Warum Babys nicht alleine einschlafen wollen

Wenig bewegt Eltern in den ersten beiden Lebensjahren – im schlechtesten Falle auch darüber hinaus – so intensiv wie das Thema „Schlafen“. Es soll sie ja geben – diese Kinder, die schon immer super eingeschlafen sind und früh unproblematisch durchschliefen. Ich selbst habe Kinder erlebt, die in Krabbelgruppen während des Spielens einfach eingeschlummert sind.

So etwas habe ich stets fassungslos beobachtet – vollkommen irritiert und leider auch sehr neidisch. Denn „solche“ Kinder waren mir leider nicht vergönnt. Meine Kinder konnten lange nicht alleine einschlafen. Während ich nach dem ersten Kind noch vermutete, dass das eigene Verhalten einen maßgeblichen Einfluss auf das Schlafverhalten von Kindern hat, lehrte mich mein zweites Kind: Trotz allem, was ich theoretisch über das Schlafverhalten weiß, und egal, wie man sein Verhalten optimiert – es gibt einfach Kinder, die sehr viel häufiger aufwachen und deutlich mehr Begleitung beim Schlafen brauchen. Das ist anstrengend, aber es kann tröstlich sein zu wissen, dass sich Babys in ihrem Schlafverhalten stark unterscheiden.

Warum Babys nicht alleine einschlafen wollen

Menschenkinder sind lange Zeit vollkommen hilflos, nachdem sie geboren wurden. Sie sind auf die Betreuung und Nähe Erwachsener angewiesen. Dass Babys die Nähe ihrer Bezugspersonen suchen und auf Trennung reagieren, ist deshalb zunächst einmal völlig normales Verhalten.

Während es im wachen Zustand vergleichsweise einfach ist, dafür zu sorgen, auf Mamas oder Papas Arm zu sein – und sei es, indem man das durch pausenloses Geschrei einfordert –, ist die Einschlafphase für viele Babys eine besonders sensible Zeit. Sie sind müde, möchten schlafen und suchen gleichzeitig Nähe und Beruhigung. Deswegen fällt es vielen Kindern schwer, allein in den Schlaf zu finden. Es gibt aber Methoden, die das Kind beim Einschlafen aktiv unterstützen.

Gerade Neugeborene haben noch keinen regelmäßigen Schlafrhythmus. Ihr Schlaf unterscheidet sich deutlich vom Schlaf älterer Kinder und Erwachsener und entwickelt sich während der ersten Lebensmonate weiter. Deshalb können sie beim Ablegen oder bei Veränderungen ihrer Umgebung leicht wieder aufwachen.

Viele Eltern stellen fest, dass ihr Kind am besten einschläft, wenn es bewegt wird – sei es im Tragetuch, im Kinderwagen oder im Auto. Gleichmäßige Bewegung kann auf Babys beruhigend wirken. Auch Tragen, Wiegen und sanftes Schaukeln gehören deshalb für viele Familien zu den wirksamen Beruhigungsmöglichkeiten.

Für den regulären Schlaf eines Babys gelten allerdings die Empfehlungen zum sicheren Babyschlaf: Babys sollten auf dem Rücken auf einer festen, flachen und nicht geneigten Schlafunterlage schlafen. Autositze, Kinderwagen, Schaukeln und andere Sitz- oder Bewegungshilfen sind kein Ersatz für einen sicheren Schlafplatz.

Babys brauchen zum Schlafen oft Körperkontakt

Häufig wird empfohlen, dass Babys alleine in ihrem Bett einschlafen sollen, damit sie beim Aufwachen zwischen den Schlafphasen ähnliche Bedingungen wie beim Einschlafen vorfinden und leichter wieder einschlafen können. Bei älteren Babys kann es tatsächlich hilfreich sein, wenn sie zunehmend auch ohne bestimmte Einschlafhilfen in den Schlaf finden. Bei Neugeborenen und sehr jungen Babys ist selbstständiges Einschlafen jedoch keine Voraussetzung für gesunden Schlaf.

Es gibt Kinder, die sich tatsächlich unproblematisch in ein Bett legen lassen und vom ersten Tag an dort friedlich einschlafen. Der Normalfall ist das nicht – viele Kinder wollen insbesondere in den ersten Lebenswochen bevorzugt an oder auf ihren Eltern einschlafen, nicht wenige möchten auch nachts viel Körperkontakt.

Noch immer wird Eltern manchmal geraten, das Baby einfach eine Weile schreien zu lassen. Wer das nicht möchte, muss das selbstverständlich nicht tun. Wenn man das Bestreben hat, dass ein Kind zunehmend ohne Stillen, Flasche, Tragen oder Wiegen einschläft, kann man die im Folgenden unter „Sanftes Ablösen“ beschriebene Methode ausprobieren.

