: "Wenn ich diesen Weg jetzt weitergehe, schiebe ich sie mit meinem Verhalten in eine Ecke, in der ich sie nicht haben möchte." Wenn ich eins gelernt habe in meiner Arbeit mit verhaltensauffälligen Schülern, dann das: Unseren Kindern ist erst einmal egal, ob sie positive oder negative Aufmerksamkeit bekommen, sie nehmen, was sie bekommen können, vor allem nach der Geburt eines Geschwisterkindes. Hätte ich mich auf den Kampf eingelassen, mit ihr geschimpft, sie unterm Tisch hervorgezerrt und den verbliebenden Stift aus der Hand gerupft, dann hätte ich ihr den Stempel des unartigen Kindes aufgedrückt, welches immerzu Unsinn anstellt und dem man demzufolge nicht trauen kann. Eines, wegen dem man Stifte und Schere und Kleber wegschließen muss und das diese nur unter der Aufsicht der Erwachsenen benutzen darf, weil es sonst ganz sicher irgend etwas Schlimmes damit anstellt. Wenn solche Situationen zwischen Mutter und Kind öfter vorkommen, verfestigt sich die "Rolle" des Kindes und dann kommt es so schnell nicht mehr aus diesem Muster heraus. Irgendwann glaubt es womöglich selbst, dass es böse ist und nicht liebenswert und es agiert nur noch nach diesem Muster - die negative Sicht der Mutter ist zur selbsterfüllenden Prophezeiung für das Kind geworden.

Also habe ich das für mich in der Situation einzig Richtige getan: Ich legte alle Scheren und Stifte zurück auf den Schreibtisch und rief dem darunterhockenden Kind freundlich zu: "Komm, mein Spatz, wir gehen mit deiner Schwester raus auf den Spielplatz. Wir nehmen unsere Regenschirme mit und euren Bruder lassen wir hier." Und das hat geholfen. Nicht schimpfen, nicht strafen, sondern hinter das Verhalten gucken, das echte Bedürfnis erkennen (Aufmerksamkeit von Mama) und es befriedigen.

 

Bedürfnisse befriedigen: Aufmerksamkeit im Alltag statt tolle Events


Das vielzitierte "Exklusivzeit geben" wird gern missverstanden als: "Mama oder Papa machen etwas Besonderes mit dem großen Kind" - wie ihr lesen konntet, habe ich das am Anfang auch so gemacht.

So wird mit dem Erstgeborenen vielleicht extra auf die Kirmes gefahren oder ins Kino gegangen oder es gibt ein Eis mehr am Tag. Und während das Kind solche Sachen natürlich genießt, befriedigen sie leider nicht sein Grundbedürfnis nach Gesehen-Werden, zumindest nicht vollständig. Denn eigentlich möchte es im Alltag viel mehr Aufmerksamkeit, als es seit der Geburt des Geschwisterchens bekommt. Sein Defizit wird durch Kirmes oder Kino nicht aufgefüllt - schon gar nicht, wenn es da mit Papa ist, denn es vermisst ja vor allem die Mama, die vom Geschwisterkind vereinnahmt wird - dazu bedarf es tagtäglich vielen kleinen Momenten Quality-Time mit Mama. Es bedarf echter Gespräche und gemeinsamen Lachens. Die Mama muss die Zeit, die das Kind für das Beisammensein bestimmt, nutzen. Sie darf nicht erwarten, dass das Kind genau dann alles stehen und liegen lässt, um mit Mama zu kuscheln, wenn das Baby gerade schläft und Mama Zeit zum Kuscheln hat. Kinder haben auch ihren Stolz, sie wollen keine Almosen!
 
Doch wenn das Kind dann trotz Kirmes, Kino und Eis weiterhin provoziert - sein Bedürfnis wurde ja noch nicht erfüllt , das wissen die Eltern nur nicht - dann bekommt es auch noch vorwurfsvoll zu hören: "Mensch, jetzt waren wir extra mit dir beim .... und jetzt machst du schon wieder Unsinn!", inklusive enttäuschtem Blick von Mama. Dass es sich da nicht besser fühlt, sondern schlechter, ist klar. Es denkt möglicherweise, es ist seine Schuld, dass es sich nicht zusammenreißen kann, obwohl Mama und Papa so lieb waren und mit ihm beim .... waren. Es kann ja seine eigenen Bedürfnisse noch nicht klar benennen, sonst müsste es diese nicht durch Ersatzhandlungen wie Hauen, Zerstören, wieder in die Windel machen ausdrücken. Durch die elterlichen Vorwürfe und das eigene schlechte Gewissen wird sein Verhalten eher schlechter und es kommt zu einem Teufelskreis aus Schimpfe, Strafe und erneuter Provokation. Und immer wieder fühlen sich die Eltern im Recht, denn sie haben ihrem Kind doch Exklusivzeit gegeben!
 
Als ich endlich verstanden hatte, dass es meinen Kindern um das kontinuierliche Gesehen-Werden im Alltag ging, konnte ich meine Strategie ändern, um ihre wirklichen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich legte mein Handy weg und bemühte mich tagtäglich wieder viel stärker um meine Großen. Ich ruhte mich nicht mehr auf der Couch oder der Spielplatzbank aus - sobald ich nicht stillte, fragte ich aktiv, ob meine Töchter mit mir spielen wollen. Ich machte gar nichts Großes oder Besonderes, aber ich widmete ihnen die Aufmerksamkeit, die sie mit ihrem Verhalten m. E. eingefordert haben. Ich buddelte, ich spielte Fangen, ich kletterte, ich las vor, ich spielte Gesellschaftsspiele, ich ließ sie beim Kochen mitmachen etc.

Ganz wichtig waren auch das Kuscheln, das Auf-den-Schoß-nehmen und das Treppe-hochtragen - meine Töchter wollten erfahren, dass ihnen diese Privilegien nicht verloren gegangen sind. Es hatte sich nach der Geburt unseres Sohnes einfach eingeschlichen, dass ich mir kleine Ruheinseln gönnte und nicht merkte, dass meine verdaddelte Zeit zwar mir irgendwie gut tut, aber nicht meinen Kindern. Und bei Abwägung dessen, ob mir die Couchzeit so viel gibt, dass ich die verschiedenen Auffälligkeiten seitens meiner Kinder in Kauf nehmen würde, stellte ich ganz klar fest: Nein! Mein Bedürfnis nach Harmonie mit meiner Familie ist viel größer, als mein Ruhebedürfnis.

Das Ergebnis war übrigens verblüffend: Es dauerte zwar ein paar Tage, bis das Aufmerksamkeitsdefizit meiner Kinder aufgefüllt war. Harte Tage waren das für mich! Ununterbrochen habe ich mich mit ihnen beschäftigt, mit ihnen gespielt, sie gesehen. Doch seitdem ist bei uns wieder eine relative Ruhe eingekehrt. Man kann sagen, dass es wieder so entspannt ist, wie vor der Geburt unseres Kleinsten. Es ist natürlich nicht so, dass meine Töchter nun durchgängig "gut" sind, aber ich merke, dass es, wenn sie ein stetes Level an mütterlichem Liebesinput bekommen, weitaus harmonischer läuft, als an Tagen, an denen ich viel zu tun habe und mich ihnen nur bedingt zuwenden kann. Tatsächlich ist es im Moment so (3 Monate nach Entthronung), dass ich ihnen ca. 150% an Aufmerksamkeit geben muss, wenn vor der Geburt ca. 80% gereicht haben, um sie glücklich zu machen. Es gibt übrigens verschiedene Arten von Aufmerksamkeit - jedes Kind spricht auf eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit besser an - aber darüber mehr in einem unserer nächsten Artikel.

"Und wo bleibt das Baby?", werdet ihr euch vielleicht fragen. Er ist fast immer dabei. Er sitzt im Tragetuch und schläft und ist glücklich. Denn Babys brauchen am Anfang ja wirklich nicht viel. Sie brauchen körperliche Nähe und Milch, frische Windeln und Schlaf. Noch wollen sie gar nicht  so sehr bespielt werden, das wäre ihnen viel zu viel Input. So ist es relativ problemlos möglich, mit dem Baby im Schlepptau weiterhin mit den Großen zu spielen. Man hat natürlich ziemlich viel zu tragen - mit dem Baby vor dem Bauch, dem Rucksack auf dem Rücken und je einem 15 Kilo Kind auf der Hüfte links und rechts die Treppen hochgehen ist nicht gerade meine Lieblingsübung. Aber es geht! Ich habe sogar gelernt, meinen Sohn in der Trage zu stillen. Das ist unglaublich vorteilhaft, weil ich so auch im Gehen stillen kann, wenn die Situation es mal erfordert. Sind meine Töchter im Kindergarten, habe ich viel Zeit für den Kleinen und nutze sie auch intensiv. Wenn er größer wird und noch mehr Aufmerksamkeit braucht, wird er sie bekommen - denn dann sind meine Töchter hoffentlich über den Entthronungsschock hinweg.

gepucktes BabyObwohl ich mich heutzutage viel, viel öfter mit meinen Töchtern beschäftige, als vor der Geburt ihres Bruders, haben sie trotzdem manchmal das Gefühl, zu kurz zu kommen. Ich komme mir deshalb noch ein bisschen so vor, wie bei einem Tanz auf dem Vulkan. Sobald ich einen falschen Schritt mache, fällt eins meiner Kinder ins Loch. Vor ein paar Tagen zum Beispiel hatte ich gerade den kleinen Bruder in den Schlaf gestillt, als Fräulein Chaos zu mir ins Bett kam, um mit mir zu kuscheln. Sie war ganz leise und rücksichtsvoll, doch dann spielte sie gedankenverloren am Klettverschluss des Pucksacks und dieser ging auf! Wütend schob ich sie beiseite - "Man, er war doch gerade erst eingeschlafen!" nölte ich vorwurfsvoll. Erschrocken guckte mich meine Tochter an, dann änderte sich ihr Blick und wurde angriffslustig. Ich konnte ihre Gedanken ganz klar lesen: "Du denkst, ich ärgere mit Absicht? Gut, dann ärgere ich jetzt auch wirklich mit Absicht!". Sie fing an, auf dem Bett zu hüpfen. Gott sei Dank war ich ausnahmsweise mal geistesgegenwärtig genug, mich schnell zu sammeln  und zu ihr zu sagen: "Du wolltest ihn gar nicht mit Absicht wecken. Du wusstest nicht, dass er die Enge im Pucksack braucht, um zu schlafen. Guck mal wenn der Pucksack offen ist, fuchtelt er so mit den Ärmchen und macht sich selbst wach. Ich mache den Klettverschluss schnell wieder zu, dann schläft er weiter." Damit hatte ich gerade noch so die Kurve bekommen, die Angriffslust verflog aus den Augen meiner Tochter und wir konnten doch noch kuscheln. Doch diese Situation hat mir schmerzlich gezeigt, wie prägend im negativen Sinne die letzten 12 Wochen für meine Töchter gewesen sein müssen. Sie gehen nun viel, viel schneller davon aus, dass ich sie für unartig halte und sind erschreckend bereit, diese Rolle für sich anzunehmen. Ich hoffe, dass ich dieses negative Bild von ihnen selbst mit der Zeit wieder aus ihnen herausstreicheln kann...

