Fremdelphase/Achtmonatsangst - warum Kinder fremdeln



In den ersten Lebensmonaten sind Babys (oft im Gegensatz zu ihren Müttern) relativ flexibel, wenn es darum geht, in wessen Armen sie liegen. Sie lassen sich in der Regel von fast allen Personen füttern, wickeln und trösten. Erst im Alter ab etwa 4 bis 5 Monaten beginnen die Kinder unruhig zu werden, wenn fremde Menschen sie in den Arm nehmen. Das Baby hat gelernt, zwischen "vertraut" und "fremd" zu unterscheiden - ein wichtiger Entwicklungsschritt! Ab etwa 6 Monaten reicht oft schon ein intensiverer Blick fremder Menschen aus, dass Babys ängstlich Schutz bei den vertrauten Eltern suchen. Der Höhepunkt des Fremdelns ist im 8. Monat (weswegen es auch als "Achtmonatsangst" bezeichnet wird) - ganz sensible Babys lassen sich nunmehr ausschließlich von Mama oder Papa betreuen und brechen zum Teil regelrecht in Panik aus, wenn andere Personen mit ihnen in Kontakt treten.

Für Eltern ist diese Reaktion oft unverständlich und auch gelegentlich unangenehm Fremden und vor allem Bekannten und Verwandten gegenüber. Es besteht jedoch kein Grund zur Sorge: es handelt sich dabei um eine vollkommen normale Reaktion sicher gebundener Kinder. Die Zurückhaltung wird mit etwa 15 bis 18 Monaten deutlich weniger und verschwindet meist vollständig im Alter von etwa 2,5 bis 3 Jahren. Die Ausprägung kann sich von Kind zu Kind stark unterscheiden - bei manchen ist das Fremdeln kaum erkennbar, andere hadern sehr lange mit Fremden. Auch das Temperament des Babys hat einen maßgeblichen Einfluss - zurückhaltende, schüchterne Babys fremdeln stärker, als die kontaktfreudigen und aufgeschlossenen Altersgenossen. Man sollte sich jedoch dessen bewusst sein, dass man auf das Fremdelverhalten so gut wie keinen Einfluss hat, daher kann es auf keinen Fall als erzieherisches Versagen betrachtet werden. Manche Eltern sorgen sich sogar über das Ausbleiben des Fremdelns - doch kaum ein Baby wächst auf, ohne jemals zu fremdeln. Allerdings ist das Verhalten bei manchen Babys so gering ausgeprägt, dass die Eltern es kaum bemerken. 

Warum fremdeln Kinder?


Evolutionär lässt sich dass Fremdeln auf zweierlei Weise erklären - zum einen ist es eine natürliche Schutzreaktion des Körpers, die zeitlich mit dem durchschnittlichen Zeitpunkt der ersten motorischen Fortbewegungsversuche zusammenfällt. Bisher kam das Baby keinen Millimeter vorwärts und sorgte stets dafür, dass es in Mamas greifbarer Nähe blieb. Mit etwa 8 Monaten setzt der Explorationsdrang ein, das Kind will erforschen, den Raum erkunden und muss sich dafür naturgemäß weiter von der Mutter weg bewegen, als je zuvor. Dadurch begibt es sich in Gefahr, es muss also über Schutzmechanismen verfügen, die es davor bewahren, zu weit weg zu krabbeln oder gar außerhalb der Sichtweise der Mutter einfach von Fremden weg genommen zu werden. Daher ist es am sichersten, beim Anblick fremder Menschen sofort Alarm zu geben, auf dass Mama sofort herbeieile und das Kind beschütze.

Kind schaut fremdelnd
Experimente haben gezeigt, dass Männer am heftigsten angefremdelt werden (bärtige Männer stärker, als rasierte), Frauen lösen weniger heftige Reaktionen aus - gegenüber Kindern bleiben die meisten Babys gelassen. Es wird daher vermutet, dass Fremdeln auch eine evolutionäre Schutzreaktion vor dem Infantizid (also der Tötung von Kindern) ist. Dieser ist bei den meisten Primaten weit verbreitet - kommen neue männliche Tiere ins Rudel, ist es nicht selten so, dass bis zu 40% der noch gesäugten Kinder getötet werden, um in Hinblick auf knappe Ressourcen die Überlebenschancen des eigenen Nachwuchses zu erhöhen. 

