Mein Kind hat Angst - was tun bei kindlichen Ängsten


Eltern haben eine Grundsehnsucht danach, ihren Kindern negative Gefühle zu ersparen. Sie möchten, dass ihre Kinder glücklich, zufrieden und angstfrei aufwachsen. Doch das ist leider unrealistisch, denn Angst zu empfinden ist fester Bestandteil der kindlichen Entwicklung. Wir fühlen uns oft überfordert, wenn wir erleben, wie unsere Kinder Angst haben und sind unsicher, wie wir ihnen bei der Bewältigung helfen können. Logik spielt bei der Angstbewältigung oft nur eine untergeordnete Rolle, weswegen sie bei der Problemlösung häufig versagt. Aber unsere Kinder sind gut gerüstet - sie entwickeln oftmals viel Fantasie, Humor, Mut und Magie verschiedene Strategien dafür. 

Das Gefühl "Angst" und seine Funktion 


In den ersten Lebensjahren durchleben Kinder viele verschiedene Ängste. Ein Teil davon ist entwicklungsbedingt, ein anderer erziehungsbedingt. Ängste sind auch vom Temperament des Kindes, seiner genetischer Anlage und dem Familienklima beeinflusst.

Das Angstgefühl hat evolutionsbiologisch gesehen eine wichtige Funktion. Es gewährleistet unser Überleben, da es uns davor schützt, dass wir uns in unnötige Gefahr begeben. Angst lässt uns Risiken abwägen und verschiedene Vorgehensweisen kritisch überdenken. Wer Angst empfindet, wird vorsichtiger und analysiert Gefahren genauer. Würden wir keine Angst empfinden, wäre die Menschheit schon ausgestorben.

Wir sollten uns bewusst machen, dass das Angstgefühl zu unserem Schutz ist und uns davon lösen, es als etwas Negatives anzusehen, das bekämpft werden muss. Unsere Aufgabe ist es nicht, unsere Kinder vor Ängsten zu bewahren - wichtig ist vielmehr, sie zu begleiten und ihnen Sicherheit und Rückhalt zu geben. So lernen sie mit der Angst umzugehen, sie zu bewältigen und gehen gestärkt aus der Konfrontation mit ihr hervor. Es ist illusorisch anzunehmen, dass wir eine Welt ohne Ängste für unsere Kinder schaffen können. Selbst wenn uns das gelänge, wäre das alles andere, als gesund für sie, da sie so nicht lernen, Gefahren einzuschätzen.

Versteckte Ängste


Ängste sind nicht immer sofort offensichtlich erkennbar - manchmal verstecken sie sich hinter bestimmten Verhaltensweisen:

Regression


Dabei scheinen sich Kinder zurück zu entwickeln und benehmen sich nicht altersangemessen. Sie nässen ein, reden in Babysprache, wollen wieder gewickelt, gefüttert oder getragen werden. Dieses Verhalten wird häufig bei der Geburt von Geschwistern beobachtet und ist ein deutlicher Ausdruck von Trennungsangst

Rückzug


Angst kann sich auch durch ein deutliches Zurückziehen der Kinder - meist verbunden mit einem mangelnden Selbstbewusstsein - äußern. Sie trauen sich kaum etwas zu, suchen keinen Kontakt zu anderen und sind sehr still und passiv.

Überangepasstheit


Auch das Bemühen, sehr angepasst und unauffällig zu sein, kann durch Ängste verursacht werden. Die Kinder sind dabei übermäßig brav, wollen nicht auffallen, sind leise und bewegen sich teilweise sogar in gebückter Haltung

Aggression


Aggressives Verhalten kann auch der Angstkompensation dienen. Auch Ungeduld, Hektik und übermäßige Albernheit treten dabei auf.

Distanzlosigkeit


Distanzlosigkeit wird oft von schlecht gebundenen Kinder gezeigt. Sie gehen ohne Vorbehalte auf jede Person zu und suchen aktiv körperliche Nähe durch Küsse und Umarmungen und wirken dabei vollkommen vertrauensselig und angstfrei. Dabei suchen sie Nähe und Schutz, weil sie unter Trennungsängsten leiden.

All diese Verhaltensweisen können auf Angst als Ursache hinweisen - müssen es aber nicht. Oft stecken auch andere Ursachen dahinter. 

Entwicklungsbedingte Ängste 


Kinder durchleben in den ersten fünf Lebensjahren die folgenden Angstformen: 
  • die Körperkontaktverlust-Angst,
  • die Achtmonatsangst,
  • die Trennungsangst,
  • Vernichtungsangst und
  • die Todesangst.
Entwicklungsbedingte Ängste reifen in der Regel aus, sie verschwinden irgendwann ganz alleine, wenn das Kind eine bestimmte Reife erreicht hat - kaum ein Dreijähriger wird noch massiv unter Körperkontaktverlust-Ängsten leiden oder fremdeln. 

Die Körperkontaktverlust-Angst 


Körperkontaktverlust-Angst empfinden Babys ab der Geburt. Sie sind bestrebt, den Körperkontakt dauerhaft aufrecht zu erhalten und reagieren auf Ablegen häufig mit Weinen. Das ist ein biologisch sinnvolles Verhalten, weil durch dauerhaften Körperkontakt das Überleben sicher gestellt wird. Wird dem geäußerten Bedürfnis nach körperlicher Nähe nicht verlässlich nachgekommen und das Baby schreien gelassen, kann das Auswirkungen auf das Urvertrauen haben. Wenn dieses erschüttert ist, wird sich das auch auf die weiteren Ängste auswirken. Im Babyalter können wir durch viel Nähe und Körperkontakt schon ein stabiles Fundament für die Fähigkeit der Angstbewältigung legen. 

Die Achtmonatsangst 


Ab dem achten Lebensmonat beginnt das Kind zu fremdeln - es unterscheidet zwischen "bekannt" und "unbekannt" und will nun häufig nicht mehr auf andere Arme. Es handelt sich um eine natürliche Schutzreaktion, die zeitlich mit dem Zeitpunkt der ersten motorischen Fortbewegungsversuche zusammenfällt. Die Angst sorgt dafür, dass das Baby nicht zu weit weg krabbelt oder gar außerhalb der Sichtweite der Mutter einfach ungehört von Fremden weg- und mitgenommen wird.

Die kindliche Neugier ist jedoch nach wie vor vorhanden, so dass das Kind ständig mit sich ringt - einerseits ist es ängstlich, andererseits sehr an Neuem interessiert. Gibt man Kindern genug Zeit und die Gewissheit, dass sie jederzeit zurück in den schützenden Raum (den elterlichen Arm/Schoß) können, werden Babys ihre ersten Ängste bald ganz allein bewältigen. Es ist wichtig, dabei auf das Naturell des Kindes Rücksicht zu nehmen - einige nehmen recht schnell mit unbekannten Menschen Kontakt auf, andere brauchen viel mehr Zeit.

