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#RegrettingMotherhood - Wenn Frauen das Muttersein bereuen


Vor kurzem bekam ein eine E-Mail eines Mitarbeiters von Radio Regenbogen. Er fragte mich, ob ich für die Morgenshow am Mittwoch kurz etwas zum Thema zum Thema #Regretting Motherhood sagen könnte.

Ich habe die sehr emotionale Debatte intensiv verfolgt und möchte meine Gedanken zu dem Thema gerne für Euch zusammenfassen.
 
 

Der Ausgangspunkt: Die Studie

 
Auslöser für die Diskussion war ein Artikel vom 5. April 2015 in der Süddeutschen Zeitung mit der etwas reißerischen Überschrift "Unglückliche Eltern - Sie wollen ihr Leben zurück". Im Artikel erfuhr man, dass die israelische Wissenschaftlerin Orna Donath für eine Studie 23 Frauen fand, die das Muttersein fast ausschließlich als Bürde empfinden. Und zwar so sehr, dass sie mit ihrem jetzigen Wissenstand nochmal vor die Wahl gestellt, definitiv entscheiden würden, kein(e) Kind(er) zu bekommen. Zwar würden diese Mütter ihre Kinder lieben und auch nicht bereuen, dass sie da sind - dennoch möchten sie einfach keine Mutter sein. Als Gründe für die Reue wurden vor allem Sorgen, die hohe Verantwortung und Konflikte zwischen Familienleben, Beruf und den persönlichen Bedürfnissen genannt.
 

Wie kommt es zu diesem seltenen Phänomen?


Die Natur sichert das Überleben der Menschen durch den Mutterinstinkt. Die Kombination aus dem Kindchenschema - große Augen, großer Kopf, runde Wangen - und einem Feuerwerk aus Hormonen und Pheromonen nach der Geburt stellen üblicherweise sicher, dass Mütter sich sofort in ihr Neugeborenes verlieben und sich zuverlässig um dessen Wohlbefinden kümmern.
 
Wie bei allen anderen Dingen in der Natur kann es auch hier zu Unregelmäßigkeiten im System kommen. Gar nicht wenige Mütter erleben diese überwältigenden Gefühle der Liebe nach der Geburt nicht - ihnen wird das Kind auf die Brust gelegt, sie schauen es an und denke: "Oh je - und nun?" In den meisten Fällen stellt sich bei ihnen die Mutterliebe etwas später, aber dann doch umfassend ein. Die wenigsten sprechen darüber, wenn es bei ihnen anders läuft - schließlich kennen sie nur euphorische Berichte und fragen sich, was bei ihnen schief gegangen ist. Es fällt schon schwer, vor sich selbst zuzugeben, dass die bedingungslose Liebe nicht sofort da war, sondern erst wachsen musste. Diese Eltern haben oft Angst, dass sie ihr Kind nicht genügend lieben können. Was müssen erst die Eltern empfinden, die warten und warten und bei denen sich diese innige Liebe und Verbundenheit einfach nicht einstellen will? Ihnen fällt es in der Regel dann sehr schwer, eine intensive Bindung zum Kind aufzubauen. Das passiert zwar sehr, sehr selten - aber es passiert. Diese Frauen bereuen oft ihre Mutterschafft, weil sie denken, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Sie haben das Gefühl zu versagen und kämpfen ständig mit Sorgen und Ängsten.

Woran es liegt, dass sich einfach keine Muttergefühle einstellen wollen, darüber wird spekuliert, Forschungen dazu gibt es bisher nicht. Häufig steckt eine nicht erkannte und damit unbehandelte Depression dahinter - der Hormonumschwung im Wochenbett führt bei 60 bis 80 % aller Frauen zu einer kleinen Verstimmung, dem sogenannten Babyblues - auch Heultage genannt. Etwa 10 bis 20 % entwickeln eine ausgeprägtere Depression, die sich oft prägend auf die Mutter-Kind-Beziehung auswirkt.
 
