Freches Grinsen - Provokation oder Entschuldigung?


Die menschliche Kommunikation besteht nicht nur aus Worten, sondern ist auch maßgeblich von der Körpersprache, also durch Mimik und Gestik geprägt. Der einfache Satz "Das ist heute aber ein tolles Wetter!" kann durch die entsprechende Betonung oder mit einem bestimmten Gesichtsausdruck sowohl Begeisterung, als auch Missbilligung ausdrücken.

Ein wichtiger Teil der Körpersprache sind Demuts- und Beschwichtigungsgebärden. Sie dienen dazu, dem Gegenüber zur Konfliktvermeidung die eigene Harmlosigkeit zu demonstrieren oder ihn im Konfliktfall zu besänftigen. Besänftigende Gesten sind zum Beispiel ein leicht gesenkter oder schiefgelegter Kopf, ein freundliches Lächeln oder der verschämte Blick von unten. Auch erhobene Hände mit den Handinnenflächen nach außen signalisieren: "Schau, ich bin ganz harmlos, von mir droht keine Gefahr". Diese Gestiken werden von fast allen Menschen ganz instinktiv erfasst.

Es gibt aber auch Beschwichtigungsgestiken, die als solche nicht (mehr) erkannt werden:
"Erst macht er solchen Mist und dann grinst er mich noch frech an. Diese ständigen Provokationen treiben mich in den Wahnsinn!"
Sicherlich kennt jede Mutter und jeder Vater solche Situationen - das Kind stellt irgendeinen Unsinn an, die Eltern weisen nachdrücklich darauf hin, dass dieses Verhalten unangemessen und unerwünscht ist und das Kind grinst sie daraufhin breit an oder lacht laut. Dieses Verhalten macht uns oft sehr wütend, weil wir es als reine Provokation empfinden.

Das Lachen ist jedoch häufig gar nicht provokant gemeint, sondern eine reine Übersprungshandlung. Ist ein Kind zwischen zwei möglichen Handlungsalternativen hin- und hergerissen („Höre ich auf? Oder mache ich weiter?“), tut es manchmal Dinge, die vollkommen unerwartet sind und mit dem Verhalten in keinem Zusammenhang stehen. Grinsen ist außerdem eine uralte Beschwichtigungsgeste, die uns eigentlich nicht provozieren, sondern die Situation entschärfen soll. Sie ist ein Überbleibsel der Evolution und lässt sich heute noch gut bei Affen beobachten.

Bei den Halbaffen, die den Menschen nicht ganz so ähnlich sind, sind die Gesichtsmuskeln nur sehr rudimentär entwickelt. Ihr Gesichtsausdruck ist daher immer gleich. Sie können mit ihren Muskeln ausschließlich ihre Zähne entblößen.

Halbaffe fletscht Zähne

Trotz dieser stark eingeschränkten Mimik können Halbaffen damit schon sehr unterschiedliche Botschaften ausdrücken. Wird das Maul aufgerissen ohne die Zähne zu zeigen, versteht der Gegenüber das als Drohgeste. Sind hingegen die Zähne deutlich zu erkennen, bedeutet das genau das Gegenteil. Indem der Halbaffe seine Zähne deutlich zeigt, will er signalisieren, dass er diese nicht benutzen will - eine eindeutig beschwichtigende Geste. Denn wer breit grinst, kann seine Zähne gerade nicht zum Beißen verwenden - und genau das soll dem anderen gezeigt werden.

Bei menschenähnlicheren Primaten, wie den Lemuren oder den Rhesusaffen, ist das Zeigen der Zähne sogar eine regelrechte Demutsgeste. Wenn zwei Affen gegeneinander kämpfen und sich der schwächere zurückzieht, zeigt er in aller Regel ein breites Grinsen und signalisiert damit, dass er sich ergibt. Paviane haben sogar ein richtiges Beschwichtigungsritual - sie verbeugen sich, strecken dem Widersacher ihren Po entgegen, schmatzen laut und grinsen breit. Das signalisiert dem anderen Tier: "Entschuldige bitte!"

Pavian zeigt Beschwichtigungsgeste

Dieses Verhalten ist rudimentär bei unseren Kindern erhalten geblieben - fühlen sie sich verlegen, weil wir sie bei unerwünschtem Verhalten ertappt haben oder weil wir mit ihnen wegen etwas schimpfen, dann zeigen sie uns ein breites Grinsen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Provokation, sondern um eine Art Verlegenheitslächeln und ist eine evolutionäre Demutsgeste, mit denen Kinder um Verzeihung bitten.