Es ist eine harte Zeit. Doch bei wem beschwere ich mich? Ich wollte drei Kinder. Meine Töchter haben mich nicht darum gebeten, mich mit einem Brüderchen teilen zu müssen und wenn diese Situation sie belastet, weil sie das Gefühl haben, nicht mehr genug von mir zu haben, ist es mein Job, alles dafür zu tun, dass es ihnen wieder besser geht.
 
 

Fazit

 
Nach der Geburt eines Geschwisterkindes ändert sich für das Erstgeborene alles. Plötzlich gibt es einen kleinen Nebenbuhler um die Liebe und Aufmerksamkeit der Mutter. Dass verunsichert das erstgeborene Kind über alle Maßen.
"Ähnliche außergewöhnliche Gegebenheiten konnte das Kind [bisher] ohne weiteres verkraften, so lange es bei der Mama war. Auf ihrem Schoß. Nun aber ist dieser Schoß nicht mehr frei. Hier schreit und trinkt das neue Wesen. Angesaugt an die Mama. Sprachlich kann sich das danebenstehende Kind noch nicht mitteilen, seine Zweifel, seine Ängste und seinen Schmerz kann es kaum ausdrücken. [...] Seine einzigen Kommunikationsmittel sind seine Hände, die zeigen, herziehen und wegschubsen können, sein ganzer Körper, der sich an die Mama klammert, oder sein Schreien und Weinen, das signalisiert, wie es ihm ergeht. Aber mit diesen Mitteln kommt es bei der Mama nicht mehr an. Im Gegenteil: je verzweifelter es versucht, die Mama auf sich aufmerksam zu machen, um so weniger fühlt es sich angenommen. Und je weniger angenommen es sich fühlt, umso mehr steigt der Pegel seiner Angst und umso verzweifelter werden die Versuche, die Mama zu erreichen. Aber es wird alles noch schlimmer. Schon der Versuch, die Mama am Pulli zu ziehen, mündet in wütendes Aufschreien: "Hör auf, gib doch Ruhe!" [...]
Der Achterbahn seiner Gefühle ausgeliefert bräuchte das Kind im Grunde wirklich nur die Bestätigung, dass ihm die Mama noch immer gehört. Praktisch heißt das: Auf diesem Schoß, in diesem Arm habe ich meinen Platz nicht verloren. Hier lande ich immer wieder, besonders dann, wenn ich mich unwohl fühle und von der Mama Trost erwarte. Falls sich die Mutter in dieses Bedürfnis des Kindes hineinfühlt und dementsprechend handelt, beugt sie damit einer möglichen Geschwisterproblematik rechtzeitig vor [Prekop, 2002: 106f]. 
Ich habe also beschlossen, die Aggression und die Regression meiner Töchter als Geschenk anzunehmen. Sie sind der wunderbar direkte Ausdruck ihrer Angst, weniger geliebt zu sein, als das neue Baby. So intensiv drücken sie ihren Schmerz aus, dass ich ihn nicht übersehen kann - ich finde das sehr kompetent von ihnen und danke ihnen von Herzen für diesen Augenöffner. Mit Erkennen ihrer Bedürfnisse bin ich gelassener geworden. Ich schimpfe nicht, ich strafe nicht. Ich bin aufmerksam, ich bin feinfühlig. Ich gebe und gebe und gebe, weil ich weiß, dass sie das dringend brauchen. Es ist nur eine (relativ) kurze Zeit, in der hier der Wahnsinn regieren wird. Denn erfüllte Bedürfnisse verschwinden irgendwann von ganz allein. Unser kuscheliges Einschlafritual haben wir schon wieder, ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Was ist mit euch - kommt ihr mit?

© Snowqueen


 
 

Quellen

 
Prekop, Jirina, Erstgeborene. Über eine besondere Geschwisterposition, 2002, Kösel-Verlag, München

Bildnachweis

Junge auf Wiese: www.foto-fine-art.de  / pixelio.de
zerbrochene Vase: Fiona Wördehoff  / pixelio.de
sprintende Jungen: Marco Kröner  / pixelio.de
Kind mit Puppe: Karina Sturm  / pixelio.de                                  
Zuletzt aktualisiert am 10.05.2015

Kommentare:

  1. Was für ein großartiger Artikel. Großes Lob, sehr toll und detailliert geschrieben. Ich lerne (als Neu-Mama eines 8 Monate alten Sohns) so viel von euch. Besonders wie man auf Wut und Aggression, auch ohne Geschwisterkind, reagiert. Rein aus dem Bauch heraus würde ich nämlich vollkommen falsch reagieren.

    Ich möchte gerne noch mindestens ein weiteres Kind kriegen und finde das Thema daher sehr interessant. Danke für den Input und generell diese tolle Seite. So kitschig das klingen mag, aber die Seite hat einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen, die Mutter zu werden, die ich jetzt bin und die ich immer sein wollte.

    Viele liebe Grüße
    Kristina

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  2. Vielen Dank für diesen großartigen Artikel! Mich würde interessieren ab welchem Alter des großen Kindes man vielleicht mit weniger heftigen Reaktionen rechnen kann. Oder generell, welche Altersspannen eher kritischer und welche eher unkritischer sein könnten. (Das Mama-Bedürfnis nimmt ja doch irgendwann ab, oder?)

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    1. In der Literatur wird dazu geraten, einen Abstand von mindestens 3 Jahren zu wählen. Kürzere Abstände bergen großes Konfliktpotential. Ganz und gar unproblematisch wird es, wenn das große Kind ca. 5-6 Jahre alt ist, dann leidet aber das 'Miteinander-Spielen', denn dann sind die Interessen der Kinder oft zu unterschiedlich.

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    2. Wir haben fast genau 3 Jahre Unterschied zwischen den Kindern, aber wie weiter unten in meinem eigenen Kommentar erwähnt, war die Eifersucht der Großen sehr groß. Ich denke, es kommt immer auch auf das Kind, die Familiensituation und die "Pflegeleichtigkeit des Babys" an.

      LG
      Petra

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    3. Hallo!
      Unsere Tochter ist jetzt 6 Jahre alt und die Geburt des Geschwisterkindes steht kurz bevor. Ich glaube, dass sie eine ganz tolle große Schwester sein wird, dennoch hat auch sie mit ihren 6 Jahren sehr viel Angst davor, was sich alles ändern wird und dass sie nicht mehr die Nr. 1 sein wird. Sie kann das vermutlich schon deutlicher artikulieren, als ein vierjähriges Kind z.B., trotzdem ist es oft sehr anstrengend für mich, mit Phasen des Wieder-Baby-Sein-Wollens oder Konflikten mit ihr umzugehen. Beispielsweise hat sie jetzt das Babybett, dass wir am Wochenende aufgestellt haben, okkupiert und will es nicht wieder hergeben, obwohl es für sie eigentlich zu klein ist und es nicht ihr altes Babybett, sondern ein neues ist und sie bei uns im Familienbett schlafen darf. Von einer Freundin, deren Sohn 5 war, als der kleien Bruder kam, habe ich ähnliches gehört. Er hat z.B. überall in der Wohnung seinen Namen hinterlassen. Daher denke ich, dass es nicht stimmt, dass es mit 5-6 Jahren "ganz und gar unproblematisch" ist.
      Trotzdem hat mir der Artikel die Augen geöffnet, dass ich, gerade weil meine Tochter mir so deutlich sagen kann, was sie sich von mir wünscht, noch stärker versuchen werde, darauf einzugehen. Leider gerate ich oft an die Grenzen meiner Kräfte (und manchmal dann eben auch des Verständnisses oder der Geduld)...
      Vielen Dank für den tollen Artikel, der mich hormongesteuert wie ich gerade bin zu Tränen gerührt hat.

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  3. Hallo!
    Auch erlebe gerade die Situation, dass Kind 3 soeben auf die Welt gekommen ist und Kind 1, aber vor allem Kind 2 sehr eifersüchtig waren.
    Mich würde nun vor allem interessieren, wie es Dir damit geht, den Bedürfnissen aller gerecht zu werden. Wer meiner Meinung nach zu kurz kommt, bist Du. Also, wo bleibt die Mutter? Auch körperlich wäre ich nicht in der Lage, mit Baby vor der Brust, Rucksack auf dem Rücken und 2 Kindern an der Hand auszuhalten.
    Vom schlechten Gewissen mir und dem Baby gegenüber einmal ganz abgesehen.

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    1. Ich habe nicht das Gefühl, zu kurz zu kommen. Wenn ich meine Mädchen um 9 Uhr im Kindergarten abgegeben habe, beginnt meine Freizeit. 4 Stunden sitze ich faul herum, trinke Kaffee und schäkere mit dem Babybub,
      1 Stunde gehe ich einkaufen, 1 Stunde widme ich widerwillig dem Haushalt. Dann hole ich die Mädchen wieder ab und meine Arbeit beginnt. Aber bis dahin habe ich mich ja dann genug ausgeruht. Klar, die Wochenenden sind stressig, doch da sind wir ja dann auch zwei Erwachsene, also geht das eigentlich auch. Ich denke, der echte Stress fängt erst an, wenn alle drei Kinder älter sind und zu verschiedenen Veranstaltungen wollen. Doch bis dahin hat sich ja dann hoffentlich die Entthronungs-Eifersucht gelegt... Ich habe einfach unverschämtes Glück gehabt, dass mein Sohn so ein entspannter Geselle ist.

