Anzeige

Mein Kind geht in eine Freie Schule - Lernen in Alternativschulen

Snowqueens Töchter auf dem Weg zur Schule
Schulweg
Wer uns auf Instagram folgt, hat schon mitbekommen, dass meine beiden großen Töchter auf eine Freie Schule gehen. Ich wurde gebeten, darüber einen Artikel zu schreiben, um zu erzählen, wie das so ist. Danielle hat schon vor einiger Zeit erzählt, wie es ihrer Tochter auf einer Montessori-Schule geht. Eine Freie Schule ist noch einen Schritt weiter raus aus dem klassischen Schulsystem.

Was ist eine Freie Schule?


Freie Schulen sind staatlich anerkannte oder genehmigte Ersatzschulen, in denen Kinder so frei wie möglich das lernen können, was sie interessiert. Ist eine Freie Schule nur "anerkannt", aber nicht "genehmigt", darf sie selbst keine Abschlüsse vergeben. Es gibt dort auch Prüfungen, diese laufen jedoch anders ab, als in den Regelschulen. Die Anzahl der Prüfungsfächer ist höher, zusätzlich müssen Prüfungen in einer zugewiesenen Regelschule abgelegt werden.

In unserer Schule müssen die Kinder am Ende ihrer Schulzeit die gleichen Prüfungen ablegen, wie Schüler/innen in klassischen Schulen, aber der Weg zum Wissen ist ein bisschen anders. Natürlich werden Kurse von Lehrerinnen und Lehrern angeboten, doch die Kinder bestimmen selbst, ob und wann sie diese besuchen wollen. Somit lernen nicht unbedingt Kinder gleichen Alters zusammen, sondern eher jene, die sich gerade für das selbe Gebiet interessieren. Manchmal kommen auch Kinder gleichen Niveaus zusammen, beispielsweise, wenn eine Gruppe von zehn Kindern etwas über Addition lernen will, aber für die einen noch 5+6 schwierig ist, während die anderen schon locker im Millionenbereich arbeiten. Dann würden sich diese zehn Kinder in zwei oder drei Gruppen aufteilen.

Freie Schulen sind normalerweise basisdemokratisch, d. h. die Entscheidungen werden von allen gemeinsam getroffen. In der Schulversammlung hat jedes Mitglied der Schule, egal welchen Alters, eine Stimme. Abgestimmt wird z. B. darüber, ob ein neuer Lehrer eingestellt wird, welche Schulregeln es geben soll und welche Lerninhalte bei den nächsten Projekten besprochen werden sollen. Wer jetzt denkt, wenn Kinder "an der Macht" sind, gibt es nur noch Süßigkeiten und Computerspiele, irrt. In der Schule meiner Kinder gibt es regelmäßig Anträge, Handys für die älteren Schüler zu erlauben, und doch werden sie nie von allen Schülerinnen und Schülern unterstützt. Vielen ist klar, dass das das Zusammenleben an unserer Schule verändern würde, deshalb stimmen die meisten dagegen. Das heißt aber auch, dass Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern (!) keine Handys an der Schule benutzen dürfen.

Da jede Freie Schule anders ist, kann ich hier nur über die Erfahrungen an unserer Schule sprechen.

Wie sieht der Tag eines Erstklässlers aus?


Einhörner aus Knete
Kneteinhörner a la Fräulein Ordnung
Unsere Schule beginnt jeden Morgen um 9.15 Uhr mit einem Morgenkreis, in dem besprochen wird, was an diesem Tag erlebt werden kann. Es werden die Kurse genannt, die besucht werden können, was es zum Mittagessen gibt oder ob es außergewöhnliche Besuche (Probekinder zum Beispiel) gibt. Dieser Morgenkreis wird immer von den Kindern selbst gehalten. Die Lehrer_innen sitzen dabei und melden sich genauso zu Wort, wie die Kinder. Nach dem Morgenkreis gibt es eine Freiarbeitsphase, in der die Kinder das machen können, was sie wollen. Einige wählen sich tatsächlich schulische Aufgaben. Die meisten gehen aber erst einmal spielen oder zur Vorlesestunde, die eine Lehrerin anbietet. Viele setzen sich auch zum Picknick des Frühstücks auf den Boden des Flurs und quatschen dabei eine Runde. Fräulein Chaos gehört meist zu den Frühstückenden, während Fräulein Ordnung ganz sicher irgendwo mit ein paar Freundinnen und kleinen Einhornfiguren sitzt und spielt. Etwa um 10 Uhr beginnt der Unterricht. Die Lehrer_innen gehen durch den Flur, die Räume und auf den Hof und sagen allen Kindern Bescheid, dass sie nun zum Unterricht kommen können. Haben die Kinder keine Lust, etwa, weil sie gerade so schön im Spiel sind, sagen sie wiederum den Lehrern, dass sie heute nicht kommen. Das ist völlig okay - eine freie Schule ist genau dafür da. Allerdings ist es an unserer Schule so, dass sie eine bestimmte Anzahl von Fehlstunden in einem Fach nicht überschreiten sollten. Passiert das doch, fehlen sie also in der Mehrzahl der Mathestunden, würde ein Gespräch mit dem Vertrauenslehrer folgen, ob sie aus dem Kurs aussteigen wollen. In einem Kurs eingeschrieben zu sein, aber gar nicht zu kommen, ist demnach nicht möglich.

Am Vormittag gibt es für Erstklässler auch nur eine einzige Unterrichtsstunde (die allerdings 60 Minuten lang ist): Mathe, Deutsch oder Englisch. Ich fand das am Anfang arg wenig, weil ich als Lehrerin aus der klassischen Schule sehr viel mehr Unterricht gewöhnt bin. Erstklässler haben dort etwa vier bis fünf Stunden a 45 Minuten am Tag: Mathe, Deutsch, Sachkunde, Sport, Kunst oder Musik. Dazu kommt, dass es an unserer Freien Schule jedes Fach nur ein Mal pro Woche angeboten wird, beispielsweise montags Deutsch, dienstags Englisch, mittwochs Projekt, donnerstags Mathe, freitags nichts. Für die Zweitklässler gibt es etwas mehr, nämlich 2 Mal pro Woche Deutsch und Mathe, und in den weiteren Klassen erhöht sich die Stundenanzahl pro Tag auch sukzessive. Nachdem nun Fräulein Chaos aber schon zwei Jahre auf die Freie Schule geht, kann ich bestätigen, dass es nichts ausmacht, dass es an unserer Schule nur eine Stunde "normalen" Unterricht gibt. Sie ist im Lesen- und Schreiben auf dem Stand einer normalen Zweitklässlerin, in Mathe ist sie sogar auf dem Stand einer Dritt- bzw. Viertklässlerin.

selbst gebastelte Puppenstube
selbst gebastelte Puppenstube

Nach dem Mittagessen können die Kinder noch einmal Spielen, Freiarbeit, oder einen der Nachmittagskurse wählen. Im Moment werden Aikido, Trommeln, Notenlesen und Schreibschrift angeboten. Wir haben auch einen Kreativraum, der jederzeit geöffnet ist. Dort kann geknetet werden, was von den Kindern auch exzessiv angenommen wird. Es entstehen die coolsten Knetobjekte. (Da schon einige Nachfragen kamen: bei uns in der Schule wird diese Knete verwendet.) Außerdem ist es möglich, mit Holz und Pappe zu arbeiten - entweder mit Heißklebepistole, oder mit Hammer und Nägeln. Drei Nähmaschinen und eine Menge Stoff stehen auch bereit. Eine Lehrerin ist speziell für diesen Raum zuständig und steht bereit, um zu helfen, wenn die Kinder das wollen. Dienstags und donnerstags öffnet diese Lehrerin auch die Töpferwerkstatt, die Fräulein Chaos sehr liebt. Ein Klavier steht ebenfalls dort und man sieht oft ein oder zwei Kinder daran sitzen und klimpern. Ich bin überrascht, wie gut das klappt - irgendwie bringen sich die Kinder gegenseitig das Klavierspielen bei. Meist sind es ältere Schüler_innen, die zuhause mithilfe von Youtube-Tutorials Lieder lernen und geben das dann in der Schule an die Kleineren weiter. Die allermeisten Erstklässler spielen aber am Nachmittag - sie sind oft unten auf dem Hof im Schlamm zu finden.

Alle Kinder müssen ab 15.30 Uhr beim Aufräumen helfen - das ist eins der wenigen Dinge, bei dem die Kinder nicht frei entscheiden können. Um 16 Uhr ist der Schultag zu Ende und die Kinder gehen nach Hause.



Mittwochs ist an unserer Schule der Projekttag. Es findet kein "normaler" Unterricht statt, sondern die Kinder schreiben sich in Projekte ein, die über mehrere Wochen gehen. Was das für Projekte sind, entscheiden meist die Schülerinnen und Schüler. So gab es schon Projekte über Hunde, über Ägypten, über die Blindenschrift, übers Sprayen und Graffiti und so weiter. Auch Waldspaziergänge, Sport im Park, Schlittschuhlaufen oder Schwimmen werden häufig gewählt. Was immer die Kinder interessiert, es wird irgendwann angeboten. Demnächst zum Beispiel wird es ein Projekt zur Seifenherstellung geben, welches Fräulein Chaos angeleiert hat, da sie zuhause so gerne Seife herstellt. Diese Projekte sind in etwa das, was an der klassischen Schule der Sachunterricht ist. Viele der Erstklässler nehmen aber noch nicht an den Projekten teil, sie spielen lieber, so dass der Mittwoch für sie komplett aus spielen besteht. Zwei Mal im Schuljahr gibt es eine ganze Projektwoche zu einem bestimmten Thema. Auch daran können die Kinder teilnehmen, oder eben nicht - ganz wie sie wollen.

Dürfen die Kinder wirklich nur spielen? Was passiert, wenn sich jemand wirklich immer nur für´s Spielen entscheidet? 


Ja, die Kinder dürften, wenn sie wollten, wirklich nur spielen. Es gibt Schüler, die erst einmal keine Unterrichtsangebote annehmen. Die "nur" spielen. Das macht aber nichts, denn auch über´s Spielen lernen sie. Es gibt zum Beispiel einen Jungen in der vierten Klasse an der Schule meiner Töchter, der keinen einzigen Lese- und Schreibkurs gewählt hat. Er hat immer nur mit Yu Gi Oh!-Karten hantiert, ist Bäume und Türen hochgeklettert oder hat Fußball mit den anderen gespielt. Und trotzdem hat er Lesen und Schreiben gelernt. Ohne Kurs. Nebenbei. Es ist einfach passiert, weil er wissen wollte, was auf seinen Karten steht. Vielleicht liest und schreibt er nicht unbedingt auf dem Niveau eines normalen Viertklässlers, aber das macht nichts, denn es ist allen klar, dass das irgendwann kommen wird. Niemand macht sich Sorgen um ihn, niemand drängt ihn. Es sind schon viel zu viele Schülerinnen und Schüler erfolgreich durch unsere Schule gegangen, als dass irgendwer noch Angst hätte, dass dieses "Konzept" nicht funktioniert. In unserer Schule haben die Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse Zeit, zu lernen - dass ein Großteil davon verspielt wird, macht überhaupt nichts aus. Kinder wollen lernen - sie lernen gern. Auch die Malfolgen oder Vokabeln.
  barfuß Spielen auf dem Hof mit Kreide und Schlamm
barfuß Spielen auf dem Hof mit Kreide und Schlamm

Natürlich bleiben Kinder, die sich jeglichem Lernangebot verweigern, nicht unbemerkt. Jedes Kind hat einen Vertrauenslehrer, der es im Laufe des Jahres beobachtet und ggf. auch Gespräche anberaumt, sollte es irgendwie problematisch werden. Die Kinder sind also nicht sich selbst überlassen, aber sie sind selbstbestimmt. Und trotz des "Im-Auge-Behaltens" durch den Vertrauenslehrer bleibt es immer bei dem Grundsatz: Niemand wird zum Lernen gezwungen.

Ich habe mich lange und intensiv mit den Schülerinnen und Schülern der achten, neunten und zehnten Klassen an der Freien Schule unterhalten. Ich habe gefragt, was sie mit Fächern machen, die sie doof und langweilig finden. Ob sie die die ganzen zehn Jahre dann einfach ignorieren. Die Antwort ist nein. Denn natürlich kann man ein Fach oder ein Gebiet doof finden und nichts darüber wissen wollen, aber wenn man sich dem Abschluss nähert und in der 10. Klasse den MSA bestehen möchte, muss man sich automatisch mit Dingen auseinandersetzen, die man vorher gemieden hat. Das heißt, die Vierzehn- bis Sechzehnjährigen belegen freiwillig Fächer und ziehen diese durch, weil sie ein Ziel vor den Augen haben. Dabei ist es durchaus vorgekommen, dass jemand im letzten Jahr noch seine Liebe zu einem Fach entdeckt hat, das er vorher komplett links liegen gelassen hatte. Oft lernen die Schülerinnen und Schüler den Stoff aber auch nur für die Prüfung und nicht fürs Leben, aber mei, das machen die Kinder an den normalen Schulen ja auch, nicht?

Auch Fräulein Chaos und Fräulein Ordnung spielen sehr viel. Fräulein Chaos habe ich in den ersten Wochen der ersten Klasse nachmittags beim Abholen fast immer bei den Brettspielen gefunden. Immer saß entweder ein Lehrer oder ein oder zwei ältere Schüler/innen bei ihr und spielten mit ihr. Sie mochte gern Monopoly für Kinder, ein Taschengeldspiel und vor allem Die Siedler von Catan. Ihre kleinen Mitschüler saßen oft daneben und tauschten Pokemon- oder Yu Gi Oh!-Karten. Dieses Spielen - und auch das auf dem Hof, oder das Kneten etc.-, ist wichtiger Bestandteil des Lernprozesses an einer Freien Schule. Denn nehmen wir mal das Monopoly-Spiel zum Beispiel. Fräulein Chaos musste die Regeln kennen lernen und sich daran halten. Sie lernte abzuwarten und es auszuhalten, wenn sie verlor. Sie lernte, sich mit anderen Kindern auf spezielle Regeln zu einigen, stärkte also ihre Sozialkompetenz. Sie lernte, mit Geld zu rechnen. Eindrucksvoll konnte ich den Wert dieses Lernens an Weihnachten bei uns zuhause erkennen. Mein Bruder spielte mit Fräulein Chaos Monopoly, er würfelte sich auf eine ihrer Straßen und sollte deshalb 5 Spielgeld-Euro Strafe an sie zahlen. Er hatte aber nur noch einen 3-Euro und einen 4-Euro-Schein. Ich sah ihm an, dass er überlegte, wie er ihr am besten klar machte, wieviel Rückgeld sie ihm geben sollte, doch während er noch zögerte, sagte Fräulein Chaos ohne großes Nachdenken: "Gib mir deine beiden Scheine, ich gebe dir einen 2er zurück." Sie hatte innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde 3+4=7 und 7-5=2 gerechnet und das zu einem Zeitpunkt im Schuljahr, an dem in einer normalen Grundschule die Kinder noch damit beschäftigt sind, die Zahlen "kennenzulernen". Mit großen Augen drehte sich mein Bruder zu mir um. Ich zuckte die Schultern und sagte nur, "Freie Schule, Mann, freie Schule."

Auch Die Siedler von Catan hinterließen Eindruck. Bei diesem Spiel würfelt man mit 2 Würfeln. Würfelt man z.B. damit eine 5, und hat an dem Feld mit der Nummer 5 eine Straße gebaut, erhält man Rohstoffe, um seine Straßen und Städte noch mehr auszubauen. Es ist also wichtig, möglichst klug an die Felder anzulegen. Eines Tages kam Fräulein Chaos zu mir und fragte, warum die Felder mit der Nummer 6 und 8 eigentlich so oft gewürfelt werden würden, die mit der 2 und der 12 aber fast gar nicht? Wir setzten uns also gemeinsam hin und würfelten mit 2 Würfeln und stellten fest, dass eine 6 sowohl mit 1 und 5, als auch mit 2 und 4 und mit 3 und 3 gewürfelt werden kann, eine 12 aber nur mit einer 6 und einer 6. Dementsprechend war also die Wahrscheinlichkeit viel höher, eine 6 oder 8 zu würfeln (Die 7 hat in dem Spiel eine andere Bedeutung). Sie hatte also - weil es sie interessierte - die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung entdeckt!

Was passiert, wenn Fräulein Chaos oder Fräulein Ordnung keine Lernangebote annehmen?