Man muss aber ganz klar sagen: Für Säuglinge ist es ganz natürlich, im Arm einschlafen und die Nacht in der Nähe ihrer Eltern verbringen zu wollen. Es besteht keine Gefahr, ein Baby durch liebevolle Zuwendung und Nähe zu verwöhnen.

Genau genommen genießen es die meisten Eltern sogar, weil ihnen ihr Bauchgefühl sagt: „So ist es richtig! Das braucht mein Kind offenbar.“ Doch leider gibt es immer noch viele Verwandte und Bekannte, die kritisch unken, dass das Baby damit konditioniert werde. Um es ganz deutlich zu sagen: Ein Kind in den Schlaf zu tragen ist keine Unsitte. Für viele Babys sind Nähe, Körperkontakt und Bewegung wichtige Hilfen zur Beruhigung.

Wie lange ein Kind diese intensive Körpernähe zum Einschlafen braucht, ist sehr unterschiedlich. Manche Babys können schon früh auch anders einschlafen, andere brauchen deutlich länger Begleitung. Eine sanfte Veränderung der Einschlafgewohnheiten ist auch später noch möglich. Ich möchte an dieser Stelle wirklich von Herzen empfehlen, Kinder, die nicht alleine einschlafen können, zu begleiten, aktiv und passiv – vorzugsweise so lange, wie es für Kind und Eltern gut passt.

Sanftes Ablösen beim Einschlafen

Eine klassische Situation: Das Neugeborene wird erkennbar müde – Mama und Papa beschließen, dass es an der Zeit ist, dass das Baby auch mal alleine im Kinderbett einschläft. Sie machen es bettfertig, legen es hin und stehen neben dem Kinderbett in der Erwartung, dass das Kind nun ruhig einschläft.

Das Kind hingegen ist irritiert. Bisher war es in den Wachphasen die meiste Zeit im Arm und schlief dort ein, und plötzlich wird es in einer sensiblen Phase, in der es müde ist und Nähe zum Einschlafen sucht, ins Bett gelegt. Eltern sind oft überrascht, wie vehement das Baby sich wehrt, wenn es abgelegt wird – dabei ist es doch augenscheinlich so müde und müsste eigentlich schnell einschlafen.

Viele Eltern beginnen deshalb irgendwann, ihr Kind dauerhaft in den Schlaf zu tragen, zu stillen oder anderweitig zu begleiten. Wie bereits erwähnt, spricht grundsätzlich nichts dagegen, das so lange zu praktizieren, wie Eltern und Kind das wollen.

Es gibt jedoch eine sanfte Möglichkeit, eine Einschlafhilfe schrittweise zu verändern. Viele Kinder schlafen in den ersten Monaten an der Brust oder Flasche ein. Wer das verändern möchte, kann versuchen, Brust oder Flasche kurz vor dem vollständigen Einschlafen vorsichtig zu lösen.

Das Baby wird bettfertig gemacht und beginnt an der Brust oder Flasche zu trinken und schlummert dabei ein. Wenn man das Gefühl hat, dass es kurz vor dem Einschlafen ist, löst man es sanft. Wird das Kind wieder wach und protestiert, wird die Brust oder Flasche wieder angeboten. Sobald es sich beruhigt hat und erneut einschlummert, kann man es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.

Dabei geht es nicht darum, einen ganz bestimmten Zeitpunkt wenige Sekunden vor dem Einschlafen zu treffen oder den Vorgang so lange zu wiederholen, bis das Baby „aufgibt“. Entscheidend ist vielmehr, die bisherige Einschlafhilfe vorsichtig zu verändern und auf die Reaktion des Kindes zu achten. Manche Babys akzeptieren diese Veränderung recht schnell, andere brauchen deutlich länger oder reagieren in bestimmten Entwicklungsphasen überhaupt nicht gut darauf.

Je nachdem, ob das Kind beim Einschlafen im Arm gehalten wurde oder bereits im Bett liegt, kann später auch das Ablegen schrittweise verändert werden. Man kann versuchen, das Baby schläfrig, aber noch nicht vollständig eingeschlafen abzulegen. Protestiert es, kann es wieder aufgenommen und beruhigt werden.

Ob und wann das funktioniert, ist in erheblichem Maße kind- und altersabhängig. Gerade bei sehr jungen Babys gibt es keinen Grund, selbstständiges Einschlafen zu erzwingen. Mit zunehmendem Alter können Eltern ausprobieren, ob ihr Kind bereit ist, einzelne Einschlafhilfen nach und nach zu verändern.

In einem anderen Artikel unseres Blogs erfährst du, wie man Kleinkinder beim alleinigen Einschlafen unterstützen kann.

Passend dazu in unserem Podcast

Warum Babys und Kinder so unterschiedlich schlafen, weshalb viele beim Einschlafen die Nähe ihrer Eltern brauchen und was Eltern beim Ein- und Durchschlafen unterstützen kann, besprechen wir ausführlich in unserer Podcastfolge „Wie Kinder schlafen – Familienbett, Einschlafbegleitung und Durchschlafen“.

© Danielle