Man sollte Kinder in dieser sensiblen Phase nicht drängen. Problematisch ist es vor allem immer dann, wenn das Kind eigentlich bekannte Menschen anfremdelt - wie beispielsweise die Oma. Letze Woche hat es noch juchzend auf ihrem Arm gesessen, plötzlich empfindet es große Furcht. Leider verstehen die meisten Großeltern nicht, warum das Kind plötzlich so zurückhaltend ist und reagieren deswegen wenig verständnisvoll. Mit "Hab dich nicht so!", "Nun komme schon her!" oder "Hast du die Omi etwa nicht lieb?" setzen sie die Kinder unter emotionalen Druck. Es ist wirklich wichtig, in dieser Phase möglichst gelassen zu erklären, warum Kinder gerade solche Ängste aufbauen und auch, dass diese Phase schnell vorbei geht - in der Regel umso schneller, je weniger man das Kind bedrängt. Bei uns findest Du einen Artikel über die Fremdelphase, der Dir dabei hilft, das Verhalten Deines Kindes zu erklären. 

Trennungsängste 


Sobald Kinder motorisch dazu in der Lage sind, ihre Eltern zu verlassen, entstehen auch erste Trennungsängste, die sie viele Jahre lang begleiten. Es fällt Kinder sehr schwer, von ihren primären Bezugspersonen getrennt zu sein. Vor allem im Dunkeln und wenn sie allein sind, sind Trennungsängste oft sehr ausgeprägt.

Die Trennungsangst hat eine biologische Funktion - Kinder die furchtlos losstürmten, liefen in Gefahr, verloren zu gehen. Heutzutage käme zwar kaum ein Kind abhanden, aber in den tausenden Jahren zuvor wäre das ein ernsthaftes Problem gewesen. Daher hat die Natur es eingerichtet, dass Kinder sich stets der Nähe ihrer Eltern versichern. Sicher gebundene Kinder haben in der Regel weniger mit Trennungsängsten zu kämpfen, als unsicher gebundene (das heißt natürlich nicht, dass Trennungsängste ein Zeichen für ein unsicher gebundenes Kind sind - auch sicher gebundene Kinder leiden darunter, nur eben meist nicht so ausgeprägt).

Wichtig zu wissen ist, dass auch "anstrengendes" Verhalten ein Ausdruck von Trennungsangst sein kann. Jan-Uwe Rogge schreibt dazu: 
"Andere Kinder erzwingen Nähe, erpressen ihre Eltern mit Quengeln, trotziger Weinerlichkeit und tränennasser Traurigkeit. [...] Oder sie verwickeln ihre Mütter und Väter in Machtkämpfe, provozieren darüber Aufmerksamkeit und erhalten Nähe. Solche Machtkämpfe sind für Eltern schwierig und nur dann zu beenden, wenn sie deren Ursache erkennen. Und vor allem: Den Kindern, die Bindung mittels Machtkämpfen erzwingen, fallen ständig andere Unarten ein, ihre Eltern an sich zu ketten. Konsequentes Verhalten der Eltern wird mit dem Hinweis der Kindes wie "Du hast mich wohl nicht mehr lieb!", "Dann mag ich dich nicht mehr!" oder "Nie hast du Zeit für mich!" unterlaufen. Kinder lassen sich vor allem nicht auf ein Nachher vertrösten, sie wollen sofortige Befriedigung ihres Bindungsbedürfnisses, sie feilschen um jede Minute Nähe und Zuwendung."
Auch abendliches Theater um das Ins-Bett-Gehen und Ein- oder Durchschlafprobleme sind oftmals von Trennungsängsten beeinflusst. Hilfreich (aber keine Patentlösung) sind feste, ruhige abendliche Rituale. Teil dieses Rituals sollte es sein, über den vergangenen Tag zu sprechen - so kann das Kind schon die bewegendsten Eindrücke in geschütztem Rahmen verarbeiten und über das sprechen, was es belastet.

Auch die Zuverlässigkeit der Bezugspersonen spielt eine enorme Rolle - Kinder, die sich immer auf ihre Eltern verlassen können, werden weniger Sorgen haben, ob Mama oder Papa auch wirklich wieder kommen. Daher ist es von großer Bedeutung, Trennungen immer anzukündigen und nie einfach das Kind zu verlassen, in der Hoffnung, dass es so nicht weint. 

Vernichtungsängste 


Um den dritten Geburtstag herum bilden sich Vernichtungsängste aus - Kinder haben plötzlich vor vielen Dingen Angst - Dunkelheit, Feuer, Gewitter, Lärm, Monster, Tiere, Hexen... In diesem Alter sind die meisten Kinder in der magischen Phase und spielen sehr viel mit den Ängsten.
 
Bei der Angst vor Monstern, Hexen oder anderen Gestalten sollten wir als Eltern (zunächst) keine fertigen Lösungen anbieten, sondern das Kind auffordern, selbst Ideen zu entwickeln.  Ängste sind so vielschichtig, dass es wahrscheinlicher ist, dass das Kind eine Idee entwickelt, mit ihnen umzugehen. Mit Logik ist solchen Ängsten ohnehin kaum beizukommen.

Wenn das Kind jedoch völlig hilflos ist, kann man zu etwas Magie greifen und sich den Umstand zunutze machen kann, dass unsere Kinder uns (noch) für allmächtig und unbesiegbar halten.  Eine mit Wasser gefüllte Sprühflasche kann bemalt/beklebt werden und zu einem Monstervernichtungsmittel oder Schutzelixier erklärt werden. Vielen Kindern hat es schon geholfen, wenn man sie oder die Monsterverstecke vor dem Schlafen eingesprüht hat. Ein Tropfen Duftöl macht das Wasser noch "magischer". Auch der Geheimtippp singen kann hier helfen - das Kind soll einfach mal ausprobieren, ob die Angst dabei verfliegt. 

Bedingt durch Vernichtungsängste treten phasenweise Albträume auf - meist hängen sie mit Entwicklungsschritten zusammen. Kinder verarbeiten nachts ihre Ängste - Albträume wirken reinigend für die Seele. Sie treten häufig erst im letzten Drittel der Nacht auf und sind bis zu einem gewissen Grad vollkommen normal. Hilfreich ist es, wenn das Kind die Möglichkeit bekommt, am Abend die Geschehnisse des Tages aufzuarbeiten. Dazu kann man im Abendritual bspw. eine feste Zeitspanne einplanen. Was war schön am Tag? Was hat dem Kind gar nicht gefallen? Wichtig ist es auch, Träume nachzubereiten - das Kind soll erzählen können, was es geträumt hat - möglichst ohne den Hinweis "Na war ja nur ein Traum - jetzt ist alles wieder gut". Wenn Kinder sich ernst und angenommen fühlen und auch jederzeit ohne Verstimmung ins elterliche Bett schlüpfen können, sollten Albträume nur gelegentlich auftreten. Wenn jedoch Ein- und Durchschlafstörungen dazu kommen oder das Kind massiv unter schlechten Träumen leidet, sollte man sich ärztliche Hilfe suchen. 

