Geschwistereifersucht ist anstrengend aber normal - wie man sie verringern kann und was man vermeiden sollte
Man stelle sich folgenden Dialog zwischen sich liebenden Ehepartnern vor:
Er: "Guten Morgen Liebling! Räumst Du bitte heute den Kleiderschrank etwas auf?"
Sie (leicht irritiert): "Warum?"
Er: "Ich bringe heute abend eine Frau mit, die ab sofort mit uns zusammenleben wird. Sie braucht Platz für ihre Kleidung. Aber keine Sorge - ich liebe Euch beide wirklich gleich! Ab nächste Woche kommen alle unsere Bekannten und Verwandten vorbei, um sie kennenzulernen und ihr ein paar hübsche Geschenke zu machen. Wir werden sehr glücklich zu dritt sein - Du kannst Dich mit ihr unterhalten und ihr könnt gemeinsam kochen - das wird herrlich!"
Er: "Ich bringe heute abend eine Frau mit, die ab sofort mit uns zusammenleben wird. Sie braucht Platz für ihre Kleidung. Aber keine Sorge - ich liebe Euch beide wirklich gleich! Ab nächste Woche kommen alle unsere Bekannten und Verwandten vorbei, um sie kennenzulernen und ihr ein paar hübsche Geschenke zu machen. Wir werden sehr glücklich zu dritt sein - Du kannst Dich mit ihr unterhalten und ihr könnt gemeinsam kochen - das wird herrlich!"
Wie würdest Du reagieren? Platz schaffen und dem Kennenlernen gespannt entgegen fiebern? Wenn die Frau einzieht - wie gut könntest Du Dich damit arrangieren? Gar nicht gut? Verständlich! Aber warum erwarten wir etwas, das für uns selbst undenkbar ist, von unseren Kindern ganz selbstverständlich?
Geschwistereifersucht ist evolutionär bedingt. Während Kinder heute liebevoll behütet aufwachsen, lag die Kindersterblichkeit vor etwa 500 Jahren noch bei etwa 50%. Es überlebten die Kinder, die es am besten verstanden, sich den größten Teil der knappen Ressourcen zu sichern. Das Kind, das am lautesten und vehementesten auf sich aufmerksam machte, erhielt in der Regel die meiste Zuwendung (wie z. B. Nahrung). Durch das Verhalten wurde auch die Bindung maßgeblich beeinflusst - ein Kind, in das eine Mutter viel "investiert" hat, möchte sie ungern verlieren. Daher hatte jedes Kind das Ziel, sein Wohlergehen durch ein größtmöglichstes Maß an Aufmerksamkeit und Ressourcenzuteilung zu sichern.
Da die Evolution ein sehr langsamer Prozess ist, sind Kinder noch immer genetisch so programmiert, dass sie denken, sie müssten mit allen Mitteln ihr Überleben sichern - also ununterbrochen um die Gunst der ihnen zugewandten Personen buhlen.
Gründe für die Eifersucht
Geschwistereifersucht ist evolutionär bedingt. Während Kinder heute liebevoll behütet aufwachsen, lag die Kindersterblichkeit vor etwa 500 Jahren noch bei etwa 50%. Es überlebten die Kinder, die es am besten verstanden, sich den größten Teil der knappen Ressourcen zu sichern. Das Kind, das am lautesten und vehementesten auf sich aufmerksam machte, erhielt in der Regel die meiste Zuwendung (wie z. B. Nahrung). Durch das Verhalten wurde auch die Bindung maßgeblich beeinflusst - ein Kind, in das eine Mutter viel "investiert" hat, möchte sie ungern verlieren. Daher hatte jedes Kind das Ziel, sein Wohlergehen durch ein größtmöglichstes Maß an Aufmerksamkeit und Ressourcenzuteilung zu sichern.
Da die Evolution ein sehr langsamer Prozess ist, sind Kinder noch immer genetisch so programmiert, dass sie denken, sie müssten mit allen Mitteln ihr Überleben sichern - also ununterbrochen um die Gunst der ihnen zugewandten Personen buhlen.
