"Miteinander durch die Pubertät" - Interview mit Inke Hummel

In unserer aktuellen Podcastfolge haben wir mit Inke Hummel über die Pubertät gesprochen. Inke hat aktuell das Buch "Miteinander durch die Pubertät" veröffentlicht. Die wesentlichen Inhalte möchten wir gerne hier nochmal zum Nachlesen zusammenfassen. 


Im ersten Jahr lernen Babys ihren Körper und ihre Stimme kennen, im Alter von einem bis fünf Jahren geht es darum, alle Gefühle kennenzulernen und in den Gefühlskanon einzuarbeiten, im Alter von fünf bis zehn lernen unsere Kinder soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten und sich für andere zurückzunehmen – was ist denn dann der Entwicklungsschwerpunkt in der Pubertät?

Ich sehe den Entwicklungsschwerpunkt in der Individuation, also der Ausbildung der eigenen Persönlichkeit, immer noch getragen vom Beziehungsnetz, aber eben doch auch in Eigenständigkeit. Die Jugendlichen müssen sich finden, ihren Weg finden, um nach der Pubertät stark und selbständig ins Erwachsenenleben zu starten. Sie müssen sich und ihre Meinungen ausprobieren, Fehler machen, korrigieren – und das alles im Rahmen, den ihre Körper und auch die Gesellschaft ihnen vorgeben. Wir sehen äußerliche Veränderungen, aber auch die innerlichen in Gehirn und Psyche sind nicht zu unterschätzen. Und die Art wie die Gesellschaft an sich, aber auch direktes Umfeld, Schule und Elternhaus mit Jugendlichen umgehen, hat eine große Tragweite: wird ihre Eigenständigkeit ständig ausgebremst und eingesperrt, haben sie es schwer und reagieren sehr unterschiedlich und oft „schwierig“. 

Kannst du uns skizzieren, was im Gehirn von Teenagern in den grob zehn Jahren passiert?

Es entwickelt sich stark weiter, so dass es im Erwachsenenalter voll ausgeschöpft werden kann und Reflexion ganz formal, theoretisch, philosophisch, vielseitig stattfinden kann. Aber dafür wird es umgebaut: nicht genutzte Nervenzellen aus den Kinderjahren werden aufgelöst, viel genutzte Nervenfasern werden schneller. Das heißt die Teenager können in manchen Bereichen Glanzleistungen vollbringen, in anderen geht auf einmal nur noch wenig.

Relevant ist auch, dass sich nicht alle Bereiche des Gehirns gleich schnell entwickeln. Das ist genau wie bei den Äußerlichkeiten auch: da kommen vielleicht schon andere Muskeln stark durch, aber der Bartwuchs lässt auf sich warten. Zu spüren ist das im Bereich der Emotionen: ganz ähnlich wie in den Jahren der Autonomiephase lässt sich hier wieder feststellen, dass die Gefühle oft die Führung übernehmen, bevor die Kognition anspringen kann. Das ist ein so wichtiger Punkt! Wenn unser 1,90m großer Teenie vor uns steht und plötzlich aggressiv wird oder aus heiterem Himmel losheult, dann dürfen wir Eltern das nicht überbewerten, wie bei unserem Vorschulkind auch. „Du scheiß Mama!“ klingt dann noch mal deutlich heftiger, aber dahinter steckt sehr wahrscheinlich ähnliches wie im Alter von 5 Jahren: Ich fühle mich nicht gesehen! ich fühle mich übergangen! Und vielleicht auch: Ich bin verzweifelt und kann mir allein nicht helfen. Wir Eltern müssen also hinter die Worte und das Verhalten gucken.

Ganz spannend finde ich auch noch den Bereich des Glücksempfindens. Die Forschung geht davon aus, dass Jugendliche hier weniger Dopaminrezeptoren haben: das heißt sie brauchen mehr Reize als Erwachsene, um sich besonders gut zu fühlen. Wenn sie aber die gleichen Reize nutzen, wie z.B. Feiern mit Freunden oder auch Alkohol oder Computerspiele, benötigen sie mehr davon als wir. Das erklärt gut, dass sie sich nicht grundlos verhalten, wie sie es eben manchmal tun, z.B. auch in eher riskanten Situationen.