Kann, soll oder muss man etwas gegen das Fremdeln tun? 


Nein - es wird sich früher oder später von selbst verlieren - je mehr man dabei auf das Kind eingeht, desto zügiger kann das gehen. Zwar ist man geneigt, dem Kind immer wieder zu versichern dass "Onkel Heinz doch ganz lieb" sei - beschwichtigen kann man mit der Versicherung jedoch allenfalls Onkel Heinz. Man sollte unbedingt als "sicherer Hafen" für das Kind fungieren - wann immer es Schutz sucht, sollte dieser angeboten werden - auch wenn man vom Verhalten des Kindes genervt ist oder nicht versteht, warum es sich "so anstellt". Je verlässlicher man reagiert, um so sicherer wird sich das Kind fühlen und umso schneller wird die Angst vergehen. Und es ist tatsächlich Angst - kein Schauspiel. Beschwichtigungen führen unter Umständen dazu, dass sich das Kind nicht ernst genommen fühlt oder das Gefühl entsteht "etwas Falsches" zu tun oder zu empfinden, wodurch die Entwicklung eines "falschen Selbst" begünstigt werden kann (mehr dazu in "Wenn Eltern wütend werden").

Keinesfalls sollte man als Konfrontationstherapie aus der Motivation heraus "dem Kind zu zeigen, dass nichts Schlimmes passiert" das Baby einfach anderen in den Arm drücken - auch wenn Oma Sabine das noch so sehr einfordert - das würde das Baby heillos überfordern und ängstigen. Wenn möglich, sollte auch darauf verzichtet werden, dass der Angefremdelte immer wieder Kontakt suchend auf das Baby zugeht. Das ist nämlich die häufigste Reaktion angefremdelter Erwachsener - die halten das Benehmen des Kindes unbewusst für einen ärgerlichen Fehler und wollen ihm die Chance geben, den schnell "wieder gut" zu machen. Stattdessen wird sich das Kind schnell bedrängt fühlen und immer heftiger reagieren - was die Oma unter Umständen noch eifriger macht beim Versuch, das Kind endlich zum Lächeln zu bewegen. Die Aufgabe der Mutter sollte es sein, diesen Kreislauf zu unterbrechen und klar zu machen, dass das Kind Zeit bekommen sollte, vom sicheren Schoß der Mutter aus von sich aus den Kontakt zu suchen - oft reicht eine kurze Zeit des Beschnupperns aus, damit das Baby Vertrauen fasst und im Laufe des Tages doch noch glücklich glucksend auf dem Schoß der Oma oder des Onkels sitzt. Auch ein interessanter Gegenstand ist zur Kontaktaufnahme geeignet - er kann das Interesse des Baby wecken, sollte jedoch nicht aufgedrängt werden.

In jedem Falle sollte dem angefremdelten Erwachsenen erklärt werden, dass das Baby gerade eine normale, altersgerechte zurückhaltende Phase hat und darum gebeten werden, darauf Rücksicht zu nehmen. Man kann deutlich sagen, dass das Fremdeln keine Ablehnung ist, sondern eine nicht auf die Person sondern die Situation bezogene Angstreaktion.

Schon in dieser frühen Lebensphase ist das grundsätzliche Respektieren der körperlichen Grenzen sinnvoll - schließlich möchte man den Grundstein für ein gesundes Selbstbewusstsein legen und die Fähigkeit fördern, dass Kinder in der Lage sind, andere stets zur Einhaltung der körperlichen Grenzen aufzufordern. Kinder, deren Persönlichkeitssphäre schon als Baby akzeptiert wird, fällt es später leichter, diese auch später bei Unbekannten einzufordern.

Fremdeln lässt sich lediglich etwas abschwächen - wenn das Baby es gewohnt ist, von kleinauf bei verschiedenen Menschen auf dem Arm zu sein und damit schon positive Erfahrungen gesammelt hat, wird es wahrscheinlich weniger ausgeprägt fremdeln, als ein Baby, das wenige soziale Kontakte (zu anderen Erwachsenen) hat. Wenn Mama offen und kontaktfreudig auf andere Menschen zugeht, wird sich das mit großer Wahrscheinlichkeit zum Teil auch auf die Fremdelintensität auswirken.

