Wanna be my sugardaddy? Über Zurückweisung, Wertschätzung, Kaffeekapseln und Trinkgeld


Immer, wenn ich nicht ganz auf der Höhe meiner Beziehungsfähigkeit und Erziehungskompetenz bin, werden meine Kinder... anstrengend. Letztens z. B., als es so wahnsinnig heiß war, saßen wir im Garten und mein Fräulein Chaos wollte andauernd mit mir kuscheln. Mir war aber heiß! Ich schwitzte ganze Sturzbäche. Ich wollte nicht auch noch ein klebriges, müdes Riesenkind auf dem Schoß haben. Zumal ihre Geschwisterkinder auch noch meiner Aufmerksamkeit bedurften. Ich musste mal dies und mal das regeln, hierhin und dorthin gehen und war froh, zwischendurch allein verschnaufen zu können.
 
Immer wieder hörte meine Tochter also auf ihr "Mama, ich möchte kuscheln!" ein "Jetzt nicht Kind, es ist zu heiß". Ihr Gesicht verfinsterte sich mit jeder Zurückweisung. Am Ende des Abends, als ich mit allen nach oben gehen wollte, weigerte sie sich. Sie rannte vor mir weg, versteckte sich und behauptete steif und fest, sie wolle heute allein im Garten schlafen. Als ich dahingehend nicht mit mir reden ließ (sie wäre im 2. Hinterhof eingeschlossen und allein in der Nacht in der Großstadt, das geht mit einer 5-Jährigen einfach nicht), fing sie an, mich leicht zu kneifen und zu boxen. Sie streckte mir die Zunge raus und sagte allerlei wütende Dinge.

Mein erster Impuls war Genervtheit. "Mann ey," dachte ich, "ich gebe sooooo viel und nun war ich einen Nachmittag lang mal nicht 100% da und gleich wirst du sauer mit mir. Boah!" Wie es meine Art ist, wollte ich selber bockig werden und mich verletzt zurückziehen und "sie auszicken" lassen. Doch, doch, leider sind das auch nach all der Zeit immer noch meine ersten Gedanken. Mich abzuwenden von einem Kind, das "frech" ist, ist tief in mich eingraviert. Ich muss all meine Kraft zusammennehmen, diese Impulse zu durchbrechen. Und das tat ich dann auch. Denn eigentlich war ihr "freches" Verhalten  ja nur eine sehr direkte Rückmeldung darüber, dass ich sie mit meiner Unbedachtheit verletzt hatte. Ich straffte also meine Schultern, hob sie auf meine Arme, kuschelte und begann, mich bei ihr dafür zu entschuldigen, ihr echtes Bedürfnis an diesem Nachmittag immer wieder überhört zu haben... 

Schlechte Werbung schadet


Vor nicht allzu langer Zeit gab es hier im Blog einen Artikel, der einige Wogen verursachte. Vielleicht erinnert ihr euch daran: Nach der Veröffentlichung einer Werbung für Café Royal waren viele von euch LeserInnen verärgert und enttäuscht. "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten" und Werbung für Müllberge produzierenden Kapselkaffee - das passt nicht zusammen, so eure einhellige Meinung. Ungewohnt harsche Kommentare erschienen unter dem als "Werbung" gekennzeichneten Text. Befremdlich, unpassend, hölzern,  irritierend, schockierend, ein Reinfall, doof und geht gar nicht waren einige der Dinge, die wir an diesem Tag von euch lasen. 


Ich kann euch verraten, dass das hier im Hintergrund einiges an Emotionen auslöste. Vielleicht flossen sogar ein paar Tränen - das möchte ich weder bestätigen noch dementieren ;-). In jedem Fall ließ es uns nicht kalt. Der Eklat lag bleiernd in unseren Mägen. Optionen wurden hin und her gewälzt. Sollen wir den Artikel gleich wieder löschen und das Werbe-Honorar zurückgeben? Wäre das nicht unprofessionell? Sollen wir die Kommentarspalten schließen? Wäre das nicht unprofessionell? Sollten wir den Artikel ins Archiv verschieben, damit er nicht mehr auf den ersten Blick zu sehen ist? Verletzte das unseren Vertrag mit dem Kaffeehersteller? Oder sollten wir uns gar zurückziehen? Das war der allererste Impuls, er verflog jedoch ganz schnell wieder.