Geschwisterkinder stehen in direkter Rivalität zueinander und betrachten sich unterbewusst stets als Konkurrenz um (vermeintlich) knappe Güter - da Essen heutzutage ausreichend vorhanden ist, konzentrieren sich die Bemühungen eher auf die Aufmerksamkeit der Eltern. Am ausgeprägtesten ist die Eifersucht bei den älteren gegenüber den nächstjüngeren Geschwistern. Gleichgeschlechtliche Geschwister sind potentiell eifersüchtiger. Der Altersabstand ist ein wichtiger Faktor - zwischen 2 und 3 Jahren ist die Eifersucht meist am größten, ab 5 Jahren wird sie deutlich weniger. Einfluss hat auch das Umfeld des Kindes - je mehr Kontakt es zu anderen Erwachsenen hat, um so geringer wird voraussichtlich die Eifersucht sein, da die Mutter nicht alleiniger Überlebensgarant ist.
Das Temperament des Kindes hat ebenfalls einen hohen Einfluss - unabhängige, selbständige Kinder sind oft weniger eifersüchtig, als sehr introvertierte und anhängliche. Das Benehmen eines jüngeren Kindes kann Eifersucht verstärken - ein freundliches, kontaktfreudiges, lachendes Baby wird häufigere und stärkere Emotionen bei Dritten hervorrufen, während ein ruhiges Kind oft weniger Resonanz erfährt - durch mehr Aufmerksamkeit für das Geschwisterchen fühlt sich das ältere Kind potentiell bedroht und versucht - meist durch unangemessenes Verhalten - die Aufmerksamkeit wieder auf die eigene Person zu richten.
Auch der naturgemäß anfangs sehr intensive Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenen löst Eifersuchtsreaktionen aus - die Mutter trägt das Kind viel, sie ist ihm stets freundlich zugewandt und hat ständig Kontakt. Ein älteres Kind beobachtet diesen Prozess argwöhnig. Wird ihm nach seiner Ansicht nicht mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit zuteil, hat das Kind massive Ängste, die Liebe seiner Eltern zu verlieren. Es beginnt zu kämpfen - oft mit harten Bandagen. Zur dieser nachgeburtlichen Geschwisterkrise gibt es bei uns einen gesonderten Artikel.
Umgang mit Geschwistereifersucht
Eifersucht lässt sich nicht vermeiden - Ziel kann daher nur sein, ein gewisses Gleichgewicht herzustellen. Man sollte sich der Ursache für Eifersucht immer bewusst sein: Das Kind will nur seinen Rang innerhalb der Familie festigen und verteidigen - wenn es merkt, dass alle Geschwister im Großen und Ganzen gleichrangig sind, dann wird das Bemühen, mehr Aufmerksamkeit zu erlangen oder das Geschwisterchen zu malträtieren, um dessen Position zu schwächen, weniger werden.
Eifersucht ist das Gefühl, dass die Liebe der Eltern ungerecht verteilt ist. Wenn sich das Kind diesbezüglich nicht von Bruder oder Schwester in seiner Stellung bedroht fühlt, wird es einen deutlich entspannteren Umgang mit ihm bzw. ihr pflegen. Dabei ist nicht der Blickwinkel der Eltern entscheidend - selbst wenn diese das Gefühl haben, dass die Geschwisterkonstellation vollkommen ausgeglichen ist - muss das das Kind nicht zwangsläufig genauso sehen!
Die geschwisterliche Beziehung beginnt mit der Geburt - hier werden erst einmal die Weichen für die Zukunft gestellt. Vor der Geburt ist es wichtig, keine falschen Erwartungen zu wecken. Das Geschwisterchen sollte nicht als neuer Spielkamerad angekündigt werden - Enttäuschung über das kleine ständig schreiende, schlafende Bündel, auf das man immer Rücksicht nehmen muss, ist sonst programmiert. Dem künftigen Geschwisterkind sollte ruhig erklärt werden, wie anstrengend die ersten Wochen sein werden, dass das Baby viel schläft und schreit und es vorübergehend alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Man kann beschreiben, wie hilflos das Kind ist und das Geschwisterchen um Mithilfe bei der Pflege bitten. Viele Kinder sind anfangs sehr interessiert, beim Wickeln zuzuschauen oder beim Baden zu helfen. Das stärkt die Beziehung zu den Eltern und dem Geschwisterkind und vermeidet das Gefühl des "ausgeschlossen Seins".
Bücher zur Vorbereitung auf das Geschwisterchen
Zur "Vorbereitung" gibt es viele schöne Bücher - für noch sehr kleine Kinder bieten sich das ministeps® Buch: Wir sind jetzt vier!, Hurra, mein Geschwisterchen!: Ein Klapp- und Entdeck-Buch oder Hallo, kleines Geschwisterchen
an, für etwas ältere Kinder (ab 2,5 Jahren) Wieso? Weshalb? Warum? - junior 12: Unser Baby,
Mein Geschwisterchen-Buch oder Der kleine Hase wird großer Bruder.
