Anzeige

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) mit Kindern

Zu Beginn eines Kommunikations-Seminars werden zwei Gruppen gebildet und räumlich getrennt. Beide Gruppen sollen die folgende Aufgabe erfüllen:
"Sie kommen nach Hause. Vor dem Eingang des Hauses liegt weit zerstreut der Inhalt einer Mülltüte, was sie sehr verärgert. Sie treffen den vermeintlichen Verursacher und fordern ihn zur Beseitigung des Chaos auf. Dieser erklärt, gerade keine Zeit zu haben und das später erledigen zu wollen. Sie erwarten Besuch und möchten, dass der Schmutz sofort beseitigt wird. Es kommt zu einem Konfliktgespräch. Entwickeln sie einen realistischen Dialog zur Problemlösung zwischen den zwei Gesprächsteilnehmern".
In einem winzigen Detail unterscheiden sich die Aufgaben jedoch, ohne dass die Teilnehmer dies wissen. Die eine Gruppe soll davon ausgehen, dass es sich bei dem Verursacher für das Chaos um das eigene Kind handelt, die andere entwickelt den fiktiven Dialog in der Annahme, dass der sonst sehr freundliche Nachbar dafür verantwortlich ist. Beide Gruppen treffen danach wieder zusammen und präsentieren ihre Ergebnisse.

traurige Augen eines KindesIhr könnt Euch sicher vorstellen, dass die Dialoge der Gruppen sehr unterschiedlich aussehen. Marshall B. Rosenberg, der Entwickler des Konzeptes der gewaltfreien Kommunikation (GFK) hat dieses kleine Experiment ganz häufig in seinen Seminaren durchgeführt - die Reaktionen der Teilnehmer waren immer ähnlich. Es gab Erstaunen bei denjenigen, die das Kind für den Verschmutzer hielten, darüber, wie respektvoll und lösungsorientiert die andere Gruppe die Konfliktlösung beschrieben hat. Verwunderung gab es auch bei der anderen Gruppe, diese allerdings empfand das von den anderen Teilnehmern beschriebene Gespräch fast immer vorwurfsvoll und respektlos, da sie ja eigentlich davon ausging, dass es sich um ein Gespräch mit einem Nachbarn handelt. Die Erkenntnis, dass wir mit unseren Kindern ganz anders reden, als mit Erwachsenen wird niemanden wirklich überraschen. Dass dies jedoch die Ursache für viele familiäre Konflikte sein kann, ist nur wenigen bewusst.

Wir gehen - sehr häufig irrtümlich - davon aus, dass Konflikte mit Kindern stets rein inhaltlicher Natur sind. Sagen wir genervt: "Wie sieht es hier denn schon wieder aus? Du verbreitest ständig Chaos. Räume doch endlich mal dein Zimmer auf!" und uns schallt ein empörtes "Nö, ich habe aber keine Lust!" entgegen, kommt uns oft gar nicht in den Sinn, dass unsere Kommunikation vielleicht erst der Auslöser für das kindliche Nein war. Vielleicht hätte das Kind tatsächlich aufgeräumt - wenn wir es denn höflich und gewaltfrei gefragt hätten.

Wo die Gewalt in unserer Kommunikation war? Nun - allein das "schon wieder" impliziert beim Kind, dass es quasi ständig ein unordentliches Zimmer hat, was uns ständig stört. "Ständig Chaos" ist eine Verurteilung. Und "endlich mal" signalisiert, dass das Kind das schon längst hätte tun können und sollen - es ist also in unseren Augen scheinbar rundum fehlerhaft. Das Kind fühlt sich dadurch angegriffen und nimmt sofort eine Abwehrhaltung ein. Es geht dabei also gar nicht unbedingt ums Aufräumen, sondern eher um das diffuse Gefühl, nicht wertgeschätzt, verurteilt und bevormundet zu werden.

Gewaltfreie Kommunikation kann uns helfen, unsere Anliegen so zu formulieren, dass sich niemand verletzt oder angegriffen fühlt und auf sachlicher Ebene eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Problemlösung gefunden werden kann. Ich kann jedem nur ans Herz legen, es einfach mal auszuprobieren!
Wenn man sich so im Internet umschaut, findet man ziemlich viele, zum Teil auch sehr ausführliche Abhandlungen zur GFK, die jedoch so viele Details und zum Teil auch sehr wirr spirituelle Elemente enthalten, dass man teilweise leider eher abgeschreckt wird, sich näher damit zu befassen. Dabei ist sie im Grunde gar nicht so schwierig zu erlernen.

Bild Buch "Gewaltfreie Kommunikation"Ich hatte mir vor einiger Zeit das Buch "Gewaltfreie Kommunikation" von Marshall B. Rosenberg aus der Bücherei aus. Leider fand ich nicht so recht ins Buch - die Sprache war schon sehr speziell und die Abstraktheit des Themas überforderte mich etwas, so dass ich nicht über ein paar Seiten hinaus kam. Nachdem mir jedoch eine Freundin "Kinder einfühlend ins Leben begleiten - Elternschaft im Licht der Gewaltfreien Kommunikation" schenkte - mit 24 Seiten Inhalt (netto) sehr schön kompakt - habe ich mich dann doch noch mal umfassender mit dem Thema auseinandergesetzt. 

Ich will in diesem Artikel möglichst kompakt das Wesentliche zur "GFK" zusammenzufassen, damit ihr die wichtigsten Grundlagen habt, um es einfach mal zu versuchen - unser Familienleben wurde durch gewaltfreie Kommunikation definitiv sehr positiv beeinflusst. 

Das Überdenken der inneren Einstellung


Der Weg zu einer gewaltfreien Kommunikation beginnt oft mit einer großen Hürde: dem Überdenken der inneren Einstellung. Wir müssen uns klar darüber werden, was uns für unsere Kinder und unser Zusammenleben mit ihnen wichtig ist, was wir uns für sie wünschen und wie wir das erreichen. 

Wem der Gedanke, dass man mit Kindern grundsätzlich gleichwertig umgehen sollte, nicht fremd ist, der kann getrost ab der Überschrift "Wie praktiziert man gewaltfreie Kommunikation?" weiter lesen. Für diejenigen, die unseren Blog noch nicht kennen und über Google oder Facebook hergefunden haben, möchte ich vorab kurz auf die innere Einstellung zu unseren Kinder eingehen.
Grundlage der gewaltfreien Kommunikation ist nämlich, den Wunsch aufgeben, einen anderen dazu zu bringen, etwas zu tun, was wir von ihm möchten. Wir werden uns vielmehr darauf konzentrieren,  in Konfliktsituationen Bedürfnisse zu formulieren und um ihre Erfüllung zu bitten. 

Um Missverständnissen an der Stelle vorzubeugen: das heißt nicht, dass wir künftig - bspw. wenn unser Kind auf eine stark befahrene Straße zurennt - freundlich säuselnd rufen: "Noah, ich möchte gerne, dass Du nicht überfahren wirst und bitte Dich daher herzlich, doch stehen zu bleiben, Schatz!" 

Eltern sind in manchen Situationen gezwungen, spontan ihre elterliche Macht umgehend auszuüben, um die Gesundheit des Kindes (oder anderer) oder Eigentum zu schützen. In diesen Fällen muss nicht viel vorher pädagogisch wertvoll kommuniziert werden. Haut die zweijährige Mia dem gleichaltrigen Leo den Eimer über den Kopf, muss eingegriffen werden.  Ebenso, wenn der Wagen des Nachbarn als Grundlage dienen, ein kreatives Kratzbild zu fertigen. Dann wird erst mal gehandelt - auch gegen den Willen des Kindes - aber hinterher kann man durchaus mit gewaltfreier Kommunikation die Situation auswerten. 

