Milch-Getreide-Brei fürs Baby - Rezept, Milch und Getreide richtig auswählen

Der Milch-Getreide-Brei ist in Deutschland der Klassiker unter den Baby-Abendessen. Traditionell wird er ungefähr einen Monat nach dem ersten Brei eingeführt, häufig also als zweite Beikostmahlzeit. Allerdings muss er weder der zweite Brei sein noch unbedingt abends gefüttert werden. Wann er am besten in den Tag passt, hängt vor allem vom Baby und vom Familienalltag ab.

Das Grundrezept ist ziemlich unspektakulär: Milch, Getreide und etwas Obst. Und gerade das finde ich inzwischen sehr sympathisch. Denn wenn man vor dem riesigen Regal mit "Gute Nacht", "Schlaf gut", Vanille, Keks, Stracciatella und allerlei Fruchtmischungen steht, könnte man meinen, ein Milchbrei sei eine ausgesprochen komplizierte Angelegenheit. Ist er aber nicht.

Für einen klassischen Milch-Getreide-Brei werden etwa 200 ml Milch, 20 g Getreideflocken oder Grieß und etwas Obst verwendet. Das Getreide liefert unter anderem Kohlenhydrate und Eisen, die Milch Eiweiß und Kalzium. Das Obst bringt Geschmack und Vitamin C mit, das die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln verbessert.

Baby isst Milch-Getreide-Brei

Schlafen Babys mit Abendbrei besser?

Eine Hoffnung hält sich seit Jahrzehnten ziemlich hartnäckig: Wenn das Baby abends endlich einen "ordentlichen" Brei im Bauch hat, schläft es bestimmt länger. Das kann durchaus passieren. Es kann aber genauso gut überhaupt nichts passieren.

Babys wachen nachts aus ganz unterschiedlichen Gründen auf. Hunger ist nur einer davon. Schlafentwicklung, Nähebedürfnis, Zahnen, Infekte, neue motorische Fähigkeiten und viele andere Dinge können dafür sorgen, dass ein sattes Baby nachts trotzdem mehrmals wach wird. Ein Milch-Getreide-Brei ist deshalb ein Abendessen und kein Schlafmittel. Wer beobachtet, dass das eigene Baby nach dem Brei länger schläft, darf sich natürlich freuen. Nur muss mit dem ersten Abendbrei nicht die Erwartung einziehen, dass nun endlich das Durchschlafen beginnt.

Das Grundrezept für Milch-Getreide-Brei

Die Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben sehen für eine Portion ungefähr folgende Mengen vor:

  • 200 ml Milch
  • 20 g Getreideflocken oder Grieß
  • etwas zerdrücktes oder geriebenes Obst beziehungsweise Fruchtsaft

Welche Menge ein Baby tatsächlich isst, ist natürlich eine andere Frage. Ein Rezept ist keine Verzehrvorschrift. Gerade am Anfang können drei Löffel vollkommen ausreichen und am nächsten Tag plötzlich eine ganze Portion interessant sein.

Das offizielle Grundrezept findest Du auch beim Netzwerk Gesund ins Leben.

Welche Milch kommt in den Milch-Getreide-Brei?

Man kann den Brei mit Kuhmilch, Muttermilch oder Säuglingsnahrung zubereiten. Keine dieser Varianten muss für jede Familie die richtige sein.

Milchbrei mit Muttermilch

Stillende Mütter können den Brei mit Muttermilch anrühren. Das klingt erst einmal nach der naheliegendsten Lösung und funktioniert grundsätzlich auch.

Es gibt nur einen kleinen praktischen Haken: Muttermilch enthält Enzyme, die Stärke abbauen. Deshalb kann ein zunächst wunderbar breiiger Brei innerhalb kurzer Zeit ziemlich flüssig werden. Am Nährwert ändert das nichts. Das Löffeln wird dadurch allerdings nicht gerade komfortabler.

Am besten rührt man kleine Mengen frisch an und verfüttert sie direkt. Die Muttermilch sollte dabei nicht unnötig stark erhitzt werden.

Milchbrei mit Kuhmilch

Bei Kuhmilch gibt es bis heute viel Verunsicherung. "Im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch" hört man noch immer relativ häufig. So pauschal stimmt das nicht.

Kuhmilch kann im ersten Lebensjahr für den Milch-Getreide-Brei verwendet werden. Empfohlen werden bis zu etwa 200 ml am Tag. Geeignet sind pasteurisierte Vollmilch, ESL-Milch oder H-Milch. Rohmilch und Vorzugsmilch sind für Babys wegen des möglichen Keimrisikos nicht geeignet.

Die 200 ml Kuhmilch im Brei sind etwas anderes als eine Flasche Kuhmilch. Als normalen Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung ist Kuhmilch im ersten Lebensjahr nicht gedacht. Mehr dazu findest Du auch in unserem Artikel über Milch und Milchprodukte im ersten Lebensjahr.