Die ersten Wochen und Monate im Leben eines Babys sind enorm wichtig für die Entwicklung einer sicheren und stabilen Bindung. Das geschieht vor allem dadurch, dass auf die Signale des Kindes zuverlässig reagiert wird. Das fällt Frauen mit einer Wochenbettdepression extrem schwer, weil sie sich schnell überfordert fühlen und sehr mit sich selbst beschäftigt sind. So entsteht ein Kreislauf aus unzufriedenem Kind und einer immer angestrengteren Mutter. Wird diese Erkrankung nicht behandelt, kann das dazu führen, dass sich keine innige Mutter-Kind-Beziehung entwickelt und die Mutter im Ergebnis wirklich bereut, ein Kind bekommen zu haben. Das ist zumindest ein Erklärungsansatz.
 
Unabhängig davon, ob man es erklären kann oder nicht - dieses Gefühl ist einfach da und verschwindet in den meisten Fällen nicht mehr. Mütter, die so empfinden, schämen sich dieses Gefühls zutiefst und sprechen darüber nie, da bezüglich solcher Empfindungen völliges Unverständnis (vor allem bei Müttern) herrscht.
 

Die Reaktion auf #RegrettingMotherhood im Internet


Der Artikel über die Frauen, die ihre Mutterschaft bereuen, verbreitete sich in Windeseile im Internet, er wurde getwittert, geteilt und geliked. Innerhalb weniger Tage erschienen auf Elternblogs zahlreiche - zum Teil sehr kontroverse Artikel - die intensiv kommentiert und diskutiert wurden. Der Hashtag #RegrettingMotherhood spaltete Deutschlands Elternschaft und wird auch offline intensiv diskutiert.

Dabei ist man mittlerweile größtenteils vom ursprünglichen Thema abgekommen. Die schonungslose Offenheit der Mütter, die es bereuen, Kinder bekommen zu haben, hat dazu geführt, dass einige Mütter sich ein Herz fassten und einfach ein Tabu brachen, indem sie sagten: "Ich bin nicht glücklich mit meinem Mutterdasein". Dabei sagte jedoch keine der Diskutierenden tatsächlich: "Ich hätte lieber keine Kinder bekommen sollen". Nach den ersten zaghaften Andeutungen, dass man auch mal an die Zeit vor den Kindern zurück denken würde und sich etwas von der Unbeschwertheit zurückwünschen würde, brachen die Dämme und viele Eltern schrieben darüber, wie sie die Elternschaft überschätzt hätten, wie sie sie häufig überfordere und wie das Umfeld dazu beiträgt, dass man sich ständig unzulänglich fühlt.

Das führte dann zu Reaktionen wie "Das weiß man doch wohl vorher!", "Warum kann man seine Bedürfnisse nicht einfach mal für eine gewisse Zeit zurückstellen?" und "Wie kann man so etwas öffentlich schreiben, wo es später die Kinder lesen können?" Es ist parallel also eine Diskussion über das Bild der Mutter in der Gesellschaft entbrannt und es wird  nunmehr im Grunde vielmehr darüber diskutiert, ob man als Eltern überhaupt unzufrieden sein darf.
 

Warum Eltern manchmal unzufrieden sind

 

Falsche Erwartungen in Bezug auf die Elternschaft


Werdende Mütter kann man im Grunde in zwei Kategorien einteilen - solche, die über Erfahrungen mit Kindern verfügen und solche, die in ihrem bisherigen Leben kaum Kontakt zu Kindern hatten. Durch den Trend von der Großfamilie zur Kleinfamilie gibt es zunehmend mehr Frauen, die in Laufe ihres Lebens kaum Berührungspunkte mit Kindern haben. Das Konstrukt der Familie erleben sie nur oberflächlich im Umfeld oder in den Medien.

So gibt es tatsächlich nicht wenige Mütter, die wirklich nicht wissen, worauf genau sie sich da einlassen, wenn sie beschließen: "Ich bekomme ein Kind". Denn durch das in der Gesellschaft hoch gehaltene Bild der überglücklichen Mutter ahnen sie nicht ansatzweise, was sie erwartet. Durch das Tabu über die Anstrengungen der Elternschaft zu sprechen, können sie es ja auch gar nicht.

Man braucht sich nur in jede x-beliebige Krabbelgruppe oder irgendeinen PEKIP-Kurs setzen - dort trifft man nur auf gutschlafende, gutessende, immerzufriedene Babys. Man hat den Eindruck, bei allen anderen Eltern sei das Kinderhaben weder aufwändig noch problematisch. Das führt dazu, dass eine harmonisch funktionierende Familie als "Normalzustand" klassifiziert wird und man sich bei Abweichungen von der Norm automatisch unzulänglich fühlt. Und natürlich unglücklich und überfordert.