Leider führt das breite Angrinsen in unserem Kulturkreis immer wieder zu Konflikten, weil Eltern nicht in Betracht ziehen, dass das Kind damit auch um Verzeihung bitten könnte. Sie reagieren dann ungehalten und ärgern sich über die Reaktion. Dieser zusätzliche Ärger löst bei den Kindern das Bedürfnis aus, die Eltern noch mehr zu beschwichtigen -  sie grinsen unter Umständen noch breiter, was Eltern natürlich noch wütender macht. Mit dem Wissen, dass das Grinsen auch eine Entschuldigung sein kann, kann man vielen Konflikten gelassener begegnen. Werden die Augen niedergeschlagen oder ganz abgewandt, handelt es sich sehr wahrscheinlich nicht um eine Provokation. Das Senken des Blickes soll deeskalierend wirken - den Gegenüber anzustarren wäre nämlich eine Drohgeste.

Andere Kinder halten den Kopf leicht gesenkt oder schief und reißen die Augen weit auf. Das "sich kleiner machen" ist die älteste aller Demutsgesten. Beim Drohen machen sich Lebewesen so groß wie möglich - sie plustern sich quasi auf. Sind sie hingegen verlegen, machen sie sich auf jede erdenkliche Art klein. Große Augen sollen außerdem den elterlichen Beschützerinstinkt durch das Kindchenschema wecken.

Kind lächelt schüchtern

Das Lachen unserer Kinder in Konfliktsituationen macht uns wütend, weil wir es nicht als Beschwichtigung empfinden, sondern als provozierend. Wir übersetzen das Grinsen mit: "Es ist mir völlig egal was Du sagst!" Das stimmt in den meisten Fällen nicht, denn die Botschaft lautet: "Oh, tut mir leid, sei bitte nicht ärgerlich". Lächeln hat zudem eine aggressionshemmende Wirkung - schließlich lächeln wir normalerweise auch selbst, wenn wir uns bei anderen entschuldigen. Versuch doch mal das nächste Mal auf ein vermeintlich freches Grinsen mit "Oh, ich sehe, es tut Dir leid" zu reagieren und schau, was passiert.

Wichtig ist, sich immer in Erinnerung zu rufen, dass ein bewusstes Provozieren erst dann möglich ist, wenn das Kind über ausreichend Empathie verfügt. Um jemanden absichtlich ärgerlich zu machen, muss man sich in seine Gedanken- und Gefühlswelt einfühlen können. - das ist (entwicklungsabhängig) erst mit etwa drei bis sechs Jahren der Fall. Bei kleineren Kindern zwischen einem und vier Jahren kann man also fast immer von einer Beschwichtigungsgeste ausgehen, wenn sie einen (vermeintlich) frech anlachen.

Vorsätzliche Provokation ist eigentlich nicht im Verhaltensrepertoire von Kindern vorgesehen. Es ergibt nämlich evolutionsbiologisch gesehen keinen Sinn, dass sich Kinder gegen ihre Eltern grundlos auflehnen. Für Kinder ist es nicht sinnvoll, durch unangemessenes Verhalten diejenigen zu verärgern, die für ihr Überleben sorgten. Schließlich bestand die Gefahr, dass sich die Eltern dadurch mehr einem der (damals noch zahlreichen) anderen Geschwister zuwendet und das Kind bei der Ressourcenzuteilung benachteiligt wurde. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, unkooperativ zu sein und Konflikte grundlos zu provozieren.

Sollte das Kind also grinsen oder lachen, um tatsächlich zu provozieren, dann sollten wir überlegen, warum es das tut. Möglicherweise ist sein Aufmerksamkeitsspeicher leer und es braucht eine extra Portion Zuwendung und findet keinen anderen Weg, dieses Bedürfnis auszudrücken. Manchmal sind Kinder dann in dieser Provokation gefangen und wissen keinen anderen Ausweg, als weiter zu machen. Versucht in diesem Fall mal, Euer Kind einfach fest in den Arm zu nehmen, um die Situation zu lösen.

