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Durchfall und Erbrechen - Magen-Darm-Infekte bei Babys und Kleinkindern


Magen-Darm-Erkrankungen kommen in den ersten Lebensjahren leider verhältnismäßig oft vor. Sie werden meist von Viren und gelegentlich (ca. in 20% der Fälle) von Bakterien verursacht. In der Regel verläuft die Infektion harmlos, es gibt jedoch auch schwere Verläufe, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen können.

Einen Magen-Darm-Infekt erkennt man meist recht schnell - das Kind erbricht mehrfach, schwallartig und in großen Mengen. Dazu kommt in vielen Fällen mehrmals täglich übel riechender, breiiger bis wässriger Stuhl. Die Kinder sind schlapp, blass und müde, klagen über Bauchschmerzen. Oft ist der Wärmehaushalt durcheinander - Kinder sollten daher gut gewärmt, aber nicht überhitzt werden. Auch Fieber kann auftreten; langes hohes Fieber ist ein Zeichen für eine Salmonelleninfektion. Üblicherweise dauert die Erkrankung 3 bis 7 Tage, sie kann sich in Ausnahmefällen aber auch länger hinziehen. Insbesondere Durchfall kann hartnäckig sein. Je jünger das Kind ist, desto größer ist die Gefahr der Austrocknung durch den anhaltenden Flüssigkeitsverlust (Dehydrierung). 

Wann sollte man bei Durchfall und Erbrechen umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?


Erbrechen und Durchfall sind so lange unproblematisch, wie das Kind genügend Flüssigkeit aufnimmt. Erbricht es über Stunden auch Wasser wieder, droht eine Austrocknung. Diese erkannt man an folgenden Symptomen:
  • trockener Mund, 
  • eingefallene Fontanelle, 
  • tiefliegende Augen, 
  • ausbleibende Tränen, 
  • nach Aceton riechender Atem (wie Nagellackentferner), 
  • weniger als 6 nasse Windeln am Tag, 
  • Teilnahmslosigkeit, 
  • tiefe Atmung durch den Mund, 
  • blasse Haut.

Zieht man die Haut am Bauch mit Daumen und Zeigefinger zu einer Falte und bildet diese sich durch den reduzierten Spannungszustand nicht umgehend zurück und bleibt kurz bestehen, dann besteht dringender Handlungsbedarf - es sollte umgehend ein Krankenhaus aufgesucht werden! Hier gilt im Zweifel: Lieber zu früh fahren, als zu spät - wenn die Symptome so eindeutig sind, ist die Austrocknung schon weit fortgeschritten. 

Maßgeblich ist vor allem die Flüssigkeitsaufnahme - zeigt das Kind kaum Austrocknungs-Symptome, trinkt aber nicht, sollte man es unbedingt trotzdem ärztlich vorstellen. Als Grundregel gilt: Kinder bis 4 Monate benötigen etwa 700 ml Milch, zwischen 4 und 12 Monaten sollten 500-700 ml Milch und 100 bis 600 ml andere Getränke getrunken werden.

Kleiner Tipp: Trinkt das Kind schlecht, kann man versuchen, es aus dem Schlaf aufzuwecken - noch schlaftrunken trinken viele Kinder mehr, als im wachen Zustand! Auch süßen ist jetzt erlaubt - Traubenzucker sollte man immer vorrätig haben.

Ebenso sollte man das Kind sofort einem Arzt vorstellen, wenn es sich länger als 6 Stunden hintereinander übergibt oder an Durchfall leidet, teilnahmslos wirkt, Nackensteifigkeit auftritt, krampfartige Bauchschmerzen auftreten, der Bauch geschwollen ist sowie wenn Blut, Eiter  oder Galle erbrochen wird. Erbrochene Galle (gras- bis dunkelgrüne Farbe) kann auf einen Darmverschluss hinweisen (Lebensgefahr!). In diesen Fällen sollten Proben des Erbrochenen für etwaige Untersuchungen aufbewahrt werden. Auch bei azetonämischen Erbrechen muss sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Dabei übergibt sich das Kind pausenlos 40 bis 50 Mal, der Atem riecht nach Essig oder Apfel.

In allen anderen Fällen ist es ausreichend, das Kind in der Sprechstunde am nächsten Tag beim Kinderarzt vorzustellen. 

Was kann das Kind bei Erbrechen und Übelkeit essen? 