Was ist denn normales Verhalten von Teenagern. Worauf können wir uns einstellen?

Bei allem, was in ihnen so los ist, ist es normal, dass sie den Fokus einfach sehr auf sich haben. Das heißt ihr Verhalten wirkt sehr oft egozentrisch, wenig kooperativ oder mitdenkend im Alltag. Zwar gehen sie vielleicht los und kämpfen selbstlos für Tierschutz oder andere relevante Themen, aber dass es uns Eltern oder Geschwister stressen könnte, wenn sie ständig das Bad blockieren, den Kühlschrank leer futtern oder ihr Tonfall unschön ist, sehen sie nicht so leicht. Perspektivwechsel ist theoretisch kognitiv längst möglich, aber sie finden nicht durchgängig allein in dieses Verhalten – und das ist ja selbst bei vielen Erwachsenen je nach emotionaler Belastung noch so, aber Teenager bekommen es schnell vorgeworfen.

Wir hatten in unserem Buch "Gelassen durch die Jahre 5 bis 10", das ja quasi als Vorbereitung bzw. Grundlagenlegung für die Pubertät gedacht ist, die fünf Säulen guter Beziehung beschrieben: 1. Richtig wahrnehmen, 2.Interessen des anderen Beachtung schenken, 3. gemeinsames Tun, 4. emotionale Resonanz und 5. sich in den anderen einfühlen und seine Motive und Absichten erkennen. Lass uns das mal auf das Teeniealter übertragen. Wird das nicht schwieriger, wenn sie so von uns wegstreben, uns nicht mehr so viel von sich verraten und es vielleicht sogar peinlich finden, mit uns zusammen etwas zu unternehmen?

Das fand ich sehr spannend, denn ich habe erst nach dem Schreiben meines Buches bei Euch dazu gelesen und mochte die vielen Parallelen. Ich spreche auch von Grundpfeilern, und die sind in einer beziehungsstarken Familie einfach immer sehr gleich, egal wie alt das Kind ist. Ich schreibe von Wertschätzung, Wahrnehmung, Vertrauen, guter Kommunikation, Ritualen und eben auch von gemeinsamer Zeit. Wie wir das ausfüllen, wird natürlich etwas anders.

Das ist der Punkt, wo ich rate, mein Buch ggf. schon am Ende des Grundschulalters zu lesen, denn vieles aus diesem Bereich bleibt in der Pubertät einfacher, wenn es schon als Familienritual davor angelegt wurde. Gehen wir jeden Sonntag zusammen raus, essen wir jeden Abend zusammen und reden, quatschen wir jeden Dienstagabend beim Abholen vom Sportkurs, sind Freunde am Esstisch willkommen, fahren wir jedes Jahr im April ein Wochenende zu zweit weg mit einem Kind o.ä.? Solche etablierten Situationen, werden im Jugendalter nicht alle plötzlich hinterfragt, sondern bleiben oft und schenken uns Gelegenheiten, dem Teenager nahe zu sein, selbst wenn es in der Summe weniger ist als in der Kindheit.

Zum anderen sind für mich noch zwei Punkte wichtig: Will ich Zeit mit meinem Teenager verbringen, sollte ich mich darauf einlassen, was ihn interessiert und nicht nur meine Wünsche durchsetzen. Und wenn es Phasen gibt, in denen er tatsächlich von mir wegstrebt, sollte ich das nicht persönlich nehmen und immer mal wieder Angebote machen, aber mehr auch nicht. Auch hier gilt meist: alles nur eine Phase.

Du schreibst, auch im Teeniealter ist gemeinsames Spielen wichtig. Wie kann das klappen?

