Probleme wegen des Altersunterschiedes - Organisatorische Schwierigkeiten (Teil 2)

Diese Artikelreihe war eigentlich Bestandteil unseres neuen Buches "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn - Das Geschwisterbuch". Wie ihr wisst, schaffen wir es nie, uns wirklich kurz zu fassen, deswegen fielen ganze 94 von den 414 Seiten des Ursprungsmanuskriptes dem Lektorat zum Opfer *schluchz*.

Wir haben beschlossen, es pragmatisch zu sehen, und veröffentlichen den dritten Teil des Buches nun einfach ergänzend hier im Blog. Parallel dazu haben wir auch eine Reihe in unserem Podcast aufgenommen.

Probleme wegen des Altersunterschiedes


Selbstverständlich bereitet der Altersunterschied der Geschwisterkinder einen hervorragenden Nährboden für organisatorische, emotionale und soziale Schwierigkeiten. Wer kennt diese Situationen nicht? Man ist zu Hause, das Erstgeborene baut elaborierte Lego-Landschaften auf, und das Baby krabbelt entzückt darauf zu, um sie zu zerstören und sich die Steinchen in den Mund zu schieben. Oder überhaupt die Freizeitgestaltung mit Kindern unterschiedlichen Alters! Das, was die Großen unternehmen wollen, ist für die Kleinen nicht geeignet und das, was für die Kleinen super wäre, ist gähnend langweilig für die Großen. Und das arme Baby muss sowieso überall hin mitkommen, das wird gar nicht erst gefragt.

Da wir gerade von Babys sprechen - wie schützt man eigentlich einen Weihnachtsbaum vor kleinen krabbelnden Entdeckern? Und diese wiederum vor großen, pieksigen, umkippenden Bäumen? Schwierig auch, wenn die große Schwester eine Freundin zu Besuch hat, und die kleine Schwester stört, weil sie mitspielen will. Oder das ältere Kind Einschulung feiert und das kleinere Geschwister eifersüchtig den ganzen Tag kaputt macht. Auch, wenn der große Bruder einen Film schauen will, der für das Geschwisterkind noch ungeeignet ist, kann es zu Zoff kommen.

Petra, 43, erzählt in einem Podcast, wie dieser Zoff um den Medienkonsum bei unterschiedlichem Kindesalter in ihrer Familie aussah:
Medienkonsum bei Kindern, ja, ich muss über mich selbst lachen - unser erstes Kind Lilly haben wir noch jahrelang vom Fernsehen und Handy abgeschirmt. Da haben wir sogar den Tatort ohne Ton geguckt, und so eine Wand aus Decken gebaut, während das Baby stillte und schlief, damit es auch ja nichts davon mitbekam. Das dritte Kind hat sich einfach irgendwann mit dazu gesetzt, ich glaube, da war es ein Jahr alt. Und halt mitgeguckt. Aber manche Filme sind wirklich nicht geeignet für Kleinere. Unsere große Tochter Lilly hat sich zum Beispiel mit Begeisterung Haussprengungen auf Youtube angesehen. Das hat bei ihrem kleinen Geschwister Tom aber ganz schlimme Panik ausgelöst, weil es das Weltbild hatte, dass Häuser stabil sind und nicht einfach umfallen. Der Kleinste hatte dann solche Angst, dass er aus der Wohnung raus wollte, weil es in seinen Augen zu gefährlich war. Er zerrte richtig an mir, wollte in Richtung Haustür. Als ich nicht mitkam, wäre er beinahe allein gegangen, mit drei!
Das war mein Schlüsselmoment: Es geht nicht darum, was ich denke, was altersgemäß ist oder welche Altersempfehlung auf den Filmen steht. Das ist völlig individuell. Also haben wir Lilly gesagt, sie kann das nicht schauen, wenn ihr Bruder dabei ist. Wir wollten ihr nicht den Spaß nehmen - sie durfte ja Haussprengungen gucken. Aber eben nur dann, wenn Tom schon schlief. Oder allein in ihrem Zimmer, ohne, dass er es wusste. Wenn er dazu kam, dann haben wir ihr gesagt, muss sie einen Kompromiss finden. Entweder ganz ausmachen, oder etwas gucken, was für ihn geeignet ist. Das hat allerdings nicht so super funktioniert. Sie war deswegen extrem sauer mit uns, und auch extrem sauer mit dem Bruder. Hat dann trotzdem geguckt, auch wenn er dabei war, weil es ihr zu lästig war, ihn wegzuschicken. Gut, er hat sich auch nicht wirklich abwimmeln lassen. Aber dann hätte sie halt ausmachen müssen. Schließlich ist sie fast zehn Jahre älter als er, da muss sie doch vernünftig sein können und es einsehen. Tat sie aber nicht. Das endete mit einem zeitweisen Handy-Verbot für sie, weil ich einfach nicht anders sicherstellen konnte, dass der Kleine geschützt wird.
Das allerdings wirkte sich ziemlich nachteilig auf die Geschwisterbeziehung aus. Sie gab ihm die Schuld dafür, dass ihr Handy weg war. Dabei hat sie sich ja nicht an unsere Abmachung gehalten! Jedenfalls war das der Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, komplett gescheitert zu sein als Elternteil. Nach zwei Wochen habe ich ihre schlechte Laune und das ewige Geschwistergezanke nicht mehr ausgehalten und ihr das Handy wiedergegeben. Sie hat hoch und heilig versprochen, gut auf den Bruder aufzupassen und tatsächlich wurde es immerhin ein bisschen besser. Sie hat uns dann immer gerufen, wenn der Kleine mitgucken wollte und ich habe ihn dann mit etwas anderem abgelenkt. [Petra, 43]