Geeignete Nahrung für Säuglinge 


Für Stillkinder ist immer Muttermilch ideal - diese kann immer angeboten werden - vorzugsweise häufig und in kleinen Portionen. Flaschenbabys sollte zunächst löffelweise alle 2-3 Minuten Wasser gegeben werden. Bleibt das Wasser im Magen, kann alle 30 Minuten Wasser oder eine Elektrolytlösung (z. B. Oralpädon, Santalyt) angeboten werden. Wird auch diese nicht wieder erbrochen, kann man abwechselnd Wasser und Elektrolytlösung anbieten - ungefähr 30-50 ml alle 15-30 Minuten.

Die Getränke sollten gekühlt gegeben werden, das vermindert den Brechreiz. Sie können auch mit stark verdünntem Apfelsaft vermischt werden - die Elektrolytlösungen schmecken sehr salzig. Hat man keine Eletrolytlösung zur Hand, sollte unbedingt zusätzlich Traubenzucker im Wasser aufgelöst werden, da eine Übersäuerung des Blutes zu azetonämischen Erbrechen führt.

Zur Verbesserung des Mineralstoffhaushaltes, kann auch folgendes Getränk zusammengemischt werden: 1 Liter dünner Tee mit 7 EL Traubenzucker und ein halber Teelöffel Salz. Hat das Baby die Flüssigkeit ebenfalls bei sich behalten, kann dann 50 ml zu 50% verdünnte Milchnahrung in regelmäßigen Abständen angeboten werden.

Wenn sich das Kind 12 Stunden nicht übergeben hat, kann die Fütterung wie gewohnt erfolgen; Flaschenmilch wird normalerweise gut vertragen, sollte aber zunächst verdünnt werden (ca. anfangs etwa die Hälfte des Pulvers  je Flasche, täglich um einen Löffel bis zur gewohnten Dosis steigern). Verträgt das Baby die Milch nicht, kann man auch Heilnahrung anbieten. Zwar ist die Wirkung umstritten (bzw. der Nutzen - schaden kann sie in jedem Falle nicht) - gelegentlich vertragen Kinder die Heilnahrung aber besser, als die übliche Flaschenmilch.

Zur Unterstützung der Genesung eignet sich für Babys Fencheltee, ab 8 Monaten Heidelbeertee und verdünnter Kamillen-, Malven- oder Schwarztee (wirkt gegen Durchfall), für Kinder ab einem Jahr auch Melissen-, Kümmel-, (unverdünnter) Kamillen-  oder Gänsefingerkrauttee. Pfefferminztee ist wegen des Gehalts an Menthol erst ab 3 Jahren geeignet! Cola ist - entgegen landläufiger Meinung - grundsätzlich ungeeignet. 

Geeignete Nahrung für ältere Kinder (ab 8 Monaten)


In den ersten 6 bis 12 Stunden nach dem Erbrechen sollte keine feste Nahrung angeboten werden - es sei denn, das Kind verlangt danach. In der Regel wird über eine geraume Zeit erst einmal die Nahrung komplett verweigert - es besteht kein Grund zur Besorgnis. Wichtig ist allein die Flüssigkeitsaufnahme. 
      
Als erste Mahlzeiten eignen sich gegarte Karotte, geriebener angebräunter Apfel (das oxidierte Pektin stopft), Heidelbeeren (pektinreich) und Banane. Ebenso gut geeignet sind komplexe Kohlenhydrate wie Kartoffelbrei (ohne Milch und Butter), Nudeln, Reis (bindet viel Flüssigkeit), Toast, Brezeln, Knäckebrot, Zwieback, Hafer- oder Reisschleim, Salzstangen, Kartoffelsuppe und Hühnerbrühe. 

Mittlerweile ist man der Ansicht, dass eine besondere Schonkost nicht erforderlich ist, Kinder scheinen instinktiv zu erfassen, welche Nahrung für sie gerade am besten geeignet ist. Dennoch ist es unschädlich, mit einer gewissen Behutsamkeit den Magen-Darm-Trakt wieder an Nahrung zu gewöhnen. Meiden sollte man in den ersten Tagen nach der Erkrankung dennoch zunächst Milchprodukte sowie fette, ballaststoffreiche und stark zuckerhaltige Speisen sowie reine Säfte bzw. säurehaltiges Obst. Breie werden vorübergehend ohne Öl gegeben, da dieses auch stuhlauflockernd wirkt.  