Der allgemeine Erziehungsbegriff


Um den Ansatz der gewaltfreien Kommunikation zu verinnerlichen, ist es hilfreich, sich zunächst bewusst zu machen, warum es überhaupt zu Konflikten in der Erziehung kommt. Was versteht man denn unter "Erziehung" überhaupt? Wikipedia sagt dazu:
"Unter Erziehung versteht man die von Erziehungsnormen geleitete Einübung von Kindern und Jugendlichen in diejenigen körperlichen, emotionalen, charakterlichen, sozialen, intellektuellen und lebenspraktischen Kompetenzen, die in einer gegebenen Kultur bei allen Menschen vorausgesetzt werden."
Inwieweit sich körperliche, charakterliche und intellektuelle Kompetenzen tatsächlich "einüben" lassen, sei mal dahingestellt, im Kern trifft die Definition ungefähr das, was die Mehrheit der Eltern auf eine solche Frage antworten würden. Sie würden es vielleicht etwas einfacher zusammenfassen mit "Erziehung bedeutet, dass ich meinem Kind alles beibringe, das es benötigt, um das Leben glücklich und erfolgreich zu meistern". 

Kinder sollen quasi "lernen", sich so zu verhalten, dass sie sich ohne Probleme innerhalb einer Gemeinschaft bewegen können, so dass sie von anderen gemocht und akzeptiert werden und ein zufriedenes Leben führen können. 

Bedürfnisse und Konflikte im Familienleben


Unser langfristiges Ziel ist also, unsere Kinder durch unsere Erziehung bestmöglich auf das Leben vorzubereiten. Ein etwas kurzfristigeres Ziel ist es für jeden, möglichst harmonisch zusammenzuleben. Das funktioniert in der Regel dann am besten, wenn die Bedürfnisse aller Familienmitglieder ernst genommen und berücksichtigt werden. Zu Konflikten kommt es vornehmlich dann, wenn einzelne Bedürfnisse miteinander kollidieren. Wenn das Kind zum Beispiel gerne etwas vorgelesen bekommen möchte, während die Mutter das Abendessen kochen muss. Oder wenn das Kind gerade vertieft spielt, der Vater es aber in die Kita bringen will. Oder der kleine Bruder unbedingt auch das Spielzeug haben muss, mit dem gerade das große Geschwisterchen spielt...

Die gewaltfreie Kommunikation soll helfen, bei solchen Konflikten unsere Bedürfnisse so zu vermitteln, dass niemand verletzt und gekränkt wird. Dabei soll ohne Vorwürfe und Wertung eine gemeinsame Lösung gefunden werden, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Es geht darum, sich liebevoll, partnerschaftlich und mit Wertschätzung, Respekt und Mitgefühl auszutauschen. 

Auf welchen Annahmen basiert gewaltfreie Kommunikation?


Die obenstehende Definition des Erziehungsbegriffes zeigt, dass leider die meisten davon ausgehen, dass ihre Kinder als "unvollkommene Wesen" zur Welt kommen, die sie aktiv formen müssen, damit sie im Leben zurecht kommen. Bei der gewaltfreien Kommunikation wird von einem anderen Menschenbild ausgegangen, nämlich dass Kinder von Grund auf gut und kooperativ sind und von Natur aus ein Interesse daran haben, sich gewinnbringend in eine Gemeinschaft einzubringen und Rücksicht auf die Bedürfnisse aller zu nehmen.

Diese alternative Sicht auf das Kind ruft bei den meisten nur Kopfschütteln hervor, da ihr Umfeld voll von Warnungen vor Tyrannen und sich eben nicht kooperativ verhaltenden Kindern ist. Rufe nach festen Grenzen und mehr Konsequenz(en) werden laut, bei trotzigen Kleinkindern wird oftmals sofort ein Erziehungsversagen vermutet und konsequentes Eingreifen gefordert. Dabei ist unangemessenes Verhalten häufig vielmehr der Ausdruck der Frustration über die nicht gewürdigte Kooperationsbereitschaft unserer Kinder.

Dass diese grundsätzlich vorhanden ist, hat evolutionäre Gründe. Jahrtausende lang war das Leben ein Kampf ums Überleben, Ressourcen waren knapp. Da galt es in der Gemeinschaft den anderen zur Seite zu stehen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass es ein Dach über dem Kopf und genügend Nahrung für alle gab. Das Ganze versprach umso erfolgreicher zu sein, je mehr man sich aufeinander verlassen konnte und einander half. Kinder haben zwar untereinander konkurriert (weswegen auch heute häufig noch Eifersucht zwischen Geschwistern besteht), aber in Bezug auf ihre Eltern war es für Kinder wenig sinnvoll, durch unangemessenes Verhalten diejenigen zu verärgern, die für ihr Überleben sorgten. Schließlich bestand die Gefahr, dass sich die Eltern dadurch mehr einem der (zahlreichen) anderen Geschwister zuwendet und das Kind bei der Ressourcenzuteilung benachteiligt wurde. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, unkooperativ zu sein und Konflikte zu provozieren.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder tatsächlich überaus kooperativ sind, wenn sie das Gefühl haben, ernst genommen zu werden und viel selbst entscheiden zu dürfen. Kommuniziert man empathisch mit ihnen, fühlen sie sich wertgeschätzt und übernehmen diese Art, sich auszutauschen. Wenn man nachvollzieht, wie sich jemand fühlt, kann man auch dessen Bedürfnisse verstehen. Werden die eigenen Bedürfnisse ernst genommen und berücksichtig, ist man selbst viel eher bereit, die der anderen auch zu erfüllen.

Diese Bereitschaft ist jedoch maßgeblich beeinflusst von dem Gefühl, frei in der Entscheidung zu sein. Je mehr Druck aufgebaut wird, desto mehr Widerstand entwickelt sich. Du kennst das sicher von Deinen Kindern - wenn Du sie aufforderst jetzt sofort etwas zu tun, wird das nicht selten verweigert. Meist nicht einmal deshalb, weil sie nicht tun wollen, was Du verlangst, sondern weil sie sich bevormundet fühlen und selbst darüber entscheiden möchten, ob und vor allem wann sie etwas tun. Meine Erfahrung ist: Lasse ich die Wahl, über den Zeitpunkt einer Handlung zu entscheiden, sind meiner Chancen sehr viel höher, dass meiner Bitte nachgekommen wird, als wenn ich sofortiges Handeln einfordere.

Die gewaltfreie Kommunikation basiert hauptsächlich auf dem Konzept der Freiwilligkeit - ich bitte um die Erfüllung meines Bedürfnisses, nehme aber auch in Kauf, dass die Bitte nicht erfüllt wird. Wenn ich also eine Bitte formuliere, dann weiß ich vorher, dass ich ein "Nein!" akzeptiere. Wenn ich ein "Nein!" nicht akzeptieren werde, dann formuliere ich eine Forderung. Diese Differenzierung ist sehr wichtig - Ihr werdet vermutlich feststellen: Je mehr ihr bittet, desto weniger werden Eure Forderungen diskutiert. 

Wenn man genauer darüber nachdenkt, gibt es im Grunde nur sehr wenige Situationen, in denen ein "Nein!" zu unserer Bitte nicht akzeptabel scheint. Wenn wir uns von der Angst lösen, unsere Kinder zu verziehen, weil sie auch mal "Nein!" sagen dürfen, werden wir ziemlich sicher die Erfahrung machen, dass sie unser "Nein!" auch akzeptieren. 

Wie praktiziert man gewaltfreie Kommunikation? 


