Bedürfnisorientierte Begleitung hyperaktiver Kleinkinder - Teil 2 Bedürfnisse und Bedürfnisbefriedigung

Gastartikel von Lea Ibell

Im ersten Teil des Artikels über den bedürfnisorientierten Umgang mit hyperaktiven Kindern ging es um Freiraum(überforderung) und Grenzen(übertretung). Im 2. Teil schreibt Lea Ibell, Mutter eines Kindes mit ADHS, über spezielle Bedürfnisse von hyperaktiven Kindern und deren Befriedigung.Aus einer bedürfnisorientierten Perspektive ist es wichtig, die echten Bedürfnisse hyperaktiver Kinder und ihre „andere Sicht auf die Welt“ (an) zu erkennen. Nur so kann auch beim Kind Verständnis und echte Einsicht bewirkt werden.

Hindernisse bei der Bedürfnisbefriedigung


Im Alltag werden die Bedürfnisse hyperaktiver Kleinkinder oft erst spät oder gar nicht befriedigt. Diese Behauptung erscheint paradox, weil die Kinder meist schlecht warten können und sich ihre Wünsche schnell und sofort zu erfüllen suchen. Doch zahlreiche Faktoren wirken sich ungünstig aus:

Kind auf Mauer am See

 

Verminderte Eigenwahrnehmung


Kindern mit ADHS fällt es schwerer, ihre Grundbedürfnisse (rechtzeitig) wahrzunehmen. Schmerzen, Durst, Hunger, Kälte oder das Gefühl, auf Toilette zu müssen, empfinden sie oft erst im letzten Moment und dann sehr dringlich. Auch emotionale und soziale Bedürfnisse treten spontan/impulsiv zu Tage. Nur in den seltensten Fällen ist die Umgebung oder das Kind in der Lage, das dringende Bedürfnis sofort zu befriedigen. Wenn dann noch versucht wird, das Kind zum „Abwarten“ zu erziehen, indem man die Bedürfniserfüllung weiter verschiebt, wird es für das Kind schnell unerträglich. Schon erste Anzeichen von Frieren, Schmerzempfinden, aber auch Enttäuschung, Unzufriedenheit etc. sollten dem Kind bewusst gemacht werden (z.B.: „Oh, schau mal, deine Füße sind ja lila, ist dir vielleicht kalt?“) Nicht förderlich ist Abwarten, ob es nach einem Sturz einfach wieder aufsteht o.ä. Schon gar nicht sollten Empfindungen geleugnet werden (z.B.: „Dir ist doch nichts passiert“). Da die Kinder oft unterempfindlich und wagemutig sind, sollte im Gegenteil v.a. bei Schmerzen und Ängsten so früh und einfühlsam wie möglich reagiert werden.

Andere „Bedürfnissprache“


Durch die Art, wie sie ihre Bedürfnisse ausdrücken, werden hyperaktive Kinder häufig missverstanden. Brauchen sie eigentlich eine Pause, werden sie zappeliger, was als Bewegungsdrang erscheint. Benötigen sie eine Reduzierung von Reizen, scheinen sie gelangweilt oder suchend. Bräuchten sie eigentlich Hilfe, führen sie eine Aufgabe besonders schnell aus. Ungeschicklichkeit erscheint als Unlust, Überforderung als Unterforderung, das Bedürfnis nach Kontaktaufnahme als Wut/Aggression etc. Es tritt dann durch die scheinbar passende Reaktion (z.B.: müdes Kind soll sich austoben, weil es ja immer noch nicht müde sei) natürlich keine Bedürfnisbefriedigung ein.

Abweichende Handlungsstragien


Hyperaktive Kinder spüren sich selbst anders, erfahren ihre Umwelt anders und lernen anders als neurotypische Kinder. Auch ihre Strategien zur Bedürfnisbefriedigung entsprechen ihren abweichenden Reaktionsstil: „Alle Tätigkeiten werden heftig, impulsiv und vor allem ,anders` gemacht als üblich und gefordert.“ [1] Oft werden Hilfsmittel und vermittelnde Zwischenschritte übersprungen. Selbst das Hinschauen erfolgt typischerweise „überhüpfend“ [2] . Dieses direkte Draufzusteuern führt aber häufig nicht zur angestrebten Bedürfnisbefriedigung, sondern zu Frustration.