Besonders ans Herz legen wollen wir Dir natürlich unser Bilderbuch "Baby ist da".
Ein Geschenk für das Geschwisterchen?
Manche Eltern erwägen, dem älteren Geschwisterkind (quasi im Namen des Neuankömmlings) ein Geschenk zu machen - ich halte das für eine tolle Idee. Kinder lieben Geschenke (diese sind auch eine Form von Aufmerksamkeit) und die erste Zeit wird sich das ältere Kind in jedem Falle zurückgesetzt fühlen, so dass ein neues Spielzeug durchaus Trost bieten kann. Ein "mitgebrachtes" Geschenk stimmt erst einmal positiv in Bezug auf das Geschwisterkind - warum sollte man diese Chance vertun?
Wir haben unserer großen Tochter diese Puppe mit Funktionen geschenkt - mit dieser konnte sie alle Handlungen mit dem Baby nachspielen (so stillten wir gemeinsam unsere "Kinder") - sie war total begeistert und dankte ihrem Bruder immer wieder für das tolle Geschenk. Sie fühlte sich von ihm beachtet und wahrgenommen und sah ihn nicht erst einmal als großes Übel. Wenn ich ihn wippend umher trug, lief sie mir mit ihrer Puppe im Arm hinterher - wir fühlten uns trotz des neuen anstrengenden "Drittens" miteinander verbunden.
Das Umfeld einbeziehen
Aus eigener Erfahrung muss ich leider beklagen, dass die meisten Verwandten und Bekannten es nicht schaffen, allen Geschwisterkindern - trotz der nachdrücklichen Bitte - die gleiche Aufmerksamkeit zuteil kommen zu lassen. Dem Baby ist es vollkommen egal, wer zuerst begrüßt wird - das größere Kind hingegen wird sich wahnsinnig freuen, als erstes in den Arm geschlossen zu werden. Man sollte nicht müde werden, die anderen darum zu bitten, das größere Kind angemessen und möglichst vorübergehend immer als erstes wahrzunehmen.
Auch wenn Kinder in Situationen nicht unmittelbar reagieren - sie beobachten, ziehen Schlüsse und verarbeiten - meist erkennt man erst sehr spät durch die für uns überraschend heftigen Reaktionen, wie viel sich emotional beim Kind angesammelt hat. Im Artikel "Warum uns Kinder manchmal so wütend machen" haben wir beschrieben, dass sich Kinder oft den Erwartungen der Erwachsenen anpassen und ein "falsches Selbst" entwickeln können - dies ist auch in Bezug auf neue Geschwister möglich. Zwar tut das Kind so, als sei es mit der neuen Schwester oder dem neuen Bruder glücklich, weil es weiß, dass man das von ihm erwartet, aber insgeheim ist es vollkommen überfordert und voller negativer Gefühle, die es nicht auszudrücken vermag und von denen es weiß, dass sie unerwünscht sind.
Über die ersten Woche nach der Geburt des Geschwisterchens und der Entthronung von Erstgeborenen hat Snowqueen einen ganz wunderbaren Artikel geschrieben: Die nachgeburtliche Geschwisterkrise - wenn ältere Kinder entthront werden, den man unbedingt lesen sollte!
Anfangs wird das ältere Kind austesten, ob es die selben "Rechte" wie das Baby hat. Es wird also unter Umständen eine Windel verlangen, wieder aus einer Flasche trinken wollen oder verstärkt getragen werden wollen. Dem sollte man unbedingt nachgeben - es wird aller Voraussicht nach nur eine kurze Phase sein. Sobald das große Kind weiß, dass es genauso behandelt werden würde, wie das Baby, wird es sich damit zufrieden geben. Nützlich ist es natürlich, wenn man das große Kind vorübergehend immer wieder darauf hinweist, wie toll es doch ist, dass es das "große" Kind sei und was die "großen Kinder" alle dürfen, was den Babys versagt ist.