© Danielle
 


Quellen 


http://www.zeit.de/1965/38/aus-beissen-wurde-laecheln

Künkel, Almuth, Kinder- und Jugendpsychologie in der zahnärztlichen Praxis

Rost, Wolfgang, Emotionen: Elixiere des Lebens

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    ihr kommt meinem Wunsch nach einer Wunschkind-App immer näher ;o)
    Heute Morgen das absolute Chaos bei uns, Mama und Papa total genervt und unausgeglichen und das große Kind (4,5 Jahre) immer wieder am Grinsen. Und wir verstehen es einfach nicht und werden immer genervter/wütender *Hand vorn Kopf*
    Im Auto hab ich dann schon drüber nachgedacht und mir ist ein Licht aufgegangen, dass das nur der Versuch von meinem Sohn war, uns zum Lachen zu bringen. Und dann guck ich kurz auf eure Seite und da lacht mich dieser Artikel an...
    Der Plan ist jetzt einfach mal mehr miteinander lachen :o)

    Danke und alles Liebe ♥
    Nadine

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    1. Liebe Nadine,

      danke für Deinen Kommentar (und Deine Unterstützung ;-) - ich finde es bemerkenswert, dass Du den Schluss schon für Dich selbst gezogen hast. Der Plan, mehr zu lachen, ist definitiv umsetzenswert.

      Ganz liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Vielen Dank für das Kompliment :o)
      Ich habe in euch aber auch gute Lehrmeister bzw. Augenöffner gefunden :o) Ich merk auch, dass sich meine Sichtweise auf bestimmte Situationen wahnsinnig geändert hat. Nun arbeite ich daran, dass mir das auch in den Situationen einfällt und nicht erst hinterher ;o)

      Von daher vielen lieben Dank an euch für all die Arbeit, die ihr euch mit dem Blog macht!
      Alles Liebe ♥
      Nadine

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  2. Das ist ja mal super interessant. Danke!

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  3. Gestern sag ich noch zu meiner Freundin, dass es zur Zeit furchtbar sei: die Kleine grinst einen breit an und rennt dann auf die Straße... Und heute kommt der passende Blogeintrag: Danke!
    Und was mach ich jetzt? Sie scheint ja zu wissen, dass ich nicht will, dass sie auf die Straße läuft... macht es trotzdem. An die Hand nehmen geht zur Zeit nicht. An der Kapuze festhalten mache ich notfalls, toleriert sie auch nicht. Und ständig auf den Arm nehmen will ich auch nicht....

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    1. Liebe Kerstin,

      das vorher Grinsen könnte man schon eher als Provokation werten. Ich vermute, dass er Deine Reaktion außergewöhnlich interessant findet - die meisten Eltern reagieren in Gefahrensituationen sehr emotional. Es macht ihm also vermutlich nicht unbedingt Spaß, auf die Straße zu rennen, sondern zu schauen, was Du tust.

      Wie alt ist sie denn? Bei einigen Kindern bringt es Erfolg, mal mit einem Auto über eine Paprika zu fahren - so sehen sie hautnah, warum sie nicht auf die Straße sollen. Mit der Einsicht steigt meist die Kooperationsbereitschaft. Bis dahin hilft leider wirklich nur Festhalten - möglicherweise auch so eine Rucksackleine. Und ansonsten laut und klar: "Stop!" sagen und nicht allzu emotional werden.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Hallo liebe Danielle,
      danke für die Antwort. Sie ist 17 Monate alt - zu jung für das Paprikaexperiment.
      Wie ich reagiere bisher ist: Stop sagen, sie zurückholen, an den Bordstein stellen, ihr die Grenze zeigen und sagen "Das ist die Grenze und ich möchte nicht, dass du da drüber gehst". Das in einem sehr bestimmten aber jetzt nicht irgendwie hysterischem Tonfall. Sondern klar und deutlich.
      Unsere Große hat mitlerlebt (zum Glück nicht gesehen) dass unser einer Kater angefahren wurde und tot war. Das hat ihr nachhaltig den Respekt vor den Straßen beigebracht. Aber da war sie schon älter (3?).
      Gruß
      Kerstin