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  4. Was für ein großartiger Artikel, ich hab ihn regelrecht verschlungen und musste so oft an meinen Löwenjungen denken. Er war etwas über 3 Jahre alt, als der kleine Bruder vor 18 Monaten auf die Welt kam. Bei uns könnte man sagen, hat der Anfang ganz gut geklappt, weil das Winterbaby ein sehr "pflegeleichtes" Baby war, das viel schlief und wenig schrie. Die "Probleme" kommen erst seit einigen Monaten. Mit 11 Monaten konnte der kleine Bruder laufen und jetzt mit 18 Monaten zeigt er natürlich dass er auch alles will was der große Bruder hat und kann. Der große ist eifersüchtig weil der Kleine eben auch richtig ißt, reden anfängt, mit Besteck ißt, also eben "bald nicht mehr das Baby ist". Wir machen grad das meiste von oben mit. Erster sein wollen, blöde Mama, provozieren etc. Es ist extrem anstrengend und wir wissen auch dass es diese Rufe von Aufmerksamkeit sind. Aber manchmal hat man echt auch selber blöde Tage an denen das dann schlechter geht als an anderen Tagen. Ich finde es daher sehr schön und hilfreich zu lesen wie Du das machst. 1000 Dank, das kommt grad echt wie gerufen!

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  5. Wow - ein weiterer toller Artikel!!!! Macht bitte weiter so....!
    Ich erwarte Anfang Dezember unser zweites Kind; unser erster wird dann erst 15 Monate alt sein. Bin mal gespannt wieviel und vor allem was ich dann bei ihm von dem oben beschriebenen wieder finde. Vielleicht hat ja jemand hier schon die Erfahrung gemacht, wie es mit zwei Kindern mit wenig Abstand ist und kann ein bisschen berichten....

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  6. Einfach nur WOW! Das ist ein hervorragender Artikel, der mir sehr die Augen geöffnet hat. Bei uns startet gerade Familienplanung 2.0 und genau über dieses Thema mache ich mir jetzt schon Gedanken, weil ich es bei vielen anderen Familien so erlebe, dass die Großen eben "aus der Reihe tanzen" um an die so ersehnte Aufmerksamkeit zu kommen. Ich denke, da habe ich nun viele neue Aspekte im Kopf, die ich dann, wenn sie irgendwann gebraucht werden, hoffentlich auch im Alltag anwenden kann, damit ich nicht auch zu spät erst realisiere, was hätte anders laufen können.
    Also - noch einmal vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht und die vielen Details deiner Erfahrungen!
    Und ich bin mir sicher, dass du bei deinen Mädels auf dem allerbesten Weg bist, ihr Gefühl, sie wären "unartig" wieder abzustellen. Ihr macht das ganz wunderbar!!! Die wenigstens Kinder haben das Glück so einen tolle Mama zu haben, die sich selbst und das verhalten so refektiert und daraus Handlungskonsequenzen zieht! Weiter so!!! Und nicht vergessen - Fehler gehören genauso dazu - schließlich muss man auch da Vorbild sein. Perfekt ist keiner, aber man kann aus den Fehlern lernen, damit man sie zukünftig nicht nochmal macht!

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  7. Mir fehlt bei diesem Thema die Rolle des Vaters.
    Ist die Geburt des zweiten Kindes nicht eine Chance für den Vater die Bindung zu dem Erstgeborenen zu festigen?
    Es ist mir klar, dass das erste Kind sieht, dass die Aufmerksamkeit der Mutter jetzt mehr beim Baby liegt. Aber kann diese fehlende Aufmerksamkeit nicht durch die Aufmersamkeit des Vaters kompensiert werden?

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    1. Wenn das erstgeborene Kind das als Gewinn ansieht (Nähe zum Vater bekommen) und nicht als Verlust (Nähe zur Mutter verlieren) und dadurch auch die Rufe nach Aufmerksamkeit aufhören, dann ist das eine Lösung, die individuell für Familien passen kann. So wird es ja auch oft in der Literatur vorgeschlagen. Ich persönlich halte es besser, anders herum zu agieren: Dem Baby ist es schlichtweg egal, wer es trägt, wickelt oder auf wessen Bauch es schläft. Wichtig ist, dass derjenige feinfühlig auf die Bedürfnisse eingeht. Das kann ganz prima auch der Vater/die Co-Mutter und stärkt so von Anfang an die Bindung zu dem neuen Erdenbürger. Ich als Mama habe sowieso den Bindungsvorteil durch das Stillen, ich verliere nichts, wenn ich das Kleine oft dem Partner übergebe. Das Baby gewinnt in diesem Fall zwei echte Bindungspersonen, so dass es später dem Vater/der Co-Mutter gegenüber nicht fremdeln wird. Das große Kind profitiert so herum auch, es verliert nämlich nicht die Nähe zu seiner ersten Bindungsperson (in den meisten Fällen ist das ja die Mutter) und muss nicht mit übermäßiger Eifersucht und Verlustängsten reagieren. Nähe zum Vater bekommt es trotzdem, allein schon deshalb, weil das Baby oft an Mamas Brust trinkt. In dieser Zeit kann Papa/Co-Mama dann dem Älteren ein Buch vorlesen oder mit ihm toben. So behält auch das große Kind die Nähe zu beiden Bindungspersonen. Die Kinder werden nicht so sehr aufgeteilt (Erstgeborenes und Papa/Co-Mama, Zweitgeborenes und Mama), sondern die Eltern kümmern sich, je nach Bedarf, um das eine oder andere Kind.

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  8. So, jetzt habe ich ganz viele Stunden gebraucht, um diesen tollen Artikel zu lesen. Ich habe zwar bisher nur eine Tochter, aber die fordert mit ihren 7 Monaten jetzt doch ganz schön viel Aufmerksamkeit. Und da ich zumindest versuchen möchte, eine gute Mama zu sein, muss ich mich wohl des öfteren mal überwinden, mich zu ihr auf den Boden zu legen statt am Laptop zu daddeln... Ich schneid mir da einfach mal ne Scheibe bei dir ab!
    Wenn ich mich recht entsinne, hast du mit den beiden Großen mit Babyzeichen kommuniziert. Ist das nicht auch eine tolle (und vernünftige) Sache, die deine Mädels jetzt dem kleinen Bruder zeigen können?

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    1. Was für eine tolle Idee! Ja, das werde ich in ein paar Monaten wirklich mal ankurbeln.
      P.S. Du hast viele STUNDEN gebraucht, den Artikel zu lesen? Au weia, ich muss mich echt kürzer fassen...

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    2. Ich habe mit meiner Tochter auch Babyzeichensprache gemacht (das habe ich ihr erzählt, da sie nun schon 3 ist) und jetzt ist sie ganz motiviert dies auch für ihren Bruder zu machen und frägt mich immer: "Wie geht das Zeichen für...?" Und für den Kleinen ist es prima, wenn es die Zeichen von beiden vorgemacht bekommt :-)

      LG
      Petra

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  9. Ich wurde immer wieder unterbrochen. Es lag also nicht an deinem Artikel.

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  10. Danke für dieses ausführlichen Artikel. Wir haben so ziemlich alles "durchgemacht" was du oben beschrieben hast. Und ich kann dir da nur zustimmen, was du alles geschrieben hast. Nur in meinem Alltag habe ich das nicht immer (wie ich gerne gemocht hätte) umsetzen können, weil der Alltag, Schlafmangel und auch Überforderung mich packte. Aber ich habe mein bestes gegeben und ich versuche mich auch heute noch an die Punkte erinnern, die du oben aufgeführt hast!

    Auch ich habe mich mit dem Thema Erstgeborene auf meinem Blog beschäftigt:
    http://kleinwirdgross.wordpress.com/2014/02/13/erstgeborene-gerecht-werden-baby-kommt/
    http://kleinwirdgross.wordpress.com/2014/05/26/hilfen-fuer-erstgeborene-im-alltag-ausprobiert/

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  11. Ihr mögt nicht zufällig mal einen Artikel zum Thema "Wie bringe ich einen Sack Flöhe ins Bett?!" schreiben? Die üblichen Tipps mit ruhiger Abendbeschäftigung, Rituale, nicht zu früh und nicht zu spät, kenne ich ja. Trotzdem gleicht das zu Bett Bringen bei uns zur Zeit trotz Stillen und Tragen mehr einem Exorzismus, als einem kuscheligen Tagesausklang.

    Traurige Grüße
    Maria

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    1. Liebe Maria,

      Dein Kind ist etwa 15 Monate alt - oder? Das ist ein ziemlich fieser Schub (64 Wochen), der mich auch an den Rand des Wahnsinns getrieben hat.

      Ganz ehrlich - das ist genau das Thema, bei dem es bei mir eklatante Lücken gibt - ich bin selbst unfähig, mein Kind schnell und zufrieden ins Bett zu bringen. Gestern hat die Einschlafbegleitung 90 Minuten gedauert - und er ist 2 Jahre und 7 Monate alt :-(.

      Es wird besser - irgendwann...

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  12. Lieben Dank
    Hier ist das Hauen und beissen ein riesen Problem. Luca wird 3 und die kleine 13 Monate. Ich werde deine Tipps befolgen und dann berichten :)

    Lg

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  13. Was für ein überaus wunderbarer Beitrag. Ich bin ganz geflased von der ganzen Wahrheit darin. Versuche, alles so zu machen und verzweifle an mangelnden Kapazitäten. Es beschränkt sich beim Baby auf Abpumpen, Füttern und weglegen (was mir das Herz bricht), aber für meine Große sind die 95 Prozent Aufmerksamkeit, die ich ihr (auch am Ende meiner Kräfte, nach gut zwei Jahren Schmerzkatastrophe der Großen, also seit Lebensbeginn, und nach Baby auf der Intensivstation) gebe, immer noch zu wenig. Sie fordert 150 Prozent. Ich zerreiße mich schon, und doch kann ich mich einfach nicht zerreißen...