Wir entschieden uns stattdessen, eure Kritik auszuhalten - und anzunehmen. Denn letzten Endes habt ihr uns - wie meine Kinder es gerne tun - mit euren Kommentaren nur glasklar und unmissverständlich rückgemeldet, dass wir auf der Beziehungsebene mit euch unachtsam waren. Wir haben euer Bedürfnis verletzt, als LeserInnen ernst genommen und wertgeschätzt zu werden. Für ein (nicht einmal sehr hohes) Honorar wollten wir euch etwas "verkaufen", das nicht zu euch passt und das der Vorbildfunktion des Blogs nicht gerecht wird. Wir möchten euch also um Entschuldigung bitten für diesen einen "Nachmittag", an dem wir nicht 100% für euch da waren. Wir möchten euch um Entschuldigung bitten für diesen einen Artikel, bei dem wir nicht an euch, sondern an Geld gedacht haben.

Wir versprechen, in Zukunft die Werbung im Blog sorgfältiger auszuwählen - soweit etwas auszuwählen ist. Denn ganz so einfach, wie man möglicherweise denkt, ist es leider nicht, einen Kooperationspartner oder Sponsor zu finden. Es gibt natürlich dann und wann Angebote, doch auf diese bewerben sich meist zig andere Elternblogs. Das erkennt man dann daran, dass plötzlich gefühlt alle für "den lustigen Kindergartenrucksack mit der Zunge" oder die "geniale Zahnputzapp für Zahnputzmuffel" werben. Wer dem Kooperationspartner gefällt, hat Glück und wird ausgewählt - die anderen gehen in dieser Runde leer aus. 

Das ist ja auch nicht schlimm, weil die meisten von uns Elternbloggern nebenbei noch arbeiten, aber einige Mutige leben auch vom Blog und das kann dann leicht zum Hamsterrad werden, wenn man darauf angewiesen ist, Monat für Monat genügend Werbepartner zu akquirieren. Dieser Umstand kann - und das ist auch schon passiert - Blogger in den Burnout treiben. Beim Gewünschtesten Wunschkind-Blog kommt noch hinzu, das hier zwei Frauen im Hintergrund stehen - wir teilen die Arbeit, aber eben auch die Einnahmen, die dann auch noch versteuert werden müssen. Da wird aus einem hübschen kleinen Honorar im Handumdrehen ein ganz kleines Taschengeld. 

Bezahl-Schranke als Geldquelle - nein, danke!


Ich weiß nicht, wie oft uns von Experten schon geraten wurde, unser Wissen nicht mehr kostenlos zur Verfügung zu stellen. Jetzt, da wir so bekannt und groß seien, könnten wir doch eine Bezahlschranke einrichten. Jeder, der dann unsere Artikel lesen möchte, müsste uns dafür ein kleines Entgeld zahlen. Nicht viel natürlich, man wolle ja die Leser nicht verschrecken. Aber andere würden das doch auch erfolgreich praktizieren und für die Elternzeitschrift aus Papier würden die Eltern doch auch ohne nachzudenken fünf Euro über die Laden-Theke schieben. 

Ja... das mag alles sein. Vielleicht wäre das irgendwie klüger von uns, wirtschaftlich gesehen. Aber wir weigern uns, das zu tun. Dann bleiben wir lieber unbezahlt. Denn inwiefern ist eine Bezahlschranke anders, als ein "Wenn-Dann" zwischen Eltern und Kind? Wenn du meinen Artikel lesen willst, dann musst du erst mal in deine Tasche greifen und Geld an mich bezahlen. Wenn du einen süßen Nachtisch willst, dann musst du dich zuerst am Hauptgericht satt essen. Wenn du raus spielen gehen willst, musst du zuerst dein Zimmer aufräumen.... Nee, das ist einfach nicht unsere Art. So gehen wir nicht mit unseren Kindern um und so wollen wir unsere LeserInnen nicht behandeln.


Dennoch - so ein bisschen regelmäßige monetäre Unterstützung für den Blog wäre nett. Neben dem Unterhalt für das Hosten der Webseite und das angrenzende Leser-Forum fänden wir es einfach schön, wenn uns das etwa fünfstündige Schreiben unserer Artikel jeden Tag nicht nur Freude bringt (denn das tut es!), sondern vielleicht auch den Kaffee und das Baguette bezahlen, die wir dabei konsumieren. Wir hatten vor einiger Zeit in diesem Beitrag ja schon darüber geschrieben, dass wir durch Werbung etwas mehr finanzielle Freiheit und damit Zeit zum Schreiben gewinnen wollen. Tja - und deshalb haben wir eben angefangen, auch bezahlte Werbetexte zu schreiben. Wie man das nun unbedingt nicht tun sollte, das haben wir jetzt durch Eure Reaktion auf den Kaffee-Beitrag gesehen. 