Die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation 


Figuren an einem TischBei der gewaltfreien Kommunikation geht es um einen liebevollen und partnerschaftlichen Umgang miteinander. Sie basiert zum einen auf dem Verstehen des Gegenübers und zum anderen auf dem Verstandenwerden. Gemeinsam sollen Wege gefunden werden, Konflikte zu lösen - ohne Machtausübung, ohne Vorwürfe und ganz ohne moralische Urteile. Grundlage der gewaltfreien Kommunikation ist Empathie - also die Fähigkeit die Gedanken, Gefühle und Beweggründe des Gesprächspartners zu verstehen.
Für die gewaltfreie Kommunikation ist es erforderlich, auch die Bedürfnisse des Anderen zu sehen und zu verstehen und auch die eigenen Bedürfnisse so zu formulieren, dass der Andere nicht eine Abwehrhaltung einnimmt und sich vielmehr für die Erfüllung des Bedürfnisses öffnet. Gewaltfreie Kommunikation heißt aber auch: Ich nehme in Kauf, dass mein Bedürfnis möglicherweise nicht erfüllt wird. 

Aller Anfang ist schwer


Die gewaltfreie Kommunikation zu erlernen ist anfangs relativ schwierig, weil sie sich doch sehr von der Art unterscheidet, wie wir es normalerweise gewohnt sind, zu kommunizieren. Es wird sich für die meisten seltsam fremd anfühlen und möglicherweise auch den Gegenüber verwirren. Einige sagen, dass es sich unnatürlich anfühlt, so zu reden, es sei irgendwie nicht "authentisch". Das ist aber nur deshalb so, weil wir es nicht gewohnt sind. Marshall B. Rosenberg zitiert dazu Gandhi mit:
"Verwechsle nicht das, was Gewohnheit ist, mit dem, was natürlich ist".
Unsere jetzige Kommunikation ist anerzogen und geprägt von der Erziehung unserer Eltern und Großeltern. Wenn wir Ärger verspüren, reagieren wir meist nur auf zwei verschiedene Arten Rückzug/Schweigen oder Angriff/Rechtfertigung. Ich erlebe das öfter selbst - wenn meine Tochter (5) nicht kooperiert, dann macht mich das hilflos und wütend. Mein erster Impuls ist, mich umzudrehen und zu gehen oder ihr Vorwürfe zu machen und zu drohen. Dass die Konflikte so nicht befriedigend gelöst werden können, ist verständlich. Daher bemühe ich mich, meine erlernten Verhaltensweise abzulegen und ungewohnte Wege zu beschreiten.
Viel "natürlicher" ist es nämlich, Dinge aus Spaß und Freude füreinander zu tun, als Strafen, Belohnungen und Schuld- oder Schamgefühle bewusst zu einzusetzen, um ein gewünschtes Verhalten zu erreichen. Wie bei allem anderen gilt auch für die gewaltfreie Kommunikation: Man gewöhnt sich schnell daran - irgendwann geht sie in Fleisch und Blut über. Je mehr man übt und sie anwendet, desto schneller wird es sich vollkommen natürlich anfühlen. 

Kooperation durch Bitten statt Vorwürfe und Androhung von Konsequenzen


Denkt man genauer darüber nach, dann stellt man fest, dass es im Grunde nur zwei mögliche Wege gibt, jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun oder zu lassen, wenn er das gerade eigentlich gar nicht möchte:

1. durch Zwang und Druck und die Androhung von Strafen und Konsequenzen oder

2. weil er sich bei der Abwägung der Vor- und Nachteile dazu entschließt, den Nachteil (gerade nicht wollen) in Kauf zu nehmen, weil der (zu erwartende) Vorteil überwiegt

Dass die ständige Ausübung der elterlichen Macht durch Strafen und Konsequenzen zu Frustration und damit zu einer konfliktbeladenen Abwehrhaltung führt, ist nachvollziehbar - ich hatte zu diesem Thema vor einer Weile einen ausführlichen Artikel geschrieben. Stell Dir bspw. vor, Dein Mann kommt nach Hause und sagt: "Ich habe Durst, bitte bring mir sofort ein Glas Wasser. Wenn Du das nicht machst, bringe ich nachher den Müll nicht raus. Und Deine Tasche steht hier im Weg - räum die mal bitte aus dem Weg, sonst schmeiß ich sie weg". Es fiele Dir sicher sehr schwer, da nicht ärgerlich zu sein.

Und unseren Kindern geht es ähnlich - sie möchten ebenso wenig herumkommandiert und bevormundet werden. Sie möchten ernst genommen und höflich gebeten werden. Wie wir auch - ein, wie ich finde, sehr nachvollziehbarer Wunsch. Daher sollte unser Augenmerk darauf liegen, eine freiwillige Kooperation zu erreichen - das Kind sollte das Gefühl haben: auch wenn ich gerade keine Lust habe - der zu erwartende Vorteil wenn ich kooperiere überwiegt, so dass ich jetzt eine Lösung suche. Und der Vorteil, der unsere Kinder (in der Regel) überzeugt ist der, dass sie genau das selbe wollen, wie wir auch: ein harmonisches Familienleben und andere, die ihre Bedürfnisse dann ebenso ernst nehmen. 

Die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation


Es gibt vier einfache Schritte, mit denen man ein Bedürfnis gewaltfrei kommunizieren kann: 

a) Beobachten


In einem ersten Schritt wird die Situation beobachtet und wertfrei beschrieben. Es ist von großer Bedeutung, dass lediglich ein Zustand beschrieben wird, der nicht bewertet wird.

In unserem Beispiel am Anfang des Artikels würde das bedeuten, dass eine Konfliktlösung mit GFK beginnt mit: 
"Ich sehe, dass Müll vor der Tür verstreut herum liegt."
Es kommt dabei darauf an, das wirklich neutral zu formulieren. Nicht neutral wäre "Ich sehe, dass Du den Müll verstreut hast" - das wäre ein Vorurteil. Selbst wenn die Vermutung nahe liegt, würde es sich um eine Vorverurteilung handeln. "Du" sollte grundsätzlich in diesem Schritt nicht verwendet werden - beschrieben wird stets, was ICH sehe - ohne Mutmaßungen über den Hergang oder den Grund anzustellen. 

b) Gefühl


In einem zweiten Schritt wird beschrieben, was diese Beobachtung emotional in uns auslöst: 
"Das ärgert mich sehr, denn ich mag es nicht, wenn Müll herum liegt."
Auch hier findet keine Verurteilung statt, wie z. B. "Es ärgert mich, wenn du den Müll herumliegen lässt". Der Fokus liegt allein darauf, was die Beobachtung in mir auslöst. 

c) Bedürfnis


Das beschriebene Gefühl wird ergänzt durch die Formulierung des eigenen Bedürfnisses. Dieser Schritt ist manchmal schwierig, weil es uns nicht leicht fällt, zu sagen, welches Bedürfnis wir konkret haben. In unserem Fall könnte es sein:
"Ich möchte gerne, dass es hier sauber aussieht."
  

d) Bitte


Abschließend wird durch eine Bitte beschrieben, wie das Bedürfnis erfüllt werden kann. Hier kann und soll das erste Mal das Wort "du" fallen. Die Bitte sollte sich möglichst konkret auf den aktuellen Zustand beziehen und möglichst positiv formuliert werden. Das heißt, dass gesagt werden soll, was man sich wünscht, nicht, was unterlassen werden soll:
"Ich möchte gerne, dass Du den Müll wegräumst."
Das grundsätzliche Wesen einer Bitte ist, dass diese mit "ja" oder "nein" beantwortet werden kann. Wie schon erwähnt, nimmt man bei der gewaltfreien Kommunikation in Kauf, dass die Antwort tatsächlich "Nein!" ist.

Diese vier Schritte fasst Rosenberg sehr kompakt zusammen mit:
"Wenn ich a) sehe, dann fühle ich b), weil ich c) brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d).“
Andere mögliche Formulierungen diese vier Schritte auszudrücken wären z. B:

1) "Wenn ich sehe/höre/daran denke/bemerke/erkenne...."