    Liebe Grüße
    123frei mit 3 Wochen altem Baby und 2,5-jähriger Tochter, die unter einer chronischen Schmerzstörung leidet

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    1. Och Mensch, du Arme! Nee, zerreißen kann man sich nicht als Mama, auch wenn man sich manchmal wünscht, dass man es könnte. Deine Große hat aber auch nun schon wirklich viel durch, ich kann gut verstehen, dass sie weiterhin 150 Prozent möchte. Ich denke, ihr werdet euch mit der Zeit zurechtruckeln als Familie. Die Entthronung ist für unsere Großen eine wahnsinnige Lebens-Krise - wird sie bewältigt, wachsen sie daran. Sie wird lernen, mit deinen 95 Prozent Aufmerksamkeit auszukommen und doch muss dieser Verlust betrauert werden. Gib ihr die Zeit, zu trauern und zeige Verständnis - ich denke, das tust du schon. Mehr ist menschlich nicht möglich! Pass gut auf dich auf. Beide deine Kinder brauchen dich noch eine Weile, also gib Acht, dass du auch Auszeiten hast.

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  14. Hallo,
    ich finde den Beitrag auch einfach toll. Wirklich! Wir haben zwei Söhne (3 3/4 J. und 13 Monate). Der große kann einen wirklich in den Wahnsinn treiben. Vieles finde ich auch hier im Beitrag wieder. Für mich stellt sich allerdings die Frage: Wieso gibt es heutzutage so viele verhaltensauffällige Kinder? Früher wurde sehr autoritär erzogen (was ich nicht befürworte, schon gar nicht mit Handgreiflichkeiten). Heutzutage wird immer mehr versucht, antiautoritär zu erziehen, aber es gibt immer mehr "Tyrannen". In der Berufswelt wird auch nicht antiautoritär geleitet. Wenn der Chef sagt, so wird's gemacht, hat man das zu befolgen, ansonsten gibt es Konsequenzen.
    Wie kann ich mein Kind so erziehen, dass es "sich auch was sagen/verbieten" lässt, ohne es ständig aus der Situation rauszunehmen? Verstehen Sie, was ich meine?
    Ich will gerne meine Kinder absolut antiautoritär erziehen... will aber auch, dass sie später in der Berufswelt klar kommen und auch, dass sie von anderen Kindern/Mitmenschen gern gehabt werden. Was eben auch nur geht, wenn sich Kinder ein Stück weit "anpassen" können.
    Das ist die einzige Angst, die ich habe: Ich lasse mein Kind machen, strafe nicht, aber in der Gesellschaft kommt es irgendwann nicht mehr klar...
    Können Sie mir diese Angst nehmen oder erklären, wie ich das am besten handhabe?
    Liebe Grüße

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    1. Hallo,

      zu dem Thema Tyrannen gab es im September einen Artikel in der Zeit:

      http://www.zeit.de/2014/38/kindheit-deutschland-erziehung

      Es ist gar nicht so, dass es immer mehr Tyrannen gibt. Nur lässt sich halt mit der Warnung davor gutes Geld verdienen. Ich fand den Artikel sehr interessant. Vielleicht beruhigt er dich ja ein bisschen...

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  15. Hallo,
    Ich wollte schon die ganze zeit DANKE sagen für diese tolle Seite. Sie hat meine Familie und mich quasi gerettet :-)
    Mein großer Sohn drehte nach der Geburt des kleinen zunehmend mehr am Rad, schlug, beschimpfte mich...ich wurde immer gereizter und abgewandter...und verzweifelte immer mehr weil ich nicht wusste was ich machen soll.
    bis ich diese Seite fand :-) seitdem ich das Projekt 150% Aufmerksamkeit fahre ist es wieder schön bei uns. Der große ist wieder gut zu haben, schläft wieder normal, mir geht's wieder gut. 1000 dank!!!!

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    1. Oh wie wunderbar! Ich freue mich, dass es bei euch so gut gewirkt hat! Vielen Dank, dass du es mir erzählt hast- solche Erfahrungsberichte motivieren mich immer ungemein.
      LG, snowqueen

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  16. Ein ganz wunderbarer Artikel! Er ist mit so viel Liebe, Ehrlichkeit und Sachverstand geschrieben, dass ich bis zu Ende lesen musste, obwohl mich das Thema gar nicht betrifft. Super gemacht und bestimmt eine große Hilfe für alle die, die ihr zweites Kinder erwarten oder gerade bekommen haben.

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  17. Herzlichen Dank für diesen Artikel!
    Mein Großer ist 20 Monate alt und ich habe das Gefühl, dass seine Welt zusammengefallen ist. Sein Brüderchen ist 10 Wochen alt. Es ist nicht einfach Es beiden recht zu machen. Aber ich gebe mein Bestes.

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  18. Danke für diesen artikel... Konnte kaum lesen mit so vielen tränen in den auge... so vieles habe ich in den letzten 15 wochen falsch gemacht mit meiner grossen seit der geburt vom kleinen bruder... Sie war schon immer ein extremes mami baby und ich habe ihr so viel zu viel zugemutet und sie um ihre aufmerksamkeit betrogen.... Mein herz zerreisst wenn ich nach diesem text darüber nach denke..
    Und die letzten 2 wochen waren die hölle, nur schimpfen und provozieren und noch mehr schimpfen.. Hoffe ich kann den teufelskreis durchbrechen.und habe die kraft meiner kleinen maus ihren schmerz zu lindern...

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  19. Danke! Danke, danke, danke, danke... Oh, wie mir eure Artikel immer und immer wieder ein Stückchen mehr die Augen öffnen... (Genauso oft, wie meine Große seit dem wieder mit im Familienbett schlafen darf!)

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  20. Danke danke danke danke. Die Enthronung des Prinzen - ich hatte nicht mal alle "Symptome" bemerkt. Ehrlich, von Herzen , vielen dank!

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  21. Vielen Dank für diesen Artikel! Tut gut zu lesen, dass auch andere Muttis kämpfen und dass es einfach anstrengend ist. Bewundernswert, wer stets die Nerven bzw die Ruhe und Umsicht bewahren kann.

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  22. Vielen herzlichen Dank für diesen so tollen und hilfreichen Artikel!
    Ich habe eine Frage : unser Bub (2.5 Jahre) ist seit der 38. SSW bis nun zur 8. Woche nach Geburt der kl. Schwester zum 4. Mal mit einwöchig dauernder Angina krank. Er behandelt seine Schwester entzückend und ich versuche auch, mich ganz viel um ihn zu kümmern... Aber irgendwie kommen wir da nicht raus. Er geht auch weiterhin prinzipiell gerne in seine Kinderkrippe. Alles in allem glaube ich, eine große Ambivalenz plagt ihn. Reden will er kaum über das Thema Schwester. Was sagen Sie denn zum Thema "häufiges kranksein" als Reaktion?
    Danke!

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    1. Liebe Anonym- ja, das gibt es tatsächlich. Es ist eine unbewusste 'Strategie', um vermehrte Versorgung durch die Eltern zu erzwingen. Da es unbewusst ist, kann das Kind aber auch nichts dagegen tun. Ihr müsst für ihn da sein. LG, snowqueen

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  23. Hallo,

    sicherlich ein interessanter Artikel. Ich sehe ihn aber eher kritisch, da aus einem sehr subjektiven Blickwinkel heraus auf große Zusammenhänge geschlossen wird.
    Aspekte, wie der Vater, Umwelteinflüsse, Soziale Einflüsse etc. sind nicht oder nur schemenhaft angeführt.

    Schade, denn bei der Ausbildung und Berufserfahrung der Autorin denke ich, dass Erkenntnisse basierend auf Untersuchung, die einem wissenschaftlichen Standard entsprechen, möglich sind.

    Sicherlich ist es wichtig zu vermitteln, das andere Leute gleiche Probleme habe (Grundgedanke von Selbsthilfegruppen) allerdings sollten Ratschläge in Erziehungfragen ernsthaft erarbeitet und auch validiert werden, bevor sie publiziert werden.

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    1. Vielen Dank für deinen kritischen Kommentar. Ich werde mir deine Anmerkungen zu Herzen nehmen und meine Thesen zukünftig in groß angelegten Studien validieren, wenn das die anderen Autoren der auf dem Markt befindlichen Ratgeberbücher dann ebenfalls tun. Allerdings kann ich das erst machen, wenn dieser Blog hier genügend Geld abwirft, so dass ich meine Arbeit als Sonderschullehrerin an den Nagel hängen kann.
      Mit dankbaren Grüßen, snowqueen

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    2. Auch ich möchte mich von Herzen bei euch für diesen und alle anderen Artikel bedanken, ich lese euren Blog seid zwei Jahren, ich bin kurz nach der Geburt unseres Sohnes darauf gestoßen und habe schon viele Artikel lachend und weinend und manchmal beides gleichzeitig gelesen. Ich hatte auch das Buch "Oh je, ich wachse" geschenkt bekommen auf das ihr euch auch bezieht, aber da fehlte mir die eigene Erfahrung und vor allem das Gefühl nicht allein zu sein wenn ich mich gefragt habe, warum ich bloß um alles in der Welt ein Kind wollte ;-) Wir haben aber wirklich Glück mit unserem Sonnenschein, er ist total fröhlich und ausgeglichen und zeigt uns meistens nur die Sonnenseiten des Lebens. Ich wurde sehr streng erzogen und war zu Hause immer die schlimme Tochter, wenn ich etwas angestellt habe wurde ich mit Liebesentzug und Stubenarrest bestraft... Ich hätte lieber einen Klaps auf den Hintern und dann einen Kuss gekriegt. Diese Art der Erziehung wollte ich meinem Sohn ersparen und bin glücklich eure Seite gefunden zu haben, ich kann mich mit eurer Sicht der Dinge identiidentifizieren und fühle mich sehr wohl bei der Art der Erziehung.. Es fühlt sich einfach richtig an und ist eigentlich so einfach, auch wenn ich sagen muss das ich doch oft innehalten muss weil ich instinktiv anders reagieren will. Leider liest mein Mann euren Blog nicht und so kommt es immer mal zu Diskussionen, aber ich werde ja durch das Verhalten unseres Sohnes in meiner Meinung bestärkt. Unsre Familienplanung hat zur Zeit den Status was kommt das kommt, deshalb war auch dieser Artikel so interessant für mich und hat mir mal wieder die Augen geöffnet wie einfach zu verstehen unsere Kinder eigentlich sind wenn wir bereit sind ihnen richtig zu zuhören.