Neben normalen Albträumen gibt es auch den weniger häufigen Nachtschreck. Das Kind schreckt plötzlich innerhalb der ersten Tiefschlafphase (ca. 15 - 60 Minuten nach dem Einschlafen) aus dem Schlaf hoch und fängt an, angstvoll zu schreien. Es ist dabei nicht wirklich wach, sondern "gefangen" in der Übergangsphase zwischen Schlafen und Wachen. Da das Kind dabei nicht wach wird, kann man es leider auch nicht wirklich beruhigen. Man sollte den Nachtschreck begleiten und dafür sorgen, dass das Kind sich nicht verletzt. Nach etwa zwei bis  vierzig Minuten ist der Anfall vorbei und das Kind schläft meist ruhig weiter (oder erwacht richtig). Am nächsten Morgen kann es sich meist an nichts erinnern. Bis zu sechs Prozent aller Kinder sind vom Nachtschreck betroffen, am häufigsten tritt er zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr auf. 

Todesängste 


Das Verständnis dieses Begriffes "Tod" ist in den ersten Lebensjahren stark eingeschränkt. Kinder bis zu drei Jahren sind nicht in der Lage, den Tod auch nur annähernd zu begreifen, sie haben in der Regel auch wenig Interesse daran. Im Alter zwischen drei und fünf Jahren beginnen sie, sich damit intensiver auseinander zu setzen und nehmen ihn mit in ihr Spiel auf ("Ich schieß dich tot!"). Allerdings ist ihnen die Endgültigkeit des Zustand des Todes nicht bewusst - er erscheint für sie vorübergehend. Außerdem gehen sie davon aus, dass er nur andere (böse) Menschen trifft. Erst mit etwa sechs Jahren wird ihnen klar, dass auch ihre Eltern und sie sterblich sind - nun entwickeln sich die entsprechenden Ängste, die je nach Temperament stärker oder schwächer ausgebildet sind. 

Bei Todesängsten ist eine Visualisierung von Zeitspannen hilfreich. Ich habe mit meinem Kind eine 85 cm langen Zeitstrahl aufgemalt, der die durchschnittliche Lebenserwartung darstellt. Dann habe ich eingezeichnet, wie viel Zeit des Lebens schon bei den Kindern, bei den Eltern und bei den Großeltern verstrichen ist. Kinder haben oft das Gefühl, schon ewig auf der Welt zu sein - nachdem meine Tochter sah, wie viel Zeit ihres Lebens erst vorbei ist und wie viel Zeit entsprechend noch wie Eltern haben werden, hat ihr das sehr geholfen. 

Erziehungsbedingte Ängste 


Neben den entwicklungsbedingten Ängsten bilden sich auch durch die Erziehung bedingte Ängste aus. Kindern, die ständig "Vorsicht!", "Achtung!" und "Pass auf!" hören, fällt es irgendwann schwer, unbedarft und unängstlich an Situationen heranzugehen. Zudem solche Zurufe sie nicht davor bewahren, sich weh zu tun - meistens passieren die Malheure ohnehin in Situationen, in denen man nicht damit gerechnet hat.

Leider neigen Eltern dazu, Ängste der Kinder zu Erziehungszwecken zu nutzen. Besonders hervor sticht der Satz "Wenn du jetzt nicht kommst, dann gehe ich ohne dich!" Und es funktioniert ja auch bei den meisten Kindern verlässlich. Weil sie eben wirklich denken, dass man ohne sie geht. Mit wenig Aufwand kann man so das Urvertrauen seines Kindes in Bezug darauf, dass man es niemals allein lassen würde, zerstören.

Es ist nachvollziehbar, dass solche Sätze die kindlichen Trennungsängste verstärken. Hört man im Umfeld mal genauer hin, entdeckt man so manch merkwürdige elterliche Drohung, die auf dem Ausnutzen von Ängsten basiert. Auch wenn es bequem ist, weil es die Kinder dazu bringt, zu tun, was man möchte, so wird eine solche Erziehung langfristig ziemlich sicher negative Auswirkungen haben und Trennungsängste verstärken. 

Krankhafte Ängste 


Manchmal sind oder werden Ängste von Kindern behandlungsbedürftig. Wie erkennt man aber, was noch normal ist und ab wann man sich Hilfe suchen sollte? Die entwicklungsbedingten Ängste macht jedes Kind mehr oder weniger intensiv mit. Sie sollten sich jedoch altersgerecht entwickeln (d. h. ändern). Bleiben Ängste über lange Zeit konstant, helfen keinerlei Bewältigungsstrategien und leidet das Kind erkennbar, sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. 

Strategien für die Angstbewältigung 


Es gibt leider keine universellen Patentrezepte für den Umgang mit Angst. Dafür sind sowohl die Ängste als auch die Kinder viel zu unterschiedlich. Es gibt jedoch ein paar grundlegende Dinge, die jedem Kind dabei helfen, seine Ängste zu bewältigen. Was angeblich immer helfen soll: singen! Neurobiologen sagen, dass das Hirn beim freien Singen nicht in der Lage ist, Angstgefühle zu mobilisieren.

Wichtig ist, dass Kinder ausreichend Gelegenheit haben, sich Ängsten zu stellen. Dabei ist das richtige Maß entscheidend - zu viele Ängste können traumatisieren, Überbehütung dazu führen, dass die Fähigkeit der Angstbewältigung erst gar nicht ausreichend ausgebildet wird.

Kinder, die sich sicher und geborgen fühlen und sicher gebunden sind, leiden in der Regel weniger an Ängsten, als Kinder, bei denen das nicht der Fall ist. Sie entwickeln ein höheres Selbstvertrauen und sind bei der Angstbewältigung meist sehr kreativ und erfolgreich. 