Die Erkenntnis, dass die unkomplizierten Kinder durchaus seltener als angenommen sind und es einen gewisser Totschweigfaktor bezüglich des Schlaf- oder Trotzverhaltens besteht, kommt häufig recht spät. Wer bis dahin versucht, im Bilderbuchmutti-Kampf mitzuhalten, wird recht schnell und frustriert an seine Grenzen kommen.

Frauen, die im näheren Umfeld bereits Erfahrungen mit Babys und Kindern sammeln konnten, wissen in der Regel, dass Babys anstrengend und fordernd sein können. Die Anstrengung überrascht sie daher in der Regel nicht, weil sie schon darauf eingestellt sind. Sie haben durchschaut, dass im Grunde alle Eltern die selben Probleme haben - der eine möglicherweise ausgeprägter, als der andere. Sie verfügen generell über über viel mehr Gelassenheit.

"Das weiß man doch vorher" trifft also nicht auf jede Mutter zu. Bei der Diskussion sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass Menschen vollkommen unterschiedliche Erfahrungshorizonte haben. Viele konnten es überhaupt nicht wissen - und die sollten auch vorwurfsfrei überrascht oder überfordert sein dürfen.

 

Der Mythos der ewigen Glücksseligkeit durch die Mutterschaft


Es herrscht die allgemeine Auffassung, dass Mütter grundsätzlich glücklich sein müssten. Schließlich erfüllen sie mit ihrer Elternschaft die von der Natur für sie vorhergesehene Aufgabe. Das setzt Eltern extrem unter Druck. Auch wenn es ihnen nicht bewusst ist - sobald ihr Kind gezeugt wird, treten sie in einen Wettstreit. Das beginnt mit den Vermessungen im Mutterleib, wo durch die heute mögliche technische Dauerüberwachung jede kleine Abweichung nach oben und unten kritisch beäugt werden kann.

Bei der Geburt und in den folgenden Wochen wird wieder vermessen und gewogen und verglichen. Was kann das Kind, was sollte es können, erfüllt es die Anforderungen? Das Kinderhaben ist zu einem riesigen überwachten Projekt geworden, bei dem Eltern eine große Verantwortung haben, es "richtig" zu machen. Und zum Richtigmachen gehört dazu, dass man entspannt und fröhlich dabei ist.

Das Glücklichsein hat oft auch eine Schutzfunktion. Durch den Projektstatus sind Eltern zunehmend umfassender informiert - leider oft auch sehr unterschiedlich. "Er schläft nicht allein? Versuche mal 'Jedes Kind kann schlafen lernen", "Lass das Kind bloß nicht schreien, damit zerstört man das Urvertrauen, nimm es mit in dein Bett", "Auf keinen Fall! Das kriegst du da doch nie wieder raus!"... eine unendliche Vielfalt an Wegen, Handlungsmöglichkeiten und Alternativen erschlägt uns nahezu - jeder meint, es genau oder besser zu wissen. 

Sobald man auch nur andeutet, dass man ein Problem mit seinem Kind hat, wird man mit einer Flut an Ratschlägen überschüttet, die man kaum sortieren kann. Natürlich will man das Beste für das Kind - nur was ist das Beste? Um das zu umgehen, vermeiden viele Eltern einfach, über Probleme zu sprechen. Wodurch sie dann bei den anderen wieder den Eindruck erwecken, bei ihnen liefe alles prima...

Es ist also wenig verwunderlich, dass Eltern daran verzweifeln, das Bild der glücklichen, unkomplizierten Familie nur mit sehr viel Anstrengung aufrecht erhalten zu können. Die wenigsten schaffen es, das Umfeld und den Wettkampf zu ignorieren. Wären wir alle ein bisschen offener und würden wir etwas toleranter in Bezug auf andere Lebens- und Erziehungsansätze sein, würde das die Lage deutlich entspannen und das Bild der Elternschaft in der Gesellschaft etwas realistischer gestalten.
 