2) "....fühle ich mich/bin ich [traurig/ärgerlich/wütend/verärgert/verletzt]...."

3) "...weil mir wichtig ist/sehr daran liegt/ich es wichtig finde dass/ich XYZ brauche...."

4) "... daher hätte ich gerne, dass du/wärest Du bereit zu/wäre es für Dich in Ordnung wenn..."

In der Praxis könnte das dann so aussehen: 

"Ich sehe, dass Dein Zimmer unordentlich ist. Das ärgert mich sehr, denn ich mag es lieber, wenn aufgeräumt ist. Wärest Du bereit, etwas Ordnung zu schaffen?"

"Ich sehe, dass Du tief im Spiel vertieft und noch nicht angezogen bist. Ich bin etwas ungeduldig, denn ich möchte sehr gerne pünktlich in die Kita kommen. Würdest Du Dich bitte anziehen?"

"Ich höre sehr lautes Geschrei. Das ist für meine Ohren sehr unangenehm. Ich hätte gerne etwas mehr Ruhe. Ist es für Dich in Ordnung, etwas leiser zu sein?"

Mutter wendet sich Kind liebevoll zu
Zur Erinnerung - wir formulieren Bitten nur dann, wenn wir ein "Nein!" akzeptieren. Wenn wir lernen, unsere Bedürfnisse zu kommunizieren, ohne den anderen dabei zu kritisieren, zu verurteilen oder zu verletzen, wird dieser nicht automatisch in eine beschützende Abwehrhaltung gehen. Wenn wir es schaffen, Bitten zu formulieren, die nicht fordernd oder drohend sind, wird unser Gegenüber eher kooperativ sein, als wenn wir vorwurfsvoll oder fordernd auftreten. Daher sollte die Kommunikation immer ICH-bezogen sein. "Ich sehe", "ich denke", "ich fühle".

Mir sollten uns auch nicht der Illusion hingeben, dass die gewaltfreie Kommunikation unsere Konflikte von heute auf morgen komplett beseitigt. So, wie wir erst lernen müssen, auf diese Art zu kommunizieren, muss unser Gesprächspartner erst erkennen, dass es uns ernst damit ist und er die Freiheit hat, "Nein" zu sagen. Wird ihm klar, dass wir ihm mit gewaltfreier Kommunikation eine hohe, bedingungslose Kooperationsbereitschaft signalisieren, wird er dies höchstwahrscheinlich zurück geben wollen. 

Einfühlend zuhören 


Viele Konfliktsituationen entstehen dadurch, dass jemand anderes in unserer Familie verärgert ist und uns das leider so gut wie nie "gewaltfrei" mitteilt. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich muss immer ganz schrecklich damit kämpfen, in solchen Situationen Ruhe zu bewahren und die Unmutsäußerungen nicht persönlich zu nehmen. Ich habe als Kind nicht gelernt, wie man vorwurfsfrei und nicht fordernd kommuniziert, daher lösen Konflikte in mir öfter widerstrebende Gefühle aus. Manchmal möchte ich mich beleidigt zurückziehen, dem anderen quasi durch Liebesentzug zeigen, wie sehr ich verletzt bin. Das ist ein von meinen Eltern erlerntes Verhalten - in meiner Kindheit war das ihr Mittel, mich zu bestrafen. 

Auch in solchen Situationen wirkt die gewaltfreie Kommunikation überraschend deeskalierend. Wenn unser Gegenüber merkt, dass wir ernsthaft an seinen Gefühlen interessiert sind und gewohnt ist, dass konstruktiv eine Lösung gesucht wird, wird sich die Situation schneller entspannen, als wenn mit Macht und Druck gearbeitet.

Auch hier können die vier Schritte in der selben Form angewendet werden: 

1) Beobachten


Beschreibe eine Wahrnehmung von der Du glaubst, dass sie der Auslöser ist. Überlege, was den anderen bewegt und was er beobachtet hat.
"Du hast gehört, dass ich dich aufgefordert habe, endlich zu kommen".

2) Gefühl


Versuche zu erfassen, was der andere fühlt:

"Darüber bist du sehr ärgerlich."

3) Bedürfnis


Signalisiere, dass Du verstehst, warum Dein Kind aufgebracht ist:

"Du möchtest viel lieber weiter spielen."

4) Stelle eine Vermutung an, was Dein Kind jetzt von Dir erwartet: 


"Du möchtest, dass ich noch etwas Geduld habe und Dich fertig spielen lasse".

Für unser Kind ist es unglaublich wichtig, das Gefühl zu haben, verstanden zu werden. Das klingt recht profan, ist aber wirklich essentiell. Wir überschätzen regelmäßig das Verständnis unserer Kinder, weil wir unseren eigenen Erfahrungshorizont ansetzen.
 

Warum Verständnis signalisieren so wichtig ist


Ich möchte das kurz ausführlicher erklären. Wir wissen bspw. sehr genau, was giftig ist und was nicht - für Kinder ist das ein schwieriger Lernprozess. Nimmt das Kind das erste mal eine rote Beere auf einem Spaziergang in die Hand und will sie in den Mund stecken, sagen wir "nein" und nehmen ggf. die Beere weg. Das Kind versteht recht schnell: "Diese eine Beere soll ich nicht essen". Warum das so ist, kann es nicht erfassen. Anfangs auch nicht, was überhaupt das Problem ist. Die Beere anzufassen? Sie zu essen? Wir werden ihm erklären, dass es "gefährlich" ist - das ist für Kinder jedoch sehr abstrakt. Es versteht in dem Moment nur: "Mama will nicht, dass ich diese (eine) Beere esse". 

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es irgendwann eine weitere rote Beere probieren wollen - es könnte ja sein, dass das "nein" nur für die eine Beere galt, für die anderen jedoch nicht. Es gibt wieder ein klares "nein". Für uns ist jetzt eigentlich klar: Das Baby müsste gelernt haben: Beeren = nein. Das Kind hat tatsächlich gelernt: Diese eine und auch die andere Beere nicht. Findet es eine schwarze Beere, wird es die essen wollen - denn schließlich weiß es noch nicht, wofür unser Verbot genau gilt. Es muss sich herantasten. Gilt es für rote Beeren? Für rote und schwarze Beeren? Für alle Beeren? Für gelbe vielleicht nicht? Wir sind entnervt und gehen davon aus, dass unser Kind eigentlich wissen müsste, was wir von ihm wollen, dabei muss es erst aufwändig alle Informationen ordnen und kategorisieren.

So kommt es immer und immer wieder zu Situationen, in denen Kinder das Gefühl haben: "Herrje, Mama versteht mich gar nicht!" Und das löst vor allem in der Autonomiephase, in der Kinder ihre Emotionen noch relativ schlecht regulieren können, viele Wutanfälle aus. Das signalisieren von Verständnis und Verstanden haben kann die wogen schnell glätten - die sogenannte Karp-Methode - ist die einfachste frühe Form der gewaltfreien Kommunikation.

Während bei sehr kleinen Kindern (etwa in den ersten zwei Jahren) das Ablenken im Anschluss an die Beschreibung der Gefühle noch recht gut funktioniert, ist das mit älteren Kindern etwas schwieriger. Sie können schon recht gut kommunizieren und fordern das auch ein. Hier bietet die gewaltfreie Kommunikation dann die Möglichkeit, sanft die eigenen Bedürfnisse zu formulieren und auf Kooperation zu hoffen.

© Danielle 

Quellen


Dieser Artikel basiert auf der Broschüre "Kinder einfühlend ins Leben begleiten" und dem Buch "Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens" von Marshall B. Rosenberg.