Auch das verstehe ich als Anbieten, also schauen, ob mein Teenager das annehmen mag. Haben wir hier etablierte Situationen, fällt auch das leichter, aber es darf sich auch ändern: statt jeden Freitagabend zusammen ein Spiel aus dem Spieleschrank zu suchen, wechseln wir vielleicht hin zu mehr gemeinsamem Spielen am Rechner oder der Konsole. Oder wir bieten Fußball, Radeln, Frisbeewerfen an, wenn wir zusammen unterwegs sind oder sein wollen, denn körperliches Tun, sich messen und auch mal berühren und zusammen lachen, mögen viele Jugendliche durchaus. Das verbindet, tut gut und ist vor allem meist weit weg vom Müssen und vom Druck aus der Schule oder auch mal in der Clique. 


Du hattest auch einen konkreten Tipp, was Ausflüge angeht. Oft haben Teenager ja nicht mehr so viel Lust, mit den Eltern am Wochenende etwas zu unternehmen. Wie setzt ihr das um?

Sie bringen immer mal wieder Ideen mit, was sie gerne machen würden. Darauf sollte man natürlich eingehen, aber wie das so ist, geht es im Alltag oft nicht, spontan 150 km irgendwohin zu fahren, um diesen besonderen Surfsee zu besuchen oder in Stadt XY shoppen zu gehen. Wir sammeln daher diese Vorschläge und sobald Ferien sind, versuchen wir, sie umzusetzen, damit die Teenager zu ihrem Recht kommen und sich gesehen fühlen.

Und ansonsten leben wir es so wie schon beschrieben: es gibt einige Rituale, die die gemeinsame Zeit weniger in Frage stellen und die unsere Kinder auch mögen. Klar zieht sich da öfter als früher mal einer raus, aber oft sind doch noch alle dabei.

Ganz am Anfang hattest du gesagt, eine der Hauptaufgaben der Teenager ist, langsam Verantwortung für sich zu übernehmen und die Aufgabe der Eltern ist es, zu vertrauen. Von welchen Bereichen sprichst du da konkret?


Eigentlich kann das fast alles betreffen: Freunde, Ernährung, Ordnung, Schule, Politik, Finanzen… Ich würde hinschauen, wo die Jugendlichen besonders selbständig sein möchten, und sie sich dort ausprobieren lassen. Man kann auch mal ein bisschen schubsen. Wichtig ist dabei aber, dass wir mit Fehlern rechnen. Wenn sie nicht passieren, ist es toll, aber wenn doch, ist es in den meisten Fällen kein Drama, höchstens lästig oder unangenehm, aber gemeinsam zu lösen.

Beispiel Schule: Ich lasse meine Kinder machen, biete an zu unterstützen beim Planen der Lernerei vor einem Test oder beim Lernen selbst, und sie entscheiden. Läuft es längerfristig nicht so gut, gehe ich wieder etwas enger hinein, was sie dann auch gerne annehmen, aber dann ziehe ich mich auch wieder zurück.

Oder Beispiel Alkohol: Wir reden über Gefahren, über Abläufe im Körper, aber ich verbiete ihnen keine Partys oder so. Sie sollen losgehen und sich das Thema anschauen, ausprobieren, entscheiden. Wenn es blöd läuft, werden sie kommen und wir werden das zusammen angehen. Ich habe einfach keine Angst und baue keine Drohungen oder Käfige auf.

Dann lass uns jetzt doch mal zu den häufigsten Streitpunkten kommen, die es zwischen Teenagern und Eltern gibt: Schule und Hausaufgabe, seltsame Freunde, starker Medienkonsum, unaufgeräumtes Zimmer, Egoismus innerhalb der Familie, spätes Aufbleiben, langes Wegbleiben am Abend und Zigaretten, Alkohol, Drogen. Wir gucken uns das Schritt für Schritt an:

Was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, mein Teenager vernachlässigt die Schule und macht keine Hausaufgaben mehr?