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  24. Erstmal muss ich sagen, dasd der Bericht echt gut ist. Mir persönlich fehlt auch die Rolle des Vaters, gerade da mein Mann mich aktuell mit 4 Wochen Elternteil unterstützt. Abgesehen davon hätte ich gern gewusst, wie alt deine Kinder sind. Dann könnte ich das Ganze besser auf unsere Tochter projezieren.

    Nun zu unserem Problem - Wir sind vor 3,5 Wochen zum 2. Mal Eltern geworden.
    Unsere Große wird im November 4. Seit ein paar Tagen kommt ihre Eifersucht - zum Glück nur uns gegenüber - durch. Sie provoziert, erst nur tagsüber. Das gaben wir mittlerweile im Griff und nun beginnt sie, wenn sie ins Bett soll.
    Sie hört nicht, macht nichts, was sie soll und guckt einen dabei mit einem fiesen Grinsen an. Egal ob Mama oder Papa. Wenn sie dann endlich um Bett ankommt, lesen und kuscheln (sofern das ohne Rumhampeln klappt) trotzdem noch. Das Kuscheln wird dann aber wieder zum Geschrei, weil sie nicht kuschelt, sondern versucht sich hinzusetzen oder durchs Bett zu toben. Wenn wir dann rausgehen, weil die Kuschelzeit vorbei ist, gibt es nur Geschrei und sie kommt aus ihrem Bett und aus dem Zimmer.
    Was können wir tun??

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    1. Liebe Nicole,

      die Rolle des Vaters ist einfach: Er nimmt das Baby so oft er kann ins Tragetuch. Er wickelt es, er kuschelt mit ihm, er bringt es dir zum Stillen. Wenn du stillst, spielt der mit dem großen Kind. Er kocht. Er wäscht. Er räumt auf. Allerdings werden die meisten Männer auf der Arbeit sein, so dass die Mutter, wie ich auch, den größten Teil der Zeit selbst wuppen muss.

      Meine Töchter waren 3,5 Jahre alt, als ihr Bruder geboren wurde. Habe ich das im Text wirklich nicht geschrieben? Dann muss ich das unbedingt ergänzen. Danke für den Hinweis.

      Was ihr tun könnt, habe ich im Text ausführlich erklärt. Es geht eurer Tochter nicht um das Zubettgehen, sondern sie hat das Gefühl, im Alltag zu kurz zu kommen. Daher könnt ihr nur das tun: Ihr müsst ihr sehr, sehr , sehr viel Zeit widmen. Spielt mit ihr, lest ihr vor, kuschelt sie. Den ganzen Tag, immer wieder. Nicht eine Stunde am Stück, sondern immer wieder kontinuierlich über den Tag verteilt. Dann legt sich das Problem beim Einschlafen ganz von selbst. Ihr solltet in jedem Fall vermeiden, sie in dieser ersten Zeit (mindestens 3 Monate) für ihr Verhalten zu strafen oder zu schimpfen. Sie sagt damit nur, dass sie unglücklich ist. Sie kann es nicht anders ausdrücken.

      Guck auch, welcher Aufmerksamkeitstyp deine Tochter ist - wir haben dazu einen Artikel im Blog, in dem wir das näher beschreiben. Denn wenn sie zum Beispiel ungerne kuschelt, musst du andere Wege finden, ihr Aufmerksamkeitsdefizit aufzufüllen. Ganz neu im Blog ist auch ein Artikel über das "Freche Grinsen", das sie abends zeigt. Auch diesen könntet ihr euch durchlesen.

      Haltet durch - so eine Entthronung ist ein langer, schmerzhafter Prozess. Er kann euch enger zusammenschweißen oder er kann euch auseinanderbrechen.

      Liebe Grüße, snowqueen

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  25. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Er hat mir wirklich die Augen geöffnet und mir geholfen wieder auf den richtigen Weg zu finden im Umgang mit meiner Erstgeborenen.
    Aktuell bin ich dabei meine grossen Fehler gegenüber ihr wieder gut zu machen, erste Erfolge kann man schon erkennen. Nun bräuchte ich aber nochmal Ihre Hilfe.
    Meine grosse Tochter Paula ist dreieinhalb Jahre, vor vier Monaten kam ihre Schwester zur Welt.
    Anfangs war es sehr stressig für alle weil wir in dieser Zeit auch umgezogen sind (aber nur 5 km weiter in den Nachbarort). Paula bekam innerhalb der letzten Monate wirklich zu wenig Aufmerksamkeit.
    Aber sie hat es noch einigermassen gut weggesteckt.
    Die grosse Wende kam erst als sie vor 5 Wochen in den Kindergarten kam.
    Am ersten Tag schickte sie mich nach zwei Stunden nach Hause und meinte sie schafft es alleine. Das hat zwei Tage gut funktioniert bis es eine neue Tischordnung gab und sie von ihrer Freundin getrennt wurde, die sie schon lange kennt.
    Ab da war es immer sehr wackelig, mal ging sie gerne in den Kiga, mal gab es beim Abgeben grosse Probleme, weil sie sich an mich klammerte und sie nur mit Gewalt von der Erzieherin von mir getrennt werden konnte.
    Ich forderte in einem Gespräch, auch mit der Leitung eine richtige Eingewöhnung, die meine Tochter ja nie hatte.
    Davon wollten sie im kiga aber nichts wissen, weil es ein Rückschritt wäre, sie versprachen aber sich vermehrt um meine Tochter zu kümmern.
    Dies klappte einigermassen einige Wochen, unter anderem mit Versprechungen, dass ich sie vor den Mittagessen wieder hole ( Mittagessen geht überhaupt nicht dort). Seit zwei Wochen, funktioniert die Trennung in der Früh immer schlechter. Es geht schon nach dem Aufstehen los, sie sagt mehrmal dass sie nicht dort hin möchte. Sie schreit und klammert beim abgeben, rennt weg, steigt nicht ins Auto... Ich hab sie deswegen schon ab und zu daheim gelassen oder sie auch wieder mit nach Hause genommen.
    Die Erzieherin sagt, dass sie sich sobald ich weg bin schnell beruhigt und spielt.
    Gleichzeitig gingen die Probleme daheim los, sie zeigt deutlich fast alle Symptome wie oben im Artikel beschrieben. Sie
    braucht eindeutig meine Aufmerksamkeit und wir arbeiten auch schon daran. Sorgen macht mir auch weil Sie ihre Fingernägel abzupft bis sie fast schon bluten und ihr Selbstbewusstsein stark abgenommen hat seitdem sie im kiga ist. Was ich mit dem kiga machen soll weiss ich momentan nicht.
    Ist es nur Anpassung dort und sie bricht deshalb bei problemen im kiga zusammen, also aufgrund der schlechten Eingewöhnung? Oder ist das Hauptproblem die Entrohnung und sie hat Probleme beim Abgeben weil sie weiss dass ich jetzt mit dem Baby wieder heim fahre.
    Ist es dann wirklich so verkehrt sie wieder mit heim zu nehmen, wie die Erzieher sagen?
    Eigentlich möchte ich dass sie in den Kiga geht und laut Erzieher geht es ihr dort gut.
    Vielleicht haben Sie ein paar Tips wie ich ihr das Ablösen in der Früh erleichtern kann?

    Vielen vielen Dank schonmal

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    1. Liebe Petra, das klingt sehr stressig für euch alle. Im Prinzip muss eure Tochter ja nicht nur eine Krise durchlaufen (die Entthronung), sondern noch eine zweite (Umzug)und dritte (Kindergarten neu). Das ist schon ganz schön viel für sie. Aber es geht ja nun mal nicht zu ändern. Ich vermute ganz stark, dass ihre Probleme mit dem Kiga tatsächlich daher rühren, dass sie weiß, dass du dann mit dem Baby nach Hause gehst und ihr zwei Exklusivzeiten habt, während sie "abgeschoben" wurde.

      Die Entscheidung, ob du sie nochmal aus der Kita rausnimmst, oder nicht, kann ich dir nicht abnehmen. Du kannst das Abgebedrama so hinnehmen und versuchen, ihr Aufmerksamkeitsdefizit im Rest der Zeit vermehrt aufzufüllen. Das wird harte, harte Arbeit und sicherlich eine Weile dauern. Hast du es geschafft, wird auch die Ablösung früh einfacher. Oder du nimmst sie raus und kannst dich den ganzen Tag um beide Kinder kümmern. Dann fällt die Eifersucht wegen der Exklusivzeit weg, aber du hast keine Auszeit mehr und hast dann sicher dünnere Nerven.

      Eine schwere Entscheidung! Viel Glück,snowqueen

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  26. Der Artikel ist wirklich super - für die Mutter!
    Ich als Vater bin aber leider etwas in der Zwickmühle.
    Mein Großer war schon immer ein "Mutter-Kind" und ich konnte leider bis heute nicht wirklich zu ihm durchdringen und hab teilweise sogar das Gefühl er hasst mich - und das leider schon als er noch ein Baby war.
    Bereits als meine Frau zur Rückbildungsgymnastik ging konnte ich ihn nicht beruhigen geschweige denn ins Bett bringen.
    Jetzt geht es mittlerweile, aber nur wenn wir ohne die Mammi sind. Dann verstehen wir uns zu 80% wirklich gut.
    Sobald die Mutter jedoch in der Nähe ist heißt es nur noch: "Geh weg, ich will dich nicht sehen, das darfst du nicht, etc..." Er haut mich, beisst mich und ich weiß nicht was noch alles...
    Wenn ich also dann zuhause bin, kümmere ich mich um den Kleinen und die Mammi um unseren Grossen - soweit neben der anfallenden Hausarbeit möglich (bei der ich natürlich mithelfe).
    Die Wutanfälle häufen sich aber in letzer Zeit so sehr, dass meine Frau und ich schon ganz verzweifelt sind und nicht mehr weiter wissen. Ich würde ja gerne tiefer zu unserem Grossen durchdringen aber er will nur zur Mammi, vor der er sich aber auch nicht wirklich trösten läßt. Da ich mich mehr oder weniger eigtl. immer um unseren Kleinen kümmere dass meine Frau mehr Exclusive-Time mit dem Grossen hat, hatte ich gehofft, der Eifersucht aus dem Weg gehen zu können. Ich würde natürlich auch gerne auch mehr Zeit mir dem Grossen verbringen und unternehmen - aber mir scheint er will das nicht! Wenn aber nicht mal meine Frau ihn beruhigen kann - was dann?
    Was kann ich als Vater denn machen, dass mein Grosser auch zu mir will?