Was nicht gegen kindliche Ängste hilft 


Ängste kleinreden


In unserer Kultur werden Ängste traditionell klein geredet. Auch das ist noch das Erbe der Erziehung unserer Großeltern und Eltern. Wer Angst hat, ist vermeintlich schwach. Und schwache Menschen wurden im dritten Reich nicht gebraucht - furchtlose Mannsbilder waren gefragt. Ängste wurden damals generell bagatellisiert und lächerlich gemacht - übrig geblieben sind bis heute "Stell dich nicht so an" und "Du musst doch keine Angst haben!" Ohne Angst erkennen Kinder jedoch ihre Grenzen nicht. Soldaten, die furchtlos in den Krieg marschieren, sind für das Heer erstrebenswert - Kinder, die zu hoch auf einen Baum klettern und sich das Genick brechen, weil sie keine Ängste kennen (oder empfinden sollen), sind es für uns jedoch nicht. Wir sollten daher unbedingt darauf achten, solche Sätze zu vermeiden und die Angst anzunehmen. 

Ängsten zu viel Bedeutung beizumessen 

 

Ängste sollten ernst genommen werden - allerdings ist die Grenze zur Übertreibung manchmal schmal. Bei meiner Tochter habe ich bspw. offenbar etwas übertrieben zugewandt reagiert - die Angst wurde für sie ein Mittel, mit dem sie Aufmerksamkeit einforderte. Nachdem sie mir mit drei Jahren erklärte, sie habe vor dem Laternenmast (an dem sie jeden Tag mehrfach vorbei ging) plötzlich große Angst, musste ich mir eingestehen, dass ich vielleicht etwas übertrieb mit meiner Reaktion auf ihre Ängste. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit ist natürlich wichtig und sollte erfüllt werden, nur die Verknüpfung mit dem Thema Angst macht den Umgang damit eher schwieriger.  

Ängste vermeiden 


Unsere Kinder beschützen zu wollen, das ist fest im biologischen Elternprogramm hinterlegt. Sie aber durch Überbehütung konsequent vor nahezu jeder Angst oder Bedrohung zu schützen, führt dazu, dass sie keine Bewältigungsstrategien entwickeln können. 

Was man bei kindlichen Ängsten tun kann 


Ängste ernst nehmen 


Wir helfen unseren Kindern am besten, wenn wir ihre Ängste ernst nehmen und ihnen zuhören. Über etwas zu reden, nimmt ganz häufig schon den größten Schrecken. Zurückhaltend sollten wir mit dem Anbieten von Lösungen sein.
"Du musst doch keine Angst haben" sollten wir komplett aus unserem Repertoire werfen - das ist wenig hilfreich. Ein "Ich verstehe, dass du ängstlich bist - lass uns überlegen, wie wir der Angst begegnen können" zeigt Mitgefühl und gibt Sicherheit. Reden ist ohnehin eine der wirksamsten Waffen gegen Angst - übrigens ebenso wie das Malen. 

Kinder auf Trennungen vorbereiten und sich verabschieden 


Trennungsängste lassen sich einfacher verarbeiten, wenn für das Kind überschaubar ist, wie lange die Trennung dauert. Es sollte darauf vorbereitet werden, also rechtzeitig Bescheid wissen, auch wenn man versucht ist, es dem Kind erst spät zu sagen, damit man den Kummer nicht so lange ertragen muss. Dabei kann man eine Menge der Angst schon "abarbeiten" - mit dem Kind zusammen. Wenn der Zeitpunkt der Trennung gekommen ist, hat sich das Kind schon damit auseinander gesetzt und es ist nicht ganz so überfordert.

Ich hatte oben schon geschrieben: es ist immens wichtig, dass man Kinder niemals ohne Ankündigung verlässt. Gerade bei Babys ist man anfangs geneigt, einfach zu gehen, wenn es gerade hingebungsvoll mit der Oma spielt, weil es ganz sicher weinen wird, wenn es sieht, dass Mama geht. Das ist für uns zwar bequemer, wir nehmen damit aber unserem Kind die Gewissheit, dass wir zuverlässig sind. Außerdem muss auch die Bewältigung von Trennungsängsten geübt werden und das geht nun mal nicht ohne Tränen. Je früher wir unser Kind immer wieder kleineren Trennungen aussetzen, desto mehr wächst es daran. Darauf basiert auch das Berliner Modell bei der Kita-Eingewöhnung. 

Schnullern 


Die Natur hat unseren Kindern eine Angstbewältigungsstrategie in die Wiege gelegt - das Saugen. Neugeborene bauen damit Stress und Spannungen ab - auch in den nächsten Lebensjahren hilft Schnullern bei der Stressbewältigung. Daher sollte man gut überlegen, wie dringend es ist, Kindern gegen ihren Willen den Schnuller abzugewöhnen. Das Nuckeln ist keine "schlechte Gewohnheit", sondern etwas, das unseren Kindern extrem gut hilft, negative Gefühle zu verarbeiten. Jeder Zahnarzt wird immer empfehlen, wegen etwaiger Zahnfehlstellungen den Nuckel spätestens im vierten Lebensjahr abzuschaffen - allerdings sind für ihn ausschließlich die Zähne interessant. Aber der Nuckel hat auch eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Psyche, so dass ich mittlerweile eher geneigt bin, eine kieferorthopädische Behandlung in Kauf zu nehmen, als den Schnuller um jeden Preis abzuschaffen. 

Kinder Risiken eingehen lassen 


Um an Ängsten zu wachsen, müssen diese bewusst erlebt und überstanden werden. Wir Eltern müssen unseren Kindern den Freiraum geben, sich ihren Ängsten zu stellen. Dazu gehört es, loszulassen. Sie einen Baum hinauf klettern zu lassen. Sie allein (altersgerecht) zum Bäcker gehen zu lassen, sie bei Freunden übernachten lassen. Sie werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch mal weh tun oder vor ihrer eigenen Courage kapitulieren. Aber das macht nichts - denn das gehört dazu und markiert die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Es ist wenig sinnvoll, dann mit "Ich habe es dir doch gesagt! Warum bist du nur so hoch geklettert!" zu reagieren- wenn etwas schief geht, sollten wir Trost spenden und nicht triumphieren, dass wir es ja besser gewusst haben. Es ist sehr plakativ, aber tatsächlich so - dass es weh tut, wird ein Kind erst wirklich begreifen, wenn es sich die Hand am Herd verbrannt hat. Das heißt natürlich nicht, dass wir unsere Kinder sehenden Auges in Gefahren laufen lassen - aber ständige Ermahnungen und Warnungen vor kleineren Gefahren sind ebenso anstrengend, wie sinnlos..

Man darf sich nicht davor fürchten, das Kind zu verhätscheln, wenn man ihm immer wieder einen sicheren Hafen bietet - seine Angst ist elementar und sollte unbedingt ernst genommen werden, ohne sie übertrieben zu thematisieren. Die Natur hat es nicht so eingerichtet, dass sich Kinder monatelang ängstlich an Mama klammern - wenn sie sich durch bedingungslosen Schutz und Rückhalt wirklich sicher fühlen, wird ihr Erkundungsdrang immer größer und sie fahren nach und nach mutiger fort, die Welt zu entdecken. 