Vermutlich werde ich das jetzt bei jedem Punkt sagen: erstmal ins Gespräch gehen und herausfinden, was die Ursache ist. Mobbing, Verliebtheit, das spannende Computerspiel, das alle Zeit braucht, mehrere schlechte Noten, die demotiviert haben? Und wenn ich das herausgefunden habe, können wir uns gemeinsam auf den Lösungsweg machen: mit den Lehrern sprechen, beim Strukturieren helfen die Lerninhalte besser mit unserem Kind verbinden… Hier können wir mit dem Teenager zusammen gucken, wozu man ein Thema wirklich brauchen kann oder wie man es besser mit dem eigenen Leben und Erleben verknüpfen kann (Da ist YouTube oft eine Hilfe.) Oder wir können mit in das Lernfeld einsteigen, anstatt zu erwarten, dass das Kind sich allein reinkniet. Denkbar ist auch Nachhilfe, und zwar nicht unbedingt nur als Nutznießer, sondern selbst als Lehrer, denn auch wer in Mathe in der 9. Eine 5 hat, kann einem Fünftklässler helfen. Das tut dem Teenager wahrscheinlich im Bereich Selbstwert gut, aber vielleicht auch der Verbindung zum Fach und zur Schule.

Wie gehe ich damit um, wenn mein Teenager plötzlich Freund*innen hat, die mir nicht gefallen bzw. von denen ich denke, dass sie einen schlechten Einfluss haben?


Erstmal möglichst offen sein. Ist Euer Zuhause ein Ort, an dem immer alle willkommen sind, wird der Teenie auch diese Kumpel hoffentlich mitbringen, oder man lädt eben explizit ein und lernt sie kennen. Vielleicht verschwinden dann schon ein paar Ängste. Und dann natürlich wieder reden: Was sorgt mich? Wie empfindet der Teenager das? Fühlt er sich vielleicht selbst nicht ganz wohl, aber kann die Situation nicht gut auflösen?

Wenn es sehr schlecht läuft, würde ich andere mit ins Boot holen: die Patentante, die gerade einen besseren Draht zum Teenager hat, den Vertrauenslehrer, der die Jugendlichen näher kennt und besser einschätzen kann, ggf. auch einen externen Berater, der mir konkrete Tipps für unsere Situation speziell geben oder auch Ängste nehmen kann.

Und noch ein Punkt ist Prophylaxe: Kennt mein Teenager aus der Kinderzeit gute Verbindungen, erlebt Handlungsspielräume in der Familie, darf Verantwortung übernehmen und Fehler machen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass er plötzlich in mitten einer krassen Clique auftaucht und sich da profilieren will. - Und sind meine Freundschaftsverhältnisse gesund, so dass ich ein gutes Vorbild bin? 

Was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, mein Kind hängt 24h an seinem Handy oder dem PC?

Ich hoffe, es wurde im Vorfeld gut begleitet: kein zu früher und immer ein Einstieg in die Medien miteinander und mit elterlichem Interesse, keine zu starren Regeln mit Eieruhr und tausenden Verboten. Dazu ein Umfeld, indem alles dazu gehört: vom PC über den Sport und medienfreie, gute Familienzeit usw. Abwechslung eben. Dann ist eine derartige Phase selten bedenklich. Unser Teenager ist gut eingebettet und kann auch wieder rausfinden.

Im Buch sind dazu viele Gedanken, wie man Sucht an sich vorbeugen kann, auch speziell in diesem Bereich.

Kommt es aber doch dazu, hilft wieder nur ein Reden und gemeinsames Lösen. Auch wir hatten schon ähnliche Momente. Ich habe erklärt, was genau mich daran sorgt. Mein Kind hat mir einiges davon nehmen können, anderes nicht. Dafür haben wir dann Regelungen gefunden wie z.B. geteilte Geräte und dadurch minimierte Zeiten oder abendliches Lagern der Geräte außerhalb der Kinderzimmer. Wir Eltern machen es auch so. 