Das unterschiedliche Maß der Bereitschaft zurück zu stecken


Einer der am heißesten diskutierten Aspekte ist der Wunsch nach mehr Freiheit. Es sei egoistisch, die langen Partynächte oder weiten Urlaubsreisen zu vermissen, heißt es da. Kinder bringen Verantwortung mit sich - da müssen man eben mal zurückstecken. Dabei wird recht schnell aus den Augen verloren, dass Menschen sehr unterschiedlich intensive Bedürfnisse haben. Natürlich fällt es jemandem, der schon als Jugendlicher keine Diskotheken mochte, ganz leicht zu sagen: "Da gehen meine Kinder vor!" Für jemanden, der leidenschaftlich gerne tanzt und für den Ausgehen am besten zur Entspannung beiträgt, für den bedeutet die allabendliche Babyphoneüberwachung eine viel größere Entbehrung.

Das Elternsein bringt für alle Eltern kleinere und größere Verluste an Lebensqualität mit sich - wie stark diese für jemanden ins Gewicht fallen, kann niemand anderes beurteilen. Der eine kann die Problematik des Schlafmangels nicht nachvollziehen, weil er sonst auch wenig schläft und häufig aufwacht, ein Baby schränkt ihn diesbezüglich nicht ein. Ein anderer braucht unbedingt eine bestimmte Zahl an Stunden ununterbrochenen Schlafs, damit er den Tag einigermaßen übersteht - für ihn können Schlechtschläferkinder tatsächlich die Hölle sein und es ist nachvollziehbar, wenn derjenige beim fünften Aufwachen in der Nacht kurz denkt "Das nervt!".

Für das seelische Wohlbefinden braucht jeder Mensch andere Dinge - dass er diese vermisst, das ist vollkommen nachvollziehbar. Warum sollte derjenige das nicht bedauern und darüber sprechen? Warum sollten wir darüber urteilen? Vielmehr ist es doch ein Glück, wenn wir es ohne weiteres schaffen, unsere Bedürfnisse zurückzustecken. Aber das kann nicht von jedem erwartet werden.

 

Der Einfluss der familiären Unterstützung


Man darf auch nicht vergessen, dass unsere Lebensumstände sehr unterschiedlich sind. Während bei dem einen die eigenen Eltern im selben Haus oder Ort leben, haben andere Familien keinerlei Unterstützung. Nun ist es für denjenigen, dessen Kinder auch mal liebevoll von Eltern oder Tanten betreut werden, damit die eine oder andere Stunde Freizeit abfällt, ein Einfaches zu sagen: "Ist doch alles ganz entspannt, warum sollte man Muttersein bereuen?" Leider fehlt vielen Unterstützung und sie müssen sich rund um die Uhr um Haushalt und Kinder kümmern. Dass man da die fehlende freie Zeit für sich schneller mal bedauert, ist nachvollziehbar.
 
Vor allem Alleinerziehende sind besonders belastet. Sie tragen in besonderem Maße Verantwortung und haben häufig besonders wenig Rückhalt in Netzwerken. Da sie für alles allein zuständig sind, fehlt ihnen die Zeit, Kontakte zu pflegen, wodurch eine höhere Gefahr besteht, dass sie sozial vereinsamen. Zudem können sie häufig - wenn überhaupt - nur auf die Hilfe der halben Familie zurück greifen.

Die Freude am Muttersein


Es gibt tatsächlich Frauen, die sind einfach geborene Mütter. Nichts füllt sie so sehr aus, wie Kinder zu haben und wirklich alles fällt ihnen leicht. Sie tragen hingebungsvoll ihre Kinder, schlafen jahrelang mit ihnen im Familienbett und lieben es stundenlang mit ihnen zu spielen. Ehrlich gesagt - ich kenne genau eine Mutter, die so ist und bestaune und bewundere sie sehr. Ihr käme es nie in den Sinn zu sagen, dass sie etwas bereut oder vermisst - stattdessen wünscht sie sich fünf Kinder und geht vollkommen in ihrer Mutterschaft auf.

Viele Frauen stellen jedoch überrascht fest, dass sie das Mutterdasein doch nicht so ausfüllt, wie sie es erwartet haben - zumindest nicht über längere Zeit. Auch hier ist es wieder problematisch, dass sie sich als sonderlichen Exoten empfinden, bei dem irgendein natürlicher Mechanismus nicht funktioniert. Befeuert wird das schlechte Gefühl von Debatten über Fremdbetreuung, bei denen zumindest ein Teil der Mütter die Ansicht vertritt, ein Kind unter drei Jahren solle keinesfalls von jemand anderem als ihrer Mutter betreut werden. So bleiben nicht wenige Mütter länger der Arbeit fern, als sie es gerne würden. Paart sich das mit einer gewissen Isolation, weil man kaum Kontakte zu anderen Müttern knüpfen kann, hat das natürlich Einfluss auf das Wohlbefinden der Mutter und es ist nicht weiter erstaunlich, wenn diese sich gelegentlich sagt: "Ohne Kind ginge es mir im Moment besser".