Treppenrechnen
Mathe: sehr beliebt von Anfang an
In der ersten Klasse war Fräulein Chaos sehr motiviert (wie alle Lernanfänger meiner Erfahrung nach) und belegte den Lesen-und-Schreiben-Kurs, den Mathe-Kurs und den Englisch-Kurs. Mathe fand sie echt super, Englisch ganz ok und Deutsch fand sie grauenvoll. Sie hasste es, jeden Buchstaben immer wieder in Reihen schreiben zu müssen. Das Lesen lernen fiel ihr schwer. Im April, als sie beim SCH angelangt waren, entschied sie sich, aus dem Kurs auszusteigen.  Ui... das ließ mich geradewegs in eine Glaubenskrise schlittern. Ich kämpfte sehr mit meinen Emotionen. Musste das Kind nicht lernen, auch mal was durchzuhalten, was sie langweilig empfand? Würde sie nie Disziplin und Beharrlichkeit lernen, wenn sie immer die Chance hatte, den leichtesten Weg zu nehmen? All meine Ängste kamen hoch. Ich selbst hatte in meiner ersten Klasse in der DDR nicht Lesen und Schreiben gelernt. Ich hatte mich durchgeschummelt, weil ich bei meiner Nachbarin abschrieb und Texte auswendig vortragen konnte. Erst in der zweiten Klasse bemerkte meine Klassenlehrerin, dass ich das Zusammenziehen der Buchstaben noch nicht verstanden hatte. Ein paar grausige Einzelübungsstunden folgten, in denen ich weinend und verzweifelt schluchzend versuchte, zu verstehen, was zum Teufel Mo-ni bedeuten sollte. (Ein Name, es war ein verdammter Name!)

Stolze Fräulein Chaos mit abgeschlossenem Deutschkurs
Doch zurück zu meiner Tochter. Ich versuchte, meine Ängste nicht Überhand nehmen zu lassen, und ließ es zu, dass Fräulein Chaos aus dem Kurs ausschied. Gut, ich hätte eh nichts dagegen machen können. Also spielte sie ab da in der Zeit, in der die anderen Lesen und Schreiben lernten, bis zum Schuljahresende. Am Anfang der zweiten Klasse belegte sie wieder den Deutsch-Kurs. Wieder fand sie es langweilig, Buchstaben aufzureihen. Wieder klappte es nur mäßig mit dem Lesen. Wieder hätte sie aufgeben können, denn niemand hätte sie daran gehindert. Doch diesmal wollte sie unbedingt diesen Kurs abschließen. Sie biss sich durch, obwohl sie es doof fand. Sie blieb dran, aus freiem Willen. Und da war sie, die Selbstdisziplin und Beharrlichkeit, um die ich mich gesorgt hatte. Sie war einfach da, weil sie es selbst wollte. Mittlerweile haben wir April und der Kurs geht natürlich noch bis zum Schuljahresende weiter, aber Fräulein Chaos hat ihn schon abgeschlossen mit einer selbstgebastelten Medaille der Lehrerin, über die sie sich riesig freute. Sie sitzt jetzt abends oft an ihrem Laptop, und tippt eine selbst ausgedachte Geschichte ein, denn sie möchte jetzt Autorin werden. Die Sätze sind nicht fehlerfrei, aber da ich Lehrerin bin, kann ich ganz gut einschätzen, dass sie sich auf einem völlig durchschnittlichen Niveau für eine Zweitklässlerin befindet. Wohlgemerkt, obwohl sie diese Pause hatte und sowieso nur eine Stunde Deutsch pro Woche hat.

plötzliche Schreiblust: Jungautorin Fräulein Chaos
Auch die Projekte, die mittwochs  in dem Schuljahr angeboten wurden, als Fräulein Chaos in der ersten Klasse war, beachtete sie kaum. Ich glaube, sie hat insgesamt an drei Projekten mitgewirkt: Ägypten, Hunde, Brettspiele. Das bedeutet, sie hat nicht besonders viel Wissen aufgenommen, welches normalerweise im Sachunterricht vermittelt wird. Das machte mir natürlich auch Sorgen. Denn dieser Projektunterricht schien irgendwie so gar nicht ihr Ding zu sein. Anders als beim Lesenlernen dachte ich, dass sie an diesen Kursen womöglich nie teilnehmen würde. Als sie noch im Kindergarten war, hatte sie alles Mögliche interessiert. Wir haben Schmetterlinge aus Raupen gezüchtet, beobachtet, wie sich Marienkäfer aus Larven entwickeln und Weinbergschnecken beim Wachsen begleitet. Wir haben die Entwicklung der Blätter, Blüten und Früchte Kastanie vor unserem Haus im Laufe des Jahres beobachtet und dokumentiert und im Herbst aus den Kastanien Waschmittel hergestellt. Doch mit dem Moment ihrer Einschulung hörte das Interesse plötzlich schlagartig auf. Nichts wollte sie wissen. Nichts wollte sie erforschen. Nichts sollte ich ihr erklären.

Seit dem zweiten Schuljahr aber ist das anders. Nun hat sie ihre Lust auf das Forschen wiederentdeckt, und nimmt eifrig an den Projekten teil. Sie war an der Uni, um zu lernen, wie man aus Essensresten aus dem Kühlschrank leckere Mahle kocht, um keine Nahrung zu verschwenden. Sie hat sich Verkleidungen, Plüschtiere und Kopfkissen genäht. Sie hat einen Kalender mit den englischen Monaten gebastelt. Sie war im Museum, und hat sich Dinosaurierknochen angeguckt. Sie hat Roboter gebaut und einfache Befehle für sie programmiert. An den Rest der Projekte erinnere ich mich nicht, aber sie hatte jede Woche gut zu tun.

statt Mathe und Deutsch: Fräulein Ordnung bastelt viel
Aus diesem Grund macht es mir auch keine Sorgen, dass ihre Schwester Fräulein Ordnung, die ja jetzt in der ersten Klasse ist, ebenfalls Kurse abgewählt hat und nicht an Projekten teilnimmt. Wenn ich das richtig verstanden habe, belegt sie gerade nur noch Schreibschrift und Notenlesen, obwohl sie am Anfang des Schuljahres ihren Tagesplan unheimlich voll mit allen möglichen Kursen gepackt hatte. Mit Mathe hatte sie gar nicht erst angefangen - diese Nische ist fest von ihrer Schwester besetzt - aber ansonsten hatte sie wirklich jedes Angebot angenommen, das die Lehrer gemacht hatten. Irgendwann stellte sie fest, dass ihr das zu viel wurde, und so ließ sie einen Kurs nach dem anderen fallen, bis sie nun einen Stundenplan für sich gefunden hat, der sie nicht stresst. Witzigerweise erinnert mich das sehr an mich selbst, als ich das erste Semester an der Uni war. Ich hatte mir auch einen Stundenplan gebastelt, der die Zeit von morgen bis abends völlig mit Kursen zuballerte, weil ich möglichst schnell möglichst viel lernen wollte. Irgendwann bemerkte ich, dass das Irrsinn war und mir der schöne Teil des Lebens abhanden kam. Also dünnte ich meine Kurse so weit aus, dass eine gute Work-Life-Balance hergestellt war. So kam ich gut und ungestresst durchs Studium. Und nichts anderes macht meine Tochter gerade - nur halt 13 Jahre eher.

Was, wenn ein Kind mehr oder schneller lernt, als andere? Oder wenn es langsamer lernt?


Es gibt immer wieder Kinder, die schon gut lesen können, wenn sie an die Freie Schule kommen, oder die ein Talent für ein bestimmtes Fach zeigen und schneller lernen, als andere. Das ist an einer Freien Schule kein Problem. Die Materialien werden dann einfach angepasst. Als z. B. klar wurde, dass Fräulein Chaos damit unterfordert war, nur die Ziffern und Zahlen kennenzulernen, also die 5 zu schreiben und auf dem Blatt alles anzukreuzen, was fünf Mal vorhanden war, prüfte ihr Mathelehrer eine ganze Weile systematisch, auf welchem Niveau sie eigentlich stand. Er ging dabei sehr gründlich vor, was ich gut finde, denn so bekam er heraus, dass sie die Additions- und Subtraktionsaufgaben nicht einfach nur mechanisch richtig lösen könnte, sondern tatsächlich den Sinn dahinter verstanden hatte. Sie hatte ein grundsolides Verständnis von Mengen und konnte sich deshalb Lösungen herleiten, statt mit den Fingern abzuzählen. Deshalb bekam sie zunächst schwierigere Aufgaben, die sie zusammen im Unterricht mit ihren Mitschülern bearbeitete und durfte dann sogar in den Kurs der Zweitklässler. In der zweiten Klasse nahm sie wenig überraschend dann am Unterricht der Dritt-und Viertklässler teil. Da sie aber ihren ursprünglichen Mathelehrer so liebte, entschied sie sich nach ein paar Wochen, zusätzlich zum höhreren Matheunterricht auch noch am Unterricht der zweiten Klasse teilzunehmen. Ihr Mathelehrer nahm sie gerne auf und gibt ihr einfach schwierigere Aufgaben. 

Fräulein Ordnung dagegen ist so genau bei ihrer Ausführung jeglicher Aufgaben, dass sie bspw. im Schreiblehrergang zurück hinkte. Es lag nicht daran, dass sie es motorisch nicht besser hinbekam und auch nicht daran, dass sie "faul" wäre, sondern schlicht an ihrem Perfektionismus. Deshalb entschied die Lehrerin, dass sie Buchstaben und Wörter nicht 5x hintereinander schreiben muss, sondern eben nur 2x oder 3x. Somit wurde der Druck, den sie sich selbst machte, weil sie augenscheinlich nicht hinterherkam, genommen und sie hatte wieder Freude daran, alles haargenau und schön aufzuschreiben.

So sollte es eigentlich auch an normalen Schulen sein und ich weiß, dass viele Lehrerinnen und Lehrer das auch schaffen, insofern ist das hier vielleicht kein expliziter Punkt, der nur die Freie Schule betrifft. Ich wollte euch nur aufschreiben, wie es läuft.

Gibt es auch Schwierigkeiten?


Hammerharte Eigenverantwortung


Wenn ihr jetzt denkt, das klingt paradiesisch und zu schön, um wahr zu sein, dann wartet noch kurz ab. Denn ein Spaziergang ist eine freie Schule für Kinder nun auch nicht. Eigentlich finde ich die Anforderungen für Erstklässler hammerhart. Doch schauen wir uns zuerst einmal an, wie das in einer normalen ersten Klasse so läuft: Die Kinder kommen morgens an und ziehen ihre Jacken aus und setzen sich an ihren Tisch. Ab diesem Zeitpunkt müssen sie quasi über nicht mehr nachdenken, denn ihnen wird immer gesagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Haben sie Deutsch, packen sie ihre Deutschsachen aus und schreiben Buchstaben oder lesen. Nach der ersten Stunde ist Frühstückspause, alle sollen ihr Frühstück rausnehmen und ruhig essen. Manche Lehrerin erlaubt ihnen, nach dem Essen noch schnell eine Runde über den Hof zu flitzen, dann fängt aber schon die zweite Stunde an: Mathe. Also holen sie ihre Mathesachen raus und hören gut zu. Nach der zweiten Stunde ist die erste Hofpause. Die Lehrerin sagt ihnen, sie sollen ihre Jacken anziehen, weil es schon ziemlich frisch draußen ist. Entscheiden, ob sie ihre Jacke im Klassenzimmer lassen, dürfen die Kinder normalerweise nicht. Und so geht es den ganzen Tag weiter: Immer entscheiden die Erwachsenen für die Kinder. Ich glaube, dass das für ein sechsjähriges Kind noch sehr angenehm ist. Nicht entscheiden zu müssen, was es machen soll, sondern das gesagt zu bekommen, macht das Leben wunderbar entspannt. Eine Struktur vorgelegt zu bekommen, an der man sich entlanghangeln kann, ist toll.

In der Freien Schule gibt es das fast nicht. Es gibt natürlich die Struktur des Tages, die ja im Morgenkreis erzählt wird, aber ansonsten wird dem Kind keinerlei Entscheidungen abgenommen. Es muss selbst entscheiden, was es machen möchte. Mit wem es zusammen sein will, was es lernen will, ob es überhaupt lernen will. Es muss sich trauen, eine Lehrer anzusprechen, wenn es etwas Spezielles wissen oder haben will. Es muss selbst darauf achten, sich gut anzuziehen, wenn es auf den Hof geht. Es muss auch selbst entscheiden, ob es zum Mittagessen geht oder wann es frühstückt, oder wieviel Wasser es trinkt. Es muss entscheiden, ob es den Lesen- und Schreiben-Kurs abbricht, oder ob es weiter dran bleibt, obwohl es anstrengend ist. Niemand redet dem Kind da rein.  Das ist mega anstrengend! Ich weiß, dass Fräulein Chaos das am Anfang ziemlich überfordernd fand. Ganz sicher hätte sie es schöner, einfacher gefunden, wenn ihr jemand gesagt hätte, was sie zu tun hat.

Schon in ihrer Montessori-Kita bei der Freiarbeit konnte sie sich eigentlich nie entscheiden, was sie machen wollte. Sie hoffte immer darauf, dass die Erzieherin ihr eine Arbeit vorschlagen würde und machte dann das. Insofern war dieses erste Schuljahr voller Entscheidungen eine riesengroße Anstrengung für Fräulein Chaos, mit der sie auch oft haderte. Warum es jedoch so wichtig ist, den Kindern diese Arbeit gerade nicht abzunehmen, erzähle ich weiter unten unter der Überschrift "Verantwortung".

Aus Langeweile entsteht Kreativität. Hochzeitstorte aus Knete
von Fräulein Chaos

Langeweile überwinden


Eng damit verbunden, für sich selbst entscheiden zu müssen, ist die Langeweile. Im ersten Schuljahr langweilten sich meine beiden Töchter viel. Wenn sie sich gegen Unterricht und Projekte entschieden hatten, konnte es nämlich vorkommen, dass sie keinen Spielpartner fanden, weil alle anderen mit selbstgewählter Arbeit beschäftigt waren. Sich dann selbst aufzuraffen, um die Langweile zu überwinden, war eine Hürde für meine Kinder. Manchmal schliefen sie vor lauter Nichtstun in der Kuschelecke ein. Manchmal riefen sie mich an, ich solle sie früher abholen. Manchmal fanden sie heraus aus ihrer Lethargie und fingen an, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Unterschiedliche Regeln in Schule und Gesellschaft


In unserer Schule dürfen die Kinder selbstverständlich über Tische laufen. Oft rücken die Kinder die Tische zu einer Art Labyrinth zusammen und spielen dort oben dann Fange. Auf Socken. Nein, es ist noch nie was passiert. Ja, ich kriege die Krise, wenn ich das sehe. Auf Socken! Das ist doch rutschig, verdammt. Wie auch immer, was ich eigentlich schreiben wollte: Aus der Schule sind Fräulein Chaos und Fräulein Ordnung gewohnt, dass sie über Tische laufen dürfen. Oder auch über Bänke. Oder dass sie sich irgendwo mitten in den Weg setzen können, um zu frühstücken. Nur ist das in der U-Bahn jetzt nicht so prickelnd. Und ich will auch nicht, dass sie an Haltestangen turnen oder über Parkbänke hüpfen.

Auch die Lehrerinnen und Lehrer an der Freien Schule sind lockerer, als "normale" Erwachsene. Nicht nur, dass sie mit Vornamen angesprochen werden, die Kinder können auch ohne Scheu mit ihnen spielen oder lustig sein. Eine Wasserbombenschlacht an einem heißen Sommertag machen die Lehrer_innen mit Freude mit. Der Mathelehrer bekam ein Pupskissen zum Weihnachtswichteln und ließ keine Gelegenheit aus, dieses Kollegen und Schülerinnen und Schüler unterzuschieben. Eine Weile konnte man sich an der Schule nicht hinsetzen, ohne zu pupsen! Aber nicht alle Erwachsene außerhalb der Schule finden es cool, in ein Kinderspiel eingebunden zu werden - das wissen meine Kinder aber (noch) nicht, weil ihr Erleben ein anderes ist. Sie kennen bisher nur entspannte Erwachsene, da auch meine erwachsenen Freunde immer zu einem Scherz aufgelegt sind. Selbst Oma und Opa machen laut lachend eine Wasserschlacht im Garten mit. Möglicherweise findet es aber der Nachbar nicht so super, mit "Du bist!" am teuren Businessanzug angetatscht zu werden, wenn die Kinder unten im Hof  Fange spielen. Und das verstehe ich gut! Insofern hat die Freiheit an der Schule dazu geführt, dass ich ein paar Grundsatzdiskussionen über Erwartungshaltungen der Gesellschaft und Erwachsener mit meinen Töchtern führen musste - etwas, was wohl eher nicht vorgekommen wäre, gingen sie an eine normale Grundschule.