Unterstützung von Lesern - ein besserer Weg?


Eine der Reaktionen auf den Artikel war eine E-Mail unserer Leserin Quatschmama. Sie schrieb uns auf behutsame und wertschätzende Art und Weise, warum sie diese Werbung unangenehm berührte. Auch hier möchte ich weder bestätigen noch dementieren, dass Tränen der Erleichterung und, nunja, auch der Scham flossen. Es war ein hochemotionaler Tag, denkt euch euren Teil.

Quatschmama war der Überzeugung, dass viele unserer Leser uns gerne unterstützen würden. Diese Idee hatte schon Frühlingskindermama vor zwei Jahren - sie schlug uns damals vor, dass wir auf unserem Blog einen Flattr-Button installieren. Durch Flattr können Autoren unterstützt werden, indem Leser ihnen kleinere Geldbeträge spenden. Leider hat sich Flattr jedoch nie richtig durchgesetzt.

Quatschmama machte uns nun auf eine Internetplattform namens Tipeee aufmerksam, bei der wir für unsere Arbeit freiwillige Trinkgelder sammeln können. Im Prinzip läuft es so: Ihr sagt: "Ich bin ein Fan dieses Blogs, lese hier gern und möchte wirklich nie wieder von euch mit Texten über Kaffeekapseln belästigt werden. Um das zu verhindern, werde ich euer Sugar-Daddy!" Ihr meldet euch auf unserer Tipeee-Seite an und legt dann einen Betrag fest, der euch nicht weh tut und den ihr uns monatlich senden möchtet.

Es ist natürlich jederzeit möglich, eure Unterstützung unkompliziert wieder zu beenden, wenn ihr nicht mehr mit den Artikeln zufrieden oder ihr gerade knapp bei Kasse seid. Das Geld (+ einer Gebühr für Tipeee) wird am Anfang jeden Monats automatisch von eurem Paypal-Konto oder eurer Kreditkarte abgezogen. Ihr müsst euch also nach der Anmeldung um nichts mehr kümmern. Wir bekommen das Geld dann am Ende des Monats ausgezahlt und schaffen mit dem ersten Geld erst einmal eine professionelle Siebträger-Kaffeemaschine für Danielles Büro an, damit sie die blöden Kapseln rauswerfen kann! ;-)

Kommen genug Sugar-Daddys zusammen, könnten wir den Blog möglicherweise sogar komplett werbefrei halten. Wir wagen gar nicht, davon zu träumen, aber theoretisch möglich wäre das durchaus. Unser Leser-Forum haben wir zum Beispiel dank einer Spende von Quatschmama schon jetzt für ganze zwei Jahre von jeglicher Werbung freikaufen können! 

Wertschätzung und Dank auf beiden Seiten


Als Dankeschön für eure Unterstützung bekommen alle, die mindestens 1 Euro im Monat spenden, auf Wunsch per Email alle neuen Texte exklusiv etwa zwei bis drei Tage vorher zugeschickt. Alle, die mindestens 5 Euro im Monat spenden, bekommen zusätzlich zu den Vorab-Texten noch kleine Anekdoten aus dem Erziehungs-Alltag mit unseren Kindern, die bisher nirgendwo in unserem Blog auftauchen. Stellt euch das so vor, als würden wir virtuell miteinander als Freundinnen im Café sitzen - ihr ladet mich zum Kaffee ein und ich erzähle euch, dass ich endlich herausgefunden habe, warum Herr Friedlich so wild darauf ist, an die Bonbons seiner Schwestern ranzukommen (nicht, weil er sie essen will!) oder was mein Konzertbesuch in London als ich 20 war damit zu tun hat, dass ich heute auf dem Spielplatz so viel gewaltvolle Kommunikation zwischen Eltern und Kindern erkenne.

Für alle von euch, die nichts spenden können oder wollen, ändert sich rein gar nichts. Unsere Texte im Blog werden die gewohnte Qualität beibehalten und sie werden weiterhin für alle kostenlos im Netz abrufbar sein. Eure Unterstützung soll, das ist uns wirklich wichtig, wie die Kooperationsbemühungen unserer Kinder absolut freiwillig sein. Wie genau eure Unterstützung aussehen soll, bestimmt allein ihr. Ob ihr unsere Sugar-Daddys werdet oder uns unter den Artikeln liebe Kommentare hinterlasst, ob ihr unseren Blog weiterempfehlt oder sogar Texte ausdruckt, um sie anderen zu zeigen, ob ihr uns Bücher über unsere Amazon-Wunschliste schenkt, ob ihr uns auf Facebook liked oder teilt oder auch ob ihr einfach nur treue, stille LeserInnen bleibt - ihr gebt einfach, was ihr geben könnt als Wertschätzung unserer Arbeit und wir freuen uns darüber. 

