Einkaufen mit mehreren Kinder - Organisatorische Schwierigkeiten (Teil 3)

Diese Artikelreihe war eigentlich Bestandteil unseres neuen Buches "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn - Das Geschwisterbuch". Wie ihr wisst, schaffen wir es ja nie, uns wirklich kurz zu fassen, deswegen fielen ganze 94 von den 414 Seiten des Ursprungsmanuskriptes dem Lektorat zum Opfer *schluchz*. Wir haben beschlossen, es pragmatisch zu sehen, und veröffentlichen den dritten Teil des Buches einfach ergänzend hier im Blog. Parallel dazu könnt ihr Euch dazu auch diese Folge in unserem Podcast anhören.

Einkaufen mit mehreren Kindern


Einkäufe mit Kind sind anstrengend. Sei es, dass das Baby nicht ruhig im Einkaufswagen sitzen bleiben möchte, sondern lieber durch den Laden krabbeln will, um im Vorbeigehen sämtliche Regale abzuräumen, während das Kleinkind einen Wutanfall nach dem nächsten bekommt, weil wir weder fünf Kilo Schokolade, noch den hübschen Toilettendeckel kaufen wollen. Und überhaupt: Einkaufen in großen Läden oder gar Einkaufscentren sind sowieso schon anstrengend genug, wenn wir dann aber noch Kinder im Schlepptau haben und diese einen langen Kita-Tag hinter sich haben, kann es eigentlich nur im Desaster enden.

Liv hat uns auf Twitter ihr Leid geklagt:
"Habe heute definitiv den Tiefpunkt meiner Mutterkariere erreicht: Spontaner Einkauf ohne Buggy, es regnet. Weil Plastiktüten ja umweltschädlich sind, entscheide ich mich für eine Papiertüte. Sie wird ordentlich voll. K2 (2) trödelt, ich warte geduldig im Regen, die Tüte wird nass und reißt natürlich. 
Der Einkauf landet auf dem nassen, dreckigen Boden. K2 brüllt nun, K1(4) jetzt auch, weil er glaubt, er sei schuld (warum überhaupt?). Ich versuche, die Einkäufe einzusammeln und verteile die verlorenen Sachen in den Kapuzen der Kinder mangels alternativer Tragmöglichkeit. K2 brüllt noch mehr. Ich bitte und bettle, er möge doch einfach weitergehen. Weil er das nicht tut, zerre ich ihn genervt am Arm mit. Hochnehmen ist nicht, weil ich die halbkaputte nasse Einkaufstüte mit den restlichen Sachen im Arm jongliere. 

Ich lasse K2 los, er setzt sich aus Protest mitten auf den Gehweg - in eine Pfütze. Er ist nass von oben bis unten und brüllt natürlich noch mehr. Leute bleiben stehen und tuscheln. Nicht weit entfernt ist eine Eisdiele. Eine nette Dame von dort bringt mir eine Plastiktüte und hilft beim Umschichten. Ich danke, will jetzt nur noch nach Hause. K2 brüllt und bewegt sich nicht. Ich zerre ihn weiter. 
Eine zweite Verkäuferin kommt mit einer Eiswaffel und versucht, ihn milder zu stimmen. Doch er schimpft und tobt und brüllt. Ich bin den Tränen nahe und weiß nicht mehr weiter. K1 hüpft derweil durch Pfützen. Eindringlich bitte ich K2, sich doch nun bitte nach Hause zu bewegen. Wir hätten doch alle Hunger. Es würde doch regnen und wir wollten ins Trockene. Schließlich ziehe ich ihn doch am Arm irgendwie nach Hause. Dort angekommen fasst K1 zusammen: "Das war kein schöner Tag." Es ist erst 10 Uhr morgens." [Liv, 30, auf Twitter]
Bei Publikumsfragen nach unseren Vorträgen kommt eigentlich immer unweigerlich eine nach dem Einkaufen mit Kindern. Meine Antwort ist meist kurz und knapp: „Vermeidet es!“ Wissendes Gelächter der Anwesenden. Denn Einkaufen mit Kindern kann wirklich, wirklich nervenaufreibend sein. Unser Rat lautet deshalb: Kauft, wenn möglich, alleine ein. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann könnt ihr folgende Möglichkeiten ausprobieren.

Leerlauf vermeiden


Mit „Leerlauf“ meinen wir Zeitabschnitte ohne klare Aufgaben für Kinder. Kinder im Leerlaufbekommen häufig lustige Ideen, die für uns Erwachsene weniger lustig sind. Sie räumen z. B. im Supermarkt Regale leer, werfen lauter glitzernde Spielsachen in unseren Einkaufswagen oder laufen ziellos durch die Gänge, sind dann plötzlich weg und müssen ausgerufen werden. Um Leerlauf zu vermeiden, gebt Euren Kindern kleine Aufträge. Bindet sie in den Einkauf ein. Ihr könnt sie bitten, die Bananen oder Äpfel auszusuchen, und ihr könnt sie zur Obstwaage hochheben, damit sie den Knopf für das Etikett drücken können.

Drogeriemärkte haben meist kleinere Einkaufswagen, die von den Kindern allein geschoben werden können. Diese sind wunderbar, ihr müsst nur ein bisschen darauf achten, dass damit niemandem in die Hacken gefahren wird. Leerlauf vermeiden kann man auch ganz simpel, indem man die Kinder in den Einkaufswagen setzt und ihnen etwas zu essen reicht. Dann haben sie zu tun und können ein paar Minuten Einkaufen ruhig aushalten. Die meisten Eltern kennen diesen Trick bereits.