Was mache ich, wenn im Zimmer meines Teenies totales Chaos herrscht, er oder sie nie Teller und Tassen rausbringt, es schon schimmelt, er oder sie bald keine Klamotten mehr im Schrank hat, weil die Wäsche nie in den Wäschebeutel gelegt wird?

Erstmal wieder nicht persönlich nehmen, an Gehirnumbau und Egozentrismus denken! Dann darüber reden, wenn es mich wirklich betrifft, wie z.B. bei gesundheitsbedenklicher Hygiene, aber eben auch prüfen, ob das nicht in den Austestbereich des Jugendlichen fällt: wenn keine Socken mehr da sind, wird er es ja merken und vielleicht etwas ändern. Außerdem kann ich unterstützen und Vorschläge machen, wie ein Ablauf besser gehen kann. Es kann aber sein, dass manchmal nur Kompromisse möglich sind oder etwas gar kein Einsehen findet. Hier ist es wie bei kleinen Kindern auch: je weniger sie insgesamt müssen, desto bereiter werden sie zu Kompromissen in den Punkten sein, in denen es notwendig ist.

Was mache ich, wenn mein Teenie sich plötzlich weigert, innerhalb der Familie mitzuhelfen?   

Erwartungen runterschrauben, was auch wieder Kompromissfinden bedeutet: Wo erwarte ich zu viel? Wo gebe ich aber vielleicht auch zu viel, so dass wir Aufgaben tauschen oder auch verringern können? Wie könnten Lösungen aussehen, die beiden Seiten gerecht werden? Muss die Hilfe unbedingt so gestaltet werden, wie „man“ es macht? Also ins Gespräch gehen und unter Umständen kreativ werden. Spürt mein Teenager Entgegenkommen, ist ihm selbst das auch eher möglich.

Und insgesamt sollte man natürlich früh damit starten, dass die Aufgaben zu Hause im Miteinander gelöst werden. Wenn mein Kind nie helfen musste, aber ich mit 13 plötzlich erwarte, dass es das tut, wird es schwierig sein!

Was mache ich, wenn mein Kind nachts zu lange wach bleibt und morgens zu müde für die Schule ist?

Erst einmal wieder nicht persönlich nehmen und nicht überbewerten. Das Thema ist ja ein häufiges, und das hat auch einen guten Grund: Die Melatoninproduktion verändert sich durch die hormonellen Veränderungen; d.h. die Teenager sind tatsächlich oft erst später müde als vorher und der frühe Schulbeginn passt noch schlechter zu ihrem Biorhythmus.

Meistens ist auch das nur eine Phase, wenn es sich aber sehr besorgniserregend entwickelt, kann wieder nur Reden helfen: Kann ich meinem Teenager dabei helfen, abends besser runterzukommen? Im Buch gibt es einige Ideen dazu. Ein Gedanke dabei ist oftmals, selbst Zeit zu investieren, mal wieder abends zusammen zu finden statt jeder für sich Feierabend zu gestalten. Das muss gar nicht stundenlang gehen, aber Verbindung hilft eben.

Was mache ich, wenn mein Kind sich draußen herumtreibt und länger wegbleibt, als wir das verabredet hatten?   

Dahintergucken und drüber reden: Wie kam es dazu? War die Situation so schön? Gab es Druck von anderen? Sind meine Zeitvorgaben zu eng und sollten neu verhandelt werden? Erzählen, was mich daran sorgt? Hinschauen, ob meine Sorgen eine Geschichte haben und ich an mir arbeiten muss?

Und daraus dann eine Lösung bauen. Das kann auch mal ein bisschen dauern und Rückschläge beinhalten – ein Punkt, den wir auch zu leicht übersehen oder überbewerten. Vielen Erwachsenen fällt es schwer, Phasen auszuhalten, in denen etwas ungelöst ist. Dabei ist das unser Weg. Das gehört zum Lösungenfinden dazu. Es darf dauern. 

Was mache ich, wenn es zu rauchen anfängt, Alkohol trinkt, oder zu anderen Drogen greift?