Wenn ich z.B. Würstchen brate, schiebt mein kleiner Sohn oft seinen Hocker in die Küche und schaut zu. Oder er holt sich einen Teller aus dem Schrank und setzt sich schonmal an den Tisch. Wenn er es nicht mehr aushält, zu warten, ruft er, damit ich mich beeile oder verlangt schon ein Würstchen, das er dann erstmal pustet (seitdem er einmal in ein heißes Würstchen gebissen hat). So kommt er erfolgreich und schnell zu seinem Essen. Nicht so mein großer Sohn: Er rast zum Herd, wobei er meist über irgendein Spielzeug stolpert, greift dann mit bloßer Hand in die Pfanne, um sich ein Würstchen zu schnappen, das er brüllend fallen lässt: „Mama, warum hast du mir nicht gesagt, dass es heiß ist? Ich brauch ein Kühlpad!“, kaum ausgesprochen hechtet er weiter zur Gefriertruhe, auf dem Weg fegt er vielleicht noch wütend einen Teller vom Tisch. Durch das Trösten und Kühlen der Hand, oft Aufsammeln der Scherben o.ä. dauert dann alles letztlich viel länger.

Sofern jüngere neurotypische Kinder sich ähnlich verhalten, tun sie dies aus mangelnder Erfahrung, z.B. weil sie noch nicht wissen, wie sich eine heiße Pfanne anfühlt. Mein Sohn greift in die Pfanne, obwohl er weiß, dass sie heiß ist. Dieses Verhalten rührt direkt aus seiner Wahrnehmung her: Wenn er ein Würstchen sieht, sieht er nur das Würstchen und ist nicht in der Lage, sonstige Umgebungsreize oder Vorwissen einzubeziehen.

Solche „direkten Handlungsstrategien“ treten in allen Lebensbereichen auf: Beim Essen nimmt mein Sohn den Topf und kippt sich den Inhalt auf den Teller, anstatt die daneben liegende Kelle zu benutzen. Oft stopft er sich das Essen mit den Händen in den Mund, bevor er sich an das Besteck „erinnert“. Statt sich die Hände zu waschen (viele Handlungsschritte!), dreht er stürmisch das Wasser an und wieder aus und „vergisst“, die Hände drunter zu halten. Mitunter springt er halb angezogen in die Badewanne und ärgert sich dann, weil seine Sachen nass sind. Möchte er ein Buch vorgelesen bekommen, zieht er es aus dem Regal und wirft oder „gibt“ es mir ins Gesicht statt in die Hand, da er „Lesen“ anscheinend direkt mit Augen verbindet. Beim Malen überspringt er den Schritt, den Pinsel in der Farbe umzurühren, sodass nur schmutziges Wasser auf dem Papier landet. Möchte er ein Paket öffnen, zerrt, zieht und reißt er mit bloßen Händen an der Pappe, flucht und weint mit hochrotem Kopf, weil er nicht an den Inhalt gelangt, bis sein drei Jahre jüngerer Bruder, der zwischenzeitlich zum Schreibtisch marschiert ist, ihm die Schere reicht und auf das Klebeband zeigt, weil er voraussieht, dass man es einfach nur durchschneiden und dann den Deckel öffnen könnte.

Auch in sozialer Hinsicht finden sich Beispiele: Statt sich langsam anderen Kindern zu nähern und zu fragen, ob er mitspielen kann, stürmt er fröhlich mitten auf das Spielfeld, rempelt alle an, die ihm in die Quere kommen und grabscht sich den Ball, anschließend weint er, weil die anderen ihn nicht „mitspielen“ lassen. (Gelegentlich ist die „direkte“ Methode auch sozial vorteilhaft, wenn er z.B. ein fortlaufendes Kleinkind sofort einholt und festhält, während die anderen Kinder erst seine Mutter rufen.)

Viele v.a. mehraktige Bewegungsabläufe erscheinen hyperaktiven Kindern so als „Umwege“ oder kompliziert, sie müssen erst „mühsam mit kognitiver und willentlicher Kompensation gelernt und verautomatisiert werden – mit unzähligen Wiederholungen, die manchmal Jahre dauern.“ [3]
 
Kinder machen Kopfstand im Wasser

Ablenkung bei der Bedürfnisbefriedigung


Obwohl hyperaktive Kinder so schnell und direkt auf ihr Ziel zusteuern, fällt es ihnen schwer, es dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Oft werden sie abgelenkt und „vergessen“ dann ganz plötzlich ihr Vorhaben. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Bedürfnis nicht mehr besteht (so der häufige Fehlschluss: „Es war wohl doch nicht so dringend“). Denn sobald das Kind sich „erinnert“, stellt sich das Bedürfnis umso dringlicher wieder ein, das Kind schafft es dann womöglich nicht mehr rechtzeitig zur Toilette oder es ist wütend, weil „immer noch kein Essen“ auf dem Tisch steht.