Milchbrei mit Säuglingsnahrung

Natürlich kann der Milch-Getreide-Brei auch mit Säuglingsnahrung angerührt werden. Gerade bei Flaschenkindern ist das unkompliziert, weil die verwendete Nahrung ohnehin zu Hause steht.

Dafür wird die Säuglingsnahrung zunächst genau nach Herstellerangabe zubereitet und anschließend mit milchfreien Getreideflocken vermischt. Das Verhältnis von Wasser und Milchpulver sollte nicht verändert werden. Mehr Milchpulver macht eine Säuglingsnahrung nicht "sättigender", sondern verändert ihre Zusammensetzung.

Welche Säuglingsnahrung infrage kommt, haben wir ausführlicher im Artikel über Pre- und Anfangsnahrung beschrieben.

Milchbrei aus Pulver und Wasser

Und dann gibt es natürlich noch die bequemste Variante: Packung auf, Wasser dazu, umrühren, fertig.

Das ist nicht grundsätzlich schlechter. Ein Baby muss nicht jeden Abend einen liebevoll frisch angerührten Bio-Vollkornbrei mit handgeriebener Birne bekommen, um vernünftig ernährt zu sein. Fertiger Milchbrei kann gerade unterwegs, im Urlaub oder an Tagen, an denen sowieso schon alles schiefläuft, ziemlich praktisch sein.

Ich würde nur einmal auf die Zutatenliste schauen. Denn zwischen "Milch-Getreide-Brei" und "Milch-Getreide-Brei" können erhebliche Unterschiede liegen.

Regal mit Milch-Getreide-Brei

Worauf sollte man bei fertigem Milchbrei achten?

Als ich diesen Artikel ursprünglich geschrieben habe, habe ich mich durch eine stattliche Anzahl Milchbreipackungen gearbeitet, Tabellen angelegt, Milchanteile ausgerechnet und Zuckerwerte verglichen. Das war sehr aufschlussreich, hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Hersteller ändern ihre Rezepturen.

Eine Liste, welcher Brei wie viele Gramm Zucker enthält und welcher Hersteller wie viel Milchpulver verwendet, ist deshalb schneller veraltet, als man "Gute-Nacht-Bananen-Vollkornbrei" sagen kann.

Viel hilfreicher ist es, selbst beurteilen zu können, was man gerade in der Hand hält.

Je kürzer die Zutatenliste, desto übersichtlicher

Ein Milch-Getreide-Brei braucht nicht besonders viele Zutaten. Die einfache selbst gemachte Variante besteht schließlich ebenfalls nur aus Milch, Getreide und Obst.

Bei einem Fertigprodukt würde ich deshalb zuerst schauen, ob ich die Zutatenliste auf Anhieb verstehe. Vollkorngetreide ist eine gute Basis. Zucker, Sirupe, Honig oder andere süßende Zutaten braucht ein Babybrei nicht.

Auch auf besonders süße Geschmacksrichtungen würde ich eher verzichten. Babys müssen nicht lernen, dass ein Abendessen nach Keks, Schokolade oder Vanilledessert schmecken sollte.

Kleinkind isst Grießbrei mit Apfelmus

Zucker ist nicht automatisch zugesetzter Zucker

Beim Blick auf die Nährwerttabelle lauert allerdings eine kleine Falle. Unter "davon Zucker" steht bei einem Milchbrei fast immer eine Zahl, selbst wenn überhaupt kein Haushaltszucker zugesetzt wurde.

Der Grund ist die Milch. Milch enthält von Natur aus Laktose, also Milchzucker. Auch Obst bringt von Natur aus Zucker mit. Der Gesamtzuckergehalt in der Nährwerttabelle verrät deshalb nicht, wie viel Zucker der Hersteller zusätzlich hineingegeben hat.

Wer wissen möchte, ob gesüßt wurde, muss zusätzlich die Zutatenliste ansehen. Dort können zum Beispiel Zucker, Glukose, Glukosesirup, Fruktose, Maltodextrin oder andere süßende Zutaten auftauchen.

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt für Babybreie Produkte ohne zugesetzten Zucker oder andere Süßungsmittel. Das ist auch mein pragmatischer Maßstab. Man muss aus natürlichem Milch- oder Fruchtzucker kein Problem machen. Zusätzliche Süße braucht ein Babybrei aber schlicht nicht.

Mehr zum Thema findest Du in unserem Artikel über Zucker im ersten Lebensjahr.

Welches Getreide eignet sich für Milchbrei?

Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder andere für Babys geeignete Getreideflocken können verwendet werden. Vollkorngetreide ist eine gute Wahl, weil hier mehr Bestandteile des ganzen Korns erhalten bleiben.

Man muss dabei auch nicht monatelang dieselbe Sorte füttern. Abwechslung ist ausdrücklich sinnvoll. Wenn das Baby Hafer mag, darf es Hafer geben. Wenn es Dinkel liebt, ist Dinkel ebenfalls in Ordnung. Und wenn es bei Hirse das Gesicht verzieht, muss niemand Hirsebrei zur charakterbildenden Maßnahme erklären.