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    1. Entschuldige! Dein Kommentar ist mir damals durchgerutscht! Dass dein Großer dich scheinbar ablehnt ist gar nicht so ungewöhnlich. Das geht echt vielen Vätern so (und manchen Müttern) - es hat mit der Bindungshirarchie zu tun. Wir haben einen ganzen Artikel dazu geschrieben: 'Wenn das Baby den Vater ablehnt'. Such mal danach. So, wie ihr es macht, ist es eigentlich gut: Du kümmerst dich ums Baby und deine Frau gibt eurem Großen Sicherheit. Erst, wenn die Entthronugskrise überwunden ist, hat er wieder emotionale Kapazitäten, um sich dir zuzuwenden. Aber im Moment schreit sein Inneres danach, so oft wir möglich so nah wie möglich bei seiner Bindungsperson Nummer 1 zu sein. Es ist schwierig, als 'Nummer 2' nicht daran zu verzweifeln, so abgelehnt zu werden. Ich weiß, wovon ich spreche. Doch wenn du dich nicht von ihm zurückziehst, werdet ir euch mit der Zeit annähern. Nämlich dann, wenn die enge Bindung zur Nummer 1 evolutionsbiologisch nicht mehr vonnöten ist.
      Viel Glück euch!
      Snowqueen

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  27. Hallo,

    ich habe mit Begeisterung deinen Artikel verschlungen. Wir durchleben nämlich schon sehr lange diese Zeit - leider hat es sehr lange gedauert, bis es bei mir Klick gemacht hat und ich erkannt habe, dass es meiner Großen (jetzt 4) um Aufmerksamkeit geht. Ich habe nun etwas Angst, dass wir schon zu spät sind, um noch die Kurve zu bekommen. Wir haben die letzten Monate immer wieder so auf die (von uns nicht erkannten) Hilferufe unserer Großen reagiert, wie du sagst, das man es nicht soll. Ich will das gar nicht. Sie ins Zimmer zerren. Sie anschreien. Aber ich bin leider sehr schnell an meiner Grenze bzw. darüber hinaus, bin sehr schnell überfordert.
    Es gibt vor allem zwei Situationen, die immer wieder eskalieren. Vielleicht hast du da ja einen Tipp für uns.
    1. Der kleine Bruder (jetzt 19 Monate) macht etwas, das wir ihm verbieten. Die Große geht hin, lacht und macht das selbe auch. Wir werden wütend.
    2. Der kleine Bruder will irgendwas haben bzw hat irgendwas. Prompt will die Große das auch. Manchmal gelingt mir ein Kompromiss, manchmal nicht. Und dann eskaliert.

    LG
    Melanie

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    1. Liebe Melanie, es ist nie zu spät zum Kurve kriegen, sie ist dann halt nur etwas länger. Das heißt ihr müsst eurer Gr0ßen jetzt länger Aufmerksamkeit schenken, bis es wieder besser wird. Bitte gebt nicht nach kurzer Zeit schon wieder auf, ja? Ihr müsst jetzt 19 Monate nachholen - da wird sich ihr Verhalten nicht von heute auf morgen ändern. Aber ich verspreche dir, dass, wenn ihr Aufmerksamkeitsdefizit aufgefüllt ist, es wirklich, wirklich besser wird. Hast du schon herausgefunden, welcher Aufmerksamkeitstyp sie ist? Da gibt es einen extra Artikel dazu, lies den mal.

      Der Schlüssel zur Verbesserung eurer Situation liegt wirklich darin, sich ihr so oft wie möglich immer für kurze Perioden zuzuwenden am Tag. Nicht einmal am Tag für eine Stunde was Schönes machen, sondern lieber alle 10 Minuten ein kurzes Buch lesen oder sie auf den Schoß zum Kuscheln nehmen, oder ihr die Haare flechten oder so - was sie halt mag. Ich habe in einem Artikel beschrieben, wie ich das mache, mit dem Aufmerksamkeits-Geben bei meinen drei Kindern. Er heißt "Der Morgen im Hause Snowqueen". Da kannst du nachlesen, dass ich immer im Blick habe, welches Kind welches Bedürfnis hat (Kuscheln, Nein sagen dürfen, Hilfe...)und ich im Laufe des Morgens immer wieder kurz jedem Kind dieses Bedürfnis erfülle. So in etwa solltest du das bei deiner Tochter und deinem Sohn auch versuchen. Wenn nämlich die persönlichen Bedürfnisse erfüllt werden, kommt es weniger dazu, dass die Kinder eifersüchtig auf das schielen, was das Geschwisterkind hat. Das wollen sie nur als Ersatz für die Leere in ihrem Inneren, die das Aufmerksamkeitsdefizit verursacht. Im Prinzip wollen sie nicht das Spielzeug, sie wollen Mama. Das ist ihnen aber nicht bewusst.

      Liebe Grüße, snowqueen

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  28. Hei, ich bin Vater von einer vierjährigen Tochter und einem dreijährigen Sohn, und lebe mit meiner Frau in Skandinavien. Alle im Artikel beschriebenen Reaktionen und Verhalten habe ich schon erlebt - ich mag deinen Artikel - muss aber sagen dass ich über die ersten Entwicklungsstufen meiner Kinder viel viel mehr gelesen habe..auch mit viel mehr Interesse. Seit die Kinder kommunizieren und laufen passiert viel Erziehung aus dem Bauch heraus.

    Wenn mir oder meiner Partnerin einmal die Nerven durchgehen sind es oft wir selbst die nach einem Wortgefecht oder einer Strafe am längsten daran zu knabberrn haben - (War man zu laut? War man zu streng? Was denkt das Kind jetzt von mir?..)

    Die Kinder sind mir sehr wichtig - ich empfinde Stolz und habe Spass wenn ich beobachte wie sie sich Entwickeln. Um beiden wirklich gerecht zu werden nehme ich mir oft die Zeit und mache einen Ausflug oder ein kleines Abenteuer nur mit ihr/ihm..

    Eltern erwarten viel von Ihren Kindern - Kinder erwarten nur Liebe.

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    1. Hej! Vielen Dank für deinen schönen Kommentar! Deinen letzten Satz möchte ich mir am liebsten auf den Arm tätowieren lassen - er ist so wahr!
      LG, Snowqueen

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  29. Ich habe bei euren Artikeln - und das war wirklich bei jedem bisher so - immer früher oder später diesen Moment, an dem mich irgendein Satz so hart trifft, als hätte mir jemand eine Backpfeife gegeben. Dann sitze ich da, lege eine Hand vor die Augen und denke "Du Trottel. Natürlich, das war's... Und du hast es nicht kapiert..." Vielleicht lese ich vorsorglich besser alle Artikel, damit ich nicht immer erst die Situation verkacke und mich DANN einlese ;-)

    Mein Baby ist jetzt 6 Monate alt, der große Bruder 25 Monate. Der abstand von nur 19 Monaten ist ohnehin eine Katastrophe, aber die Entthronung und Eifersucht, die parallel zum Start der Autonomiephase begann und das noch begleitet von den letzten 4 Backenzähnen... Ja. Kann man sich denken. Aktuell ist er fast wieder ähnlich drauf wie kurz nach der Geburt, damals habe ich uns alle mit eurem Artikel über den Umgang mit Wut durch diese "Phase" gelotst. Doch jetzt war ich wieder auf der Suche nach Antworten, denn im Moment macht er doch sehr stark durch schlechtes Benehmen auf sich aufmerksam. Jetzt weiß ich auch warum ;-) Dieser Artikel in Kombination mit dem über die verschiedenen Arten, den Liebesspeicher aufzufüllen und meinem Kind Aufmerksamkeit zu schenken, liefern mir wieder viele Antworten. Ab morgen wird das gelöst. Ich danke euch, immer mal wieder!

    Liebe Grüße,
    Kathrin

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    1. Liebe Kathrin, vielleicht tröstet dich der Gedanke, dass ich ganz genauso immer erst einmal Fehler mache, ganz klassisch. Und nach einer Weile feststelle: "Nee, so geht das nicht. So sind wir alle unglücklich in der Situation." Erst dann kann ich das Verhalten analysieren, verstehen und einen anderen Weg suchen. Meine Kinder wachsen also wie deine auf - ich mache genauso viele Fehler wie du. Das ist für meine Kinder vielleicht nicht so prickelnd, aber immerhin lerne ich dadurch viel hinzu. Und ihr mit mir! Es ist halt nicht so leicht, einen Weg zu gehen, den noch nicht so viele Eltern vor uns gegangen sind. An wem soll man sich orientieren?

      Liebe Grüße, snowqueen
      P.S. Der Altersabstand bei deinen Kindern ist aber auch ne harte Nuss! Puh!

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    2. Hey,
      ich hab euren Blog erst vor Kurzem entdeckt, unser Großer ist in letzter Zeit ganz furchtbar grob. Jetzt les ich mich grad quer durch eure Artikel und komm immer wieder auf Sachen, die ich bei ihm ganz offensichtlich komplett falsch verstehe. Zum Glück fühl ich mich aber auch durch euch bei vielen Ansätzen von mir bestätigt ^^

      Zu diesem Artikel stellen sich mir jetzt aber einige Fragen.

      Meine zwei Söhne sind 13 Monate auseinander, wir wollten einen kurzen Abstand (so kurz hat uns dann allerdings selbst überrascht xD)
      Ich hatte das Gefühl, dass sich unser Großer sehr über seinen Bruder gefreut hat. Er war super liebevoll, ganz fürsorglich und bemüht. Ich war ssssoooo stolz auf ihn. Eifersucht gab es einfach gar nicht.
      Mittlerweile sieht es aber oft ganz anders aus, der Kleine ist jetzt bald 10 Monate, der Große 23.
      Unser kleiner Sonnenschein ist an allem dran, nur hinter seinem Bruder her und auch schon sehr mobil. Und der große Bruder hasst es, alles ist auf einmal NEIN oder AU, er stößt ihn um (oder er liebt ihn so toll, dass er ihm dabei weh tut, aber auch da ignoriert er mich total). Er provoziert uns, haut, verteilt Kopfnüsse und reißt mich ganz fest an den Haaren.
      Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich es ihm mit nichts mehr recht machen kann.

