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Schnullerentwöhnung - wie den Nuckel abgewöhnen?

Der Schnuller muss weg? Nur wie? Und wann? Tipps und Tricks zur Nuckelentwöhnung


Der Saugreflex ist angeborenen - schon im Mutterleib saugen Babys an ihren Daumen. Durch das Saugen an der Brust oder einem Nuckel beruhigen sich die meisten Kinder wie von Zauberhand. Schnuller werden  daher häufig zu einem treuen Begleiter für unsere Kinder. Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem sich allmählich ein offener Biss entwickelt oder die Kinder den Nuckel immer und immer wieder lauthals einfordern, dass die  Eltern beschließen: "Jetzt muss der Schnuller aber weg". Häufig ist das mit den schlimmsten Befürchtungen verbunden - meist jedoch grundlos.

Wann und warum "muss" der Schnuller weg? 


offener Biss

Offener Biss
Quelle: http://www.zahnspange-mitte.de
Das Schnullern hat verschiedene Vor- und Nachteile. Wenn das Kind einen Schnuller bekommen hat, ist es frühestens mit 8 Monaten sinnvoll, den Nuckel allmählich weg zu lassen, da sich dann der Saugreflex allmählich zurückbildet. Von Anfang an sollte man darauf achten, dass Kinder nur ohne Nuckel sprechen. Reagiert man konsequent mit "Ich kann kein Wort verstehen", wenn durch den Schnuller genuschelt wird, geht es recht bald in Fleisch und Blut über, dass der Nuckel beim Sprechen aus dem Mund genommen wird. 

Im Laufe des dritten Lebensjahres - also bis zum 3. Geburtstag - sollte der Nuckel abgewöhnt werden. Bis dahin gleichen sich etwaige Schäden am Gebiss noch relativ leicht wieder aus. Durch häufiges Schnullern können sich sonst die oberen Schneide- und Eckzähne verschieben - es formt sich ein so genannter "offener Biss". 

Spätestens, wenn diese beginnende Fehlstellung erkannt wird, sollte der Nuckel der Vergangenheit angehören, denn der offene Biss erschwert das Abbeißen und verhindert ein vernünftiges Kauen der Nahrung. Darüber hinaus wird die Sprachentwicklung beeinträchtigt, weil die Lautbildung -  insbesondere der Zischlaute (s,z) - erschwert ist.
Durch die Verschiebung der Schneidezähne schließen viele Kinder ihren Mund nicht mehr vollständig. Es kommt zu einer verstärkten Mundatmung, die zur Austrocknung der Schleimhäute führt. Dies erhöht das Kariesrisiko und außerdem die Infektanfälligkeit - Schnullerkinder sind bspw. für Mittelohrentzündungen laut einer finnischen Studie anfälliger.

Wenn sich kein offener Biss bilden sollte (was durchaus vorkommt), gibt es keinen Grund, den Nuckel abzugewöhnen. Man kann getrost darauf warten, dass das Kind den Nuckel irgendwann selbst zur Seite legt. Das ist für mich persönlich der kindgerechteste Weg - leider kann man jedoch häufig nicht so lange warten.

Die Schnuller-Abgewöhnung 


Wenn es dann also tatsächlich sein muss, dann sollte das Thema möglichst sanft angegangen werden. Die Schnuller-Entwöhnung sollte nie nach dem Motto: "Augen zu und durch" erfolgen. Wir sollten uns bewusst machen, dass der kleine Tröster ein wichtiger Bestandteil im Leben unserer Kinder ist. Er hat sie stets begleitet und Trost gespendet und nun steht Ihnen erste schmerzhafte endgültige Trennung bevor. Und sie haben auch keinerlei Verständnis für unsere Motivation - schiefe Zähne - das können sie kognitiv nicht erfassen und es würde sie auch nicht interessieren. Wir können also nur appellieren, dass sie nun groß sind - aber selbst das trifft unter Umständen auf kein großes Interesse.

Es sollten auch gerade keine gravierenden Änderungen im Umfeld anstehen (Umzug, Geburt eines Geschwisterchens, Kita-Beginn). Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, ist es empfehlenswert, das Kind langsam und schonend auf den Abschied vorbereitet werden. Ich persönlich bin kein Freund davon, die Nuckel dem Weihnachtsmann oder Christkind mitzugeben - weil der Faktor der Freiwilligkeit hier stark beeinflusst wird - schließlich vermutet das Kind, dass es keine Geschenke bekommt, wenn es den Nuckel behalten will. Das setzt unnötig unter Druck und der Weihnachtsmann wird unter Umständen der doofe Kerl, der die geliebten Schnullis mitnahm. Idealerweise gibt das Kind den Nuckel ja freiwillig ab - zu Mama und Papa wird eher "nein" gesagt, als zum Weihnachtsmann.