Es gibt noch weitere empfehlenswerte Bücher zur gewaltfreien Kommunikation, z. B. - Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt: Vier Schritte zu einer einfühlsamen Kommunikation oder Gewaltfreie Kommunikation für Dummies.
Wenn Dir dieser Beitrag gefallen oder weitergeholfen hat und Du unsere Arbeit gerne unterstützen möchtest, kannst Du das über den folgenden Button bei Paypal tun:

Kommentare:

  1. wieder eine offenbarung. ich werd das erstmal an meinem ehemann probieren. ich bin wirklich . wow. danke.
    und irgendwie ist es auch unfassbar traurig, wie sehr wir uns die generationen zuvor völlig mis-erzogen worden :(

    AntwortenLöschen
  2. Es ist so schwer und mühselig, die eintrainierten Verhaltensweisen von Generationen, wieder abzulegen! Besonders wenn man im realen Leben damit ein Ausnahmeexemplar/Einzelkämpfer ist ...

    AntwortenLöschen
  3. Ich lese diesen Blog sehr gern und regelmäßig. Als meine Tochter (3) kürzlich zu mir sagte: "Du sollst mich tragen, sonst darfst du keinen Kakao mehr trinken!" war ich sehr erschrocken, denn offenbar hat mein ernsthafter Versuch, die Kinder NICHT mit "wenn...,dann..." zu erpressen, nur dazu geführt, dass ich jetzt mit "du sollst..., sonst..." kommuniziere - der Inhalt ist aber eigentlich gleich :(
    Es ist wirklich unglaublich schwer, sich von diesen Gewohnheiten zu lösen, selbst wenn man schon dafür sensibilisiert ist. Die Punkte in diesem Artikel hier sind daher mal wieder zur richtigen Zeit sehr hilfreich. Danke!

    AntwortenLöschen
  4. Vielen Dank für die wundervolle Zusammenfassung dieses Themas! Ich bin erstaunt und sooo dankbar dafür! Da ich selbst Schwierigkeiten damit habe, mein erlerntes Wissen so verständlich weiterzugeben, habe ich hier mit diesem Blog einen Weg gefunden, meinen Mann mit ins Boot zu holen. Danke ♡

    AntwortenLöschen
  5. Vielen Dank für Eure Kommentare - wir freuen uns wirklich immer sehr über so nettes Feedback!

    Herzliche Grüße
    Danielle

    AntwortenLöschen
  6. Viel Stoff, aber sehr interessant!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine Mutter hat mir auf meine "warum's" damals so gut wie nie eine Erklärung gegeben. Besonders in der Pubertät war es sehr verletzend für mich weil ich mich somit tatsächlich nicht verstanden fühlte; einfach kein feedback bekam. Mir ist auch klar was das heute bei mir anstellt. Ich wünsche mir von Herzen das ich es bei meinem Kind besser mache aber ich ertappe leider auch oft das es mir Misslingt. Schlechtes Gewissen und das Gefühl zu Versagen stellt sich ein. Ein grosses Danke für den Text. Denn ich konnte lesen das es nicht so abnorm ist und werde an diesem Thema dran bleiben..

      Löschen
  7. Hallo, ich habe gerade den super Artikel gelesen und er spricht mir sehr aus der Seele. Ich habe bei meinem Sohn versucht diesen Weg von Anfang an zu gehen (heute 4). Leider bin ich dadurch so manches mal angeeckt bei anderen und musste feststellen, das man dafür ein sehr dickes Fell braucht. So habe ich ihn, z.b. wenn er nicht am Tisch sitzen wollte zum Essen, laufen lassen. Er sollte uns nur eben essen lassen, weil wir hunger haben. Dafür gab es oft Kopf schütteln, ich sei nicht konsequent genug (ich mag dieses Wort nachwievor nicht). Ich habe anfangs nicht verstanden, warum das schlimm sei und mich dadurch irgendwie schlecht gefühlt. Mittlerweile sitzt er gerne mit uns am Tisch und bleibt auch sitzen, wenn er Lust dazu hat. Ich könnte noch dutzend andere Sachen aufzählen, die sich mit der Zeit dann ergeben haben. Da fand ich deinen Satz mit "spätestens, wenn sie ausgezogen sind, werden sie es schon können, machen etc." sehr einprägsam, da ich mir das auch immer als Leitsatz genommen habe. Ich hoffe es gibt in Zukunft immer mehr Familien die diesen Weg verfolgen.

    Eine Situation gibt es noch, wo jmd vielleicht Tipps für mich hat: Wir haben zum Beispiel auf dem Spielplatz manchmal die Konfliksituation das Junge A meinen Sohn mit Sand bewirft, oder irgendetwas ähnliches macht. Mein Sohn sagt dann klar und deutlich "Nein" und geht sogar ein Stück weg, aber der andere Junge hört erst auf, wenn seine Mutter einschreitet und laut und deutlich sagt, er soll aufhören. Ich bin dann immer unsicher, wie ich ihm diese Situation erklären soll, da es ja ungerecht ist, aber der andere Junge auch eigentlich nicht anders kann.

    Liebe Grüße :)

    AntwortenLöschen
  8. Irgendwie klingt das....naja....trotzalledem immernoch recht manipulativ. Gewaltfrei ...hmm...da muesste man erstmal definieren was Gewalt ist. Das Kind wird doch sicherlich die Bitten nicht ausschlagen, da sie ja die Gefuehle der bittenden Person nicht verletzen, bzw. die Liebe/Aufmerksamkeit/ Beachtung der Eltern nicht verlieren will. Oder sehe ich da etwas falsch? Neigen denn dann nicht genau diese Kinder im Erwachsenenalter dann dazu ausgenutzt zu werden, wenn dann auch so “gewaltfrei” kommuniziert wird? Ich bin leider skeptisch....vielleicht, da diese Kommunikationsweise doch recht spaerlich anzutreffen ist - gerade auch in der Erwachsenenwelt. Sehr viel political correctness schwingt hier mit, finde ich.
    Vielen Dank fuer Eure Beantwortung der Fragen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gewalt ist für mich, wenn ich meine Position ausnutze, um andere dazu zu bringen, das zu tun, was ich von ihnen möchte. Das gewaltfreie an der GFK ist, dass man die Option, dass der andere nicht tut, worum ich ihn bitte, offen lasse. Daher ist das für mich nicht manipulierend, sondern eine gleichwertige Kommunikationsform. Und doch - das Kind wird in nicht wenigen Fällen die Bitte eben doch ausschlagen - WENN man es denn wirklich ehrlich meint. Wenn man natürlich nur so tut, als habe das Kind eine Wahl, dann ist es tatsächlich manipulativ und nicht im Sinne des Gedankens der GFK.

      Das hat auch weniger mit political correctness zu tun, sondern mit einer Grundeinstellung. Ich übe mich ja nicht darin, damit die anderen mich anerkennen, sondern um meinen Kindern zu signalisieren, dass ich ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst nehme.

      Ich gebe Dir Recht, dass diese Art der Kommunikation nicht weit verbreitet ist. Was ich persönlich SEHR schade finde.

      Viele Grüße!
      Danielle

      Löschen
  9. "Du hast gehört, dass ich dich aufgefordert habe, endlich zu kommen".
    "Darüber bist du sehr ärgerlich."
    "Du möchtest viel lieber weiter spielen."
    "Du möchtest, dass ich noch etwas Geduld habe und Dich fertig spielen lasse".