Unordnung


kreatives Chaos auf dem Schulflur
Am Ende jedes Schultages müssen alle Schülerinnen und Schüler an der Freien Schule aufräumen, aber insgesamt ist es seeehr viel unordentlicher, als in anderen Schulen. Die Kinder können ihre Sachen einfach den ganzen Tag lang herumliegen lassen, was dazu führt, dass z.B. im Schulflur Chaos herrscht. Jacken, Schulbrotbüchsen, manchmal auch angebissene Stullen, Schuhe, Kuscheltiere, Wasserflaschen u.ä. liegen kunterbunt herum. Das fände ich nicht so dramatisch, wenn sich diese Unordnung nicht auch bis nach Hause ziehen würde. Bei uns liegen, wenn wir Erwachsenen nicht andauernd nörgeln, überall Materialien und Klamotten rum. Fräulein Chaos z.B. stellt momentan gerne Schleim aus diversen seltsamen Zutaten her und für die Dauer ihrer Experimente steht das alles bei uns im Bad auf dem Fensterbrett herum und tropft und schleimt so vor sich hin. Fräulein Ordnung baut ganze Landschaften mit Lego auf, die mir aber den Weg ins Kinderzimmer komplett versperren. In der Regelschule fordere ich meine Schülerinnen und Schüler auf, Papierschnipsel u.ä. vom Boden aufzuheben. Höchstens die persönlichen Fächer der Kinder sind etwas durcheinander. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, dass das dazu beiträgt, dass meine Schüler zuhause auch mehr aufräumen. In den Wohnungen unserer Freunde finde ich es jedenfalls immer viel weniger chaotisch, als bei uns. Kommt uns bitte nicht besuchen.

Klassische Kinderliteratur passt nicht


Meine Kinder können sich nicht mit klassischer Kinderliteratur identifizieren, die in einer Schule spielt. Das ist jetzt nur eine Kleinigkeit, aber es ist mir doch aufgefallen. In fast allen dieser Bücher geht es darum, dass die Schule doof und langweilig und die meisten Lehrer/innen gemein sind. Es gibt dann immer eine Ausnahmelehrerin, die vielleicht sogar zaubern kann, aber insgesamt ist die Schule in den Büchern ein Ort, an dem die Kinder eigentlich nicht sein wollen. Oft werden die Mädchen von den Jungs geärgert (oder anders herum). Sehr oft kommt verletzende Sprache vor, also einer sagt zum anderen, er sei doof, oder hässlich etc. Ich will nicht sagen, dass es an unserer Schule keine Konflikte gibt, aber insgesamt ist das Leben doch irgendwie signifikant anders, als in den Büchern dargestellt. Deshalb können meine Kinder damit eher wenig anfangen - sie lesen sie nicht gern, weil sie nicht ihren Alltag abbilden.

Geringere Auswahl an Freunden


In unserer Freien Schule werden jedes Jahr nur 12 Kinder eingeschult: 6 Jungen und 6 Mädchen. Damit ist der Pool an möglichen Freundinnen und Freunden natürlich begrenzter, als an klassischen Schulen. Die Chance, unter den anderen elf eine beste Freundin oder einen besten Freund zu finden, ist einfach kleiner. Ausgeglichen wird dieser Punkt vielleicht dadurch, dass, wie ich oben schon schrieb, die Klassen sehr offen sind, und sich die Kindergruppen eher nach Leistungsstand oder Interessen zusammenfinden, so dass also durchaus auch eine Freundschaft mit einem Zweit- Dritt- oder Sechstklässler entstehen kann.

Langer Schulweg


Freie Schulen gibt es leider nicht wie Sand am Meer, d. h. unter Umständen kann es sein, dass man mit seinem Kind einen langen Schulweg hat. Wir fahren jetzt seit zwei Jahren sechzig Minuten hin und sechzig Minuten zurück (mit den Öffentlichen, da wir kein Auto besitzen). Ich muss sagen, ich habe das kolossal unterschätzt. Ein langer Fahrweg macht auf Dauer wirklich mürbe. Klar, wir nutzen die Zeit zum Vorlesen (Protipp: Mit einem dicken Harry-Potter-Wälzer in der Hand machen die Menschen selbst in überfüllten S-Bahnen einen Sitzplatz frei für Eltern und Kinder. Mit dem Nintendo in der Hand eigentlich nie...), aber es ist und bleibt eine starke Belastung.

Ist freie Schule etwas für alle Kinder?


Diese Frage wird mir oft gestellt und ich habe lange darüber nachgedacht. Ich nehme als Referenzgruppe mal eine meiner ersten Klasse an meiner eigenen Grundschule. In der Klasse sind 20 Kinder - etwa acht davon empfinden es äußerst schwierig, im Unterricht leise zu sein, sitzen zu bleiben, das zu machen, was die Lehrerin sagt oder bei Aufgaben durchzuhalten. Sie würden viel lieber noch spielen und malen. Ein Junge, der eigentlich recht gut mitkommt, aber an sich sehr verspielt ist, hat immer Lego dabei, mit dem er in der Pause zugange ist. Ein anderer Junge muss ständig ermahnt werden, nicht im Unterricht aufzustehen. Er fängt die Aufgaben immer motiviert und gut an, kann dann aber nach etwa einer halben Stunde nicht mehr. Ab da macht er die Aufgaben nur noch "wuschi-wuschi" und bekommt deshalb viel negative Rückmeldung, obwohl er die Aufgaben am Anfang eigentlich immer richtig bearbeitet. Er wird mittlerweile auf ADHS getestet. Ein Mädchen hätten wir nach ein paar Wochen Schule gern zurück in den Kindergarten geschickt, weil es noch viel zu klein und unkonzentriert war, doch die Eltern wollten nichts davon wissen. Deshalb bekommt das Mädchen nun jede Stunde eine Rückmeldung, wie leise und konzentriert es war (durch grüne/gelbe/rote Punkte), d.h. es wird mithilfe eines Belohnungssystems in ein Verhalten gepresst, das es entwicklungstechnisch noch gar nicht so zeigen kann. Einer der Jungen wird zuhause sehr gefördert und ermahnt, im Unterricht gut zuzuhören. Er ist super lieb und leise im Unterricht . Störungen sind von ihm nicht zu erwarten. Er ist der ideale Schüler. Außerdem ist er bei den Mitschülern beliebt.

Was würden diese Kinder dieser Klasse an einer freien Schule tun? Die 12 Kinder, die an meiner Schule keine Probleme haben, sich anzupassen und zu lernen, hätten auch an der freien Schule keine Schwierigkeiten. Sie sind wie meine Töchter. Vermutlich würden sie viel spielen, möglicherweise würden sie ab und zu Kurse abbrechen, aber insgesamt würden sie ein normales Lernniveau zeigen. Der Junge, der zuhause viel gefördert wird, würde sich vermutlich an unserer Schule mehr Angebot wünschen, da es ja nur eine Stunde "richtigen" Unterricht pro Tag gibt. Das wäre möglich - er könnte sowohl am Vormittag, als auch am Nachmittag die gesamte Freiarbeit nutzen, sich einen Lehrer schnappen und so im Einzelunterricht mehr lernen können.

Türrahmen hochklettern: in der freien Schule gern gesehen
Und was ist mit den "Problemschülern?" Ich glaube tatsächlich, die wären keine Problemschüler. Denn sie könnten ja jederzeit spielen, sich bewegen und nur so lange lernen, wie es ihre Konzentration zulässt. Mein Schüler, der nach einer halben Stunde nicht mehr kann und dann alle Aufgaben falsch macht, könnte an der Freien Schule nach individueller Absprache mit den Lehrern nach dieser halben Stunde den Unterricht verlassen und spielen gehen, und damit immer positive Rückmeldung für seine Arbeit bekommen. Nach und nach - wenn er älter wird - würde sich seine Aufmerksamkeitsspanne automatisch verlängern, so dass er länger im Unterricht dabei sein könnte. Das Mädchen, das entwicklungstechnisch besser noch in den Kindergarten gehen sollte, könnte an der Freien Schule völlig entspannt spielen. Wenn es Lust hätte, könnte es am Unterricht teilnehmen. Es dürfte aufstehen oder auf dem Tisch sitzen oder auf dem Fußboden liegen und dort schreiben - was immer ihm guttun würde. Wir haben viele dieser "Problemkinder" an der Freien Schule - sie kommen meist als Quereinsteiger, wenn sie an normalen Grundschulen scheitern. Bei uns an der Schule wird ihnen des Etikett der Verhaltensauffälligkeit abgenommen. Sie sind, wie sie sind. Die meisten von ihnen gehen erst einmal ein halbes, manche sogar ein ganzes Jahr nur spielen. Sie haben "genug" vom Lernen. Doch nach und nach siegt ihre Neugier und ihr Entwicklungswunsch. Bisher sind alle Kinder zum Lernen zurückgekehrt. Freiwillig.

Fazit ist also, dass ich denke, dass unsere Freie Schule für alle Kinder geeignet ist, auch "schwierigen" oder solchen, deren Eltern nicht daran interessiert sind, was ihre Kinder machen. Denn sie brauchen ja nicht zuhause lernen - es gibt keine Hausaufgaben. Wenn die Eltern sie zuhause nicht unterstützen, macht das nichts, denn die Lehrer an der Schule wecken ihren Forschergeist, lassen sich auf ihre Interessen ein und geben ihnen Hilfestellungen, Neues zu lernen. Einzig und allein Kinder, die hochsensibel sind und mit Lautstärke und Chaos nicht gut klar kommen, könnten ein Problem an unserer Freien Schule haben. Denn laut und chaotisch ist es - bis auf im Unterricht - eigentlich immer.

Achtung: Ich spreche hier aber nur von unserer Freien Schule. Es gibt andere Freie Schulen mit anderen Konzepten und bspw. freiem Zugang zu PC und Internet. Oder solche, die nur dann Kurse anbieten, wenn ein Kind genügend andere Kinder davon überzeugen konnte, mit ihm das Gleiche lernen zu wollen. Bei diesen Konzepten bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich für alle Kinder geeignet sind. Aber da ich nicht an deren Tagesablauf teilnehme und auch nicht sehe, wie viele Schülerinnen und Schüler an diesen Schulen die normalen Abschlüsse schaffen, kann ich darüber nicht wirklich urteilen.

Wie ergeht es den Eltern?


Eigene Sozialisation überwinden


Dass ich anfänglich meine eigene schulische Sozialisation und meine Ängste bearbeiten musste, hatte ich ja schon weiter oben beschrieben. Ich denke, es ist jedem klar, dass es für Eltern ein großer Schritt ist, ihren Kindern so zu vertrauen, dass sie ihnen die Freiheit, das zu lernen, was sie wollen, lassen. Es ist ein Prozess, dem man sich stellen muss. Die wenigsten Eltern sind von Anfang an super entspannt, wenn ihre Kinder an die Freie Schule kommen. Alle wollen unbedingt freies Lernen für ihre Kinder, aber wie gesagt, wenn es die ersten scheinbaren Schwierigkeiten gibt, kommen alte Ängste und Muster hoch, die es zu überwinden gilt. Ansonsten steht man nämlich seinen eigenen Kindern im Weg, und das freie Lernen kommt ins Stocken. Denn was wirklich blöd ist, ist, wenn die Kinder in einen Loyalitätskonflikt geraten. Wenn also die Lehrerinnen und Lehrer ihnen sagen, sie können allein entscheiden, was sie lernen wollen, aber zuhause Mama und Papa darauf drängen, dass das Kind doch Lesen übt, obwohl es das eigentlich nicht will. Oder Oma und Opa andauernd sticheln, dass es ja noch ein Baby sei, weil es noch gar nicht lesen könne. Dann kann dieser Loyalitätskonflikt das Kind so aus der Bahn werfen, dass es tatsächlich nicht gut weiterlernen kann. Diese Stolperfalle muss einem bewusst sein, wenn man überlegt, sein Kind an die Freie Schule zu geben.

Glaubt nicht, dass es leicht ist, seine eigene Sozialisation im Hinblick auf´s Lernen zu ändern. Als Fräulein Chaos in der ersten Klasse war, zeigte sie mir einmal freudestrahlend einen Zettel aus dem Matheunterricht. Darauf hatte sie etliche Aufgaben gerechnet. Irgendwie war sie aber in einer Zeile verrutscht, so dass sie zwar alle Aufgaben, die sie gerechnet hatte, richtig gerechnet hatte, doch sie hatte halt die falschen Zahlenpaare dafür genommen. In meiner Welt war es damit "falsch". Ich dachte, ich müsste sie dazu anleiten, genauer hinzuschauen und sorgfältiger zu überprüfen, weil ich wusste, dass das meine Schülerinnen und Schüler auch nicht machen und dann schlechte Noten für diese Schludrigkeit bekommen. Vorsichtig sagte ich: "Ja, du hast alles richtig gerechnet, aber schau, hier bist du verrutscht und eigentlich hättest du das hier rechnen müssen." Ich fand mich total diplomatisch, aber die gerade noch glücklichen Gesichtszüge meiner Tochter entgleisten. Sofort sah ich, dass ich ihr mit meinem doofen Kommentar die Freude an ihrer Arbeit genommen hatte. Weil ich dachte, ich müsste ihr zeigen, wie es "richtig" gedacht war. Aber... das war nicht der Zweck dieser Mathestunde gewesen. Der Zweck war, dass sie übt, Aufgaben zu rechnen und Freude dabei empfindet. Hatte sie auch! Sie hatte ja sogar richtig gerechnet! Es war völlig schnuppe, dass das andere Aufgaben waren, als vom Lehrer gedacht. Die Hauptsache war doch, dass sie rechnen geübt hatte. Und deshalb hatte ihr der Lehrer auch eine positive Rückmeldung gegeben. Anders als ich wusste er nämlich, dass "genaues Hinschauen" später von allein kommt, wenn man nicht gut gemeint den Enthusiasmus des Kindes staucht. Dieser Vorfall - und der Gesichtsausdruck meiner Tochter - war mir eine Lehre. Ich bin weiterhin an dem interessiert, was sie mir aus der Schule zeigen will, aber ich versuche nicht mehr, mich gut meinend einzumischen.

Loslassen


Eng zusammenhängend mit dem Vertrauen in Sachen Lernen ist auch das Loslassen der eigenen Kinder im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheit. In unserer Freien Schule entscheiden die Kinder selbstverständlich selbst, ob sie Schuhe oder Jacke für das Spielen draußen auf dem Schulhof nutzen. Spoiler: Es laufen alle in Socken draußen rum. Auch, ob sie das Mittagessen essen wollen, oder nicht, oder wieviel sie am Tag trinken, ist ihnen überlassen. Das mag für euch ganz natürlich sein, aber ich kenne viele Eltern, die es gern hätten, dass die Lehrer ihr Kind zum Trinken oder zum Toilettengang animieren. Wenn das gesundheitliche Gründe hat, kann man das sicher auch an einer Freien Schule anmerken, aber ansonsten fällt das Ganze hier unter die Eigenverantwortung der Kinder.

Auch das Spielen auf dem Hof wird fast nie eingeschränkt. Die Kinder klettern selbstverständlich auf die höchsten Bäume. Im Winter beobachtete ich einmal einen Jungen, der ein Springseil durch einen Ziegelstein schob und dann diesen Stein am Seil immer wieder auf eine zugefrorene Pfütze schleuderte. Ich war gleichzeitig fasziniert und besorgt. Fasziniert, weil ich das als Kind selbst so gemacht hatte und ich mich erinnerte, wie toll es war, mit roher Gewalt das Eis zu brechen. Besorgt, weil ich diese Szene mit Erwachsenenaugen sah und feststellte, dass doch ziemlich viel Verletzungsgefahr bestand. Er verletzte sich natürlich nicht. Ebenso wenig, wie ich mich als Kind dabei verletzt hatte. Aber trotz alledem ist es für mich immer wieder schwer, meinen Kindern die gleiche Freiheit zu lassen, die ich als Kind so genossen habe.