Vater küsst Baby
Fremdeln ist vor allem auch eine Angst vor der Trennung von Bezugspersonen - man kann kleinere Trennungen mit dem "Guckguck"-Spiel üben - dabei versteckt sich Mama hinter einem Tuch und fragt erstaunt "Wo ist die Mama?". Nach wenigen Sekunden kommt sie laut "daaaa!" rufend hinter dem Tuch vor. So lernt das Kind: Selbst wenn ich Mama mal nicht sehen kann, ist sie dennoch da und ist bald schon wieder zu sehen. Die meisten Kinder werden bei diesem Spiel schnell selbst aktiv indem sie das Tuch wegziehen und sich freuen, Mami selbst gefunden zu haben. Wenn das Kind krabbelt, kann man beginnen, in der Wohnung Verstecken zu spielen - die meisten Babys haben einen Heidenspaß, Mamas unter dem Tisch oder hinter dem Sofa zu finden. Nach und nach können so die Zeiten, in denen Mama nicht zu sehen ist, auch ausgedehnt werden - so gewöhnt sich das Kind allmählich an kleinere Trennungen - und verknüpft diese positiv mit dem wohligen Gefühl kribbliger Erwartung des Wiedersehens.

Wegen der sich im Fremdelalter entwickelnden Trennungsangst sollte man sich stets verlässlich von seinem Kind verabschieden. Es reizt - gerade in dieser Phase - schnell mal zu verschwinden, um Tränen zu vermeiden, weil das Kind die Trennung nicht (sofort) zu realisieren scheint, während beim Tschüss-Sagen bittere Tränen fließen. Das führt jedoch dazu, dass sich die Kinder nicht mehr sicher sind, ob Mama wirklich dauerhaft verlässlich da ist und sie beginnen, sich ständig rückzuversichern und stark zu klammern, damit Mama nicht mehr unbemerkt verschwindet. Wenn man sich jedes Mal ausdrücklich verabschiedet, wenn man geht, gibt es sicher gelegentlich Tränen, aber für Kinder ist es wichtig, dass sie sich auf ihr Bezugspersonen verlassen können - sobald sie realisieren, dass Mama auch verlässlich wieder kommt, werden die Trennungen leichter.

Der Einfluss des Fremdelns auf den Schlaf 


Oft schlafen Kinder in der Fremdelphase deutlich schlechter, als zuvor. Das Baby begreift allmählich: Der Schlaf trennt mich von meinen Eltern! Trennungen werden von Kindern immer als potentiell gefährlich eingestuft - sie fühlen sich damit extrem unwohl. Die abendliche Trennung etwas vereinfachen kann man mit einem festen Abendritual. Dabei sollte ein ruhiger, täglich gleicher Ablauf entwickelt werden, bei dem sich das Kind mental darauf einstellen kann, dass nun Schlafenszeit ist.

Viele Baby beginnen nun intensiv zu träumen und wachen öfter erschrocken auf, da sie zwischen der Real- und der Traumwelt noch nicht unterscheiden können. Außerdem müssen die für die Babys neuen Ängste des Tages verarbeitet werden - bei vielen Kindern führt auch das zu extrem häufigem Aufwachen in der Nacht. Wenn Dein Baby im Stundentakt aufwacht und sich nur noch durch die Brust/Flasche/Wiegen beruhigen lässt, kann Dir vielleicht die Methode des sanften Ablösens weiter helfen.

Die Veränderung des Schlafverhaltens ist normal und wird sich auch wieder geben - das Sinnvollste ist es, dem Baby zu geben, was es braucht - Nähe und Zuwendung. Schläft es in seinem eigenen Zimmer, bietet es sich an, vorübergehend dort eine Matratze für die Eltern hinzulegen. Am einfachsten übersteht man die Phase jedoch, wenn man das Kind ins Elternbett oder wenigstens ins elterliche Schlafzimmer holt, dort kann es sich jederzeit der Anwesenheit der beschützenden Erwachsenen versichern und der Schlaf wird für alle Beteiligten geruhsamer.