      Könnte es sein, dass seine Entthronung erst jetzt passiert? Da ich jetzt soviel auf seinen kleinen Bruder achten muss, der Kleine so großes Interesse an seinem Spielzeug zeigt oder auch weil der kleine Mann nun auch immer mit uns mitisst???
      Oder ist es einfach nur eine Phase?
      Habt ihr noch irgendwelche Ratschläge, oder auch Artikel die ich zuerst lesen sollte?

      Ich werd halt morgen mal versuchen ihm noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Und auch abends beim Schlafen gehen seine groben Zärtlichkeiten anders anzunehmen. Im Moment verlass ich nach dem dritten oder vierten mal das Zimmer (da lieg ich meistens eh schon über eine stunde bei ihm), da es mich einfach so zornig macht und er dann immer schnell und ganz ohne Probleme einschläft. Aber ich hasse es jeden Abend im "Schlechten" mit ihm auseinander zu gehen und auch, dass er jetzt schon von vielen Seiten als grob, unerzogen oder böse abgestempelt wird (zb die lieben Urlis und Großtanten). Ich möchte einfach nicht, dass er in diese Ecke gestellt wird.

      Liebe Grüße, und vielen, vielen Dank für eure tollen Artikel
      Manu

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    3. Hey,
      ich habe erst vor Kurzem euren Blog entdeckt und ich liebe ihn jetzt schon!
      Ich lese mich gerade quer durch eure Artikel, da unser Großer in letzter Zeit ziemlich grob ist.
      Zu diesem Artikel hab ich nun einige Fragen.
      Unser großer Schatz ist jetzt 23 Monate, sein kleiner Bruder bald 10 Monate alt. Anfangs gab es überhaupt keine Probleme, ich hatte sogar das Gefühl, dass er sich sehr über seinen kleinen Bruder freute. Sie haben sich gegenseitig angehimmelt, er hat auf ihn aufgepasst, war total fürsorglich und bemüht. Wir waren so stolz auf ihn!!! Eifersucht gab es einfach nicht und ich hatte schon geglaubt, dass wir dieses Problem einfach auslassen xD
      Seit ein paar Wochen sieht alles ganz anders aus. Er haut, reißt mich an den Haaren und verteilt Kopfnüsse. Zum Glück macht er das nur bei uns Großen. Er provoziert wo er nur kann (durch eure Artikel, weiß ich jetzt zumindest schon ganz sicher, dass es nicht nur Grenzen austestet ist -> die Ansicht hat zb meine Oma, sie hält gar nichts von bedürfnisorientierter Erziehung -.-)
      Aber auch egal was unser kleiner Sonnenschein angreift, momentan ist beim Großen alles AU, NEIN oder MEINS. Er stößt ihn jetzt auch oft um. Manchmal aus Spaß (der Kleine lacht leider oft drüber), oft auch zur Verteidigung seiner Spielsachen.

      Kann es sein, das seine Entthronung erst jetzt stattfindet?
      Weil der kleine jetzt so mobil ist und ich deswegen viel mehr Aufmerksamkeit für ihn brauche?
      Unser Sonnenschein nur hinter den Sachen des großen Bruders her ist und natürlich auch immer genau das selbe Spielzeug will (umgekehrt natürlich genauso)?
      Der Kleine jetzt auch mit uns mit isst?

      Es ist eigentlich ziemlich egal um was es im Moment geht, ich hab zur Zeit oft das Gefühl, dass ich ihm überhaupt gar nichts mehr recht machen kann. Es war schon oft recht schwierig mit ihm, beim Kleinen geht vieles soviel leichter.
      Wir hatten ein ganz tolles zu Bett gehen, aber im Moment klappt auch das gar nicht. Egal ob ich oder sein Papa mit ihm schlafen gehn, irgendwann haut, reißt,... er uns. Wir verlassen dann immer das Zimmer und er schläft immer gleich ein. Aber ich hasse es, dass wir fast jeden Abend im "Schlechten" auseinander gehen. Genauso fürchte ich mich davor, dass er jetzt bald von allen nur mehr so behandelt wird. Bei meiner Oma heißt es schon ständig, dass er so ein Lauser, so schlimm, so ungezogen,... ist. Ich möchte einfach nicht, dass er in diese Ecke gedrängt wird. Nur weiß ich gar nicht recht, was ich noch tun soll. Vielleicht kennt das ja sonst auch noch jemand, oder ihr habt Artikel die jetzt gerade sehr gut passen. Beißen, hauen,... hab ich schon gelesen.
      Ich werde halt morgen versuchen ihm noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken und mich von seinen groben "Zärtlichekeiten" nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

      Liebe Grüße aus Österreich und vielen Dank für euren tollen Blog :-)
      Manu

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    4. Sry, jetzt ist es doppelt. Beim ersten posten hat es mir einen Serverfehler angezeigt. Deswegen hab ichs dann nochmal geschrieben :-p
      Liebe Grüße
      Manu

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    5. Lieber Manu, ja, definitiv kann es sein, dass die Entthronung erst später kommt. Wenn das Baby noch viel rumliegt und schläft, empfinden es manche Geschwisterkinder nicht als Konkurrenz. Erst, wenn es dann krabbelt und an Spielzeuge geht, wird die Eifersucht groß. Insofern hast du das schon ganz richtig interpretiert.

      Letzten Endes hilft nur, ihn ruhig und ohne schimpfen vom kleinen Bruder wegzuholen. Dein "Großer" ist noch wahnsinnig klein, er hat noch keine Impulskontrolle und kann noch keinen Perspektivenwechsel einnehmen, dementsprechend kann er noch nicht nachempfinden, wie es seinem Bruder geht, wenn er ihn haut und kann auch den Hauimpuls noch nicht unterdrücken. (Hast du diese beiden Artikel schon gelesen? "Impulskontolle" und "Empathie")

      Am 10. Oktober kommt unser Buch zur Trotzphase raus, ich denke, das könnte für dich interessant sein, weil wir da ganz detailliert erklären, was im Gehirn eines Kleinkindes so vor sich geht, und was sie deshalb können und noch nicht können. Ganz, ganz dringend würde ich der Oma raten, das Buch zu lesen, denn ihn in seinem Alter "Lauser", "schlimm" und "ungezogen" zu nennen ist das gleiche, wie einen Zweijährigen dafür auszuschimpfen, dass er seinen Namen noch nicht schreiben kann. Es ist im schlicht unmöglich, er hat die kognitiven Meilensteine noch nicht erreicht, die ihn dazu befähigen würden! Außerdem steht in dem Buch, dass so eine Zuordnung schlechter Eigenschaften bewirkt, dass das Kind irgendwann wirklich selbst denkt, es sei böse und sich dementsprechend verhält! Dann wird er ein Lauser, weil SIE ihm das immer wieder rückgemeldet hat! (Ich glaube, darüber hatte ich mal in einem Artikel "Die Erziehung unserer Eltern und Großeltern" geschrieben.)

      Liebe Grüße, Snowqueen

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  30. Ein großartiger Artikel. Ich erkenne meinen Stiefsohn in vielen punkten wieder. Aber unsere Situation ist speziell. Er ist nur jedes zweite Wochenende bei uns und in den Ferien. Mein Baby ist ein Schreibaby, der Stiefsohn hat ADHS. Mein Mann arbeitet viel und ich bin mit 2 Problemkindern alleine. Da sich verbale Aggressionen sowohl gegen mich, als auch gegen das baby wenden, und ich Angst habe, dass es bei alleine lassen, doch körperlich wird, bin och regelmäßig überfordert. Den Großen einzubeziehen geht fast nicht, es macht nichts Spaß und alles ist doof und essen schmeckt nicht. Jedes Geräusch, das der kleine von sich gibt, nervt, auch lachen oder gähnen. Wie soll ich mit so einer Situation umgehen? Habe schon öfter gesagr, dass mein Mann Urlaub nehmen muss, wenn dwr Große kommt, aber in den nächsten Ferien gibt es Urlaubssperre

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    1. Oh weh- eure Situation ist ja wirklich eine sehr spezielle, schwierige! Puh! Ich denke, bei euch liegt die Ablehnung auch darin begründet, dass das neue Geschwisterchen eine direkte Konkurrenz darstellt. Denn ihr seid die neue Familie vom Papa. Das ist doppelt und dreifach so schlimm, da der große Sohn nun nicht mehr sicher ist, ob er überhaupt noch Teil eurer (neuen) Familie ist. Dass du davon überfordert bist, kann ich mir gut vorstellen. Ich wäre es auch! Tatsächlich ist der Papa in eurer Situation derjenige, der sich viel einbringen muss. Ich weiß es nicht genau, aber ich vermute, dass der Papa in der Bindungshirarchie über dir steht bei eurem großen Sohn. Deshalb hilft es eher, wenn er etwas mit ihm macht.