Auch das ist wieder ein Punkt für die Prophylaxe, die Jahre vorher oder die Vorpubertät: Kennt mein Kind die Gefahren? Hat es die Möglichkeit, Bestätigung und Glücksgefühle anderswo zu bekommen? Lebt es angst- und straffrei bei uns, so dass es sich ausprobieren kann, ohne große Geheimnisse und ungute Kontakte? Dann wird es vielleicht nur aus Neugier handeln, mir davon erzählen und alles wird im Rahmen bleiben.

Wird die Entwicklung zu heftig, helfen keine Verbote und autoritären Ansagen: Sucht die Gründe, die Bedürfnisse dahinter, und redet darüber. Oft lassen sich Auswege oder akzeptable Lösungen finden. Ggf. ist natürlich Hilfe von außen super.

Ein spannender Punkt ist hier wie auch bei den anderen Feldern übrigens das Vorbild: Selbst wenn der anscheinend supercoole Teenager uns eher ablehnt, ist er innerlich in vielem noch unsicher und wir seine Maßgabe – gerade wenn wir unsere Elternrolle eher begleitend und in guter Beziehung ausfüllen. Da sollte man also auch hingucken, bevor man am Kind herumzieht: also wie gehe ich eigentlich mit Alkohol und Co. um? Stelle ich Ausfälle nach einem feuchtfröhlichen Abend als lustig und irgendwie glorifiziert dar? Dann muss ich mich nicht wundern, wenn mein Teenie das nachmacht.

Das Thema ist aber auch sehr speziell und in jeder Familie anders besetzt: Für manche ist Bier das Limit, andere könne mit Kiffen gut leben. Daher kann ich da auch im Buch nicht den einen Weg vorgeben, sondern nur Impulse, um seinen Weg zu finden und mit dem Teenager gut zu gehen. Aber das gilt eigentlich für alle Themen.

Zum Abschluss, Inke, gibt es einen Tipp, den du den Zuhörer*innen gern mit auf den Weg geben willst in Bezug auf die Pubertät. Eine Art Zauberformel, mit der man entspannt durch die Pubertät kommt?

Liebt Eure Kinder und versucht vor allem das zu sehen, was sie Euch und der Welt geben, was sie Gutes mitbringen. Unsere Rolle verändert sich: Wir dürfen von Ihnen immer mehr annehmen.

Glaubt an Eure gute Beziehung. Habt keine Angst vorm Großwerden der Jugendlichen. Es ist eine Bereicherung! Ich ganz persönlich mag diese Zeit im Leben meiner Kinder sehr. 

Vielen Dank an Inke für diesen tollen Podcast! Ihr könnt ein signiertes Exemplar des Buches gewinnen. Schreibt uns einfach eine Mail an [email protected] mit dem Betreff "Miteinander durch die Pubertät". Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Die Verlosung erfolgt am 1. November 2020.

Kommentare:

  1. Ich finde das Thema total spannend und würde mich sehr über eine Ausgabe des Buches freuen :) Meine Tochter ist zwar noch nicht mal 3, aber ich denke es ist gut zu wissen was man jetzt schon tun kann, um die Grundsteine für diese Zeit zu legen... LG Linda

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  2. Euer Podcast ist für mich ein guter Ratgeber. Ich bin sehr glücklich über eure Themen.
    Gern nehme ich an der Verlosung teil.
    madlen.frenzel¶yahoo.de

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  3. Meine ältere Tochter ist 11 und sie hat schon manche Züge eines "Pubertiers". Gerne würde ich mehr lernen über diese Phase. Deshalb springe ich auch in den Lostopf!

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  4. Eine suoer Buchempfehlung! Meine Tochter ist bald 10 und dreht jetzt schon durch. Werde mich aufjedenfall in das Thema reinlesen :)
    LG

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  5. Ich habe mir eben den Podcast von Euch und Inke angehört. Ich konnte schon viele interessante Ansätze mitnehmen. Noch mehr würde ich mich über das Buch freuen. Meine Tochter steckt mit 14 Jahren mittendrin in der Pubertät.

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