Freie Schule auch für Eltern


Kommt das eigene Kind in eine normale Grundschule, bekommt man meist ein halbes Jahr vorher eine Einladung zur ersten Elternversammlung, bei der man die Klassenlehrerin kennenlernt, die Einschulung bespricht und eine Liste mit Schulsachen bekommt, die man besorgen soll. Bei der Freien Schule war zwar klar, wann und wo die Einschulung stattfinden würde, aber viel mehr Informationen kamen erst einmal nicht. Dass wir keine Materialien kaufen mussten und keinen Schulranzen wussten wir zwar auch. Aber brauchten wir Sportzeug? Wie viele Gäste durften wir zur Einschulung mitbringen? Solche Fragen blieben unbeantwortet, es sei denn, ich machte mir die Mühe, die Freie Schule anzumailen. Dann kam sofort eine sehr freundliche Antwort.

Auch bei Schuljahresbeginn flossen die Informationen nur spärlich. Uns wurden zwar bei der Einschulung die Namen aller Lehrer genannt, doch natürlich vergaßen wir sie sofort wieder. Und dabei blieb es. Etliche Wochen lang kannte ich nur einen einzigen Lehrer beim Namen. Ich fragte Eltern, deren Kind schon in die zweite Klasse ging - auch die wussten nicht alle Namen. Mich ärgerte diese Laissez-Faire Einstellung. Ich konnte es nicht leiden, dass ich mich ständig überwinden musste, Informationen selbst einzusammeln. Ich hätte es gern gehabt, dass die Schule mir das abnimmt, und auf mich zukommt. Ich war seeeehr irritiert. Und dann fiel bei mir der Groschen. Das ist freies Lernen! Niemand nimmt dir die Verantwortung dafür ab, dir das zu besorgen, was du brauchst. Auch uns Eltern nicht! Die nette Vorbereitung der normalen Grundschulen, die Elternabende, die Listen, die genauen Vorgaben für die Einschulung, sind im Grunde genommen eine (gut gemeinte) Entmündigung, die wunderbar bequem ist, weil sie einem quasi auf dem Silbertablett gereicht wird. In der Freien Schule aber musst du deinen Arsch hochbekommen als Elternteil, wenn du Fragen hast oder willst, dass etwas Bestimmtes passiert. Schnell freundete ich mich mit anderen Eltern an (etwas, was ich normalerweise nicht so gern mache. Grüße an alle, die jemals in Krabbelkursen mit mir waren...), wir tauschten Informationen aus und lernten, uns zu informieren. Denn wenn man weiß, wo, ist es total einfach. Es gibt sowohl ein Schul-Wiki, in dem alles steht, als auch monatliche Elternbriefe, in denen alle wichtigen Termine und Vorkommnisse aufgelistet werden. Dazu kommen die Gespräche mit dem Vertrauenslehrer des eigenen Kindes pro Halbjahr und natürlich die klassischen Elternabende, in denen die Lehrer/innen dann auch erzählen, warum sie z. B. die Silbenmethode und nicht das Schreiben nach Gehör bevorzugen.

Elternarbeit


An unserer Freien Schule wird die Mitarbeit der Eltern sehr gefordert. Man muss eine bestimmte Elternstundenzahl pro Halbjahr und pro Elternteil absolvieren. Das geht z. B. mit Putzen am Wochenende oder durch das Führen eines Projektes. Viele Eltern haben Berufe, die interessante Aspekte enthalten. Ich konnte ein Projekt über Blindenschrift abhalten. Andere können kochen, und leiten einen Kochkurs, oder sind Biologen und zeigen den Kindern etwas über Tiere und Pflanzen. Manche Eltern sind Schauspieler, und halten einen Schauspielkurs, andere bieten Selbstverteidigung oder Aikido an. Es gibt Eltern, die in die Schule gefahren kommen und alle Köpfe nach Läusen absuchen, wenn es mal wieder Läusealarm gibt. Andere haben sich für die Partygruppe eingeschrieben und richten alle Feste der Schule aus. Jeder macht das, was er am besten kann und mag. Aber mitarbeiten müssen alle.

Schließtage


An unserer Freien Schule gibt es mehr Schließtage, als ich das aus meiner Regelgrundschule gewohnt bin. Meist sind das Tage, an denen sich unsere Lehrer weiterbilden. Man braucht also als Eltern ein gutes soziales Netz, um diese Schließtage überbrücken zu können, wenn man selbst arbeiten geht. Wir haben die besten Großeltern der Welt in der Stadt und eine wunderbare Babysitterin, so dass es bisher bei uns nicht zu Vereinbarkeitsproblemen kam, aber ich weiß, dass andere Familien da nicht so viel Glück haben. Da es aber eine große Solidarität unter den Eltern der Schule gibt, greifen wir allen unter die Arme, die es nicht schaffen, die Schließtage abzudecken.

Gibt es Ferienbetreuung?


nach der Langeweile kam der Wunsch, Programmieren zu lernen
Ja, es gibt Ferienbetreuung, so, wie an normalen Grundschulen auch. Die Lehrerinnen und Lehrer werden oft unterstützt von Eltern (Elternarbeit) und gehen dann mit den Kindern ins Museum, Bowling, ins Kino oder zum Klettern etc.. Meine Kinder mögen aber die Ferienbetreuung nicht sonderlich, sondern bleiben lieber zuhause, wenn sie können. Das war aber auch zu Kita-Zeiten schon so. Wenn es nach meinen Kindern ginge, würden sie keinerlei Institutionen besuchen, sondern ihren Tag ganz frei verbringen. Dass sie dabei auch lernen würden, sehe ich regelmäßig in den Ferien: Zuerst chillen sie, dann gibt es schlechte Laune wegen Langeweile, dann gibt es meist Streit und DANN fangen sie an, sich Projekte zu suchen und diese sind meist mega cool.

Gibt es Hausaufgaben?


Nein, es gibt keine Hausaufgaben. Zumindest keine, die zwingend gemacht werden müssen. Für den Deutschkurs hatten wir mal eine CD-Rom nach Hause mitbekommen, mit der die Kinder auf dem PC eine Zusatzübungen hätten machen können. Fräulein Chaos und Fräulein Ordnung haben diese CD-Rom vielleicht 3 Mal benutzt, dann war der Zauber verflogen. Machte aber nichts, denn diese Hausaufgaben waren freiwillig.

Gibt es Zensuren?


An unserer Freien Schule gibt es bis zur 9. Klasse keinerlei Noten. Zum Jahresende bekommen alle einen persönlichen Brief ihres Vertrauenslehrers, in welchem steht, welche Kurse sie in diesem Schuljahr besucht haben und was den Lehrern sonst noch so auffiel. Alle Lehrer_innen machen sich ausgiebige Notizen zu jedem einzelnen Schüler, was möglich ist, weil jeder von ihnen nur relativ wenige Schülerinnen und Schüler zu betreuen hat. Sollten Noten notwendig sein, z. B. weil ein Kind nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechseln möchte, können diese Notizen ohne Probleme in "echte" Noten umgewandelt werden. Die Kinder haben mit ihren Vertrauenslehren auch mindestens ein intensives Gespräch pro Halbjahr. In den oberen Klassen geht es darin auch darum, was noch an Fächern oder Gebieten fehlen könnte, um den Mittleren Schulabschluss zu schaffen. Auch die Eltern haben in jedem Halbjahr ein Gespräch mit dem jeweiligen Vertrauenslehrer.

Gibt es häufig Wechsel?


Es gibt immer mal Wechsel an eine andere Schule. Am allerhäufigsten an andere Freie Schulen, die näher dran am Zuhause liegen, oder mehr im Wald sind, oder eben den PC und das Handy ohne Einschränkungen nutzen lassen. Nach der 4. und nach der 6. Klasse gibt es einige Kinder, die schon aufs Gymnasium wechseln. Selten gibt es auch Kinder, die zurück an Regelschulen wechseln - meist deshalb, weil die Eltern festgestellt haben, dass sie ihre eigene Sozialisation und die damit verbundene Angst doch nicht überwinden können. Diese Wechsel sind aber eher die Ausnahme. Hinzu kommen Wechsel von anderen Schulen an unsere Freie Schule. Häufig kommen "Schulversager" oder "Schulverweigerer" zu uns, die an den Regelschulen irgendwie untergegangen sind. Beim Lehrerinnenteam gibt es so gut wie keine Wechsel. Vor fünf Jahren ist die letzte Lehrerin gegangen, weil sie der Liebe wegen in ein anderes Bundesland zog. Ich glaube, die Lehrerinnen und Lehrer sind glücklich an unserer Schule. Sie bekommen nicht so viel Gehalt, wie an staatlichen Schulen, haben dafür aber sehr viel mehr Freiheit und einen nicht so eng getakteten Jahresplan. (By the way, wir suchen eine/n Chemie und Physik Lehrer/in für die oberen Klassen, also falls ihr jemanden kennt, der gerne an einer Freien Schule in Berlin arbeiten möchte....)

Gibt es Streit unter den Kindern? Gibt es Mobbing?


Es gibt Streit, ja. Die Kinder streiten sich, sie vertragen sich. Manchmal will der eine nicht mit dem anderen spielen, manchmal fließen Tränen. Aber es läuft irgendwie trotzdem auf einer relativ netten Ebene ab. Letztens kam Fräulein Ordnung sehr aufgelöst weinend nach Hause. Ihre Freundinnen seien extrem fies zu ihr gewesen. Auf meine Nachfrage, was das Fiese gewesen sei, erwiderte meine Tochter, die Mädchen hätten zu ihr gesagt, sie wollen heute nicht mit ihr spielen. Ich hakte noch ein wenig nach, und es blieb dabei - die beiden hatten etwas gespielt, Fräulein Ordnung war dazu gestoßen, eine von beiden hatte ruhig gesagt, dass sie heute allein spielen wollen und dann hatten sie weitergespielt. Das war natürlich schrecklich für meine Tochter, aber insgesamt fand ich daran nichts fies. Sie hatten einfach ihren Wunsch geäußert. Das fand ich für zwei Siebenjährige unheimlich kompetent. Und so in der Art laufen die meisten Streits ab. Als wir neu waren, beobachtete ich einmal auf der Fahrt zur Schule zwei etwa Vierzehnjährige, die sich ganz offensichtlich stritten, dies aber mit einer ausgesuchten Höflichkeit taten, dass ich es kaum glauben konnte. Nicht weniger erstaunt war ich, als die beiden mit uns ausstiegen und ins gleiche Schulgebäude gingen. Cool, dachte ich, die lernen hier echt, auf Augenhöhe miteinander zu streiten. Dann fiel mir ein Zehnjähriger auf, der mit lila Hausschuhen durch den Gang schlurfte. Kein einziges Kind hob auch nur die Augenbraue ob des Schuhwerks. Ich weiß nicht, ob das an allen anderen Schulen auch so wäre? An unserer Schule kann jeder sein, wie er will. Es gibt Erstklässler, die am Anfang mit Nuckel zur Schule kamen, fast alle haben ein Kuscheltier im Arm. Ob jemand rosa trägt, oder Tüllröcke, oder zerrissene Klamotten, oder jeden Tag das Gleiche, ob jemand lange oder kurze Haare hat, ist an unserer Schule komplett egal.

Wenn doch mal ein größerer Vorfall geschieht, reagieren die Lehrerinnen und Lehrer sofort. Einem Zweitklässler wurde einmal aus Jux der Schrankschlüssel weggenommen und versteckt. Er versuchte es zuerst allein, die anderen Kinder zu überzeugen, ihm ihn wieder zurückzugeben. Als das nicht gelang, ging er zu seiner Vertrauenslehrerin, die sofort eine Not-Schulversammlung einberief. Zu einer solchen Notversammlung müssen alle kommen. Normale Versammlungen sind freiwillig. Auf der Notversammlung wurde das Problem geschildert und die Gefühle des geärgerten Jungen benannt. Es wurde gemeinsam überlegt, wie die Ärgerer es wieder gut machen könnten, mal abgesehen davon, dass er seinen Schlüssel wieder zurückbekam. Innerhalb von einer halben Stunde wurde der Vorfall geklärt. In den zwei Jahren, die wir an der Freien Schule sind, war das jedoch die einzige Notversammlung wegen eines Ärgervorfalls. Eine zweite fand statt, weil das Jungenklo verstopft wurde. Auch das wurde mit allen geklärt und überlegt, wie die Wiedergutmachung aussehen könnte.

Für kleinere Ärgereien gibt es eine "Ärgerliste", in der jeder, der sich geärgert fühlt, Stopp gesagt hat und dann weiter geärgert wurde, dem anderen einen "Strich" geben kann. Morgens im Morgenkreis wird diese Liste ausgewertet. Ausgeschimpft wird aber niemand. Man würde denken, dass die Kinder diese Listen vielleicht missbrauchen und anderen sehr viele Striche verpassen, aber irgendwie kommt das nicht vor. Offenbar ist auch hier das Verantwortungsbewusstsein der Kinder groß genug.

Wie viel kostet die Freie Schule?


Diesen Punkt kann ich wieder nur für unsere Freie Schule beantworten. Freie Schulen sind zwar staatlich anerkannt, aber werden nicht vom Staat finanziert, d. h. sie sind Privatschulen. Ich weiß, dass es welche gibt, in denen man 500 Euro und mehr im Monat zahlen muss, oder solche, bei denen das Schulgeld abhängig vom Gehalt der Eltern ist. Unsere Schule hat sich für einen anderen Ansatz entschieden. Am Anfang jedes Schuljahres gibt es eine Bieterparty, an der alle Eltern teilnehmen müssen. (Kommt jemand nicht, wird sein Schulgeld automatisch sehr hoch festgelegt, mehr, als man bezahlen würde, wäre man dabei.) Die Lehrerinnen und Lehrer listen auf, wieviel Geld sie für was im Schuljahr brauchen werden. Diese Summe wird durch die Monate und die Anzahl der Kinder geteilt, so dass sie einen Betrag erhalten, an dem abgelesen werden kann, was jeder ungefähr zahlen müsste, damit das Schuljahr problemlos ablaufen kann. Oft ist das in etwa eine Summe von unter 200 Euro pro Kind pro Monat. Würden nun alle Eltern einwilligen, dieses Geld zu zahlen, wäre die Bieterparty sofort beendet. Doch wir sind eine Schule mit einer großen Bandbreite an Familien - manche sind arm, manche reich. Deshalb wird geheim geboten. Verdient jemand gut, kann er angeben, dass er 250 Euro im Monat bezahlen will. Damit sponsert er jemanden, der weniger bezahlen möchte, weil er alleinerziehend oder Hartz IV Empfänger ist. Nach jeder Biet-Runde wird geschaut, ob die Summe aus allen Angeboten dem entspricht, was die Schule braucht. Wenn nicht, müssen alle in der nächsten Runde ihr Angebot etwas erhöhen. Mancher erhöht um 1 Euro, ein anderer gleich um 20 Euro. Es ist alles geheim. Niemand erfährt, was der andere bereit ist zu zahlen, damit nicht jemand aus Scham mehr angibt, als er sich eigentlich leisten kann. Meist dauert es 6 bis 9 Runden, bis die benötigte Summe zusammengekommen ist. Dann wird die Biet-Runde abgeschlossen und alle laben sich am Buffet und quatschen miteinander. Zusätzlich zum Schulgeld wird noch ein Hortgutschein benötigt, wie an anderen Schulen auch.

Elitäres weißes Bildungsbürgertum?


Privatschulen wird oft vorgeworfen, sie würden sich ihre Schülerschaft ja aussuchen können und wären deshalb elitär. Nur Kinder von weißen Bildungsbürgertum-Eltern könnten sich leisten, eine Privatschule zu besuchen. Und damit wäre ja auch klar, warum es an Privatschulen besser läuft - sie müssten einfach nicht mit Kindern arbeiten, die in irgendeiner Weise auffällig wären. 
Für unsere Freie Schule kann ich diesen Vorwurf mit gutem Gewissen zurückweisen. Gerade die "auffälligen" Schülerinnen und Schüler zum Beispiel werden uns regelmäßig in die Schule gespült, wenn sie an den Regelschulen rausfliegen. (Wobei die bestehende Schülerschaft ein großes Mitspracherecht bei der Aufnahme dieser Quereinsteiger hat, so dass nicht immer alle dieser Kinder tatsächlich nach der Probewoche aufgenommen werden.)