Gelassenheit und Zeit 


Wie bei allem gilt: jedes Kind hat ein individuelles Tempo. Auch bei der Angstbewältigung sollten wir unsere Kinder geduldig unterstützen, auch wenn wir selbst möglicherweise eine gewisse Ungeduld empfinden. Auch hier gilt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Nicht zu vergessen ist, dass der Umgang mit Ängsten auch typbedingt ist. Es gibt Babys, die lassen sich überall hinlegen und sind ruhig und zufrieden - andere Zeitgenossen lassen sich kaum ablegen und wachen ständig auf um zu prüfen, ob sie sicher sind. Ein bisschen ist uns schon in die Wiege gelegt, ob wir eher furchtlos oder etwas ängstlicher sind. Wir sollten unsere Kinder annehmen, wie sie sind und darauf vertrauen, dass sie ihren Weg finden werden. 

Bücher 


Es gibt sehr schöne Bücher, die sich hervorragend für die Begleitung von Ängsten eignen - diese hier sind sehr gut geeignet:


© Danielle 

Quellen 


Rogge, Jan-Uwe, Ängste machen Kinder stark


Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen wieder einmal tollen Artikel!!!
    Bei unseren dreien sind Ängste auch unterschiedlich ausgeprägt u scheinen auch mit dem jeweiligen Charakter zusammen zu passen. Ich selbst bin ein sehr ängstlicher Mensch und muss immer wieder aufpassen, dass ich es nicht auf meine Kinder übertrage... da fällt es nicht leicht "loszulassen" und sie ihre eigenen begleiteten Erfahrungen machen zu lassen.

    Liebe Grüße
    Stephi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Stephi,

      vielen Dank! Ich denke auch, dass es auch stark Typsache ist, wie ängstlich Kinder sind. Aber Du wirst das schaffen, loszulassen - es wird im Laufe der Zeit immer einfacher (ist ja auch von der Natur so vorgesehen ;-).

      Liebe Grüße!
      Danielle

      Löschen
  2. Danke, toller Artikel! Schwierig wird es irgendwie, wenn der Partner sehr ängstlich ist und man selbst nicht. Mein Mann würde unsere Tochter am liebsten in Watte packen, während ich wirklich recht furchtlos bin (meistens). Gleichzeitig musste auch mein Mann als Kind oft die Standardsprüche anhören (“hab dich nicht so, ist doch gar nichts...“), so dass er dazu auch eher tendiert, wenn die Angst für ihn nicht nachvollziehbar ist. Unsere Tochter ist ein eher vorsichtiger kleiner Mensch, charakterlich kommt Sie mehr nach meinen Mann, so dass ich wiederum oft an meine Einfühlgrenzen stosse, da ich so anders ticke... Es ist ein stetiger Lernprozess, manchmal recht schmerzhaft, oft erhellend aber immer lohnenswert!

    AntwortenLöschen
  3. Sehr hilfreich, wieder einmal! Eine Frage habe ich noch: gilt als "Verlassen" auch, den Raum zu verlassen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Linda,

      nein, so lange Du gleich wieder da bist, wenn Dein Kind Dich "ruft", ist das kein Problem. Traumatisch kann es für die Kinder sein, wenn man sich nicht verabschiedet hat und dann auch nicht kommt, wenn sie nach einem verlangen.

      Viele Grüße!
      Danielle

      Löschen
  4. Der immer wieder auftauchende Grundsatz "Nimm ernst, was dein Kind bewegt", den kann man gar nicht genug wiederholen.
    Danke für die tolle Aufarbeitung der verschiedenen Ängste, Phasen, Begegnungsformen und auch der Negativbeispiele.

    LG,
    Steffen

    AntwortenLöschen
  5. Also das mit dem Schnullern finde ich total übertrieben. Eine Kieferorthopädische Behandlung bringt starke Schmerzen mit sich und unter einer Zahnfehlstellung leidet auch die Sprachentwicklung.
    Immer Kosten und Nutzen abwiegen.Auf keinen Fall verallgemeinern.
    Es ist auch die Aufgabe von Eltern das Kind zu beschützen. Dazu gehört auch die Zahnpflege was sanften Zwang zum Zähneputzen und eben sobald sich eine Zahnfehlstellung andeutet wegnahme des Schnullers. Ein Kind will nicht immer alles aus sich selbst herraus leisten(aber vieles) es ist auch wichtig zu sagen, das kannst Du jetzt noch nicht überblicken aber das ist wichtig für dich deswegen setze ich mich jetzt darüber hinweg.
    Das mit der kieferorthopädischen Behandlung statt Schnullerentzug könnte man ja noch ausweiten. Von wegen es ist wichtiger, dass das Kind seine körperlichen Grenzen verteidigen darf, dann lassen wir eben die verfaulten Zähne neu machen. Was jetzt nicht heißt, dass man sein Kind zum Zähne putzen prügeln soll.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Barbara,

      vor einem Jahr hätte ich ungefähr das selbe geschrieben wie Du - es ist recht einfach, diesen Standpunkt zu vertreten, wenn man ein Kind hat, das - wie ungefähr 95 % aller Kinder - erstaunlich gelassen mit dem Schnullerentzug umgeht. Meiner Tochter habe ich mit etwa 2,5 Jahren den Nuckel weggenommen und das war (bis auf einen quengeligen Abend) völlig unproblematisch.

      Mein Sohn hat mich eines besseren belehrt und ich bin zu 100% sicher, dass kein Mensch der Welt ihm seinen Schnuller vorenthalten hätte, wenn er gesehen hätte, wie er leidet. Er hat nicht nur geweint, er war hysterisch, hat fast hyperventiliert und war soooo verzweifelt. Nein - das ist es definitiv nicht wert (für mich!).

      Ich selbst habe 10 (!) Jahre kieferorthopädischer Behandlung hinter mir (mit dem Daumen genuckelt - was er vielleicht dann auch tun würde) und kann recht gut beurteilen, wie viel Leid das ist und wäge daher anders ab, als es andere möglicherweise täten. Ich habe auch gerade letzte Woche den Zahnarzt gefragt, ob das Nuckeln schon Auswirkungen zeigt und er winkte ab und meinte nur: "Lassen sie ihm bloß den Nuckel, er ist doch noch so klein".

      Und ja - ich finde, es ist ein Unterschied, ob ich schiefe oder verfaulte Zähne in Kauf nehme - das eine ist reversibel, das andere nicht. Insofern gibt es beim Zähneputzen keine Kompromisse.