    Bis dorthin kann ich folgen. Aber was ist nun, wenn wir zu dem Zeitpunkt nun wirklich los müssen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Normalerweise folgt dann eine Bitte - aber nur, wenn in "Nein!" als Antwort eine mögliche Option wäre. Das ist in diesem Beispiel offenbar nicht der Fall. Daher wird eine Aufforderung formuliert, die keine Ablehnung zulässt: "Ich möchte, dass du jetzt mitkommst!" Bei vielen Kindern ist es hilfreich, Alternativen anzubieten ("Soll ich dich tragen (natürlich nicht als Drohung ;-) oder möchtest Du selber gehen?" "Möchtest du die roten oder die grünen Schuhe anziehen"?). Das lenkt in vielen Fällen von der Abwehrhaltung ab.

      Die GFK ist keine Zaubersprache, durch die alles reibungslos funktioniert. Aber - konsequent angewandt - führt sie dazu, dass die Kooperationsbereitschaft steigt und den Kind klar wird, wann es Alternativen hat und wann nicht.

      Viele Grüße!
      Danielle

      Löschen
  10. Danke für deine Antwort.
    Hast du auch einen Tipp, wenn es selbst nach Alternativen und Ablenkung nicht klappt? (naürlich keine Bestechung ;))

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kennst Du unsere neue Artikelreihe zur Kooperation? Schau mal in den ersten Teil - der zweite wird Dir bei dieser Frage weiter helfen. Das Ganze ist so komplex, dass es immer ums Ganze geht und es keine universellen "Tricks" gibt :-).

      Liebe Grüße!
      Danielle

      Löschen
    2. Danke, ich freue mich schon.

      Löschen
  11. Was macht man wenn das Kind in der Steckdose rumstochert ? Da kann ich nicht höflich drum bitten das es aufhört.

    Wie reagiert man dann auf lebensbedrohliche Situationen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo,

      dazu hatte ich recht weit oben geschrieben:

      "Eltern sind in manchen Situationen gezwungen, spontan ihre elterliche Macht umgehend auszuüben, um die Gesundheit des Kindes (oder anderer) oder Eigentum zu schützen. In diesen Fällen muss nicht viel vorher pädagogisch wertvoll kommuniziert werden. Haut die zweijährige Mia dem gleichaltrigen Leo den Eimer über den Kopf, muss eingegriffen werden. Ebenso, wenn der Wagen des Nachbarn als Grundlage dienen, ein kreatives Kratzbild zu fertigen. Dann wird erst mal gehandelt - auch gegen den Willen des Kindes - aber hinterher kann man durchaus mit gewaltfreier Kommunikation die Situation auswerten."

      Viele Grüße!
      Danielle

      Löschen
  12. Und was macht man, wenn das Kind sich trotzdem nicht anziehen oder leiser sein möchte? Gerade wenn man pünktlich sein muss/möchte, kann man ja nicht darauf vertrauen, dass das Kind in diesem Moment kooperiert, da bleibt ja fast nur eine (nett formulierte) Förderung...? Was das leiser sein betrifft - gut, da kann man zur Not noch in ein anderes Zimmer gehen oder das Kind bitten (auffordern;), ins andere Zimmer zu gehen (oder wäre das bereits eine Strafe bzw. wenn...dann...-Situation?).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zunächst ist es wichtig, sich klar zu machen, dass es kein Allheilmittel gibt - es ist illusorisch zu hoffen, dass Kinder irgendwann oder irgendwie einfach immer tun, was man ihnen sagt.

      Aber: Langfristig kann man die Kooperationsbereitschaft deutlich erhöhen und Situationen, in denen sie sich verweigern, minimieren. Dazu sind gerade die ersten beiden Teile unserer Serie zur Kooperation erschienen - da ist das sehr umfangreich behandelt: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/09/mein-kind-kooperiert-nicht-warum-kinder-scheinbar-nicht-kooperieren-wollen-teil-1-der-serie.html

      Liebe Grüße!
      Danielle

      Löschen
  13. Danke für den interessanten Artikel!
    Ich habe gerade "Das kompetente Kind" von Jesper Juul gelesen.
    Dort empfiehlt er Kindern nicht ständig Fragen zu stellen, sondern die "persönliche Sprache" zu wenden.
    Also statt "Wäre es in Ordnung, wenn...?" ein klares "Ich will (nicht), dass...".
    Denkt ihr, beide Denkansätze lassen sich vereinen oder sind sie tatsächlich so gegensätzlich wie mir gerade erscheint?
    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Kathenya,

      ja, ich denke, das lässt sich gut vereinen. Man muss unterscheiden zwischen Situationen, in denen den Eltern wichtig ist, dass das Kind tut, was sie sagen und denjenigen, wo es ihnen egal ist.

      Das ist in diesem Artikel ja auch differenziert: Wenn ich dem Kind die Wahl lasse, dann bitte ich um etwas und es darf "Nein!" sagen. Wenn mir etwas wichtig ist, dann fordere ich auf und lasse ich keine Wahl. Und das ist auch das, was Juul meint: Wenn ich etwas wirklich durchsetzen will, dann sollte ich das nicht in eine Aufforderung verpacken, die den Anschein erweckt, dass das Kind eine Wahl hätte.

      Aber Juul sagt ja auch, dass wir Kindern gleichwürdig begegnen sollte - das schließt für mich gaz klar ein, dass ihm - wann immer möglich - auch die Wahl lässt.

      Liebe Grüße!
      Danielle

      Löschen
  14. Gewaltfreie Kommunikation ist ja noch viel mehr als das Formulieren einer Bitte. Es geht ganz stark darum, echte Ich-Botschaften zu formulieren. Das heisst, sich auch in "Führungspositionen"(sei das nun als Vorgesetzter oder als Eltern)als fühlendes und verletzliches Wesen zu offenbaren. Dies führt automatisch zu einer starken Verbindung zwischen zwei Menschen (Rosenberg nennt es auch die Verbindung zwischen den Herzen), da unsere Gefühle dasjenige sind, was alle Menschen gleich macht. Wir können sie intuitiv lesen und auch sehr kleine Kinder beginnen auf einmal sorgfältiger zu kommunizieren.(Unsere waren zu Beginn 2 und 4-jährig und die Veränderungen trotzdem deutlich spürbar.) Es kann eine wunderbare Erfahrung für die ganze Familie sein und ich persönlich bin sehr dankbar, dass ich im richtigen Moment mit GfK in Berührung gekommen bin. Wir wären ohne niemals die Familie, die wir jetzt sind.
    Ich möchte an dieser Stelle noch ein Buch empfehlen, das den Einstieg mit Kindern ungemein erleichtert. Es ist von einem Vater geschrieben, der sich zu Beginn gegen die Versuche seiner Frau, GfK in ihrer Familie anzuwenden, gestellt hat, und ob den eindrücklichen Veränderungen in der Familien-Athmosphäre dann doch neugierig geworden ist. Er hat dann Rosenbergs Buch zuerst heimlich gelesen, um den Gesichtsverlust vor seiner Frau zu vermeiden ;-). Heute gibt auch er Kurse und erarbeitet mit seiner Frau zusammen Programme für Kindergärten und Schulen. Das Buch ist so erfrischend ehrlich aus dem Alltag geschrieben und hat so nichts von dem "Holprigen", was GfK sonst oft hat. Und trotzdem, am Schluss der Lektüre hat man`s schon ziemlich gut drauf. Bei mir jedenfalls hats damit Klick gemacht:

    "Ich will verstehen, was du wirklich brauchst"
    Frank und Gundi Gaschler, Verlag Kösel

    Herzliche Grüsse
    Kleiner Prinz

    Ps. Auch ich freue mich auf jeden einzelnen neuen Artikel auf eurer so wertvollen Seite!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Kleiner Prinz,

      das Buch "Ich will verstehen, was du wirklich brauchst" habe ich gelesen. Ich liebe es! Danke, dass du unseren Lesern diese Empfehlung aufgeschrieben hast.