Um in die erste Klasse aufgenommen zu werden, unterläuft jede Familie natürlich einen Bewerbungsprozess. Eltern, die eigentlich nicht wissen, was Freies Lernen ist, scheitern am Vorstellungsgespräch. Aber niemand wird abgewiesen, weil er zu wenig Geld, die "falsche" Hautfarbe oder eine Behinderung hat. Im Gegenteil, diese Punkte zählen positiv im Bewerbungsprozess, da das Lehrerteam eine möglichst diverse Schülerschaft als Abbild der Gesellschaft beibehalten möchten.

Verantwortung


Als Fräulein Chaos ihren Lesen-und-Schreiben-Kurs abbrach, nahm mich ihr Vertrauenslehrer beim Abholen beiseite und erklärte mir, man habe schon seit einigen Wochen gemerkt, dass sie sich im Kurs quäle und mit sich ringe, ob sie dabeibleiben wolle, oder nicht. Heute nun sei ihre Entscheidung gefallen, und er freue sich sehr darüber. Ich könne meine Tochter ruhig dafür feiern.

Ich nickte und lächelte, innerlich bekam ich einen Panikanfall. Wieso freute der sich denn?! Mein Kind hatte sich doch fürs Abbrechen entschieden. Was gab es denn daran zu feiern? Aufgewühlt verließ ich die Schule.

Fräulein Chaos brach den Deutschkurs ab, in den
Sommerferien jedoch erfand sie Hyroglyphen und schrieb doch
Ein paar Tage später gab es eine Elternversammlung für alle Eltern der Erstklässler und dort erklärten uns die Lehrerinnen, dass es an der Freien Schule im ersten Schuljahr weniger um Inhaltsvermittlung geht. Andere Fähigkeiten stünden im Mittelpunkt. Eine der wichtigsten - und schwierigsten - sei, Entscheidungen selbständig treffen zu lernen. In sich hineinzuhorchen und zu entschlüsseln, was man wirklich will. Lesen, schreiben und rechnen kann man noch mit 8 (oder auch 80) lernen, aber je öfter und länger man die Verantwortung für sich selbst von anderen abgenommen bekommt, desto fauler wird das menschliche Gehirn. Irgendwann verlässt es sich darauf, dass andere sich kümmern. Wenn also ein Kind einen Kurs abbrechen würde - was fast alle Erstklässler tun - dann wäre das ein wichtiger Meilenstein. Weil das Kind sich entschieden hat. Und weil es sich nicht hat leiten lassen, von dem, was andere von ihm erwarten, oder was man als Erstklässler "normalerweise" so macht. Diese Erwartungshaltung, die von allen Seiten aus der Gesellschaft an die Kinder herangetragen wird, muss man sich erst einmal trauen, abzuschütteln. Das Kind hat damit einen entscheidenden Schritt ins Erwachsenenleben getan, in welchem es die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst trägt.

Einige Kinder hätten schon zuhause oder in der Kita die Erfahrung gemacht, dass die Erwachsenen ihnen die Verantwortung für sich selbst abnehmen. Vielleicht haben die Großen entschieden, wieviel vom Mittag die Kinder essen müssen, damit sie auch einen Nachtisch dürfen, oder sie mussten nach dem Mittagsessen alle auf Toilette gehen. Oder es wurde für sie entschieden, dass es draußen zu kalt sei, um ohne Mütze rauszugehen. Für diese Kinder sei das Entscheidungentreffen eine enorme Kraftanstrengung, die ihre gesamten Ressourcen im ersten Jahr vereinnahmen würde, was konkret bedeutet, dass sie keine Lernangebote annehmen (oder diese abbrechen), sondern eher den Tag mit Freiem Spiel verbringen.

Als Lehrerin an einer klassischen Schule kann ich hier an dieser Stelle beisteuern, dass es dort eher anders herum gemacht wird: Den Kindern wird die Verantwortung für sich selbst abgenommen (d. h. die Lehrer entscheiden, was und mit welcher Methode gelernt wird, die Schule legt fest, wann das Frühstück gegessen wird, der Lehrer entscheidet, ob ein Kind eine Aufgabe durchhalten muss, oder abbrechen darf), dafür wird großer Wert auf die Vermittlung von inhaltlichem Wissen gelegt. Begründet wird das meist damit, dass kleine Kinder noch nicht die Weitsicht hätten, für ihre eigene Zukunft zu planen, so dass die Eltern (und Lehrer_innen) das tun müssten. Ich kann diesen Blickwinkel/diese Angst gut nachvollziehen. Es erscheint durchaus logisch, den Kindern zu sagen, was sie lernen sollen, damit sie gut für die Zukunft gerüstet sind. Zumal es im Hinblick auf die eng getaktete Stoffvermittlung an einer Regelschule tatsächlich wichtig ist, gut mitzukommen. Ich selbst habe etwa in der vierten Klasse in Mathe den Anschluss an die anderen verloren und nie mehr wirklich "Fuß fassen" können. Immer bauten die darauf folgenden Themenfeldern auf etwas auf, was ich nicht verstanden hatte, somit konnte ich immer nur so gut es ging Rechenwege auswendig lernen und ohne tiefergehendes Verständnis abarbeiten. Mit meiner Vier auf dem Zeugnis war ich noch gut bedient. Wenn also Eltern und Lehrer an einer normalen Grundschule darauf bestehen, dass die Kinder Hausaufgaben und/oder Nachhilfe machen, um Schritt zu halten und später einen guten Abschluss machen zu können, ist das die richtige Reaktion auf das bestehende System. Das Problem daraus ergibt sich erst etwas später.

Denn die Kinder fangen an, sich darauf zu verlassen, dass sie jemand dazu animiert oder antreibt, zu lernen. Sie glauben den Erwachsenen sogar, dass sie ohne Unterstützung durch die Großen nicht sehr weit kommen würden. Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Viertklässler, der mir total glücklich erzählte, er würde bald bei der Freiwilligen Feuerwehr anfangen. Und wenn der Trainer dort so richtig streng sei, dann würde er (der Junge) auch leise sein und gut mitmachen. Ich fragte etwas verwirrt zurück, warum er dafür denn einen strengen Trainer brauche. Er könne doch, wenn er so dringend Feuerwehrkind werden wolle, einfach beschließen können, leise zu sein und zuzuhören? Nun guckte er verwirrt. Dann sagte er: "Na, so sind wir Kinder doch. Wir sind nur leise und lernen, wenn man uns zwingt?!"

Wenn Kinder solche Glaubenssätze als Haltung verinnerlicht haben, sich also auf eine höhere Macht verlassen, die sie zwingt, zu lernen, dann wird es schwierig für die Eltern, sich aus dem Lernen der Kinder zurückzuziehen. Aber irgendwann wollen alle Eltern, dass die Kinder Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Spätestens mit 14 sollen sie eigenständig an ihre Hausaufgaben denken und für Tests lernen etc., doch den Teenagern scheint das alles völlig egal zu sein. Schlechte Zensuren? Egal. Schlechter Abschluss droht? Egal. Vielleicht deswegen keinen Ausbildungsplatz bekommen? Egal. Kleine Anekdote aus meiner alten Schule: Ich hatte meinen großen Schülern angekündigt, dass wir in zwei Wochen eine Klassenarbeit schreiben würden. Die Zensur war ausschlaggebend fürs Zeugnis, das Zeugnis wiederum war ausschlaggebend für die Bewerbung an der weiterführenden Schule. Als Versuch hängte ich die Klassenarbeit etwa eine Woche lang an die Tafel (und sagte es ihnen auch) - damit die Kinder gucken konnten, was dran kommt. Keiner der Schüler, die es dringend gebraucht hätten, schauten sich das Papier an! Keiner! Es scheint, als könnten viele Teenager tatsächlich nicht für sich planen und das "große Ganze" im Auge behalten.

Roboter bauen mit erwachsener Freundin
Aus solchen Erfahrungen heraus schlussfolgern die Erwachsenen dann, dass man Kindern tatsächlich nicht die Verantwortung für ihr Lernen selbst überlassen sollte. Doch eigentlich ist das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung - die Kinder lernen, sich nicht mehr um die eigene Bildung zu kümmern, gerade weil ihnen die Verantwortung dazu in frühen Jahren abgenommen wurde. (Dieses Phänomen sieht man übrigens auch in anderen Bereichen des Lebens. Ich glaube, das Thema ist es wert, mal einen eigenen Blogartikel gewidmet zu bekommen...)

An den Kindern an den Freien Schulen kann man aber sehen, dass unsere Kinder sehr wohl Verantwortung übernehmen - sie alle schaffen den Abschluss ohne Druck von außen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie geerdet und "weit" für ihr Alter die Schülerinnen und Schüler an unserer Freien Schule wirken. Sie sind einerseits kindlich und verspielt, offen und albern, wie es Kinder sein sollen. Auf der anderen Seite aber sind sie fokussiert, verantwortungsbewusst und wissen, was sie wollen und wie sie dort hinkommen. Es scheint für sie kein "das kapiere ich nie", "das schaffe ich eh nicht" oder "dafür bin ich zu blöd" zu geben - sie gehen Probleme einfach an oder holen sich Hilfe, um etwas zu verstehen. Als Fräulein Chaos in den Osterferien beschloss, programmieren zu lernen, fragte sie mich, ob ich jemanden kenne, der das kann. Mir fielen zwei meiner Freunde ein. Als ich ihr die Namen nannte, ging sie zum Telefon, rief eine der beiden an und verabredete sich mit ihr (einer Erwachsenen!) für den Abend zum Roboter bauen und programmieren. Ich konnte nur staunend zusehen. Mir wäre das mit 7 nicht in den Sinn gekommen.

selbst geschneidertes Kleid
selbst designtes und geschneidertes Kleid aus Bettbezug
Auch in der Schule ist das so. Wenn eines der Kinder dort für etwas "brennt" schnappt es sich einen Erwachsenen und probiert das mit dem aus. Fräulein Chaos z. B. wollte sich ein paar Wochen vor unserer Hochzeit plötzlich ein Festkleid nähen. Sie bat die Lehrerin aus dem Kreativraum um Hilfe. Zwei Tage lang sichteten die beiden Stoffe (es wurde ein Bettbezug geupcycelt), malten den Schnitt, vergrößerten diesen, schnitten dann den Stoff zu und nähten das Ganze zusammen. Zwei Tage lang okkupierte meine Tochter diese Lehrerin. Sie waren ein Arbeitsteam. Als ich am Freitag meine Tochter abholte, war das Kleid fertig und wunderschön. Die Lehrerin verabschiedete sich mit Handschlag und leuchtenden Augen von ihr und sagte: "Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, Fräulein Chaos!"
Am Gesicht meiner Tochter konnte man ablesen, dass es ihr ebenso ging. Und das, finde ich, sollte Schule erreichen: Leuchtende Augen und Freude über das eigene Schaffen.

Fazit 


Wir sind bisher sehr glücklich mit unserer Entscheidung, unsere Kinder an eine Freie Schule zu geben. Unserer Erfahrungen sind durchweg positiv. Nun sind wir ja aber erst zwei Jahre dabei, insofern werde ich diesen Artikel in ein paar Jahren updaten, um zu beschreiben, wie es bei uns weitergegangen ist.

© Snowqueen

Weiterführende Literatur


Caspar-Jürgens, A., Lernen ist Leben - Die Familienschule: Wie Schule sein könnte, wenn das Lernen frei wäre

Gatto, J. T., Verdummt noch mal! Dumbing us down: Der unsichtbare Lehrplan oder Was Kinder in der Schule wirklich lernen

Gray, P., Befreit lernen: Wie Lernen in Freiheit spielend gelingt

Lindmeyer, L.: Geht´s auch ohne Schule? Auf den Spuren der Freilerner: Erfahrungsberichte von 15 Freilerner-Familien zwischen Schweden und Neuseeland

Scholz, N., Borchert, M., Böttcher, J., Freie Alternativschulen: Kinder machen Schule. Innen und Aussenansichten

Stern, A., ...und ich war nie in der Schule: Geschichte eines glücklichen Kindes

Wagenhofer, E., alphabet: Angst oder Liebe (auch als Film erhältlich)

Demokratische Schulen (Film)

Endlich frei!: Leben und Lernen an der Sudbury-Valley-Schule

Keine Hausaufgaben und den ganzen Tag Pause: Wie es Bildung in Freiheit und Demokratie geben

Kriesel, Nicola: Schätze bergen, Alltag in Freien  Alternativschulen





Wenn Dir dieser Beitrag gefallen oder weitergeholfen hat und Du unsere Arbeit gerne unterstützen möchtest, kannst Du das über den folgenden Button bei Paypal tun:

Kommentare:

  1. Ganz ohne öffentliche Zuschüsse braucht auch eine Privatschule nicht zu arbeiten. In Berlin bekommen private Schulen nach einer gewisssen Wartefrist 93% vergleichbarer Personalkosten erstattet. http://www.schulgesetz-berlin.de/berlin/schulgesetz/teil-vii-schulen-in-freier-traegerschaft/abschnitt-ii-ersatzschulen/sect-101-finanzierung.php

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Guck an, das wusste ich nicht! Aber ich habe gerade mal eben in unserer Schule nachgefragt und ja, sie bekommen diesen Zuschuss schon. LG, Snowqueen

      Löschen
    2. 93 Prozent klingt natürlich auf den ersten Blick recht viel. Aber: Als ob die Kosten für eine Schule nur aus Personalkosten bestünde. Man darf sich fragen, warum Schulen in freier Trägerschaft, den Regelschulen finanziell nicht gleichgestellt sind und warum es ausgerechnet in der schwersten Phase, nämlich den Anfangsjahren überhaupt keine finanzielle Unterstützung gibt?

      Da beschwert man sich immer, dass sich Privatschulen nur die Gutverdiener leisten können, tut aber alles dafür, dass dieser Zustand auch ja beibehalten wird. Die Ansprüche, was die Qualifikation anbelangt, sind an die Lehrer der nicht staatlichen Schulen die gleichen wie an Regelschulen. Warum dann nicht die gleiche Bezahlung?

      Löschen

    3. In Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen liegen die staatlichen Regelsätze an Grundschulen bei 50 Prozent des Betrages, den die Länder pro Grundschüler einer staatli- chen Grundschule ausgeben. Lediglich in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saar- land, Schleswig-Holstein und Thüringen erreichen die staatlichen Förderbeträge einen De- ckungsgrad, der über der 80-Prozent-Marke liegt. Diese Finanzierungsproblematik setzt sich auch an den privaten Hauptschulen fort. So erhalten die freien Hauptschulträger in Bayern, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz noch nicht einmal die Hälfte der Summe, die das jeweilige Bundesland für einen Hauptschüler an einer staatlichen Haupt- schule ausgibt. In Baden-Württemberg und Bremen beträgt der Deckungsgrad der staatli- chen Finanzhilfe weniger als 60 Prozent. Vergleichsweise günstiger stellen sich die Haupt- schulträger in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.„

      http://www.universitas-rostock.de/3_bibliothek/schule/IW-Studie_Privatschufinanzierung.pdf

      Löschen
    4. Eine weitere Ergänzung: Vom Bundesland hängt nicht nur die Höhe der Finanzierung ab, sondern auch ab WANN gezahlt wird! In NRW zB ab ersten Tag, an dem die Schule ihren Betrieb aufnimmt. Andere Länder refinanzieren erst nach drei Jahren!

      Löschen
    5. Von welcher Schule in Berlin redet ihr? Danke!

      Löschen
  2. Das ist das beste und differenzierteste Statement, das ich je zu einer Freien Schule gelesen habe.
    Herzlichen Dank von einem, der als "klassischer" Oberstudienrat an einem Gymnasium noch immer glücklich ist (und immer wieder erlebt, dass es möglich ist, Elemente aus "beiden Welten", dem Freien Schulleben und dem Regelschulleben, zu verbinden)

    AntwortenLöschen
  3. Das ist der ausführlichste und ausgewogenste Artikel, den ich bisher zum Lernen an freien Schulen gelesen habe. Ich finde ihn extrem hilfreich. Ganz herzlichen Dank dafür, liebe Snowqueen!

    AntwortenLöschen
  4. So ein schöner und ausführlicher Bericht. Danke, dass du deine derzeitigen Erfahrungen mit uns geteilt hast!

    Auch wenn meine Kinder auf eine Waldorfschule gehen, hast du unglaublich mein Vertrauen in meine Kinder gestärkt.