Babys sind einfach dafür konzipiert, nicht alleine zu schlafen - ständiges Aufwachen und schauen, ob Mama und/oder Papa da sind, ist ein vollkommen natürliches Verhalten, das sich durch Reife früher oder später ändern wird. Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase! Und verkürzen lässt sie sich, wenn das Urvertrauen des Kindes gestärkt wird, indem man umgehend auf alle seine Bedürfnisse reagiert. Auch wenn das Umfeld in dieser Phase oft meint, man solle das Baby mal schreien lassen, da es nun alt genug sei, ist dies auf keinen Fall zu empfehlen - stell Dir vor, Du stehst im Dschungel, umgeben von Tigern und Hyänen und schreist aufgelöst nach Hilfe - was würdest Du empfinden, wenn Dein Mann kurz vorbei kommt, Dir den Kopf tätschelt, sagt "Beruhige Dich" und dann wieder geht - damit Du Dich selbst regulierst und lernst, allein mit der Situation klar zu kommen? Und wenn er das zwanzig mal gemacht hat, dabei die Abstände immer größer werden und er letztendlich doch immer wieder geht, dann wirst Du auch aufhören, nach ihm zu schreien. Weil Du denkst, dass er Dir ohnehin nicht hilft - aber hast Du denn auch weniger Angst? Schreien lassen funktioniert - aber um welchen Preis?

© Danielle

Kommentare:

  1. Meine Tochter fällt aus dem Raster raus. Sie fremdelt seit sie 2 3/4 Monate alt ist extrem. Dabei ist sie sogar 4 Wochen zu früh geboren.
    Sie ist nun 4 Monate alt aber es ist weiterhin sehr schlimm mit ihr. Manchmal fängt sie bei Oma und Opa so an zu schreien und zu weinen das man sie fast 1 Std lang beruhigen muss. Meist brechen wir den Besuch dann schnell ab. Sie tut mir schrecklich leid und ich hoffe es hört bald auf.

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  2. Unser Kleiner ist jetzt 19 Monate alt und fremdelt teilweise immer noch schlimm. Meistens aber nur bei dem Opa und dessen Familie von mütterlicher Seite . Das Verhältnis zu der Familie ist etwas schwer, kann es sein, dass unser kleine das spürt und dadurch da deutlich schlimmer fremdelt?

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    1. Das kann gut sein - Babys spüren durchaus, wenn unterschwellige Konflikte bestehen....

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  3. Hallo,
    ich bin heute auf diese Seite gestoßen und total begeistert!
    Ich habe eine Frage die nicht direkt etwas mit der 8-Monatsangst zu tun hat. Aber wie du auch von deiner Tochter geschrieben hast, verfällt meine Tochter (mittlerweile fast zwei Jahre alt, hat sehr stark gefremdelt und ist jetzt noch eher ein ängstlicher Typ) in eine Starre wenn sich ein fremder Erwachsener ihr nähert. Sie schaut dann auf den Boden und bewegt sich überhaupt nicht mehr. Wenn das zum Beispiel auf dem Spielplatz passiert (sie spielt neben einem Kind dass ihr dann zum Beispiel etwas wegnimmt und die Mutter des Kindes dann herbeieilt um es meiner Tochter zurückzugeben) gehe ich zu ihr und streiche ihr über den Rücken und rede mit ihr über die Situation ("hat dir das Kind die Schaufel weggenommen, aber schau da hast du sie wieder bekommen..."). Es dauert aber sehr lange bis sie wieder weiterspielen kann, wenn sie überhaupt wieder anfängt (meist erst wenn die Erwachsene Person wieder geht). Auch habe ich das Gefühl, dass ich in solchen Momenten gar nicht zu ihr durchdringe. Wie kann ich sie denn am besten unterstützten, dass sie nicht immer so erstarrt und selbstbewusster agiert?

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    1. Hallo,

      am meisten hilfst Du ihr, indem Du bedingungslos Rückhalt bietest. Sie muss einfach oft erleben, dass nichts Schlimmes passiert - aber diese Sicherheit muss sie einfach erst gewinnen. Vermutlich hat das wiklich etwas mit einer Art "Schockstarre" zu tun - also dem "Totstellen", das man im Tierreich beobachten kann. Dieses Verhalten wird sie aber ziemlich sicher nicht mehr lange beibehalten. Sie es einfach als Entwicklung und begleite das entsprechend :-).