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    3. Liebe Kerstin,

      sie ist wirklich noch sehr, sehr jung - da kann sie kaum aus Einsicht handeln. Mach weiter, wie bisher - das klingt wirklich gut. Das ist auch eine Situation, wo wir als Eltern einfach eingreifen MÜSSEN - und diese Grenze klar definieren müssen. Da würde ich auch nicht diskutieren und tatsächlich auch "drohen". Wir hatten damals kurz so ein Laufgeschirr, das fand er so doof, dass er dann wirklich stehen blieb. Ich habe das natürlich nicht als Strafe, sondern als Schutzmaßnahme deklariert. Harmloser sind diese Rucksackleinen (wie sowas hier http://www.amazon.de/gp/product/B001AXAD3K/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B001AXAD3K&linkCode=as2&tag=httpgewuensch-21) - die mögen sogar viele Kinder. Wenn sie dann stehen bleibt, sollte man das auch immer positiv wahrnehmen.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  4. Hallo Danielle,
    vielen Dank für deine Arbeit hier und die tolle Beitragsreihe zum Thema Kooperation. Ich beschäftige mich gerade gedanklich viel damit, mein Kleiner ist 2,5. Ich bin der Auffassung, dass Kinder immer in Beziehung mit uns sein wollen, sie also nichts bewusst machen, um uns damit zu verärgern. Das würde für mich keinen Sinn machen und wenn ich den Charakter von meinem Sohn betrachte schon gleich gar nicht :-)
    Aber warum er manche Dinge macht, frage ich mich und komme auf keine Lösung.
    Zur Zeit spucken. Ich hab keine Idee, warum er spuckt. Ist das lustig? Sind unsere Reaktionen lustig? Interessant? Aber er merkt doch, das wie verärgert sind? Ich glaube nicht, dass er uns verärgern will... Aber warum kommt es dann zu diesen Lächeln, wenn ich ihm sage, ich will das nicht und er rennt zu meinem Bett und spuckt mehrmals drauf? Ich glaube, ich könnte das gut aussitzen und gelassen nehmen, ich persönlich finde dieses trotz Ärger weiter machen irgendwie befremdlich. Wenn ich alleine mit ihm bin, sage ich, ich mag das nicht, wenn er spucken will, dann doch bitte in die Badewanne, da stört es keinen. Damit hat sich das dann auch.
    Aber heute waren wir zu dritt zu Hause und meinen Freund stört es sehr. Das verstehe ich auch... Er kann also nicht gelassen bleiben und der Sohni scheint dann immer mehr zu spucken... (Blöderweise hat mein Freund auch auf sein "Guck mal, ich Habs wieder runter geschluckt eher mit Grimmigkeit und Vorwurf reagiert. Das habe ich als Kooperation und Entschuldigung aufgefasst und hätte mich fröhlich drüber gefreut..., aber das konnte mein Freund wohl so nicht...)
    Naja, kannst du mir Denkanstöße geben, was da in dem Kleinen vorgehen könnte? Oder auch allgemeiner: das Kind merkt, dass wir verärgert sind und macht noch toller weiter... Ist das irgendein Spiegelding? Lohnt dazu vielleicht ein eigner Artikel ;-)
    LG,
    Jellicle.

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    1. Liebe Jellicle, ich antworte mal, obwohl ich nicht Danielle bin, sondern Snowqueen. Aber ich habe die Artikelreihe zur Kooperation geschrieben und auch den Artikel zum Spucken.

      Es ist ein bisschen kompliziert, aber ich versuche es mal. Also. Mit 2,5 Jahren ist dein Sohn rein kognitiv noch nicht in der Lage, deinen Blickwinkel einzunehmen. Also, er sieht zwar, dass das Spucken in dir Emotionen hervorruft, aber er kann diese Emotionen nicht nachfühlen und versteht demnach nicht, wie unangenehm sein Verhalten für dich ist. Weil das Verhalten für IHN nicht unangenehm ist. DEINE Gefühle fühlt er noch nicht.

      Zum Zweiten ist er in diesem Alter auch noch nicht in der Lage, Gefühle bei anderen korrekt abzulesen und zu entschlüsseln. Er sieht also, dass du eine Emotion hast, wenn er spuckt, aber es ist ihm nicht klar, dass das eine "schlechte" Emotion ist und der Ärger auf ihn gerichtet ist! Ihm fehlen dafür wichtige Verbindungen im Hirn, die erst nach und nach gebildet werden.

      Weil er nicht versteht, dass ihr wegen des Spuckens wütend auf ihn seid, ist das Ganze eher ein interessantes Spiel für ihn. Er spuckt und guckt, was mit euch passiert. Ihr werdet laut und schimpft mit ihm - das stört ihn aber nicht sonderlich, weil er ja nicht versteht, dass er "schuld" ist für dieses Schimpfen und ausdrücken soll, dass er damit aufhören soll. Ihr könnt so sauer werden, wie ihr wollt - es kommt bei ihm nicht an, weil die Voraussetzungen im Gehirn noch fehlen. Aber er ist ja jetzt in dem Alter, wo er lernt, Gefühle bei anderen zu erkennen, das heißt, für ihn ist diese Situation eher toll und spannend. Er will das immer wieder erleben, weil er dabei eure Gefühle sieht -er weiß noch nicht, welche Gefühle das sind und das Wut nicht schön ist, aber das wird er in den nächsten 2 Jahren lernen. Bis dahin wird er mit euch immer wieder Situationen suchen, in denen ihr spannende Gefühle zeigt. Ihr seid sein Experiment.