    Liebe Grüße

    Coco

    AntwortenLöschen
  5. Unsere Kinder gehen auch an eine freie Schule, nur dass wir auch freien zugang zu Medien haben. Jetzt nach fast einem Jahr spielen kommt langsam der Wunsch nach Lernen zurück. Ich bereue diese Entscheidung keine Sekunde. Unserem Kind geht es soooo verdammt gut dort!

    Liebe Grüße aus Berlin!

    AntwortenLöschen
  6. Wunderbarer Artikel, viele Punkte beleuchtet, insgesamt großartig.

    Anmerkung:
    Solche Schulen sind regelmäßig nicht "anerkannt", sondern lediglich "genehmigt". Dies hat zur Folge, dass die Schulen nicht selbst Abschlüsse vergeben dürfen (und dies auch nicht anstreben). Die Prüfungen laufen auch nicht so ab wie an einer Regelschule. Die Anzahl der Prüfungsfaächer ist höher. Zudem muss man die Prüfungen an einer zugewiesenen Regelschule ablegen.

    Grüße
    Friedmann

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deine Anmerkung! Das werde ich oben im Text ergänzen. LG, Snowqueen

      Löschen
  7. Das hat rein gar nichts mit Demokratischer Schule zu tun, was diese Schule zelebriert. Das ist eine neue Entwicklung, dass Freie Schulen sich das "Demokratisch" auf die Fahne schreiben, aber weder Ahnung haben, was das meint, noch gewillt sind, es umzusetzen. Ekelhaft, dieser Etikettenschwindel. Hierbei handelt es sich um eine x-beliebige Freie Schule mit bisschen Zwang, bisschen Nettigkeit, Duzen und fragen, wie es dem anderen geht. Da ganz oben in der Überschrift rauszuschreien: Demokratische Schule, ist völlig unangebracht. Weil durch und durch falsch. Die Literaturliste spricht für sich: Kein einziger Film, kein Buch, Artikel oder Blog zu Demokratischen Schulen. Lol ... ernsthaft? Wenn ich das Verständnis der Autorin von Lernen lese, wird mit übel. Wir lernen immer! Immer! Das lässt sich gar nicht vermeiden. Es sei denn, jemand setzt mich unter Druck oder glaubt zu wissen, was ich in welcher Situation lerne oder gefälligst zu lernen habe. *seufz* ... Es gibt noch viel zu tun. Bestsellerautorinnen ... und so ein Fauxpas. Autsch ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schade, dass du deine Kritik so furchtbar unfreundlich rüberbringst. Ist das so üblich bei dir? Ich versuche, das nicht persönlich zu nehmen und werde das 'demokratisch' aus dem Text rausnehmen. Liebe Grüße!

      Löschen
    2. Furchtbar unfreundlich? Sorry ... ist vlt. auch dem Medium geschuldet. (Spielt auch keine Rolle, was bei mir üblich ist oder nicht. Ich bin hier anonym unterwegs. Die Antwort würde dir also nichts nützen.) Du musst nix rausnehmen. Offensichtlich bist du ja der Meinung. Vlt. solltest du das mal der Schule sagen, die den Etikettenschwindel betreibt.

      Löschen
    3. Die Schule nennt sich gar nicht demokratisch. Das habe nur ich getan, weil viele Menschen 'Freie Schule' nicht mit freiem Lernen, sondern mit 'Privatschule' verbinden. Dass es da so einen großen Unterschied gibt zu der Art von Schule, wie du sie meinst, war mir nicht bewusst. Normalerweise weisen mich meine Leserinnen und Leser auf inhaltliche Fehler freundlich hin, dann ändere ich das, und alle sind happy. Für solches Schwarmwissen ist das Internet ja da. Insofern freue ich mich über jede Anmerkung. Vielleicht möchtest du mir noch Literatur nennen, die ich im Anhang ergänzen soll.

      Ja, ich fand dich furchtbar unfreundlich. Natürlich bist du hier anonym unterwegs, aber ist das ein Freischein dafür, Freundlichkeit, Empathie und Anstand abzulegen? Auf dieser Seite des Computers sitzt ein Mensch, den du mit deinen unnötig harschen Worten verletzt hast.

      Löschen
    4. Words-hurt-Gedöns geht mir auf den Senkel. Aber wenn ich dich verletzt habe - wie auch immer mir als dir unbekannte Person ohne Schimpfworte das gelungen sein soll - tut es mir sehr leid. Ernsthaft. Ist ein sensibles Thema. Ich bin sehr verärgert über diesen Etikettenschwindel, der übrigens ein Trend ist. Gut, bei euch scheint es keiner zu sein, du hast aus genannten Gründen - die nachvollziehbar sind - das so gewählt. Nicht die Schule hat das getan. Literatur und Filme ... hm ... Demokratische Schulen (ein Film) oder Schools of Trust (auch ein Film). Endlich frei! von Daniel Greenberg oder Keine Hausaufgaben und den ganzen Tag Pause von Jerry Mintz, sowie Schätze bergen von Nicola Kriesel und Jan Kasiske (sind alles drei Bücher). Gibt noch einiges mehr.

      Löschen
    5. @Anonym: Ich würde Deinen Beitrag zwar nicht als »unfreundlich« bezeichnen, aber als wildes Gejammer schon. Auch aus Deinem letzten Kommentar geht nicht hervor, was genau Du kritisierst. Willst Du uns sagen, dass die oben beschriebene Schule nicht demokratisch ist, dass Du demokratische Schulen ablehnst, dass Schulen per se nicht demokratisch sind oder sein können? Kennst Du demokratische Schulen, die sich von der oben beschriebenen unterscheiden? Von welchem Etikettenschwindel redest Du?
      Mich würde Deine Auffassung zur Sudbury Valley School wirklich interessieren. Du scheinst sie ja in Deiner nicht näher beschriebene Pauschalkritik an demokratischen Schulen mit einzubeziehen. Ich, als absoluter Schulkritiker, halte diese Schule für eine der seltenen Ausnahmen, an die man seine Kinder ruhigen Gewissens schicken kann. Leider bekommt eine freie Schule - was sich zunächst nur auf die Trägerschaft bezieht - mit diesem Konzept keine Genehmigung. Wenigstens nicht in Berlin und Brandenburg.

      Dass Menschen immer lernen, ist eine Binsenweisheit. Hier ging es aber um die Beschreibung des Lernens der beiden Kinder an dieser Schule. Bedingt dadurch, dass das Wort »Lernen« in unserem Zwangsschulsystem falsch verwendet wird, müsste man vor jeder Benutzung erklären, was genau gemeint ist, wenn man vom Lernen spricht. Der entscheidenden Unterschied zur Regelschulsystem ist deutlich geworden, nämlich, dass die Kinder an dieser Schule nicht belehrt werden. DAS ist es, was an Regelschulen stattfindet; nicht Lernen, sondern Belehrung. DemokratischER geht es also allemal an dieser Schule zu.

      In ihrem einleitenden Absatz hat die Autorin zum Ausdruck gebracht, was die Motivation für diesen Blogbeitrag war. Sie wurde gebeten, darüber zu schreiben, wie ihre Kindern lernen. Und das ist ihr gut gelungen, finde ich.

      Löschen
  8. Hallo,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. Für mich ist das Neuland - meine Kinder sind noch nicht im Schulalter, aber schön langsam muss ich mich wohl damit beschäftigen.
    Wir wohnen in Österreich, ziemlich weit weg von großen Metropolen, deshalb gibts hier auch nicht viel Angebot an alternativen Schulformen. Jedoch gibts in der Nähe eine Kinder-Lerngruppe, die nach dem LAIS-Prinzip arbeitet. Sagt dir das was? Mich würde deine Meinung dazu interessieren, ich finde leider nicht sehr viel dazu im Web.

    Vielen Dank!
    Maria

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Spitzen Artikel!
      Freie Schulen sind haben meines Wissen kein Befugnis Abschlüsse zu vergeben oder?
      onma.de/webdesign-hannover/

      Löschen
    2. Doch, wenn sie staatlich anerkannte Ersatzschulen sind, dann dürfen an dieser Schule die normalen Abschlüsse gemacht werden. Sind sie nur 'genehmigt' (nicht anerkannt), dann müssen die Prüfungen an anderen Schulen gemacht werden.

      Löschen
    3. Liebe Maria, LAIS sagt mir nichts, tut mir leid!

      Löschen
    4. Vielen Dank trotzdem.
      Auch für mich wäre mal ein Artikel über Waldorf-Schulen interessant!
      Maria

      Löschen
    5. Da keines unserer Kinder auf eine Waldorfschule geht, werden wir nicht darüber schreiben können. Tut mir leid!

      Löschen
  9. Sehr interessanter Artikel! Mein großer kommt nächstes Jahr in die Schule und ich könnte mir vorstellen, dass ihm das System gefällt. Aber wie ist das mit Freunden? Halten da die Freundschaften vor Ort? Bei uns sind solche Schulen über 30 Minuten entfernt (mit dem Auto). Kinder aus der Schule besuchen wird daher schwierig...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da es hier in Berlin relativ viele Freie Schulen gibt, wohnen die Freunde alle im gleichen Bezirk. Vielleicht nicht alle in Laufnähe, aber mit dem Fahrrad sind sie alle zu erreichen. Ich kann mir aber vorstellen, dass das in anderen Schulen schon ein Problem ist.

      Löschen
    2. bin verwirrt...:). Im Text oben steht, dass ihr eine Stunde Fahrzeit one way habt, dann kann doch eure Schule nicht mehr im gleichen Bezirk wie euer Wohnort sein, oder?
      Gibt es freie Schulen die näher dran wären? Und wenn ja, was waren für euch wichtige Aspekte für die Wahl dieser freien Schule? Hattet ihr überhaupt eine Wahl? Wird die Wohnortnähe bei der Bewerbung irgendwie berücksichtigt?

      Löschen
    3. Doch, das geht. ;-) Ist ein bisschen kompliziert, das zu erklären. Es sind alles Kinder aus unserem Bezirk.
      Es gibt in unserem Bezirk drei oder vier Freie Schulen. Wir haben uns alle angeguckt und mit den Eltern und auch den Schüler/innen der jeweiligen Schule gesprochen. Bei einigen haben uns die Konzepte nicht gefallen, andere lagen für uns verkehrstechnisch ungünstig. Beworben haben wir uns dann nur bei dieser einen.

      LG, Snowqueen

      Löschen
  10. Hallo!
    Ich war wahnsinnig eingenommen von deinem Atikel- vielen Dank dafür!
    Kannst du mir sagen, ob sich die Lehrerausbildung, also das Studium von dem "normaler" Lehrer_innen unterscheidet?
    Ich habe oft das Gefühl, dass durch ein Lehramtsstudium all diese Ansätze, die ich sehr schätze, "verkümmern" würden, da die Grundausrichtung des Studiums ja eigentlich Richtung Regelschule geht ( es sei denn, der Mensch kommt mit den verschiedenen Ansätzen verschiedener Freier Schulen in Berührung oder interessiert sich dafür).
    Danke dir!
    Marie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Marie, nein, die Lehrer/innen sind alle klassisch ausgebildet, haben sich aber in ihrem Leben dann in Richtung Freies Lernen entwickelt. Das war bei mir nicht anders - als meine Kinder geboren wurden, kannte ich Freies Lernen noch nicht. Ich bin da im Laufe der bedürfnisorientierten Erziehung irgendwann drüber gestolpert und stellte fest, dass ich das Freie Lernen gern für meine Kinder will. Insofern braucht es nur aufgeschlossene Lehrer/innen, die das Lehren an einer Freien Schule gern ausprobieren wollen.

      Löschen
  11. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel! Für mich bleibt die Frage offen, inwieweit die Kinder nicht nur in Bezug auf die klassische Literatur, sondern schlicht im Alltag wahrnehmen, dass ihre Schule nicht "normal" iSv so wie die der anderen ist. Sie werden ja die Lebenswelt ihrer Artgenossen aus der Nachbarschaft, die sie auf dem Spielplatz treffen, genauso wenig verstehen können wie die Charaktere in klassischen Kinderbüchern. Ich habe trotz grundsätzlicher Begeisterung für alternative Schulansätze die Angst, mein Kind in eine Nische der Gesellschaft zu stecken und womöglich sogar für die berufliche Zukunft unbehebbare Nachteile zu erzeugen (wie Vorurteile von Personalern, die lieber Menschen einstellen, die klassisch ausgebildet wurden). Haben die Mädchen schon bewusst erkannt, dass ihr Leben und (damit ja immer irgendwie auch) sie selbst anders sind als der große Rest?
    Und als Berlinerin wüsste ich gerne, in welcher Himmelsrichtung der Stadt die beschriebene Schule liegt...in der Hoffnung sie dann vielleicht ausmachen zu können ;-)
    Außerdem wäre es großartig, wenn ihr jemandem dazu bewegen könntet, einen nur annähernd so hilfreichen Beitrag zu einer Waldorfschule zu schreiben. Das wäre die alternative Schule, die für uns noch am günstigsten zu erreichen wäre, aber mir ist das Konzept irgendwie einfach suspekt, weil anscheinend irgendwas Esoterisches da drin steckt, aber vielleicht hab ich das nur missverstanden (?)...
    VG
    Andra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Andra, meine Töchter haben viele Freunde, die an klassische Schulen gehen. Das einzige, was ihnen aufgefallen ist, ist dass diese oft davon sprechen, dass sie die Schule 'hassen' und oft nachmittags nicht zum Spielen rauskommen können, weil sie Hausaufgaben machen oder üben müssen. Ansonsten kommen alle prima miteinander klar. Fremde Kinder auf Spielplätzen, die nicht nett sind, meiden sie einfach. Im Sportverein fallen meine Kinder auch nicht auf. Was die späteren Jobs angeht: Sie machen doch aber die gleichen Abschlüsse, wie andere Kinder auch? In den USA ist es sogar mittlerweile so, dass homeschooled kids oder Freilerner viel lieber von den Eliteuniversitäten angenommen werden, als Kinder aus klassischen Schulen. Nein, da mache ich mir keine Sorgen.

      Liebe Grüße!

      Löschen
  12. Vielen Dank für diesen Artikel! Ich bin selber auch Lehrerin, arbeite allerdings mit jungen Erwachsenen, die ihren Schulabschluss nachholen und häufig vorher im Regelsystem gescheitert sind. Daher finde ich deine Perspektive sehr interessant und kann bestätigen, dass meine Schüler fast immer, nachdem sie im ersten Bildungsweg gescheitert sind, immer nur die Erwartungshaltung haben, dass sie alles vorgegeben bekommen. Selbstständigkeit empfinden sie immer als schwierig und anstrengend (und damit doof). Danke für deine Perspektive!

    AntwortenLöschen
  13. Hallo, wie funktioniert das bei derart geprägten Kindern und Jugendlichen spaeter in der Berufswelt? Ich weiss, auch so ein Klassiker an Frage zu dem Thema.
    Diese Kinder sind selbstbewusst und wissen, was sie wollen und meinen zu können. In der Regel hat man im Beruf vorgesetzte und weniger spaßige Aufgaben und Projekte. Es gibt vorgesetzte, die offen für Feedback und Diskussion sind. Aber eben nicht alle. Und wenn man keine Lust mehr hat, den Job wechseln??
    Ich bin im personalauswahlbereich einer Firma beschäftigt und es gibt seit einigen Jahren die Entwicklung, dass die Bewerber sehr selbstbewusst und von sich überzeugt daher kommen, leider steckt da meisten aber nicht der Überflieger dahinter. Sprich, der Baum ist relativ hohl. Meiner Meinung nach kommt dies zumindest teilweise von einer solchen schulischen Prägung.
    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anonym, diese Frage buw dieses Vorurteil kommt in der Tat oft. Ich hatte im Artikel schon an dem Beispiel des Deutschkurses beschrieben, dass die Kinder dann auch dröge oder ungeliebte Tätigkeiten ausführen, wenn sie ein Ziel vor Augen haben. In diesem Fall wollte meine Tochter lesen lernen. Und die Zehntklässler wollen ihren Mittleren Schulabschluss bestehen und beschäftigen sich mit Stoff, den sie vorher gemieden haben. Eine Ausbildung oder ein Job sind normalerweise ausgewählt und nicht von jemandem aufgedrückt. Alle Jugendlichen überlegen sich, was sie später werden wollen und bewerben sich dann auf diese Ausbilfung. Und nehmen dann in dieser Ausbildung eben auch unangenehme oder dröge Arbeiten in Kauf, weil sie den Abschluss schaffen wollen. So einfacn.