      Kennst Du diesen Artikel zum Selbstbewusstsein: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/02/selbstbewusstsein-selbstwertgefuehl-selbstvertrauen-wie-kann-man-sein-kind-staerken-und-foerdern.html?

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  4. Hallo, ich habe heute einbissvheb im Internet geforscht bzgl. Fremdeln und bin dabei auf eure Seite gestoßen und ich muss sagen ich bin begeistert !!! Mein Kind ist jetzt 3 1/2 mon und das fremdeln hat vor ca 2 Wochen angefangen, was ich reichlich früh finde dachte es fängtx erst mit dem krabbeln an. Oben ist es ja auch so beschrieben... Männer müssen ihn nur anschauen und schon schreit er wie an Spieß, bei Frauen ist es etwas besser aber heute hat er auch dort angefangen bitterlich zu weinen habe 1/2 Std gebraucht das er sich einigermaßen beruhigt!! War beim Arzt und habe eine Infusion bekommen und die sprechstdhilfe hat ihn genommen, die ersten 5min waren ok er war zwar sehr skeptisch aber hat nicht geweint und plötzlich fing er an zu schreien und ich habe noch sofort abstöpseln lassen. Ich bin eine Alleinerziehende Mama und wir verbringen 24std miteinander, kann es daran liegen das er so früh fremdelt? Lg

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  5. Liebe Danielle,
    der Artikel ist ja schon älter, aber vielleicht liest du den Kommentar ja noch:

    Unsere Kleine ist jetzt 9 Monate, krabbelt seit circa 3 oder 4 Wochen und geht seit dem sie 6 Monate alt ist in die Kita, zwar nur max 2,5 Stunden täglich nach 2 monatiger Eingewöhungspahse aber es ist eine Fremdbetreuung. Dazu muss man sagen, dass die Gruppe nur aus max 9 Babys im alter bis max 1,3 Jahren besteht und es drei Betreuerinen gibt (das war auch der Grund warum wir uns für diese Krippe entschieden haben). Meine Kleine hat eine Bezugsperson und nach 1 wöchiger Beschnupperungsphase und dann nach 2 Wochen erster Trennung für 10 min habe ich das Gefühl, dass sie sich gut an sie gebunden hat. Sie ist aber auch sehr empathisch auf meine Kleine eingegangen.
    Jetzt ist es seit circa einem Monat ( mit steigender Intensität in den letzten zwei Wochen) so, dass die Kleine ganz stark fremdelt. Wenn fremde Erwachsene in unserer Wohnung oder in der Kita sind, wird sie sehr unruhig und will nur auf den Arm und bleibt selbst dort sehr misstrauisc.h Wenn sie sehr müde ist, weint sie auch.
    Außerdem will sie gar nicht mehr alleine bleiben, mein Mann (der viel zu Hause war in den letzten Monaten) und ich sind gut gegeneinander austauschbar. Sie bleibt mit jedem von uns alleine ( nur wenn sie Hunger hat bin ich nicht ersetzbar :-)) obwohl wir ab und zu das Gefühl haben, dass es ihr am liebsten ist, wenn wir beide da sind. Aber wehe wir entfernen uns von ihr, dann weint sie in höchster Stärke los. Ich darf mittlerweile sogar schon nicht einmal am Tisch sitzen (1,5 m von der Spielecke entfernt) Sie spielt nur in Ruhe, wenn einer von uns direkt neben ihr sitzt (Radius ungefähr ein Meter) und am liebsten auf ihrer Höhe, sprich Boden
    In der Kita ist es genauso.
    Ich habe das Gefühl, dass es die Bezugsperson dort stresst (ich nehem sie halt mit auf Klo, aber das kann ich von der Erzieherin ja nicht verlangen) und die Erzieherin hat mich auch schon angesprochen, dass sie hofft, dass das bald besser wird. Eine Bindung zu den beiden anderen Erzieherin hat sie wohl bisher noch nicht.

    Richtig erschrocken bin ich dann aber letzte Woche beim Pekip, wo die Leiterin meinte, dass die Kleine sich anschienend einfach nicht sicher fühlt, was ja auch klar wäre wegen der Kita.