 

Zocken, Youtube und Filme ab 6


Wenn man sich umschaut, ist es wohl in den meisten Familien Usus, dem älteren Kind aufzutragen, nur dann zu zocken oder bestimmte Sendungen auf Youtube zu gucken, wenn das kleinere Geschwister nicht dabei ist. Wir halten dieses Vorgehen nicht ganz so günstig im Hinblick auf das Geschwisterverhältnis, denn im Prinzip werden dadurch die älteren Kinder dafür bestraft, dass es weitere Kinder in der Familie gibt. Wie man in Petras Beispiel erkennen kann, ist es für die Großen super nervig, erst einmal das Geschwisterkind loswerden zu müssen, wenn sie eigentlich in Ruhe gucken oder spielen wollen. Das größere Kind muss zu viel Energie aufwenden, um sein "Alleinsein-Wollen" vor dem Kleineren zu verteidigen. In einem solchen Fall sollten daher die Eltern eingreifen.

Das größere Kind will entspannen, was es nicht kann, wenn das Geschwister immer wieder kommt und bettelt, mitgucken zu dürfen. Es ist kein Wunder, wenn es sauer wird und vielleicht zu körperlichen Maßnahmen greift, um das kleine Geschwisterchen aus dem eigenen Zimmer zu befördern. Oder wenn es ganz allgemein einen Groll gegen das Geschwisterkind entwickelt, weil es immerzu heimlich gucken oder zocken muss. Es kann schnell dazu kommen, dass das ältere Kind abspeichert, dass Geschwister "nervige kleine Biester" sind, die man sich "immer" vom Hals halten muss. Wir erklären in unserem Buch ausführlich, dass es wichtig ist, den älteren Kindern nicht die Verantwortung für kleinere Geschwisteraufzwingen sollte. Die Verantwortung, das kleinere Kind davor zu bewahren, einen Film oder ein Spiel zu konsumieren, das nicht seinem Alter entspricht, fällt eindeutig in das Feld der Erwachsenen, denn wir sind zuständig für die Gesundheit unserer Kinder.