Man sollte immer wieder die individuellen Stärken der Kinder herausarbeiten. So merkt es, dass es als Individuum gesehen und anerkannt wird. Die Kinder sollen auch altersgerecht Aufgaben zugeteilt bekommen, die sie eigenständig erfüllen können, so dass sie die Möglichkeit haben, zum Familienzusammenhalt beizutragen und das Gruppengefühl gestärkt wird. Jedes Kind sollte darüber hinaus die Möglichkeit haben, mit Mutter und Vater Exklusivzeit zu haben. Idealerweise regelmäßig zu festen Zeiten und lieber öfter kürzere Zeit, als beispielsweise einmal die Woche zwei Stunden am Stück.
Für die älteren Kinder gleicht die Geburt des Babys einer Entthronung
Über die ersten Woche nach der Geburt des Geschwisterchens und der Entthronung von Erstgeborenen hat Snowqueen einen ganz wunderbaren Artikel geschrieben: Die nachgeburtliche Geschwisterkrise - wenn ältere Kinder entthront werden, den man unbedingt lesen sollte!
Anfangs wird das ältere Kind austesten, ob es die selben "Rechte" wie das Baby hat. Es wird also unter Umständen eine Windel verlangen, wieder aus einer Flasche trinken wollen oder verstärkt getragen werden wollen. Dem sollte man unbedingt nachgeben - es wird aller Voraussicht nach nur eine kurze Phase sein. Sobald das große Kind weiß, dass es genauso behandelt werden würde, wie das Baby, wird es sich damit zufrieden geben. Nützlich ist es natürlich, wenn man das große Kind vorübergehend immer wieder darauf hinweist, wie toll es doch ist, dass es das "große" Kind sei und was die "großen Kinder" alle dürfen, was den Babys versagt ist.
Man sollte immer wieder die individuellen Stärken der Kinder herausarbeiten. So merkt es, dass es als Individuum gesehen und anerkannt wird. Die Kinder sollen auch altersgerecht Aufgaben zugeteilt bekommen, die sie eigenständig erfüllen können, so dass sie die Möglichkeit haben, zum Familienzusammenhalt beizutragen und das Gruppengefühl gestärkt wird. Jedes Kind sollte darüber hinaus die Möglichkeit haben, mit Mutter und Vater Exklusivzeit zu haben. Idealerweise regelmäßig zu festen Zeiten und lieber öfter kürzere Zeit, als beispielsweise einmal die Woche zwei Stunden am Stück.
Was man vermeiden sollte
Geschwisterrivalität sollte nicht mit Ärger begegnet werden. Sie ist Ausdruck von Angst und Hilflosigkeit, daher ist es wichtig, die emotionale Verunsicherung ernst zu nehmen und angemessen zu reagieren. Will das Kind wieder ein Baby sein, sollte man nicht mit Vernunftsargumenten kommen - dies wird als Ablehnung empfunden. Immer wieder sollte man sich bewusst machen: Mein Kind hat das Gefühl, in Bezug auf die Aufmerksamkeit ungerecht behandelt zu werden.
Die Kinder sollten nicht ständig miteinander verglichen werden - das führt nur zu Frustration. Sagt man beispielsweise "Oh - das Baby kann ja schon viel eher laufen als Du damals", wird das keine positiven Gefühle auslösen. Auch scheinbar für das ältere Kind positive Äußerungen (nach dem Motto: Das Baby versteht doch eh noch nichts) wie "Als Du so alt warst, hast Du das schon längst gekonnt", verursacht ein Überlegenheitsgefühl, das ein Ungleichgewicht der empfundenen Machtpositionen hervorruft. Auch wenn man meint, es würde dem größere Kind schmeicheln, so ruft es doch im Grunde einen Wettbewerbsimpuls hervor. Sinnvoller ist es, Konkurrenzdenken gar nicht erst aufkommen zu lassen und den Kindern klar zu machen, dass jeder andere Stärken und Schwächen hat.
Auf keinen Fall sollte das Baby das Recht haben, unbefugt in das Territorium des älteren Kindes einzudringen. Plötzlich aufgefordert zu werden, die eigenen Sachen mit dem Baby teilen zu müssen ("den Kleiderschrank zu räumen"), beeinträchtigt das Wohlbefinden enorm. Besitz ist für Kinder immens wichtig - sie definieren sich sehr lange Zeit zu einem sehr großen Teil darüber).
Dem sind wir z. B. aus dem Weg gegangen, indem wir das Babyspielzeug früh weggepackt haben, so dass sich unsere Tochter nicht mehr daran erinnern konnte, dass es ihr irgendwann mal gehört hat - somit gab es Spielzeug nur für das Baby und nur für das Kind. Das große Kind musste nicht teilen, wurde aber gelegentlich dazu ermutigt.