      Nach und nach, ab etwa 4 Jahren, wird er dann auch merken, dass ihr mit ihm sauer seid und er wird auch eure Gefühle nachfühlen können. Ab diesem Meilenstein wird er auch anfangen, Dinge bewusst falsch zu machen, um euch zu ärgern. Aber eben erst ab dann. Im Moment geht es ihm nur darum, zu lernen, Gefühle zu erkennen, abzulesen und zu entschlüsseln. Ihr könnt also weiterhin sauer oder angeekelt sein, wenn er spuckt, aber es bringt nichts, ihn auszuschimpfen oder zu erwarten, dass er wegen der Wut und des Ekels mit dem Spucken aufhört. Dazu ist er wirklich rein kognitiv noch nicht in der Lage. Er kann vielleicht damit aufhören, wenn ihr aufhört, starke Gefühle deswegen zu zeigen, weil es für ihn dann langweilig wird (er lernt ja dann keine Gefühle mehr kennen). Dann wird er sich jedoch ein neues Gebiet suchen, wegen dem ihr emotional reagiert.

      Und ja: sein "Guck mal, habs wieder runtergeschluckt..." war Kooperation und hätte positiv rückgemeldet werden müssen.

      Liebe Grüße, Snowqueen

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    2. Hallo Snowqueen,
      danke für deine ausführliche Antwort! Ja, also gelassen bleiben, oder? Das machen ich ja aich, wenn wir alleine sind und da hab ich dann das Problem auch nicht... Mal gucken, ob ich das irgendwie hinbekomme, das irgendwie zu leiten, wenn wir zu dritt sind oder noch schlimmer, Besuch da ist... gesellschaftlich anerkannt ist spucken ja leider nicht ;-)
      Und es gibt nen Artikel von euch zum spucken? Da muss ich gleich nochmal schauen...
      LG, Jellicle.

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    3. Hallo Snowqueen,
      danke für deine ausführliche Antwort! Ja, also gelassen bleiben, oder? Das machen ich ja aich, wenn wir alleine sind und da hab ich dann das Problem auch nicht... Mal gucken, ob ich das irgendwie hinbekomme, das irgendwie zu leiten, wenn wir zu dritt sind oder noch schlimmer, Besuch da ist... gesellschaftlich anerkannt ist spucken ja leider nicht ;-)
      Und es gibt nen Artikel von euch zum spucken? Da muss ich gleich nochmal schauen...
      LG, Jellicle.

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  5. Ich hab in diesem Zusammenhang vom "Mona Lisa Lächeln" gelesen und es selbst für mich relativ oft als zutreffender empfunden als die "es tut mir leid"-Theorie. Provokation wird ja auch sehr negativ belegt als Wort ... das "Mona Lisa Lächeln" soll nach Steve Biddulph die These vertreten "negative Aufmerksamkeit ist besser als gar keine Aufmerksamkeit". Das Kind weiß also gerade keinen anderen Weg um uns zu sagen "mir fehlt etwas, schau mal hin, hör mir zu, gib mir was ich brauche". Wie gesagt ... bei uns daheim hab ich das schon oft als zutreffend erlebt und auch mit diesem Wissen im Kopf fällt es leichter nicht sauer zu sein als Elternteil.

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    1. Liebe Jenny, du hast recht, dieser Aspekt fehlt momentan im Artikel. Eigentlich war er ursprünglich im Text enthalten - ich frage mich gerade, wohin der Absatz verschwunden ist. Wir haben das Blogdesign umgestellt, seitdem sind einige Artikel durcheinander. Danke, dass du uns darauf aufmerksam gemacht hast. Bei Kindern, die schon einen Perspektivenwechsel einnehmen können, bedeutet das freche Grinsen eher: "Ich weiß, dass ich dich gerade ärgere und wütend mache. Ich habe auch ein wenig Angst vor deiner Reaktion. Aber es ist mir wichtig, dass du mich richtig ansiehst und mir richtig zuhörst, deshalb mache ich mit der Provokation weiter, auch, wenn das negative Folgen für mich hat."
      LG, snowqueen

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