Die schrittweise sanfte Abgewöhnung


Ab dem ersten Geburtstag kann man schon mal damit beginnen, die Schnullerzeiten zu begrenzen. Sinnvoll ist es, wenn dann nicht überall Nuckel herum liegen. Auch so kleine Kinder verstehen die Regel, dass es den Nuckel nur noch im Bett, im Auto oder bei Krankheiten gibt (wenn sie denn konsequent umgesetzt wird). Wir haben das Schnullern (allerdings erst mit zwei Jahren) auf das Auto (da will ich wirklich kein Geschrei) und das Bett beschränkt - in letzterem durften die Kinder jederzeit nuckeln, so lange sie darin saßen. Das hat dazu geführt, dass die Nuckelzeiten dort nach und nach immer kürzer wurden, da alles andere natürlich ziemlich schnell interessanter und aufregender war. Trotzdem hatten sie die Möglichkeit, ihr Saugbedürfnis jederzeit zu befriedigen.

Der nächste Schritt wäre die Begrenzung auf das Einschlafen - das sollte mit etwa 2,5 Jahren verhandelbar sein. Ist dieser Schritt erfolgreich bewältigt, kann man das Nuckeln in das Abendritual integrieren - beim Vorlesen darf noch ausgiebig geschnullert werden - danach wird er weg gepackt. Je weniger genuckelt wird, desto weniger notwendig ist Eile - wenn ein 3-Jähriges Kind noch 5 Minuten am Tag nuckelt, wird sein Gebiss keinen Schaden nehmen und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass es irgendwann einfach von selbst nicht mehr Schnullern will.

"Kalter Entzug" 


Ist das Kind bereit, den Schnuller freiwillig abzugeben, kann man sich der Hilfe der Schnullerfee oder anderer Abschiedsrituale bedienen. Bei meiner Tochter hat es mich irgendwann schrecklich genervt, dass sich alles um den blöden Nuckel drehte. Außerdem schien sich mit 2,5 Jahren schon ein offener Biss zu entwickeln. Da außerdem in 3 Monaten die Geburt des Brüderchens bevorstand, habe ich beschlossen, dass jetzt Schluss mit dem Nuckel ist. Wir haben unserer Tochter erzählt, dass die Schnullerfee die Nuckel der älteren Kinder einsammelt und sie den kleinen Babys bringt. Wir haben sie etwa zwei Wochen lang darauf vorbereitet. Am angekündigten Tag legte sie ihre Nuckel auf die Fensterbank, wo die Fee sie unbeobachtet mitnahm und ein kleines Geschenk hinterließ. Sie war  davon total begeistert. Alternativ kann man natürlich auch eine "echte" Nuckelfee kommen lassen, der die Nuckel persönlich übergeben werden.

Zur Vorbereitung auf das einschneidende Erlebnis gibt es auch sehr schöne Bücher - besonders gut gefallen hat uns Moritz Moppelpo braucht keinen Schnuller mehr, Jakob und sein Schnuller und für ältere Kinder (ab 3) Ein Bär von der Schnullerfee.


Wem die Schnullerfee zu absurd ist, der kann den Abschied vom Nuckel auch rituell begehen. Dafür bieten sich bspw. Schnullerbäume an. Dort haben schon andere Kinder ihre nicht mehr benötigten Nuckel angehängt. Das motiviert und bietet dem Kind die Möglichkeit, den treuen Freund zu besuchen. Eine Übersicht von existierenden Schnullerbäumen findest Du hier.

Schnullerbaum

Ist jedoch mit keinerlei Freiwilligkeit zu rechnen, kann auch zu kleineren Tricks gegriffen werden. Das Anstechen des Saugers mit einer Nadel führt bei einigen Kindern dazu, dass ihnen das Schnullern keinen Spaß mehr macht (meinen Sohn würde es jedoch nicht interessieren).