Übertragen wir sie an unsere Kinder, nehmen wir in Kauf, dass die Kleinen Schaden nehmen, weil die Großen keine Lust oder Kraft haben, mit ihnen um die Einhaltung der Regeln zu kämpfen. Am schwersten wiegt in Petras Beispiel jedoch wohl die Übertragung der Verantwortung für die Familien-Harmonie an das ältere Kind. Indem Petra Lilly aufträgt, einen Kompromiss zu finden, sobald Tom auftaucht, während sie ihre Spezialvideos guckt, will die Mutter verhindern, dass Tom weint, weil er nicht bei seiner Schwester mitgucken darf. Würde Tom nämlich jedes Mal weinen oder wüten, wenn Lilly ihre Videos schaut und er das nicht darf, käme Petra mächtig in Stress. Da sie außerdem, wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, eigentlich gar nicht möchte, dass Lilly so viel YouTube guckt, nervt es sie doppelt hart, wenn sie deswegen auch noch einen Wutanfall des kleinen Bruders begleiten muss.

Tv, Kinder, Trickfilme, Film, Spielzeug, Unterhaltung

Dementsprechend ist es aus Petras Sicht gar nicht so schlecht, Lilly zu sagen, sie solle nur gucken, wenn der Kleine schläft oder es nicht merkt. Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Doch warum muss Lilly einen Kompromiss finden, weil Tom zu ihr geht, wenn sie ihre Youtube Videos über Haussprengungen gucken will? In ihrer Freizeit und auf ihrem eigenen Endgerät ist es ihr gutes Recht, etwas zu schauen, was ihr Freude bereitet. Ja, selbst wenn sie die Videos auf dem Familien-PC oder dem Familien-Tablet schaut, muss sie eigentlich trotzdem in diesem Moment nicht mit ihrem Bruder teilen, es sei denn, sie guckt zu einem Zeitpunkt, zu dem normalerweise die gesamte Familie gemeinsam etwas schaut. Es gibt Situationen, in denen Kinder ihre Grenzen oder Wünsche aufzeigen dürfen sollten, auch wenn das mehr Arbeit für die Erwachsenen bedeutet.

Es ist nicht der Job unserer Kinder, des lieben Frieden Willens andauernd nachzugeben. Sie sollten auch nicht gesagt bekommen, sie wären egoistisch, wenn sie auf ihre Grenze oder ihren Wunsch bestanden haben und das Geschwisterkind deswegen weint. Natürlich sollten unsere großen Kinder auch Rücksicht nehmen auf Kleinere - wir denken, dieser Punkt ist allen klar. Unbedingt sollten sie das! Im Alltag tun sie das aber normalerweise schon von ganz allein: Wenn sie abwarten, weil das Bedürfnis eines Geschwisterkindes oder der Eltern gerade schwerer wiegt, wenn sie mit Kopfhörern ihre Musik hören, weil ein Familienmitglied noch schlafen will, oder wenn sie am Frühstückstisch auf das letzte Croissant verzichten, weil die Mutter dieses so gern isst... Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Rücksicht nehmen ist wunderbar, und eminent, und genauso wichtig ist es zu lernen, die eigenen Wünsche durchzusetzen.

Die Zuständigkeit liegt also ziemlich klar auf der Hand: Im Prinzip ist jeder Mensch selbst dafür verantwortlich, sich zu schützen und ggf. Dinge nicht zu gucken oder zu spielen, die für einen selbst schädlich wären. Ist das aufgrund des Alters und des damit verbundenen beschränkten Verständnisses noch nicht möglich, müssen die Eltern handeln. Entweder, sie schauen sich den Film oder das Spiel an und entscheiden, dass es trotz anderslautender Altersempfehlungen für das kleinere Kind harmlos ist und erlauben ihm, es zu schauen oder zu spielen. So hatte das Petra ja zunächst auch getan, bis sie merkte, dass ihre Einschätzung im Hinblick auf die Sensibilität des Sohnes falsch war. Oder die Eltern entscheiden, dass es schädlich für das Kleine ist. Dann ist es ihre Aufgabe, es vom größeren Kind fern zu halten, den etwaigen Wutanfall zu begleiten und es vielleicht auf ein anderes Spiel oder ein schönes Buch umzulenken. Selbstverständlich ist das anstrengend und unschön für die Eltern. Vielleicht tröstet euch der Gedanke, dass es im Hinblick auf das Erlernen von Frustrationstoleranz gut ist, in frühen Jahren solche kleineren Frustrationen aushalten zu lernen.