Medikamente gegen das Erbrechen


Erbricht sich das Kind mehr als 3 mal am Tag oder leidet es ganz offensichtlich unter der starken Übelkeit, kann man gegen das Erbrechen Zäpfchen mit Dimenhydrat verabreichen. Als Obergrenze gilt eine Dosierung von 5 mg Dimenhydrat je kg Körpergewicht pro Tag. Im Handel sind Vomacur- und Vomex A-Zäpfchen (mit je 40 mg Dimenhydrat) erhältlich. Die Packungsbeilagen unterscheiden sich bezüglich der frühesten Anwendung - bei Vomacur sind es 8 kg, bei Vomex A 6 kg Gewicht.
 
Kinder mit einem Gewicht zwischen 6/8 und 15 kg erhalten maximal ein Zäpfchen mit 40 mg Dimenhydrat am Tag, Kinder zwischen 15 und 25 kg können 2 Zäpfchen bekommen. (vorzugsweise im 12-h-Abstand). Es ist grundsätzlich möglich, das Zäpfchen zu teilen.

Ebenfalls erhältlich sind etwas geringer dosierte Emesan-Zäpfchen mit Diphenhydraminhydrochlorid - hier können bei Kindern zwischen ein und fünf Jahren zwischen ein und zwei Zäpfchen pro Tag verabreicht bekommen.

Gegen den Durchfall sollte man auf natürliche Hausmittel (siehe unten) zurück greifen. Die weit verbreitete Annahme, dass Durchfall nicht gestoppt werden sollte, da die Krankheiterreger möglichst umgehend aus dem Körper ausgeschieden werden sollen, konnte bisher nicht durch Studien untermauert werden.

Darüber hinaus kann ab 2 Jahren Perenterol Junior (Basis Trockenhefe) gegeben werden - eine frühere Anwendung (auch bei Säuglingen) ist möglich, sollte aber mit einem Arzt besprochen werden. Ebenfalls ab 2 Jahren kann nach Rücksprache mit dem Arzt mit Loperamid behandelt werden. Grundsätzlich sollte Kindern keine Aktivkohle verabreicht werden. 

Moro-Suppe - das beste Rezept gegen Durchfall


Ein wahres Geheimrezept gegen Durchfall ist ab Beikoststart die "Möhrensuppe nach Moro". Dafür werden 500 g geschälte Möhren über eine Stunde, besser 90 Minuten in einem Liter Wasser gekocht. Danach pürieren, drei Gramm Salz hinzu geben und mit Wasser wieder auf einen Liter auffüllen.

Wichtig dabei ist die lange Kochzeit - denn erst nach einer Stunde kochen bilden sich in den Möhren Oligosaccharide. Diese haben eine ähnliche Oberflächenstruktur wie die Darmwand - die den Durchfall verursachenden Bakterien docken daher statt an die Darmrezeptoren an die Zuckermoleküle der Möhren an und werden zügig ausgeschieden. Diese Suppe hat bei uns noch jeden Durchfall nachhaltig gestoppt - ohne die Darmbewegungen zu beeinträchtigen. Hilft übrigens auch super bei Hunden! 

Ansteckungsgefahr bei Magen-Darm-Infektionen


Die Gefahr der Ansteckung varriert je nach Krankheitserreger. Der Noro-Virus (Inkubationszeit 10 bis 50 Stunden) beispielsweise ist extrem ansteckend - selbst mehrere Tage nach dem Abklingen der Symptome werden noch Viren mit dem Stuhl ausgeschieden und bleiben noch lange ansteckend (bis zu 12 Tage).

Die Infektion erfolgt aussschließlich über den Kontakt mit Erbrochenem oder Stuhl entweder fäkal-oral, in dem winzige Partikel des Stuhls oder des Erbrochenen auf Gegenstände gelangen (beispielsweise durch mangelnde Handreinigung nach dem Toilettengang) und von anderen Personen durch Berührung aufgenommen werden und in deren Verdauungssystem gelangen oder oral aerogen durch das Einatmen von Aerosolen (Schwebeteilchen in der Luft aus fein versprühtem Erbrochenem), wenn man ein Kind beim Übergeben begleitet.

Die Ansteckungsgefahr kann durch regelmäßige Desinfektion der Toilette und der Hände während der Erkrankung minimiert werden. Normale Seife ist grundsätzlich ausreichend, für Noro-Viren sind jedoch spezielle Desinfektions-Produkte (z. B. Sterillium Virugard) erforderlich.

Wer diesen Artikel aus akutem Anlass liest: Von Herzen GUTE BESSERUNG!