      Ich finde die gewaltfreie Kommunikation sehr wertvoll für meine Familie, muss aber sagen, dass sie mir im Alltag manchmal "wegrutscht" und ich dann doch in Wolfssprache auf meine Kinder einrede. Es geht mir nicht so leicht von den Lippen, wie ich das gerne hätte. Aber es ist gut, dass du mich mit deinem Kommentar heute noch mal darauf gebracht hast. Jetzt ist mir bewusst geworden, was mein im Moment sehr nörgelndes Fräulein Ordnung wirklich von mir braucht.
      Vielen Dank! snowqueen

      Löschen
    2. Das freut mich jetzt aber sehr! Ja, manchmal kommt irgend ein unscheinbarer Hinweis im richtigen Moment. Das geht mir oft so...

      Herzliche Grüsse
      Kleiner Prinz

      Löschen
  15. Hiiiiiilfe! Ich muss das dringend üben!
    Mein gestriger Tag: ich nahm meine Tochter ohne Buggy zum Musikunterricht. Das ist ein gemütlicher Spaziergang auf die andere Straßenseite. Nicht wirklich weit. Meine Tochter weigerte sich selber zu laufen und wollte ständig auf den Arm. Ich will aber das sie läuft. Sie ist 2,5 Jahre alt und sitzt dauernd im buggy. Wir brauchten für diese kurze Strecke tatsächlich 30min. Auf dem Rückweg wieder Theater. Dann zeigte ich ihr all die Menschen und Kinder und erklärte ihr, dass jeder laufen muss. Niemand wird immerzu getragen. Nur babys (da kam gerade eins vorbei). Dann fragte ich sie, ob sie ein baby sei? Nein! Ganz großer Einspruch unter Tränen ich bin kein baby mehr. Na also dann musst du auch laufen. Nur babys werden getragen. Dann sagte sie "na aber papa trägt mich immer. Bei ihm muss ich nie laufen. Nur bei dir." Bam!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Katrin, hast du unsere Kooperationsreihe gelesen? Die ist vielleicht interessant für dich. Ich hätte in deinem Beispiel, wie dein Mann auch, deine Kleine einfach getragen. Sie ist erst 2,5. Natürlich soll sie laufen und nicht so viel im Buggy fahren - darin stimme ich mit dir überein. Das heißt aber nicht, dass du wegen des Laufens mit ihr einen sinnlosen Konflikt starten musst.

      Sie hat ein Bedürfnis geäußert (vielleicht war es auch nur ein Wunsch), nämlich, dass sie auf deinen Arm möchte. Möglicherweise war sie geschafft vom Tag oder sie hatte ein Kuschelbedürfnis. Du wolltest gern, dass sie läuft und zwar nicht, weil du selber kaputt warst und sie kräftemäßig unmöglich noch hättest tragen können, sondern weil du in de Zukunft gedacht hast und meintest: Sie soll nicht dick und faul und träge werden. Deshalb hast ihr ihren Wunsch/ihr Bedürfnis abgeschlagen. Man könnte fast sagen: Du warst bockig. Euer Dialog war in etwa so:

      Sie: "Ich möchte auf den Arm" (Ich möchte mit dir kuscheln und dir ganz nah sein.)
      Du: Nein, bitte lauf, Süße, es ist doch nicht weit. (Du musst lernen, zu laufen. Ich will nicht, dass du träge wirst.)
      Sie: Nicht laufen! Arm! (Hörst du nicht? Ich möchte mit dir kuscheln! Ich brauche deine Nähe, Mama!)
      Du: Nein, du kannst nicht auf den Arm. Alle Menschen laufen. Guck. Der läuft und die läuft und das Kind dort läuft auch. (Verdammt nochmal, Kind, warum weigerst du dich? Das macht mir echt Sorge, dass du nicht laufen willst.)
      Sie: Weint laut, bockt, bleibt weinend stehen. (Warum verstehst du mich denn nicht? Ich weiß doch, dass alle laufen und wenn ich könnte, würde ich auch laufen. Ich brauche jetzt aber deine Nähe. Mir ist total schnuppe, was andere machen. Ich brauche deine Kuschelwärme!)
      Du: Niemand wird immerzu getragen. Guck, da ist ein Baby. Das wird getragen. Bist du ein Baby? (Vielleicht kann ich dich überzeugen, wenn ich dir sage, wie groß du schon bist.)
      Sie, weinend: Neeeiiin, ich bin kein Baby mehr! (Warum beschämst du mich denn jetzt mit der Babyfrage? Ich bitte dich doch nur nach deiner Nähe und du verweigerst sie mir andauernd. Bitte schau mich an, schau, wie verzweifelt ich dir versuche zu sagen, wie es mir geht. Lass den Blick auf die anderen sein, Mama. Schau zu mir. Bitte sieh doch mein Bedürfnis!)
      Du: Na also, dann musst du auch laufen. (Wer groß ist, muss laufen, das ist doch nur logisch.)
      Sie: Papa trägt mich immer. Bei ihm muss ich nicht laufen. Nur bei dir. (Es mag sein, dass Papa mich öfter trägt, als es nötig ist. Aber er trägt mich eben auch dann, wenn es mir ein echtes Bedürfnis ist. Wenn ich Nähe statt Beintraining brauche. Vielleicht gibt mir Papa zu viel, aber du gibst mir zu wenig.)
      Du: Uff. (Ja, klar, toll. Papa ist der Held und ich bin die blöde Mama, die will, dass du läufst. Ich will doch aber nur dein Bestes.)

      Löschen
    2. Liebe Katrin, es ist nicht so, dass ich dich hier mit meiner Antwort beschämen möchte, bitte lies daraus keinen Vorwurf. Vielleicht kann ich dir aber die Augen öffnen dafür, dass die Situation so anstrengend war, weil du eine Agenda im Hinterkopf hattest (Das Kind soll laufen und nicht faul werden.) und dadurch den Blick auf die konkrete Situation, also das echte Bedürfnis deines Kindes, verloren hast. Wenn ein Kind so ein andauerndes Theater macht, dann nicht wegen einer Kleinigkeit wie laufen, sondern weil sein Verhalten vom Erwachsenen völlig missinterpretiert wurde. Ich denke, sie wollte dir mit dem Nicht-Laufen-Wollen etwas völlig anderes sagen, als du gehört hast. Sie hatte ein Bedürfnis nach Nähe zu dir. Du hast herausgehört, dass sie faul sein und deshalb getragen werden möchte. Wenn du den Gedanken, dein Kind könnte faul und träge werden mal beiseite schiebst, hättest du in dieser Situation dann anders reagiert? Hättest du sie dann ohne Einwand getragen?
      Denk einmal zurück an die Zeit, als sie klein war. Gab es nicht da auch Ängste, die du hattest (Sie wird nie mit dem Essen anfangen, wenn du sie so viel stillst. Sie wird nie durchschlafen. Sie wird nie trocken, wenn du kein Töpfchentraining machst etc)? Und wie sieht es aus - sind diese Ängste denn wahr geworden, oder haben sie sich verflüchtigt, weil dein Kind eben doch ganz normal angefangen hat zu essen und zu schlafen?

      Diese Ängste sind tief in uns verwurzelte Ängste aus der Vergangenheit, auf die du nicht hören brauchst. Sie lassen dich den Kontakt zu deinem Kind verlieren und stehen zwischen euch, wenn ein liebender Blick angebrachter wäre. Jedes Kind will laufen, springen und klettern. Ja, manche Kinder sind lauffaul - dann kann man ihnen ein Laufrad oder einen Roller geben. Aber in den allermeisten Fällen meint ein Kind etwas ganz, ganz anderes, wenn es sagt: "Ich will nicht laufen." Versuch, genauer hinzuhören und abzuwägen, ob du ihr ihr echtes Bedürfnis nicht vielleicht doch erfüllen kannst.
      Liebe Grüße, snowqueen

      Löschen
    3. Ach allerliebsten Dank für deine Antwort!
      Ich praktiziere ja die Kooperation und es funktioniert wunderbar bei uns. Aber von Zeit zu Zeit verliere ich den Faden und dann passiert soetwas. Hätte ich auch selbst drauf kommen können.