      Viele Grüße!
      Danielle

      Löschen
    2. Gut das ist ein individueller Fall und bisher ist da ja auch noch nichts mit Zahnfehlstellung von daher habt ihr da auch noch Zeit. Dennoch würde ich dabei bleiben im Allgemeinen zu sagen, bei drohender Zahnfehlstellun Nuckel weg. Klar, jeder schaut auf sein Kind und im extremfall wird umgedacht. Ich hatte ca 5- 6 Jahre Spangen das hat mir gerreicht es war eine Quälerei. Echt nicht schön. Naja das hatte aber nichts mit Nuckeln zu tun.

      Löschen
    3. ...nur zur Beruhigung. Ich habe leidenschaftlich und lange genuckelt (mit kurzer Unterbrechung bis 6 Jahre) und habe eine perfekte Zahnstellung. Jeder Zahnarzt ist sich sicher, dass ich eine Spange hatte.
      Noch wichtiger als Schnuller oder nicht ist der Platz im Mund. Es gibt Kinder deren Milchzähne dicht beieinander stehen, da ist eine Fehlstellung absehbar. Meine Tochter hat "mein" Milchgebiss mit weit auseinander stehenden Zähnchen aber mit 5 Jahren noch einen Schnuller. Den gibts seit sie 8 monate alt ist zum schlafen und "Pause machen". Hab ihn nie nach draussen mitgenommen, nie zum "ruhig stellen" oder zum Dauernuckeln benutzt. Wenn meine Tochter eingeschlafen ist, nehme ich den Schnuller aus dem Mund. Meistens merkt sie es bis zum morgen nicht. Ich finde so ist die "Nuckelzeit" auf ein Minimum reduziert und doch muss sich meine Tochter noch nicht davon trennen. Da sie seit knapp 3/4 Jahr im Kindergarten ist braucht sie den auf jeden Fall noch zum Stressabbau. Meiner Meinung nach stimmt so das Verhältnis und alle sind zufrieden.
      Vielen Dank für die tolle Plattform und lg

      Löschen
    4. übrigens kann fast jeder Zahnarzt bestätigen, das die Zahnfehlstellung sich mit 6 meist (nicht immer) verwächst, da die Milchzähne ausfallen und der Kiefer und die neuen Zähne, sich neu ausrichten.

      Löschen
    5. Ich selbst habe einen "Daumenlutscher". Da kann man ja gar nichts machen, will man nicht ganz brutal vorgehen.

      Löschen
  6. Meine Kinder sind schon erwachsen und so bin ich aus der Problematik bereits ein bisschen raus. Aber ich habe mit sehr viel Interesse deinen Artikel gelesen (und ein bisschen gelernt, was wir alles falsch gemacht haben .... bei unseren gewünschtesten Wunschkinder ...)
    Lustig und tatsächlich sehr gut fand ich die Idee mit dem Monsterspray!!!! Sowas gab es vor gut 20 Jahren noch nicht. Wir mussten bei den Monstern immer den Monsterstöpsel ziehen, so dass den bösen Kerlen die Luft ausgegangen ist - wie bei einem Luftballon, wenn man den Knoten aufmacht. (Der Mann ist halt Ingenieur ;-) )
    LG
    Sabiene

    AntwortenLöschen
  7. Ich habe gerade diesen Artikel gelesen - seit ich eure Homepage entdeckt habe, verschlinge ich die meisten Sachen, weil ich sie reflektiert und sehr gut recherchiert finde - und hätte eine Frage: ich habe zwei Töchter (Zwillinge, 21 Mon.), und seit einiger Zeit ist es so, dass sich eins meiner Kinder sehr vor anderen (meist gleichaltrigen oder auch jüngeren Kindern) fürchtet. Sie war schon immer eher zurückhaltend in Bezug auf andere Kinder, aber jetzt ist es so, dass sie schon "Nein, nein" sagt, wenn sich ihr ein Kind nur nähert oder ihr z.B. etwas geben will und "klebt" richtig an mir. Sie schafft es dann auch nicht, sich ein Spielzeug zu holen, wenn andere Kinder um sie herum sind. Meine Frage: habt ihr einen Tipp/ Buchtipp für mich? Mir ist klar, dass Kinder in dem Alter eigentlich noch nicht "sozial" agieren, aber warum sieht/ empfindet sie andere Kinder als so furchteinflößend? Kann es sein, dass ihr Selbstbewusstsein noch nicht sehr stark entwickelt ist?? Zu Hause ist es so, dass ihre Schwester die dominante ist (schon von Geburt an), die ihr alles einfach wegnimmt und dabei auf wenig Gegenwehr stößt...
    Würde mich freuen, wenn ihr mir weiterhelfen könntet.
    LG
    Madeleine

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Danielle,
    Hast du einen Buchtipp für mich zum Thema Trennungsangst bei zwei jährigen Kindern.
    Ich bin im Studium gerade von morgens bis abends eingespannt, mein Freund schreibt auch gerade seine Bachelorarbeit. Und unsere Tochter geht nie vor 22-22:30 ins Bett. Ich glaube, weil sie Angst davor hat, alleine zu sein und davor, dass Mama wieder weg ist, wenn sie aufwacht.
    Dass sie bei uns im Bett schläft ist aber auch keine Lösung mehr, da sie nachts so unruhig ist, dass ich kein Auge zu bekomme, wenn ich neben ihr liege.
    Vielleicht habt ihr ja ein Buch gelesen, was uns in der Situation helfen kann. Ich fange nämlich gerade an zu zweifeln, wie viel wir in zwei Jahren schon falsch gemacht haben können, dass hier zu Hause gerade eine so unerträgliche Situation für alle Beteiligten herrscht. Ich gehe wirklich auf dem Zahnfleisch, weil meine Tochter sich auch nicht mehr von meinem Freund anfassen lässt, wenn ich da bin. Er darf ihr nicht mal den Schnuller oder die Wasserflasche geben...
    Ich hoffe, ihr könnt mir einen Tipp geben.
    Ich weiß ja, dass ihr keine kostenlose Beratung mehr macht, was ich auch verstehen kann. Allerdings ist bei zwei Studenten das Geld so knapp, dass ich zumindest nach einem Buch fragen wollte.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo,

      ich fürchte, dass man diese "Programmierung" der Kinder nicht ohne weiteres verändern kann. Und ich bin ganz sicher, dass ihr daran nicht Schuld seid oder etwas falsch gemacht habt. Euer Kind will einfach in Eurer Nähe sein, das gibt ihm sein Sicherheitsbedürfnis vor. Sie ist einfach noch so klein, dass es wirklich vollkommen normal ist, dass sie nicht alleine sein möchte. Vielleicht wäre ein gesondertes Kinderbett neben dem Elternbett eine Möglichkeit? Dann bist Du zwar da, aber kannst möglicherweise besser schlafen, wenn sie Dich nicht unablässig berührt? Falls es zu laut ist (bspw. weil sie raschelt), könnte man Ohropax in Betracht ziehen.