      LG, snowqueen

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  31. Hey,
    gerade habe ich deinen Artikel gefunden und froh und traurig zugleich. Es wird eine harte Zeit auf mich zukommen schätze ich, ausruhen im Wochenbett habe ich mir anders erhofft..
    Mein Sohn ist gerade 2 geworden, meine Tochter ist "auf dem Weg", Stichtag in 7 Tagen. Ich bin oft kaputt und kraftlos, freue mich, wenn Omas und Opas kommen, um mit dem Großen zu spielen. Papa ist seine wichtigste Bezugsperson. Alles ok, dachte ich. Aber jetzt fängt er an, mich offen abzulehnen. Er wendet sich ab, wenn ich mich ihm nähere, will mich nicht begrüßen, wenn er nach Hause kommt. Er freut sich nicht, mich zu sehen. Ich darf ihn nicht anziehen, vor allem nicht ins Bett bringen. Da ich jedoch gerade so kurz vor der Geburt nervlich echt labil bin, kann ich meine Trauer und die Verletztheit kaum verstecken, muss oft zum Heulen den Raum verlassen. Es tut mir schrecklich weh, dass er mich so ablehnt. Und da ich weiß, dass ich bald für ein paar Tage ins Krankenhaus muss und dann wegen des Kaiserschnitts wahrscheinlich die erste Woche zu Hause auch nicht voll tobefähig bin, wird sich die Situation zwischen uns beiden wohl auch erstmal nicht bessern.
    Aber es muss, denn für diese Traurigkeit habe ich gerade keine Kraft! Ich will mich doch freuen über das Baby, über unser neue Familie, den großen Bruder.. Habe ich mir alles zu leicht vorgestellt?
    Dein Artikel mahnt mich, Energien zu aktivieren und mich aus meiner bequemen vorgeburtlichen Ecke zu holen.. Ich hoffe, ich schaffe das..
    Danke und viele Grüße,
    Katrin

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    1. Liebe Katrin, nun ist ein bisschen Zeit vergangen und dein zweites Kind auf der Welt. Wie ist es dir ergangen? Hast du - neben dem Auffangen deines 2-Jährigen- es auch geschafft, gut auf dich selbst zu achten?
      LG, snowqueen

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  32. Vielen lieben Dank für Deinen tollen Bericht!! Habe gerade heute zusammen mit meinem Grossen (3 J)- nach einem ganz miesen Wutanfall von ihm - geheult und schon so sehr an mir selber als Mama gezweifelt. Dein Artikel hat mir wieder Mut gegeben, daß ich vieles doch richtig mache und nicht die Einzige bin, die manchmal/oft verzweifelt ist. Liebe Grüsse, Maria

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  33. Finde so eine Selbstaufgabe der Mutter,so empfand ich den Artikel,als nicht ehrlich und das verunsichert Kinder. Ich zeige meine Gefühle und respektiere
    meine Grenzen. Und Entthronung wenn man es so sieht finde ich traurig. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht. Va das Scherenbeispiel: Kind will sich reiben und testen will echte Reaktionen auf Verhalten erfahren und erhält ein: Komm Schatz wir gehen zum Spielplatz...meine Kids und auch ich würden uns veräppelt vorkommen...aber das ist nur mein persönliches Empfinden.Lg

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    1. Liebe Anonym, vielen Dank für deinen Kommentar. Weißt du, aus deinen kurzen Zeilen lese ich heraus, dass wir vielleicht einen ganz unterschiedlichen Blick auf Kinder haben? Du schreibst, Kinder wollen sich reiben und echte Reaktionen testen. Mmmh. Als sie meinen Schlafsack zerschnitten, bin ich ja sehr laut geworden und habe mir vor Wut auf die Oberschenkel geklatscht- wenn das nicht authentisch war, was dann? Und trotzdem bin ich erwachsen genug, danach, wenn ich meine echten Gefühle verbalisiert habe, auf das Bedürfnis meines Kindes HINTER dem Verhalten zu schauen. Und das war eben nur vordergründig ein 'Reiben'. Das provozierende Reiben ist - in meinen Augen - nur eine kindliche Strategie, um zu signalsieren, dass es ihm nicht gut geht. Dass es traurig ist, sich verlassen fühlt, einfersüchtig ist etc. Dafür brauche ich es doch nicht zu bestrafen. Eine Strafe würde das Gefühl ja nur verstärken. Was das Kind braucht - in meinen Augen - ist Zuwendung und Verständnis. Ich kann demnach signalisieren, dass ich zwar die Strategie (das Zerschneiden) scheiße fand, aber das Bedürfnis dahinter sehen und verstehen kann. Ich kenne kein Kind, das sich 'veräppelt' fühlt, wenn man auf seine echten Bedürfnisse reagiert, aber gut, ich kenne deine Kinder nicht, daher weiß ich nicht, wie sie sich fühlen würden.

      Was deinen Kommentar zur Selbstaufgabe angeht: Ja, für eine kurze Zeit gibt sich die Mutter sicherlich ein Stück weit selbst auf, um die emotionale Krise ihres Erstgeborenen mit aufzufangen. Genauso wie der Vater, der sich in der Zeit um das Neugeborene kümmert. Aber es ist ja nur eine begrenzte Zeit, um die es geht. Werden die wichtigen Bedürfnisse der Kinder in dieser Zeit beachtet und erfüllt, dann folgt automatisch eine sehr viel leichtere Zeit danach, in der die Eltern wieder entspannt auf der Bank sitzen und Kaffee schlürfen können, während die Kinder fröhlich allein spielen.

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  34. Liebes Wunschkind-Team, wir werden auch bald vier Menschen in unserer Familie sein. Ich wünsche mir ein Buch für Eltern, das mich ein bisschen darauf vorbereitet. Ich höre so oft, dass alles anders wird und ich weiß auch, dass wir die Auswirkungen erst in ihrer ganzen Tragweite erleben, wenn es soweit ist. Und trotzdem möchte ich mich gerne so gut ich kann (innerlich) vorbereiten. Kennt ihr hilfreiche Bücher? Favoriten für den dann dreijährigen Bruder? Herzliche Grüße, Hanna

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    1. Liebe Hanna,

      im Artikel sind ja relativ weit oben schon welche fürs Geschwisterchen erwähnt. Der WWW-Klassiker und die Ausgabe von Ministeps sind auch empfehlenswert.

      Für Erwachsene ist uns bisher nur das hier in den Quellen verlinkte Buch bekannt (das sollten wir vielleicht auch noch mal als Projekt ins Auge fassen).

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  35. Vielen Dank für deinen Artikel! Ich habe momentan auch einen kleinen Mann der mich (und zwar nur mich) des Öfteren mal provoziert (zumindest fühlt es sich für mich so an).
    Bei den kleinen Zurückweisungen habe ich mich sofort ertappt, ich werde in Zukunft mal darauf achten.

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  36. Ihr Lieben,
    ich lese euren Blog schon eine ganze Weile und er hat mir geholfen, meine Kinder aus anderen Augen zu sehen. Vielen Dank dafür. Ich versuche auf die Bedürfnisse meiner Kinder zu achten und dabei meine nicht aus den Augen zu verlieren. Es gibt Tage, an denen klappt es sehr gut. Ich hatte eine Zeitlang ein unerschütterlich gutes Gefühl dabei.
    Aber, seit ca. einer Woche regiert hier das Chaos. Und ich verstehe es nicht. Ich weiß nicht mehr weiter.
    Meine Tochter (fast 5) schreit meiner Meinung nach lauthals nach Aufmerksamkeit. Sie will als erstes ins Bett gebracht werden, obwohl sie es eigentlich immer genossen hat, mit Papa länger wach zu bleiben während ich erst ihren Bruder (2) in den Schlaf begleitet habe. Nun bring ich erst sie ins Bett, während ihr Bruder beim Papa kreischt und brüllt, weil er zu Mama will. Beide gleichzeitig ins Bett bringen klappt nicht. Ich bringe beide Kinder ins Bett, weil beide nicht vom Papa ins Bett gebracht werden möchten. Das ist schon seit Monaten so. Seit einer Woche ist es aber so, dass Papa überhaupt nichts mehr machen darf. Wir hören wirklich den ganzen Tag bei allem und jedem "Nein, Mama soll!". Was selbstverständlich zu Frust bei meinem Mann führt, welchen er wiederum an der Familie auslässt, weshalb es z.B. heute schon so war, dass ich mir gewünscht habe, er wäre weg.
    Beide Kinder wollen immer nur Mama. Obwohl ich versuche, immer für sie da zu sein. Meine Tochter benimmt sich frech und provoziert. Mein Sohn macht sehr viel Blödsinn. Ich muss immer hinterher sein. Er wirft Sachen durch die Hecke (so ist unser Gartenschirmständer unbrauchbar geworden, weil er die Schraube zum Festdrehen weggeworfen hat z.B.). Das Essen ist eine Katastrophe. Nichts ist gut genug. Und hinterher sieht das gesamte Esszimmer aus wie Sau. Ich war immer der Meinung, beide dürfen das Essen mit allen Sinnen kennenlernen, aber nicht spielen. Vielleicht verlange ich da zu viel von den Kindern, ich weiß es nicht.
    Ich verstehe nur gerade wirklich nicht, was genau die Bedürfnisse meiner Kinder sind. Ich versuche hinzuhören. Wenig nein zu sagen. Frage, ob wir etwas spielen wollen. Lasse sie helfen. (Selbstverständlich habe ich Tage, an denen das nicht klappt, aber ich versuche, mich deswegen nicht runterzumachen sondern sage mir, dass es wichtig ist, gut genug zu sein, nicht perfekt. Und gut genug zu sein bedeutet, dass es eben nicht jeden Tag in jeder Sekunde klappen muss.)
    Der bevorstehende Kindergartenwechsel meiner Tochter ist mitverantwortlich für diese Situation.
    Aber ich weiß nicht, wie wir aus dieser Spirale wieder herauskommen sollen.
    Ich nehme mir jeden Tag vor, nicht so viel zu meckern/schreien/nölen. Aber es fällt mir im Moment schwer.
    Vorhin sagte meine Tochter zu mir, ich solle den Mund halten. Nachdem ich allein war, hab ich nur noch geweint. Sie hat das gesagt, weil mir Dinge aus dem Mund gerutscht sind, die ich niemals zu meinen Kindern sagen wollte. Dass sie sich benimmt wie eine Ätzkuh. Warum Papa mit ihr auf das Fest gehen sollte, so scheiße wie sie sich verhält. Oh Gott, während ich das schreibe, fange ich direkt wieder an zu weinen. Ich fühle mich schrecklich. Ehrlich. Wie kann man sowas zu seinem Kind sagen? Zu meinem Sohn hab ich gestern gesagt, er sei ein Terrorzwerg.
    Ich weiß, dass Kinder zu dem werden, was man ihnen sagt. Ich weiß, sie sagen uns mit ihrem Verhalten, dass es ihnen nicht gut geht. Ich weiß, sie provozieren nicht, weil sie uns ärgern wollen, sondern weil es ihnen an irgendetwas fehlt. Ich weiß, hinter ihrem Verhalten steckt ein Bedürfnis.
    Aber ich weiß nicht, was. Wie soll ich es beiden Recht machen. Wo soll ich anfangen. Ich kann mich nicht Zweiteilen. (Über die Situation zwischen mir und meinem Mann mal ganz zu schweigen.)
    Nun ist es doch ein Roman geworden. Und ich habe nur die Hälfte dessen aufgeschrieben, was mich beschäftigt.
    Vielleicht habt ihr ja trotzdem einen Tipp für mich.
    Vielen Dank schon mal und
    macht bitte weiter so! Euer Blog ist echt goldwert!
    Liebe Grüße
    Katrin

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