Besuch von Freunden


Ältere Kinder sollten nicht verpflichtet sein, ihre kleinen Geschwister mitspielen zu lassen, wenn sie Freunde zu Besuch haben. Natürlich kann man als Elternteil freundlich anfragen, ob die beiden Freunde das Geschwisterkind mitspielen lassen würden, doch sobald sie klar sagen, dass sie allein sein wollen, ist es Aufgabe der Eltern, die kleineren Geschwister abzulenken. Das geht so weit, dass die Eltern die Kleinen auch körperlich davon abhalten müssen, ins Zimmer der Großen zu gehen.

Sehr oft kommt an dieser Stelle zu Wutanfällen, und das ist total okay. Es ist ja wirklich frustrierend, so ausgeschlossen zu werden. Doch es ist wichtig, das Nein eines anderen zu akzeptieren. Genauso dürfen natürlich jüngere Geschwister, wenn sie Freunde zu Besuch haben, die Großen aus ihrem Zimmer verbannen.

Geburtstage und Einschulung


Ähnlich zu dem Stress, der ausbricht, wenn ältere Kinder andere Filme gucken oder Spiele spielen dürfen, ist der Frust, wenn ein Kind Geburtstag oder Einschulung hat, und die anderen aber nicht. Es gibt so viele potentiell unfaire Momente im Leben von Kindern. Und es kann sein, dass diese Momente unsere Kinder extrem stark mitnehmen. Dass sie weinen, wüten und sich anscheinend gar nicht mehr beruhigen können. Nur verständlich, dass wir liebende Eltern ihren Frust ein wenig abmildern wollen. Was macht da schon das eine oder andere kleine Mitgeschenk? Eine Mini-Schultüte, wenn der große Bruder eine Maxi-Schultüte bekommt? Oder eine kleine Aufmerksamkeit für das Nicht-Geburtstagskind?

Nun. Es ist in der Tat ein bisschen problematisch. Denn das kleine Geschenk suggeriert dem Gehirn des Kindes, dass man Enttäuschung und Schmerz nicht aushalten, sondern sich davon ablenken muss. Ein Enttäuschung-Abmilderungs-Geschenk stellt eher das faule Basissystem des Kindergehirns zufrieden. Dieses mag schnelle Bedürfnisbefriedigung. Wenn man es regelmäßig füttert, ist der "innere Schweinehund" eines Tages stärker, als der vernünftige präfrontale Kortex, der uns befähigt, Dinge aufzuschieben, Frust auszuhalten und Pläne für die Zukunft zu schmieden.

Einschulung, Schultüte, Schulanfang, Zuckertüte

Wenn Eltern immer wieder versuchen, ihren Nachwuchs vor Frustrationen zu schützen, lernt das Gehirn, dass es den Schmerz von Enttäuschungen beiseiteschieben und sich auf schnelle Bedürfnisbefriedigung stürzen sollte. Letzteres lässt das Gehirn eine Art Belohnungshormon ausschütten - der Mensch fühlt sich daraufhin für einen Moment gut. [Bauer, J. Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens. 5. Auflage. München: Blessing, 2015, S. 56] Das Kind lernt von seinen Eltern dann aber nicht Resilienz, sondern sich bei Schmerz mit "schönen Dingen" abzulenken. Das ist keine besonders zielführende Verknüpfung, weil Ablenkung keinen echten Trost spendet. Ablenkung ist eine Ersatzbefriedigung, und diese nutzen sich leider schnell ab. Das Gehirn braucht immer schneller mehr davon. Echter Trost, also das emotionale Beiseitestehen durch uns Eltern, dagegen ist für das Gehirn viel nachhaltiger und befriedigender. Wir Menschen sind soziale Tiere, unsere Gehirne reagieren stark auf Zuwendung anderer Menschen. Wenn wir von anderen gesehen werden, wenn wir Aussicht auf soziale Anerkennung haben und Liebe sowie Zuwendung erhalten, setzt unser Gehirn körpereigene Opioide frei [Insel, Fernald, 2004, How the brain processes social information: Searching for the social brain, In: Annual Review of Neuroscience 27, S. 697].