      Das würde ich zumindest für eine Weile praktizieren - irgendwie klingen Deine Schilderungen danach, als sei das zu einem ziemlichen Konfliktherd bei Euch geworden. Dein Kind spürt natürlich, dass ihr Verhalten Dich belastet, aber sie hat für sich keine Lösung. Sie spürt Deine Anspannung und ihr Bindungsdrang führt dazu, dass sie sich noch enger an Dich binden willst, je mehr sie das Gefühl hat, dass Du Dich entfernst. Das könnte auch der Grund sein, warum Papa gerade nichts mehr machen darf - sie will Dich sehen und spüren und sich immer wieder vergewissern, dass Bindungsperson Nr. 1 noch zuverlässig zur Verfügung steht. Solche Phasen sind aber unabhängig davon auch normal und geben sich bald wieder, auch wenn es schwer fällt, sollte sich Dein Freund nicht allzu sehr deswegen grämen.

      Du musst immer schauen, dass auch Deine Bedürfnisse beachtet werden - es geht nicht, dass Du das Gefühl hast, dauerhaft auf dem Zahnfleisch zu gehen. Es ist für ein Kind zumutbar, dass es "gezwungen" wird, dass auch Bindungsperson Nr. 2 Aufgaben übernimmt - es ist nicht Deine Aufgabe, 100% zur Verfügung zu stehen. Wenn Du das klar kommunizierst, dann wird Deine das Deine Tochter auch akzeptieren. Du solltest nur im Hinterkopf behalten, dass sie sich vielleicht deswegen so an Dich bindet, weil sie das Gefühl hast, dass Du Dich mental entfernst.

      Versucht mal, einen Strich unter die Situation zu ziehen und zu sagen: Okay - Du schläfst bei uns ein (ggf. auf einer gesonderten Matratze im Wohnzimmer), aber es ist ab 19 oder 20 Uhr eben auch keine Spielzeit mehr und Mama und Papa arbeiten. Ist sie eingeschlafen, kann man sie ins eigene Bett legen - sollte aber vorher sagen: Du kannst immer zu uns kommen. Dann kann man ja die Matratze neben das Elternbett legen und dann schläft sie dort weiter.

      Als Buchempfehlung würde mir jetzt "Schlaf gut Baby" von Imlau/Renz-Polster einfallen - allerdings "löst" das Euer Problem auch nur insofern, dass ihr versteht, warum Euer Kind so handelt. Ich fürchte, dass man nur durch ein gezieltes Schlafprogramm etwas daran ändern kann - diese lehne ich jedoch komplett ab.

      Ganz liebe Grüße!
      Danielle

      Löschen
  9. Ich liebe Deine Webseite und wünschte manchmal auch meine Umgebung würde sie lesen dann würden mich im Umgang mit meinen Kindern wohl nicht alle für verrückt halten.
    Unser großer, wird im Nov. 3 und darf viel mitentscheiden. Das erleichtert den Alltag total denn er ist in "wichtigen" Situationen dann unglaublich kooperativ und hilfsbereit. Besonders wenn es mit dem "Kleinen" mal anstrengend wird ist der Große super zuverlässig.

    Das einzige was mir wirklich Bauchschmerzen bereitet sind die Trennungsängste. Er geht seit er 10 Monate alt ist in die Kita. Er liebt es da. Wenn ich ihn abhole will er immer noch 5 min spielen bevor er mitkommt.
    Aber er hat immer wieder solche Phasen in denen er nicht hin will.

    Er geht rein in die Kita. Wir parken seinen Roller, bringen die Kuscheltiere ins Bett, küssen uns dann schubst er mich raus. Jeden Morgen alles gleich. Aber in diesem Moment kommt er mir hinter her gerannt. Klammert sich an mich und weint bitterlich.

    Mama, bitte ich will nicht hier bleiben. Nimm mich mit. Tage und Wochenlang.

    Dann ist es wieder vorbei für ein paar Wochen und es geht von vorne los.

    Mache ich was falsch? Wie kann ich es ihm erleichtern?
    Reden morgens bringt nichts. Das zieh den Abschied in die Länge und es wird dramatischer.

    Die Erzieherinnen sagen, er weint keine 2 Minuten dann lässt er sich gut ablenken.

    Muss ich einfach damit leben oder kann ich etwas tun?

    AntwortenLöschen
  10. Ich habe lange mit meinem Kind gesprochen weil seine Kita Angst immer größer wird. Er sagt, er hat Angst vor K. & J-M. (2 Jungs aus seiner Gruppe)

    Hab ihm versprochen dass ich mit der Erzieherin spreche und ihm gesagt, wenn der gemein ist soll er sagen:

    Geh weg, mit Dir spiele ich nicht mehr !

    Das fand er gut und hat gelacht.

    Abschied war trotzdem wieder sehr dramatisch in der Kita.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo,

      das wäre auch meine erste Idee gewesen - irgendwas bereitet ihm Unbehagen und deshalb fällt es ihm schwer, sich zu lösen. Es ist gut und wichtig, die Erzieherin dafür zu sensibilisieren! Ich würde das auch zu Hause immer wieder thematisieren - wenn er Strategien entwickelt, mit diesen Kindern umzugehen, dann stärkt das sein Selbstbewusstsein und verringert die Ängste.

      Unabhängig davon ist die Anhänglichkeit beim abgeben auch oft entwicklungsphasenabhängig. Mitten in der Autonomiephase schwanken Kinder zwischen Schutzbedürfnis und Autonomiedrang, das führt häufig dazu, dass es schwierig wird mit Trennungen.

      Viele Grüße
      Danielle

      Löschen
  11. Vielen Dank für Deine Antwort. Ich wollte mal berichten wie es eine gute Woche später aussieht bei uns.

    Ich habe das Thema in der Kita nochmal angesprochen. Daraufhin gab es eine "Konferenz" mit meinem Großen und "dem Übeltäter" in der Kita. Sie haben ihm erklärt dass er ihm mit seinem Verhalten Angst macht.

    Er hat versprochen sich zu bessern.

    Das hat mir die Erzieherin so erzählt. Ich finde es gut dass sie auf meine. Sohn so gut eingehen. Da mein Großer mir nichts davon erzählt hat glaub ich aber es ist bei ihm nicht richtig angekommen.

    Auf jeden Fall hat sich bisher nichts gebessert. Der Weg zur Kita ist super. Wir haben Spaß. Auch wenn wir rein gehen ist alles ok. Dann bekomme ich wie immer mein Kussi und wir gehen zur Gruppe. Sobald er dort die Erzieherinnen sieht klammert er sich an mich und weint.