    Das tut weh. Ich meine, ich will nur das Beste für die Maus. Und nun? aus der Kita raus nehmen? Ich brauche die Zeit dringend zum Lernen für meinen Job und ab Mai muss ich auch wieder arbeiten. Klar die Kleine geht vor, aber dann habe ich keine Ahnung wie wir hier über die Runden kommen sollen, ich müsste einfach unsere gesammte Planung umschmeißen

    Wie würdest du die Situation einschätzen?

    Wir tragen, stillen (neben ein bißchen BLW) und schlafen in einem Bett.
    Ich würde meine Kleine von Geburt an als beobachtend gegenüber neuen Dingen beschreiben, in neuen Situationen schaut sie erst mal (am liebsten von meinen Armen aus). Sie legt dort nicht von selber los und spielt. Auch habe ich es noch nicht erlebt (außer zu Hause im vertrauten Umfeld) dass sie sich von selber mehr als 1m von mir entfernt (das war auch das was die Pekip Leiterin als besorgniserregend eingestuft hat)

    Meinst du, sie hat keine sichere Bindung zu uns? Was können wir denn noch machen? Sie aus der Kita raus nehmen? Ansonsten würde mir echt nicht einfallen wie wir ihr noch mehr Sicherheit vermitteln können. Aber vielleicht hast du ja noch einen Rat?
    Oder wie schätzt du die Situation ein?

    Mensch das ist ein echt langer Text geworden, ich bin leider nicht klüger als vorher (manchmal hilft es mir alleine schon alles runter zu schreiben) daher wäre ich über deine Einschätzung dankbar. ich lese euren Blog sehr gerne und habe auch schon sehr viel für mich mitgenommen.

    1000Dank und sorry für die tipfehler, es ist eigentlich schon Schlafenszeit

    LG Eck

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    1. Liebe Eck,

      ich finde das Verhalten Deiner Tochter in diesem Alter vollkommen normal. Ich wundere mich über die Äußerungen der PEKIP-Leiterin - sie arbeitet schließlich die ganze Zeit mit Kindern in diesem Alter zusammen.

      Nein - ich würde sie nicht aus der Kita nehmen. Du schreibst, Du hast das Gefühl, dass sie sich dort sehr wohl fühlt und sich schon an die Erzieherin gebunden hat. Es ist normal, dass sie daher auch am liebsten die ganze Zeit auf ihrem Arm bleiben möchte. Das mag die Erzieherin anstrengen, aber sie kann das im Moment nicht ändern. Vielleicht kann man ja so nebenbei einfach mal im Gespräch einstreuen, was die biologischen Hintergründe dieses Verhaltens sind und dass es am schnellsten vorbei geht, wenn man einfach die gewünschte Nähe gibt.

      Und das wird es auch - es wäre für Babys nicht sinnvoll, wenn sie sich monatelang nur auf Mamas Arm aufhalten würden. Sie müssen schließlich ihre Umwelt entdecken und werden das auch nach und nach tun.

      Nach Deiner Beschreibung würde ich nicht davon ausgehen, dass Dein Kind unsicher gebunden ist.

      Viele Grüße
      Danielle

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  6. Hallo liebes Team,

    ich bin erst vor kürzerer Zeit auf diese Seite gestoßen und war sehr begeistert. Auch das Buch habe ich schon gelesen und konnte sehr viele gute Tipps mitnehmen und umsetzen!!! Mein Sohn ist 3 Jahr und 4 Monate alt. Er ist seit dem er 2 ist im Kindergarten und ich arbeite seit über einem Jahr wieder. Er geht nur Vormittags in die Kita, damit wir genügend Zeit zusammen haben. Er ist ein sehr fittes Kerlchen, wie der Kinderarzt immer sagt. Er war nun mit einem Magen-Darm-Virus letzte Woche zu Hause und hat seit dem unheimlich schlechte Laune. Er ist gereizt, will nicht mehr aus dem Haus und ständig auf den Arm. Er sagt, es macht ihm keinen Spaß zu laufen. Und selbst mit meinen Eltern, die einmal pro Woche seit seiner Geburt Nachmittags kommen, fühlte er sich nicht mehr "sicher" und verlangt nach mir. Ich bin total ratlos, so kenne ich ihn einfach gar nicht und weiss nicht was ich machen soll. Er will nicht mehr in den Kindergarten (wir sind beide berufstätigt). Er klammert sich an den Papa, weint und fleht ihn an, ihn wieder mit zu nehmen. Das macht uns schwer zu schaffen. Er isst seit einiger Zeit auch eher schlecht, bzw nur was er will. Das war nie so, er hat immer Gemüse und alles gegessen. Jetzt möchte er am liebsten nur Toast oder Süßes. Seit Sommer macht er nun keinen Mittagsschlaf mehr, obwohl wir manchmal denken, dass es ihm noch gut tun würde. Denn auch seit kurzem schläft er im Auto nach einer Minute schon fest ein. Ist alles etwas viel auf einmal zu berichten, tut mir leid! Aber genauso ist es momentan und wir sind auch etwas überfordert. Was können wir tun? Ich wäre über eine Antwort wirklich sehr dankbar.