      Was deine Frage nach der Lust angeht: Sollte es Menschen geben, die keine Lust mehr auf ihre Arbeit haben (ungern hingehen, unglücklich damit sind etc.) denen würde ich dringend raten, diesen Job zu wechseln. Wenn du aber darauf anspielst, dass Kinder aus der Freien Schule ein 'Lustprinzip' gewohnt sind und deshalb bei jeder Kleinigkeit/Anstrengung aufgeben: Das ist einfach nicht so. Es gibt jede Menge junger Erwachsener aus Freien Schulen, die interviewt wurden (findest du auf youtube), die zeigen, wie anstrengungsbereit und zielstrebig Freilerner sind. Ein 'falsches' oder 'überzogenes' Selbstbewusstsein haben sie meiner Erfahrung nach nicht. Ich denke also nicht, dass die Jugendlichen, die du kennengelernt hast, aus Freien Schulen stammen. Das würde mich schon sehr wundern.
      LG, Snowqueen

      Löschen
    2. @Anonym: Wenn man sich mit den Studien beschäftigt, die im angelsächsischen Raum bzgl. der Vergleiche zwischen beschulten und unbeschulten Menschen angefertigt werden, findet man Deine Vermutungen nicht bestätigt. Freilerner/Home- und Unschooler gehen ja noch einen Schritt weiter, als die Kinder, von denen in dem obigen Artikel die Rede ist. Sie gehen in gar keine Schule und so müssten sie nach Deiner Logik mindestens »so geprägt« sein, wie die Kinder an den entsprechenden Schulen in freier Trägerschaft.
      Da das freien Lernen - sei es an einer Schule oder ganz ohne Institution - nun schon viele Jahrzehnte gibt, gibt es auch Erfahrungen, was den beruflichen Werdegang dieser Leute angeht. Und wie gesagt, es wurde immer wieder untersucht. Das kanadische Fraserinstitut ist eines der bekanntesten, die sich mit der Thematik beschäftigen.

      http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/html/studien.html

      Löschen
    3. annika natürlich1. Juni 2018 um 00:43

      hallo anonym aus dem personalauswahlbereich. arbeitest du in diesem bereich als kaffeekocher oder tatsächlich als "solcher" auswähler? dann wünsche ich dir mal einen ganzen schwung freilerner zur auswahl, die dir zeigen welche tollen schlüsselqualifikationen sie haben (freundliche kommunikation, rechtschreibung, vorurteilsfreiheit, ...) ich denke feedback ist das beste was du bekommen kannst. so funktioniert ein geprägter mensch oder ein hohler baum. ich habe in meinem beruf viele spaßige aufgaben. du wirst sie bald auch haben, wenn endlich mehr freilerner dich herausfordern.

      Löschen
  14. Hallo!
    Ein wirklich beeindruckender Artikel. Vielen Dank dafür. Mich würde sehr interessieren, ob auch Kinder mit besonderem Förderbedarf, sprich einer Behinderung, an einer freien Schule angenommen werden. Ob hier auch Schulhelfer den Kindern zur Verfügung stehen.
    Liebe Grüße, Janette

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Janette,

      Hier mal die Aussage einer der bekanntesten demokratischen Schule in DE zum Thema:
      https://www.kapriole-freiburg.de/konzept/integration-inklusion/

      Der Begriff »besonderder Förderbedarf« gekommt aus dem Regelschulbetrieb. Abgesehen davon, dass er nichts anderes ist als ein klägliches Beispiel für politsch korrekten Neusprech. Dahinter kann sich alles und nichts verbergen. Genau wie der Begriff »Inklusion« ist das die Sprache von Bürokraten, die etwas verwalten wollen.

      Wenn man will, dass Menschen sich mit einem vorgegebenen Thema, zu einer festgelegten Zeit und auf eine. Estimmte Weise beschäftigen, sie dies aber nicht können, braucht man natürlich entsprechende Instrumentarien und das Personal, damit sie tun, was man will. An der oben beschriebenen Schule gibt es das aber nicht. Die Menschen, ob in irgendeiner Weise eingeschränkt oder nicht, beschaftigen sich mit Dingen, mit denen sie sich beschäftigen wollen und sie bestimmen selbst, ob und wann sie sich externe Hilfe holen. Was in drei Gottes Namen willst Du da fördern?
      Was soll denn ein Schulhelfer sein? Jemand, der der Schule dabei hilft, die Insassen zu manipulieren?

      Du merkst vielleicht, mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich etwas von »Fördern und Fordern« höre.

      Löschen
    2. Hallo Matti,
      Ein Schulhelfer ist eine Person, die dem Kind z.b. hilft sich an-und auszuziehen, beim toilettengang hilft oder hilft die Brotdose zu öffnen, weil das Kind es motorisch nicht alleine schafft. Diese Hilfe fördert das Kind, da simple Wiederholungen/Hilfen auch Erfolge/Entwicklungen mit sich bringen.
      Mein Sohn ist auf solche angewiesen und ich bin froh dass es sie gibt und er somit auch die Möglichkeit hat an einer Integrativen Schule am Unterricht teilzunehmen.
      LG, Janette

      Löschen
    3. Hallo Janette,

      Wovon Du jetzt sprichst, hat für mich weniger mit Fördern zu tun, sondern mit Hilfe im Alltag. Meine inzwischen erwachsene Nichte ist auch körperlich und geistig stark eingeschränkt (Rett-Syndrom). Dass solche Menschen gesonderte Unterstützung brauchen, versteht sich wohl von selbst.

      Löschen
  15. Liebe Janette, ich hatte es ein bisschen schon im Text angerissen. Natürlich können sich Kinder mit Behinderung an einer Freien Schule bewerben. Das ist gar kein Problem. Häufig treten die klassischen Probleme, die es an normalen Schulen so gibt, auch gar nicht auf. Ein Kind zb, das ‚langsamer‘ lernt, als andere, würde an einer normalen Grundschule vielleicht den Status ‚Lernbehindert‘ bekommen und damit extra Förderung, aber an der Freien Schule wäre das völlig schnuppe, weil da ja eh jeder nach seinem eigenen Tempo lernt. Sitzt ein Kind im Rollstuhl, dann würde es aber auch an einer Freien Schule ein Anrecht auf einen Helfer haben, der es zb beim Toilettengang unterstützt etc. Diesen Helfer muss man, wie an andere Schulen auch, zunächst beim Senat beantragen.
    LG, Snowqueen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deine Antwort liebe Snowqueen!

      Löschen
  16. Vielen Dank für die Zeit und Mühe die Du Dir gemacht. Vor allem die vielen Aspekte und Einzelheiten die Du beschreibst sind sehr hilfreich und geben den Leser wertvollen Einblick in euren Schulalltag.Auch wenn es Deine Perspektive ist, so sind dadurch viele meiner Fragen beantwortet worden.

    Nur gibt es in Berlin zahlreiche freie Schulen.Von welcher Schule berichtest du? Gerne möchte ich mir diese Schule selber anschauen, denn bald geht es los mit den Bewerbungen.
    Danke im Voraus

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist wirklich schade. Hat das einen besonderen Grund?
      Wäre es nicht eine gute Promotion für die Schule und für uns Eltern eine wertvolle Empfehlung....win win

      Löschen
    2. Win-Win-Loose. Für die Schule eine gute Promotion, für Eltern eine wertvolle Empfehlung, für meine Kinder ein Sicherheitsrisiko. Ich kenne schließlich nicht alle Millionen Leser/innen, die sich diesen Text hier anschauen.

      Löschen
  17. Liebe Snowqueen,
    herzlichen Dank für diesen umfassenden, informativen und mit so viel persönlichen Erfahrungen gespickten Bericht über den Alltag in Freien Schulen mit allen Vor- und Nachteilen und diesen vielen spannenden Grauzonen dazwischen. Ich bin selbst Grundschullehrerin und als "brave", kluge und anpassungsfähige Schülerin im Regelschulsystem nie angeeckt. Doch nun als Lehrerin und Mutter sehe und erfahre ich, für wie viele Kinder und Familien dieses herkömmliche System nicht richtig passt, einengt, verbiegt, abschnürt... umso spannender und bereichernder für mich zu erfahren, dass und wie es anders gehen kann! Ich beschäftige mich derzeit viel damit, wie man die Grundhaltungen des Freien Lernens auch in das Regelschulsystem übertragen kann. Natürlich wird das nie in dieser Radikalität und diesem Umfang möglich sein wie an einer Alternativschule, aber ich bin überzeugt, dass auch gerade kleine (innere) Umstellungen einen großen Unterschied bewirken können. Hierzu kann ich einen Buchtipp beisteuern, der unglaublich liebevoll und sehr anschaulich schildert, wie Freies Lernen auch in einer hundsnormalen Grundschule stattfinden kann: Fee Czisch: "Kinder können mehr. Anders lernen in der Grundschule". Ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber in meinen Augen hochaktuell und vorallem zeigt es auf, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Nicht nur auf der einen Seite die "böse" Regelschule und auf der anderen Seite die heile Welt der Alternativschulen. Es gibt so viele Möglichkeiten, auch normale Regenschulen kindgerechter, freier und bedürfnisorienter zu gestalten.
    In diesem Sinne: Frohes Lernen und lernen Lassen! Und für alle Lehrer: Nie das allerallerwichtigste aus den Augen verlieren: Die gute Beziehung zu jedem einzelnen Kind.

    Nochmals herzlichen Dank für deine bereichernden Einblicke und Denkanstöße!

    Liebe Grüße
    Theresa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Theresa, danke, das Buch werde ich mir anschauen! LG, Snowqueen

      Löschen
  18. Danke für diesen Artikel, er hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht.
    Ich war immer sehr gegen diese Schulform eingestellt, da meine beiden Cousins sehr schlechte Erfahrungen mit einer freien Schule gemacht haben. Sie haben dort auch nach vielen Jahren nicht richtig lesen gelernt. Angeblich haben dort auch alle(anderen) Eltern ihren Kindern Abends Nachhilfeunterricht gegeben, damit ein Minimum an Fähigkeiten vermittelt wird. Außerdem war ich selbst auf einer normalen Regelschule und anschließend auf einem bilingualen Gymnasium und- in meiner Erinnerung - immer zutiefst glücklich. Ich habe die Schule stets geliebt. Insbesondere der Sachunterricht ,bei einer sicher ungewöhnlich tollen Lehrerin, gehört zu den Sternstunden meiner Kindheit, obwohl wir hier von jeweils 45 min frontalunterricjt sprechen. Zugegebenermaßen bin ich etwas jüger als die meisten anderen Mütter demnächst Schulpflichtiger Kinder, die ich kenne, ich bin erst Mitte der neunziger Jahre eingeschult worden, und in einer liberalen Nord-westdeutschen Großstadt aufgewachsen. Möglicherweise ging es daher zu meiner Zeit schon liberaler zu als viele andere das erlebt haben. Ich war aber nicht immer durch die Bank eine gute und schon gar keine angepasste Schühlerin. Insbesondere war und ist meine Orthographi ein Desaster;-)
    (Und das ganz ohne schreiben nach gehör:-)

    Was mir nun bezüglich der Einschulung meiner Kinder massive Sorgen macht - so viele Lehrer_innen wohlen ihre Kinder am liebsten gar nicht zur Schule schicken. Und suchen nach Alternativen außerhalb des Schulsystems.
    Ist es wirklich so das man wenn man dort unterrichtet das Gefühl hat, das die Kinder dort Leiden, das man ihnen überhaupt gar nicht gerecht werden kann?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich glaube, dass ich eine gute Lehrerin bin, und dass mein Unterricht anregend ist. Das wird mir immer wieder rückgemeldet. Meine Schülerinnen und Schüler machen oft zuhause freiwillig (ich gebe keine Hausaufgaben) Dinge nach, die wir im Unterricht besprochen haben. Wenn ich ihnen also im Kunstunterricht eine neue Technik beigebracht habe, dann malen sie zuhause damit viele Bilder voll. Oder Tiere und Pflanzen, die wir in Sachkunde besprechen, beschäftigen die Kinder dann noch zuhause. Derzeit sind es Marienkäfer. Ich habe jetzt jeden Tag der Woche Marienkäferlarven eingesammelt und zur Schule gebracht. Nun haben sich einige verpuppt, heute morgen ist ein Marienkäfer live im Unterricht aus der Puppe geschlüpft. Dann haben wir ihn frei gelassen. Ich erreiche aber nie 100% meiner Schülerinnen und Schüler. Die Mehrzahl hat Freude an meinem Unterricht, einige aber auch nicht. Noch andere haben Schwierigkeiten, still zu sitzen, oder sich so lange zu konzentrieren. Und diesen Kindern tue ich als Vertreterin des klassischen Schulsystems nicht gut. Das weiß ich, ich sehe es, ich fühle es, ich versuche, es zu ändern, aber an einigen Stellen sind mir einfach auch die Hände gebunden (weil es eben vorgegebene Strukturen gibt.)

      Ich bin sicher, dass meine Töchter an einer normalen Schule gute Erfahrungen gemacht hätten, so wie die Mehrzahl meiner Schülerinnen und Schüler. Aber die Kinder, die sich nicht so stark anpassen können, denen wird das klassische Schulsystem nicht gerecht. Die fallen hinten runter, und werden "auffällig". Und auf dieses "auffällig" reagiert das klassische Schulsystem auch nicht besonders gut. Es gibt viele, viele gute Lehrerinnen und Lehrer, die "das System" menschlicher und für diese Kinder erträglicher machen, aber der Fakt bleibt, dass Kinder, die nicht ins Schema F passen, oft keine gute Zeit an der Schule haben. Und wie viele - selbst gute! - Schüler sagen, sie mögen an der Schule am liebsten die Pausen, und am zweitliebsten den Sportunterricht? Viele. Sie leiden nicht wirklich in der Schule, aber wenn man diesen Kindern die Wahl ließe, wären alle erstmal draußen auf dem Schulhof, und würden spielen.

      LG, Snowqueen

      Löschen
    2. Lesen und Schreiben zu lernen, ist keine Frage der Beschulung. Was glaubst Du, wie viele Menschen nach neun oder zehn Jahren Regelschulbesuch funktionale Analphabeten sind? Wenn Eltern Nachhilfe geben, dann nur deshalb, weil sie glauben, Menschen müssten in einem bestimmten Alter ein ganz bestimmtes Wissen haben. Kinder lernen Lesen und schreiben, wenn es FÜR SIE wichtig ist UND wenn sie Gelegenheiten dazu haben. Bei Freilernern ist diese Zeitspanne ziemlich groß. Sie liegt irgendwo zwischen dem vierten und 12. Lebensjahr. Wenn es an der von Dir genannten freien Schule keinen Grund gab etwas zu schreiben oder zu lesen, lernt man es logischerweise nicht, wenn kein Zwang dahinter steckt. Wir lernen ja das Tanzen oder Kochen auch nur dann, wenn wir Lust und Gelegenheit haben. Warum sollte das beim Lesen und Schreiben anders sein?

      Zitat: "so viele Lehrer_innen wohlen ihre Kinder am liebsten gar nicht zur Schule schicken." Meinst Du tatsächlich die Lehrer oder nicht eher die Eltern? Ich weiß natürlich auch von Lehrern, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Aber warum macht Dir das Sorge? Das ist doch gut, dass sie das wollen. Das natürliche Lernen ist um so vieles leichter als das nach einem vorgegebenen Lehrplan, den ich so gerne Leerplan nenne.