Ebenso hinterlistig und noch wirksamer ist das Abschneiden des Saugers. Alle drei Tage wird ein winziges Stück des Saugers mit einer Schere entfernt. Es wird zunehmend schwieriger für das Kind, den Nuckel im Mund zu behalten, wenn die Saugfläche sich verkürzt. Viele Kinder geben irgendwann entnervt auf und pfeffern den Schnuller dann in die Ecke. Dieses Vorgehen ist vor allem für Latex-Schnuller geeignet, da bei Silikonnuckeln einfacher Teile abgebissen und eingeatmet werden können  - dies ist bei Latex nicht möglich.

Wie schlimm wird der Nuckelentzug werden? 


Ich habe kürzlich in meinem Lieblingsforum eine Umfrage zum Thema gemacht. Dabei habe ich auch gefragt, ob die Nuckelentwöhnung schlimmer, genauso schlimm oder weniger schlimm war, als von den Eltern erwartet wurde. Ich hatte zwar mit einer bestimmten Tendenz gerechnet, aber dass es so eindeutig war, überraschte mich dann doch sehr: 

95% der Befragten (Stichprobenumfang: 40 Kinder) gaben an, dass die Entwöhnung bei ihrem Kind weniger schlimm war, als erwartet. 

Auch Eltern, die der Überzeugung waren, dass es ein riesiger Kraftakt werden würde, weil ihr Kind extrem verliebt in den Beruhigungssauger ist, waren überrascht, wie wenig Drama es letztendlich gab:
"Mega einfach. Habe es ganz schlimm erwartet, denn sie liebte Ihn so sehr, ihren Lulu. Aber ich habe ihr die ganze Woche immer mal wieder erzählt, die Schnullerfee kommt usw. und Sonntag hat es gefruchtet und sie ist ohne meckern, jammern etc. eingeschlafen.Und am nächsten Tag bekam sie ein Geschenk von der Schnullerfee. Die 2. Nacht lief auch super - hat durchgepennt."
 "Viel, viel, viel weniger schlimm, als ich es mir vorgestellt habe, denn beide waren absolute Schnullerjunkies..."

"War bei beiden erstaunlich unkompliziert, ohne Jammerei usw. War auch nie mehr ein Thema."
Einige Mütter schrieben, dass sie den Nuckel schon deutlich eher weg gelassen hätten, wenn sie gewusst hätten, wie unkompliziert es werden würde. Das ging mir bei meiner Tochter ganz genau so. Daher: Nur Mut! Wenn es nicht klappt, kann man immer noch weiter sehen. Mein Sohn beispielsweise brach beim ersten Versuch nahezu zusammen. Ich habe ihn noch nie so fassungslos und aufgelöst gesehen, wie beim Gedanken daran, dass der Nucki nun weg ist. Er hat herzerweichend geschluchzt und hat vor Panik kaum noch Luft bekommen. Selbstverständlich habe ich sofort abgebrochen.

Kind verabschiedet sich vom Schnuller


Der Schnuller ist weg - und nun? 


Ich habe in der Umfrage auch gefragt: "Wie lange danach war der Nuckel noch ein Thema?" Die meisten berichteten, dass nur noch wenige Tage danach gefragt wurde. Diese Erfahrung kann ich bestätigen - von unserer Tochter wurde am ersten Abend vehement nach dem Nuckel gefragt, am zweiten nur noch kurz. Etwa eine Woche lang war er immer mal wieder Thema - aber jedes Mal, wenn wir an die Schnullerfee erinnerten und ihr sagten: "Die Nuckel wurden doch schon zu den ganz kleinen Babys gebracht", gab sie sich damit zufrieden (und war auch immer gleich ein bisschen stolz).

Leider wirkte sich bei uns der Entzug auf den Mittagsschlaf aus. Nachdem der "Nunni" weg war, war an Tagschlaf eigentlich gar nicht mehr zu denken. Nun - wenigstens war sie dann so müde, dass die allabendliche Einschlafbegleitung eingestellt werden konnte, weil sie quasi sofort einschlief. Bei den meisten Kindern ist die Mittagsschlafverweigerung aber nur ein vorübergehendes Phänomen. 

Welche Erfahrung habt ihr gemacht? Schreibt uns doch einen Kommentar!

© Danielle

Quellen


Schmelz, Dr. med. Andrea: Gesundheit und Erziehung für mein Kind, riva Verlag

K. Edelmann, B. Gebauer-Sesterhenn, A, Pulkkinen: Die ersten drei Jahre meines Kindes, GU-Verlag

Bildnachweis 
offener Biss: http://www.zahnspange-mitte.de