Muten wir also ruhig den Geschwisterkindern die kleine Enttäuschung zu, dass es an diesem einen Tag im Jahr um ihr Geschwister geht, dass es Geschenke erhält und gefeiert wird. Wir stärken dadurch ihre emotionale Stabilität. In zukünftigen frustrierenden Situationen werden unsere Kinder nicht zusammenbrechen, sondern die Enttäuschung meistern können, weil ihr Gehirn das schon einmal mithilfe einer Bezugsperson ausgehalten hat. Das gemeinsame Annehmen des Schmerzes lässt das Gehirn Hormone ausschütten, die entspannen und beruhigen. Das Kind fühlt sich nach dem begleiteten Weinen und Wüten erschöpft, aber trotzdem irgendwie zufrieden. Das soziale Miteinander der Situation, die mitfühlende Resonanz der Eltern, haben das ausgelöst. Je öfter unsere Kinder das schaffen, desto stärker wird ihre Resilienz. Sie sind auf emotionaler Ebene gewachsen.

An dieser Stelle möchten wir jedoch noch ein "Aber" einfügen. Wenn ihrschon wisst, dass euer kleineres Kind die Einschulung seines Geschwisters ohne eigenen Mini-Schultüte torpedieren würde, dann lasst die Theorie Theorie sein, und lebt in der Praxis bitte so, wie es eurer Familie den Tag erleichtert! Wenn eine Mini-Schultüte allen das Fest rettet, dann sei es drum. Eine Einschulung hat man in der Regel nur einmal im Leben, und es wäre wirklich schade, wenn diese durch den Neid eines kleinen Geschwisterkindes ruiniert werden würde.

Lego, anderes kleinteiliges Spielzeug und Hochbetten


Die meisten Eltern haben heute kein Laufställchen mehr zuhause, weil viele Babys und Kleinkinder diese als Spielort ablehnen. Die Kleinen fühlen sich von der Gemeinschaft ausgeschlossen, wenn sie hineingesetzt werden. Für ältere Kinder sind Laufställe andererseits durchaus attraktiv, da sie selbst über das Geländer steigen können. Falls ihr also noch einen im Keller herumstehen habt, holt es vielleicht für euer großes Kind noch einmal raus. Denn werden im Inneren des Laufstalls Bausteinwelten aufgebaut, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese nicht vom Krabbelbaby kaputt gemacht werden.

Mehr Platz zum Spielen bieten Hochebenen und Hochbetten. Bei diesen muss aber darauf geachtet werden, dass Kleinkinder die Treppenstufen nicht erklimmen können. Dazu können Eltern entweder die untersten Treppenstufen heraustrennen - auf diese Weise wird auf öffentlichen Spielplätzen sichergestellt, dass nur die Kinder das Klettergerüst erklimmen, die tatsächlich groß genug dafür sind - oder diese blockieren. Blockieren heißt, die Stufen z. B. mit mehreren Lagen Stoff so fest zu umspannen, dass es dem kleineren Kind unmöglich ist, sich an den Stufen festzuhalten, oder dort draufzutreten.

Auch ein auf einer Stufe eingehängtes längliches Holzbrett, oder eine zugeschnittenen und angeschraubte Plexiglasscheibe halten Minikletterer zuverlässig fern, da damit die unteren Sprossen verdeckt werden. Freigeräumte Bücherregalebenen sind ebenfalls ein guter Ort für größere Kinder, um Spielzeug abzulegen und aufzubauen. Achtet darauf, dass Regale immer sicher mit der Wand verschraubt sind, damit sie nicht aus Versehen kippen, wenn daran gespielt wird. Haben eure Kinder eigene Zimmer, könnt ihr Babyschutztüren installieren, um dem größeren Kind eine Ja-Umgebung für sein kleinteiliges Spielzeug zu schaffen.