Besondere Bedürfnisse


Neben den allgemeinen kindlichen Grundbedürfnissen bestehen bei hyperaktiven Kindern spezielle Bedürfnisse, die sich in motorischer Unruhe und ständiger Suche nach starken Reizen ausdrücken:

Bedürfnis nach Steigerung der Aufmerksamkeit/Wachheit


Bei hyperaktiven Menschen besteht durch die verminderte Wachheit/Aufmerksamkeit (Vigilanz) vermutlich ein „diffuses Unwohlsein“, sodass der „Ruhezustand“ schwer auszuhalten ist, wohingegen ein bestimmtes Verhalten zu mehr Wohlbefinden führt. [4] Es handelt sich um Handlungen, bei denen verstärkt der (bei ADHS zu gering verfügbare) Botenstoff Dopamin produziert wird: körperliche Aktivität, Erleben von Neuem, Aufregung, Überraschung, jede Art „Action“ [5] . Durch ihr Verhalten versuchen die Kinder offenbar instinktiv, ihren Mangel zu kompensieren und sich wacher zu fühlen, um aufmerksamer auf ihre Umwelt zu reagieren. Enstprechend verstärkt sich die Hyperaktivität bei Erschöpfung – und verringert, sich, je wacher das Kind ist – so kommt es zur „paradoxen Wirkung“ wachmachender Stimuli und Substanzen. [6] (Übrigens wirkt auch der Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel, süßer Getränke und sonst wachmachender Stoffe wie Koffein akut anregend auf den Dopaminhaushalt. So kann es eine durchaus stimmige Wahrnehmung sein, dass ein hyperaktives Kind in bestimmten Momenten nur durch Süßigkeiten zu befriedigen ist.)

Im Alltag hilft es manchmal schon, die Vigilanz der Kinder zu stabilisieren, d.h. Übermüdung und Erschöpfung so gut es geht zu vermeiden. So kann das Kind seine Aufmerksamkeit eher halten, und braucht sich entsprechend weniger zu stimulieren. Es sollten ausreichend Pausen ermöglicht werden, in denen das Kind sich ggf. über gezielte Stimulationen (z.B. Körpermassagen, Schaukeln, Bewegung an der kühlen Luft) auf sich konzentrieren kann. Während neurotypischen Kindern, wenn sie „überdreht“ sind, oft mit dem Entzug anregender Reize beim Runterregulieren geholfen werden kann, wirken Ruhe und „Entspannung“ auf hyperaktive Kinder oft gegenteilig, weil sie die Vigilanz weiter herabsetzen.

Förderlich zum Erhöhen der allgemeinen Wachheit ist jeder Reiz, der aufmerksam/wach macht, ohne aufzuregen. Besonders extreme Reize bieten sich an: Lautstärke, Helligkeit, schweres Gewicht, große Kälte, Hitze, starke Bewegung, kräftiger Körperkontakt/Hautreize, orale Reize (da die Mundregion sehr empfindlich ist). Stimulierende Reize sollten nacheinander angeboten werden. Gerade in Übergangssituationen oder bei drohender Reizüberflutung helfen klare, starke Reize die Aufmerksamkeit zu steuern. So kann man z.B. einen kalten Apfel mitbringen, wenn man das Kind von der Kita abholt, damit es sich darauf fokussiert (statt zum Abschied nochmal alle vorbeigehenden Kinder zu schubsen). Eine Steigerung der Aufmerksamkeit kann auch durch „Vereindeutigung“ von Reizen durch sonst reizarme Umgebung erreicht werden. Nicht förderlich ist, was (zusätzlich) aufregt, ohne Aufmerksamkeit zu erfordern, z.B. schnell abwechselndes Fernsehprogramm.

Da ein Kind mit ADHS bei Desinteresse sofort müde/unaufmerksam wird, muss ständig Neues geboten werden, um es aufmerksam zu halten. Es „muss alles hören und sehen, was neu, interessant und spannend ist, kann aber auch nur all dies sehen und hören.“ [7] Durch das Einbauen von kleinen Änderungen/Überraschungen kann man ihm helfen, Alltagshandlungen besser zu registrieren (z.B. kann das Zähneputzen durch einen neuen Reim oder spannenden Anreiz: „Gleich les ich dir ein neues Buch vor!“ erleichtert werden.) Zur motivierenden Begleitung/Anreizsetzung bei Routineaufgaben gibt es m.E. lange keine Alternative, da die Ablenkung durch interessantere Reize einfach zu groß ist und sonst höchstens das „Flunkern“ („Hab mir schon Zähne geputzt!“) verautomatisiert wird.