 

Die Angst vor der Verantwortung

 
Wer kennt das nicht? Da verlässt man das Krankenhaus, in dem man gerade noch lauter Ansprechpartner bei allen Fragen hatte... und sitzt plötzlich allein und ziemlich ahnungslos daheim. Plötzlich ist da dieser Stein im Magen und man fragt sich ganz zweifelnd, wie man diese Verantwortung tragen soll. Hat man dann noch ein Schreibaby, ist die Verzweiflung groß - man fühlt sich hilflos und einsam.
 
Zwar hört man immer wieder von anderen "Da wächst man rein" und das tut man auch bis zu einem gewissen Grad - aber viele begleitet dieses ängstliche und hilflose Gefühl lange Zeit. Sich permanent zu fragen, ob alles, was man tut gut und richtig ist, sich vor Entscheidungen zu fürchten, weil Sachverhalte so unglaublich komplex sein können - all das zermürbt einige Mütter.
 


 

Was die Diskussion uns zeigt

 
Die #RegrettingMotherhood-Debatte ist im Grunde eine sich in den Schwanz beißende Katze und macht deutlich, was genau unser Problem ist: Die Erwartungshaltung. Dadurch, dass kaum einer sich traut, darüber zu reden, entsteht in der Gesellschaft ein Bild der umfassend glücksseligen Mutter. Sobald Frauen bemerken, dass sie dieses Bild nicht erfüllen können, weil sie eben nicht restlos glücklich und zufrieden sind und der Erfüllung ihrer Bedürfnisse nachtrauern, ziehen sie sich zurück.
 
Da vermeintlich nur bei ihnen die Freude am Mutterdasein eingeschränkt ist, halten sie das für ihr eigenes Versagen und schämen sich. Sie versuchen jedoch, sich ihre Verunsicherung und ihre Unzufriedenheit nicht anmerken zu lassen, damit sie das Klischee "glückliche Mutter" erfüllen.
 
Umso befreiender ist es nun für Müttern, im Rahmen der Diskussion zu lesen, dass es vielen anderen Müttern genauso geht, wie ihnen. Dass sie erschöpft sind, manchmal keine Lust mehr auf den ganzen Kinderkram haben und einfach nur gerne ein Buch lesend am Strand sitzen möchten. Am besten auf einer ganz einsamen Insel. Tatsächlich würden sie nach ein paar Stunden ganz sicher wieder gerne zurück zu ihren Kindern - denn keiner bereut die Mutterschaft wirklich, nur weil er sich ein paar Dinge wünscht oder welche vermisst.
 
Die Diskussion, die hier in den Social-Media-Kanälen und Blogs geführt wird, hätte eigentlich treffender #DisillusionedByMotherhood heißen müssen - sie hat mit dem sehr seltenen Umstand, dass Mütter tatsächlich keine Mütter sein wollen oder können wenig zu tun - ist aber wegen der breiten Masse an Betroffenen ebenso wichtig. Mütter, die tatsächlich bereuen, dass sie Kinder bekommen haben, können sich von der aktuellen Debatte nur missverstanden fühlen. Daher trägt die Diskussion leider nur dazu bei, dass sich das Tabu festigt.

Ich hoffe von Herzen, dass die Frauen, die ihre Mutterschaft bereuen Unterstützung und Hilfe haben, um diesen schwierigen Weg zu beschreiten. Sie haben es sich nicht ausgesucht und sie können ihre Situation nicht ändern - obwohl sie sich das sicher von Herzen wünschen. Daher wünsche ich mir als Ergebnis von #RegrettingMotherhood vor allem generell mehr Toleranz und ein offeneres Ohr für Themen, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt nachvollziehen kann. Und wir alle können daran arbeiten, ein realeres Bild vom Elternsein zu schaffen. Lasst uns darüber reden, wenn etwas nicht gut läuft oder wir mal am Ende unserer Kräfte sind und nicht so tun, als wäre alles eitel Sonnenschein.
 
© Danielle