Weihnachtsbaum


Aus Umweltschutzgründen raten wir von einem Weihnachtsbaum ab. Eine dekorative Alternative sind verschieden große Äste, die mithilfe von Seilen miteinander in Form eines Tannenbaums verbunden und flach an die Wand gehängt werden. Diese Äste werden dann mit Baumschmuck dekoriert. Auf Instagram findet ihr viele Anregungen dafür. Manch eine Familie möchte allerdings ungern auf einen echten Weihnachtsbaum verzichten, fragt sich aber, wie sie diesen vor kleinen Krabbelbabys und Kleinkindern schützen können. Oft gehen Glaskugeln aus Versehen zu Bruch, oder der Baum wird - ebenfalls aus Versehen - umgerissen. Das passiert normalerweise aus reiner Neugier. Der Baum ist ein neues Element im Zimmer, und will daher untersucht werden. Wir sind der Meinung, dass niemand der Neugier eines Kindes im Wege stehen sollte: Stattdessen sollten wir so gut es geht eine Ja-Umgebung schaffen, damit unsere Kinder ihre Neugier stillen können.

Kleiner Junge, Kinder, Weihnachten, Niedlich, Dezember

Bei uns zu Hause war zum Beispiel die Toilettenbürste bei allen drei meiner Kinder ein Objekt der Neugier. Sie wollten sie immerzu anfassen, untersuchen, und in die Toilette stecken, wie sie es bei uns Erwachsenen gesehen hatten. Das ging natürlich nicht, da es zu unhygienisch war. Wir Eltern stellten also die echte Toilettenbürste so erhöht ins Badezimmer, dass unsere Kinder nicht mehr dran kamen. Gleichzeitig gaben wir ihnen eine neue, saubere, exakt gleich aussehende Toilettenbürste zum Spielen ins Kinderzimmer. Ein paar Wochen lang spielten meine Kinder also ausgiebig mit der Bürste. Sie untersuchten sie sogar mit dem Mund, wie es bei Kleinkindern üblich ist. Nachdem sie alles über die Toilettenbürste gelernt hatten, was man lernen kann, blieb sie unbeachtet in einer Ecke liegen. Sie war uninteressant geworden. Das war der Zeitpunkt, zu dem wir die echte Bürste im Bad wieder nach unten auf den Boden stellen konnten. Wir hatten eine sichere Ja-Umgebung geschaffen, in welcher meine Kinder ihre Neugier stillen konnten.

So in der Art könnt ihr auch mit Weihnachtsbäumen verfahren: Es hat sich als sinnvoll erwiesen, erst einmal nur einen kleinen Mini-Weihnachtsbaum zu kaufen, welcher beim Umkippen keinen Schaden anrichten kann. So können Babys und Kleinkinder auf ihrer eigenen Höhe gut erkunden, wie sich so ein Baum anfühlt. Wenn ihr eine besonders pieksige Sorte Nadelbaum nehmt, speichern die Kinder nach dem Befühlen meist "interessant, aber eher unangenehm, also nicht noch einmal anfassen" ab.

Haben eure Kinder alles über die Beschaffenheit des Baumes gelernt, könnt ihr in den nächsten Jahren wieder größere Exemplare aufstellen. Wollt ihr ganz sicher sein, dass diese nicht umkippen, sichert sie mit Angelsehne an Möbeln oder Wänden. Da Glasornamente am Weihnachtsbaum furchtbar schnell zerbrechen, raten wir, diese für ein paar Jahre ungenutzt im Schrank aufzubewahren. Sind eure Kinder etwa 4-5 Jahre alt, könnt ihr sie wieder herausholen. In der Zwischenzeit macht es Spaß, diese kleinen Bügelperlenbilder, die eure Kinder sicherlich massenhaft aus der Kita nach Hause bringen, mit Fäden zu versehen und an den Baum zu hängen. Auch selbstgebastelte Girlanden aus Papier oder Figuren aus Filz lassen einen Weihnachtsbaum schön bunt aussehen.