      Das Lernen außerhalb des Schulsystems ist so vielfältig, dass man auf Deine abschließende Frage keine allgemeingültige Antwort geben kann. Ich empfehle Dir, Dich mit dem Freilernen auseinanderzusetzen. Die Autorin des Artikels hat am Ende einige Quellen genannt. Darunter André Stern. Wenn Du nach diesem Namen googelst, lernst Du etwas über einen sehr gebildeten Mann, der nie in der Schule war und auch nie unterrichtet wurde und der sich viele Gedanken um das natürliche Lernen gemacht hat. - Sehr inspirierend

      Löschen
  19. Liebe Snowqueen,

    danke für diesen interessanten Artikel. Du bist doch auch Lehrerin an einer "normalen" Schule (Grundschule?). Ich bin Realschullehrerin und momentan in Elternzeit. Durch meine Kinder habe ich zur BEdürfnisorientierung gefunden. Dadurch hat sich für mich viel verändert. Ich mache mir zur Zeit sehr viele Gedanken, wie ich meinen Unterricht auch in den Strukturen des klassischen Systems zum Besseren verändern kann. Wie löst du das für dich? An dem 45-Minuten-Rhythmus kann ich nichts verändern. Auch nicht, dass ich Noten geben muss und damit Leistungsdruck entsteht. Mir war es schon immer wichtig, eine gute Beziehug zu meinen Schülern zu haben, damit meine ich, dass ich sie zum Beispiel nie angeschrien habe, es mir wichtig ist, sie kennen zu lernen, z.B. durch Wandertage oder Projekte, mich einfach für sie zu interessieren und auch mal Zeit zum Quatschen zu nehmen. Nicht nur in die Klasse zu gehen, mein Programm abzuspulen und fretig. Methodisch versuche ich viel Abwechslung zu bieten, viele Experimente, selber Sachen herausfinden, raus gehen, Differenzierung, d.H. man darf sich sein Leistungsniveau selber aussuchen und das wird in der Notengebung verrechnet. Trotzdem gibt es viele, wie du auch schreibst, die schon in der 5. Klasse aufgegeben haben, die nie Sachen dabei haben, denen jede 6 egal ist und selbst von sich sagen, dass sie Hartz-4-Empfänger werden möchen. Wir haben einige sehr auffällige Kinder. Ich finde es nur sehr schwierig auch mit der Klassengröße allen gerecht zu werden. Mir ist klar, dass ich nicht alle erreichen kann, aber hast du vielleicht noch eine Idee, was man verbessern kann? Auch Ranga Yogeshwar hat in seinm aktuellen Buch davon geschrieben, wie sehr er die starren Strukturen des Systems gehasst hat und ihm und anderen seinen Forscherdrang verleidet haben. Das finde ich schlimm. Wenn ich meine Kinder sehe, wie sie die Welt entdecken, finde ich es krass, dass diese Neugier und der Lernwille ein paar Jahre später bei so vielen Kindern komplett weg sind.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Unbekannt, ein Geheimrezept für die "normale" Grundschule gibt es nicht, aber ich denke, du hast auf jeden Fall erfolgsversprechende Ansätze dabei. In Beziehung mit den Schülern sein, ist für mich am wichtigsten. Sie zu kennen, ihre Vorlieben, ihre Träume, ihre Probleme etc. Außerdem verfolge ich im Unterricht so gut es geht den situativen Ansatz. D.H ich greife momentane Vorlieben der SuS auf, und nehme die in den Unterricht mit auf. Einmal malte einer meiner Schüler ein seltsames Bild, ich fand, es sah aus wie eine verschimmelte Avocado. Also fragte ich nach, ob es das sein sollte. Ja, er fände Schimmel toll. Am Abend noch habe ich mich durchs Internet gewälzt auf der Suche nach Schimmel-Projekten, und war kurz vorm Ladenschluss noch im Supermarkt, um verschimmeltes Obst zu holen. Am nächsten Tag stand ich bereit, und es war fantastisch. Wir lernten über die Pyramiden, in denen sehr wahrscheinlich Schimmelporen und nicht der Fluch des Pharao die Forscher dahinraffte, wir lernten über Penicillin und Schimmelkäse. Wir lernten auch, wie man Räume richtig lüftet und schauten Schimmel im Mikroskop an. Das "Fach" war übrigens Sachkunde. Bei solchen spontanen Projekten sind die SuS viel, viel intensiver dabei, als bei Sachen, die aus dem Buch kommen. Ich wünschte, ich könnte diesen situativen Ansatz andauernd machen, aber ich muss ja auch die Sachen aus meinem Rahmenplan schaffen. *augenroll* Wenn Schüler merken, dass man sich für sie interessiert, wachen sie oft aus ihrer Lethargie auf, und blühen wieder ein bisschen.

      LG, Snowqueen

      Löschen
    2. Danke für deine Antwort :-) Die Idee mit dem situativen Lernen ist gut, das werde ich dann mal öfter versuchen einzubauen. Eine Frage hätte ich noch: Wie handhabst du es mit nichtgemachten Hausaufgaben, Material, was nicht dabei ist (Bücher, Hefte, Stifte) und z.B. Unterrichtsstörungen. Ich muss gestehen, ich habe viel mit Strafen gearbeitet, Striche, entsprechende Noten, Nachsitzen, Strafarbeiten. Durch euren Blog habe ich verstanden, dass Belohnug und Bestrafung nicht gut sind und vermeide beides bei meinen eigenen Kindern. Aber wie könnte das in der Schule funktionieren?
      Liebe Grüße

      Löschen
    3. Hausaufgaben gebe ich nicht auf, bzw. sehr selten, und dann nur solche, die gemeinsam mit den Eltern gemacht werden, z.B. als es um Frühblüher ging, war die "Hausaufgabe", dass sie in den Osterferien auf Spaziergängen gucken sollten, welche Frühblüher sie sehen, wo, wie viele und welche Farben. das sollten sie in einer Tabelle eintragen. Mir ging es dabei eher darum, dass sie etwas mit ihren Eltern zusammen tun. Daher bin ich auch nicht groß drauf eingegangen, dass drei meiner SuS diese Hausaufgabe nach den Ferien nicht ausgefüllt hatten. Dafür können sie ja nichts. Material, was nicht dabei ist, trage ich konsequent für die Eltern ins HA Heft ein, habe aber immer ein paar Extras rumliegen. Oder die Mitschüler helfen aus. Eine Atmosphäre des gegenseitigen Aushelfens finde ich wichtig. Unterrichtsstörungen bespreche ich später mit den einzelnen Kindern, aber das führt hier ein bisschen weit, weil es eine sehr detaillierte Geschichte ist. Ich habe eine ETEP Ausbildung, und diese nutze ich dafür.
      LG

      Löschen
  20. Liebe alle,
    Gründungsgefühle?
    Allen Interessierten an Freien / Demokratischen / Alternativen / Aktiven Schulen empfehle ich den Bundesverband Freier Alternativer Schulen e.V.:
    https://www.freie-alternativschulen.de/
    Dort findet man eine gute Übersicht zum Thema Freie Schulen.


    AntwortenLöschen
  21. Zitat: "Danielle hat schon vor einiger Zeit erzählt, wie es ihrer Tochter auf einer Montessori-Schule geht. Eine Freie Schule ist noch einen Schritt weiter raus aus dem klassischen Schulsystem."

    Eine Freie Schule ist nicht frei, weil sie nicht nach der Montessori Pädagogik arbeitet.

    Es gibt sogar viele Freie Schulen, die nach/mit der Montessoripädagogik und vor allem mit dem Material der Montessori Pädagogik arbeiten.




    AntwortenLöschen
  22. Danke für den interessanten Bericht, der mir jenseits von Worthülsen einen Eindruck davon vermittelt hat, wie es an einer freien Schule zugehen könnte! Für unsere Tochter wünschen wir uns auch eine solche Schule. Einziges Problem könnte der Fahrtweg werden, weil es davon zu wenig gibt...

    Mats

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und ein weiter Fahrtweg ist nicht zu unterschätzen. Ich habe ihn unterschätzt. Es geht... aber schöner ist es, wenn die Schule näher dran ist. Bei uns wird das jetzt wieder so sein, aber zwei Jahre lang sind wir gependelt.
      LG, Snowqueen

      Löschen
  23. "SOS Kinderseele" (Michael Winterhoff) versus "Freie Schulen". Dazu hätte ich gern mal einen Bericht von dir.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe dieses Buch von ihm nicht gelesen. Nur das erste, zu dem ich auch einen Artikel schrieb. Ich nehme an, er sagt, Kinder würden mit zu viel Selbstbestimmung/Eigenverantwortung überfordert und man würde ihnen so das Kindsein wegnehmen? Ich rate, bei Youtube nach Interviews mit Abgängern aus Freien Schulen (oder auch Schülern von freien Schulen) zu suchen und diese zu schauen. Dann kannst du dir einen eigenen Eindruck darüber verschaffen, ob sie überfordert oder ihrer Kindheit beraubt sind. Liebe Grüße, Snowqueen

      Löschen
  24. Ich bedanke mich einmal für diesen tollen Artikel. Obwohl unser Kind erst im November die Welt erblickt, beschäftige ich mich schon eine Weile mit Dingen, die mir in meiner Kindheit und auch bei vielen Freunden und Familienmitgliedern aufgefallen sind.

    Dazu gehört auch die Schule, wo ich Probleme hatte, den Hauptschulabschluss nicht bestand, diesen nachholte und bis Heute (30 Jahre alt) mein Fachabi nachgeholt habe, meine Ausbildung durch habe und nun in einer festen Arbeit tätig bin. Diese ganzen Probleme, auch wenn die Schule da nur begleitend Schwierigkeiten bereitet hat, arbeite ich gerade auf und reflektiere für mich, mein Leben aber auch dem Kind alle möglichen Dinge.

    Durch den Artikel hab ich ein paar Dinge erkannt, gerade bei dem Verantwortungsteil, die ich selbst durch meine Sozialisation mein eigen nenne und die dem, was ich meinem Kind bieten möchte, widerspricht aber die mir nicht klar waren. Dafür schon mal herzlichen Dank.

    In nächster Zeit schaue ich mal, wie es mit den freien Schulen in Hamburg so steht.

    Grüße

    Alex

    AntwortenLöschen
  25. Vielen lieben Dank für die ausführliche und aufschlussreiche Berichterstattung, für mich wäre dies die perfekte Schulform. Eine Frage brennt aber noch bei mir... Nun ihr wohnt ja in einer Grossstadt, denke da kennt man nicht alle Kinder und du hast gesagt es gehen auch einige von deinem Bezirk dort in dieselbe Schule. Denke in so einer Grosstadt fällt es da auch nicht auf wenn die Einten in diese Schule gehen die Anderen dort, weil es auch normal ist und man eh nicht alle gut kennt.. Nun wir wohnen in der Schweiz in einem ganz kleinen Dorf mit ca. 900 Einwohner da kennt jeder jeden jedenfalls fast... . Da frag ich mich würde man den Kindern nicht was weggnehmen wenn sie als Einzige nicht an die Dorfschule gehen? Muss dazu noch sagen bei uns ist es unüblich die Kinder an Privatschulen zu geben hier machen das nur die Superreichen.
    Freunde vom Quartier treffen ist dann auch schwieriger, da sie andere Schulzeiten und Hausaufgaben haben. Wie siehst du das auf so ein kleines Dorf bezogen? Werden sie nicht die Aussenseiter bleiben die an eine andere Schule gehen? Vielleicht auch gehänselt, können mit den anderen Kinder nicht mitreden über z. B. Lehrer, Schulreise ect.?
    Ach ja und in der Schweiz zahlt man für freie Schulen zwischen 1500-2000 Euro pro Kind und Monat und unabhängig vom Einkommen in den meisten Fällen, wie ihr sieht mit 3 Kindern oder auch 2 untragbar. Finde ich schade, als Normalverdiener unmachbar!😪

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine Kinder gehen in eine Waldorfschule. Zwar gibt es in Stuttgart davon ungewöhnlich viele - trotzdem verteilen sich die Klassenkameraden aus einem großen Umfeld.

      Wenn meine Kinder vor Ort im staatlichen Schulsystem eingeschult worden wären, dann wären sie mit den Nachbarskindern zur Schule gegangen.

      Sind sie aber nicht! Und oft musste ich ganz schön rumfahren, um meinen Kindern die sozialen Kontakte zu Freunden zu ermöglichen.

      Als meine Tochter Konfirmiert wurde, hatte sie zum ersten Mal Freunde "vor Ort".

      Sie hat das sehr genossen und hält sich tatsächlich inzwischen privat eher an diese, unkompliziert zu managen, Freundschaften.

      Spannend finde ich, das sie glauben Privatschulen würden als "Luxusgut" betrachtet werden, denn gerade im Waldorfbereich werden viele Ausbildungsgänge in der Schweiz gelehrt.
      Übrigends wird kein Kind wegen der Kosten auf einer Waldorfschule abgelehnt, manche Eltern zahlen mehr um andere "Mitzufinanzieren".
      Jede Schule legt übrigends ihre eigene Beitragsordnung fest...aber es kann immer verhandelt werden.

      In Baden-Württemberg dürfen Privatschulen derzeit max. 160 € Schulgeld verlangen, jedoch ist beim "Förderbeitrag" kein Limit gesetzlich verankert.

      Liebe Grüße

      Coco

      Löschen
    2. Liebe Anonym, ich würde wohl abwägen und schauen, wie gut die Schule im Dorf ist. Denn ja, ein Umfeld mit Freunden ist auch total wichtig. Es gibt auch super "normale" Schulen mit engagierten Lehrerinnen, wenn das bei euch so ist, spricht nichts dagegen, das Kind dorthin zu geben.

      Löschen
    3. Hallo Anonym

      Wir wohnen auch in der Schweiz auch in einem kleinen Dorf mit gerade mal etwa 1000 Einwohnern und werden unsere beiden Kinder trotzdem auf eine Freie Schule senden. Wir haben genau die gleichen Bedenken wie ihr, sind aber der Überzeugung, dass es für (unsere) Kinder die bessere Schulform sein wird. Ich selbst wäre sehr gern in einer solchen Schule gross geworden, wobei ich auch mit der Regelschule keine Probleme und genügend Freunde hatte. Aber die Art und Weise wie hier gelernt wird, entspricht viel eher meinem Naturel. Das Gleiche gilt für meine Frau, die in der Schule eher zu den Aussenseitern gehörte.

      Was ich als wichtig erachte, das man dem Kind den sozialen Kontakt im Quartier oder wo auch immer man wohnt ermöglicht. Wenn ich an meine Kindheit denke (und das war in einem grossen Dorf) dann waren meine Freunde aus der Kindheit zwar auf der gleichen Schule aber in anderen Klassen und Jahrgängen. Gefunden hat man sich wegen gleicher Interessen und weil ich viel draussen gespielt habe. Wir werden das bestimmt beobachten und hoffen jetzt einfach mal das Beste :)

      Zu den Kosten. Du hast recht, in der Schweiz sind solche freien Schulen nur schwer finanzierbar. 2 Kinder kann man finazieren wenn man dafür einer Arbeit nachgeht (was ja bei einer ganztageschule dann plötzlich möglich wird, im Vergleich zur Regelschule). Auch wenn dann praktisch das ganze zweite Einkommen für die Ausbildung drauf geht, aber es ist wohl machbar. Wir werden den Gürtel an Punkten enger schnallen die uns weniger wichtig sind als die Schulbildung.

      Ich hoffe ihr findet Euren Weg, solange aber Du dich bereits so intensiv mit den Gedanken auseinander setzt kann ja eigentlich nichts schief gehen :)

      Beste Grüsse
      P.

      Löschen
  26. Schön, von deinen positiven Erfahrungen mit einer Freien Schule zu lesen. Ich habe einmal an einer Freien Schule hospitiert die genau sowas wie freien Zugang zum Internet und Kurse werden überhaupt nur angeboten, wenn genügend andere überzeugt werden, lebt. Ich war ehrlich gesagt entsetzt, da im PC-Raum die ganzen vier (oder 5) Stunden über eine Gruppe von Jungs Ego-Shooter gespielt hat und das ganze Schulgebäude komplett verfallen war, so dass viele Materialien überhaupt nicht genutzt werden konnten.
    Seit dem bin ich ziemlich kritisch, was Freie Schulen betrifft. Wie immer kommt es halt drauf an, wie das Konzept umgesetzt wird.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Anonym,

      An so einer Schule habe ich auch hospitiert und ähnliches erlebt 😱 es kommt halt wirklich immer auf die Schule an und die Menschen, die den Alltag dort gestalten.

      Löschen
  27. Das ist ein wundervoller Bericht über ein Konzept, das es so viel häufiger geben sollte. Vor allem in jungen Jahren lernen Kinder einfach am besten, wenn man ihnen Freiräume für Kreativität und eigene Entfaltung gibt. Ich finde es sehr bedenklich, dass in normalen Schulen kreative Fächer, wie Zeichnen, Werken, etc. oder auch Turnen, massiv gekürzt werden. Alles soll ein Einheitsbrei werden, Raum für die eigene Entwicklung gibt es keinen.

    Wir haben auf dem Blog auch mal einen Beitrag zu dem Thema veröffentlicht, vielleicht interessiert es Dich ja:
    https://www.regenbogenkreis.de/blog/inspiration/freies-lernen-an-der-freien-schule-heckenbeck

    Liebe Grüße,
    Eva

    AntwortenLöschen