Was uns wirklich wichtig ist


Bevor ihr nun auf  unsere frisch eingerichtete Seite bei Tipeee hüpft, ist es uns ein Anliegen, euch noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, für wen ihr hier - falls ihr euch dafür entscheidet - spendet.

Wir sind keine Heiligen. Bitte stellt uns nicht auf einen virtuellen Sockel. Uns ist bewusst, dass wir für viele von Euch Vorbilder sind und wir bemühen uns sehr, dem gerecht zu werden, aber bitte behaltet im Blick, dass wir, wie alle, Menschen mit Schwächen sind. Danielle benutzt im Büro Kaffee-Kapseln, das wisst ihr schon. Ich kaufe oft Kaffee in Pappbechern, wenn ich spontan Lust darauf habe. Habe ich die Tupper-Wasserflaschen meiner Kinder zuhause vergessen, kaufe ich schnell irgendwo unterwegs eine Einweg-Flasche, damit sie trinken können. Ich habe nach zwei Jahren aufgehört, Herrn Friedlich Stoffwindeln umzubinden. Nicht, weil mich das Waschen selbiger so angestrengt hätte, sondern weil sie zu lange auf der Leine trockneten und ich nicht mehr mit dem Abnehmen und Zusammenfalten hinterhergekommen bin. Er trägt nun wieder Wegwerfwindeln. 

Danielle und ich, wir haben beide nicht im Überblick, welche Firmen alle zu Nestlé gehören. Deshalb kommt es garantiert vor, dass wir auch mal aus Unwissenheit deren Produkte kaufen. Wenn wir mit dem Zug fahren, kaufe ich meinen Kindern Zeitschriften mit dem größten Plastik-Schrott aller Zeiten als Gimmick. Manchmal benutzen wir beide Wenn-Dann-Erpressungen bei unseren Kindern, manchmal loben wir manipulierend, manchmal sind wir einfach richtig schlecht gelaunt und motzen unsere Kinder ohne Grund an. Ich bin am Nachmittag auf dem Spielplatz nicht immer entspannt - solltet ihr mich dort sehen, kann es sein, dass ich gerade eins meiner Kinder anmaule oder sogar ausschimpfe. Möglicherweise sitze ich auch einfach faul auf der Bank rum und starre auf mein Handy. Es ist mir wichtig, dass ihr das wisst! Wir sind nicht perfekt. Wir sind menschlich und machen Fehler. Viele Fehler. Das finde ich nicht schlimm - ich lerne gern daraus, aber es könnte vielleicht für euch, wenn ihr mich im echten Leben zufällig erkennt, erschreckend sein, das zu sehen.

Ich habe eine Freundin, die ich in einem Forum kennengelernt habe. Jahrelang haben wir uns jeden Tag per Handy unterhalten. Wir lernten uns sehr, sehr gut kennen. Wir schickten uns gegenseitig für unsere Kinder Pakete mit Geschenken, wir sangen Geburtstagslieder per WhatsApp. Vor zwei Jahren im Sommer besuchte sie mich mit ihrer Familie. Und es war schrecklich. Sie war so aufgeregt, mich endlich "in echt" kennen zu lernen, dass ich überhaupt nicht wusste, wie ich mich normal benehmen soll. Ich war völlig gehemmt, konnte nicht mehr natürlich mit meinen Kindern umgehen. Bei jedem ihrer Blicke dachte ich, sie ist total schockiert darüber, wie ich mit meinen Kleinen rede. Ich erstarrte immer mehr, wurde erst abends, als die Kinder im Bett waren und ich nicht mehr vor den Augen meiner Freundin erziehen musste, ein bisschen entspannter. Nach drei Tagen reiste sie ab. Ich dachte, unsere Freundschaft überlebt diesen Besuch nicht.

Wir haben beide lange gebraucht, um uns von diesem Realitäts-Schock zu erholen, meine Freundin und ich. Deshalb ist es mir wichtig, euch, liebe Leserinnen und Leser, vorher klar zu machen, dass ihr, wenn ihr uns Geld spendet, dieses nicht Danielle und Snowqueen gebt. Danielle und Snowqueen gibt es nur virtuell. Euer Geld geht an Katja und Katja - Kaffee-Junkies und Frauen mit Ecken, Kanten und Fehlern.

Danke.

Hell yeah, I wanna be your Sugar-Daddy! Sign me up, Baby!