Je mehr Alltagshandlungen verautomatisiert sind, umso eher kann das Kind sie nebenher/unaufmerksam erledigen, sodass es sich dafür weniger „wachmachen“ muss.

Bedürfnis nach körperlich stimulierenden Reizen


Starke Bewegung und sensorische Reize stimulieren auch die Körperwahrnehmung. Sensorische Probleme sind oft mit ein Grund für das Anrempeln/Stoßen anderer Kinder und für (selbst-)verletzendes Verhalten. Sie können auch hinter provozierendem Verhalten stecken: Wenn andere Kinder zurück hauen, Erwachsene einen festhalten, wegtragen oder anschreien – all dies wirkt stimulierend!

Mein Sohn äußert seine entsprechenden Bedürfnisse manchmal, indem er z.B. sagt: „Wenn alle schreien, macht mich das lustig“, „Ich will nicht weh tun, aber ich muss hauen“ oder „Kannst du mir bitte mal in den Rücken boxen?“ Insbesondere das Verlangen nach starken Körperreizen kann für Eltern erschreckend sein. Es ist jedoch sinnvoll, wenn das Kind auch dieses Bedürfnis wahrnehmen und reflektieren kann. Dadurch lässt sich eine mögliche Verunsicherung vermeiden, wenn es spürt, dass ihm etwas Befriedigung bereitet, das andere stört. Indem man sagt: „Du magst gern, jemanden fest zu drücken, aber XY mag das nicht, er hat Angst, dass er nicht mehr atmen kann“, erkennt man seine Bedürfnisse an und verhilft zur Empathie. So kann perspektivisch ein Umlenken (zu: Raufen, Drücken, sich Wegschieben u.a.) erfolgreich sein.

Junge baumelt am Ast

Bedürfnis nach intensiver Vertiefung/Hyperfokussierung


Typischerweise können Kinder mit ADHS sich bei hoher Eigenmotivation extrem in eine Tätigkeit vertiefen – jede Unruhe ist dann wie weggeblasen. Dies sollte m.E. unterstützt werden, damit das Kind spürt, wie sich ein längeres Halten der Aufmerksamkeit und „echte Konzentration“ anfühlen. In der Praxis sind dabei oft gute Nerven gefordert (z.B. wenn man aufbrechen muss und das sonst hyperaktive Kind seelenruhig Schnüre durch die Wohnung spannt und an Türklinken verknotet). Eine Beobachtung, in welchen Situationen und auf welche Reize das Kind sich so gut fokussieren kann und ein Ausbau dieser Interessen ist sehr sinnvoll.

Verhalten als Bedürfnis(-befriedigung) anerkennen


Jeder Umgang, der einseitig auf Unterdrückung oder Überwindung des „störenden“ Verhaltens abzielt, übergeht die besonderen Bedürfnisse hyperaktiver Kinder. [8] Über Hyperaktivität und Reizsuche stimulieren sie ihre Aufmerksamkeit und Körperwahrnehmung, wobei das Verhalten selbst befriedigend wirkt. [9] So versuchen sie sich im doppelten Sinne besser zu fühlen. Anforderungen wie „Sei still, pass auf!“, bringen sie in einen Konflikt, da sie ja nur durch ihre selbst erzeugte innere Grundspannung „aufpassen“ können. [10] Ständiges Nachfragen („Warum machst du das bloß?“), die Suche nach „dahinter steckenden“ Bedürfnissen, z.B. indem man hyperaktives Verhalten als „Schrei nach Zuneigung“, Ausdruck von Aggression o.ä. interpretiert, verwirrt das Kind, weil es von seinen realen Bedürfnissen weg führt. [11] Stattdessen sollte das Kind angeregt werden, seine speziellen Bedürfnisse auf sozial verträgliche Weise zu befriedigen.

Am einfachsten ist es, hyperaktives Verhalten soweit zuzulassen, wie es niemandem schadet. Das ist nicht immer einfach, da ein Verhalten (z.B. Schreien oder Schimpfen) in einer Situation niemandem schaden mag, in einer anderen aber für ein Geschwisterkind verletzend sein kann – und hyperaktive Kinder Ausnahmen schlecht verstehen. Zudem gibt es Verhaltensweisen, die auf lange Sicht schaden könnten (z.B. fremde Leute anquatschen). Es ist meiner Erfahrung nach umso mehr Tolerieren möglich, je weniger selbst- und fremdgefährdend sich das Kind verhält. Insbesondere selbststimulierende Handlungen (z.B. Zähneknirschen, Schnaufen, rhytmische Bewegungen), die nur „nervig“ sind, aber keine Grenze anderer Menschen überschreiten, sollten akzeptiert werden. Als Elternteil kann man sich mit der Zeit Gelassenheit antrainieren, um auf ungewöhnliches Verhalten – z.B. unterm Tisch essen, kopfüber trinken, durch den Einkaufsladen krabbeln – nicht sofort mit Abwehr zu reagieren, sondern sich erst zu fragen „Warum eigentlich nicht?“ 

In Teil 3 dieser Serie geht es um Hilfe zur Eigenregulation.