Meine Töchter hatten mit etwa zwei Jahren große Lust aufs Einkaufen und aufs Einkaufen-Spielen, so dass wir unseren Wochenendeinkauf meist kinderfreundlich gestalteten. Wir suchten uns einen sehr kleinen Laden mit übersichtlichem Angebot, achteten darauf, nicht während der Stoßzeiten dort aufzutauchen und ließen Carlotta und Helene dann unter Aufsicht durch den Laden laufen, um Obst, Gemüse, Nudeln usw. zu suchen. Als diese Einkaufsliebe langsam abebbte, änderten wir auch unser Einkaufsverhalten: Wir warteten auf ihren Mittagschlaf.

Familie, Einkaufszentrum, Kauf, Essen, Süßigkeiten

 

Während des Mittagschlafs einkaufen


Unsere Kinder hielten ihren Mittagschlaf meist im Zwillingswagen, so dass wir sie als darin in den Schlaf schuckelten, und dann sofort nach dem Einschlafen, also während der ersten Tiefschlafphase, in unseren kleinen Laden gingen. Dort stellten wir den Wagen im Eingangsbereich ab (wie gesagt, der Laden war sehr übersichtlich), und hatten mindestens eine dreiviertel Stunde Zeit, einzukaufen und zu bezahlen. Danach hängten wir die Einkäufe an die Schiebestange des Wagens (das ist übrigens nicht zu empfehlen, wir haben auf diese Weise zwei Zwillingswagen geschrottet) und liefen gemütlich nach Hause. Die Mädchen schliefen im Hinterhof im Wagen unter Aufsicht des einen Elternteils weiter, während das andere Elternteil die Einkäufe nach oben in die Wohnung brachte.

Lieferdienste nutzen


Es gibt bei einigen lokalen Supermärkten einen kostenlosen Lieferservice, den man nutzen kann, wenn man das Gefühl hat, man schafft es mit den Kindern nicht allein vor die Tür und schon gar zum Einkaufen. Ihr könnt uns glauben, dass ihr absolut nicht allein mit diesem Gefühl seid. Die Zeit ist euer Freund – die Kinder werden älter und verständiger und in ein paar Monaten oder vielleicht Jahren, werdet ihr beim Zurückdenken kaum glauben können, wie schwer das früher schien. Seid liebevoll mit euch selbst: Wenn ihr keine Kraft für das Einkaufen mit Kindern habt, dann nutzt die vorhandenen Angebote ohne schlechtes Gewissen. Zeigt den liefernden Rettern eure Dankbarkeit – sie bekommen oft nicht genug freundliche Rückmeldung im stressigen Alltag.

Nicht nach der Kita


Oft wollen Eltern schnell noch mit ihrem Nachwuchs nach der Kita einkaufen, weil vorher keine Zeit war. Das ist ehrlich gesagt der denkbar schlechteste Zeitpunkt fürs Einkaufen. Denn die Kinder sind durch ihren langen Tag in der Einrichtung knülle. Ihre Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist meist schon aufgebraucht, weil sie in der Kita durch die notwendigen sozialen Regeln sehr beansprucht wurde.

Dieses Phänomen hat der Psychologe Roy Baumeister als „Ego Depletion“ beschrieben, was in etwa „Erschöpfung des Ichs“ bedeutet [vgl. Baumeister, R., „Ego Depletion: Ist he Active Self a Limited Resource?“Journal of Personality and Social Psychology Vol 7405, 1998, S 1252 – 1265 ]. Wenn Menschen sich im Laufe des Tages immer wieder zusammenreißen, d. h. Selbstkontrolle betreiben, dann wird diese aufgebraucht.

Mir geht das übrigens häufig so, wenn ich mich den ganzen Tag über beherrsche, keine Süßigkeiten zu essen, und dann aber abends auf der Couch dann doch der Versuchung erliege. So ähnlich geht es unseren Kindern. Das kindliche Gehirn braucht nach der Kita eine Pause, um sich zu erholen und die Selbstkontrolle wieder aktivieren zu können. Wenn es diese Pause nicht bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zu einem vermeintlichen „Trotzanfall“ im Supermarkt kommt, weil die Kooperationsfähigkeit der Kinder aufgebraucht ist.

Wenn ihr es also einrichten könnt, vermeidet den Einkauf mit Kindern nach der Kita. Es ist für alle beteiligten günstiger, wenn ihr vorher schnell allein einkauft und die Kinder die halbe Stunde länger in der Kita sind. Denn dann müssen sie sich nicht schon wieder zusammenreißen und soziale Regeln beachten. Stattdessen könnt ihr mit Ihnen auf den Spielplatz gehen und ihrem Gehirn die langersehnte Pause gönnen. 

© Snowqueen

In den weiteren Teilen dieser Serie erwarten euch:

Teil 1 - Mehrere Kinder ins Bett bringen
Teil 2 - Probleme wegen des Altersunterschiedes
Teil 4 - Grundbedürfnisse aller erfüllen, aber... (mit Exkurs zu Zwillingen)
Teil 5 - Aufbrüche, Abbrüche und Termine einhalten
Teil 6 - Heikle Orte

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