Wenn das Baby mit dem Spielzeug der Großen spielen wollte, musste es fragen - umgedreht genauso (ich habe "übersetzt"). Verlangte der Kleine vehement eins ihrer Spielzeuge, mit dem sie gerade spielte, habe ich sie gebeten, eine attraktive Alternative für ihn anzubieten - er hat sich in der Regel damit zufrieden gegeben und beide spielten friedlich miteinander. Spielzeug wird jetzt - sofern es nicht zu Anlässen geschenkt wird - beiden gleichermaßen "zugeordnet" - für Gemeinschaftsspielzeug gilt die Regel: Wer es zuerst hat, spielt damit. Das klappt bei uns erstaunlich unkompliziert.
Beim Streit zwischen Geschwistern ist es am sinnvollsten, klare Regeln (z. B. keine körperlichen Übergriffe) festzulegen. Streit sollte nicht grundsätzlich unterbunden werden, denn der Austausch (von Worten) ist wichtig für die Entwicklung. Kinder müssen lernen, ihren Ärger und ihre Wut zu kanalisieren, ihre Interessen durchzusetzen und überzeugend zu argumentieren. So lange also keine Fäuste fliegen, sollten sich Eltern mit dem Hinweis "Klärt das bitte untereinander" zurück ziehen.
Dem sind wir z. B. aus dem Weg gegangen, indem wir das Babyspielzeug früh weggepackt haben, so dass sich unsere Tochter nicht mehr daran erinnern konnte, dass es ihr irgendwann mal gehört hat - somit gab es Spielzeug nur für das Baby und nur für das Kind. Das große Kind musste nicht teilen, wurde aber gelegentlich dazu ermutigt.
Wenn das Baby mit dem Spielzeug der Großen spielen wollte, musste es fragen - umgedreht genauso (ich habe "übersetzt"). Verlangte der Kleine vehement eins ihrer Spielzeuge, mit dem sie gerade spielte, habe ich sie gebeten, eine attraktive Alternative für ihn anzubieten - er hat sich in der Regel damit zufrieden gegeben und beide spielten friedlich miteinander. Spielzeug wird jetzt - sofern es nicht zu Anlässen geschenkt wird - beiden gleichermaßen "zugeordnet" - für Gemeinschaftsspielzeug gilt die Regel: Wer es zuerst hat, spielt damit. Das klappt bei uns erstaunlich unkompliziert.
Streit zwischen Geschwistern
Beim Streit zwischen Geschwistern ist es am sinnvollsten, klare Regeln (z. B. keine körperlichen Übergriffe) festzulegen. Streit sollte nicht grundsätzlich unterbunden werden, denn der Austausch (von Worten) ist wichtig für die Entwicklung. Kinder müssen lernen, ihren Ärger und ihre Wut zu kanalisieren, ihre Interessen durchzusetzen und überzeugend zu argumentieren. So lange also keine Fäuste fliegen, sollten sich Eltern mit dem Hinweis "Klärt das bitte untereinander" zurück ziehen.
Wird um ein Objekt gestritten, kann man die Kinder auffordern, auch hier eine sinnvolle, für beide vertretbare Lösung zu finden. Kinder sind sehr kreativ dabei, Kompromisse zu verhandeln, erst recht, wenn beide großes Interesse daran haben, ihren Wunsch durchzusetzen.
Auch wenn es schwierig erscheint: Ergreife keine Partei. Das endet ist einer ungleichen Auseinandersetzung und wird vom Unterlegenen als Bloßstellung empfunden (denn er glaubt schließlich, definitiv im Recht zu sein - sonst würde er nicht streiten). Man kann körperliche Auseinandersetzungen durchaus beenden, auch ohne Partei zu ergreifen - auch wenn man eigentlich intuitiv dazu neigt, den Angegriffenen unterstützen zu wollen.
Sollte ein Eingreifen unumgänglich sein, sollte jeder Beteiligte die Chance haben, seine Ansicht darzulegen. Oft hilft es Wunder, einfach zu fragen, welche Lösungen die Kinder vorschlagen - oft kristallisiert sich ein tragfähiger Kompromiss für alle heraus.
Mehr zum Thema findest Du in unserem Geschwisterbuch.
© Danielle