    Viele liebe Grüße
    Nathalie

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    1. Liebe Nathalie,

      es ist ganz normal, dass Kinder nach Erkrankungen erst mal wieder extrem anhänglich werden. Oft gibt es in dem Alter auch noch mal einen Entwicklungssprung. Insofern sind die Chancen recht gut, dass es nur eine kurze Phase ist. Nach der Abschaffung des Mittagsschlafes haben Kinder auch oft damit zu tun, die lange Wachphase zu überstehen, auch das kann Grund für die schlechte Laine sein.

      Viele Grüße
      Danielle

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  7. Hallo,

    Ich hab mal eine Frage zum verabschieden, der Zwerg ist bald sieben Monate alt und ich werde ab da arbeiten gehen, während mein Mann zu Hause bleibt. Wenn ich dann arbeiten gehe kann es gut sein, dass der Zwerg noch schläft, wenn ich los muss (so gegen halb acht) ist es dann sinnvolle ihn zu wecken um mich zu verabschieden?
    Eher nicht oder?
    Aber aufwachen und Mama ist nicht da, obwohl sie vorher noch da war ist auch doof. Der kleine ist gut an den Papa gebunden, aber Bezugsperson Nummer eins bin schon ich.


    Und noch mal danke für den spannenden Blog

    Liebe Grüße
    Isa

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    1. Liebe Isa, nee, wecken ist doof. Sag im am besten abends, dass du am nächsten Morgen schon weg bist, wenn er aufwacht und der Papa für ihn da ist. So ist er nicht überrascht und kann sic drauf einstellen.
      LG, Snowqueen

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  8. Liebe Snowqueen, liebe Danielle,
    meine Tochter ist 8 Monate alt und fremdelt eigentlich ueberhaupt nicht. Sie sieht fremde Menschen vielleicht mal kritisch an, aber geht eigentlich immer auf den arm ohne zu weinen. sie ist generell ein sehr aufgewecktes und froehliches kind. tagsueber.

    nachts entwickelt sie sich dann zu einem anderen menschen. wacht 5-15 mal auf (und das, obwohl sie zwischen 2 und 6 monate meist durchgeschlafen hat) weint oft bitterlich und laesst sich nur schwer beruhigen. von papa laesst sie sich meist gar nicht beruhigen, obwohl der gerade Auch zu hause ist und genausoviel zeit mit ihr verbringt wie mama.

    denkt ihr, das koennte ihre persoenliche art des fremdelns sein? wir wissen gar nicht mehr wirklich, was wir noch tun koennen, um ihr die naechte einfacher zu gestalten. sie schlaeft oft nur mit koerperkontakt und wacht sofort auf, wenn man sich von ihr entfernt. da mich die situation ziemlich schlaucht, frage ich mich, ob ich es ihr zumuten kann, mal eine nacht woanders auszuschlafen und sie mit papa allein zu lassen? sie wird gestillt, nimmt aber Auch die flasche.

    gruesse, kathi

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    1. Liebe Kathi, ja, für mich klingt es danach, als würde deine Tochter ihre schöne Offenheit nachts kompensieren. Das spricht einerseits sehr für eure gute Bindung, andererseits schlaucht das natürlich unglaublich. Es ist ihr zuzumuten, eine Nacht beim Papa zu verbringen, aber zu anderen Bezugspersonen würde ich sie über Nacht noch nicht geben. Was ich raten würde und gemacht habe: Das Kind plus Mann tagsüber rausschicken auf den Spielplatz und dann selber schlafen. Das hat bei mir einiges entspannt.

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