Ich würde bei milchfreien Getreideflocken darauf achten, dass sie möglichst nur aus Getreide bestehen und für die Zubereitung von Babybrei geeignet sind.

Braucht der Milchbrei Obst?

Etwas Obst gehört zum klassischen Rezept. Es bringt Vitamin C mit, das die Aufnahme von Eisen aus dem Getreide verbessert. Dafür braucht es aber keinen halben Obstbecher. Ein wenig zerdrückte Birne, Apfel, Pfirsich, Banane oder anderes geeignetes Obst reicht vollkommen.

Auch Fruchtsaft kann nach dem klassischen Rezept verwendet werden. Ich persönlich finde echtes Obst meist naheliegender, weil es zusätzlich Struktur und weitere Bestandteile der Frucht mitbringt.

Was ist mit Aromen?

Aus Aromen würde ich keine Wissenschaft machen. Ein zugelassenes Aroma macht einen Babybrei nicht plötzlich gefährlich. Nötig ist es aber meistens auch nicht.

Ein Baby lernt Geschmäcker gerade erst kennen. Hafer darf nach Hafer schmecken, Milch nach Milch und Banane nach Banane. Dafür braucht es keinen besonders intensiven Vanille-, Keks- oder Fruchtgeschmack.

Wenn ich die Wahl zwischen zwei ansonsten vergleichbaren Produkten hätte, würde ich deshalb den Brei mit der schlichteren Zutatenliste und ohne Aroma nehmen.

Ist Bio-Milchbrei besser?

Bio kann ein Auswahlkriterium sein, wenn einem ökologische Landwirtschaft wichtig ist. Für die Frage, ob ein Milchbrei sinnvoll zusammengesetzt ist, reicht das Bio-Siegel allein jedoch nicht.

Auch bei einem Bio-Produkt lohnt sich deshalb der Blick auf die Zutaten. Umgekehrt ist ein konventioneller Brei nicht automatisch eine schlechte Wahl. Interessanter als das Logo vorne auf der Packung finde ich meistens das Kleingedruckte hinten.

Selbst anrühren oder Fertigbrei kaufen?

Wenn ich die Wahl habe, finde ich die selbst angerührte Variante ziemlich praktisch. Eine Packung Getreideflocken steht lange im Schrank, die Milch ist ohnehin da und das Obst lässt sich nach Lust und Vorrat wechseln. Außerdem weiß ich genau, was im Brei steckt.

Aber es gibt keinen Orden dafür, Babybrei selbst anzurühren.

Ein passend zusammengesetzter Fertigbrei ist ebenfalls eine Möglichkeit. Manchmal ist genau die Variante richtig, die in dreißig Sekunden auf dem Tisch steht. Gerade mit Baby gibt es genügend Tage, an denen "Wasser dazu und umrühren" ein ausgesprochen überzeugendes Argument ist.

Und wenn mein Baby keinen Milchbrei mag?

Dann mag es keinen Milchbrei.

Der Ernährungsplan mit drei verschiedenen Breien ist eine hilfreiche Orientierung für die Nährstoffversorgung, aber Babys lesen ihn bekanntlich nicht. Manche lieben Brei, andere interessieren sich früh für weiche Stückchen vom Familientisch und viele Familien kombinieren beides.

Auch die Reihenfolge ist weniger starr, als sie lange dargestellt wurde. Nach dem ersten vollständigen Brei können Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei in unterschiedlicher Reihenfolge eingeführt werden. Und kein Baby muss den Milchbrei um 18 Uhr essen, nur weil er traditionell "Abendbrei" heißt.

Wichtiger ist, dass die Ernährung insgesamt abwechslungsreich und passend zur Entwicklung des Kindes bleibt und Muttermilch beziehungsweise Säuglingsnahrung während der Beikostzeit weiter einen wichtigen Platz haben.

Mein Fazit zum Milch-Getreide-Brei

Ich habe bei meiner ersten Beschäftigung mit Milchbreien ziemlich viel Zeit mit Tabellen, Prozentzahlen und Zutatenlisten verbracht. Spannend war das durchaus. Nur hätte ich mir damals vielleicht früher sagen können: Ein guter Milchbrei ist eigentlich erstaunlich unspektakulär. Milch. Getreide. Ein bisschen Obst. Wer selbst anrührt, braucht kaum mehr. Wer ein Fertigprodukt kauft, kann sich an diesem einfachen Rezept orientieren: möglichst überschaubare Zutaten, kein zugesetzter Zucker, kein unnötig süßer Geschmack.

Und ob das Baby anschließend acht Stunden schläft oder nach neunzig Minuten wieder auf der Matte steht, entscheidet leider weiterhin das Baby.

© Danielle feat. Emmi1984