Freizeitgestaltung mit Kindern unterschiedlichen Alters


Ein komplexeres Problem ist die Freizeitgestaltung mit Kindern unterschiedlichen Alters. Manchmal ist es so, dass das, was die älteren Kinder unternehmen wollen, nicht geeignet ist für die kleineren Geschwister, während das, was die Kleinen machen dürfen, langweilig für die Großen ist. Oft ist es unmöglich, alle Wünsche unter einen Hut zu bekommen. Was macht man dann? Nun, man versucht, Kompromisse zu finden. An einem Wochenende wird etwas für die Kleinen unternommen und die Großen kommen mit und langweilen sich, am anderen Wochenende wird etwas für die Großen unternommen und die Kleinen langweilen sich. Ein Rucksack mit Mal-Sachen, spannendem Buch oder Spiele-Konsole hilft, um Zeit sinnvoll zu überbrücken. Vielleicht finden sich sogar Orte, die auf die Bedürfnisse unterschiedlichen Alters zugeschnitten sind: Wald, Indoorspielplätze, Kletterhalle, Schwimmhallen, Zoo. In einige Familien hat es sich als günstig erwiesen, die Kinder zu bitten, selbst einen Ausflug zu planen, der allen Spaß macht. Dabei kommt vielleicht ein Geo-Caching Abenteuer für die Großen heraus, der auf einem Spielplatz endet, der für die Kleinen spaßig ist.

Leichter wird es, wenn man Unterstützung von außen erhält. Meine Familie zum Beispiel geht sehr häufig mit ein oder zwei erwachsenen Freundinnen ins Schwimmbad, so dass alle drei meiner Kinder einen erwachsenen Spiel- oder Ansprechpartner haben. Fahren wir ohne diese Freundinnen, ist meist meine größte Tochter frustriert, weil sie zu wenig Aufmerksamkeit erhält, da sie am besten schwimmt. Mit unseren Freundinnen jedoch hat sie richtig Spaß.

Hat eine Familie zwei Elternteile, können sich die Erwachsenen auch aufteilen: Eine geht mit dem ältesten Kind ins Kino, der andere bleibt mit den beiden Jüngsten zuhause. Etwa ab dem 7. Lebensjahr (abhängig vom sozial-emotionalen Entwicklungsstand des Kindes) können die Größeren auch 1-2 Stunden allein zuhause bleiben, während man mit dem kleinen Geschwister in der Nähe auf dem Spielplatz spielt. Freunde, Babysitter, Großeltern, andere Familien ... ein Unterstützernetz ist eigentlich unabdingbar, doch uns ist klar, dass nicht alle Familien auf dieses zurückgreifen können. Dann bleibt nur, alle Kinder bis zum Grundschulalter überall mit hinzunehmen, und deren Frust auszuhalten

© Snowqueen

In den weiteren Teilen dieser Serie erwarten Euch:

Teil 1 - Mehrere Kinder ins Bett bringen
Teil 3 - Einkaufen mit mehreren Kindern
Teil 4 - Grundbedürfnisse aller erfüllen, aber...
Teil 5 - Unterschiedliche Wünsche den Aufenthaltsort betreffend
Teil 6 - Aufbrüche, Abbrüche und Termine einhalten
Teil 7 - Heikle Orte mit Kindern

1 Kommentar:

  1. Das Thema Medien-Inhalte reguliert sich hier zum Glück ganz von allein, weil K1 (fast 7) gefühlsstark ist und nur Inhalte anschauen kann, die Null spannend sind. So ist sie sehr glücklich mit Inhalten, die für K2 (fast 4) genau passend sind! Andersrum stell ich mir das echt schwierig vor!

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