© Danielle
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Kommentare:

  1. Wow, mal wieder ein super Artikel! Das Geheimrezept probiere ich "bei Gelegenheit" aus.

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  2. Eine Verständnisfrage zur Moro-Suppe: Bleibt der Deckel beim Kochen drauf auf dem Topf oder nicht?

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    1. Hallo Ekis,

      aus Energiespargründen: drauf :-) - für die Suppe ist es unerheblich - wichtig sind die Enzyme in den Möhren. Etwaig fehlende Flüssigkeit kann am Ende wieder aufgegossen werden.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Danke! Habs nun für eine Freundin fertig und hoffe, dass es klappt! Danke schön!

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  3. Hallo,

    hinweisen möchte ich noch auf das sogen. azetonämische/ketonämische Erbrechen. Es ist wohl in der Bevölkerung nicht sehr verbreitet, dennoch gibt es immer wieder Kinder, die es haben und leider werden Eltern darüber nicht informiert (bspw. durch Kinderärzte). So waren auch wir leider zunächst von einem Magen-Darm-Infekt ausgegangen, als es bei "uns" zum ersten Mal (im Alter von 2 Jahren bei Tochter) auftrat. Und auch im Krankenhaus hatte man uns zunächst gesagt, es handle sich wohl um einen Infekt. Bei azetonämischem/ketonämischem Erbrechen kommt es jedoch üblicherweise zu mehr oder weniger häufigem Erbrechen ohne Durchfall. Es kann durchaus begleitend zu Infekten, aber auch von diesen völlig unabhängig auftreten - wiederholt (mehrmals im Jahr und über Jahre verteilt ...), die genauen Ursachen kennt man nach wie vor nicht. Die Kinder brauchen dann jedoch gerade keine Nahrungskarenz bzw. vor allem benötigen sie Glucosezufuhr (also Traubenzucker) und stilles Mineralwasser oder Kräutertee (falls dieser vom Kind angenommen wird), um die Ketonkörper, welche sowohl im Urin als auch im Blut feststellbar sind (!), auszuschwemmen. Denn das ketonämische Erbrechen stellt eine Stoffwechselentgleisung dar. Es kann so stark werden, dass das Kind auch kleinste Schlückchen Wasser sofort wieder erbricht, also auch keine Flüssigkeit bei sich, das Kind erbricht am Ende nur noch grüne Gallenflüssigkeit ... . Spätestens dann hilft nur noch eine Infusion (mit NaCL und meist auch Glucose) - diese wird leider nicht ambulant gegeben (bei kleinen Kindern ohnehin nicht), sondern dafür muss immer eine Klinik aufgesucht und das Kind stationär aufgenommen werden. Je schneller die Ketonkörper ausgeschwemmt werden können, desto schneller geht es dem Kind wieder gut. Es kann nach mehreren Stunden - mit Infusion z.B. - wie ausgewechselt sein, hat dann meist auch Appetit/Hunger und hat keinen Durchfall, erbricht dann auch nicht mehr. Die Stoffwechselentgleisung ist eine Art "Hungerstoffwechsel", kann auch bei Erwachsenen auftreten. - Dies nur zur Information, da es immer wieder "solche" Kinder gibt und die meisten Eltern noch nie von ketonämischem Erbrechen gehört haben, es folglich meist auch falsch "behandeln", falsch reagieren ..., was es verschlimmert/verlängert ... .
    Leider hatten wir immer wieder mit Widerständen in Kliniken (bei der Aufnahme) zu kämpfen - man wollte uns immer wieder einreden, es sei einfach ein Infekt, erst wenn Blut abgenommen wurde (oder Urin) und man so die (erhöhten) Ketonkörper feststellte, wurde uns geglaubt ... . Meist ging es unserer Tochter dann jedoch schon sehr schlecht, weil sie viele Stunden lang auch bereits in der Notaufnahme "unbehandelt" verbrachte und gelitten hatte, bis sie endlich an eine Infusion kam. Ich hatte dann immer die bisherigen Klinikberichte gleich mitgenommen - als "Beweis" sozusagen. =/

    Siehe auch hier erklärt: http://www.medizinfo.de/kinder/erbrechen/azetonaemisch.htm

    Das ketonämische/azetonämische Erbrechen soll sich, laut Ärzten, irgendwann "auswachsen", kann aber bis zur Pubertät immer wieder auftreten, in der Pubertät verändert sich auch der Stoffwechsel, daher kann es dann zum Erliegen kommen.

    Viele Grüße
    Sabeth

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