    Naja, ich geh ihm ein Kussi und er schubst mich dann weinend und schreiend raus. Mir bricht es das Herz ihn so zu sehen.

    Die Erzieherin sagt, dass er sich schnell ablenken lässt und dann ist alles gut.

    Wenn ich ihn abhole frage ich immer ob es schön war in der Kita. Er strahlt und sagt ja.

    Naja, so hoffe ich einfach dass es irgendwann besser wird und hoffe dass er nicht zu sehr leidet.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, dass Du nochmal den aktuellen Stand berichtet hast.

      Grundsätzlich ist es sicher ein gutes Zeichen, wenn er sich schnell ablenken lässt und Dich beim Abholen fröhlich mit der Nachricht empfängt, dass es ein toller Tag war.

      Ich würde einfach mal ausprobieren, ob ihm vielleicht mehr Zeit beim Abgeben gut täte. Also den Trennungsmoment für eine Weile etwas intensiver begleiten. Kann sein, dass ihm das gut tut, kann sein, dass es gar nichts ändert. Aber einen Versuch ist es wert. Wenig ist schlimmer, als ein weinendes Kind zurück zu lassen. Das ist natürlich auch etwas abhängig von Deinen Ressourcen...

      Liebe Grüße
      Danielle

      Löschen
  12. Vielen Dank. Das werde ich kommende Woche versuchen.

    Ich versuche schon immer die Erste in der Kita zu sein. Dann steht er bei den Erzieherinnen im Mittelpunkt und kommt nicht in einen gefüllten Grupperraum rein. Das tut ihm sonst gut.

    AntwortenLöschen
  13. Ein weiterer toller Artikel! Ich lese euren Blog unheimlich gerne und teile eure Philosophie bzw.. euren Anspruch im Umgang mit Kindern.
    Leider wurde meine Frage in diesem Artikel noch nicht vollständig beantwortet. Und zwar habe ich eine Tochter (3J.), die ziemlich sensibel ist:
    - weint, wenn die Erzieherin einem anderen (lebhaften) Kind gegenüber laut wird
    - ist sehr schüchtern, wenn wir auf Spielplätzen oder in Veranstaltungen auf andere Kinder treffen
    - braucht auch bei gewohnten Aktivitäten (z.B. Kinderturnen), bei denen sie auch einige Kinder kennt, lange, bis sie mitmachen kann ohne Mama
    - berichtet zu Hause wenig von Erlebnissen und schweigt oft zu meinen Fragen (wirkt dabei manchmal melancholisch)
    - es kam vor, dass sie beim Opa war, plötzlich in den Flur ging und weinte, obwohl - laut Opa - "nichts vorgefallen sei" und als ich sie später im Auto danach fragte, schaute sie, wie so oft, aus dem Fenster und schwieg

    Ich mache mir Sorgen, weil ich manchmal nicht weiß, was los ist. Ob sie irgendetwas hat und nicht darüber spricht. Sie ist ein pfiffiges Kind das durchaus gut reden kann, beobachtet viel und bekommt schon vieles mit. Freunde von mir beschreiben sie als sehr besonders, finden dass sie schon sehr weit sei in ihrem Sozialverhalten und in dem, was sie von sich gibt, dass sie toll höre etc. ...
    Ich achte zu Hause schon auf einen freundlichen Umgang und nehme an, dass sie eine gewisse Freundlichkeit vielleicht auch von ihren gleichaltrigen Gegenübern erwartet. Sie macht im Alltag aber sicherlich auch andere Erfahrungen und nimmt sich - so ist jedenfalls mein Eindruck - schon sehr vieles zu Herzen. Ich frage mich, wie ich ihr helfen, sie stärken, sie öffnen kann. Sie soll sich lieb haben und gut und richtig finden, wie sie ist!...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Klabree,

      nachdem ich Deinen Kommentar gelesen hatte, kam mir sofort der Gedanke: "Ist sie vielleicht hochsensibel?" Es klingt ganz danach und würde viele Verhaltensweisen erklären. Ich habe mich noch nicht umfassend mit dem Thema befasst, daher kann ich Dir noch keinen Rat geben, aber schau Dich mal auf den entsprechenden Seiten dazu um. Oft hilft es ja schon, dass man weiß, was überhaupt los ist.

      Liebe Grüße
      Danielle

      Löschen
  14. Es ist einfach nur fabelhaft wie ich zu jeder meiner momentanen Erziehungsprobleme passende Antworten in eurem Blog finde. Das mit dem richtigen Verabschieden muss ich nun üben. Habe mich in der Tat immer herausgeschlichen und geglaubt es sei das beste so...nun nicht mehr.
    Und da fällt mir noch eine Frage ein. Ich habe einen 18M alten Sohn, stille noch und bin mit ihm daheim. In einem halben Jahr hätte ich die Chance auf ei 5-tägiges Auslandsseminar. Ich würde am liebsten meinen Sohn mitnehmen, allerdings ist das nicht möglich. MeinMann meint es würde schon ok sein, ein 2 jähriges Kind für 5 Tage bei Papa und Oma zu lassen. Ich bin hin- und her gerissen, ob es meinem Sohn dann schon zumutbar sei. Habt ihr einen Gedanken dazu?

    AntwortenLöschen
  15. Liebe Solveig
    Als meine Tochter 18 Monate alt war (nicht mehr gestillt) bin ich an die Hochzeit meiner besten Freundin nach England gefahren. Meine Mutter hat meinen Mann 2 Tage und Nächte unterstützt. Als ich nach Hause kam und meine Tochter sah wie sie erst gestutzt, dann gelächelt und ihre kleine Hand an meine Wange gehalten hat sind alle meine Dämme gebrochen und ich habe lange geweint. Vor Freude aber auch Schuldgefühlen.
    Wenn ich so lese wie du mit deinem Sohn verbunden bist und dir Gedanken dazu machst, denke ich, dass dir ähnlich gehen wird. Die Weiterbildung scheint dir wichtig zu sein und nebst dem Muttersein bist du auch eine eigenständige Person mit dem Recht auch etwas für dich zu tun.
    Ich habe aber die Zeit für mich in meinem geliebten England genossen, bei der Heimkehr sehr sehr gelitten aber ich würde es wieder tun. Meine Tochter scheint es auch verkraftet zu haben ;)
    Viel Glück und liebe Grüsse
    Andrea

    AntwortenLöschen
  16. Lieben Dank für deine ermutigenden Worte, Andrea. Es ist noch eine ganze Weile bis dahin. Mental kann ich uns hoffentlich gut darauf vorbereiten.

    AntwortenLöschen