© Lea Ibell
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[1] Skrodzki, ADHS im Kindergarten, in: BV-AH e.V., Von Anfang an anders!, Forchheim 2005, S. 19 ff. (S. 23). 
[2] Neuhaus, ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, 4. Auflage, Stuttgart 2016, epub-Ausgabe, S. 58.
[3] Neuhaus, a.a.O., epub-Ausgabe S. 60.  
[4] Dazu und zum Folgenden detailliert Wolff, http://www.adhs-hilfe.de/index.php?action=verhaltensmuster. 
[5] Vgl. auch Neuhaus, a.a.O., epub-Ausgabe S.49. 
[6] Hierauf beruht die Wirkung vieler ADHS-Medikamente. Im Kleinkindalter erfolgt grundsätzlich noch keine medikamentöse Behandlung.  
[7] Neuhaus, a.a.O., epub-Ausgabe S. 65.
[8] Durch Medikamente, die die Dopaminverfügbarkeit erhöhen, ist während der Wirkzeit das Bedürfnis nach höherer Viliganz tatsächlich reduziert, weil der Mangel chemisch ausgeglichen und so Wachheit bewirkt wird.  
[9] Die „Befriedigung“ besteht allerdings immer nur kurzfristig. Je nach Ausprägungsgrad muss sich das Kind ununterbrochen hyperaktiv verhalten, um (annähernd) zufrieden zu sein.
[10] Vgl. Wolff, http://www.adhs-hilfe.de/index.php?action=ursachen_behandlung.  
[11] Dies gilt natürlich nur, wenn es sich wirklich um ADHS handelt. In der Diagnostik erfolgt ein Ausschluss organischer Krankheiten und psychischer Belastungen, die mitunter zu ähnlichem Verhalten führen können.

Kommentare:

  1. Wie alt ist denn Ihr Kind? Dies wird leider nirgends erwähnt. Gilt dieses Verhalten bei einem Dreijährigen auch als auffällig oder ist, was für einen Dreijährigen noch "normal" ist, erst für einen Sechsjährigen "auffällig"? Ab welchem Alter sollten Eltern Hilfe aufsuchen?
    Insgesamt hätte ich mir im zweiten Teil klarere Handlungsappelle gewünscht. Trotzdem danke für diesen aufschlussreichen Artikel!

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    1. Hier die Antwort von Lea Ibell:

      "Mein Sohn ist Vorschulkind, aber bereits von Anfang an als "anders" aufgefallen, dies hängt sehr vom Ausprägungsgrad ab. Eine ADHS-Diagnostik wird üblicherweise erst ab 5/6 durchgeführt. Vorher kann man eine allgemeine Entwicklungsdiagnostik oder sensomotorische Testung vornehmen.
      Generell sollte man m.E. eine Diagnostik in Erwägung ziehen, wenn deutliche sensomotorische Probleme auftreten (dann besteht mit Ergotherapie eine gute Möglichkeit zur Frühförderung) oder wenn ein Leidensdruck für das Kind und die Familie besteht (z.B. durch Ausschluss aus dem Freundeskreis, Ausgrenzung in Kita/Schule oder auch Unzufriedenheit/Wut beim Kind, weil es nicht so kann, wie es will) oder wenn sekundäre Störungen drohen (z.B. Probleme bei der Feinmotorik, aber auch auffälliges Sozialverhalten oder geringes Selbstwertgefühl durch ständige Auseinandersetzungen/Konflikte).
      Je nach Ausprägungsgrad kann eine Zugehörigkeit zum ADHS-Spektrum auch ohne frühkindliche "Verhaltensauffälligkeiten" bestehen, dies ist häufig bei ADS (ohne H) oder bei sehr guten Kompensationsfähigkeiten der Fall, z.B. wenn die Aufmerksamkeitsproblematik erst im Laufe der Schulzeit auffällt... Anders herum deutet nicht jedes auffällige Verhalten im Kleinkindalter auf ADHS hin. Daher ist eine Diagnostik auch ratsam, wenn man wissen möchte, was "los" ist, um sinnvoll fördern zu können.

      Übrigens werden im 3.Teil noch Handlungsanregungen folgen."

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