      Habe mir aber trotzdem das oben erwähnte Buch geholt. Ich möchte das ja unbedingt lernen. Ich finde das auch wichtig und richtig.

      Und wenn es zum Thema Papa kommt, kommt es bei mir innerlich immer zu so einem Kampf und die Alarmsignalen stehen auf rot. Wir stehen aktuell vor Gericht und ich habe Angst meine kleine wenn nicht räumlich dann doch emotional zu verlieren. Auch daher möchte ich einen besonders "guten" Ton und Kooperation mit ihr finden.

      Löschen
  16. Danielle, herzlichen Dank für die für mich sehr hilfreiche Darstellung des Themas in dieser komprimierten Form und auch herzlichen Dank an Alle, die ergänzende Fragen gestellt haben. Es hilft mir bestimmt weiter!

    AntwortenLöschen
  17. ... und wenn der Mann nicht mitmacht? Es ist ziemlich frustrierend, als einziger so kommunizieren zu wollen (können?). Mir fällt es dann sehr schwer, meinem Partner nicht ins Wort zu fallen und ständig zu kritisieren. Ich bestelle jetzt auch oben genanntes Buch, vllt liest er es auch. Es ist ja nicht leicht, sich selber zu bemühen gewaltfrei zu kommunizieren und gleichzeitig mit Vorwürfen bombardiert zu werden. Wie geht es denn euch? Mit euren Männern? Machen die "überall" mit? :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir geht es auch so. Kenne seit ca einem dreiviertel Jahr die Gfk und versuche es zu lernen. Da sich aber mein mann total gegen "neue Erziehung"
      ich werde es aber jetzt echt versuchen durch zuziehen und mir auch das oben genannte Buch holen.
      Finde "Mama was schreist du so laut" auch toll.

      Löschen
  18. Es funktioniert unglaublich gut! Gerade wenn man es wirklich eilig hat, denn das Kind wird durch Drohungen und Forderungen unter Stress gestellt, sondern wird miteinbezogen: möchtest du jetzt die rote oder blaue Mütze anziehen? Soll ich dir nachher wenn ich dich aus der Kita abhole eine Laugenstange oder eine Brezel mitbringen? Diese Kommunikation hilft auch in der Partnerschaft und entzerrt vieles. Denn mal ganz ehrlich, soooo schlimm ist es eben auch nicht, mal zu spät zu kommen. Nervig klar, aber nicht lebensbedrohlich. Wir sollten uns alle mehr entspannen. Das Leben ist zu schön um sich wegen diesem Pünktlichkeits-ich-muss-noch-ganz-schnell-sofort-quatsch ständig stressen zu lassen. Liebe Grüße christina

    AntwortenLöschen
  19. Mir selbst fällt die holprige Formulierung in der GfK im Alltag schwer. Ich habe aber die Erfahrung gemacht das der Schlüssel vor allem das eigene Gefühl ist welches hinter dem bedürfniss steht. Kommuniziere ich dieses Gefühl in mir auch ohne "FORMEL"werde ich fast immer von dem anderen verstanden. Meine Erfahrung ist das dieses verstehen meines gegenüber mein Bedürfnis nach Änderung einer Sache des anderen nicht mehr so gross ist. Die Verbindung durch das wirkliche gesehen werden des anderen ist für mich der magische Moment. Es ist immer wieder erstaunlich wie auf diese Art Konflikte ganz klein werden. Es ist meist ja nicht wirklich die Zahnpasta tubee die mich wütend macht...;)

    AntwortenLöschen
  20. Mir selbst fällt die holprige Formulierung in der GfK im Alltag schwer. Ich habe aber die Erfahrung gemacht das der Schlüssel vor allem das eigene Gefühl ist welches hinter dem bedürfniss steht. Kommuniziere ich dieses Gefühl in mir auch ohne "FORMEL"werde ich fast immer von dem anderen verstanden. Meine Erfahrung ist das dieses verstehen meines gegenüber mein Bedürfnis nach Änderung einer Sache des anderen nicht mehr so gross ist. Die Verbindung durch das wirkliche gesehen werden des anderen ist für mich der magische Moment. Es ist immer wieder erstaunlich wie auf diese Art Konflikte ganz klein werden. Es ist meist ja nicht wirklich die Zahnpasta tubee die mich wütend macht...;)

    AntwortenLöschen
  21. Wow! Wieder ein Teilchen vom großen Erziehungspuzzle gefunden... Als meine erste Tochter ganz klein war, hatte ich den Tipp gelesen, Aufforderungen auch als Aufforderungen zu formulieren und nicht als Fragen, auf die man kein "nein" akzeptieren kann. Diese scheinbare Wahlfreiheit würde die Kinder verwirren. Hat mir eingeleuchtet ("Ziehst du bitte Hausschuhe an?" "Nein" "Doch!"), habe ich auch immer konsequent gemacht. Mit dem Erfolg, dass meine zwei Töchter (3 und 5) mich jetzt eben auch auffordern Dinge zu tun und nicht freundlich fragen. Und wenn ich so drüber nachdenke, wie sehr es mich ärgert und stört herumkommandiert zu werden - warum sollte es ihnen anders gehen?
    Danke für diesen Denkanstoß! Ich bin gespannt, wie sie auf das "echte" GfK reagieren!
    Liebe Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
  22. Hallo!
    Ich "arbeite" mich in den letzten Tagen fleißig durch euren Blog und habe schon einige werrvolle Anregungen mitgenommen.
    Bei diesem Beitrag stellt sich mir allerdings eine Frage: meine Kinder sind jetzt 1,5 Jahre und 6 Wochen alt - im Text steht, dass in diesem Alter eher die Karp-Methode geeignet ist... bei meiner schnellen Recherche habe ich darunter nur eine Methode zur Beruhigung von Babys gefunden. - War diese Methode gemeint oder gibt ee da noch etwas anderes?
    Habe das Gefühl, dass ich meine 18 Monate alte Tochter mit dem GFK-Schema überfordern würde. Gibts Empfehlungen und Tipps für die Kommunikation mit den "Kleinsten"?
    Liebe Grüße
    ulli

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau, es gibt zwei Methoden von Karp. Für Babys die 5S und für Kleinkinder das Spiegeln. Ich glaube, er nennt das Fast Food Regel und Neanderthaler-Sprache. Es gibt ein ganzes Buch dazu von ihm und dazu wiederum eine DVD, die etwa 5 Euro kostet und zeigt, wie er das meint. LG, Snowqueen

      Löschen
  23. Was für ein wundervoller Artikel! Vielen vielen Dank! Da ich schon 10 Jahre Gewaltfreie Kommunikation übe und jetzt ein Baby bekommen habe, kann ich sagen, die Gfk ist ein Segen. Für mich macht es alles leichter, jede Form und Art der Kommunikaton mit jedem Menschen. Dabei muss der andere davon keine Ahnung haben. Dieser Wunsch war die ersten Jahre groß, mittlerweile ist es für mich kein Problem mehr, wie andere kommunizieren, ich kann auf meine Art das sagen was ich möchte. Also, es lohnt sich sehr, kann ich sagen. Es hat mir viel Vertrauen geschenkt, Freude und Zuversicht.

    AntwortenLöschen
  24. Ein schöner Artikel.
    Ich würde das Wissen jetzt gerne etwas unterfüttern. Unsere Kinder sind 1 3/4 und 4. Welches der Bücher eignet sich denn am besten?

    AntwortenLöschen